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Samstag, 22. Januar 2011

Soundtrack Of My Life (026): Johnny Hates Jazz - Shattered Dreams (1987)

Die heutige Geschichte dreht sich eigentlich weniger um Musik, sondern um - Klamotten.

Bekanntlich kam man in der DDR zwar per Radio durchaus an die gängigen West-Hits, die zugehörigen Musikvideos bekam man aber höchst selten zu Gesicht. Im heimischen TV lief sowas praktisch gar nicht, mit viel Glück konnte man hier, hart am Rand des sogenannten "Tals der Ahnungslosen", mal halbwegs bildrauschfrei "Formel Eins" empfangen, oftmals blieb aber auch das nur Illusion. So kam es, dass ich den Clip des 87'er Hits von Johnny Hates Jazz erst mit einigen Jahren Verspätung so um das Jahr 1992/93 herum erstmals sah. Sänger Clark Datchler stiefelte darin, wenn er nicht mal gerade in schnieke End-Achtziger-Tapete gewandet war, in einer Art 20er Jahre Working Class-Outfit herum, das mir ausnehmend gut gefiel. Ich besorgte mir also umgehend ein paar Hosenträger (meiner Erinnerung nach ein paar hundsteure aus der CAMEL COLLECTION), ein weißes Hemd fand sich noch irgendwo im Schrank, dies mit ein paar Retro-Hosen und passenden Schuhen kombiniert und fertig war mein neuer Ausgehlook, gerne auch vervollständigt durch eine Schiebermütze, ein Familienerbstück. Das war wohl zwar alles andere als 90er Stil, aber mir war das wurscht.

In dieser Zeit pendelte mein Freundeskreis beim wochenendlichen "Pistengang" immer zwischen zwei weit auseinanderliegenden Clubs hin und her. Der eine lag praktisch vor der Haustür, der andere im etwa 150 Kilometer entfernten tschechischen Chomutov. Dort war es Anfang des Jahrzehnts natürlich spottbillig, wie quartierten uns für 14 DM/Nacht in einem Dreibettzimmer ein und waren selbst nach durchfeierter Nacht alles andere als pleite. Ein wenig musste man allerdings aufpassen, ob die dort herumtanzenden Damen rein privat oder aus "gewerblichen" Zwecken anwesend waren. Als mir beispielsweise in einer Freitagnacht die Luft in dem wohl halbillegalen und nicht viel mehr als wohnungsgroßen Etablissement doch zu schneidend wurde, trat ich auf die vorgelagerte Straße und wurde umgehend von zwei sichtlich aufgekratzten Vertreterinnen des Berufsstands angesprochen. Obwohl ich wenig Lust auf ungeplante Finanzausgaben verspürte, wurde mein "Shattered Dreams"-Gedächtnis-Hemd kurzerhand mit zahlreichen Lippenstift-Abdrücken dekoriert, ehe das Duo feixend weiter seines Weges zog. Ich war einfach zu perplex, um dagegen aufzumucken und bei der morgendlichen Inspektion des Kleidungsstücks wirkte das Kussmund-Muster schon wieder in irgendeiner Form cool.

Das wiederum brachte mich auf die verrückte Idee, das Teil in diesem Zustand am wieder in heimatlichen Gefilden verbrachten Samstagabend erneut anzuziehen. Verschwitzt, verraucht, nicht mehr taufrisch? Egal, ordentlich gelüftet und einparfümiert und es war wieder tragbar! Aus heutiger Sicht ist die ganze Geschichte zwar höchstgradig albern und spätpubertär, aber mit dem im Schwarzlicht odentlich hervorstechenden vollgeknutschten Hemd kam man sich in der Kleinstadtdisse wirklich vor wie die coolste Sau im Schweinestall... Danke, Clark!

Mittwoch, 5. Januar 2011

Soundtrack Of My Life (024): David Bowie & Pat Metheny Group - This Is Not America (1985)

Die heutige Anekdote beinhaltet ein Missverständnis: Für einige Zeit ordnete ich die "This Is Not America" intonierende Stimme falsch zu und vermeinte Boy George und nicht David Bowie singen zu hören. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich - für ein Kind der DDR logisch - niemals den Originaltonträger in die Finger bekam und den damaligen Welthit anno 1985 nicht im Radio, sondern in aufregenden Sommertagen an der polnischen Ostseeküste kennenlernte. Aber hübsch der Reihe nach.

