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Sonntag, 24. Oktober 2010

Ein mieses Wochenende

"Es gibt Tage, da bleibt man besser im Bett". Dies ist keine besonders neue Weisheit. Aber wenn ich nun auf dieses ausklingende Wochenende zurückschaue, muss ich dem unbekannten Verfasser dieses Satzes sehr recht geben. Gestern wieder 4.45 Uhr aufstehen, um die sechste Frühschicht abzureißen, nach einer kurzen Pause der eigentlich zur Entspannung geplante Besuch eines hier stattfindenden Box-Events mit dem besten Freund. Die sportliche Qualität - gerade des Hauptkampfs - war allenfalls mäßig, zu allem Überfluss bemerkte ich auf dem Heimweg noch den Verlust meines Handys. Die sofortige Umkehr und Suche vor Ort verlief natürlich ergebnislos, das Ding wird sicherlich in den nächsten Tagen bei Ebay auftauchen. Auch wenn das Teil nicht sehr neu war und die SIM-Karte sofort gesperrt wurde, ärgert mich das doch, gerade weil Fotos von Sohnemann drauf sind.

Natürlich hat man an dem Abend ein, zwei (vielleicht auch drei) Bier getrunken, aber muss man deswegen gleich am Tag danach verkatert sein? Früher hat man ganze Nächte durchgefeiert und war trotzdem morgens einigermaßen fit. Man wird wohl wirklich alt... Dummerweise hatte ich meinem alten Herrn noch die Mithilfe bei ein paar Umräum- und Transportarbeiten zugesagt - mit Kopfschmerzen wirklich eine tolle Erfahrung! Dazu scheiterte am Mittag noch die Ersteigerung zweier Bücher im Netz, langsam sollte ich wohl besser mal ins Bett gehen, bevor noch mehr gegen die Wand läuft. Morgen aufgrund einer Weiterbildungsmaßnahme nochmal früh raus - mir reichts!

Montag, 20. September 2010

DVD-Rezensionen (201): EM-Klassikersammlung, Ausgabe 01 - Viertelfinale (Hinspiel) 1972 England - BR Deutschland (1:3) (2008)

(Cover: Amazon.de)

Analog zu der zwei Jahre zuvor erschienen WM-Klassikersammlung veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 eine 40 Ausgaben umfassende Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei europäischen Turnieren sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Der Auftakt der Edition enthält eines der legendenumwobensten Länderspiele der deutschen Fußball-Geschichte. Glücklicherweise räumt das Begleitheft mit so manchem Mythos auf, denn entgegen der existierenden landläufigen Meinung spielte man den Gegner eben nicht an die Wand, wovon weite Teile der zweiten Halbzeit mit wild anstürmenden Engländern zeugen. Dennoch wohnt man einem der besten Partien der DFB-Auswahl bei, nicht umsonst wurde die 72er-Mannschaft, die später auch den Europameistertitel holen sollte, als bestes deutsches Team aller Zeiten bejubelt. Auch wenn solche Vergleiche angesichts der permanenten Weiterentwicklung des Sports freilich hinken - es ist durchaus etwas dran!

Zunächst die bemerkenswerten Fakten: Der erste Sieg in Wembley gegen zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren auf heimischen Boden ungeschlagene Engländer hat sicherlich eine historische Würdigung verdient. Dazu Günter Netzers bestes Spiel im (hier einmal grünen) Nationaltrikot, Uli Hoeneß und Paul Breitner als jeweils 20jährige Jungspunde oder der damals in der Regionalliga spielende Siggi Held als zweimaliger Tor-Vorbereiter. Trotzdem: sicher war der Sieg trotz der langen Führung nicht. Dem Strafstoß zum 2:1 ging beispielsweise eine krasse Fehlentscheidung des französischen Schiedsrichters Robert Héliès voraus. Zwar wurde Held offensichtlich von Englands "Sportler des Jahrhunderts" Bobby Moore gefoult, dies jedoch so klar vor der Strafraumgrenze, dass man den von Netzer mit viel Glück verwandelten Elfmeter durchaus als Geschenk ansehen kann. Müller machte anschließend mit einem für ihn wahrlich typischen Tor aus der Drehung den Deckel zu.

Vieles an diesem Spiel wirkt aus heutiger Sicht wie aus einer anderen Welt. Das fängt beim für aktuelle Zustände geradezu gemächlichen Spieltempo an, geht über absurde Frisuren- und Trainingsanzugmode bis hin zum Kommentar Werner Schneiders, der praktisch jeden Ballkontakt mit dem entsprechenden Spielernamen begleitet. Dazu noch der damalige EM-Modus mit Hin- und Rückspiel sowie die heute eher albern wirkenden "Deutschland vor, noch ein Tor!"-Sprechchöre von den Rängen - ja, die Zeiten haben sich wirklich geändert...

