Samstag, 28. Februar 2009

Buch-Rezensionen (126): John Keegan - Atlas Zweiter Weltkrieg (1989)

(Cover: Amazon.de)

Bücher über den zweiten Weltkrieg gibt es wie Sand am Meer. Viele beschäftigen sich mit einzelnen Vertretern der kriegsbeteiligten Nationen, andere widmen sich bestimmten Ereignissen, Waffengattungen oder Einsatzverbänden. Eher seltener wird der gesamtstrategische Verlauf des Kriegs in den Mittelpunkt gestellt und noch rarer sind Werke, die dies fast ausschließlich auf Kartenbasis tun.

Umso höher ist dieser Atlas des renommierten britischen Militärhistorikers Sir John Keegan zu bewerten, der auf etwa 250 großformatigen Seiten mit über 600 Karten Fotos, Diagrammen und Tabellen eine unschlagbare Fülle an Informationen beinhaltet. Begonnen wird bereits mit der politischen Situation nach Beendigung des Ersten Weltkriegs, ein - leider nicht allumfassendes - Glossar rundet das Buch ab. Der Textanteil tritt gegenüber den Karten in den Hintergrund, dennoch wirkt die Mischung ausgewogen und hochinteressant.

Strategische Karten wirken oftmals sehr abstrakt, so hätte ich mir zum besseren Verständnis persönlich mehr realistisch wirkendere Illustrationen gewünscht, wie sie beispielsweise für die Darstellung der Kämpfe in Stalingrad oder Berlin Verwendung fanden.

Trotz alledem ist dieser Atlas, der vom Logo der altehrwürdigen Tageszeitung THE TIMES geziert wird, ein unverzichtbares Nachschlagewerk und sicherlich der Standard in diesem Bereich der Weltkriegsliteratur.

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 27. Februar 2009

DVD-Rezensionen (126): Pirates Of The Caribbean - Fluch der Karibik 2 (2-Disc Special Edition) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Die Crux an überraschenden Filmhits ist die fast unausweichbar drohende Fortsetzung. Nach dem nicht unbedingt vorhersehbaren Kinokassenerfolg von "Fluch der Karibik" wäre Produzentenlegende Jerry Bruckheimer nicht er selbst, wenn er dem Publikum nicht einen ordentlichen Nachschlag verabreicht hätte. Stellt man sich nun die Frage "War das wirklich nötig?" muß man konstatieren: Leider nein!

Der Vorgängerfilm war in sich abgeschlossen und hatte kein offenes Ende, von daher bestand keine zwingende Notwendigkeit, die Handlung fortzuspinnen. Somit funktioniert dieser Film vor allem als effekteüberfrachtetes Krawall-Spektakel, noch lauter, noch bunter, noch actionreicher als der erste Teil. Praktisch pausenlos fliegt dem Zuschauer irgendetwas um die Ohren, Zeit zum Nachdenken oder gar für einen ausgefeilten Plot bleibt da kaum. Daher ist auch die witzigste Passage des Films auf der Kannibaleninsel für die Handlung völlig ohne Belang. Der wie immer großartige Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow hockt halt auf jenem Eiland fest (warum auch immer) und muß von dort abgeholt werden - das war es auch schon!

Einen Großteil der Optik bestimmen entstellte schleim-, algen- und unratbedeckte Monster, selten fand ich in einem Popcornfilm die Optik so eklig-unpassend. Man muß auch nicht alles zeigen, was die CGI-Abteilung so draufhat. Dies ist ein weiterer Puzzlestein dafür, dass dieser Teil der Trilogie den letzten Platz in meinem persönlichen "Fluch der Karibik"-Ranking einnimmt. Das Original steht weit oben, gefolgt vom abschließenden Film. Dies hat dieser Dreierpack kurioserweise mit den "Matrix"-Filmen gemeinsam. Vielleicht sollte sich Hollywood endlich mal wieder angewöhnen, einen guten Film auf sich beruhen zu lassen, anstatt das Publikum mit immer neuen Sequels zu malträtieren. Aber wie heißt es so schön? Money makes the world go round...

Pluspunkte sammelt die Special Edition freilich bei der Qualität. Bild und Ton sind sehr gut, das Bonusmaterial ist wieder umfangreich ausgefallen, wenn auch nicht ganz so opulent wie bei der 3-Disc-Special Edition des Vorgängers. Dies hievt den doch recht müden Film immerhin ins Mittelfeld der Bewertungsskala.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 26. Februar 2009

CD-Rezensionen (125): Camouflage - Meanwhile (1991)

(Cover: Amazon.de)

Mit ihrem experimentellen dritten Album verprellten die erfolgsgewöhnten Schwaben viele Fans, ein Schlag, von dem sie sich bis heute nicht erholten. Vielleicht hatten Camouflage erkannt, dass die 80er und damit die Ära des puren Synthie-Pops unwiderruflich zu Ende gegangen war. Zeit, neue Wege zu beschreiten und das Ergebnis lag 1991 mit diesem bis heute unterschätzten Meisterwerk vor.

Bewegen sich das eröffnende "Seize Your Day" und die Singleauskopplung "Heaven (I Want You)" noch in relativ bekannten Fahrwassern, wird bei "Mellotron" schon ganz anders Gas gegeben. Im Allgemeinen setzte die Band bei dieser Platte auf die starke Präsenz analoger Instrumente, so spielen Gitarren, Bläser und natürliche Drums eine prägende Rolle. Das dies dem Hardcore-Elektroniker sauer aufstieß, lässt sich vielleicht mit der dieser Szene oftmals eigenen Scheuklappenmentalität erklären. Dies ist umso bedauerlicher, weil ein Doppelpack wie das herzzerreißende "Mother" und das aggressiv dargebotene "Dad" ihre ureigenen Reize trotz des ungewohnten Soundgewands voll und ganz entfalten können.

Selbst Sänger Marcus Meyn versuchte völlig anders als auf "Voices & Images" und "Methods Of Silence" zu klingen, allerdings ist das Ergebnis nicht immer überzeugend. So klingt das eigentlich wunderschöne "Where The Happy Live" durch den gequetschten Gesang doch etwas angestrengt.

Dennoch bietet "Meanwhile" durchaus Abwechslung. Nah an die Vorgängeralben angelegte Tracks wie "These Eyes" werden sofort durch flotte Gitarrenrhythmen wie bei "What For" konterkariert, fast schon soulige Stücke wie "Waiting" liefern sich Duelle mit melancholischen Popstücken á la "Accordion". "This Day" wirkt wie ein frühes Stück Britpop, während "Handsome" verärgerte Altfans zurück in die Spur bringen dürfte. "Bitter Sweet" hingegen ist noch einmal eine tiefe Verbeugung an die 80er und das großartige - mit leichten OMD-Anleihen aufwartende - "Spellbound", nimmt den Stil des zwei Jahre später folgenden Albums "Bodega Bohemia" bereits voraus.

Mit dem verträumten Instrumental "Who The Hell Is David Butler?" klingt ein leider zu Unrecht vergessenes Highlight der Bandgeschichte aus - Höchstwertung!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 25. Februar 2009

Buch-Rezensionen (125): Die Digedags in New York (1974)

(Cover: Amazon.de)

Mit diesem 10. Sammelband endet die Amerika-Serie der Digedags. Die enthaltenen sechs Hefte, original erschienen zwischen Januar und Juni 1974, führen die noch offenen Handlungsstränge zusammen und bieten nach den doch recht klamaukigen Ereignissen in der Karibik noch einmal spannende Unterhaltung im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Digedags, durch einen Sturm an die Küste Floridas verschlagen, müssen sich durch das feindliche Gebiet der sezessionistischen Südstaaten nach New York durchschlagen, wo sie hoffen, ihren toltekischen Goldschatz verkaufen und den Erlös der Sklavenbefreiungsbewegung zukommen lassen zu können. Doch zuvor müssen sie mit dem zufällig wiedergetroffenen Bob Morris einen gefährlichen Sabotageakt verüben...

Mit den spannenden Abenteuern zum Ende der Serie bekommen die Erlebnisse der Digedags im düsteren Kapitel der US-Geschichte einen würdigen Abschluß. Eines der wenigen Beispiele politischer Propaganda im MOSAIK schleicht sich mit der doch recht platten Kapitalismus-Kritik im letzten Heft ein. New York besteht praktisch komplett aus skrupellosen und windigen Geschäftemachern, die sich am Krieg bereichern. Das hätte durchaus etwas eleganter gelöst werden können.

Und auch hier wieder der Hinweis:

Achtung! Um kostbares und in der DDR knappes Papier zu sparen, wurden einige der schon in Vorwendezeiten erschienenen ersten Auflagen dieser Nachdrucke um insgesamt vier Seiten gekürzt. Leider wurde diese ärgerliche Unsitte nach der Wiedervereinigung beibehalten. Da ich auch die Originalhefte besitze, fielen mir diese (zum Teil etwas sinnentstellenden) Kürzungen sofort auf. Mittlerweile ist die Amerika-Serie auch neu und ungekürzt in 15 Bänden á vier Heften erschienen. Ob man sich die dadurch nötigen Mehrausgaben leisten will, mag jedem Leser selbst überlassen sein. So oder so gibt es eine klare Kaufempfehlung mit (aufgrund der oben beschriebenen Mängel) kleinen Abzügen in der B-Note!

Bewertung: 4 von 5

DVD-Rezensionen (125): Harry Potter und der Orden des Phoenix (2007)

(Cover: Amazon.de)

Ein typisches Dilemma der Harry Potter-Verfilmungen war immer die Notwendigkeit zur Kürzung des Vorlagenstoffs. Ganz extrem mußte dies nun beim umfangreichsten Potter-Band geschehen, dem für mich zweitbesten Buch der Reihe. Die Frage nun: Hat es dem Endprodukt geschadet?