Nach der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski Ende 1981 kam man als DDR-Bürger nicht mehr einfach so nach Polen hinein. Die Oberen in Ost-Berlin wollten schon aus Eigenschutz verhindern, dass irgendwelche oppositionellen Gedanken á la Solidarność per Urlaubsverkehr ins Land sickerten. Allerdings war die Abschottung nicht vollständig, per Einladung aus Polen oder organisierter Tour konnte man durchaus noch die Grenze überschreiten. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die damalige Firma, in der mein Vater arbeitete, im Austausch gegen eigene Kontingente in der DDR Ferienlagerplätze in der Nähe von Danzig organisiert hatte. Wow, 2 Wochen elternloses Ausland mit 13 Jahren und ich durfte dabeisein!

Treffpunkt Dresden Hauptbahnhof am frühen Nachmittag, ich sehe einige bekannte Gesichter aus einem Erzgebirgs-Camp des Jahres 1982 wieder, alle sind aufgrund der Reise, die bis zum darauffolgenden Morgen dauern wird, recht hibbelig. Und wie das als pubertierender Jüngling so ist - man schaut sich um und sondiert unter den mitreisenden Damen "die Marktlage". Ja, die wäre ja nett, oder die...wenn man nicht so verdammt schüchtern wäre!

Zwischenstop Berlin mit Besichtigung der Ost-Berliner Highlights Fernsehturm und Palast der Republik, inklusive Abendessen in "Erichs Lampenladen" - für ein sächsisches Provinzkind alles andere als eine normale Erfahrung. Der Trip ist schon in den ersten Stunden so neu, so aufregend, dass ich es kaum fassen kann.

Der Nachtzug nach Gdańsk, wie wir damals natürlich sagen, fährt etwa gegen 22 Uhr vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg ab, wir sortieren uns irgendwie in unser Abteil ein, an Schlaf denkt schon aufgrund der Enge kaum jemand. Über Stettin, Köslin, Stolp und Gdingen kämpft sich der Zug entlang der Ostseeküste bis nach Danzig, welches wir - komplett übermüdet und zerschlagen - in den frühen Morgenstunden erreichen. Da sich das Ferienlager etwa 40 Kilometer außerhalb der Stadt befindet, werden wir in Busse verfrachtet und machen während der Fahrt durch die Straßen die Erfahrung, dass Danzig stellenweise sehr arm und heruntergekommen aussieht, was bei einem DDR-Einwohner, der auch nicht gerade in luxuriosen Verhältnissen residiert, schon einiges heißen will.

Die folgenden Tage vergehen wie im Fluge und mit einer Fülle von Ereignissen. Ob Besuche der Westerplatte, des Hafens oder einfach Abhängen am Strand - es ist traumhaft. Es wird wild durcheinandergeflirtet, die Sprachbarrieren zwischen anwesenden Polen, Tschechen und Deutschen werden irgendwie mit Händen und Füßen sowie dem von allen ungeliebten Schulrussisch überwunden. Ich ertrinke fast, als mich eine Welle umwirft und ich unter Wasser 20 Meter in Richtung Strand gespült werde, wo ich nach Luft japsend wieder auftauche, mir wird das richtige Küssen beigebracht (unter anderem abseits eines Lagerfeuers am nächtlichen Strand, zu dem wir mehrere Kilometer durch den stockfinsteren Wald gelaufen sind) und ich erlebe eine wilde Fummelnacht auf der Rückfahrt, als ein Liegewagenabteil im Zug mit Decken blickdicht gemacht und somit zum Liebesnest umfunktioniert wird.

All das und noch so einiges mehr wird immer wie von selbst in meiner Erinnerung abgerufen wenn die Zeilen "A little piece of you, the little peace in me, will die..." zu hören sind. Zwei Jahre später werde ich an diesen für mich magischen Ort zurückkehren und dort meine erste große Liebe erleben, natürlich begleitet von erinnernswerter Musik. Aber das ist eine andere Geschichte...

Donnerstag, 2. September 2010

DVD-Rezensionen (200): Kinski Paganini (1989)

(Cover: Amazon.de)

Ich gebe zu, dass mich Klaus Kinskis letzter Film etwas ratlos zurückgelassen hat. Etwa Mitte der 90er hatte ich das zugehörige, die teils unter chaotischen Umständen verlaufenen Dreharbeiten schildernde Buch gelesen und im Anschluss erwartet, es mit einem der wohl größten Meisterwerke der Kinogeschichte zu tun zu haben. Nachdem der Film über lange Zeit nirgendwo zu sehen oder erhältlich war, schlug ich als Kinski-Fan bei Erscheinen der Box natürlich sofort zu, um "Kinski Paganini" als persönliche DVD-Premiere zu erleben. Greifen wir einmal vor: Ich hatte Anderes, Größeres, erwartet.