Dass man mit dieser DVD ein feines Stück Sportgeschichte in den Händen hält, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Bildqualität allenfalls mäßig ist. Das Grün des Rasens flimmert unnatürlich und augenmalträtierend, die Digitalisierung des Ausgangsmaterials ist durch die deutlich sichtbaren Artefakte wenig sorgfältig ausgeführt worden. Zudem wird schon bei der ersten Folge der Reihe ein Manko der gesamten EM-Edition offensichtlich: Das die WM-Sammlung so interessant machende zusätzliche Material (Interviews, Vorberichte, Halbzeitanalysen etc.) fehlt hier praktisch auf jeder DVD, auf einigen gibt es geradezu eine böse Überraschung, doch dazu an entsprechender Stelle mehr...

Bewertung: 4 von 5

Montag, 30. August 2010

DVD-Rezensionen (199): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 37 - Kleines Finale 2006 BR Deutschland - Portugal (3:1) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Mit dieser DVD endet die WM-Klassikersammlung und um es vorneweg zu sagen: Die Reihe hätte keinen besseren Abschluss finden können. Die das "Sommermärchen" beendende Partie gerät gleichzeitig zur Party und beinhaltet eine ganze Reihe emotionaler Momente, ergreifender Abschiede und stimmungsvoller Eindrücke und das nicht nur auf dem Rasen. Doch hübsch der Reihe nach.

Da wäre zum einen der sportliche Aspekt. Wie die oftmals als "Spiel um die Goldene Ananas" verschrieenen Matches um den 3. Platz einer Weltmeisterschaft bei früheren und auch späteren Turnieren gezeigt haben, bieten sie im Regelfall einen deutlich höheren Unterhaltungswert als die völlig verkrampften und bisweilen richtig hässlichen Finalspiele. So auch hier. Beide Mannschaften hatten den Ehrgeiz, sich mit erhobenem Haupt aus dem Turnier zu verabschieden und gaben - allen Umstellungen im Kader zu Trotz - ihr Bestes. Hatte Portugal in der ersten Hälfte noch mehr vom Spiel, mutierte die Begegnung in der zweiten Hälfte zur One-Man-Show von Bastian Schweinsteiger. Zwei praktisch identische Tore und ein halbes (Eigentor von Petit) führten zu einem bejubelten 3:1 Sieg und einem versöhnlichen Ende nach dem Schock des Ausscheidens im Halbfinale. Besonderen Schwung erhält das Ganze durch ein nimmermüdes und frenetisches Publikum im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion, das von Sprechchören für einzelne Spieler über trotzige, das verpasste Finale kommentierende Gesänge wie "Stuttgart ist viel schöner als Berlin" bis zu begeistertem Getöse alles auffährt, was das Fan-Arsenal so hergibt. Besonders anrührend hierbei die feiernden Rufe für den fantastisch agierenden Oliver Kahn (bemerkenswert insbesondere angesichts seiner immer polarisierenden Person in der Vergangenheit) und den ebenfalls sein letztes Länderspiel bestreitenden Luís Figo auf portugiesischer Seite. Ein ganzes Stadion steht für einen Abschied nehmenden Spieler der gegnerisches Mannschaft auf - solche Gesten werden neben vielen anderen Eindrücken die WM 2006 für mich unvergesslich machen.

Die ganz großen Gefühle kommen nach Abpfiff zum Vorschein. Keiner mag nach Hause gehen, die Zuschauer feiern das Team und sich noch lange nach der Ehrung des dritten Platzes, genießen Feuerwerk und Ehrenrunden und zeigen auf unzähligen mit viel Liebe gebastelten Transparenten ihre Verbundenheit zum Team. Tenor hierbei: "Klinsi bleib!", eine Meinung, die ich damals auch inbrünstig vertrat. Andere wollten einfach nur "Danke" sagen für das unglaubliche Erlebnis in jenem Sommer. Kommentator Béla Réthy hatte wohl recht, als er meinte, dass der Kater im Land nach dieser Riesenparty namens Weltmeisterschaft wohl gigantisch werden wird. Mit seiner persönlichen Einschätzung, dass der Bundestrainer weitermachen würde, lag er allerdings - wie man heute weiß - gründlich daneben. Ich gebe zu, dass mir aufgrund der Wucht der Eindrücke an jenem Abend die Augen feucht wurden und noch immer berührt mich die ganze Szenerie sehr.