Beginnen wir zunächst mit den positiven Aspekten von David Yates' Film. Selbstverständlich hat die CGI-Abteilung wieder ganze Arbeit geleistet und eine beeindruckende Optik mit gigantischen Effekten erschaffen. Dies natürlich in glasklarer Bildqualität. Dazu rumst und knallt es aus allen Rohren, so das auch die Heimkinoanlage gut gefordert wird. An den technischen Qualitäten von "Harry Potter und der Orden des Phoenix" gibt es jedenfalls nichts zu löten, so muß einfach modernes Popcorn-Kino aussehen. Wie die Macher den mit großem Knall zelebrierten Abgang der Weasley-Zwillinge aus der Hogwarts-Schule inszenierten, lässt einen doch begeistert "Chapeau!" rufen.

Deutlich schlechter sieht es dann schon im schauspielerischen Geschehen aus. Ich gebe zu, dass ich durch das von Rufus Beck grandios gestaltete Hörbuch vorgeprägt war. Dieser verwandelte die neue Schulleiterin Dolores Umbridge in einen dermaßen verabscheuungswürdigen Charakter (mit österreichischem Dialekt!), dass Imelda Staunton dagegen nur wie eine komplette Fehlbesetzung wirkt. Viel zu lieb, viel zu harmlos, viel zu unglaubwürdig. Die innerliche Empörung, die sich beim Buch einstellte geht hier völlig flöten.

Desweiteren wurde der zum Mitfiebern zwingende Handlungsstrang der heimlichen Übungsstunden von "Dumbledores Armee" dermaßen radikal eingedampft, dass er wie ein zum Zeitvertreib erfundenes Teekränzchen gelangweilter Internatsschüler wirkt. Der Showdown im Zaubereiministerium hingegen ist zwar optisch imposant in Szene gesetzt, leidet aber unter krassen Fehlern (fliegende Todesser) und einer seltsamen Distanziertheit. Das, was diese Passage im Buch zum "Pageturner" machte, fehlt hier nahezu komplett, schade um die verpasste Gelegenheit.

Hinzu kommt, dass für meinen Geschmack alles etwas zu sehr auf den Hauptprotagonisten zugeschnitten wurde. Die Nebendarsteller sind sehr in den Hintergrund gedrängt, was gerade im Falle der ideal besetzten Evanna Lynch als Luna Lovegood sehr bedauerlich ist.

Was bleibt? Ein sicherlich unterhaltsamer Film, der keine Katastrophe ist. Dennoch wird er seiner literarischen Vorlage nicht gerecht, die dem Interessierten doch sehr ans Herz gelegt wird.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 23. Februar 2009

CD-Rezensionen (124): Olli Dittrich & Wigald Boning - Zwei Stühle, eine Meinung (1998)

(Cover: Amazon.de)

Die an kultverdächtigen Rubriken nicht eben arme legendäre "RTL Samstag Nacht"-Show hatte mit der Talkshow-Parodie "Zwei Stühle eine Meinung" immer einen ihrer Höhepunkte. Wigald Boning als Steller abstruser Fragen und Olli Dittrich in immer grandiosen Masken und Kostümen nicht immer prominenter Zeitgenossen brannten bei dieser Mischung aus Improvisation und akribischer Vorbereitung so einige Comedy-Feuerwerke ab. Auf dieser CD sind nun zwölf dieser Gespräche (plus eine schräge Gesangsdarbietung von "Time To Say Goodbye") vertreten, nicht immer glücklich ausgewählt und sicherlich bei dem umfangreichen Reservoir auch etwas zu wenig.

Zu jedem Talk gibt es im Booklet Hintergrundinformationen und ein Foto von Olli Dittrichs Maske, so kommt man beispielsweise noch mal in den Genuß des göttlich designten Rennfahreranzugs Michael Schumachers (z.B. MALBUCH statt MARLBORO) und der zum Schreien komischen Maske. Selbst Schumachers rheinischen Singsang imitiert Dittrich perfekt und auch "Der Kaiser" Franz Beckenbauer ist kaum vom Original zu unterscheiden.

Natürlich darf mit dem Sankt Paulianer Zuhälter Mike Hansen die Figur nicht fehlen, mit der sich Boning wahrscheinlich am öftesten anlegte. Begriffe wie "Specknacken" und "Suppentrulli" sind wohl vielen im Gedächtnis haften geblieben.

Auch sehr gut: Die Nummern mit dem hyperventilierenden Boxer Butsche Rooney, das völlig außer Kontrolle geratende Gespräch mit dem sächselnden Eisläufer Rico Gleitmann, Meister Proper, Hessen-Jesus Rudi Schuhriegel oder König "Bulla Bulla" Butterbrot der Erste von den Garagentorinseln. Weniger gelungen die Tracks mit Boris Becker, Blümchen und dem Filmkritiker Hajo Schröter-Naumann.

Insgesamt eine nostalgische Erinnerung an vergnügliche Fernsehabende, die auch in akustischer Form erstaunlich gut funktioniert.

Bewertung: 4 von 5

Socks †

Nachdem mich eine vom Junior "geerbte" Erkältung übers Wochenende flach gelegt hatte, gilt es Einiges nachzutragen. Zunächst eine traurige Meldung aus dem Tierreich.

(Foto: SPIEGEL.de)

Die ehemals berühmteste Katze der Welt ist am 20. Februar im stolzen Alter von 18 Jahren gestorben. "Socks", das Haustier von Ex-US-Präsident Bill Clinton, galt sogar unter den Washingtoner Journalisten als äußerst beliebt und erhielt säckeweise eigene Fanpost. R.I.P. ...

Freitag, 20. Februar 2009

Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?

Franz Beckenbauers legendärer Werbespruch fiel mir heute sofort ein, als ich einen jahrelang gehegten Taum in Erfüllung gehen sah. Nachdem es schon kürzlich mit der von mir heiß ersehnten DVD-Veröffentlichung der Fernsehserie "Das Rätsel der Sandbank" klappte, erscheint jetzt am 16. März so etwas wie der "Heilige Gral" der gesuchten Ostfilme und dies gleich im Doppelpack: "Start zur Kassiopeia" (1973) und "Roboter im Sternbild Kassiopeia" (1974). Beide Filme habe ich seit fast 20 (den zweiten) bzw. etwa 25 Jahren nicht mehr gesehen. Ich wurde erhört!!!

Donnerstag, 19. Februar 2009

Buch-Rezensionen (124): Joanne K. Rowling - Harry Potter und der Orden des Phoenix (Hörbuch) (2003)

(Cover: Amazon.de)

Der äußerst kontrovers beurteilte fünfte Band von Joanne K. Rowlings Zauberer-Saga nimmt in meinem persönlichen "Potter-Ranking" aller sieben Bücher den zweiten Platz nach dem "Gefangenen von Askaban" ein. Es stellt sich die Frage: Warum?

Das insgesamt umfangreichste Werk der Heptalogie bietet eine konsequent fortschreitende Handlung, in der spannende Nebenplots wie die Übungsstunden von "Dumbledores Armee" - jederzeit von der Entdeckung bedroht - für atemlose Spannung sorgen. Mit Dolores Umbridge wird ein echtes Ekelpaket eingeführt, deren durch den wie immer grandiosen Rufus Beck gesprochener charmanter österreichischer (!) Dialekt im krassen Gegensatz zum Fanatismus dieses Charakters steht. Großartiger Bruch mit den Erwartungen!

Immer wieder lockern Einlagen wie typisch pubertäre Liebesnöte oder der spektakuläre Abschied der Weasley-Zwillinge aus Hogwarts das doch sehr deprimierende und düstere Szenario auf. Dennoch wird das Hauptaugenmerk auf einen sichtbaren Reifeprozess gelegt, der auch schmerzhafte Erkenntnisse über die doch nicht so perfekten Eltern und die eigene charakterliche Veränderung beinhaltet. Ein "angry young man" auf Sinnsuche sozusagen. Diese ganzen Dinge verschrecken sicherlich das unterhaltungssuchende und das ganz junge Publikum, machen das Buch aber ganz groß.

Desweiteren bietet "Harry Potter und der Orden des Phönix" den für mich besten Showdown der Reihe. Ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod im Zaubereiministerium, der gleichzeitig ein Wettlauf um eine geheimnisvolle Prophezeiung ist - atemlos hört man sich durch die Hörbuch-Aufnahme, Hochspannung in jeder Sekunde.

Erneut muß man eine tiefe Verbeugung vor Rufus Becks Sprecherleistung machen. Was der Schauspieler hier wieder an Stimmakrobatik vollbringt sucht seinesgleichen und hat mich, der wohl nie von selbet ein Potter-Buch angerührt hätte, schwer begeistert. Höchstwertung, Punkt!

Bewertung:  5 von 5

Mittwoch, 18. Februar 2009

DVD-Rezensionen (124): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 12 - Finale 1982 BR Deutschland-Italien (1:3) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Ich hatte nach den Ereignissen der letzten WM etwas die Befürchtung, voreingenommen an diese Partie heranzugehen. Nach dem Ansehen muß ich konstatieren: Weit gefehlt! Italien wurde 1982 völlig verdient Weltmeister und das in einer Art und Weise, die es (im Gegensatz zu 2006) leicht macht, den Titel zu gönnen.

Doch zunächst ein kleiner Rückblick: An die WM in Spanien kann ich mich nur noch düster erinnern, da meine Eltern das Thema "als 10jähriger lange aufbleiben" recht rigoros handhabten. Ich weiß nur noch, dass ich sowohl die deutsche Vorrundenpleite gegen Algerien als auch das Skandalspiel gegen Österreich live gesehen habe, allerdings waren das auch beides am Nachmittag angesetzte Partien. Daher dürfte diese DVD die erste Gelegenheit überhaupt gewesen sein, dass ich dieses Finale in voller Länge sah.

