Posts mit dem Label Politisches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Politisches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 19. Februar 2011

Soundtrack Of My Life (034): Abigail Mead & Nigel Goulding - Full Metal Jacket (1987)

In der 9. Klasse bekamen wir eine neue Musiklehrerin vor die Nase gesetzt. Diese peinigte uns sowohl mit der üblichen Propaganda-Tonkunst, von der mir ganz besonders Paul Dessaus an Arnold Schönberg und Alban Berg angelehntes und somit schwerverdauliches "Lilo Herrmann"-Melodram (lässt sich auf den üblichen Videoportalen nachhören) in peinigender Erinnerung geblieben ist. Allerdings wurde auch versucht, neben dem jetzt dankenswerterweise reduzierten Gesangsanteil (schließlich befand sich so mancher im Stimmbruch), den überwiegend gelangweilten Teenagern Klassik oder Jazz näherzubringen. Das fand man damals natürlich schrecklich öde, der interessierte Blick über den musikalischen Tellerand entwickelte sich bei mir erst deutlich später.

Ein- oder zweimal im Schuljahr wurde uns aber ein ganz besonderes Angebot angetragen. Wir sollten ganz einfach unsere favorisierte Musik anschleppen, diese wurde in einen Kassettenrecorder eingeworfen und danach lehrerseitig diskutiert. Freilich differierte da der männliche und weibliche Geschmack in der Schülerschaft erheblich. Wir halbstarken Jungs verleierten die Augen, wenn uns solche "Perlen" wie "Joe le Taxi" von Vanessa Paradis an den Kopf flogen und die holde Weiblichkeit konnte nix mit den Ärzten oder den Toten Hosen anfangen.

Mein Ehrgeiz bestand bei diesen Gelegenheiten immer darin, etwas mitzubringen, das garantiert keiner auf dem Plan hatte, unsere Lehrerin am Allerwenigsten. Persönliche Antipathie? Rache für "Lilo Herrmann"? Ich weiß es nicht mehr. So malträtierte ich die Klasse einmal mit "Galleons Of Stone" von The Art Of Noise und eines Tages rappelte es mich vollständig, als ich Abigail Meads und Nigel Gouldings "Full Metal Jacket" aus dem gleichnamigen Kubrick-Film (der in der DDR als "zu zynisch" verboten war) anschleppte. Ich hatte den Track, der mit seinen schrägen Tempiwechseln und dem eindringlichen Gebrüll des legendären R. Lee Ermey alles andere als mehrheitsfähig war, zwar seltsamerweise im ostdeutschen Radio ergattert, aber mit wilden Drums angereicherte Marching Chants des United States Marine Corps in einer sozialistischen Schule öffentlich aufzuführen, wirkt in der Rückschau dann doch etwas leichtsinnig-verrückt. Ein Glück, dass die Dame im zweiten Fach kein Englisch gab, sonst hätte das mit großem Ärger enden können...

Freitag, 18. Februar 2011

Soundtrack Of My Life (033): Gazebo - Lunatic (1983)

Wenn man, wie ich zu meinen Teenagerzeiten, nicht gerade mit einem überbordenden Ego gesegnet war, begriff man die ersten Gehversuche auf dem Terrain des Geschlechterkontakts vor allem als eines: Schauen, Schmachten, Starren und irgendwie auf Aufmerksamkeit hoffen. Für selbstbewusste Ansprachen fehlte dann ganz einfach das persönliche Rüstzeug, so dass man immer auf eine glückliche Gelegenheit oder eine wundersame Fügung des Schicksals wartete. Eine dafür gerne aufgesuchte Örtlichkeit war die hier zweimal jährlich stattfindende Kirmes, deren Attraktionen zu DDR-Zeiten sicherlich nicht so spektakulär waren wie jenseits der Mauer, deren Aufbau aber ähnlich daherkam. Das Jungvolk traf sich am Autoscooter oder einer ähnlichen zum Schaulaufen geeigneten Location, man ließ sich von der angesagten und in ohrenbetäubender Lautstärke durch die Boxen gejagten Musik unterhalten und verbrachte damit tagelang den Großteil seiner Freizeit.

Eine jener Wochen aus der Mitte der 80er wird mir aus mehreren Gründen unvergesslich bleiben. Nicht nur, dass ich erstmals hautnah Augenzeuge der Staatsmacht wurde, als zwei angetrunkene, aber relativ harmlose Pöbler von der heraneilenden Volkspolizei brutal niedergeknüppelt wurden, nein man übte sich auch tagelang in oben beschriebener Extremsportdiszplin und stellte neue Dauerrekorde im Stieren ohne Augenblinzeln auf, freilich ohne das das Objekt der Begierde überhaupt auf einen aufmerksam wurde. Ich weiß bis heute nicht mal ihren Namen.

