Freitag, 1. April 2011

Soundtrack Of My Life (038): The Rubettes - Sugar Baby Love (1974)

Aufgrund des Schichtdienstes meiner Eltern verbrachte ich Mitte der 70er Jahre viel Zeit bei meinen Großeltern in einem Dorf nahe meiner Heimatstadt. Ich stöberte gerne auf dem Dachboden herum, wo meine Oma - ganz der Sparsamkeit ihrer Generation verpflichtet - ganze Schätze aus der Vergangenheit aufgehoben hatte. Ob die Schulbücher meines Vaters und seiner Geschwister, altes Spielzeug, Zeitungen oder allerlei Krimskrams. Meine Eltern stöhnten jedes Mal aufs Neue, wenn sie ihren Sohn abholten und der wieder kistenweise Krempel mitschleppen wollte. Viele dieser Dinge besitze ich heute noch.

Eine andere geliebte Freizeitbeschäftigung war das Hören von Schallplatten, von denen sich ein ganzer Stapel im Haushalt befand. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir beispielsweise das Hörspiel "Herr Fuchs und der Riesenpilz" angehört habe, ich könnte größere Passagen daraus allerdings immer noch aus dem Stand rezitieren.

Eines Tages des Jahres 1976 oder 1977 fiel mir dort eine bunte LP mit mit babyblauen Anzügen, weißen Schuhen und Schiebermützen angezogenen Herren auf. Das Cover zeigte eine Aufnahme aus einem TV-Studio, mit einem ganzen Stapel Fernsehgeräte an der Seite. Seltsam, diese Platte hatte ich noch nie zuvor gesehen, obwohl mir der Inhalt des Vinylstapels eigentlich bestens vertraut war. Wie sich herausstellte, hatte mein damals noch bei seinen Eltern wohnende Onkel eine der begehrten Lizenzscheiben aus DDR-Produktion ergattert und der Einfachheit halber in den heimischen Beständen eingelagert. Von ihm erfuhr ich auch nun endlich den Namen der Combo: The Rubettes.

Die Band war einige Zeit zuvor in der Jugendsendung "Rund" aufgetreten, aus deren TV-Übertragung auch besagtes Coverfoto stammte. Ich hörte mich von da ab öfter durch die Pop-Nummern der Briten, wobei der Hit "Sugar Baby Love" mein absoluter Favorit war. Meine Großeltern wurden also ein ums andere Mal mit einem lauthals "Bap schu wadi, bap schu wadi-wadi" krähenden Fünfjährigen konfrontiert, Spätfolgen hat allerdings wohl keiner der Beteiligten davongetragen...