Dienstag, 30. September 2008

Danke, Dennis!

...für den Link zum wohl lustigsten Musikerinterview, das ich seit langem gelesen habe. Lemmy, das gurgelnde Nilpferd von Motörhead hielt Hof für einen Journalisten der Süddeutschen Zeitung und trotz allem Gekasper hat der Kerl durchaus hochintelligente Sachen im Kopf - ein göttliches Gespräch!

Interesse? Hier gehts lang...

Buch-Rezensionen (080): Erich von Däniken - Raumfahrt im Altertum (1993)

(Cover: Amazon.de)

Zur Fernsehserie "Auf den Spuren der Allmächtigen", die 1993 auf SAT.1 lief, erschienen gleich zwei Begleitbücher, eines mit dem Titel des TV-Formats und dieser vorliegende Band.

Kaufte ich diese Bücher damals noch durchaus aufgeschlossen gegenüber den Theorien des Schweizers, hat sich diese Haltung mittlerweile aufgrund der zahlreichen Gegenbeweisführungen gewandelt. Däniken passt einfach zu viele Dinge der Wissenschaft seinen eigenen Theorien an, als das sie ein für sich stehendes, schlüssiges Bild ergeben würden. Hauptmanko: Die von ihm vermutete extraterrestrische Technologie ist stets vergleichbarer ihrer irdischen Pendants. Dabei stellt sich dem Beobachter doch die Frage, warum eine technologisch derartig überlegene Kultur (um die es sich aufgrund von Raumfernreisen ja handeln müsste) auf vergleichsweise rückständige Antriebs- und Kommunikationsmethoden zurückgreifen sollte.

Zumindestens bietet der Band interessante Fotos von Plätzen, die ich teilweise selbst schon besuchen durfte, wie beispielsweise dem im guatemaltekischen Dschungel gelegenen Tikal. Ich empfinde die vor anderthalb Jahrzehnten angeschafften Bücher von Dänikens mittlerweile als Unterhaltungsliteratur, die mir doch den einen oder anderen Schmunzler entlocken. Vielleicht sollte man es doch mit den Worten halten, mit dem der Autor jeden seiner Vorträge beschließt: "Glauben Sie mir kein Wort..."

Bewertung: 3 von 5

Mir san mir - Nachtrag

Wie ich es gestern bereits vermutet habe ist es heute auch gekommen. CSU-Chef Huber stellt sein Amt zur Verfügung, damit ist auch Generalsekretärin Haderthauer ihren Job los. Horst Seehofer wird, wie vorausgesehen, neuer Parteivorsitzender. Die Wettquoten für diese Entwicklungen dürften allerdings nicht besonders hoch gewesen sein, von daher bitte ich um Ehrenbezeichnungen wie "Nostradamus", "Gott" oder ähnlichen mir gegenüber abzusehen. :D

Montag, 29. September 2008

DVD-Rezensionen (080): Fluch der Karibik (3-Disc Special Edition) (2003)

(Cover: Amazon.de)

Das Label "Special Edition" pappt an so manchem zusammengeschusterten Produkt, welches den Käufer oftmals mehr ärgert als wirklich einen Mehrwert bietet. Nicht so bei diesem tollen 3-Disc-Schuber, hier gibts wirklich Bonusmaterial satt!

Über "Fluch der Karibik" selbst noch ellenlange Handlungsbeschreibungen abzufassen ist wirklich vertane Lebenszeit. Die Fakten sprechen einfach für sich. Das Wagnis, den eigentlich seit Jahrzehnten mausetoten Piratenfilm nach allen Regeln des modernen Popcornkinos wieder aufleben zu lassen, ging voll auf. Man muß Hollywoods Krachbummpeng-Produzentenguru Jerry Bruckheimer schon für sein Näschen bewundern, schließlich lagen die ersten Drehbuchpläne für das Spektakel rund um unermessliche Schätze, untote Freibeuter und einen schrägen Vogel als Hauptdarsteller schon seit Beginn der 90er Jahre in den Schubladen.

Das der Film solch ein enormer Blockbuster mit gleich zwei - umstrittenen - Fortsetzungen wurde, ist vor allem einem Mitwirkenden zu verdanken: Johnny Depp. Sein Captain Jack Sparrow, irgendwo zwischen Tunte, Gipsy Woman und Rockstar angelegt, macht schon beim bloßen Anblick unheimlich Laune. Ganz groß, aber vom Meister der Wandlungsfähigkeit nicht unerwartet! Da kann allenfalls Geoffrey Rush als Sparrows Gegenspieler Barbossa mithalten, Orlando Bloom und Keira Knightley geben eher die optischen Leckerlis für beide Fan-Geschlechter.

Bei Fluch der Karibik wird nicht gekleckert sondern geklotzt. Ordentlich Krawumm auf der Leinwand und aus den Boxen. Zum einen ein spektakulärer Mix aus Seeschlachten und Entergefechten, zum anderen der bombastische Soundtrack von Klaus Badelt. Ich bin eigentlich kein Anhänger des Überrumpelungskinos, aber hier hat mir das Ergebnis doch sehr zugesagt.

Bis auf die Tatsache, dass diese Edition den regulären Erstveröffentlichungen nachgereicht und somit viele frühe Käufer verärgert wurden, gibt es an diesem Produkt nichts zu löten. Diverse "Making Ofs", Audio-Kommentare, Produktionsnotizen en masse - ordentlich Inhalt fürs Geld, bei dem auch Ton- und Bildwerte ganz oben mitspielen. Optisch sehr nett, was will man mehr?

Bewertung: 5 von 5

Mir san mir...g'wesen!

Parlamentswahlen auf Landesebene erregen nicht in jedem Fall meine Aufmerksamkeit. Natürlich im eigenen Bundesland oder wenn der Verlauf äußerst spannend zu werden verspricht. Gestern war wieder einmal solch ein außergewöhnliches Ereignis zu bestaunen - ein politisches Erdbeben in Bayern. Nach gefühlten Äonen endet hier die Alleinherrschaft der CSU, die im Vergleich zur letzten Landtagswahl krachende 17,3 Prozentpunkte und somit ihre absolute Mehrheit verliert. Alles deutet nun auf ein schwarz-gelbes Bündnis hin, denn die FDP ist mit für ihre Verhältnisse stolzen 8 Prozent zurück im Münchner Parlament.

Überraschend das starke Resultat der Freien Wähler (10,2%). War das der "Frau Pauli"-Effekt?

Wie immer drollig die allseitigen "Wir haben gewonnen!"-Rufe von allen Seiten. Da redet selbst der SPD-Spitzenkandidat Franz Maget das schlechteste SPD-Ergebnis aller Nachkriegswahlen (18,6%) schön, in dem er schadenfroh auf die Verluste der Schwarzen hinweist. Und die "Berliner Runde" mit den Partei-Generalsekretären war wieder Fremdschämen pur, da konnte sich selbst Ulrich Deppendorf ab und an ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen.

Auf personelle Konsequenzen bei den Christsozialen darf man gespannt sein. Die mir völlig inkompetent erscheinende Generalsekretärin Haderthauer dürfte nicht zu halten sein, auch wenn es heute Dementis hagelt. Bei Parteichef Huber bin ich mir auch nicht sicher, zumal Horst Seehofer bereitstehen dürfte. Und Ministerpräsident Günther Beckstein? Schwer zu sagen, meiner Meinung nach wird er beschädigt vorerst im Amt bleiben.

Eins hätte mich aber schon interessiert - die gestrige Stimmungslage im Hause Stoiber in Wolfratshausen. Ob der Edmund beim Miterleben des Debakels seiner Nachfolger, die ihn so schmählich abgesägt hatten, "ein Glas Sekt geöffnet", "eine Blume hingerichtet" oder sonst etwas Nettes zu "seiner Muschi" gesagt hat? Fragen über Fragen...

Samstag, 27. September 2008

CD-Rezensionen (079): Hape Kerkeling - Erwarten Se nix (1991)

(Cover: Amazon.de)

Ein Jammer, dass Hape Kerkeling schon seit vielen Jahren nicht mehr mit seinem kongenialen Partner Achim Hagemann zusammenarbeitet, besser als zu seligen "Total Normal"-Zeiten war er, aller "Horst Schlämmer"-Euphorie zum Trotz, nie wieder.

Mit dieser Live-CD kann man allerdings noch einmal eine Zeitreise in diese längst vergangenen Tage erleben. Kerkeling und Hagemann brillieren in verschiedenen Parodie-Rollen, in denen sie von Margot und Maria Hellwig über Modern Talking und Erika Berger bis hin zu Marcel Reich-Ranicki so ziemlich alles und jeden durch den Kakao ziehen.

Mit "Das ganze Leben ist ein Quiz" ist gleich noch der Hape-Gassenhauer schlechthin enthalten, doch der Brüller ist eindeutig "Der König ist tot" - Hape und Achim goes Opera!

Alles in allem ein sehr unterhaltender Nostalgietrip, kaum fassbar, dass diese Aufnahme schon fast unglaubliche 20 Jahre auf dem Buckel hat!

Bewertung: 5 von 5

Buch-Rezensionen (079): Nelles Guide Sri Lanka (2004)

(Cover: Amazon.de)

2004 bereiste ich Sri Lanka, das frühere Ceylon, mit diesem Reiseführer im Gepäck auf einer organisierten Rundreise. Für diese Art des Tourismus, sprich mit einem Einheimischen als Guide, ist dieser Reiseführer sehr gut geeignet, bietet er doch genügend Informationen über Geschichte und Kultur des Landes, seine Natur und Sehenswürdigkeiten.