Kinski ist zeit seines Lebens vorgeworfen worden, überwiegend sich selbst gespielt zu haben. Hier treibt er es aber von sich aus auf die Spitze, in dem er schon im Vorfeld eine mentale Verbindung und Seelenverwandschaft mit dem weltberühmten Violinisten Niccolò Paganini (1782-1840) herstellte, sich sogar als eine Art Reinkarnation des legendären Musikers inszenierte, ähnlich wie in seiner frühren Rolle als moderner François Villon. Auch wenn Einiges am Leben Paganinis nach wie vor ungeklärt sein mag, lässt sich eine scheinbare Ähnlichkeit im Charakter beider Ausnahmekünstler sicherlich nicht leugnen.

Dieses Projekt beschäftigte Kinski also seit Jahren, die Realisation scheiterte aber immer wieder an Finanzierungsproblemen und Kinskis Willen, den Film ganz nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Werner Herzog lehnte bekanntlich ab, Regie zu führen, da er nach eigener Aussage Kinskis Drehbuch "für unverfilmbar hielt". Was nun schlussendlich herauskam, als der Schauspieler alles in seine Hände nahm, kann man auf dieser DVD in zwei Versionen besichtigen, einmal in einer vom verzweifelten Verleih umgeschnittenen und gekürzten Fassung in besserer Bildqualität und einmal in der Kinskis Vorstellung entsprechenden "Versione originale", deutlich rüder und teilweise mit pornographischen Elementen ausgestattet. Überzeugt haben mich beide nicht wirklich.

Dass Kinski auf Dinge wie eine halbwegs schlüssige Handlung und jegliche künstliche Ausleuchtung der Szenen verzichtete - geschenkt. So mancher Arthaus-Film hat mit ähnlichen Attributen beeindrucken können. Und auch die eigentliche Idee des Films, Paganini als einen von der Musik und den Frauen besessenen Getriebenen zu zeichnen, ist vom Ansatz her überhaupt nicht verkehrt. Schlimmer macht es eigentlich die pure Ideenlosigkeit in den einzelnen Szenen, die sich zum Teil komplett ereignislos dahindehnen. Es verwundert nicht, dass für diesen Film geradezu aberwitzige Mengen an Material belichtet wurden.

Trotzdem besitzt "Kinski Paganini" auch seine starken Momente, selbst wenn dies gelegentlich recht simplen filmischen Mitteln wie Zeitlupeneinstellungen geschuldet ist. Ein allein über eine Piazza wandelnder Kinski, dessen suchend-wissender Blick über die ihn umgebenden Personen wandert - das hat schon was! Da vergisst man auch die doch recht überschaubaren darstellerischen Qualitäten Kinskis damaliger Geliebter Debora Caprioglio als Antonia Bianchi. Sein Sohn Nikolai in seiner ersten Filmrolle hingegen macht seine Sache sehr gut, wie auch in den gemeinsamen Szenen auffällt, wie liebevoll der sonst als Berserker verschrieene Mime mit seinem Kind umgeht. Diese von geradezu abgöttischer Zuneigung geprägte Beziehung ist mir auch schon in Kinskis Lebenserinnerungen aufgefallen und wird durch das gemeinsame Spiel mehr als bestätigt.

Sehr gelungen ist die Aufmachung der Doppel-DVD. Neben den beiden Filmversionen finden sich darauf nicht verwendete Szenen, ein ausführliches "Making Of", sowie Bildergalerien, Trailer, Interviews und Kinskis legendäre Kurz-Pressekonferenz in Cannes, bei der er sich in der ihm eigenen Art über die Nichtzulassung seines Films beim dortigen Festival erregt. So mag ich das!

"Kinski Paganini" wird entweder abgöttisch geliebt oder grundlegend abgelehnt. Ich möchte mich dennoch irgendwo in der Mitte einreihen, da ich diversen Passagen des Films sehr wohl etwas abgewinnen kann. Ich würde zum Anschauen der "Versione originale" raten, da diese viel mehr den ungezügelten und authentischen Klaus Kinski zeigt als die geschnittene Fassung. Dennoch treibt mich nun schon lange eine Frage um: Was hätte Werner Herzog gemeinsam mit Kinski aus dem Stoff gemacht?

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 31. August 2010

Buch-Rezensionen (199): Thomas Hermanns - für immer d.i.s.c.o. (Hörbuch) (2009)

(Cover: Amazon.de)

Selten habe ich mich derart im Nachhinein zu der Entscheidung beglückwünscht, die Audiovariante eines Buches gewählt zu haben wie bei den Jugenderinnerungen des TV-Entertainers Thomas Hermanns. Die höchst unterhaltsamen Ausführungen über die zweite Hälfte der Siebziger und die frühen Achtziger Jahre, die damals die Tanzflächen beherrschende Disco-Music und Hermanns' erste Schritte in der Schwulenszene mögen auch in gedruckter Form funktionieren, aber wer einmal die brüllend komische Schilderung - besser: Nachinszenierung - eines geradezu bizarren Amanda Lear-"Konzerts" in der Nürnberger Meistersinger-Halle gehört hat, wird verstehen, was ich meine. Zusätzlich werden höchst passend im Text erwähnte Titel als Hintergrundmusik eingespielt, was die Wirkung und Verständlichkeit enorm erhöht.