Ich hatte anhand des Ergebnisses eigentlich erwartet eine italienische Mannschaft zu sehen, die die deutsche nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt, doch das ist falsch. Zumindestens die erste Halbzeit ist doch wirklich "ausgeglichen" zu benennen, auch wenn sich unmittelbar vor den Torhütern wenig abspielte. Der verschossene italienische Strafstoß passt da gut ins Bild. Toni Schumacher beschreibt in "Anpfiff" das Finale 1982 als "von vornherein in den Köpfen verloren". Da ist wohl etwas dran.

Völlig anders wiederum stellt sich die Lage in Durchgang 2 dar. Hier merkt man doch recht deutlich, wie nach dem Halbfinale gegen Frankreich einfach die Kraft fehlte. Im Begleitheft zur DVD wird beispielsweise noch die unmittelbare Nachgeschichte des Krimis von Sevilla erzählt. Das deutsche Team saß bis in die frühen Morgenstunden in einem heillosen Durcheinander auf dem Flughafen fest und schaffte es erst nach handfesten Drohungen seitens der Mannschaftsleitung eine Starterlaubnis zu erhalten. Die Italiener wiederum hatten innerhalb der regulären Spielzeit ihr nachmittägliches Halbfinale gegen Polen locker gewonnen und konnten so deutlich mehr Kräfte sparen.

Zwei Spieler gilt es besonders hervorzuheben: Bruno Conti auf italienischer und Uli Stielike auf deutscher Seite. Nicht zu fassen, was der Conti gerannt ist... Stielike (immerhin Fußballer des Jahres 1982 in Spanien!) wiederum kommt mir in Betrachtungen der deutschen Nationalmannschaftsgeschichte leider immer ein wenig stiefmütterlich behandelt vor. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass sich jeder Libero an Franz Beckenbauer messen lassen mußte. Der Überlieferung zufolge soll er Rummenigge in der Kabine angeschnauzt haben, weil dieser (durch eine Verletzung alles andere als fit) sich weigerte, sich auswechseln zu lassen (was dann erst in der 69. Minute geschah). Aber was der Stielike in der zweiten Hälfte geackert und gekämpft hat - ich zieh den Hut!

Fazit: Ein verdienter Sieg, ein verdienter Weltmeister (auch nach Startschwierigkeiten schon aufgrund des grandiosen Spiels gegen Brasilien) und der Torjubel von Marco Tardelli nach dem 2:0 dürfte wohl zu den berühmtesten der WM-Geschichte zählen...

Noch zwei weitere optische Auffälligkeiten des Finales: Verteidigerlegende Guiseppe Bergomi (damals gerade erst 18!) mit scheußlicher Schenkelbürste unter der Nase und ein schon vor dem Anpfiff äußerst gequält dreinschauender Bundeskanzler Schmidt auf der Tribüne. Verständliches Mienenspiel, wenn man sich die politische Lage in Bonn im Sommer 1982 ins Gedächtnis ruft. 

Noch eine kleine Anekdote zum Schluß: Ausgerechnet die DDR drehte mit "Verzeihung, sehen Sie Fußball?" einen Film, der in Episodenform die Erlebnisse verschiedener Personen in einem Ost-Berliner Hochhaus während des Finalspiels beschreibt.

Bewertung: 4 von 5

Schnief, schnüff, hüstel...

Wie es sich gestern schon andeutete - heute hat mich die Erkältung auch im Griff. Kein Wunder, wenn man täglich engsten Umgang mit einem kranken Kind hat. Sich da anzustecken war wohl wirklich nur eine Frage der Zeit. Ich werd mich jetzt noch durch den Rest der Arbeitswoche quälen und mich dann auskurieren. Blöde Jahreszeit...

Franz Marischka †

(Foto: br-online.de)

Im gesegneten Alter von 90 Jahren ist heute der österreichische Regisseur Franz Marischka, Autor solch legendären Klamotten wie der "Laß jucken, Kumpel"- und "Liebesgrüße aus der Lederhose"-Reihe oder des 80er-Trash-Kultfilms "Sunshine Reggae auf Ibiza" in München gestorben. Mit Sicherheit kein Hohepriester des guten Geschmacks, aber wie immer: Über die Toten nur Gutes...

CD-Rezensionen (123): Anne Clark - Joined Up Writing (1984)

(Cover: Amazon.de)

Auf der 1984 veröffentlichten EP der britischen Spoken Word-Künstlerin findet sich mit "Our Darkness" gleich einer ihrer Klassiker, in der CD-Ausgabe gleich in drei verschiedenen Versionen. Dabei hat der "Alternate Mix" des Songs deutlich mehr Power als das Original und auch der über siebenminütige "12" Remix" verbreitet alles andere als Langeweile.

Dennoch lohnt sich ein Blick auf die anderen fünf Tracks der Scheibe. "Nothing At All" eröffnet mit elektronischen Streichern, bis natürliche Instrumente hinzugefügt werden und Miss Clark düstere Erkenntnisse über sich verändernde Beziehungen in der modernen Umwelt rezitiert. "Weltschmerz" ist musikalisch sehr zurückgenommen, nur wenige Töne untermalen die Lyrics, bei denen der Titel wahrhaft Programm ist.

Im Allgemeinen sind die Texte der Platte sehr düster gehalten, da sich auch "Killing Time", das verbitterte "True Love Tales" und das sich mit Suizid befassende "Self Destruct" in ähnlichen menschlichen Abgründen aufhalten. Hier lohnt sich mehrmaliges und genaues Zuhören und zur Not auch mal der Griff zum Wörterbuch.

Insgesamt eine lohnenswerte CD, immerhin knapp 40 Minuten lang, für eine EP nicht selbstverständlich!

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 17. Februar 2009

Nachtgedanken (018)

Heute geht es deutlich früher ins Bett, aufziehende Kopf- und Halsschmerzen sind nicht fein.

In den zweiten "Nachtgedanken" hatte ich etwas von Bettina von Arnim (1785-1859) herausgesucht, heute kommt ihr Mann Achim (1781-1831) zu Wort, Titel des Gedichts ist "Mir ist zu licht zum Schlafen..."

Mir ist zu licht zum Schlafen,
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh erwacht.

Ich hauchte meine Seele
Im ersten Kusse aus,
Was ist's, daß ich mich quäle
Ob sie auch fand ein Haus.

Sie hat es wohl gefunden
Auf ihren Lippen schön,
O welche sel'ge Stunden,
Wie ist mir so geschehn!

Was soll ich nun noch sehen?
Ach, alles ist in ihr.
Was fühlen, was erflehen?
Es ward ja alles mir.

Ich habe was zu sinnen,
Ich hab', was mich beglückt:
In allen meinen Sinnen
Bin ich von ihr entzückt.

Buch-Rezensionen (123): Die Abenteuer des jungen Indiana Jones - Felder des Todes, Verdun, 1916 (1992)

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Der TV-Serie "Die Abenteuer des jungen Indiana Jones" von George Lucas war leider kein großer Erfolg beschieden, kollidierte sie doch gründlich mit den Vorlieben des gemeinen Action-Fans. Die Idee, den zum damaligen Zeitpunkt aus drei Kinofilmen bekannten Helden in dessen Kindheit und Jugend an verschiedenen Schauplätzen mit berühmten Personen der Zeitgeschichte zusammentreffen zu lassen, war eine hochinteressante Geschichtsstunde, die das Spezialeffekte-Spektakel erwartende Publikum leider komplett verschmähte. Mit Umschneiden ganzer Folgen wurde versucht, am Ergebnis herumzupuzzlen - vergeblich. Dennoch wird "The Young Indiana Jones Chronicles", so der Originaltitel, für mich als Geschichtsinteressierten immer eine meiner Lieblingsserien bleiben.

Zum deutschen TV-Start beim Sender SAT.1 erschienen im Jahre 1992 im VGS-Verlag diverse Buchveröffentlichungen mit dem nacherzählten Inhalt einzelner Folgen.

Die Folge, die als Vorlage des Buches dient, ist eine der stärksten und beklemmendsten der ganzen Serie. Schauplatz ist das Schlachtfeld von Verdun während der sich über das fast komplette Jahr 1916 hinziehenden Kämpfe zwischen deutschen und französischen Truppen, die insgesamt etwa 317 000 Todesopfer forderten. Young Indy, unter falschem Namen in die belgische Armee eingetreten, wird als Kradmelder eingesetzt und gerät in ein moralisches Dilemma, als er einen in seinen Augen sinnlosen Befehl für einen erneuten selbstmörderischen Angriff auf die deutschen Stellungen überbringen soll...

Das Schlachten in der "Blutmühle" Verdun wird hier eindrucksvoll dargestellt, ohnehin wurde für diese Serie ein bis dahin für das Fernsehen unbekannter Materialaufwand betrieben. Die historischen Figuren der französischen Generäle Robert Nivelle und Philippe Pétain in all ihrer gegensätzlichkeit werden näher beleuchtet. Interessant ist, dass Letzterer von den Autoren in Schutz genommen wird, ein Urteil das Pétain aufgrund seiner Kollaboration mit den deutschen Besatzern ab 1940 bei eher wenigen Franzosen genießen dürfte.

Interessant ist dieses Buch, wie auch die anderen wenigen erschienenen aufgrund des Fakts, dass hier die einleitenden und abschließenden Passagen mit dem über 90jährigen Indiana Jones noch enthalten sind. Szenen, die dem späteren Umschnitt der Serie zum Opfer fielen und nur bei der Erstausstrahlung zu sehen waren.

Bewertung: 5 von 5

Nachtgedanken (017)

Die heutigen "Nachtgedanken" stammen aus der Feder Georg Herweghs (1817-1875) und tragen den Titel "Die drei Sterne".