Auch ansonsten bietet diese letzte Folge volles Programm. Kurzanalyse in der Halbzeit mit Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier sowie ein Interview mit Michael Schumacher, nach der Partie Interviews mit Oliver Kahn, Jens Nowotny und Joachim Löw. Bei der Siegerehrung ein mit versteinertem Blick (er muss seine von ihm offen zugegebene Abneigung gegen die Deutschen ja nicht bei jeder Gelegenheit zeigen) in den Innenraum stapfender und vom Publikum mit "Allez, les Bleus!" begrüßter UEFA-Präsident Michel Platini, ein mit ohrenbetäubendem Jubel gefeierter Organisationskomitee-Chef Franz Beckenbauer und ein gnadenlos ausgepfiffener Gerhard Mayer-Vorfelder - neben Christiano Ronaldo die einzige Person im Stadion, der offene Ablehnung entgegenschlägt. Selbst die Jürgen Klinsmann herzende Kanzlerin wird da deutlich gnädiger empfangen. Neben dem vielfältig geäußerten Wunsch über die Fortsetzung der Bundestrainertätigkeit wird noch ein anderer Plakatspruch unerfüllt bleiben: "Sönke Wortmann, schenk uns einen tollen Fußballfilm!" Aber das ist eine andere Geschichte...

Fazit: Satte 140 Minuten pure Emotion - volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 17. August 2010

DVD-Rezensionen (197): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 36 - Halbfinale 2006 BR Deutschland - Italien (0:2 n.V.) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Ich gebe zu, dass ich erst weit über ein Jahr nach Erhalt dieser DVD in der Lage war, mir diese anzuschauen. Zu tief saß noch der Schock des 04. Juli 2006 in Dortmund. Ich kann mich an praktisch keine Fußball-Niederlage erinnern, die mich emotional dermaßen aufgewühlt hat wie das Halbfinal-Aus beim Turnier im eigenen Land. Über die Gründe für meine Scheu kann ich nach wie vor nur spekulieren. Wahrscheinlich kamen gleich mehrere Faktoren zusammen. Die Medienschlacht im Vorfeld nach der aus den Tumulten im Argentinienspiel resutierenden Sperre von Torsten Frings, deren Initiierung eine breite Öffentlichkeit bei italienischen Medien verortete und die kurzzeitig das WM-Motto "Zu Gast bei Freunden" außer Kraft setzte. Oder der mehr als unglückliche Zeitpunkt des ersten italienischen Tores durch Fabio Grosso, nur wenige Momente vor dem Elfmeterschießen. Vielleicht aber auch das eine oder andere Ereignis des italienischen Wegs ins Viertelfinale, sei es der unglaublich herausgeschundene Elfmeter gegen Australien im Achtelfinale oder De Rossis (mit Rot geahndeter) eine blutige Platzwunde hervorrufende Ellenbogencheck gegen Brian McBride (USA) in der Vorrunde.

Schaut man sich das Spiel allerdings heute noch einmal mit einigem Abstand und etwas emotionsloser an, werden einige Dinge sichtbar. Hier trafen sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe zum wahrscheinlich besten Spiel des Turniers. Italien und vor allem seinem Coach Marcello Lippi darf man attestieren, entschlossener agiert zu haben. Während sich das DFB-Team schon auf die Entscheidung vom Punkt einzustellen schien und beim 0:1 (zu dessen Vorbereitung Pirlo in aller Seelenruhe die deutsche Strafraumgrenze ablaufen durfte, um dann den tödlichen Pass zu spielen) geistig regelrecht abwesend wirkte, drängten die Azzurri noch unablässig auf das Tor und spielten gegen Ende der Verlängerung mit drei Stürmern. Von den zwei Treffern an Pfosten und Latte innerhalb von 60 Sekunden unmittelbar nach Anpfiff der Extrazeit ganz zu schweigen. Das muss man einfach als fairer Sportsmann anerkennen. Deutschland hatte durch Schneider und Podolski Riesenchancen. Keine Tore - kein Sieg.

Das Bild der DVD ist etwas besser als das grauslige Gepixel der vorangegangenen Ausgabe. Neben dem Spiel gibt es noch eine kurze Halbzeitanalyse mit Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier sowie nach dem Spiel ein Interview mit Miroslav Klose. Macht insgesamt etwa 160 Minuten Inhalt.

Bewertung: 5 von 5

Donnerstag, 12. August 2010

Buch-Rezensionen (196): Wolfgang Held - ...auch ohne Gold und Lorbeerkranz (1983)

(Cover: Amazon.de)

Nach einem schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag wieder in das normale Leben zurückzufinden, dürfte zu den härtesten Prüfungen zählen, die einem Menschen auferlegt werden können. Schlimmer noch, wenn davon Kinder und Jugendliche getroffen werden. Von einem solchen Kampf um wieder zu erlangende Normalität erzählt dieses 1983 in der DDR erschienene Jugendbuch des Thüringer Autors Wolfgang Held.