Der Erfinder des "Quatsch Comedy Clubs" spannt einen weiten Bogen über seine von viel Musik in trister Wohnumgebung geprägten Kinder- und Jugendjahre in Nürnberg bis hin zu seinem Studium in München und den später erfolgten beruflichen Durchbruch. Zwar ist der überwiegende Teil von "für immer d.i.s.c.o." von Humor geprägt und wird von Hermanns in angenehmem Tonfall gewohnt charmant gelesen. Dennoch werden ernst Themen nicht ausgespart, angefangen von der ersten Gefühlsverwirrung, das eigene Coming Out über Schwulenfeindlichkeit im In- und Ausland bis hin zum HIV- und AIDS-Schock der frühen 80er mitsamt seiner Todesspur im Bereich der Disco-Musik. Dass ein dermaßen amüsierendes Buch immer wieder durch diese extremen Gegensätze radikal gebrochen wird, hat mir ganz besonders imponiert.

Ein weiteres Plus der Audiobookversion: Auf CD 4 sind noch einmal alle im Buch verwendeten Tracks in voller Länge - von Thomas Hermanns kurz anmoderiert - enthalten. Da darf man gleich mal die gegebenen Hustle-Tanzlektionen in die Praxis umsetzen...

Zielgruppe dieses Buchs? Vielfältig, möchte ich meinen. Der offen oder versteckt lebende Schwule wird sich ebenso einfinden wie das Kind der Siebziger, Interessierte an Musikgeschichte und Popkultur sowieso. Zwar kann "für immer d.i.s.c.o." nicht für sich in Anspruch nehmen, eine umfassende historische Darstellung dieses Musikstils zu liefern. Dafür werden ein paar allzu gewagte Verschwörungstheorien über das Ende der Ära aufgestellt. Schließlich verendete Disco nicht (wie von Hermanns und diversen ehemaligen Protagonisten suggeriert) an den permanenten Störmanövern von Gegnern in Musikbiz und Gesellschaft sondern schlicht und einfach an einem der normalsten Vorgänge der Musikwelt - der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Jede Musik hat ihre Zeit, gelegentlich mit diversen Retrowellen geadelt. Doch diese gelegentlichen Ungereimtheiten seien einem bekennenden Disco-Aficionado nachgesehen - für mich ein klasse Hörbuch mit einigen persönlichen Musik-Neuentdeckungen, kam doch die Disco-Welle für mich ein dreiviertel Jahrzehnt zu früh...

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 18. Dezember 2009

Buch-Rezensionen (176): Günter Grass - Katz und Maus (1961)

(Cover: Amazon.de)

Der zweite Teil der sogenannten "Danziger Trilogie" von Literaturnobelpreisträger Günter Grass fällt um so mehr im Qualitätsurteil ab, je genauer man ihn mit dem ersten Buch dieser aus autobiographischen Details des Autors gestalteten Reihe, der 1959 erschienen "Blechtrommel", vergleicht. Zwar ergeht sich Grass auch hier einmal mehr in zum Teil atemberaubenden sprachlichen Volten, die jedem Freund des deutschen Idioms vor lauter Staunen schier die Augen aus den Höhlen treten lassen, aber in puncto Handlung klaffen doch Welten zwischen der aktionsprallen Saga um den kleinwüchsigen Oskar Matzerath (der hier einen Kurzauftritt hat) und der in "Katz und Maus" geschilderten Geschichte einer Gruppe Jugendlicher im Danzig zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Der Erzähler Pilenz lässt sich seitenweise über seinen mit einem auffälligen Adamsapfel ausgestatteten ehemaligen Mitschüler Mahlke aus, was den Dreh- und Angelpunkt dieser Novelle ausmacht. Nebenbei werden erste erotische Erfahrungen und die Kriegswirren mit eingeflochten, dies aber auf eine nicht wirklich packende Art und Weise. Eher empfindet man lähmenden Stillstand, bei dem man für jede noch so kleine Abwechslung äußerst dankbar ist.

Für die partielle Brillianz des Sprachstils ein paar Gnadenpünktchen, für den Liebhaber Grass'scher Werke aber eher die Empfehlung, zu etwas anderem aus dem Œuvre des Meisters zu greifen.