Irgendwie arg durchgeknallt und damit perfekt zu einem damals sehr oft im Hintergrund laufenden Songs passend - "Lunatic" des Italo-Poppers Gazebo...

Donnerstag, 10. Februar 2011

Soundtrack Of My Life (029): Bizz Nizz - Don't Miss The Partyline (1990)

Das Jahr 1990 wird mir immer als eines der verwirrendsten und ereignisreichsten meines Lebens in Erinnerung bleiben. Besonders die wenigen Monate zwischen Einführung der D-Mark in der DDR am 01. Juli bis zur Wiedervereinigung am 03. Oktober hatten etwas von völlig gesetzlosen Zuständen á la Wilder Westen. Kein Wunder, es galten noch die rechtlichen Regelungen der DDR, die für die tatsächlichen Umstände gar nicht vorgesehen waren und somit reichlich Spielraum für allerlei Anarchie und auch Kriminalität ließen.

Auch in der beschaulichen sächsischen Provinz tat sich diesbezüglich so einiges, darüber hinaus schossen überall behelfsmäßig errichtete Verkaufsstände und auch neue Partylocations aus dem Boden. Der in diesen Erinnerungen schon erwähnte "Dampfer" mutierte in jenen Tagen zum halb illegal bewirtschafteten Roulette-Casino, andere meiner vorher besuchten Wochenend-Ziele schlossen ganz. Dafür eröffnete ganz in der Nähe meiner Wohnung ein später zum Riesaer Großgastronomen (und mittlerweile wieder total abgestürztem) aufgestiegener, vorher völlig Unbekannter ein riesiges Zelt für Partyveranstaltungen. Aus heutiger Sicht geradezu absurd primitiv mit Holzbohlenboden bis zur die Tanzfläche bergende, Stirnseite, ein paar Bierzeltgarnituren am Tand - eine Luxus-Disse sieht anders aus! Trotzdem drängelten sich vor dem Einlass an allen Öffnungstagen die Massen, schon mangels alternativer Angebote in der Stadt.

Was diesem Tanztempel im IKEA-Style allerdings von seinen Vorgängern unterschied, war die zugegeben beeindruckende Licht- und Tonanlage, die sich doch erheblich von den größtenteils per Eigenbau entstandenen Ausrüstungen der DDR-Klitschen unterschied. In den Boden war sogar eine Edelstahl-Tanzfläche eingelassen und das war für uns Ossikinder nun wirklich etwas Neues, hatte man doch bis dato auf dem naturgegebenen Fliesen- oder Parkettboden der jeweiligen Lokalität abgehoppelt. Dieses Stück Metall brachte mich allerdings in einer lauen Sommernacht jenen Jahres in leichte Balanceschwierigkeiten, womit ich den Bogen zum Tanzflur-Stampfer "Don't Miss The Partyline" von Bizz Nizz schlagen kann.

In jenen Tagen war in hiesigen Breiten ein seltsamer Tanzstil aufgekommen, der eine Art schnellen Moonwalk auf der Stelle darstellte. Man joggte also in ruckartigen Bewegungen, ohne sich groß von seiner Position auf der Tanzfläche wegzubewegen. ich braucte eine Weile, bis ich mir das koordinationstechnisch draufgeschafft hatte, dann legte ich aber umso wilder los. Was ich an jenem Abend nicht sah: Irgendjemand hatte just dort eine Tube Haargel fallen gelassen (wer schleppt eigentlich sowas mit auf die Piste???), ich latschte in meinem Toben natürlich drauf und kleisterte meinen Standpunkt ordentlich mit dem perfekten Gleitmittel ein. Ich war so in Partylaune (und wohl alkoholtechnisch auch etwas angebrütet), dass ich das gar nicht mitbekam, mich allerdings über meine immer mehr in den Spagat drängenden Beine wunderte. Mein damaliger Freundeskreis stand freilich breit grinsend daneben und genoss sichtlich die etwas kurios anmutende One-Man-Show...

Dienstag, 25. Januar 2011

CD-Rezensionen (215): Garland Jeffreys - Don't Call Me Buckwheat (1992)

(Cover: Amazon.de)

Es gibt sie noch, die glücklichen Zufälle im Leben, die einem großartige Musik näherbringen. Irgendwann im Jahre 1992 oder 1993 saß ich in einer heute schon längst nicht mehr existierenden Kneipe und lauschte einer im Hintergrund abgespielten CD, die mir ungemein gut gefiel, deren Interpreten ich allerdings nicht so recht einzusortieren wusste. Ja, das war immer die gleiche Stimme, dennoch hatte jedes Stück einen komplett anderen Stil zu bieten. Hier mal etwas Gospel ("Moonshine In The Cornfield") und da groovte ein Boogie-Woogie ("Don't Call Me Buckwheat") durch die Boxen. Erst als der damalige Singlehit "Hail Hail Rock 'N' Roll" erklang, konnte ich dieses Sammelsurium dem 1980 durch den Chartserfolg "Matador" zu Bekanntheit gelangten Garland Jeffreys zuordnen.