Der zwölfjährige Sebastian, ein vielversprechender Nachwuchsturner, verliert bei einem Verkehrsunfall einen Teil seines linken Fußes. Mit diesem körperlichen Handicap scheint es unmöglich zu sein, den geliebten und bisher den Lebensmittelpunkt bildenden Sport weiter auszuüben. Denn auch wenn sein Trainer und die Freunde Koni, Eule, Heinz und Steffen aus seiner "Die Musketiere" genannten Turnriege an ihn glauben - wie soll er mit Schmerzen und einem halben Fuß die Anforderungen des Leistungssports erfüllen? Zumal ihn der erfolgssüchtige Sektionsleiter Waldemann aus dem Verein drängen will...

Auch wenn sich die fiktive "BSG Elektron Tannenthal" aufgrund ihrer Eigenschaft als sogenannte Betriebssportgemeinschaft nur auf einer unteren Hierarchiestufe des DDR-Sportsystems befindet, bekommt man in diesem Buch dennoch einen rechts guten Einblick in das Förder- und Leistungssystem des untergegangenen Staates. Der Unsympath Waldemann steht dabei symptomatisch für die verknöcherte Sportfunktionärskaste, denen für den auf die eigene Person abstrahlenden Erfolg kein Mittel und keine Intrige zu schade ist. Und auch wenn die sehr einfühlsam geschriebene Geschichte Sebastians im Vordergrund steht, kann man dennoch die knallharten Ausmaße des landestypischen Selektionsprinzips erahnen.

Ein gewisses Hintergrundwissen erleichtert die Lektüre des Buchs, muss man sich doch mit DDR-typischen Wortschöpfungen wie "Rollbrett" als Synonym für Skateboard auseinandersetzen. Die damals herausgegebene Altersempfehlung beträgt 12 Jahre, Leser dieses Jahrgangs dürften sich aber aufgrund des ihnen sehr fremden Szenarios und des für heutige Verhältnisse gemächlichen Erzähltempos langweilen. Daher aufgrund der gegebenen Einsichten in den ostdeutschen Alltag eher ein Lesetip für Erwachsene aus Ost und West.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 28. Juli 2010

Theo Albrecht & Karl-Heinz Wildmoser †

(Foto: tagesschau.de)

Der Tod gleich zweier Patriarchen ist heute bekannt geworden. Bereits am letzten Samstag verstarb mit Theo Albrecht 88jährig einer der beiden Gründer des Discountkette ALDI. Der äußerst zurückgezogen lebende Albrecht galt mit seinem älteren Bruder Karl als die reichsten Deutschen. Auch wenn ich dem Unternehmen und seiner Firmenphilosophie nicht sonderlich zugeneigt bin und meine Einkäufe anderswo erledige - vor der unternehmerischen Leistung sollte man durchaus Respekt haben.

(Foto: tagesschau.de)

Auch der Münchener Unternehmer Karl-Heinz Wildmoser hat eine ganze Ära geprägt, wenn auch sein Wirken für den von ihm 12 Jahre als Präsident beherrschten Fußballclub TSV 1860 München nicht immer segensreich war. Dennoch, ein immer unterhaltsames und umstrittenes bayerisches Original, das heute im Alter von 71 Jahren verstorben ist.

Montag, 26. Juli 2010

DVD-Rezensionen (193): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 35 - Viertelfinale 2006 BR Deutschland - Argentinien (5:3 n.E.) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Wie man aus den Erfahrungen des WM-Jahres 2010 weiß - Geschichte wiederholt sich. Denn wie in Südafrika kreuzten sich vier Jahre zuvor im Viertelfinale die Wege des deutschenTeams und Argentiniens, wobei letzteres zuvor - auch genau wie 2010 - die Mannschaft Mexikos aus dem Weg geräumt hatte. 2006 gingen die "Albiceleste" sicherlich noch mit einem größeren Favoritenrucksack ins Rennen, hatte man doch in der Vorrunde brilliert und mit genialen Spielzügen unter anderem die Mannschaft Serbien-Montenegros mit 6:0 auseinandergenommen.