Bewertung: 3 von 5

Sonntag, 8. November 2009

DVD-Rezensionen (170): Basic Instinct (2-Disc-Edition) (1992)

(Cover: Amazon.de)

In jedem Jahrzehnt gibt es eine gute Handvoll Filme, die man - manchmal sogar unabhängig vom Einspielergebnis an den Kinokassen - automatisch mit der entsprechenden Dekade assoziiert. Der damals als Skandalfilm postulierte Erotik-Thriller "Basic Instinct" gehört sicherlich so zu den 90ern wie auch der erste MATRIX-Film oder Tarantinos "Pulp Fiction". Der kontrovers diskutierte und in Hitchcockscher Manier gedrehte Box Office-Erfolg katapultierte sowohl Michael Douglas und die hinreißend als mordverdächtige Bestsellerautorin Catherine Tramell agierende Sharon Stone endgültig in den Superstar-Status.

Über den Plot und seine berühmteste Szene braucht man an dieser Stelle nicht mehr viele Worte verlieren. Wohl jeder, der nicht gerade die letzten 20 Jahre weitab der westlichen Zivilisation verbracht hat, kennt diesen Film. Von daher kann man eher das Interesse auf die Beigaben dieser Doppel-DVD richten, die es in sich haben. Denn gleich zwei Audiokommentare (von Regisseur Paul Verhoeven mit seinem Kameramann Jan de Bont sowie der Frauenrechtlerin Camille Paglia) haben den Weg in diese Box gefunden, dazu Making Ofs, diverse Galerien, Teaser und Trailer sowie interessante Probeaufnahmen mit Sharon Stone und Jeanne Tripplehorn. Da man ordentliches Bild und auf der deutschen Tonspur zumindestens Dolby 5.1 bekommt (DTS nur in Englisch), kann man über das Preis-Leistungsverhältnis des Doppelpacks wahrlich nicht meckern - das hat man trotz spektakulärer Titel wie "Special", "Collector's" oder gar "Ultimate" Edition schon weitaus anders gesehen!

Auch wenn "Basic Instinct" das Genre sicherlich nicht neu erfunden hat und manche Provokation ein wenig zu arg berechnet erscheinen mag - ein Klassiker des modernen Kommerzkinos in einer prima ausgestatteten DVD-Veröffentlichung ist es allemal.

Bewertung: 5 von 5

Montag, 19. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (166): Günter Grass - Die Blechtrommel (Hörbuch) (1959)

(Cover: Amazon.de)

Der Debütroman des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass, gleichzeitig sein wohl bekanntestes Werk, ist sicherlich keine Lektüre für die gemütliche Schmökerstunde zwischendurch. Zu sprachmächtig und skurril ist die Geschichte rund um den kleinwüchsigen Weltenbeobachter Oskar Matzerath, der im Alter von drei Jahren aus Protest gegen seine Umgebung aufhört zu wachsen und von diesem Zeitpunkt an seine Mitmenschen einerseits aufmerksam studiert und gelegentlich unter Zuhilfenahme seiner Blechtrommel terrorisiert. Erzählt aus der Perspektive Oskars Mitte der 1950er Jahre, in denen er Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt ist, breitet sich nach und nach ein Panorama voller kleiner Puzzlesteinchen aus, die sich sowohl nahtlos in einen breiten Handlungsstrang, als auch in einen gesamtgeschichtlichen Kontext einfügen.

Als würde das Buch nicht allein schon durch seine Ur- und Bildergewalt einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen, bekommt man es in dieser Audiobook-Ausgabe auch noch mit einer die Wirkung noch verstärkenden Lesung des Autors höchstselbst zu tun. Da die Einbettung der Handlung in die politischen und regionalen Gegebenheiten Danzigs zwischen Ende des 19. bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts auch die spezielle Verhältnissituation zwischen Deutschen, Polen und der Minderheit der Kaschuben zentral behandelt, ist das teilweise Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Dialekten durch Grass für das Verständnis äußerst hilfreich. Alle Erzählperspektiven- und Handlungszeitwechsel fügen sich so viel leichter in ein großes, harmonisches Bild.

Ein wahrer Parforceritt ist dem damals 32jährigen gelungen. Ernste Themen wie Krieg, Tod und Vertreibung mit einer Liebesgeschichte, erotischen Eskapaden skurrilster Art und aus dem Nichts kommenden geradezu bizarren Schockmomenten voller Absurdität zu verbinden - ja das ist Literatur auf höchstem Niveau! Eines der wichtigsten Bücher der deutschen Sprache, gerade in dieser Hörbuch-Version wärmstens zu empfehlen.

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 5. August 2009

Nachtgedanken (068)

Heute wieder einmal etwas für den Erotomanen in uns. Bruno Ertler (1889-1927) zeichnet als Autor für "Liebesnacht" verantwortlich. Viel Vergnügen...

Es gibt keine Welt –
es gibt keinen Tod –
kein drängendes Irren mehr
und kein Morgen-Erwarten.