Dieses Album hat einen textlich roten Faden: Rassismus in der US-Gesellschaft und die damit verbundenen privaten Erfahrungen des Sängers, eines Mischlings. So fröhlich die Musik (z.B. die im Reggae-Sound gehaltenen "Color Line", "Bottle Of Love" und "Murder Jubilee") stellenweise wirken mag, die bitteren Zeilen gehen oftmals schwer an die Nieren, saß doch Jeffreys aufgrund seiner Herkunft oftmals zwischen allen Stühlen.

Die zweite Single-Auskopplung "The Answer" wurde ebenfalls noch zum mittleren Hit, so dass dieses Album Anspruch und kommerziellen Erfolg sehr gut miteinander zu verbinden weiß. Dazu eine beeindruckende Mischung aus karibischen, lateinamerikanischen und gängigen Popklängen sowie einer äußerst wandlungsfähigen Stimme - volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 5. Januar 2011

Soundtrack Of My Life (024): David Bowie & Pat Metheny Group - This Is Not America (1985)

Die heutige Anekdote beinhaltet ein Missverständnis: Für einige Zeit ordnete ich die "This Is Not America" intonierende Stimme falsch zu und vermeinte Boy George und nicht David Bowie singen zu hören. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich - für ein Kind der DDR logisch - niemals den Originaltonträger in die Finger bekam und den damaligen Welthit anno 1985 nicht im Radio, sondern in aufregenden Sommertagen an der polnischen Ostseeküste kennenlernte. Aber hübsch der Reihe nach.

Nach der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski Ende 1981 kam man als DDR-Bürger nicht mehr einfach so nach Polen hinein. Die Oberen in Ost-Berlin wollten schon aus Eigenschutz verhindern, dass irgendwelche oppositionellen Gedanken á la Solidarność per Urlaubsverkehr ins Land sickerten. Allerdings war die Abschottung nicht vollständig, per Einladung aus Polen oder organisierter Tour konnte man durchaus noch die Grenze überschreiten. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die damalige Firma, in der mein Vater arbeitete, im Austausch gegen eigene Kontingente in der DDR Ferienlagerplätze in der Nähe von Danzig organisiert hatte. Wow, 2 Wochen elternloses Ausland mit 13 Jahren und ich durfte dabeisein!

Treffpunkt Dresden Hauptbahnhof am frühen Nachmittag, ich sehe einige bekannte Gesichter aus einem Erzgebirgs-Camp des Jahres 1982 wieder, alle sind aufgrund der Reise, die bis zum darauffolgenden Morgen dauern wird, recht hibbelig. Und wie das als pubertierender Jüngling so ist - man schaut sich um und sondiert unter den mitreisenden Damen "die Marktlage". Ja, die wäre ja nett, oder die...wenn man nicht so verdammt schüchtern wäre!

Zwischenstop Berlin mit Besichtigung der Ost-Berliner Highlights Fernsehturm und Palast der Republik, inklusive Abendessen in "Erichs Lampenladen" - für ein sächsisches Provinzkind alles andere als eine normale Erfahrung. Der Trip ist schon in den ersten Stunden so neu, so aufregend, dass ich es kaum fassen kann.

Der Nachtzug nach Gdańsk, wie wir damals natürlich sagen, fährt etwa gegen 22 Uhr vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg ab, wir sortieren uns irgendwie in unser Abteil ein, an Schlaf denkt schon aufgrund der Enge kaum jemand. Über Stettin, Köslin, Stolp und Gdingen kämpft sich der Zug entlang der Ostseeküste bis nach Danzig, welches wir - komplett übermüdet und zerschlagen - in den frühen Morgenstunden erreichen. Da sich das Ferienlager etwa 40 Kilometer außerhalb der Stadt befindet, werden wir in Busse verfrachtet und machen während der Fahrt durch die Straßen die Erfahrung, dass Danzig stellenweise sehr arm und heruntergekommen aussieht, was bei einem DDR-Einwohner, der auch nicht gerade in luxuriosen Verhältnissen residiert, schon einiges heißen will.

Die folgenden Tage vergehen wie im Fluge und mit einer Fülle von Ereignissen. Ob Besuche der Westerplatte, des Hafens oder einfach Abhängen am Strand - es ist traumhaft. Es wird wild durcheinandergeflirtet, die Sprachbarrieren zwischen anwesenden Polen, Tschechen und Deutschen werden irgendwie mit Händen und Füßen sowie dem von allen ungeliebten Schulrussisch überwunden. Ich ertrinke fast, als mich eine Welle umwirft und ich unter Wasser 20 Meter in Richtung Strand gespült werde, wo ich nach Luft japsend wieder auftauche, mir wird das richtige Küssen beigebracht (unter anderem abseits eines Lagerfeuers am nächtlichen Strand, zu dem wir mehrere Kilometer durch den stockfinsteren Wald gelaufen sind) und ich erlebe eine wilde Fummelnacht auf der Rückfahrt, als ein Liegewagenabteil im Zug mit Decken blickdicht gemacht und somit zum Liebesnest umfunktioniert wird.