Es traten einst um Mitternacht
Der Sterne drei zusammen,
In nie gesehner heller Pracht,
In nie gesehnen Flammen.
Da scholl es aus des ersten Mund
Von blasser Silberlippe:
"Ich tat den Weg den Völkern kund
Zu eines Gottes Krippe."
Und stolz darein der zweite schaut,
Wie um sich selbst zu sonnen:
"Auf mich hat Caesar einst vertraut
Und eine Welt gewonnen."
"Zu mir blickt", fuhr der dritte fort,
"Das schönste Kind von allen." -
Am Himmel klang noch laut sein Wort,
Der Stern war schon gefallen.

Nachtwache

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr... Auch wenn der erste Teil des Sprichworts in meinem Falle nicht wirklich zutrifft, haut der zweite derzeit wirklich hin. Mein Sohn leidet wieder an einem überaus hartnäckigen Husten, der sich vor allem nachts bemerkbar macht und sowohl ihm als auch uns die Nachtruhe raubt. In diesen Minuten schiebe ich gerade "Wache", damit wenigstens die Göttergattin zum schlafen kommt.

Dabei war der Tag mit meinem Junior schon chaotisch genug. Durchfall, Erbrechen - es gab heute nichts, was ich nicht wegputzen durfte. Dazu etwas Fieber, die schon seit Tagen andauernde Appetitlosigkeit... Wie bereits gesagt: Vater werden...

DVD-Rezensionen (123): Woyzeck (1979)

(Cover: Amazon.de)

Der "Woyzeck"-Stoff begegnete mir erstmals als Teil des Abitur-Literaturunterrichts. Vielleicht überfordete Büchners Dramenfragment uns 17jährige, einen direkten Zugang fand zumindestens in jenen Jahren wohl keiner so recht. Dieser Zustand haben sich mittlerweile geändert und dazu beigetragen hat in meinem Falle nicht unerheblich dieser Film von Werner Herzog.

Unmittelbar nach Beendigung des Films "Nosferatu - Phantom der Nacht" fanden die nur zweieinhalb Wochen dauernden Dreharbeiten im pittoresken tschechischen Städtchen Telč statt. Klaus Kinski, nach der Darstellung des Vampirs fast noch kahlköpfig und sichtlich gezeichnet, irrlichtert mit flackerndem Blick, einer fast körperlich spürbaren Eindringlichkeit und einer geradezu beängstigenden Mimik der Katastrophe entgegen. Natürlich dominiert seine Präsenz den Film, dies sollte jedoch nicht davon ablenken, dass auch die Nebenrollen mit Eva Mattes als Marie, Willy Semmelrogge als skrupelloser Doktor und Wolfgang Reichmann als Hauptmann bestens besetzt sind. Josef Bierbichler als Tambourmajor fällt dahingegen etwas ab, da beeindruckt schon eher der Monolog Volker Prechtels, der als betrunkener Handwerksbursche über den Lauf der Welt sinniert.

Mit Sicherheit ist "Woyzeck" kein Film für den Massengeschmack, dafür mutet er dem Zuschauer zuviel zu. Da wären einerseits die teilweise minutenlangen Einstellungen in der Totale bar jeglichen Schnitts, die Verwendung des Originaltexts, der schon aus Altersgründen nicht eingängig ist und die stellenweise doch recht dominierende Fiedel-Musik.

Dennoch: Dies hier ist Kunst, die vor allem von ihrem genialen Hauptdarsteller lebt. Einige Sequenzen, vor allem die Mordszene, gehören zum Intensivsten, was das deutsche Arthaus-Kino hervorgebracht hat. Darauf muß man sich einlassen können, damit muß man sich auseinandersetzen. Denn "Woyzeck" ist mehr als nur ein Drama. Sozialstudie, Psychogramm, Kriminalfall, Eifersuchtskatastrophe, Sitten- und Geschichtsgemälde. Ein unterschätztes Meisterwerk unter den fünf Kollaborationen Herzogs mit Kinski, lohnenswert, darin einzutauchen. Dann sieht man auch großzügig darüber hinweg, dass im eröffnenden Kameraschwenk deutlich Fensehantennen und Baukräne zu erkennen sind...

Das Bild der DVD ist kontrastreich und farbenfroh, der Mono-Ton vertretbar. Das Bonusmaterial ist nicht ganz glücklich zusammengestellt, bietet jedoch trotzdem interessante Einblicke in Dreharbeiten und Hintergründe.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 16. Februar 2009

Nachtgedanken (016)

Da ich mich ja bekanntermaßen ab und an fotografierenderweise auf Friedhöfen herumdrücke, habe ich für die heutigen "Nachtgedanken" mit "Grabgesang" ein Gedicht des "Märchenonkels" Wilhelm Hauff (1802-1827) herausgekramt.

Vor des Friedhofs dunkler Pforte
Bleiben Leid und Schmerzen stehn,
Dringen nicht zum heil'gen Orte,
Wo die sel'gen Geister gehn,
Wo nach heißer Tage Glut
Unser Freund im Frieden ruht.

Zu des Himmels Wolkentoren
Schwang die Seele sich hinan,
Fern von Schmerzen, neugeboren,
Geht sie auf – die Sternenbahn;
Auch vor jenen heil'gen Höhn
Bleiben Leid und Schmerzen stehn.

Sehnsucht gießet ihre Zähren
Auf den Hügel, wo er ruht:
Doch ein Hauch aus jenen Sphären
Füllt das Herz mit neuem Mut;
Nicht zur Gruft hinab – hinan,
Aufwärts ging des Freundes Bahn.

Drum auf des Gesanges Schwingen
Steigen wir zu ihm empor,
Unsre Trauertöne dringen
Aufwärts zu der Sel'gen Chor,
Tragen ihm in stille Ruh
Unsre letzten Grüße zu.

Sonntag, 15. Februar 2009

CD-Rezensionen (122): Frankie Goes To Hollywood - Twelve Inches (2001)

(Cover: Amazon.de)

Nach der "Mogelpackung" "Reload" (2000) wurde ein Jahr später seitens der Plattenfirma kräftig nachgewaschen und auf dieser Doppel-CD 18 mehr oder weniger rare Maxi-Versionen der grandios-großmäuligen Liverpooler veröffentlicht. Wohl kaum eine andere Band der 80er nutzte das Medium der 12"-Scheiben so exzessiv aus wie die von Trevor Horn protegierte Rabaukentruppe.

Was einem hier aufgetischt wird, ist schon der Hammer. Da bläst einem der fast sechzehneinhalb(!)minütige "Sex Mix" von "Relax" den Staub aus den Knochen und die (Nomen est omen!) "Hotter" Version kitzelt aus "Watching The Wildlife" noch die letzten Raffinessen heraus.

Den Mixen ist überwiegend das typische Merkmal der FGTH-Maxis eigen. Kontinuierlich wird ein Spannungsbogen aufgebaut, in dem neue Instrumentenspuren hinzugefügt oder ausufernde Soundausflüge unternommen werden. Ebenfalls sehr beliebt: Gesprochene Passagen mit witzigen, ernsten oder auch zynischem Inhalt.

Freilich sind nicht alle Tracks von gleichbleibend hoher Qualität (Tiefpunkt: "Disneyland" - klingt wie ein schlechter Duran Duran-Song). Dies wird aber im Regelfall durch deren Rarität wettgemacht, erschienen doch manche der zahlreichen Versionen nur in kleinen und kleinsten Auflagen. Für Sammler lohnt sich der Zugriff auf jeden Fall.

Leider fehlen ein paar der wirklich essentiellen Mixe, so zum Beispiel die "Original Extended Version" von "The Power Of Love" und der grandiose "Young Person's Guide Into The 12 Inch Mix" von "Rage Hard", der zwar auf "Reload" enthalten war, dort aber in einer brutal um volle zwei Minuten gekürzten Fassung.

Dennoch eine prima Zusammenstellung - viel Kult für's Geld!

Bewertung: 4 von 5

Nachtgedanken (015)

Ferdinand Freiligraths (1810-1876) Name steht eher für deutsch-patriotische Werke. Aber dennoch findet sich da auch sehr gefühsbedingter Stoff, wie zum Beispiel "O lieb, solang du lieben kannst".

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, daß dein Herze glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,
Solang ihm noch ein ander Herz
In Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt,
O tu ihm, was du kannst, zulieb!
Und mach ihm jede Stunde froh,
Und mach ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,
Bald ist ein böses Wort gesagt!
O Gott, es war nicht bös gemeint, -
Der andre aber geht und klagt.

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Dann kniest du nieder an der Gruft
Und birgst die Augen, trüb und naß,
- Sie sehn den andern nimmermehr -
Ins lange, feuchte Kirchhofsgras.

Und sprichst: O schau auf mich herab,
Der hier an deinem Grabe weint!
Vergib, daß ich gekränkt dich hab!
O Gott, es war nicht bös gemeint!

Er aber sieht und hört dich nicht,
Kommt nicht, daß du ihn froh umfängst;
Der Mund, der oft dich küßte, spricht
Nie wieder: Ich vergab dir längst!

Er tat's, vergab dir lange schon,
Doch manche heiße Träne fiel
Um dich und um dein herbes Wort -
Doch still - er ruht, er ist am Ziel!

O lieb, solang du lieben kannst!
O lieb, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Soundtrack Of My Life (005): Laid Back - Bakerman (1989)

An diesen Song habe ich sehr kuriose Erinnerungen. In der Mitte der 90er arbeitete ich als DJ in mehreren Erlebniskneipen. Eines schönen Abends kam einer der Gäste angeschlendert und wünschte sich imbrünstig dieses Lied, verbunden mit der Bemerkung "Ich spendier Dir auch 'n Bier!" Ich hätte es zwar auch ohne diese "Belohnung" getan, aber sowas nimmt man dann natürlich gerne mit.