Ist man allerdings als Backpacker auf eigene Faust unterwegs ist der "Nelles Guide Sri Lanka" die falsche Wahl. Nur spärliche Angaben über Unterkünfte sind für den Individualreisenden nicht ausreichend, der diesbezüglich auf ausführliche Informationen angewiesen ist. Bewegt man sich aber auf vorausberechneten Pfaden, bekommt man ein reichhaltig mit Fotos und Hintergrundinformationen zu den Sehenswürdigkeiten (auch im durch den Bürgerkrieg oftmals unzugänglichen Norden und Nordosten der Insel) versehenen Reiseführer geboten.

Allerdings finden sich doch im Buch einige wenig glaubhafte Behauptungen, wie z.B. den angeblichen Spitzenrang Sri Lankas beim weltweiten Pro-Kopf-Alkoholkonsum. Weder fand ich in den vergangenen Jahren irgendwo eine Bestätigung dieser These und auch mein damals darauf angesprochener Guide Ajith schüttelte ob dieser Unterstellung nur erstaunt den Kopf.

Fazit: Mir persönlich hat dieses Buch gute Dienste in einem Land mit mehreren Gesichtern geleistet, empfehlenswert besonders für geschichtsinteressierte Touristen.

Bewertung: 4 von 5

Paul Newman †

(Foto: SPIEGEL.de)

Die Hollywood-Legenden sterben langsam aus. Gestern ging mit dem zweifachen Oscar-Gewinner  Paul Newman einer der letzten "Großen Alten" im Alter von 83 Jahren. Im Gedächtnis der Filmfans wird er für vielerlei bleiben: Wegen seiner strahlend blauen Augen, seinem Rennfahrerhobby, seiner eigenen Salatsaucenfirma und vor allem wegen seines beeindruckenden karitativen Engagements.

Danke, Mr. Newman!

DVD-Rezensionen (079): Nosferatu - Phantom der Nacht (1979)

(Cover: Amazon.de)

Ein Remake (und das ist Werner Herzogs Film zum überwiegenden Teil) muß sich immer dem Vergleich mit dem Original stellen und in dieser Hinsicht zieht "Nosferatu - Phantom der Nacht" gegenüber Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker von 1922 trotz vielversprechender Ansätze doch den Kürzeren.

Punkten kann die Neuauflage in zum Teil beeindruckenden Kameraeinstellungen, von denen mich die Schlußszene, in der der mittlerweile zum Vampir gewordene Jonathan Harker (Bruno Ganz) am Strand als immer kleiner werdender Punkt symbolhaft in die Unendlichkeit reitet, am meisten berührt hat. Klaus Kinski spielt den Vampir äußerst zerbrechlich und sensibel, fast überwiegend in heiserem Flüsterton. Der von mir hochverehrte Mime geht zwar wieder einmal voll und ganz in seiner Rolle auf, dennoch bleibt der legendenumwitternde Max Schreck schon allein aufgrund seiner Physiognomie unerreicht.

Der immer wieder durch als Klammer eingeschnittene Flugsequenzen einer Fledermaus in Zeitlupe unterbrochene Film verliert ab der Ankunft Graf Draculas in Wismar dermaßen an Erzähltempo, dass das Zuschauen im Gegensatz zum ersten Teil der Handlung ungleich schwerer fällt. Einige Akteure wirken laienhaft oder einfach übertrieben, die Pestepidemie kann trotz eines Großeinsatzes von Ratten nicht überzeugen.

Sicherlich ist die zweite von fünf Zusammenarbeiten Herzogs und Kinskis kein wirklich schlechter Film, der aber dennoch unausgereift und holprig wirkt. Die dem Original eigene beklemmende Atmosphäre wird nur stellenweise erreicht und einige Längen wirken sehr störend. Kein Vergleich zu "Aguirre" oder "Fitzcarraldo".

Bild und Ton erreichen gute Standardwerte, als Bonus sind ein "Making Of" und ein Audiokommentar Werner Herzogs enthalten. Ein Platz im oberen Mittelfeld.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 26. September 2008

Nachtrag

Vor lauter Hin- und Herflitzerei mit dem Kleinen vergisst man selbst die prägendsten Ereignisse im privaten Umfeld. Dabei gabs am letzten Samstag mal wieder eine Hochzeit im Freundeskreis zu feiern. Herzlichen Glückwunsch Katrin und Daniel, nach 10 Jahren war das mal fällig! ;) Geheiratet wurde auf dem landschaftlich äußerst reizvollen Schloß Weesenstein, gefeiert im Hotel "Backstage" in Dresden. Bilder vom Event gibts hier.

Donnerstag, 25. September 2008

CD-Rezensionen (078): Guns N' Roses - Appetite For Destruction (1987)

(Cover: Amazon.de)

Ach ja, die Gunners. Es gab mal eine Zeit, da galten sie als der heißeste Scheiß unter der Sonne. Lang, lang ist es her als Axl und seine Mannen ganz einfach die Bude rockten. Gut nachzuvollziehen, wenn man sich das Debüt der Combo noch heute so anhört. Mr. Rose kreischt sich mit seiner stellenweise regelrecht sägenden Stimme ordentlich in des Lauschers Gehörgänge und über die Qualitäten der Obergitarrenquäler Slash und Izzy Stradlin braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren, eine Güteklasse, der die anderen Qualitäts-Instrumentenbediener Duff McKagan am Bass und Steven Adler an der Schießbude folgen, sei es bei der Singleauskopplung "Welcome To The Jungle", dem hämmernden "Nightrain", dem zum kollektiven Ausrasten einladenden "My Michelle" oder "Sweet Child O' Mine" mit seinem jedes Fußballstadion in seinen Grundfesten erschütternden Gitarrensolo.

Textlich geht es getreu dem alten Motto "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll" ordentlich zur Sache, dass bei "Rocket Queen" ein paar "Liveaufnahmen" von Roses Ex eingearbeitet sind, ist da eher typisch als außergewöhnlich.

Wo bei der Bewertung anfangen? Das gesamte Album ist erst einmal in seiner Gesamtheit ein mit Anlauf eingesprungener Tritt in den Allerwertesten, ein Generalangriff auf die Lauscher, laut, roh und ungehobelt. Ich bin im Allgemeinen gar nicht einmal ein unbedingter Fan des im Übermaß verstärkten Bratgitarrenriffs, aber diese Platte läßt mich von Beginn an zappeln, springen und mit dem Kopf schütteln. Dabei fängt so mancher Song mit eher vorsichtig gezupften Gitarrenklängen an, ehe es mit umso mehr Wucht zu Werke geht. Da einen Track besonders herauszuheben, verbietet sich fast, einzig und allein "Paradise City" verdient noch eine extra Erwähnung als fester Bestandteil meiner persönlichen "All Time Top 10". Die blanke Hölle, da ist dieses fast siebenminütige Trumm schon fast zu Ende um dann die Kapelle noch einmal im doppelten Tempo ins orgiastische Finale losbrettern zu lassen - genial!

Ein Klassiker der Rockgeschichte und ein Schmuckstück meiner Musiksammlung. Volltreffer, versenkt!

Bewertung: 5 von 5

Buch-Rezensionen (078): Florian Illies - Generation Golf - Eine Inspektion (2000)

(Cover: Amazon.de)

Als Ostdeutscher, der vom Alter her eigentlich beschriebener Generation angehören müßte, tut man sich doch stellenweise recht schwer mit diesem Buch, da der Bezug zum eigenen Leben überwiegend fehlt. Nichtsdestotrotz sind gerade die ersten Kapitel durchaus amüsant zu lesen. Uns DDR-Kindern fehlte zwar der Zugang zur westlichen Warenwelt, das Zeitgeistgefühl der 80er Jahre schwappte trotzdem über die Mauer.

Dennoch kann auch unsereins eine gewisse Klassengesellschaft in der Schule nachvollziehen, die sich hauptsächlich über die Verfügbarkeit der "richtigen" Währung und/oder bundesdeutsche Verwandtschaft im Familienkreis definierte. Da saß man nun als Proletarierkind und verglich den PELIKAN-Füllhalter des Arztsohnes mit dem eigenen DDR-Pendant. Damals hat es wohl gejuckt, heute lache ich darüber. Markenfetischismus ist mir seit diesen Jahren zutiefst zuwider, demzufolge lösen Florian Illies' Jubelarien auf die "richtigen" Produkte bei mir eher mitleidiges Kopfschütteln als Zustimmung aus. Wenn ich zudem sehe, wer in meiner Region überwiegend in einem VW Golf unterwegs ist - nein danke, zu Tuningprolls, Solariums-Dauerkarteninhaberinnen und Hutfahrern möchte ich ganz bestimmt nicht gezählt werden!

Leider geht dem Buch schon sehr bald dermaßen die Puste aus, dass es einige Mühe bereitet weiterzulesen. Als locker-flockiges Erinnerungsbuch der zumindestens Pop-Interessierten hätte "Generation Golf" noch durchgehen können, da jegliche alternative Gruppenzugehörigkeit, die gerade in der beschriebenen Dekade äußerst ausgeprägt war, komplett fehlt. So aber ist es ein unausgegorener Mischmasch, der weder eine halbwegs fundierte Gesellschaftanalyse und schon gar nicht eine umfassende Beschreibung einer ganzen Generation der zwischen 1965 und 1975 Geborenen ist. Gnadenwertung für den unterhaltenden Beginn.

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 24. September 2008

DVD-Rezensionen (078): Eine schrecklich nette Familie - Siebte Staffel (1992/1993)

(Cover: Amazon.de)

Die siebente Staffel der Schuh-Sitcom kann den schleichenden Niedergang der Serie nicht aufhalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch der größte wird einem bereits in der ersten Folge der Season übergebraten: Die unsägliche Figur der kleinen Nervensäge Sieben. Gibt es eigentlich überhaupt einen Fan der Serie, der diesen Charakter mochte? Mit allgemeiner Ablehnung gestraft, wurde das Bundy-Adoptivkind wieder aus der Serie herausgeschrieben - ohne jegliche Erklärung in der Handlung.

