(Cover: Amazon.de)
Dieses 1993 erschienene Begleitbuch zur TV-Serie "Die Abenteuer des jungen Indiana Jones" spielt in zwei abgeschlossenen Episoden im Asien des Jahres 1910. Der 11jährige Indy begleitet mit seiner Hauslehrerin Miss Seymour seine Eltern auf einer Weltreise und begegnet im indischen Benares zunächst den prägenden Gestalten der dortigen Theosophischen Gesellschaft, Annie Besant und Charles Leadbeater. Durch diese lernt er auch den etwa 15jährigen Einheimischen Jiddu Krishnamurti kennen, der von Besant und Leadbeater als künftiger "Weltlehrer" verehrt wird. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt kommen sich beide Jungen näher und der Inder vermittelt Indy grundlegendes Wissen über die in Benares auf engstem Raum versammelten großen Weltreligionen.
Im zweiten Teil des Buchs erkrankt Young Indy auf einem von ihm, seiner Mutter und Miss Seymour unternommenen Ausflug in China ernstlich an Typhus und ist in seinem lebensbedrohlichen Zustand sowohl auf die Gastfreundschaft einer bettelarmen chinesischen Bauernfamilie als auch die traditionellen Heilkünste eines einheimischen Arztes angewiesen.
Eingerahmt und von einem kurzen Zwischenspiel unterbrochen wird diese Handlung von der 1993 in einer amerikanischen Highway-Raststätte spielenden Begegnung des 93jährigen Indiana Jones mit einem unfreundlichen Trucker, der oben erwähnte Geschichten zur Verdeutlichung philosophischer Lebensfragen erzählt bekommt. Die Rahmenhandlung könnte manchen Leser etwas verwirren, fehlt sie doch in der umgeschnittenen DVD-Fassung der Serie, die nach wie vor nur auf Englisch erhältlich ist.
Wie immer sind geschickt historische Personen mit dem fiktionalen Geschehen verwoben. Im China-Abenteuer hat zwar nur der Übersetzer Yan Fu (mit dem sich Indys Vater trifft und somit für den so tragisch verlaufenden Ausflug nicht zur Verfügung steht) einen realen Hintergrund, dafür erfährt der Leser aber vielerlei interessante Dinge über die Geschichte Chinas, die Großen Mauer oder die zahlreichen Kaiser-Dynastien. Dies ist immer das große Plus der so oft verkannten und leider wenig erfolgreichen Serie gewesen - Geschichtsunterricht, lebendig und packend vermittelt!
Mir persönlich sagt der Indien-Teil deutlich mehr zu als der stellenweise sehr handlungsarme China-Part, daher verfehlt "Die Nadeln des Dr. Wen Chiu" die Höchstwertung. Ein interessantes und lohnenswertes Sammlerstück stellt das Buch aber zweifellos dar.
Bewertung: 4 von 5


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