Reiner Bereitschaft zuckendes, großes „Ja!“
hüllt uns in jauchzende Brände
wollender Kraft –
und der Rausch, der aus uns aufloht,
reißt mit heilig frevelnder Gebärde
den glühenden Schöpferstab
aus der Hand Gottes
und zieht einen funkelnden Bannkreis
um unser Lager.

Aufschäumende, du!
Acker von Frühlingserde
unter dem ersten Pflug!

Sieh: Meines Denkens formender Wille
ist ein schöpfendes Dich-Gestalten
aus dem Anfang der Welt –
der reißende Schlag meiner heißen Adern
tönt das Urlied vom Garten Eden in meine Schläfen:

„Zwei Menschen waren allein auf aller Erde
und waren Form.
Doch da Liebe sie überfiel,
bäumte sich ihnen Lust und Schmerz
in einem begehrend feindlich umschlingenden,
in wilder Einheit endlos verklingenden
einzigen Schrei –
und sie lebten!“

Es gibt keine Welt –
kein Morgen mehr –
keinen Tod –
keine Frage –
nur tiefer Einheit volle Ewigkeit.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Nachtgedanken (059)

Da ich heute auf der Arbeit ein Radiofeature über Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) hörte, das mein Interesse am Autor weckte, ging ich flugs für die heutigen "Nachtgedanken" auf die Suche und wurde mit "Ich lösch das Licht" schnell fündig. Traumhaft...

Ich lösch das Licht
Mit purpurner Hand,
Streif ab die Welt
Wie ein buntes Gewand

Und tauch ins Dunkel
Nackt und allein,
Das tiefe Reich
Wird mein, ich sein.

Groß' Wunder huschen
Durch Dickicht hin,
Quelladern springen
Im tiefsten Sinn,

O spräng noch manche,
Ich käm in' Kern,
Ins Herz der Welt
Allem nah, allem fern.

Dienstag, 30. Juni 2009

Nachtgedanken (058)

Die heutigen "Nachtgedanken" - passend mit dem Titel "Nachts" - stammen aus der Feder Friedrich Theodor Vischers (1807-1887). Sehr erotisch...

Sie schläft. Ein süßes Athmen hebet
Den holden Busen sanft und leicht;
Der Geist ist in ein Land geschwebet,
Wohin der Sorge Pfeil nicht reicht.

Scharf war die Pein der letzten Tage –
Schließ' nur die müden Augen zu!
Das Schicksal pocht mit schwerer Frage;
Sie wird sich lösen, schlummre du.

Schlaf' nur! Du brauchst es nicht zu wissen,
Daß unter dir der Freund sich regt,
Daß er in tiefen Finsternissen
Dein Loos in seiner Brust bewegt.

Und doch! Er naht dem stillen Raume
Mit Geistertritt und rührt sich nicht
Und horchet, ob sie nicht im Traume
Wohl leise seinen Namen spricht.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Nachtgedanken (055)

Heute gibt es in den "Nachtgedanken" zur Abwechslung etwas Amüsantes, diesmal vom bayrischen Dichter Ludwig Thoma (1867-1921). Titel: "Gleichgültigkeit".

Als ich gestern lag in meinem Bette,
Klopfte es so gegen Mitternacht.
Meine Meinung war, es sei Jeannette,
Und natürlich hab' ich aufgemacht.
Leise kam es jetzt hereingeschlichen,
Setzte sich an meines Bettes Rand,
Hat mir über meinen Kopf gestrichen
Mit der ziemlich großen, dicken Hand.
Doch ich merkte bald an ihren Formen:
Dieses Weib ist ja Jeannette nicht,
Deren Hüften nicht von so enormem
Umfang sind und solchem Schwergewicht.
Trotzdem schwieg ich. Denn ich überlegte:
Nicht das Wer, das Wie kommt in Betracht,
Außerdem, die Absicht, die sie hegte,
War entschieden löblich ausgedacht.
Was bedeutet dieserhalb ein Name?
In der Liebe ist das einerlei.
Man verlangt nur, daß es eine Dame
Und von angenehmem Fleische sei.

Montag, 1. Juni 2009

Nachtgedanken (052)

Die Liebe ist eine Himmelsmacht...oder auch nicht. Daher drehen sich die heutigen "Nachtgedanken" auch um dies unerschöpfliche Thema, diesmal mit "Der Andere" von Frank Wedekind (1864-1918).

Nirgends vergißt sich so leicht
Der Liebe Lust, der Liebe Schmerz
Wie in den Armen eines andern.

Schwarz war dein Auge, mein Freund,
Schwarz wie die Nacht, wolkenumhüllt.
Blau strahlt das Auge des andern.

Keiner wohl küßte wie du,
Sanft wie ein Hauch am Maientag.
Stürmisch jetzt küßt mich der andre.