Wie schon in der Vorgängerstaffel sind die wirklich lustigen Episoden rar gesät. Ein dankenswertes Highlight sicherlich ein erneuter Gastauftritt von David Garrison als Marcys Ex-Mann Steve Rhoades in "Peggy And The Pirates/Peggy und die Piraten" oder die von Rock-Altstars nur so wimmelnde Folge "Rock Of Ages/Altrocker" mit Robby Krieger von den Doors, Richie Havens, John Sebastian, Spencer Davis, Mark Lindsay und Peter Noone. In weiteren Folgen sind der Ex-Kinderstar Corey Feldman, der Stand-Up-Comedian Bobcat Goldthwait und der aus den Serien "Parker Lewis" und "Emergency Room" bekannte Hüne Abraham Benrubi in Gastrollen zu sehen.

Ansonsten herrscht größtenteils Mittelmaß mit gelegentlichen Ausreißern ("Al On The Rocks/Al oben ohne", "What I Did For Love/Reizwäsche") nach oben. Die Gags haben sich von bitterböse-anarchisch zu Zoten gewandelt, ob einem das zusagt, ist sicherlich Geschmackssache.

Wie üblich beinhaltet die optisch recht ansprechende Box weder Bonusmaterial noch zufriedenstellende Bild- und Tonqualität. Dazu noch der immer noch aus lizenzrechtlichen Gründen veränderte Introsong und eine durchschnittliche Veröffentlichung ist perfekt. Einzig und allein der Kultfaktor verhindert das totale Desaster. Und wie immer gilt: Bitte im Originalton anschauen!

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 23. September 2008

CD-Rezensionen (077): The Art Of Noise - Daft (1985)

(Cover: Amazon.de)

Es gibt Bands, die sind ihrer Zeit einfach meilenweit voraus. The Art Of Noise, mehr ein Projekt von Studiospezialisten als eine Musikgruppe konventionellen Zuschnitts, waren solch ein Beispiel. In den Frühzeiten des heute allgegenwärtigen Samplings schufen die Produzentencracks rund um Trevor Horn teils originelle Kunstwerke aus Klanggebirgen, teils Instrumentalballaden von betörender Schönheit, für die das auf dieser Zusammenstellung früher Veröffentlichungen gleich in mehreren Versionen vertretene "Moments Of Love" wohl exemplarisch steht - einer der bekanntesten und besten Instrumentaltracks der 80er!

Konterkariert werden diese sphärische Klänge von stampfenden, aus allen Richtungen bummernden und stampfenden Stücken wie "A Time For Fear (Who's Afraid)", "Beatbox (Diversion 1)", "Flesh In Armour" oder "Close (To The Edit)". Besonders interessant wird es darüber hinaus bei den teilweise nur sehr kurzen Experimentaltracks ("The Army", "Donna", "Memento", "How To Kill", "Who's Afraid", "Bright Noise", "Comes And Goes"). Da leistet der Sampler mit Sounds von Schritten, Vogelstimmen oder Metallscheppern Schwerstarbeit!

Dennoch sind nicht alle Tracks der Compilation gelungen, "Realisation" wirkt etwas uninspiriert und ohne Plan zusammengeschustert, "Snapshot" ähnelt eher einem KRAFTWERK-Track.

Von daher ist mit mit den oftmals ein gewisses gemeinsames Grundkonzept beinhaltenden Art Of Noise-Alben besser bedient, für einen Interesse weckenden Einblick in das Werk einer der außergewöhnlichsten Bands der letzten 30 Jahre reicht "Daft" aber allemal!

Bewertung: 4 von 5

Montag, 22. September 2008

Thomas Dörflein †

(Foto: SPIEGEL.de)

Deutschland wohl bekanntester Tierpfleger ist heute im Alter von 44 Jahren tot in einer Berliner Wohnung aufgefunden worden. Die Todesursache ist immer noch unklar, fest steht jedoch, das Thomas Dörflein für seine aufoperungsvolle Arbeit mit dem Medienstar "Knut" landesweit bekannt wurde und sich großer Beliebtheit erfreute. Auch wenn ich dem Rummel um den Eisbären sehr kritisch gegenüberstand - Dörflein konnte am allerwenigsten dafür und hat nur seinen Job gemacht, für den er auch mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet wurde. Sehr traurig.

Update 23.09. : Nach einer angeordneten Obduktion steht ein Herzinfarkt als Todesursache fest.

Buch-Rezensionen (077): Jules Verne - Die Jangada (1881)

(Cover: Amazon.de/j.verne.de)

"Die Jangada" (1881) gehört zu Jules Vernes eher unbekannteren Werken. Aus eigener Erfahrung kann ich dem Buch - neben dem spannenden Lesespaß - noch ganz andere Dinge zugute halten. Der im Roman verwendete Geheimcode tat in Schulzeiten auf zwischen den Bankreihen hin- und hergeschmuggelten Zetteln sehr gute Dienste...

Das Amazonasgebiet an der peruanisch-brasilianischen Grenze Mitte des 19. Jahrhunderts. Der seit 20 Jahren zurückgezogen in Peru lebende Farmer Joam Garral bricht gegen seinen anfänglichen Widerstand auf Bitten seiner Frau mit Familie und Hausrat zu einer abenteuerlichen Floßfahrt auf einer Jangada ins 800 Kilometer stromabwärts gelegene Belém auf, um dort an der Hochzeit seiner Tochter teilzunehmen. Unterwegs wird der zwielichtige Torres mitgenommen, der sich kurz nach der Überquerung der Grenze als skrupelloser Erpresser entpuppt. Er kennt die wahre Identität Garrals, der 1826 unschuldig zum Tode verurteilt aus dem Land floh und seinen Namen ablegte. Torres ist im Besitz eines Dokuments, das Garral, der in Wirklichkeit Dacosta heißt, entlasten kann. Doch das Geständnis des wahren Täters ist verschlüsselt und nur Torres kennt den Code. Im Tausch gegen dieses Papier verlangt Torres Dacostas Tochter zur Fau. Entrüstet lehnt dieser Torres' Ansinnen ab, worauf dieser Dacosta von der brasilianischen Justiz verhaften lässt. Die Zeit läuft ab, denn das Todesurteil ist immer noch gültig und soll vollstreckt werden. Alles scheint verloren, als Torres von Dacostas Sohn im Duell getötet wird, denn nun kennt niemand mehr den Schlüssel zum Code...

Neben schon erwähntem spannenden Dechiffrierversuchen ist es vor allem die Beschreibung Amazoniens und seiner Bewohner, die dieses Buch so interessant machen. Es müssen nicht immer Reisen zum Mond, um die Welt oder 20 000 Meilen unter dem Meer sein, um vom Meister der Abenteuerliteratur ein großartiges Buch präsentiert zu bekommen. Lesetip!

Bewertung: 5 von 5

DVD-Rezensionen (077): 11. September - Die letzten Stunden im World Trade Center

(Cover: Amazon.de)

Diesen Dokumentarfilm möchte man allen Verschwörungstheoretikern vor die Füße schleudern, die seit Jahren die Welt mit unzählige Male widerlegten Thesen belästigen. Ich habe selten ein so eindringliches und mitnehmendes Bild- und Tondokument gesehen.

Dieser Film, ursprünglich als Reportage über einen in Ausbildung befindlichen Feuerwehrmann des New York City Fire Departments geplant, entwickelte sich zu einem Bericht inmitten von Chaos, Zerstörung und Tod, als die den Film drehenden französischen Kameramänner Jules und Gédéon Naudet mitsamt der von ihnen begleiteten Feuerwehreinheit in den Strudel der Ereignisse gerissen werden.

Der Film beginnt regelrecht idyllisch und humorvoll, als Szenen der Ausbildung, ersterer kleiner Einsätze (von der Bedeutsamkeit eines brennenden Papierkorbs) und der sich gegenseitig aufziehenden und bekochenden Männer der Feuerwache gezeigt werden. Auch der Morgen des 11. Septembers beginnt mit einem Routineeinsatz, bei dem in Manhattan einem vermuteten Gasleck nachgegangen wird. Als über den Köpfen der Männer laute Flugzeuggeräusche ertönen, reißt Jules Naudet die Kamera hoch und fängt so die einzigen bekannten (mit Ausnahme der nur eine Rauchwolke zeigenden Videos zweier weit entfernten Augenzeugen) Aufnahmen vom Einschlag des ersten Flugzeugs ein.

Was nun folgt ist eine Reportage aus dem Zentrum des Geschehens. Während sich Jules Naudet mit den Rettungskräften im Nordturm aufhält, dem Zuschauer besonnenerweise die grauenvollen Bilder ihm entgegentorkelnder verbrennender Menschen und den Anblick der zerschmetterten Körper der deutlich hörbar unmittelbar neben seinem Standpunkt aufgeschlagenen gesprungenen Personen erspart, dreht der später zum World Trade Center geeilte Bruder den Einschlag des zweiten Flugzeugs.

Da der benachbarte Südturm zuerst kollabierte, sind die Aufnahmen Jules Naudets die am dichtesten entstandenen Aufnahmen, die durch die enorme Staub- und Geröllwolke pures Grauen erzeugen. Bereits auf der Flucht durch die Dunkelheit wird der Kameramann durch die Trümmer des soeben verlassenen Nordturms erneut in einen Sturm aus Staub eingehüllt, wer diese Aufnahmen einmal gesehen hat, wird sie nie vergessen.

Der Film endet wieder auf der Feuerwache, deren Angehörige die Katastrophe wie durch ein Wunder vollzählig überlebt haben. Mit einer Bildergalerie der Opfer unter den New Yorker Feuerwehrleuten, begleitet von getragener Musik, beschließt der Film.