All das und noch so einiges mehr wird immer wie von selbst in meiner Erinnerung abgerufen wenn die Zeilen "A little piece of you, the little peace in me, will die..." zu hören sind. Zwei Jahre später werde ich an diesen für mich magischen Ort zurückkehren und dort meine erste große Liebe erleben, natürlich begleitet von erinnernswerter Musik. Aber das ist eine andere Geschichte...

Dienstag, 21. September 2010

Buch-Rezensionen (201): Gerhard und Christiane Vogel - Blase und Bläschen (1963)

(Cover: Amazon.de)

Für mich war es immer ein Festtag, bei meinen Besuchen meiner Großeltern in den Kinderbüchern meines Vaters und seiner jüngeren Geschwister zu stöbern. Somit fielen mir ein ums andere Mal Erscheinungen aus den frühen 60er Jahren in die Hände, die man heute als Erwachsener als interessante Zeitdokumente der DDR jener Jahre lesen kann, so auch dieses 1963 erschienene Kinderbuch des Schriftstellerehepaars Gerhard und Christiane Vogel.

Erzählt wird die Geschichte der beiden befreundeten Zweitklässler Udo und Werner alias Blase und Bläschen. Diese leben in einem für die Jahre kurz nach der Zwangskollektivierung typischen Dorf der DDR und vertreiben sich die Zeit mit frechen Streichen. In den normalen Alltag platzt im April 1961 die Nachricht über Juri Gagarins ersten Weltraumflug. Der großsprecherische Blase ist sofort Feuer und Flamme und will selbstverständlich auch Kosmonaut werden. Doch erst einmal muss er seinen skeptischen Freund von der Notwendigkeit seiner außergewöhnlichen Trainingsmethoden überzeugen...

Die Euphorie, die gerade den Ostblock nach Gagarins Flug erfasste, kann man heute kaum noch nachvollziehen, ansatzweise ist sie aber in diesem Buch zu erahnen. Somit vermengen sich hier Kinderstreiche nach Art der Lausbubengeschichten mit realem geschichtlichen Hintergrund. Ein gewisser moralischer Zeigefinger ist dabei jederzeit zu bemerken, denn das sozialistische Erziehungsideal wirkt selbstverständlich umgehend auf alle Aktivitäten der beiden Neunjährigen ein. Dies wirkt aus heutiger Sicht etwas fremd, ebenso wie Begriffe und Einrichtungen, die schon zu meiner Kinderzeit - etwa 15 Jahre später - überholt waren, wie die Maschinen- bzw. Reparaturtechnischen Stationen (MTS und RTS) auf dem Land. Auch die im Buch noch zahlreich vorkommenden Maikäfer dürfte heutzutage nur noch selten jemand zu Gesicht bekommen.

Dies alles sollte man bei der Lektüre im Hinterkopf behalten, was aber nicht davon abhalten kann, dass "Blase und Bläschen" auch noch nach fast fünf Jahrzehnten zu unterhalten weiß. 1968 erschien mit "Feuer, Wasser und Wolkenbruch" eine weitere Geschichte um die beiden Jungen.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 13. September 2010

Bärbel Bohley & Claude Chabrol †

(Foto: faz.net)

Durch den ganzen Studiumstrubel der letzten Tage muss ich an dieser Stelle noch zwei Todesfälle nachtragen. Dies betrifft zum einen die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die erst in den Wendetagen als Mitinitiatorin des "Neuen Forums" in meinen persönlichen Focus rückte. Wenn man das Anliegen der damaligen Aktivisten mit den dann tatsächlich erfolgten geschichtlichen Entwicklungen vergleicht, kann man schon verstehen, dass Frau Bohley sich aus der Öffentlichkeit zurückzog und sich unter anderem auf dem Balkan engagierte. Am 11.09. ist die Malerin im Alter von 65 Jahren einem Lungenkrebsleiden erlegen.

(Foto: SPIEGEL.de)

Einen Tag später verstarb im Alter von 80 Jahren einer der wohl wichtigsten europäischen Regisseure der letzten Jahrzehnte und einflussreiche Vertreter der Nouvelle Vague, der Franzose Claude Chabrol. Ich müsste mal wieder ein wenig in den alten Filmen kramen...