Soweit ist das noch nicht weiter außergewöhnlich, wäre der Typ an jenem Abend nicht noch weitere zweimal aufgetaucht, mit genau demselben Wortlaut. Und so wiederholte sich die Prozedur. Dies dürfte wohl die einzige meiner "Muggen" gewesen sein, bei der ich dreimal ein und denselben Song gespielt habe und noch heute überkommt mich beim Anhören sofort Bierdurst...

Mal davon abgesehen: das Fallschirmsprung-Video der beiden Dänen ist trotz des Gaga-Texts natürlich sensationell, Regisseur war kein anderer als Lars von Trier!

Samstag, 14. Februar 2009

Buch-Rezensionen (122): Christian Zentner (Hrsg.) - Der Zweite Weltkrieg - Texte-Bilder-Karten-Dokumente-Chronik (1989)

(Cover: militaria-house.com/Amazon.de)

Manchmal findet man selbst auf dem Supermarkt-Grabbeltisch noch interessanten Lesestoff. Brandneu ist dieses Buch fürwahr nicht, so beinhaltet die Einleitung des großformatigen Wälzers einen Text und das Foto des damals noch amtierenden Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Eigentlich ist der Buchtitel irreführend, beginnt doch die Chronik völlig zu Recht mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, der von George F. Kennan so bezeichneten "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Die Revolution in Deutschland, der Versailler Vertrag, die Weltwirtschaftskrise und alle daraus entspringenden politischen Entwicklungen in Deutschland werden näher beleuchtet, inklusive des finalen Akts im Januar 1933 mit den Protagonisten Hindenburg und Hitler. Dieser hochinformative einleitende Teil umfasst etwa 100 Seiten.

Der zweite Abschnitt des Buches widmet sich der Etablierung der Diktatur, der Organisation des nationalsozialistischen Staates, den Rassegesetzen, der Indoktrination der Jugend, der Rolle der Kirchen im Dritten Reich etc. und schildert den unaufhaltsamen Weg zum Krieg. Auch dieser Teil ist mit knapp 140 Seiten im Großformat sehr umfangreich gestaltet.

Erst danach, nach etwa der Hälfte des Buches, wendet sich diese Chronik dem eigentlichen Kriegsgeschehen zu. Zahlreiche Fotos, Originaldokumente und selbst Propagandabilder illustrieren die Geschichte der Kampfhandlungen. Kritik ist hier allerdings angebracht, da geschichtlich so umstrittene Gestalten wie Eduard Dietl oder Joachim Peiper allenfalls als Helden der NS-Propaganda erwähnt werden, ohne näher auf deren Taten einzugehen.

Extrakapitel widmen sich dem Holocaust und dem zivilen und militärischen Widerstand. Besonders die Geschehnisse des 20. Juli 1944 werden geradezu minutiös geschildert, eine hochspannende Chronik, die die dramatischen Stunden nach dem gescheiterten Bombenattentat auf Hitler vor dem Auge des Lesers lebendig werden lässt.

Nur mit wenigen dürren Seiten wird zum Ende des Buches der Krieg der USA gegen Japan bedacht. Für Europäer zwar tatsächlich nicht so präsent wie die Geschehnisse auf dem eigenen Kontinent, dennoch ein bedeutender Teil des Weltkriegs. Mit der Situation im besiegten Deutschland der "Stunde Null", den Nürnberger Prozessen und dem beginnenden Wiederaufbau endet dieses umfangreiche Werk.

Sicherlich eine fesselnde Lektüre, der allerdings stellenweise mehr analytische Tiefe zu wünschen gewesen wäre. Dennoch eine klare Empfehlung.

Bewertung: 4 von 5

Nachtgedanken (014)

Als jemand, der indirekt durch vier Fehlgeburten auch mehrere Kinder verloren hat, werde ich mich bei Gelegenheit einmal den erschütternden "Kindertodtenliedern" [sic] von Friedrich Rückert (1788-1866) widmen, zunächst einmal jedoch "Du bist die Ruh, der Friede mild".

Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.

Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.

Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.

Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.

Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!

Freitag, 13. Februar 2009

DVD-Rezensionen (122): Stadt der Engel (1998)

(Cover: Amazon.de)

Dieser Film hat als Remake das übergroße Problem, an seiner Vorlage "Der Himmel über Berlin" gemessen zu werden. Und versucht sich Hollywood an einer Adaption einer Arthaus-Produktion, wie das ein Wim Wenders-Film nun einmal ist, stürzt sich natürlich das Feuilleton und das entsprechende Klientel mit Häme und Verrissen auf das Resultat.

Dabei sollte man beiden Filmen doch eine friedliche Koexistenz gestatten. Die deutsche Ausgabe mit Bruno Ganz, Solveig Dommartin und Otto Sander für den Intellekt, die US-Version dafür ein wenig mehr für's Herz. Ich kann mit beiden - je nach Stimmungslage - prima leben.

Das heißt freilich nicht, es hier mit einem sehr guten Film zu tun haben. Pluspunkte, wie spektakuläre Kamerafahrten über das von für die Menschen unsichtbaren Engeln bevölkerte Los Angeles, werden wieder aufgehoben durch eine doch recht mäßige Darstellerleistung Nicolas Cages, der den von Zweifeln, ihm bisher unbekannten Gefühlsaufwallungen und Sinnsuche geplagten Engel Seth durch seinen permanenten leidenden Dackelblick eher unfreiwillig komisch gestaltet. Bei so einer interessanten Rolle mit all ihren Brüchen erwarte ich ein wenig mehr Handwerk. Meg Ryan ist (wie immer) herzallerliebst, darf aber überwiegend mies frisiert im Schlamper-Freizeitlook durch die Kulissen huschen.

Der Film ist vielleicht einen Tick zu lang, dadurch ziehen sich manche Szenen wie Gummi und die Spannung leidet. Das Gefühl regiert zwar, schrammt aber noch deutlich am Kitsch vorbei. Dies ist nunmal ein Film für den gemeinsamen Pärchenabend auf der Couch, da spricht überhaupt nicht dagegen. Empfindsame Naturen sollten freilich die Taschentuchpackung bereitlegen.

Die Bildqualität der DVD ist ordentlich, aber nicht überragend, der Ton allerdings sehr leise und beschränkte sich trotz 5.1 überwiegend auf die vorderen Boxen. Aufgrund des Genres aber verschmerzbar. Dennoch für technische Mängel etwas Abzug.

Bewertung: 3 von 5

Nachtgedanken (013)

Den etwas sperrigen Titel "Selbstentäußerung" tragen die heutigen "Nachtgedanken", geschrieben vom Goethe-Vertrauten Johann Peter Eckermann (1792-1854).

Nach Weisheit ging bisher mein eifrig Streben,
Und nicht unwillig zog sie bei mir ein.
Doch aller Weisheit könnt' ich mich begeben,
Um lebenslang mit Dir ein Narr zu sein.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Domenica Niehoff †

(Foto: SPIEGEL.de)

Deutschlands wohl bekannteste Ex-Hure Domenica Niehoff ist heute im Alter von 63 Jahren in Hamburg verstorben. Nach ihrem Ausstieg widmete sie sich als Streetworkerin drogensüchtigen Prostituierten. Die Hansestadt hat sicherlich eines ihrer Originale verloren und wird dementsprechen trauern.

Besser, ich kuck mal wieder...

Schon komisch. Zum zweiten Mal in Folge verpasse ich arbeitsbedingt ein Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und schon gibts zwei Heimpleiten gegen ersatzgeschwächte Gegner. Nun kann man über Sinn und Unsinn von Freundschaftsspielen natürlich streiten, aber man sollte sich nach dem 1:2  gegen England im letzten November und dem gestrigen 0:1 gegen Norwegen schon mal so einige Fragen stellen. Noch viel Arbeit bis zum nächsten Qualifikationsspiel im März gegen Liechtenstein!

Nachtgedanken (012)

Mir ist heute wieder mal nach düsterem Stoff. Und was wäre dafür besser geeignet als "Verzweiflung" von Ludwig Tieck (1773-1853)?

So tönet denn, schäumende Wellen,
Und windet euch rund um mich her!
Mag Unglück doch laut um mich bellen,
Erbost sein das grausame Meer!

Ich lache den stürmenden Wettern,
Verachte den Zorngrimm der Flut;
O, mögen mich Felsen zerschmettern!
Denn nimmer wird es gut.

Nicht klag' ich, und mag ich nun scheitern,
Im wäßrigen Tiefen vergehn!
Mein Blick wird sich nie mehr erheitern,
Den Stern meiner Liebe zu sehn.

So wälzt euch bergab mit Gewittern,
Und raset, ihr Stürme, mich an,
Daß Felsen an Felsen zersplittern!
Ich bin ein verlorener Mann
.

Mittwoch, 11. Februar 2009

CD-Rezensionen (121): Blind Passengers - The Forgotten Times (1996)

(Cover: Amazon.de)

Bevor die Berliner Blind Passengers mit ihrem dritten Album "The Trash Inside My Brain" auf den harten Industrial/Nu Metal-Pfad einbogen (ein Weg, dem ich damals nicht zu folgen gewillt war), hinterließen sie sozusagen als "Abschluß" des ersten Karriereabschnitts diese Zusammenstellung mit Frühwerken. Diese Aufnahmen, in den letzten Zuckungen der DDR entstanden, zeigen noch sehr deutlich den Einfluß von Depeche Mode und anderer Synthie-Heroen der 80er. Freilich klingt hier vieles unausgereift und ist nur von besserer Demo-Qualität. Dennoch lässt sich ansatzweise erahnen, was die Truppe später zu einer recht erfolgreichen Vertreterin ihrer Musiksparte werden ließ.