Man mag dem Film Pathos und Überlänge vorwerfen, für mich ist es eine angemessene Vorgehensweise. Was die USA unter Berufung auf diesen Tag später getan haben ist eine andere Sache, hier geht es um Opfer, insbesondere jene, die ihr eigenes Leben riskierten um anderen zu helfen, selbst als die Gefahr für die eigene Person schon mehr als sichtbar war. Ehre ihrem Andenken.

Zusätzlich zum Film enthält die DVD knapp eine Stunde Interviews mit beteiligten Personen.

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 19. September 2008

CD-Rezensionen (076): Die Ärzte - Debil (1984)

(Cover: Amazon.de)

Was waren wir doch für arme Zonenkinder jenseits der Mauer. Sofern nicht mit West-Oma oder Zugang zu harter D-Mark gesegnet, gab es keine Chance eine Originalplatte der Heroen unserer Teenie-Tage zu ergattern - den Ärzten aus Berlin (auuuus Berlin!).

Glücklicherweise nahm sich der rührige landesweite DDR-Sender "Jugendradio DT64" der darbenden Jugend an und spielte mit lautem Pfeifen auf jedes Copyright fleißig von jedem Reinquatschen befreite Ärzte-Songs en masse im Programm. Mit zittrigen Fingern saß man da am Recorder, um wieder ein neues Beutestück von Farin Urlaub, Bela B., Sahnie und dessen späterem Nachfolger Hagen zu ergattern. Da man wohl bei den Radiooberen die Bedeutung einzelner Songs nicht erfassen konnte oder wollte, fanden so auch diejenigen Tracks den Weg auf die private Kassette, die in der Bundesrepublik schließlich zu einem satte 17 Jahre dauernden Bann der BPjS führen sollte - "Claudia hat 'nen Schäferhund" und "Schlaflied".

Das Schöne an den Herren Doktoren ist nach wie vor die Tatsache, dass sie sich auch nach über 25 Jahren im Gegensatz zu vielen anderen Bands nicht zu fein dazu sind, ihre frühen, doch sehr infantilen Werke mit größtem Spaß live zum Besten zu geben. Was wäre ein Ärzte-Gig ohne "Zu spät"?

Auf ihrem Erstling beherrschen noch der wavige Fun-Punk der Nach-NDW-Zeit die Szenerie, im Vergleich zu heutigen Ärzte-Werken geradezu Softie-Musik, aber immer noch der perfekte Soundtrack einer Jugend. Neben bereits erwähntem Klassiker "Zu spät" gehören "El Cattivo", "Mädchen" oder "Micha" immer noch zu gern gehörten Erinnerungen an längst vergangene Tage - Nostalgie pur!

Bewertung: 4 von 5

Buch-Rezensionen (076): Heinz Kiehl - Kampfgeschwader "Legion Condor" 53 (1983)

(Cover: Amazon.de)

Alles wie gehabt beim Motorbuch Verlag. Durchaus interessante Einsatzschilderungen, begleitet von umfangreichem Bild-, Dokumenten- und Kartenmaterial sowie ausführlichem Statistikteil sind eingebettet in eigenartig unreflektierte Texte, die eine dringend notwendige Gesamtbetrachtung der Politiklage des zweiten Weltkriegs doch sehr vermissen lassen. Dies gilt umso mehr für das in diesem Buch behandelte Luftwaffengeschwader, handelte es sich doch um einen Kampf-, sprich Bomberverband.

Die Geschichte dieser Einheit wird ausführlich von den Anfängen in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts dargestellt und um weiter zurückreichende Ereignisse, wie das totale Verbot der Militärfliegerei durch den Versailler Vertrag und die verdeckte Wiederaufrüstung in den Zwanziger Jahren, ergänzt.

Den breitesten Raum nehmen die Einsatzbeschreibungen des Krieges ein, die gegen Ende auch Abwurfmissionen mit dem frühen Marschflugkörper Fi 103 ("V1") beinhalteten.

Besonders sauer stößt dem kritischen Leser der Anhang auf, der auf wenigen Seiten die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs 1936-1939 nachzeichnet, nach dessen der dort auf Seiten Francos eingesetzten deutschen "Legion Condor" das KG 53 benannt wurde. Da wird schon mal unkommentiert der kürzlich verstorbene Goebbels-Mitarbeiter Winfred von Oven zitiert, der den Angriff auf Guernica als "Lappalie" abtut.

So bleibt - wie so oft - ein Beigeschmack bei einer an für sich interessanten Thematik.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 18. September 2008

DVD-Rezensionen (076) - Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus (1977)

(Cover: Amazon.de)

"Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus?", der lose auf Motiven des Grimmschen Märchens "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" beruht, ist einer der lustigsten DEFA-Märchenfilme, was vor allem an dem grandiosen, doch leider viel zu früh verstorbenen Dieter Franke als Teufel höchstselbst liegt. Die Szene in der Hölle, in der der arme Bursche Jakob (Hans Joachim Frank) im Auftrag des habgierigen und versoffenen Königs (leider sehr real: Rolf Ludwig) die goldene Haupteszier des Gehörnten stehlen soll, sowie dessen Auftritt bei Jakobs Hochzeit sind wahrhaft brüllend komisch - zum Schießen!

Im Gegensatz zu einigen anderen Babelsberger Produkten gibt es hier keine Szenen, die kleine Kinder ängstigen können - Eltern dürfen hier also bedenkenlos zuschlagen. Das Gegrusel ist eher auf der Seite der erwachsenen Zuschauer, bekommt man hier es doch mit Mono-Ton und unrestauriertem Bild zu tun. Trotzdem darf man der Firma Icestorm dankbar sein, dass sie so manche Perle der eigenen Kinderzeit auf das Medium DVD gerettet hat. Da immerhin noch ein Kurzfilm ("Konsequenz") enthalten und der Film über jeden Zweifel erhaben ist, fällt der Abzug aber moderat aus.

Bewertung: 4 von 5

Norman Whitfield †

(Cover: SPIEGEL.de)

Motown. Ein Name, eine Legende. Mit Norman Whitfield ist am Dienstag einer der bekanntesten Songschreiber und Produzenten des Plattenlabels im Alter von 65 Jahren an den Folgen seiner Diabetes-Erkrankung in Los Angeles gestorben. Auch wenn ich im Bereich der 60er-Musik eher die rockigeren Klänge bevorzuge, haben es einige der von ihm geschriebenen Hits auch in meine Plattensammlung geschafft. Zum Andenken hier zwei der berühmtesten: "I Heard It Through The Grapevine" in der Version von Marvin Gaye und "Papa Was A Rollin' Stone" in der Version der Temptations. R.I.P.


CD-Rezensionen (075): Hans Werner Olm - The Best Of (1995)

(Cover: Amazon.de)

So richtig lustig war Hans Werner Olm eigentlich vor seinem großen Durchbruch mittels seiner RTL-Show 2002. Mit mehr Haaren auf dem Kopf und ein paar Kilos weniger auf den Rippen hatte er solch kultigen Charaktere wie Rudi, den Öko-Frauenversteher, Günni Schwagalla, den Zuhälter aus Wattenscheid oder den ultimativen Verführer Paul Schröder zur Perfektion entwickelt, Figuren, die er bereits Anfang der 90er in der trashigen "Mike Krüger Show" auf SAT.1 präsentierte, leider aber später zugunsten weniger ausgefeilter und latent unlustiger Charaktere wie Iff, Paul Schrader oder die Brachial-Wuchtbrumme Luise Koschinsky aufgab. Zumindestens auf dieser, 1995 erschienenen, Zusammenstellung kann man noch einmal Schröders unvergleichliches Räsonieren über die perfekte Verführung ("Der Entertainer"), Rudis Erlebnisse in einer Männererfahrungsgruppe ("Rudi und die Frauen") und den "Günni Reisereport" aus Indien genießen. Der Rest ist eher durchwachsen geraten. Von sehr spaßig ("Veronika"), über tolle Stimmenimitationen ("Fußball-Reportage", "Liedermacher") bis hin zu gequält-öden Witzchen ("Konrad Klötenkrampf") reicht das Angebot.

So bleibt als Fazit nur ein durchschnittliches Ergebnis übrig. Ein paar Perlen (die allerdings visuell durch Olms grandiose Mimik noch besser wirken würden) und sehr viel Füllmaterial.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 17. September 2008

Buch-Rezensionen (075): Die Digedags in New Orleans

(Cover: Amazon.de)

Im fünften Sammelband der Amerikaserie planen die Digedags nach New Orleans zurückzukehren, um eine große Expedition auszurüsten, die das von ihnen in den Rocky Mountains entdeckte Gold abbauen und für die Befreiung der schwarzen Sklaven nutzen soll. Doch es kommt anders, eine Gangsterbande überfällt den Zug und raubt die Reisenden aus. Die Banditen verkaufen die Tagebücher mit Informationen um den Goldschatz ausgerechnet an den Chef der Digedags, den Zeitungsherausgeber Potter. Dieser ahnt nicht, was für turbulente Ereignisse er mit der Veröffentlichung dieser Nachricht auslöst...

Spannungsarm ging es in der Amerika-Serie ohnehin nie zu, in diesen aus 6 Heften, die im Original zwischen Juli und Dezember 1971 erschienen, überschlagen sich allerdings die Ereignisse und die Action dominiert. Dies ist nach dem doch sehr lehrreichen Vorgängerband ein interessanter Gegensatz.