Mittwoch, 25. August 2010

Soundtrack Of My Life (019): Herman van Veen - Und er geht und er singt (1983)

Der Zusammenbruch der DDR hatte auch auf mein Berufsleben einige Auswirkungen. Ich steckte damals noch mitten in meiner Lehre zum Elektronikfacharbeiter mit Abitur und aus der im letzten Lehrjahr angedachten praktischen Ausbildung in meinem lokalen Einstellungsbetrieb wurde ein mangels vorhandener Arbeit tage- und wochenlanges Rumgammeln. In diesem chaotischen Zeitraum der Jahre 1990/91 wurde auch die firmeneigene Bibliothek aufgelöst und die vorhandenen Bestände für eine symbolische DM pro Stück verschleudert. So hatten wir drei damals noch Lehrlinge genannte Azubis mangels anderer Tätigkeit ausgiebigst Gelegenheit, in den Büchern, Zeitschriften und Tonträgern zu stöbern und so manche früher im freien Handel nicht erhältliche Rarität für einen Spottpreis zu abzuschleppen.

Mein damaliger Internatszimmergenosse, heutiger Arbeitskollege und immer noch bester Freund J. hatte anscheinend den Kapitalismus am schnellsten begriffen und deckte sich vor allem mit ganzen Stapeln von Lizenzausgaben westlicher Schallplatten ein. Sonderlich wählerisch ging er dabei nicht zu Werke. Ob Schlager oder Uralt-Rock ’n’ Roll-Heuler - immer her damit! Auf meine verständnislose Frage "Was willste denn mit all dem Scheiß?" erntete ich nur ein wissendes Lächeln. Keine Woche später eröffnete mein umtriebiger Mitbewohner in unserem Lehrlingswohnheim in Radeberg eine ganz private Plattenbörse. Mit ordentlichem Aufpreis versehen, gingen die besten Stücke ruck-zuck weg, Ladenhüter schmälerten den Gewinn nur unerheblich.

Der unverkäufliche Rest wurde in vielen gemeinsam durchgefeierten Stunden im privaten Kreis genossen und so kam mir in einer wohl doch sehr sentimentalen Nacht "Und er geht und er singt" des auch im Osten hochgeschätzten und mehrfach gastierenden Niederländers Herman van Veen unter die Finger. Wenn zwei junge Männer das fast in Endlosschleife hören und sich anschließend halb heulend in den Armen liegen, muss das wohl etwas ganz Besonderes anrühren und in sehr emotionalen Momenten krame ich den Song heute noch hervor. Danke Mijnheer van Veen für diese Erfahrung...

Dienstag, 24. August 2010

Lothar Loewe †

(Foto: Wikipedia)

Auch wenn die Ausweisung des ehemaligen Ost-Berliner ARD-Korrespondenten Lothar Loewe durch die DDR-Oberen nach einem kritischen Tagesschau-Kommentar zum Grenzregime 1976 etwas vor meiner aktiven Fernsehzeit lag, habe ich später immer mal wiederholte Reportagen mit großem Interesse verfolgt. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, drehte er sogar einmal in meiner Heimatstadt. Ein sehr bewegtes Journalistenleben ist gestern im Alter von 81 Jahren zu Ende gegangen. R.I.P.

Montag, 16. August 2010

Nachtgedanken (095)

Eigentlich heute ein ähnlicher Anlass wie in der 94. Ausgabe. Ich habe mich in den letzten Tagen im Netz einige Male mit dem Freiheitsbegriff beschäftigen müssen. Sei es jetzt die Meinungs-, die Presse- oder ganz simpel die persönliche Freiheit. Mich erschreckt, welch geradezu diktatorischen Vorstellungen weit verbreitet sind, gepaart mit gefährlichem Halbwissen eine explosive Mischung. Also ein Hohelied auf die Freiheit, aufgeschrieben vom Österreicher Friedrich Halm (1806-1871):

Freiheit ist Liebe, Freiheit ist Recht,
Zum Menschen weiht und adelt sie den Knecht,
Bewaffnet steht sie an des Thrones Stufen,
Und Achtung dem Gesetz hört man sie rufen.
Achtung uns selbst und unsrer Menschenpflicht.
Wer sie verletzt, verdient die Freiheit nicht!

Donnerstag, 12. August 2010

Buch-Rezensionen (196): Wolfgang Held - ...auch ohne Gold und Lorbeerkranz (1983)

(Cover: Amazon.de)

Nach einem schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag wieder in das normale Leben zurückzufinden, dürfte zu den härtesten Prüfungen zählen, die einem Menschen auferlegt werden können. Schlimmer noch, wenn davon Kinder und Jugendliche getroffen werden. Von einem solchen Kampf um wieder zu erlangende Normalität erzählt dieses 1983 in der DDR erschienene Jugendbuch des Thüringer Autors Wolfgang Held.

Der zwölfjährige Sebastian, ein vielversprechender Nachwuchsturner, verliert bei einem Verkehrsunfall einen Teil seines linken Fußes. Mit diesem körperlichen Handicap scheint es unmöglich zu sein, den geliebten und bisher den Lebensmittelpunkt bildenden Sport weiter auszuüben. Denn auch wenn sein Trainer und die Freunde Koni, Eule, Heinz und Steffen aus seiner "Die Musketiere" genannten Turnriege an ihn glauben - wie soll er mit Schmerzen und einem halben Fuß die Anforderungen des Leistungssports erfüllen? Zumal ihn der erfolgssüchtige Sektionsleiter Waldemann aus dem Verein drängen will...