Insgesamt 6 Songs (plus ein versteckter am Ende) von insgesamt etwa 28 Minuten Spielzeit finden sich auf der CD. Zwar scheinen einige Sounds direkt einem AMIGA-Spiel entsprungen zu sein, aber der Opener "Outthrow" hämmert dennoch sehr gepflegt aus den Boxen. Doch schon beim folgenden "The Brightness Of Metropolis" wird einer der Schwachpunkte dieser Raritäten deutlich. Rayner Schirners Gesang klingt noch recht dünn und unausgebildet, dazu eine recht "deutsche" Aussprache des Englischen, dies wird auch bei "World In Commotion" sehr deutlich.

Sehr flott und tanzbar hingegen "I Know...", vielleicht zusammen mit "Black Trade" der beste Song dieser Compilation. "Thoughts" und der eingangs erwähnte Hidden Track runden diese zwar recht interessante, wenn auch nicht zwingend notwendige Sammlung ab.

Bewertung: 3 von 5

Nachtgedanken (011)

Von Heinrich Heine (1797-1856), dem großen Spötter der deutschen Literatur, fand ich heute ein Gedicht, das ich - seufz - mir gerne zu eigen mache. Gewisse Personen werden lesen und wissen.

Himmlisch wars, wenn ich bezwang
Meine sündige Begier,
Aber wenns mir nicht gelang,
Hatt ich doch ein groß Pläsier.

Dienstag, 10. Februar 2009

Links, 2, 3, 4... (001)

Und wieder eine neue Kategorie. Hier soll es Seiten gehen, auf denen ich mich gerne herumtreibe, um Fundstücke lustiger oder informativer Art - kurz, um Interessantes aus der weiten Welt des Netzes. Da ich gerade ein altes, ungebrauchtes MySpace-Zweitprofil ausmiste und entsorge, zitiere ich doch gleich mal einen im September 2007 dort geposteten Beitrag über eine meiner nach wie vor gern aufgesuchten Lieblings-Webseiten, der sich Retro-Computerspielen widmenden kultboy.com.

Wie es so manchmal ist, man will eigentlich zeitig ins Bett gehen und klickt nur noch eher durch Zufall eine Seite an (gerade bei Wikipedia geht mir das extrem so) und hängt dann für Stunden fest. Ich bin ohnehin ein Informationsjunkie, der sich den ganzen Tag lang mit Daten, Zahlen oder interessanten Fakten vollstopft.

So auch gestern. Eigentlich wollte ich nur noch meinen Rest Rotwein austrinken und mich dann dem Schönheitsschlaf widmen, als ich durch eben einen solchen Zufall auf diese Nostalgieseite für Computerspieler stieß. Als ich vor nunmehr über 15 Jahren endlich "echtes" Geld in der Hand hielt mußte irgendwann auch ein AMIGA 500 ins Haus. Gott, was habe(n) ich /wir damals gezockt! Ganze Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen und uns an heute völlig unbekannten Dingen wie endlosen Ladezeiten oder Diskettenwechseleien "erfreut".

Diese Zeit ist lange vorbei, auch wenn heutzutage alles größer, besser, schneller und lauter ist, reizt mich die heutige Spielewelt mit ihren Endlos- und Online-Games überhaupt nicht mehr. Ich bin da konservativ bis auf die Knochen: Ich will ein Spiel anfangen, dabei Spaß haben und es irgendwann einmal erfolgreich durchgespielt haben. Punkt, Ende, aus. Was soll ich mit Dingen wie "World of Warcraft", die nie aufhören und mir endlose Zeitmengen rauben?

Ich horte zur Zeit noch größere Mengen an alten Spielen, die sich entweder auf dem Originalsystem spielen lassen oder eben auf einem Emulator am PC laufen. Es gibt noch einige, die durchzuspielen ich ich mir ganz fest vorgenommen habe und wenn es noch weitere 20 Jahre dauert! Namen gefällig? Nun, "It Came From The Desert" wäre so ein Kandidat, "Iron Lord" ein anderer, "The Immortal" auch und, um noch einen Vierten zu nennen, das sagenumwobene "Moonstone"!

Als ich mir die ganzen Spieletests durchgelesen hab, überkam mich wirklich ein nostalgisches Gefühl. Ich hab mir ab dem Sommer 1991 jeden Monat sowohl die Power Play als auch den AMIGA Joker gekauft und die Redakteure (bei der Power Play noch mehr als beim Joker) waren wie gute Freunde oder eine Art Familie. Solche Macher/Leser-Bindungen gibt es doch heute gar nicht mehr... Die Power Play verließ ich während meiner Bundeswehrzeit, als sie sich zum reinen PC-Magazin wandelte, beim AMIGA Joker war ich wohl fast bis zum bitteren Ende dabei.

Jedenfalls habe ich mit dieser Seite und der schon bekannten Kultpower-Page endlich wieder nostalgischen Lesestoff für Wochen!

Buch-Rezensionen (121): William Sarabande - Land der aufgehenden Sonne (1996)

(Cover: Amazon.de)

Dies ist der letzte in Deutschland erschienene Roman der "The First Americans/Die großen Jäger"-Reihe von William Sarabande. Die Saga wird im englischen Original immer noch fortgesetzt (es existieren mindestens noch drei weitere Bände), leider fand sich bisher dafür kein deutscher Verleger. Vielleicht ist das abnehmende Interesse der hiesigen Leserschaft auch dem im Laufe der Bände 5-9 immer verzweigter und konfuser werdenden Handlungsverlauf geschuldet. Hielten sich die ersten vier Bücher immer eng an einem überschaubaren Personenstamm rund um die Protagonisten Torka und Lonit, verließen die Folgebände recht schnell den eigentlich als zentrale Figur eingeführten Jungschamanen Cha-Kwena. Hier ging einiges an Identifikationspotential flöten.

Folgerichtig taucht der von mir immer wieder erwartete Cha-Kwena in diesem Buch praktisch nicht mehr auf, die Handlung konzentriert sich wieder auf mehrere Charaktergruppen an verschiedenen Schauplätzen. Dies erfolgt spannender als in manchem der vorangegangenen Bücher, erzeugt aber durch die eingangs erwähnte nicht mehr erfolgte Fortsetzung in deutscher Sprache viele offene Fragen. Vielleicht sollte der interessierte Leser daher auf die englischsprachigen "Time Beyond Beginning", "Spirit Moon" und "To The Far Horizon" zurückgreifen, um die Handlung weiterzuverfolgen. Ich persönlich werde dies bei Gelegenheit sicherlich einmal tun, auch wenn mich - wie mehrfach in den Rezensionen zu dieser Reihe erwähnt - die Erzählungen um Torka und Lonit deutlich mehr gefesselt haben als die darauf folgende Plotabschnitte.

Dieses Buch ist das umfangreichste der Bände 5-9.

Bewertung: 4 von 5

Nachtgedanken (010)

Friedrich Hölderlin (1770-1843)  ist nun wahrlich keine leichtverdauliche Kost, zu vertrackt sind Sprache und Inhalt. Dennoch reizt die Auseinandersetzung mit etwas komplizierteren Texten ungemein. Das heutige Gedicht trägt den Namen "Menschenbeifall".

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll, 
Seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,
Da ich stolzer und wilder,
Wortereicher und leerer war?

Ach! Der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt,
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
An das Göttliche glauben
Die allein, die es selber sind.

Montag, 9. Februar 2009

DVD-Rezensionen (121): Richy Guitar (1985)

(Cover: Amazon.de)

Zunächst zum Film. Bekanntlich ist den Ärzten aus Berlin (auuus Berlin!) nichts aus ihrer Frühphase wirklich peinlich, wovon zahlreiche noch heute mit Freuden live gespielte Jugendsünden zeugen. Inwieweit sich Farin Urlaub und Bela B. für dieses filmische "Meisterwerk" schämen, sei einmal dahingestellt.

Was bekommt man also für wenig Geld geboten? Zunächst einmal ein interessantes Zeitzeugnis aus der musikalischen Untergrundszene West-Berlins der Früh-Achtziger, einen Nena-Auftritt mit "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" und die Ärzte in ihrer Urbesetzung Farin Urlaub, Bela B. und Sahnie. Das ist handlungstechnisch natürlich vielfach atemberaubender Trash, dennoch recht unterhaltsam und musikalisch natürlich über jeglichen Zweifel erhaben.

Was mich hingegen richtig ärgert, ist der Fakt, womöglich einer DVD-Mogelpackung aufgesessen zu sein. Oder bin ich als Einziger zu doof, das prominent auf dem Cover beworbene Bonusmaterial (entfallene Szenen, Interviews, etc.) zu finden? Das Hauptmenü der Scheibe besteht nur aus Ton-, Kapitel- und Hauptfilmanwahl, das ist alles. Vielmehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass bei den zahlreichen erschienenen Auflagen der Einfachheit halber ein identisches Cover benutzt wurde, ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Inhalt der DVD.

Somit muß "Richy Guitar" bei der Bewertung ordentlich Federn lassen. Der Film an sich ist harmlos-spaßig und hat mit Dan van Husen, Fremdscham-Playboy Rolf Eden und der kürzlich zur "Dschungelkönigin" gekrönten Ingrid van Bergen einige bekannte Gesichter aufzubieten. Die lieblose Aufmachung und die offensichtlich falschen Inhaltsangaben hingegen drücken den Gesamteindruck beträchtlich.

Bewertung: 2 von 5

Nachtgedanken (009)

Novalis (1772-1801). Mehr muß ich gar nicht sagen. Ein wahres literarisches Schwergewicht ziert heute die "Nachtgedanken". Manchmal recht vertrackter Stoff, dahingegen ist "Alle Menschen seh ich leben" richtig schön eingängig.

Alle Menschen seh ich leben
Viele leicht vorüberschweben
Wenig mühsam vorwärtsstreben
Doch nur Einem ists gegeben
Leichtes Streben, schwebend leben.