Und auch hier wieder der Hinweis:

Achtung! Um kostbares und in der DDR knappes Papier zu sparen, wurden einige der schon in Vorwendezeiten erschienenen ersten Auflagen dieser Nachdrucke um insgesamt vier Seiten gekürzt. Leider wurde diese ärgerliche Unsitte nach der Wiedervereinigung beibehalten. Da ich auch die Originalhefte besitze, fielen mir diese (zum Teil etwas sinnentstellenden) Kürzungen sofort auf. Mittlerweile ist die Amerika-Serie auch neu und ungekürzt in 15 Bänden á vier Heften erschienen. Ob man sich die dadurch nötigen Mehrausgaben leisten will, mag jedem Leser selbst überlassen sein. So oder so gibt es eine klare Kaufempfehlung mit (aufgrund der oben beschriebenen Mängel) kleinen Abzügen in der B-Note!

Bewertung: 4 von 5

DVD-Rezensionen (075): Twin Peaks - Season Two / II (1990)

(Cover: Amazon.de)

Nachdem man aufgrund von Lizenzschwierigkeiten volle fünf Jahre auf das Erscheinen der zweiten Staffel von David Lynchs Kultserie "Twin Peaks" warten mußte, gab es gleich den nächsten Ärger. Aufgeteilt auf zwei Boxen zum Vollpreis und darüber hinaus noch mit satten drei Monaten zwischen den Veröffentlichungen der beiden Teile ausgestattet, mutete Paramount dem sehnsüchtigen Fan erneut einiges an Geduld und Nachsichtigkeit zu. Dass nach nur weiteren sechs Monaten eine Gesamtausgabe erschien, ließ viele Käufer frustriert zurück. So vergrault man Kunden, meine Damen und Herren!

Da die Serie aufgrund mangelnder Einschaltquoten bereits nach der zweiten Staffel eingestellt wurde, bleiben viel Handlungsstränge unaufgelöst zurück. Dies bietet einen breiten Spielraum für Interpretationen, denen sich Fans bis heute im Internet ausgiebig widmen.

Die Entwicklung weg vom spannenden Kriminalfall hin zu abgründiger Mystik mag damals und heute viele Zuschauer überfordert und verschreckt haben. Für mich ist die Serie aber der Prototyp aller modernen Produkte dieses Genres, das kommerziell erst mit "Akte X" richtig Fahrt aufnahm. Insofern war "Twin Peaks" eindeutig seiner Zeit voraus.

Was bleibt? Eine verbesserte zweite Box der zweiten Staffel, die besseren Ton bietet, wieder Bonusmaterial enthält und ein ansprechendes Bild vorzuweisen hat. Die Veröffentlichung dieser Serie auf DVD ist jedoch im Rückblick betrachtet als eine einzige "Pleiten, Pech & Pannen"-Geschichte zu bewerten. Das hat dieser Meilenstein der TV-Geschichte nicht verdient.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 16. September 2008

CD-Rezensionen (074): Goldfrapp - Felt Mountain (Revamped) (2001)

(Cover: Amazon.de)

Es kommt nur noch alle Jubeljahre einmal vor, dass mich ein Album einer mir bis dato völlig unbekannten Band aus dem Stand völlig aus den Schuhen haut. "Felt Mountain", das Debüt von Alison Goldfrapp und ihres kongenialen Partners Will Gregory, ist so ein Fall.

Diese Platte in irgendeine Stilschublade einzuordnen dürfte ein unmögliches Unterfangen sein. Irgendwo im Schnittbereich von Trip Hop, Indietronic, Jazz und klassischer Filmmusik angesiedelt, aber auf faszinierende Art und Weise einzigartig, hält sie ein Füllhorn an außergewöhnlichen Klängen bereit und vermittelt so ein ganzes Arsenal von Stimmungen - Wahnsinn! Man glaubt ständig einen Schwarzweiß-Film vor seinem inneren Auge ablaufen zu sehen, der von zerbrechlichen Melodien begleitet wird.

Vielleicht braucht ein Song wie "Oompa Radar" mit seinem rumpligen Walzertakt ein paar Runden mehr als die verträumten Stücke á la "Lovely Head" oder "Paper Bag", um sich ins Hirn des Hörers zu schleichen, aber dieser leider insgesamt nur etwa 40 Minuten dauernden Demonstration von Kreativität, wie sie auf "Felt Mountain" verewigt ist, entkommt man nicht.

Besondere Schmankerl hält die Bonus-CD bereit. Ein sehr schräg mit Olivia Newton-Johns "Physical" verwobenes "UK Girls", ein "Lovely Head" welches großartig französische Sounds mit sowjetischer und britischer Filmmusik der Sechziger zum Traualtar führt - sensationell! Der "New Ears Mix" kitzelt noch das letzte Quentchen Melancholie aus "Utopia" heraus und die Herren von Calexico dürfen eine Latin-Version von "Human" zum Besten geben. Der von Graham Massey angefertigte zweite Mix desselben Stücks ist zwar sehr ordentlich, passt aber mit seiner doch recht aggressiven Grundstimmung wie auch Tom Middletons "Utopia"-Version nicht so recht zum Gesamtpaket. Dennoch: Eine der besten Platten des ersten Jahrzehnts im dritten Jahrtausend. Kaufen, keine Widerrede!

Bewertung: 5 von 5

Buch-Rezensionen (074): Alexander Wolkow - Das Geheimnis des verlassenen Schlosses (1975)

(Cover: Amazon.de)

"Das Geheimnis des verlassenen Schlosses" ist der letzte original von Alexander Wolkow geschriebene Band der Zauberland-Reihe. Ich erinnere mich daran, dass dieses Buch jahrelang als legendenumwobenes Gerücht durch die DDR geisterte, erschien doch dieses 1975 - zwei Jahre vor Wolkows Tod - entstandene Buch erst 1984 auf deutsch.

Leider konnte dann der mit Spannung ersehnte Band die Erwartung ganz und gar nicht erfüllen. Das Zauberland und Außerirdische? Helikopter im Land des Scheuchs, des Eisernen Holzfällers und des tapferen Löwen? Aufgrund dieser unpassenden Zutaten ist dieses Buch für mich immer ein Fremdkörper in der Reihe geblieben. Die Geschichte um die außerirdischen Menviten und der von ihnen unterdrückten Arsaken will einfach nicht den Zauber seiner Vorgänger entfalten, auch wenn alle anderen Zutaten (Hilfe von außen durch Ann, Tim und den schon aus dem Band "Die sieben unterirdischen Könige" bekannten Alfred Cunning) sowie die zauberhaften Illustrationen Leonid Wladimirskis enthalten sind.

Dazu passt, dass der Leipziger Kinderbuchverlag leiv aus unerfindlichen Gründen (Kostensenkung/Gewinnsteigerung durch Papiereinsparung?) dem Buch wie auch allen seinen Vorgängern ab der 9. Auflage (2006) eine radikale Textkürzung verpasste. Da man einen solch respektlosen Umgang mit dem Original nicht unterstützen sollte, rate ich unbedingt zum Kauf älterer Ausgaben.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 15. September 2008

Rick Wright †

(Foto: SPIEGEL.de)

Wieder einmal ist eine Legende der Musikhistorie viel zu füh von der Lebensbühne abgetreten. Richard "Rick" Wright, Gründungsmitglied und Keyboarder von Pink Floyd starb heute im Alter von 65 Jahren an Krebs.  Auch wenn er immer im Schatten seiner Bandkollegen stand, hat er doch entscheidenden Anteil an drei Alben, die zu meinen perönlichen Favoriten zählen - "The Dark Side Of The Moon" (1973), "Wish You Were Here" (1975) und "The Division Bell" (1994).

DVD-Rezensionen (074): Sledge Hammer! (Season Two) (1987/88)

(Cover: Amazon.de)

Die zweite (und damit schon letzte) Staffel der 80er-Kultserie krankt an ziemlich schlechter Bildqualität, was auf das veränderte Ausgangsfilmmaterial zurückzuführen ist. Immerhin wird dies vom Autoren Alan Spencer entschuldigend auf den Scheiben erwähnt. Der deutsche Ton ist mau, der englische O-Ton kann sich dagegen hören lassen.

Soweit zur technischen Seite, die bei Jahrzehnte alten Fernsehserien ohnehin eher eine Nebenrolle spielt. Wichtiger sind vielmehr weitere 19 Folgen voll von absurden Wortgefechten rund um den ballerwütigen Chaos-Cop Sledge Hammer (David Rasche) und seine herzige Partnerin Dori Doreau (Anne-Marie Martin) sowie deren cholerischen Chef Captain Trunk (Harrison Page). Die Episoden spielen fünf Jahre vor der ersten Staffel, da Hammer am Ende dieser bekanntlich eine Nuklearexplosion auslöste. Realer Hintergrund war freilich, dass niemand so recht an den Erfolg der Serie geglaubt hatte und eine zweite Season gar nicht in Planung war.

Viele der Folgen sind Parodien auf bekannte Filme, die man natürlich sofort erkennt. Ob "Robocop", "A Clockwork Orange" oder "Crocodile Dundee" - Hammer schafft es blitzartig, jeden sattsam bekannnten Plot innerhalb von Sekunden in pure Anarchie zu verwandeln. Mein persönlicher Favorit die Episode "Der Eisbrecher/Icebreaker", nicht zuletzt aufgrund der Gastrolle von 80er-Recke Adam Ant!

Licht und Schatten beim Bonusmaterial. Sind japanisch synchronisierte Szenen, der Sledge Hammer-Comic und das Interview mit David Rasche (auf deutsch!) noch sehr interessant, merkt man bei den Gesprächen mit den deutschen Synchronsprechern eine merkwürdige Distanz zwischen Interviewer und Befragten. Bei diesen eindeutig zu erkennen, dass die Synchronisation der Serie für sie ein Job unter vielen ohne näheren Bezug zum Inhalt war, während ein glühender Fan die Gesprächsleitung innehat. Das wirkt regelrecht bizarr, zumal auch der Kameraverantwortliche seine Stärken auf anderen Tätigkeitsfeldern haben muß. Da wird innerhalb eines Sekundenbruchteils auf Maximum herangezoomt, es wackelt und zittert. Schlimmer als jedes Urlaubsvideo! Und auf Zusatzmaterial, das nur aus verschiedenen Vorspännen mit variierenden Senderlogos von RTL, VOX etc. besteht, hätte man auch getrost verzichten können. Immerhin gibt es einen "Susi"-Aufkleber als Trostpreis.