Auch wenn sich die fiktive "BSG Elektron Tannenthal" aufgrund ihrer Eigenschaft als sogenannte Betriebssportgemeinschaft nur auf einer unteren Hierarchiestufe des DDR-Sportsystems befindet, bekommt man in diesem Buch dennoch einen rechts guten Einblick in das Förder- und Leistungssystem des untergegangenen Staates. Der Unsympath Waldemann steht dabei symptomatisch für die verknöcherte Sportfunktionärskaste, denen für den auf die eigene Person abstrahlenden Erfolg kein Mittel und keine Intrige zu schade ist. Und auch wenn die sehr einfühlsam geschriebene Geschichte Sebastians im Vordergrund steht, kann man dennoch die knallharten Ausmaße des landestypischen Selektionsprinzips erahnen.

Ein gewisses Hintergrundwissen erleichtert die Lektüre des Buchs, muss man sich doch mit DDR-typischen Wortschöpfungen wie "Rollbrett" als Synonym für Skateboard auseinandersetzen. Die damals herausgegebene Altersempfehlung beträgt 12 Jahre, Leser dieses Jahrgangs dürften sich aber aufgrund des ihnen sehr fremden Szenarios und des für heutige Verhältnisse gemächlichen Erzähltempos langweilen. Daher aufgrund der gegebenen Einsichten in den ostdeutschen Alltag eher ein Lesetip für Erwachsene aus Ost und West.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 28. Juli 2010

Loveparade 2010

Ich habe mich hier bewusst in den letzten Tagen zum Thema Loveparade-Unglück in Duisburg mit nunmehr 21 Todesopfern zurückgehalten. Einerseits, weil einfach noch zu viele Fragen im Raum schweben, bei denen man die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft abwarten sollte, andererseits weil ich zunächst einmal mit meinen persönlichen Fragen und der eigenen Fassungslosigkeit klarkommen wollte. Die bisher für mich wichtigsten Links zum Thema möchte ich an dieser Stelle einmal zusammenfassen.

SPIEGEL TV-Reportage vom letzten Sonntag.

Kommentar von Michael Spreng zur Rolle und Zukunft des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland.

Versuch einer Ursachen-Rekonstruktion anhand von Augenzeugen-Videos.

Kommentar von Heribert Prantl in der "Süddeutschen Zeitung" zum Thema Schuld und Verantwortung.

Buch-Rezensionen (193): Dan Brown - Meteor (2001)

(Cover: Amazon.de)

Es ist für mich immer ein seltsames Gefühl, wenn ich einen Dan Brown-Roman beendet habe. Einerseits ärgert man sich, einmal mehr einen zum Teil vor lauter Klischees triefenden und scheinbar am Autoren-Reißbrett zusammengezimmerten Hightech-Thriller-Hokuspokus vor sich zu haben, andererseits stellt man aber verwundert fest, dass selbst den abstrusesten Plotschlenkern und aberwitzigen Cliffhangern noch eine gewisse Faszination innewohnt, die einen bei der Stange bleiben und nicht eher ruhen lässt, bis man den großen Showdown passiert hat.

"Meteor" (Originaltitel: "Deception Point") aus dem Jahr 2001 macht da keine Ausnahme. In Deutschland erst nach dem großen Erfolg von "Sakrileg/The Da Vinci Code" und "Illuminati" veröffentlicht, hält auch dieser Roman alle klassischen Brown-Zutaten bereit. Die Bösewichter sind halt böse und werden so aufdringlich als undurchsichtig-unverdächtig gezeichnet, dass man - sofern man schon vorher ein Buch des Amerikaners kennengelernt hat - zielgerichtet auf den die Strippen ziehenden Unhold tippen kann. Dazu kommen die zahlreichen Rechercheschnitzer - gerne mit künstlerischer Freiheit beschönigt - und Logiklöcher, die ein ums andere Mal für Verstimmung sorgen. Dass dennoch am Schluss eine unterhaltsame und nicht unspannende Handlung dabei herauskommt, ist Dan Browns eigentliche Kunst.

Dabei ist der Inhalt relativ knapp zusammenzufassen. Im arktischen Eis wird durch die krisengeschüttelte NASA, deren weitere Existenz im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf kontrovers diskutiert wird, ein Meteor mit scheinbar außerirdischen Lebensspuren entdeckt. Die offensichtliche wissenschaftliche Sensation entwickelt sich jedoch zu einem tödlichen Strudel, in dem Geheimdienste, Regierungsbeamte, Spezialeinheiten und die beiden Präsidentschaftskandidaten mit vorwiegend unsauberen Methoden mitmischen. Tödliche Methoden...