Nach der durchgehend gewonnenen Vorrunde und dem souverän bestrittenen Achtelfinale gegen Schweden somit der erste richtig schwere Brocken für das deutsche Team. Gerade die erste Halbzeit macht im Rückblick deutlich, mit welchen Problemen man gegen die auch in den Verteidigerreihen offensivstarken Südamerikaner hatte. Daher ist es nur fair, einmal auf die besondere Rolle David Odonkors in diesem Spiel hinzuweisen. Oftmals als "One Trick Pony" verspottet und beim Rückblick auf dieses Turnier einzig und allein auf seine Vorlage beim in letzter Minute gewonnen Vorrundenspiel gegen Polen reduziert, band er nach seiner Einwechslung mit seinen Tempoläufen auf der rechten Seite wirkungsvoll den in Durchgang eins immer wieder nach vorn stürmenden Juan Pablo Sorín und sorgte somit für eine spürbare Entlastung.

Dennoch: alles andere als ein leichtes Stück Arbeit. Man geriet erstmals bei diesem Turnier in Rückstand und profitierte darüber hinaus noch von der verletzungsbedingten Auswechslung des argentinischen Stammtorwarts Abbondanzieri, der mit dem viel zu ungestümen Miroslav Klose zusammenprallte. Ersatzkeeper Leo Franco sah weder bei Kloses Ausgleichstreffer 10 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit sonderlich glücklich aus, noch hatte er eine nennenswerte Chance beim entscheidenden Elfmeterschießen. Und das Trainer José Pekerman bei einem derartig knappen Vorsprung mit Riquelme den wichtigsten Mann aus dem Spiel nahm, darf als einer der folgenreichsten taktischen Fehler dieses Turniers gelten.

Das Nervenspiel vom Punkt bildete sicherlich in vielerlei Hinsicht den Höhepunkt des Spiels im Berliner Olympiastadion. Neben dem sportlichen Duell bildete ein schnöde bekritzelter Zettel mit dem Briefkopf des "Schlosshotels im Grunewald" den zentralen Aufreger. Immer wieder von Torwart Jens Lehmann demonstrativ aus dem Stutzen gekramt und eingehend studiert, wurde erst im Nachhinein der Inhalt - die Schuss-Vorlieben der argentinischen Schützen - bekannt. Allgemein stand der damalige Arsenal-Torhüter im Focus, die versöhnliche Shakehands-Szene mit Dauerrivale Oliver Kahn vor dem Elfmeterschießen wurde legendär. Dass die Nummer Eins noch gleich zwei Strafstöße hielt, passt zum Bild dieses Tages.

Das Nachspiel, in dem die frustierten Argentinier eine hässliche Rangelei auf dem Platz anzettelten samt der daraus resultierenden nachträglichen Sperre für Torsten Frings ist ob seiner Entstehung und seiner Folgen für das deutsche Team bis in jede Einzelheit analysiert worden. Fest steht, dass die DFB-Elf für das Halbfinale gegen Italien geschwächt wurde, der Einfluss des ausgerechnet italienischen Senders Sky Italia bei der Bekanntmachung der zur Beweisführung herangezogenen TV-Bilder ein gewisses "Gschmäckle" hatte und die Fifa bei der WM 2010 in puncto nachträgliche Bestrafung eine im Vergleich geradezu absurde Gleichgültigkeit an den Tag legte.

Sportlich vielleicht nicht die beste Partie des Turniers, sicherlich aber jedoch eines der dramatischsten. Positiv an dieser DVD: wie bei den anderen ARD-Mitschnitten der sieben angebotenen Spiele der WM 2006 beschränkt sich das Angebot nicht allein auf das Match, sondern in den deutlich über drei Stunden Material sind auch die Vorbetrachtungen und Halbzeitanalysen von Gerhard Delling und Günter Netzer, sowie Halbzeitinterviews mit Monica Lierhaus enthalten. Unterirdisch hingegen die Bildqualität, jede Menge störende Artefakte trüben den Sehgenuss doch ganz erheblich. Und über die Kommentier-Fähigkeiten von Reinhold Beckmann möge man den gnädigen Mantel des Schweigens legen...

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 20. Juli 2010

Ich bin erfreut...

Es hätte mich auch nicht erstaunt, wenn Joachim Löw wie weiland Jürgen Klinsmann trotz ernormer Popularitätswerte seinen Bundestrainerjob abgegeben hätte. Schließlich gab es in den letzten Tagen vernehmbares Maulen seitens des DFB zu vernehmen. Dass man sich jetzt doch noch auf eine Vertragsverlängerung bis 2012 geeinigt hat, erfreut mich außerordentlich!

Montag, 12. Juli 2010

Und nun ist es vorbei...