Treulos und falsch war dein Herz.
Doch auch dafür find' ich Ersatz,
Denn schon betrügt mich der andre.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Nachtgedanken (050)

Für die Jubiläumsausgabe der "Nachtgedanken habe ich mir mit "Wir fanden Glanz" von dem mit nur 24 Jahren im Ersten Weltkrieg gefallenen Ernst Wilhelm Lotz (1890-1914) einmal etwas Leidenschaftliches ausgesucht.

Wir fanden Glanz, fanden ein Meer, Werkstatt und uns
Zur Nacht, eine Sichel sang vor unserm Fenster.
Auf unsern Stimmen fuhren wir hinauf,
wir reisten Hand in Hand.

An deinen Haaren, helles Fest im Morgen,
irr flogen Küsse hoch
und stachen reifen Wahnsinn in mein Blut.
Dann dursteten wir oft an wunden Brunnen,
die Türme wehten stählern in dem Land.
Und unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden
stürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.

Donnerstag, 14. Mai 2009

CD-Rezensionen (143): Chris Isaak - Wicked Game (1991)

(Cover: Amazon.de)

Fast 20 Jahre nach Veröffentlichung dieser nach dem überraschenden Chartserfolg von "Wicked Game" eilig nachgeschobenen Zusammenstellung aus Chris Isaaks ersten drei Alben dürfte der Kalifornier vielen allenfalls noch als One-Hit-Wonder mit bereits erwähnten Filmsong zu David Lynchs Kultfilm "Wild At Heart" in Erinnerung sein. Man tut dem Mann mit der Schmachtstimme aber bitter Unrecht, ihn auf diesen einen Song zu reduzieren, wie dieser Sampler sehr gut beweist.

Kann "Blue Hotel" immerhin noch mit einem kleineren Hitstatus aufwarten, muß man sich die weiteren Perlen als Nicht-Crack in Isaaks Gesamtwerk ein wenig zusammensuchen. Mir persönlich sagen neben den Hits besonders "Blue Spanish Sky", "Funeral In The Rain", "Nothing's Changed" und "Lie To Me" zu - grandioser Schmachtstoff für einsame Mondnächte!

Neben dem einen oder anderen nicht ganz so gelungenen Stück ist eine Lauflänge von gerade einmal knapp über 40 Minuten plus einer Instrumentalversion von "Wicked Game" nicht eben der Brüller, daher auch leichter Abzug in der Gesamtnote.

Bewertung: 4 von 5

Samstag, 9. Mai 2009

Nachtgedanken (046)

Es darf ruhig auch einmal schwerverdaulich zugehen, denn "Wankelmut" aus der expressionistischen Feder August Stramms (1874-1915) erschließt sich nicht sofort.

Mein Suchen sucht!
Viel tausend wandeln Ich!
Ich taste Ich
Und fasse Du
Und halte Dich!
Versehne Ich!
Und Du und Du und Du
Viel tausend Du
Und immer Du
Allwege Du
Wirr
Wirren
Wirrer
Immer wirrer
Durch
Die Wirrnis
Du
Dich
Ich!

Sonntag, 3. Mai 2009

Nachtgedanken (041)

So...aber heute mal so richtig dramatisch-bombastisch, mir ist mal danach. "Herr und Herrin" klingt zwar wie aus einem S/M-Roman, ist aber trotzdem von Richard Dehmel (1863-1920)

Ein Mann:

Da du so schön bist, darf ich dich beschwören,
errege nicht mein leicht erregtes Blut.
Da du so schön bist, kann ich dir nicht wehren,
daß deine Hand zu sehr in meiner ruht.
Da du so schön bist, muß ich dich begehren,
denn alle Schönheit ist mir freies Gut.
Da du so schön bist, will ich dich zerstören,
damit es nicht ein Andrer tut...

Das Weib:

Da du so stark bist, darfst du mich begehren,
doch meine Schönheit bleibt mein freies Gut.
Da du so stark bist, kannst du mich zerstören,
wenn dir die Tat nicht selbst zu wehe tut.
Da du so stark bist, mußt du mir beschwören,
daß du beschützen wirst mein schutzlos Blut.
Da du so stark bist, will ich dir nicht wehren,
daß deine Hand in meiner ruht...

Montag, 27. April 2009

Nachtgedanken (040)

Mit Hugo Balls (1886-1927) "Versiegle mir die Zunge, binde mich..." wage ich mich mal ein wenig mehr in die Moderne. Hat was...

Versiegle mir die Zunge, binde mich
Und raube mir die letzte Gabe.
Verschütte meinen Wein, zerstreue mich,
Daß ich in Dir gelitten habe.

Oh, hülle mich in Nacht, Barmherziger,
Umstelle mich mit Deinen heiligen Bränden.
Laß mich als Opfer fallen immerdar,
Doch nur von Deinen priesterlichen Händen.

