"Übellaunig" ist wohl der beste Begriff, der meinen heutigen Gemütszustand beschreibt. Grund dafür ist, dass heute abend zum siebenten Male ein potentieller Nachbewohner durch unsere Noch-Behausung latschte. Unser Vermieter hatte wohl solche Panik, Leerstand zu haben (bei modernen Vierraum-Wohnungen hier völliger Quatsch), dass er gleich ein ganzes Rudel Makler beauftragt hatte, die nun natürlich alle ihre Interessenten durchdrücken wollten. Man muss sich das vorstellen: Wir leben zwischen gepackten Koffern und Kisten, sind nächste Woche hier draußen, aber alle wollen unbedingt sofort durchschlurfen, die grandioseste Idee war dabei, mich doch mal mittags kurz zwecks Besichtigung wecken zu wollen - Nachtschicht ist doch nix... Jetzt ist es aber gut, ich lass mich nicht nochmal bequatschen, die sollen warten, bis wir ausgezogen sind!!!
Dazu passend: "Großer Zorn" von Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886).
Mein Zorn ist groß und fürchterlich,
Ja, fürchterlich und groß,
Denn dieser dumme Erdplanet
Blamiert sich grenzenlos.
Ich wollt', ich wär' ein Haifisch
Im tiefen, tiefen Meer!
Dann fräß' ich alles, was da schwimmt,
Vergnüglich ringsumehr.
Oder ein Aasgeier möcht' ich sein
Mit scharfer, scharfer Krall':
ich fräß das ganze Vogelgeschlecht,
Kolibri wie Nachtigall.
Ich wollt', ich wär' eine Klapperschlang'
In der dummen freien Natur:
Vergiftet wär' in kurzer Zeit
Die ganze Kreatur!
Ich wollt, ich lief mit Wutgebrüll
Herum als Mordhyäne,
ich nähm' die ganze Menschheit wild
Als Frühstück zwischen die Zähne.
Am End' fräß ich mit kaltem Blut
Mich selber noch dazu,
Denn eher kommt meine große Wut
Doch nimmermehr zur Ruh.

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