Jahre nach der Erstveröffentlichung dieser Box kommt noch der Ärger um inzwischen verbesserte Versionen hinzu, die mittlerweile bis zur "Ultimate Edition" mit neuem Bonusmaterial reichen. Eine schreckliche Unsitte, die besonders im DVD-Markt für TV-Serien immer weiter um sich greift. Der dafür eigentlich berechtigte Abzug wird durch den Kultfaktor der Serie etwas abgefedert, zur Höchstwertung reicht es dennoch nicht mehr.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 14. September 2008

CD-Rezensionen (073): Dr. Alban - The Best Of 1990-1997 (1997)

(Cover: Amazon.de)

Klar war das, was der schwedisch-nigerianische Zahnarzt in den 90ern veröffentlichte größtenteils chartsübliches Material, dies aber durchaus unterhaltsam und vor allem blitzsauber produziert von einem Großen seiner Zunft, dem 1998 im Alter von nur 35 Jahren an Krebs verstorbenen Denniz PoP.

Dieses "Best Of" enthält als Beginn die frühen (1990 und 1991), noch im Euro-Ragga-Stil gehaltenen Songs "Hello Africa", "Stop The Pollution", "U & Mi" und "No Coke", vor allem letzterer Track kann mit einem herrlich satten Basslauf überzeugen. Da vibriert die Lautsprechermembran!

Das 1992 veröffentlichte "One Love" versucht es noch einmal im alten Rhythmus, klingt jedoch im Vergleich zu den eingangs erwähnten Stücken eher flach. Danach ziehen die BPM an und alles wird mehr glattgebügelt. Klar war "It's My Life" europaweit ein Riesenhit, vom Hocker reißt er mich nach wie vor nicht. Mit "Sing Hallelujah!" allerdings verbinde ich einige schöne persönliche Erinnerungen, deswegen wird dieser Song für mich immer ein gewisses Kultpotential haben. Da wippt der Fuß automatisch mit und ein wissendes Lächeln schleicht sich aufs Gesicht.

Lobenswert an dieser Zusammenstellung ist die Tatsache, dass nicht ausschließlich die allgemein bekannten Singleversionen Verwendung fanden. So schaffte es beispielsweise der verlängerte (5:23 min) Mix von "Look Who's Talking" auf die CD und auch wenn sich einige Songs doch in Struktur und Rhythmus doch sehr ähneln, hält man doch ein interessantes Zeitdokument aus der Hochphase des kommerziellen Eurodance-Sounds in den Händen.

1994 begann Dr. Albans Stern bereits wieder zu sinken, obwohl mir gerade das in diesem Jahr veröffentlichte und im "No Coke"-Stil gehaltene "Away From Home" nach wie vor gefällt. Das 1995 erschienene "This Time I'm Free" versuchte es im Jungle-Rhythmus, durchschlagender Erfolg blieb, wie auch bei den darauffolgenden Singles, aus.

Die vier letzten Titel dieser CD rekrutieren sich aus Remixen der größten Hits, die allerdings nur das Dancefloor-Klangbild der ausgehenden Neunziger Jahre widerspiegeln. Bis auf den immerhin interessante Percussions bietende Remix von "Hello Africa" absolut überflüssig, ein echter Kaufanreiz wäre hingegen der "Raggadag Remix" von "It's My Life" gewesen, bis heute eine gesuchte Rarität.

Man mag als Liebhaber avantgardistischer Töne heutzutage über den musikalischen Kauleisten-Klempner die Nase rümpfen, für mich gehört er zum musikalischen Erscheinungsbild des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts. Gerne anlässlich von Nostalgieaufwallungen hervorgekramte Scheibe!

Bewertung: 4 von 5

Buch-Rezensionen (073): Josef Martin Bauer - So weit die Füße tragen (1955)

(Cover: Amazon.de)

Über die Geschichte dieses Buches, das ohne Zweifel zu den Klassikern der (west)deutschen Nachkriegsliteratur zählt, ist sehr viel und äußerst kontrovers diskutiert worden. Die Hauptfrage natürlich: Hat es ein historisches Vorbild für die Gestalt des deutschen Kriegsgefangenen Clemens Forell und seine spektakuläre Flucht vom ostsibirischen Eismeer gegeben? Die Faktenlage ist immer noch etwas undurchsichtig, auch wenn mittlerweile ein 1983 verstorbener Mann, der zeitlebens unter den Folgen seiner Flucht litt, als reales Vorbild gilt.

Die inzwischen zweifach (1959, 2001) verfilmte Geschichte um Forell, der insgesamt drei Jahre auf der Flucht ist und nach einem gescheiterten Versuch, die Grenze zur Mongolei zu überqueren den Weg durch den Kaukasus in den Iran wählt, liest sich fesselnd, auch wenn Bauers Schreibstil nicht mehr heutigen Lesegewohnheiten entspricht. Man bangt und leidet mit der Hauptperson, erleidet Rückschläge und Enttäuschungen. In meinem Falle war ich sogar dazu angeregt, Forells Flucht auf einer Landkarte nachzuverfolgen.

Dieses Buch einmal gelesen zu haben, gehört sicherlich zur Allgemeinbildung, auch wenn es als Geschichtslektion freilich nicht geeignet ist, zu außergewöhnlich und untypisch ist die Handlung für das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg. Aber spannende Abenteuerliteratur mit ethnologischen Einblicken in das Leben der jakutischen, russischen und kaukasischen Bevölkerung ist es sehr wohl.

Bewertung: 4 von 5

Samstag, 13. September 2008

DVD-Rezensionen (073): Das Märchen von der verlorenen Zeit (1964)

(Cover: Amazon.de)

Manchmal merkt man denn dann doch schon, dass man älter wird und sich Meinungen über Filme ändern. Wie schon meine Eltern bin auch ich mit mehrfachen Ausstrahlungen dieses Films im DDR-Fernsehen aufgewachsen. Nach sicherlich etwa 20 Jahren Pause durfte ich mir ihn nun einmal wieder ansehen und bin dann doch aus mehreren Gründen etwas ernüchtert. 

Der trashige Charme dieses Films kommt nur noch in wenigen Szenen (z.B. in der rasanten Verfolgungsjagd zum Ende) zum Tragen, vielmehr fällt einem als Erwachsenen das stete Einhämmern sozialistischer Moral auf. Trödele nicht, lerne fleißig etc. etc.. Nichts gegen das Vermitteln von Werten per Medium Film, aber ein permanent erhobener Zeigefinger im Hintergrund geht einem dann mit der Zeit (höhö, ein Wortspiel!) doch auf die Nerven. 

Technisch darf man von diesem 1964 entstandenen Film keine Wunderwerke erwarten. Viele Kratzer auf dem Bild, halbwegs klarer Stereosound und doch recht verwaschene, blasse Farben dürften nur beinharte Nostalgiker zufriedenstellen. Außer einer überflüssigen Bildergalerie (aus unscharfen Standbildern des Films) bietet die DVD keinerlei Bonusmaterial. Immerhin bleibt ein schräger Einblick in sowjetische Autotechnologie und Architektur der frühen 60er Jahre, was für den einen oder anderen Schmunzler sorgt. 

Da der Film vergleichsweise wenige "richtig" märchenhafte Szenen beinhaltet, sollten Liebhaber des Genres eher zu den Klassikern mit Hexenhäusern auf Hühnerbeinen, Väterchen Frost und schrägen Gestalten á la Baba Jaga greifen.

Bewertung: 3 von 5

CD-Rezensionen (072): The BossHoss - Internashville Urban Hymns (2005)

(Cover: Amazon.de)

The BossHoss sollte man zuallererst einmal live gesehen haben. Wer wie ich im letzten Jahr erlebt hat, wie ein paar in speckige Unterhemden gewandete tätowierte Typen innerhalb von nur wenige Minuten ein eher dröges Stadtfestpublikum zum Ausrasten bringen, kann nur hellauf begeistert sein!

Mittlerweile setzen die Berliner Jungs überwiegend auf Eigenkomponiertes, auf diesem Debüt beherrschen aber noch die durch den Countrywolf gedrehten Coverversionen das Bild. Zwar wird das Ganze in überwiegend in ein und demselben Rhythmusgewand präsentiert (daher auch etwas Abzug in der Gesamtnote), aber schon allein das Wiedererkennen der einzelnen Songs von Beck, den White Stripes, Billy Idol, EMF, Britney Spears, OutKast, den Beastie Boys, Nelly und anderen macht einfach irre Spaß, der ideale Zeitverteib für öde Regentage!

Man mag vieles bekritteln, sei es der maßlos übertriebene Ami-Slang, das Setzen auf bekannte Hits oder das eine oder andere Rülps- oder Rotzgeräusch auf diesem Tonträger. Aber mal ganz ehrlich: darf es auch mal Platten geben, die einfach nur unterhaltsam sind? Ich sage nicht ja, ich sage: Yee Haw!

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 12. September 2008

Buch-Rezensionen (072): Guido Knopp - Hitlers Helfer - Täter und Vollstrecker (1998)

(Cover: Amazon.de)

Wie auch schon nach der Lektüre des ersten Buchs unter diesem Titel, das sich mit den Lebensgeschichten von Joseph Goebbels, Hermann Göring, Heinrich Himmler, Rudolf Heß, Albert Speer und Karl Dönitz beschäftigte, bleibt auch hier ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Vieles wird angerissen, aber nichts wird vertieft. Frage also: Wer braucht eigentlich solches History-Fast Food?