Samstag, 18. April 2009

Nachtgedanken (038)

Heute gibt es in den "Nachtgedanken" einen Blick nach Österreich, genauer auf "Liebestrost" von Joseph Christian von Zedlitz (1790-1862).

Laß mich diese Worte küssen,
Diese Züge deiner Hand!
Ja, gewiß, die Liebe war es,
Die den Trost der Schrift erfand!

Ja, ich lese Deine Zeichen
Und Du stehst vor meinem Blick,
Sprichst zu mir, und jede Silbe
Zaubert mir mein Glück zurück!

Und ich küsse Deine Hände,
Deine Augen, Deinen Mund,
Und ich trinke Deinen Athem,
Und die Seele wird gesund!

Alle Räume schwinden, fliehen;
Alles, was die Brust beengt,
Hat das Herz mit kräft'gen Schlägen
Losgerüttelt, weggesprengt!

Mittwoch, 25. März 2009

Buch-Rezensionen (133): Die Abenteuer des jungen Indiana Jones - Mata Hari, Paris, 1916 (1992)

(Cover: Amazon.de)

Der TV-Serie "Die Abenteuer des jungen Indiana Jones" von George Lucas war leider kein großer Erfolg beschieden, kollidierte sie doch gründlich mit den Vorlieben des gemeinen Action-Fans. Die Idee, den zum damaligen Zeitpunkt aus drei Kinofilmen bekannten Helden in dessen Kindheit und Jugend an verschiedenen Schauplätzen mit berühmten Personen der Zeitgeschichte zusammentreffen zu lassen, war eine hochinteressante Geschichtsstunde, die das Spezialeffekte-Spektakel erwartende Publikum leider komplett verschmähte. Mit Umschneiden ganzer Folgen wurde versucht, am Ergebnis herumzupuzzlen - vergeblich. Dennoch wird "The Young Indiana Jones Chronicles", so der Originaltitel, für mich als Geschichtsinteressierten immer eine meiner Lieblingsserien bleiben.

Zum deutschen TV-Start beim Sender SAT.1 erschienen im Jahre 1992 im VGS-Verlag diverse Buchveröffentlichungen mit dem nacherzählten Inhalt einzelner Folgen.

In dieser Episode trifft der unter falschem Namen in Diensten der belgischen Armee stehende 17jährige Indiana Jones während eines Fronturlaubs 1916 in Paris eine der schillerndsten Frauen ihrer Zeit - die holländische Tänzerin Margaretha Geertruida Zelle, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Mata Hari. Indy verliebt sich in die 23 Jahre ältere Schönheit und beginnt eine leidenschaftliche Affäre. Doch die Tänzerin scheint in dunkle Machenschaften der großen Politik verwickelt zu sein - ist sie eine deutsche Spionin?

Hier kommt alles zusammen, was die tolle Serie so liebenswert machte. Eine faszinierende historische Figur, gepaart mit geschichtlicher und politischer Dramatik, gekrönt von einer unglücklich verlaufenden Liebesgeschichte. Dazu kommt als Pluspunkt dieses Buches die den späteren umgeschnittenen TV-Folgen fehlende Einführung und der Epilog, die in diesem Falle davon handeln, wie der 93jährige Indiana Jones diese Geschichte in der Schlange einer Supermarktkasse erzählt. Immer noch lesenswert!

Bewertung: 5 von 5

Montag, 23. März 2009

Nachtgedanken (029)

Die Affäre, die der umstrittene Komponisten-Titan Richard Wagner (1813-1883) wahrscheinlich mit Mathilde Wesendonck (1828-1902)  unterhielt, sorgte dank Wagners Ehefrau Minna (1809-1866) für ordentlich Krach.  Aus der Feder der verheirateten Mathilde stammen die heutigen Nachtgedanken mit dem Titel "Träume". Die Texte der sogenannten "Wesendonck-Lieder" wurden von Wagner 1857/58 vertont.

Sag, welch wunderbare Träume
Halten meinen Sinn umfangen,
Daß sie nicht wie leere Schäume
Sind in ödes Nichts vergangen?

Träume, die in jeder Stunde,
Jedem Tage schöner blühn,
Und mit ihrer Himmelskunde
Selig durchs Gemüte ziehn!

Träume, die wie hehre Strahlen
In die Seele sich versenken,
Dort ein ewig Bild zu malen:
Allvergessen, Eingedenken!

Träume, wie wenn Frühlingssonne
Aus dem Schnee die Blüten küßt,
Daß zu nie geahnter Wonne
Sie der neue Tag begrüßt,

Daß sie wachsen, daß sie blühen,
Träumed spenden ihren Duft,
Sanft an deiner Brust verglühen,
Und dann sinken in die Gruft.