Irgendwie fällt man wie in ein großes Loch, wenn nach einem Monat mit fast täglichem Fußball plötzlich Feierabend ist. Nun gut, Spanien ist nach einem hässlichen Finale gegen die Niederlande neuer Weltmeister, Deutschland hat sich nach einem munteren 3:2 im Spiel um die "Goldene Ananas" achtbar aus dem Turnier verabschiedet. Thomas Müller ist sowohl Torschützenkönig als auch bester junger Spieler des Turniers und ganz besonders freut es mich, dass nicht etwa einer der auch nominierten Finalteilnehmer zum besten Spieler des Turniers gekrönt wurde, sondern der mich zu Begeisterungsstürmen hinreißende Diego Forlán aus Uruguay. Muss mal nach einem Trikot Ausschau halten...

Ansonsten sollte ich wohl den Beruf wechseln und mich gemeinsam mit Krake Paul im Sportwettengeschäft versuchen. Schließlich lautete mein vor der WM in der Firma getippter Einlauf 1. Spanien, 2. Niederlande, 3. Deutschland und 4. Mexiko.

Und auf der Nekrolog-Liste muss ich noch drei Nachträge erledigen: den Schweizer "Swatch"-Erfinder Nicolas Hayek (82, † 28. 06.), den österreichischen Dauergast im DDR-Fernsehen, Lolita (79, † 30. 06.), und den altlinken Anarcho-Rebellen Fritz Teufel (67, † 06.07.).

Donnerstag, 8. Juli 2010

Schade...

Spanien und die Niederlande bestreiten das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntag. Sowohl die von mir unterstützen Uruguayos als auch das deutsche Team verloren ihre Halbfinalpaarungen. Hielt Uruguay gegen die Holländer noch tapfer mit, war die DFB-Elf trotz der knappen Niederlage praktisch chancenlos, das Spiel wirkte wie eine exakte Kopie des EM-Finals 2008.

Trotzdem bin ich deutlich weniger geknickt als beim Ausscheiden 2006, vielleicht, weil es damals deutlich tragischer zuging. Das junge deutsche Team darf stolz auf seine erbrachte Turnierleistung sein und kann optimistisch in die Zukunft sehen, auch weil man sich den Respekt des Auslands erspielt hat. Auf ein Neues bei der EM 2012 und der WM 2014!

Es dürfte allerdings sehr schwer fallen, sich noch für das am Samstag stattfindende Spiel um Platz 3 zu motivieren. Während die Himmelblauen aus Uruguay bereits ihren Volksheldenstatus sicher haben und den jetzt noch steigern können, dürfte bei den Deutschen wirklich noch die Niederlage schwer in den Knochen sitzen. Mal sehen...

Für das Finale gelten meine Sympathien Spanien.

Montag, 5. Juli 2010

Heiße Zeiten

Es ist schon hart derzeit. Tropische Temperaturen, gekoppelt mit Arbeit und einer wie entfesselt aufspielenden Fußball-Nationalmannschaft - schräge Mischung! Derzeit läuft bei der WM alles nach meinen Wünschen. Die Brasilianer, die eher mit unfairen Aktionen als mit spielerischem Glanz aufwarteten und trotzdem wie gewohnt so etwas wie ein natürliches Vorrecht auf den Titel reklamierten, flogen gegen die Niederlande trotz Führung aus dem Turnier und der erst durch die Relegation gegen Costa Rica zur WM gekommene zweimalige Champion Uruguay besiegte in einem nervenzerfetzenden Spiel Ghana. Um dieses Spiel und die letzten Sekunden der Verlängerung entzündete sich eine bizarre Gerechtigkeits-Debatte, die wohl eher der künstlich aufgebauschten Bedeutung Ghanas als letztem Vertreter Afrikas geschuldet war. Dieser Blogeintrag stellt einmal alles wieder vom Kopf auf die Füße.

Nun also am Mittwoch Halbfinale gegen Europameister Spanien. Sicherlich wieder ein harter Gegner, aber ich traue den Bubis inzwischen alles zu. Und auch wenn sich viele das Traumfinale gegen die Niederlande wünschen - für mich heißt es morgen: ¡Vamos Uruguay!

Montag, 28. Juni 2010

Wieder im Alltagstrott

That's life. Gestern noch die Fußball-Megaparty, heute geht bei strahlendem Sonnenschein der schnöde Arbeitsalltag wieder los. Aber: ich bin immer noch ganz fix und foxi von den sonntäglichen WM-Ereignissen. Da war wirklich alles drin. Reden wir jetzt mal nicht weiter über Wembley und so einen Kram, sondern feiern einfach mal. 

Leider verabschiedeten sich gestern Abend "meine" Mexikaner gegen nicht restlos überzeugende Argentinier. Die ganze Absurdität und Schizophrenie des das Spiel auf den Kopf stellenden argentinischen Führungstreffers hat die "Süddeutsche Zeitung" in diesem Artikel sehr lesenswert auf den Punkt gebracht, der SPIEGEL äußert sich hier ähnlich. Bei aller Freude: gleich zwei so enorme Böcke an einem Tag sind wirklich unglaublich und skandalös!