Das von Anne Moll ruhig und mit angenehmer Stimme gelesene Hörbuch bietet einen guten Kontrast zum teilweise atemlosen Plot. Die vom Autor zielgerichtet gesetzten Szenenwechsel, die den Leser/Hörer immer an einem gerade entscheidenden Handlungspunkt ungeduldig zurücklassen, verfehlen auch in der Hörversion ihre Wirkung nicht. Dennoch: eines von Browns schwächeren Werken, das auch von der guten Audiobook-Fassung nicht gerettet werden kann.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 21. Juli 2010

Luis Corvalán †

(Foto: Wikipedia)

Die heutige Nachricht vom Tode Luis Corvaláns hat mich dann doch etwas überrascht, wusste ich doch gar nicht mehr, dass der ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chiles noch lebte. Ähnlich wie im Fall von Angela Davis war der südamerikanische Funktionär in der DDR sehr populär und mit der breit angelegten Solidaritätsaktion für seine Freilassung bin ich Mitte der 70er Jahre aufgewachsen. Somit ist heute auch ein Teil meiner Kindheit im Alter von 93 Jahren gestorben. Unabhängig von seinen politischen Positionen: möge er in Frieden ruhen.

Montag, 12. Juli 2010

Und nun ist es vorbei...

Irgendwie fällt man wie in ein großes Loch, wenn nach einem Monat mit fast täglichem Fußball plötzlich Feierabend ist. Nun gut, Spanien ist nach einem hässlichen Finale gegen die Niederlande neuer Weltmeister, Deutschland hat sich nach einem munteren 3:2 im Spiel um die "Goldene Ananas" achtbar aus dem Turnier verabschiedet. Thomas Müller ist sowohl Torschützenkönig als auch bester junger Spieler des Turniers und ganz besonders freut es mich, dass nicht etwa einer der auch nominierten Finalteilnehmer zum besten Spieler des Turniers gekrönt wurde, sondern der mich zu Begeisterungsstürmen hinreißende Diego Forlán aus Uruguay. Muss mal nach einem Trikot Ausschau halten...

Ansonsten sollte ich wohl den Beruf wechseln und mich gemeinsam mit Krake Paul im Sportwettengeschäft versuchen. Schließlich lautete mein vor der WM in der Firma getippter Einlauf 1. Spanien, 2. Niederlande, 3. Deutschland und 4. Mexiko.

Und auf der Nekrolog-Liste muss ich noch drei Nachträge erledigen: den Schweizer "Swatch"-Erfinder Nicolas Hayek (82, † 28. 06.), den österreichischen Dauergast im DDR-Fernsehen, Lolita (79, † 30. 06.), und den altlinken Anarcho-Rebellen Fritz Teufel (67, † 06.07.).

Montag, 7. Juni 2010

Buch-Rezensionen (190): Ann-Charlott Settgast - Zirkuskinder (1959)

(Cover: Amazon.de)

Dieses noch vor dem Bau der Berliner Mauer erschienene Kinderbuch der 1988 verstorbenen Mecklenburger Schriftstellerin Ann-Charlott Settgast ist ein gutes Beispiel dafür, wie in einer für sich doch recht spannenden und unterhaltsamen Handlung ganz DDR-typisch der erhobene Zeigefinger dauerpräsent und ideologische Einflussnahme allgegenwärtig ist. Das macht das Buch zu einem trotzdem lesenswerten Zeitdokument.

Erzählt wird die Geschichte des zwölfjährigen Waisenjungen Fritz, genannt Fiete, und seiner jüngeren Schwester Susi. Diese werden von ihrem Onkel, der in einem Zirkus als Dompteur arbeitet, zu sich genommen. Besonders der aufschneiderische Fiete ist in der neuen abenteuerlichen Umgebung ganz in seinem Element, prahlt er doch schon bald gegenüber einem Zeitungsreporter mit seiner unmittelbar bevorstehenden Karriere als großer Dressurstar. Die zehnjährige Susi hingegen fühlt sich im Zirkus ganz und gar nicht wohl und wird aufgrund eines missverstandenen Scherzes ihres Onkels von Zukunftsängsten geplagt. Und auch wenn sich die beiden schnell mit den anderen Zirkuskindern anfreunden, bringt sich Fiete mit seiner großen Klappe mehr als einmal in Teufels Küche, während die heimwehgeplagte Susi still vor sich hin leidet.