Wahrlich der Genuß ziemt Toren
In der Zeit sind sie verloren,
Gleichen ganz den Ephemeren
In dem Streit mit Sturm und Wogen
Wird der Weise fortgezogen
Kämpft um niemals aufzuhören
Und so wird die Zeit betrogen
Endlich unters Joch gebogen
Muß des Weisen Macht vermehren.

Ruh ist Göttern nur gegeben
Ihnen ziemt der Überfluß
Doch für uns ist Handeln Leben
Macht zu üben nur Genuß.

Sonntag, 8. Februar 2009

CD-Rezensionen (120): Erasure - The Innocents (1988)

(Cover: Amazon.de)

Braucht man ein ordentliches Soundbeispiel für den die 80er beherrschenden Synthiepop, darf man ruhigen Gewissens zu dieser von Stephen Hague produzierten Platte greifen. Gleiches gilt für den Fall, ein typisches Exemplar eines Erasure-Outputs zu benötigen. Denn, so bedauerlich dies oftmals ist, besonders weiterentwickelt hat sich Vince Clarke, seines Zeichens Studiotüftler der beiden Briten, bis auf wenige Ausnahmen nicht.

Und so finden sich auf "The Innocents" gleich mehrere Tracks, die jeden "Best of the 80s"-Sampler zieren würden. Dennoch greift dieser Ansatz zu kurz, lohnt es sich doch ungemein, einmal abseits der Singlehits "Ship Of Fools", "Chains Of Love und "A Little Respect" zu stöbern. Meine persönlichen Favoriten dabei "Imagination" mit seinem beschwingt-vorwärtstreibendem Rhythmus und die herzzerreißende Ballade "When I Needed You". Selbst dem Ike & Tina Turner-Hit "River Deep, Mountain High" von 1966 vermag Vince Clarke - allem Phil Spector-Bombast des Originals zum Trotz - noch ganz neue Seiten abzugewinnen. Stimmakrobat Andy Bell ist dabei hörbar in seinem Element.

Der einzige Totalausfall des Albums ist das belanglose und uninspirierte Instrumental "Sixty-Five Thousand", dafür gibt es Abzug. Schade eigentlich, trübt es doch den originellen Gesamteindruck der CD (u.a. einige Textpassagen auf Deutsch bei "Witch In The Ditch") beträchtlich. Nichtsdestotrotz eines der herausragenden Pop-Alben seiner Zeit und Erasure mitten in der Hochphase ihres kommerziellen Erfolgs.

Bewertung: 4 von 5

Samstag, 7. Februar 2009

Nachtgedanken (008)

Die "Nachtgedanken" gibt es heute früher als zur gewohnten Zeit und das hat seinen Grund. Ich bin nach einer chaotischen Woche mit krankem Kind, Nachtschicht und zu wenig Schlaf hundemüde. Schlaf ist auch das perfekte Stichwort, denn "An den Schlaf" von Eduard Mörike (1804-1875)  ist das heutige ausgesuchte Werk. Sowohl im lateinischen Original als auch in der deutschen Übersetzung sehr schön morbide, ein Fakt, den man dem immer als bieder-betulich verschrieenen Mörike gar nicht zutraut. In diesem Sinne: Gute Nacht!

Somne levis! quanquam certissima mortis imago,
Consortem cupio te tamen esse tori.
Alma quies, optata, veni! nam sic sine vita
Vivere, quam suave est, sic sine morte mori! 

Schlaf! süßer Schlaf! obwohl dem Tod wie du nichts gleicht,
Auf diesem Lager doch willkommen heiß ich dich!
Denn ohne Leben so, wie lieblich lebt es sich!
So weit vom Sterben, ach, wie stirbt es sich so leicht!

Buch-Rezensionen (120): Erich von Däniken - Die Steinzeit war ganz anders (1991)

(Cover: Amazon.de)

Die Anhänger und Gegner Erich von Dänikens werden sich wohl nie mehr einigen können. Den einen wird er immer als Guru und Verkünder von Wahrheiten gelten, die der bornierte und ignorante Rest der Welt nicht wahrhaben will, die anderen werden immer an ihrem Urteil festhalten, das den Schweizer als Scharlatan und Schaumschläger verteufelt.

Stand ich den Theorien des gescheiterten Gastronomen Anfang der 90er noch recht aufgeschlossen gegenüber (was auch zur Anschaffung mehrere Bücher des Autoren führte), hat sich das nach genauerem Quellenstudium und Besuch meherer der von ihm immer wieder als Beispiel herangeführten Orte und einem seiner zahlreichen Vorträge eher in Skepsis verwandelt, auch wenn ich wohl nie zum erbitterten Däniken-Ablehner mutieren werde. Ich halte seine Bücher nach wie vor für originelle und unterhaltsame Literatur, der mir mittlerweile allerdings jegliche ernst zu nehmende Akzeptanz abgeht.

Das vorliegende Buch widmet sich den zahlreichen weltweiten Megalithbauten, die von Dänikens Theorie zufolge als astronomische Hilfsmittel, Zeitmesser und weltumspannendes Netz von von Außerirdischen errichteten/inspirierten Monumenten fungierten. Unter anderem stützt sich von Däniken auf die mehr als umstrittenen Aussagen des Dänen Preben Hansson, der versuchte eine direkte Verbindung zwischen Wikingerburgen in seiner Heimat und griechischen Antikbauten nachzuweisen.

Sicherlich wie immer ein strittiges Werk eines strittigen Autoren, dennoch wert, einen Blick hineinzuwerfen.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 6. Februar 2009

Dana Vávrová †

(Foto: SPIEGEL.de)

Die Schauspielerin Dana Vávrová ist gestern im Alter von41 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Die Tschechin, die mit dem deutschen Regisseur Joseph Vilsmaier verheiratet war und in zahlreichen seiner Filme mitspielte, wurde in der ČSSR als Kinderstar bekannt und siedelte Mitte der 80er in die Bundesrepublik über. Ich erinnere mich noch an zahlreiche ihrer Kinderrollen, der letzte Film, den ich persönlich mit ihr sah, war "Die Gustloff". Dana Vávrová hinterlässt drei Kinder.

Nachtgedanken (007)

So mancher Künstler des 19. Jahrhunderts endete in einer Nervenheilanstalt, sei es Robert Schumann oder Friedrich Höderlin. Auch Nikolaus Lenau traf dieses Schicksal. Von ihm stammen die heutigen "Nachtgedanken" mit dem Titel "Welke Rose".

In einem Buche blätternd, fand
Ich eine Rose welk, zerdrückt,
Und weiß auch nicht mehr, wessen Hand
Sie einst für mich gepflückt.

Ach, mehr und mehr im Abendhauch
Verweht Erinnrung; bald zerstiebt
Mein Erdenlos, dann weiß ich auch
Nicht mehr, wer mich geliebt.

DVD-Rezensionen (120): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 11 - Zwischenrunde 1974 BR Deutschland-Schweden (4:2) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Wenn man sich die Aufnahmen dieses Spiels so anschaut, fragt man sich, warum nur die Partie gegen Polen drei Tage später als "Wasserschlacht" in die Geschichte eingegangen ist. Hier schüttet es nämlich auch wie aus Kübeln! Das Begleitheft erwähnt den kuriosen Umstand, dass es bei fast der Hälfte der 38 WM-Spiele mehr oder weniger heftig regnete.

Das Spiel macht trotz der widrigen äußeren Umstände Spaß. Die ersten 25 Minuten sind praktisch ein Spiel auf ein (und zwar das schwedische) Tor. Doch dann kommt es wie so oft - das bedrängte Team geht in Führung, hier gleich mal durch einen Treffer Marke "Tor des Monats". In meinen Augen begingen die Schweden den Fehler zu früh diese Führung zu verteidigen und auf ihren überragenden Torwart Ronnie Hellström zu vertrauen. Das mußte ja irgendwann schiefgehen, auch wenn die Partie bis 12 Minuten vor Schluß 2:2 stand. Aber Deutschland war ganz klar die bessere Mannschaft und nach der Einwechslung von Jürgen Grabowski (für mich nach wie vor einer der zu Unrecht unterschätztesten Spieler der damaligen Zeit) wurden die vielen Chancen endlich auch noch zu Toren genutzt.

Diese DVD ist die erste der Edition, bei der mir der Kommentar so richtig auf die Nerven ging. Wolfram Esser kommentiert in einem dermaßen einschläfernden Tonfall, wie man es sonst nur von Übertragungen irgendwelcher europäischer Adelshochzeiten kennt.

Schon beim Hinsehen schmerzhaft ist das Hineinschlittern Paul Breitners in die neben dem schwedischen Tor postierte Fotografenmeute. So ein Kampf Kamerastativ vs. Schienbein ist wohl ein ungleiches Kräftemessen. Tja und der Schiri geht glatt als Sepp Blatter-Double durch...

Das Begleitheft wartet mit einigen interessanten Informationen auf, so zum ehemals angespannten Verhältnis beider Nationen nach den Vorkommnissen beim WM-Spiel 1958 oder den zahlreichen schwedischen Legionären in der Bundesliga. Alles in allem: Scheißwetter- tolles Spiel!

Bewertung: 4 von 5

CD-Rezensionen (119): ABBA - ABBA (1975)

(Cover: Amazon.de)

Mittlerweile ist das dritte Album ABBAs mehrfach auf CD herausgebracht worden, mal mit 13, mal mit 14 und sogar mit 18 Tracks. Das 1975 veröffentlichte Original umfasste jedoch 11 Songs und erschien zu einer Zeit, als der weitere Verlauf der Karriere der Schweden nach ihrem fulminanten Durchbruch noch völlig in der Schwebe war. Zwar erreichten die vier Singles "So Long", "I Do, I Do, I Do, I Do, I Do", "S.O.S" und "Mamma Mia" die Plätze 11, 6 und zweimal die 1 in den deutschen Single-Charts, das zugehörige Album hingegen dümpelte in den Bereich knapp jenseits der Top30 herum.