Samstag, 26. Juni 2010

Rückmeldung

Ich bin jetzt zwar schon seit Mittwoch wieder im Lande, aber nach der 535 Kilometer-Rückfahrt plus dem nervenzerfetzenden Zittersieg der deutschen Elf gegen Ghana hatte ich wenig Lust, hier nochmal reinzuschauen, ebensowenig nach der ganzen Urlaubsnachbereitung inklusive (Schwieger)Elternbesuch und Wäschewahnsinn. Kurz was zur Statistik: 1380 gefahrene Kilometer plus etwa 560 geschossene Fotos die inklusive ausführlichem Bericht in den nächsten Tagen online gehen - falls mir König Fußball die Zeit dafür lässt.

Da man schonmal am Thema ist: "meine" Latinos mischen ja das Turnier mächtig auf, gerade Uruguay und Chile haben mich sehr positiv überrascht - gerne weiter so! Über den Schiedrichterwahnsinn, Vuvuzela-Terror und die strauchelndenen bzw. gefallenen großen Teams lasse ich mich jetzt mal nicht weiter aus, dies ist an kompetenterer Stelle bereits ausführlich diskutiert worden. Morgen nun aber Achtelfinale gegen England, wie man heute hört, gehen die Verletzungssorgen weiter, vielleicht ist aber die eine oder andere informationstechnische Nebelkerze dabei, wer weiß das schon. Da sich die "Three Lions" bei diesem Turnier auch noch nicht mit Ruhm bekleckert haben, bin ich trotz allem für das morgige Spiel optimistisch.

Noch ein paar Nachträge auf der Verstorbenenliste. In meiner Abwesenheit sind die Volkschauspielerin Heidi Kabel (95, † 15.06.), der einflussreiche österreichische Verleger Hans Dichand (89, † 17.06.), der Flugzeugentführer Mohammed Ali Hamadi (46, † 19.06.), der 2,32 Meter große Basketballspieler Manute Bol (47 ,† 19.06.), der italienische Teilnehmer am "Jahrhundertspiel", Roberto Rosato (66, † 20. 06.), der Schauspieler Frank Giering (38, † 23. 06.) und der Fußballtrainer Jörg Berger (65, † 23. 06.).

Freitag, 11. Juni 2010

Let the games begin!

Nun ist es also endlich soweit, der Ball in Südafrika rollt. Die Einträge dieses Blogs werden sich in den folgenden Wochen daher hauptsächlich um Fussball drehen.

Das Eröffnungsspiel ziwschen dem Gastgeber und Mexiko war zwar nicht so ein Fußballfest wie sein Pendant vor vier Jahren, aber ein spannendes Match war es allemal. Ich als erklärter Lateinamerikafan fieberte logischerweise mit der "Tri" und war doch mächtig niedergeschlagen, als nach den zahlreichen ungenutzen Chancen der ersten Halbzeit Südafrika durch ein Traumtor von Siphiwe Tshabalala in Führung ging. Aber durch den Ausgleich und das ebenfalls Unentschieden endende zweite Gruppenspiel stehen die Mexikaner (die ich immerhin auf Platz 4 des Turniers getippt habe) gar nicht mal so schlecht da.

Tja, das bereits erwähnte 0:0 zwischen Frankreich und Uruguay war wohl ein Spiel der Sorte, die man euphemistisch gerne mit der Floskel "für Taktikfreunde" umschreibt. Aus den gleichen Gründen wie bei Mexiko galt meine Sympathie den Südamerikanern, schade, dass man gegen schwache Franzosen die Chance nicht einfach beim Schopf packte, Gelegenheiten boten sich genügend.

Insgesamt ein mäßiger erster WM-Tag, morgen gibt es immerhin drei Partien. Von Südkorea gegen Griechenland verspreche ich mir nicht viel, anders sieht es bei Argentinien gegen Nigeria und England gegen die USA aus - ich bin gespannt!