Eine zentrale Figur des Buches ist der dreizehnjährige Bruno, genannt Bumm. Auf den ohne Vater aufwachsenden Sohn der Bärendompteuse wird praktisch alles an negativen Eigenschaften projiziert, was das damalige DDR-Gesellschaftsbild so hergab. In den Illustrationen von Hans Wiegandt unsympathisch mit Schiebermütze und Ganovenoutfit gezeichnet, kein Mitglied bei den Pionieren, grob und unkameradschaftlich gegenüber den anderen Kindern und darüber hinaus noch ein Fan von westlichen Groschenromanen, hier mit dem schon seit der Zeit der Weimarer Republik verwendeten Kampfbegriff "Schund- und Schmutzliteratur" versehen. Als dann auch noch drei Rhesusaffen aus dem Zirkus gestohlen werden, fällt daher der Verdacht logischerweise schnell auf Bumm, der zu allem Überfluss auch noch Richtung Westen verschwindet...

Natürlich wird am Ende alles zur allseitigen Zufriedenheit gelöst und auch Bumm, frisch bekehrt und geläutert, wird als neuer Pionier in die sozialistische Gemeinschaft der Zirkuskinder aufgenommen. Das wirkt aus heutiger Sicht sehr klischeehaft, da hier wirklich alle Stereotype der Zeit Verwendung finden. Ein typisches Buch der 50er Jahre und deren Moralvorstellungen, die sich vor allem an der Wandlung der Figuren Bumm und Fiete manifestieren, sowie ein Kinderroman mit vielen heute sehr fremdartigen Dingen wie Kinowochenschau oder ein Zirkusgastspiel als tagelanges gesellschaftliches Hauptereignis der Stadt. Diese Zeiten sind wahrlich lange vorbei. Dennoch: durchaus immer noch als lesenswert zu betrachten, interessierte Kinder (die landestypische Altersempfehlung nennt eine geeignetes Lesealter ab 11 Jahren) sollten aber die eine oder andere erklärende Anmerkung von Erwachsenen mit auf den Weg bekommen.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 31. Mai 2010

Tschüß, Horst!

Für eine ausführliche Analyse des Eurovision Song Contests brauch ich noch eine Weile, aber es sollen ja noch andere wichtige Dinge in der Weltgeschichte passieren...

Bundespräsident Horst Köhler ist heute zurückgetreten, als erster Amtsinhaber überhaupt. Den angegebene Grund - seine missverständlichen Äußerungen über den deutschen Afghanistan-Einsatz - halte ich für vorgeschoben. In den letzten Wochen hat man über massive Personalquerelen im Schloss Bellevue gelesen, vielleicht haben diese und andere, nichtöffentliche Faktoren eine Rolle gespielt. Für mich wirkt das wie eine willkommene Gelegenheit zur Flucht, wie das schon Gregor Gysi 2002 beim Abgang aus dem Amt des Berliner Wirtschaftssenators handhabte. Die Pressestimmen sind daher auch teilweise sehr harsch, hier stellvertretend zwei Kommentare aus der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung.

Donnerstag, 20. Mai 2010

CD-Rezensionen (189): Dance Aid - Do They Know It's Christmas? (Rave The World) (MCD) (1994)

(Cover: Amazon.de)

So sicher wie in das Amen in der Kirche ist die jährliche Dauerrotations-Beschallung zur Adventszeit mit den unvermeidlichen Weihnachtsheulern "Last Christmas" von Wham! und "Do They Know It's Christmas?" des von Midge Ure und Bob Geldof 1984 angesichts der Hungerkatastrophe in Äthiopien ins Leben gerufenen Benefiz-Projekts Band Aid. Auch wenn beide Songs in den über 25 Jahren inzwischen deutlich Patina angesetzt haben, kann ich sie persönlich immer noch problemlos und gern zu gegebener Zeit hören. Anders sieht es mit dieser von der heutigen Gattin in die Beziehung gebrachten Maxi-CD aus.

Wozu also ein Bumm-Bumm-Dance-Aufguss? Anno 1994 griffen sich zum 10jährigen Jubiläums des Songs die damals führenden Produzenten- und Technoprojekte Deutschlands die bekannte Melodie, drehten den Geschwindigkeits- und BpM-Regler ordentlich nach oben, fügten ein paar zum Teil arg schwachbrüstige Vocals hinzu und packten alles in den damals vorherrschenden Happysound - fertig. Musikalisch ist das so notwendig wie ein Kropf, ohnehin wirkt das Ganze wie ein fix zusammengeschluderter Schnellschuss. Ausgewiesen sind auf der insgesamt 14 Minuten langen CD nur zwei Tracks (Radio und Rave Mix), als Extra ist aber noch eine A cappella-Version dreingegeben, die allerdings besonders schlampig produziert wirkt, hört man doch auf den Aufnahmen der teilweise erschreckend dünnen und tonunsicheren Stimmen recht deutlich die Sounds aus den Kopfhörern der Gesangsakrobaten.

Einen Extrapunkt gibt es für den guten Zweck, flossen doch alle Einnahmen des in meiner Erinnerung nicht sonderlich von Chartserfolg gekrönten Projekts der Deutschen Welthungerhilfe zu. Na immerhin...

Bewertung: 2 von 5