Freitag, 15. April 2011

CD-Rezensionen (222): The Bravery - The Bravery (2005)

(Cover: Amazon.de)

Wer sich auf das Wagnis einlässt, als Vorband auf einem Depeche Mode-Konzert zu fungieren hat - zumindestens in Deutschland - einen denkbar undankbaren Job angenommen. Zu borniert große Teile des anwesenden Publikums, denn statt sich die ohnehin unabdingbare Warterei auf den Hauptact des Abends mit Musik zu verkürzen, wird mit Eintrittskarten gewedelt, gebuht, gepfiffen oder lautstark in Sprechchören nach Depeche Mode gebrüllt. Dass sich die Amerikaner von The Bravery, wie von mir 2006 auf dem Dresdener Konzert erlebt, von dieser abweisenden Kulisse nicht beeindrucken ließen und trotzig ihren Stiefel runterspielten, wurde dann auch von mir mit dem Kauf ihres Debütalbums belohnt. Schließlich fand ich die Musik gar nicht mal so übel, was auch ein Teil der Anwesenden der Applauskulisse nach irgendwann ähnlich zu sehen schien.

Was die New Yorker auf ihrem Erstling da fabrizieren, ist eine recht interessante Mischung aus wüstem Gitarrengeklingel und elektronischen Sounds. Live kam das sehr druckvoll rüber, auf dem Tonträger klingt das teilweise deutlich zurückgefahrener. Der Opener "Honest Mistake", immerhin ein Top Ten-Hit auf der Insel, gibt da schon einmal eine ordentliche Schlagzahl vor. Ohnehin wird, wer Musik der Früh-Achtziger mag, sehr gut etwas mit dem Sound der Band anfangen können. Auch "Fearless" rumpelt, getragen von Sam Endicotts klagendem Organ ordentlich aus den Boxen. Was mir besonders gefällt: Immer wieder wechseln die dominierenden Sounds vom annähernd rein Elektronischen ("Tyrant", "Out Of Line") hin zum fast schon punkigen Saitengeknüppel ("Swollen Summer", "Unconditional") oder eine glatte Mischung aus beidem ("Hot Pursuit"). Das erfindet in seiner Retrolastigkeit zwar die Musik nicht neu und hat zudem auch mit ein paar Füllern zu kämpfen, so richtig schlecht ist das aber ganz und gar nicht.

Indiskutabel allerdings die Lauflänge des Albums. Hier hat man sich mit knapp über einer halben Stunde doch dann auch arg nah an den Achtzigern orientiert, für das Jahr 2005 ist das jedoch für eine Vollpreis-Platte absolut unbefriedigend.

Bewertung: 3 von 5