Wie fast jede Platte der Schweden ist auch diese eine Mischung aus zu Evergreens gewordenen Hits und vielfach mehr unbekannt gebliebenen Songs, die man sich dennoch oder gerade deshalb etwas genauer ansehen sollte.

"Hey, Hey Helen" trägt noch deutliche Züge des dem auch auf dem "Waterloo"-Album gefrönten Glamrocks. Björn greift beherzt in die Saiten, während die Nummer durch funkige Breaks aufgelockert wird. "Tropical Loveland" ist eine harmlose Pop-Reggae-Nummer, einer der ehere schwächeren ABBA-Songs. "Man In The Middle" verwendet die gleichen Clavinet-Sounds wie schon "Hey, Hey Helen" - mehr Seventies-Sound geht wirklich nicht!

"Bang-A-Boomerang" kam später zu Mix-Ehren, als die holländischen "Stars On 45" die Nummer für ihr ABBA-Medley verwendeten - immerhin Platz 2 der deutschen Charts 1981. Bei "Rock Me" ist der Name Programm, aggressiver Gesang, gepaart mit dem typischen, leicht verstimmten ABBA-Piano, tolle Nummer!

Das "Intermezzo No.1" ist als Instrumental eine echte ABBA-Rarität, aber dennoch aufgrund seines Sounds ein echter Klassiker. "I've Been Waiting For You" hingegen ist als Ballade leider etwas untergegangen, schade um diesen tollen Song.

Fasst man also die ersten drei Alben der Schweden zusammen, hat man mit diesem sicherlich das kompletteste in den Händen. Starke Singleauskopplungen (bis auf "I Do, I Do, I Do, I Do, I Do", das zu meinen absoluten Nerv-Songs gehört) vervollständigt durch Tracks, die einfach mehr als nur Füllmaterial sind.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 5. Februar 2009

Buch-Rezensionen (119): Nelles Guide Dominikanische Republik (1998)

(Cover: Amazon.de)

Frage: Braucht man im All Inclusive-Paradies Dominikanische Republik einen Reiseführer? Gegenfrage: Warum denn nicht?

Man tut dem Karibikstaat sicherlich bitter Unrecht, reduzierte man ihn nur auf die Pauschaltouristenressorts an den Küsten. Auch wenn die Anzahl Individualreisender im Land verschwindend gering sein dürfte, hat die "DomRep" Einiges mehr zu bieten. Um mehr über Geschichte, Geographie und die Bevölkerung zu erfahren, eignet sich dieser Reiseführer bestens, ist er doch mit etwa 250 Seiten recht umfangreich geraten. Die üblichen Zutaten wie Einreisebestimmungen, Einkaufstips und Mini-Sprachführer fehlen ebenfalls nicht.

Die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten ist in sieben Kapitel (Santo Domingo, Osten, Südwesten, Cordillera Central, Nordwesten, Nordküste, Halbinsel Samaná) aufgeteilt, dazu enthält der Guide Abschnitte über landestypische Eigenheiten, Hurrikane, Whale Watching, Zuckerrohr und vieles mehr.

Abgerundet wird das Buch von recht detailliertem Kartenmaterial. Insgesamt also eine lohnenswerte Anschaffung für Touristen, die ihre Füße auch einmal vor ihr Hotelghetto setzen wollen. Der Erwerb der aktuellsten Auflage ist wie immer bei dieser Art Literatur dringend angeraten.

Bewertung: 4 von 5

Nachtgedanken (006)

Der weit unterhalb der Gürtellinie geführte Streit zwischen Heinrich Heine (1797-1856) und August von Platen-Hallermünde (1796-1835) ist legendär. Von Letzterem stammen die heutigen "Nachtgedanken" - "Du scheust, mit mir allein zu sein".

Du scheust, mit mir allein zu sein,
Du bist so schroff:
Gibt nicht der Liebe Lust und Pein
Zum Reden Stoff?

Wo nicht, was gilt der Lieb' ein Wo,
Ein Wie, ein Was?
Zu lieben und zu schweigen, o
Wie lieb ich das!

Ich schweige, weil so kalt du scheinst,
Und unerweicht.
Mein Auge spricht, es spricht dereinst
Mein Kuß vielleicht.

Mittwoch, 4. Februar 2009

DVD-Rezensionen (119): Prison Break - Die komplette Season 1 (2005)

(Cover: Amazon.de)

In der Literatur gibt es auf gut neudeutsch den Begriff des "Pageturners", also eines Plots, der so unerträglich spannend ist, dass man weiter und weiter dranbleiben muß, völlig Zeit und Termine um sich herum vergißt. 

So ging es mir auch bei "Prison Break", einer Serie, deren Ausstrahlung mir TV-Muffel völlig entgangen war, die dann aber nach hartnäckiger Intervention der Göttergattin ins Haus geholt wurde. Begann ich das Ansehen der DVDs mit anfänglicher Skepsis, verwandelte sich dies schnell in Begeisterung. Einmal mehr zeigt sich, dass die Amerikaner in Hinsicht der Kreativität bei Fernsehserien ihren europäischen Kollegen meilenweit voraus sind. 

Dabei läßt sich die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen. Junger erfolgreicher Yuppie (Wentworth Miller) begeht mit Absicht einen dilettantischen Banküberfall, um sich in den gleichen Knast einliefern zu lassen, in dem sein unschuldig zum Tode verurteilter Bruder (Dominic Purcell) auf seine unmittelbar bevorstehende Hinrichtung wartet. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Planes und einem in seinem Ganzkörpertattoo versteckten Bauplan will der an der Konstruktion des Gefängnisses Beteiligte den Ausbruch wagen und seinen Bruder, der in die Räder einer riesigen Regierungsverschwörung geraten ist, vor dem elektrischen Stuhl retten... 

Das klingt erst einmal originell und spannend - ist es auch. Denn neben den immer wieder von Rückschlägen begleiteten Ausbruchsvorbereitungen fiebert der Zuschauer bei den nahezu permanent von unerträglichen Cliffhangern beendeten 22 Folgen auch bei den außerhalb des Gefängnisses spielenden Sequenzen mit, bei der eine engagierte Anwältin (Robin Tunney) versucht, entlastendes Material für den Todeskandidaten Lincoln Burrows zu finden, während unerbittlich-brutale Geheimagenten (großartig: Paul Adelstein!) auf ihrer Spur sind und jeden Entlastungszeugen aus dem Weg räumen... 

Darüber werden die unerträglich harten Bedingungen in US-Gefängnissen thematisiert, die Serie erspart dem Zuschauer hier nichts. Körperliche Gewalt, Drogenmißbrauch, Vergewaltigung und Mord werden hier auf teilweise doch recht drastische Art und Weise dargestellt, nichts für zarte Gemüter doch solch ein Ort ist sicherlich kein Ponyhof. Der Body Count der Serie ist jedenfalls recht hoch. 

Im Grunde also ein Kandidat für die Höchstwertung, warum dennoch der leichte Abzug? Dies liegt zum Einen in den doch äußerst mäßigen schauspielerischen Leistungen des Hauptprotagonisten begründet. Wentworth Miller (ja doch, er sieht halt gut aus...) stapft mit einem derartig minimalistischen Arsenal an Gesichtsausdrücken durch die Gegend, dass selbst der auch nicht viel stärkere Dominic Purcell wie ein Emotionsbündel wirkt. Dies fällt umso mehr auf, weil sich im "Fox River State Penitentiary" ein ganzes Arsenal an zum Teil furchterregenden Charakteren tummelt. Besonders Peter Stormare als Mafiaboss John Abruzzi, Wade Williams als Wärterekel Brad Bellick und vor allem Robert Knepper als Massenmörder Theodore "T-Bag" Bagwell spielen die Haupthelden glatt durch die Wand. 

Desweiteren gingen mit den Autoren teilweise die Gäule durch und die Logik (nicht das Hauptaugenmerk bei einer Actionserie, aber dennoch nicht unverzichtbar) vollführt gelegentlich absurde Bocksprünge. Oder wie soll ich es verstehen, wenn der (ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen) körperlich nicht mehr "vollständige" Protagonist bei der Flucht ein wahres Laufwunder zu sein scheint? Jeder Paralympics-Teilnehmer darf sich da gern ein Beispiel dran nehmen... 

Das ändert aber nichts daran, dass ich mich beim Genuß dieser Serie prächtig und spannend unterhalten gefühlt habe. Von daher uneingeschränkte Empfehlung, auch weil die schön gestaltete Box mit ordentlichem Bild und Ton sowie interessantem und umfangreichen Bonusmaterial versehen wurde. Glücklicherweise wurde der originale Vorspann verwendet und der alberne deutsche Titelsong entsorgt.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 3. Februar 2009

Zu viel erhofft

Leider ergab mein heutiger Besuch im Städtischen Museum nicht wirklich neue Erkenntnisse. Zwar fand ich in den mikroverfilmten Zeitungen des Dezembers 1930 zwei Traueranzeigen bezüglich meines Urgroßvaters, aber die von mir erhofften Namen etwaiger Geschwister fanden sich nicht darin. Aus der in der Aufzählung "Ehegatte, Vater..." etc. erwähnten Formulierung "Bruder" kann ich aber darauf schließen, dass es tatsächlich Geschwister gegeben haben muß. Diese nun zu finden, ist eine neue Herausforderung. Desweiteren werde ich über das Verkehrsmuseum Dresden versuchen, an Informationen über die Arbeit meines Urgroßvaters bei der Bahn zu gelangen.

Fortsetzung folgt...