Das Augenmerk wird bei "Hitlers Helfer - Täter und Vollstrecker" mit den Biografien von Adolf Eichmann, Martin Bormann, Joachim von Ribbentrop, Roland Freisler, Baldur von Schirach und Josef Mengele auf die eher zweite Reihe der NS-Täter gerichtet, wobei die Bedeutung aller dargestellten Personen absolut nicht vergleichbar sind. Waren Bormann, von Ribbentrop und mit kleinen Abstrichen auch von Schirach führende Angehörige des NS-Staats, handelte es sich bei Eichmann und Mengele trotz ihrer verabscheuungswürdigen Untaten um eher kleine Lichter im Funktionärsapparat. Freisler hingegen nahm in seiner exponierten Position als Richter des Volksgerichtshofs eine spezielle Rolle ein. Vielmehr hätten in dieses Buch Personen wie Reinhard Heydrich, Ernst Kaltenbrunner oder Heinrich Müller gehört.

Zum Einstieg in die Materie für den historisch interessierten Laien sicherlich geeignet, weiterführende Literatur (wie z.B. Einzelbiographien) sei jedoch dringend angeraten.

Bewertung: 3 von 5

Das Geistige kommt hier zu kurz...Part 2!

Letzte Nacht hatte ich bei der Arbeit wieder einmal ein Déjà-vu. Wie auch schon hier beschrieben hörte ich gestern einen Podcast des Bayrischen Rundfunks aus der Reihe "radioWissen". Diesmal beschäftigte sich die Sendung mit der Epoche vor dem Biedermeier - der deutschen Romantik. Grandiose Beispiele aus Werken von Clemens Brentano, Novalis und Joseph von Eichendorff - richtig zu Herzen gehender Lyrikstoff. Und wie auch schon im Februar geschrieben - ich muß dringend einmal eine Einkaufstour starten!

DVD-Rezensionen (072): Die Monster AG (2001)

(Cover: Amazon.de)

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es die Macher der PIXAR ANIMATION STUDIOS schaffen, immer wieder ein Schippchen auf ihren vorherigen Film draufzulegen. War der unmittelbare Vorgänger "Toy Story 2" schon wieder ein Meisterwerk, wagten sich die Kalifornier diesmal in Gestalt des knuffig-blauen Monsters Sulley an eine der schwierigsten Übungen des CGI-Gewerbes - der Darstellung von Fell. 

Man muß wirklich konstatieren, dass diese Übung grandios gelungen ist. Jedes einzeln sichtbare Haar (insgesamt 2,3 Millionen Stück!) wippt und lebt, die Farben des Films strahlen und die darüber thronende Geschichte um eine Firma voller angestellter Monster, die durch Portationstüren in die reale Menschenwelt reisen, um in nächtlichen Kinderzimmern per Erschrecken "Schreikraft" zu sammeln, ist einfach originell. Überall finden sich kleine Anspielungen auf andere PIXAR-Filme und mit der Benennung des In-Lokals "Harryhausen" wurde eine schöne Hommage an den Meister der Stop-Motion-Technik, Ray Harryhausen, eingebaut. Und wie so oft bei den Produkten aus diesem Hause unbedingt noch der Tip: Abspann laufen lassen! 

Auch die Synchronisation ist sehr ordentlich geraten. Besonders drollig fand ich die Übersetzung des Firmenmottos von "We scare - because we care" in "Wir schrecken - zu guten Zwecken" - Chapeau! Und wer schon immer mal hören wollte, wie ein Yeti "Des Eisch isch alle" schwäbelt (oder ist das eher badisch?), muß hier zugreifen. Das Bonusmaterial auf dieser Ausgabe des Films ist zwar übersichtlich, hat aber mit "Mikes neues Auto" wieder einen von PIXARS grandiosen Kurzfilmen zu bieten. 

Vielleicht mag die eine oder andere Szene nicht für ganz kleine Kinder geeignet sein, zumal nicht alle Monster so putzig und liebenswert daherkommen wie Sulley und sein einäugiger Busenfreund Mike Glotzkowski. Dies tut diesem großartigen Familienfilm allerdings keinerlei Abbruch. Viel ärgerlicher ist dagegen schon die unnötige Transformierung des Films von der Kinoversion auf das 4:3-Format. Dafür aber mehr als einen Punkt abzuziehen, würde ich für unverhältnismäßig erachten.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 11. September 2008

CD-Rezensionen (071): Herbert Grönemeyer - Grönemeyer (1979)

(Cover: Amazon.de)

Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass Herbert Grönemeyer sein heutiger Status als Superstar der deutschen Musikszene in den Schoß gefallen ist, im Gegenteil, es benötigte mehrere Alben inklusive zwischenzeitlich gekündigtem Plattenvertrag, ehe er Mitte der 80er den kommerziellen Durchbruch schaffte.

Mal ganz davon abgesehen, dass dieses 1979 veröffentlichte Debütalbum gute Chancen hätte, den Preis für das häßlichste Plattencover aller Zeiten zu gewinnen (meines Wissens nach erhielt es im Veröffentlichungsjahr bereits eine derartige zweifelhafte "Auszeichnung"), enthält es aus heutigem Blickwinkel geradezu atemberaubenden Trash, der fast schon wieder kultverdächtig ist. Musikalisch völlig zwischen allen Stühlen und textlich überwiegend furchtbar schwerfälliger Quark. Zwar ist hier Grönemeyers gekonntes Nuscheln noch gar nicht so ausgeprägt und man versteht, was er singt, dies tut er aber derartig gequält, dass man oftmals auf unangenehm fremdschämende Art und Weise berührt ist.

Etwas positiver zu bewerten sind "Spring ins wilde Leben", "Julie" und "Mein Konzert", die bereits Grönemeyers Potential erahnen lassen. Sehr lustig hingegen "Pompeji". Da treffen schräge Bläsersätze auf wilde 70er-Trommeln, Disco-Streicher duellieren sich mit dramatischen Space-Effekten, weibliche Schlagerchöre jauchzen in den höchsten Tönen und über allem thront der bierernst eine Geschichtsarie schmetternde Grönemeyer - zum Schießen!

Bewertung: 2 von 5

Buch-Rezensionen (071): William Sarabande - Land der vielen Wasser (1990)

(Cover: Amazon.de)

Dieser vierte Band von William Sarabandes Saga "Die großen Jäger/The First Americans" schließt nach "Land aus Eis", "Land der Stürme" und "Das verbotene Land" die Geschichte um den Jäger Torka, seine Frau Lonit und ihrem Stamm ab, die folgenden Bücher der Reihe widmen sich späteren Generationen.

Der auf dem Gebiet des heutigen Alaskas siedelnde Stamm gerät, neben den gewohnten Gefahren aus der Natur, einmal mehr in eine Zerreißprobe, als sich Torkas Söhne in das gleiche Mädchen verlieben, deren Verhalten rätselhaft ist. Sie scheint unter dem Einfluß von geheimnisvollen Mächten zu stehen, die ihre Zuneigung zu beiden in wechselndem Maße steuert. Zudem lauert noch ein Horde des Tier-Mensch-Mischwesens Wanawut in der Nähe...

Wie schon in den vorausgegangenen Büchern der Reihe gelang es William Sarabande hervorragend, eine längst vergangene Zeit lebendig vor dem geistigen Auge des Lesers wiederauferstehen zu lassen. Eine interessante Mischung aus Abenteuerroman, Mystery und einem Schuß Erotik bietet langanhaltendes Lesevergnügen, auch wenn das Ende des Romans für etwas Wehmütigkeit sorgen dürfte.

Darüber hinaus enthält das Buch noch eine Stammestafel, die den Überblick über die Verwandschaftsverhältnisse der Gruppe gibt, ein erklärendes Schlußwort des Autors sowie eine Karte mit den Schauplätzen des Geschehens.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 10. September 2008

DVD-Rezensionen (071): Woodstock (Director's Cut) (1970/1994)

(Cover: Amazon.de)

Manchmal wünsche ich mir (Jahrgang 1971) wirklich, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit gelebt zu haben. Nachdem man diesen Film gesehen hat, möchte man dabeigewesen sein in diesen dreieinhalb Tagen voller Musik, Chaos, Liebe und Schlamm. Was sich vom 15. bis 18. August 1969 auf der Wiese des Farmers Max Yasgur bei Bethel im Bundesstaat New York abspielte, darf getrost als eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der modernen Musik bezeichnet werden. 32 Bands und Solisten, teilweise die bekanntesten Vertreter ihrer Zunft zum damaligen Zeitpunkt, spielten vor 400.000 Glücklichen, die das Gelände erreicht hatten, während noch einmal mehr als die gleiche Anzahl auf verstopften Straßen steckenblieben oder gleich von der Polizei zurückgeschickt wurden.

Der dazu entstandene Begleitfilm bietet sensationelle 216 Minuten Bühnenauftritte und Impressionen vom Festivalgelände, teilweise in der damals revolutionären Splitscreen-Technik.

Neben der Musik haben mir besonders die vielen kleinen Details der Dokumentaraufnahmen gefallen. Grandios der coole Kloreiniger und der Auftritt des Eigentümers des Festivalgeländes. Völlig unverständlich bei dieser DVD-Veröffentlichung hingegen die mit "spartanisch" noch wohlwollend ausgedrückte Ausstattung der Scheibe. Kein Booklet, kein Bonusmaterial, gar nichts. Besonders verwerflich: das Fehlen von Untertiteln (Englisch hätte völlig genügt). Einige der Interviewten sprechen ziemlich heftigen Dialekt oder sind dermaßen mit allerlei Mitteln bedröhnt, das man kaum etwas versteht. Da stößt selbst der des Englischen mächtige Zuschauer sehr schnell an seine Grenzen.

Meine musikalischen Favoriten des Films: Richie Havens, Canned Heat (aus heutiger Sicht unglaublich: ein Fan entert die Bühne und wird kumpelhaft begrüßt, darf neben Sänger Bob "The Bear" Hite stehenbleiben und bedient sich erstmal an dessen Kippen), Joe Cocker (die Schuhe!!!), Jefferson Airplane (Grace Slick zum Anbeißen, was deutlich sichtbar auch der Kameramann so empfand), Country Joe McDonald, Arlo Guthrie ("The New York State Thruway is closed, man!"), Sly & The Family Stone und der nur noch am Morgen des 18. August vor ein paar Unentwegten spielende Jimi Hendrix. Die zu diesem Zeitpunkt schon recht gelichteten Zuschauerreihen täuschen über die Tatsache hinweg, dass sie bei seiner einzigartigen zerstörerischen Version des "Star-Spangled Banner" Ohrenzeugen einer musikhistorischen Legende geworden sind.

Für den Film alle Punkte dieser Welt, Abzug nur für die miese Aufmachung der DVD.

Bewertung: 4 von 5

CD-Rezensionen (070): Duran Duran - Greatest (1998)

(Cover: Amazon.de)

Auch wenn die Herren um Simon Le Bon immer noch interessante und schöne Platten veröffentlichen, lag die kommerziell erfolgreichste Phase Duran Durans (vom kurzen Hit-Comeback mit dem "Wedding Album" 1993 einmal abgesehen) in der ersten Hälfte der 80er Jahre. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Songs aus dieser Dekade den größten Raum dieser "Best Of"-Compilation einnehmen. Immerhin bekommt man teilweise alternative US-Singleversionen geboten, so das der oftmals diesen Zusammenstellungen anhaftende Vorwurf der schnellen Geldmacherei unbegründet ist.

Musikalisch gibt es an der Tracklist nichts zu löten, außer das dem einen oder anderen Fan natürlich immer sein ganz persönlicher Lieblingssong fehlen mag, gerade aus den 90ern hätte sich noch so manche Perle finden lassen. Alle Hits sind enthalten, sei es jetzt mit "A View To A Kill" (im Übrigen eines der besten 80er-Videos!) das Titellied des James Bond-Films "Im Angesicht des Todes" , "The Reflex" oder das durch das Formatradio nahezu totgedudelte "The Wild Boys".

Meine persönlichen Favoriten "New Moon On Monday", "Come Undone", "Planet Earth" und "Save A Prayer" fehlen ebenfalls nicht und hieven "Greatest", nicht zuletzt wegen der rappelvollen CD (Lauflänge fast 78,5 Minuten!), ganz nach oben.

Bewertung: 5 von 5

Du kannst nicht immer 17 sein...

Das habe ich gestern wieder gemerkt, zweimal für 24 Stunden wach innerhalb von nur drei Tagen war wohl definitiv etwas zu viel für meine Konstitution. Ich habe gestern den Tag mehr oder weniger liegend verbracht und mich irgendwie zur Nachtschicht geschleppt, wo es mir zwar ab Mitternacht ganz zivil ging, ich aber vorher bestimmt nicht dran geglaubt habe, das zu überstehen. Man ist eben kein junger Hüpfer mehr...

Montag, 8. September 2008

Buch-Rezensionen (070): Erich von Däniken - Auf den Spuren der Allmächtigen (1993)

(Cover: Amazon.de)

Von den Theorien Erich von Dänikens hörte ich als ehemaliger DDR-Bewohner erst nach den politischen Veränderungen Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre. Und ich gebe zu: Das war schon alles sehr faszinierend und klang in den Argumentationen des Schweizers auch irgendwie schlüssig. Neugierig geworden, kaufte ich mir dann einige Bücher des Autors, die doch sehr eingängig und interessant zu lesen waren.

Erst später bekam ich Zugang zu den eher Däniken-kritischen Veröffentlichungen und besuchte dann schon als Skeptiker im Jahre 2000 einen Vortrag des Schweizer UFOlogen. Denn die Schwäche des Hobbyforschers ist zum einen die nach wie vor fehlenden wissenschaftlich fundierten Beweise und zum anderen das stetige Gleichsetzen von terrestrischer und extraterrestrischer Technologie. Warum sollten Außerirdische, die fähig sind, andere Planeten zu besuchen, Rückstoßantriebe, Mikrofone und Bedienelemente, die unserer Technik gleichen, benutzen?

Dieses Buch entstand begleitend zur gleichnamigen SAT.1-Serie im Jahre 1993, eigentlich der letzte Zeitraum, in dem Erich von Däniken breiterer Sendeplatz für seine Theorien eingeräumt wurde. Inzwischen hat sich das doch sehr abgenutzt und wesentlich Neues oder gar Belastbares ist seitdem nicht aufgetaucht.

Da die Fronten zwischen Däniken-Fans und -Kritikern doch sehr verhärtet sind, kann es praktisch kaum eine Einigung zwischen beiden Parteien geben. Für mich ist dieses Buch mittlerweile so etwas wie Unterhaltungsliteratur zum Schmunzeln geworden, ein Märchenonkel eben, der uns die Welt nach seiner Vorstellung zu erklären sucht. Seinen Glauben an die Theorien Dänikens mag jeder Leser bitte mit sich selbst ausmachen.

Bewertung: 3 von 5

DVD-Rezensionen (070): Aguirre, der Zorn Gottes (1972)

(Cover: Amazon.de)

Für das bessere Verständnis dieser ersten Zusammenarbeit zwischen Regisseur Werner Herzog und Klaus Kinski sollte man sich unbedingt einmal Herzogs Dokumentarfilm "Mein liebster Feind" ansehen und Kinskis doch sehr eigenwillige Autobiographie "Ich brauche Liebe" lesen. Beide berichten aus ihrer jeweiligen (und oftmals komplett anderen) Ansicht über die unter katastrophalen Bedingungen erfolgten Dreharbeiten in Peru. Nach Herzogs Angaben stand sein Hauptdarsteller damals noch völlig unter dem Einfluß der in einem Desaster geendeten "Jesus Christus Erlöser"-Aufführung in der Berliner Deutschlandhalle, was sich stark auf die schauspielerische Leistung Kinskis auswirkte, welcher immer noch in seiner Jesus-Rolle gefangen schien.

Die Handlung des Filmes (spanische Conquistadoren suchen im Amazonas-Dschungel das Goldland Eldorado und scheitern bei einer Floßfahrt, die in einer Katastrophe endet) ist in nur wenigen Worten erzählt, dennoch halte ich diesen Film für ein Meisterwerk, gerade weil er oftmals unfertig und improvisiert wirkt. Kinski als Don Lope de Aguirre entwickelt seine Rolle des leicht verkrüppelten Aufrührers, der die Führung der Expedition an sich reißt bis zum Äußersten, in der beeindruckenden Schlußeinstellung spricht der Wahnsinn praktisch aus jeder seiner Gesten und Gesichtsbewegungen. Da der Film durch technische Mängel leider nachsynchronisiert werden mußte und Kinski als Sprecher seiner eigenen Rolle nicht zur Verfügung stand, hört man in der Endfassung des Films statt Herzogs "liebstem Feind" den Schauspieler Gerd Martienzen.

Eine besondere Bedeutung fällt im Film der Musik von Popol Vuh zu. Bereits die Eingangssequenz, die auf den Zugangspfaden der Inkastadt Machu Picchu gedreht wurde, ist von sphärisch-schwebenden Klängen von atemberaubender Schönheit begleitet, die perfekt zu den Bildern, die die im Nebel vom Berg absteigenden Spanier zeigen, passen.

"Aguirre, der Zorn Gottes" ist sicherlich kein leichtverdaulicher Film für das Mainstream-Kino und -Publikum. Aber deutsche Filme, die es zur Kunst von Weltrang gebracht haben sind nicht so zahlreich, als das man sie der heimischen DVD-Sammlung vorenthalten sollte. Einer meiner Lieblingsfilme, volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Sonntag, 7. September 2008

CD-Rezensionen (069): Dark Voices - The Way It Is (1996)

(Cover: Amazon.de)

Ich tu mich im Allgemeinen immer etwas schwer mit Bands, die sich deutlich hörbar an Vorbildern orientieren, die schon allein für sich mit Epigonenvorwürfen zu leben haben. Bei den mittlerweile nicht mehr existierenden Dark Voices aus Berlin war es immer die geradezu verblüffende Ähnlichkeit mit dem Sound von And One. Das eines der Mitglieder inzwischen bei Steve Naghavis Kapelle spielt und ein anderes mit dem And One-Kopf ein Studio betreibt, erscheint da nahezu logisch. 

Doch lässt man das alles erst einmal beiseite, bekommt man mit "The Way It Is" ein feines Synthiepop-Album im klassischen Stil geboten, das zwar mit Sicherheit wenig Originelles bietet, aber dennoch für Fans des Genres durchaus Hörenswertes bereithält. Der in EBM-ähnlichem Rhythmus stampfende Opener "Trouble" geht zwar in den einzig wirklichen Schwachpunkt des Albums über ("War" ein vielfach und schon besser gecovertes Stück von den Temptations bzw. Edwin Starr), bildet aber den Auftakt zu eingängigen Tracks, die von äußerst tanzbaren ("Onenightstand") Songs bis zu sehr guten Balladen ("The Lord Is My Witness") reichen. 

Bemerkenswert vielleicht, das der Name des And One-ähnlichsten Songs ("Get You Closer") nur zwei Jahre später auf dem "9.9.99 9 Uhr"-Album ebenjener Band auftauchte, die zwar einen eigenständigen Track so benannten und als Single auskoppelten, der aber dennoch ein paar klitzekleine Ähnlichkeiten zum Dark Voices-Stück aufweist. Zufall?

Bewertung: 4 von 5