Mittwoch, 26. Mai 2010

DVD-Rezensionen (190): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 34 - Achtelfinale 2006 BR Deutschland - Schweden (2:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Diese erste K.O.-Begegnung der deutschen Mannschaft bei der Heim-WM 2006 hat ein Vorspiel - das letzte Gruppenmatch gegen Ecuador (Ausgabe 33 der Edition). Dort wurde der in den Spielen zuvor formschwache Lukas Podolski solange mit Zuspielen gefüttert, bis ihm in der zweiten Halbzeit das erlösende Erfolgserlebnis gelang. Wie wichtig das Tor nach so langer Ladehemmung war, zeigte sich nun gegen Schweden, wo ein insgesamt wie entfesselt aufspielendes deutsches Team die hoffnungslos überforderten Schweden in den ersten 30 Minuten förmlich überrannte. Scheinbar mühelos zirkulierte der Ball durch die eigenen Reihen, um immer wieder gefährlich zu den Sturmspitzen Klose und Podolski zu gelangen. Ersterer bereitete unfreiwillig (Tor 1) bzw. genial (Tor 2) beide Treffer vor, zweiterer versenkte die Bälle unerbittlich im Tor. "Aktion Sorgenpoldi" (O-Ton Kommentator Béla Réthy) hatte wahrlich Wirkung gezeigt. Eine solch überzeugende Halbzeit sah man von der DFB-Elf erst wieder zwei Jahre später beim EM-Viertelfinalspiel gegen Portugal.

Nie hatte man den Eindruck, um den Sieg zittern zu müssen, nicht einmal beim meines Erachtens nach zu Unrecht gegebenen und von Henrik Larsson über die Latte gedonnerten Strafstoß. Die seit der 35. Minute dezimierten Schweden (die erste gelbe Karte gegen Lučić ging in Ordnung, gelb-rot für leichtes Trikotzupfen im Mittelfeld war hingegen sicherlich überzogen) enttäuschten nach ihrem großartigen letzten Gruppenspiel gegen England auf der ganzen Linie. Daher ist es auch unverständlich, warum das Begleitheft in der Kategorie "Helden des Tages" auf skandinavischer Seite Larsson, Freddie Ljungberg und den allgemein ein schwaches Turnier spielenden Sturm-Riesen Zlatan Ibrahimović benennt. Bester Schwede auf dem Platz war eindeutig Torhüter Andreas Isaksson, dem allein zu verdanken war, dass das Ergebnis nicht deutlicher ausfiel, da sich die deutsche Mannschaft in der zweiten Halbzeit weitestgehend darauf beschränkte, das Spiel zu kontrollieren.

Das galt allerdings nicht für den deutschen Kapitän. Michael Ballack, bei dieser WM defensiver ausgerichtet, versuchte hier mit aller Macht zum Torerfolg zu bekommen. Unaufhörlich bedrängte er das schwedische Tor mit Fernschüssen, allein der Pfosten und Isakson entschärften vier der neun Anläufe. Wie man heute weiß: es sollte im gesamten Turnierverlauf nicht klappen...

Schade an diesem ZDF-Mitschnitt, dass im Gegensatz zu den ARD-Pendants die Vorreportagen und Halbzeitanalysen entfernt wurden. So bekommt man einzig und allein noch die Anmoderation von Johannes B. Kerner und die Tips von Urs Meier und Jürgen Klopp geboten, wobei der damalige Mainzer und heutige Dortmunder Trainer mit seiner 2:0-Voraussage goldrichtig lag. Somit für den spartanischen Inhalt etwas Wertungs-Abzug.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 17. Mai 2010

Tragisch...

Es war zu erwarten, dass der seit heute feststehende WM-Ausfall Michael Ballacks nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng zu einem mächtigen Rauschen im deutschen Medienwald führen würde, aber das Ausmaß (z.B. hier) hat mich dann doch etwas überrascht. Querbeet werden in den Kommentarspalten teilweise erbitterte Diskussionen über die Absicht des Tritts geführt. Zumindestens aufgrund der Tatsache, dass Boateng möglicherweise im Kader des deutschen Vorrundengegners Ghana stehen wird, hat die Geschichte für mich eine gewisses Geschmäckle. Aber davon abgesehen: für den (mir eigentlich nicht sonderlich sympathischen) Kapitän des DFB-Teams tut es mir schon sehr leid, war dieses Championat wohl die letzte Chance, einen internationalen Titel zu gewinnen. Das Fussball-Magazin 11freunde liess sich sogar schon zu einer Art Karriere-Nachruf hinreißen. Ich hoffe jetzt sehr auf eine geschlossene Trotzreaktion der restlichen Mannschaft - auf geht's, Jungs!

Freitag, 23. April 2010

DVD-Rezensionen (187): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 33 - Vorrunde 2006 BR Deutschland - Ecuador (3:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Im Grunde genommen waren vor diesem abschließenden Gruppenspiel alle Messen gelesen - beide Teams hatten sich mit je zwei Siegen bereits für das Achtelfinale qualifiziert, einzig und allein die Entscheidung um den Gruppensieg stand noch an. Ein taktisches Spielen auf Ergebnis war nicht möglich, wurde doch der kommende Gegner erst am Abend jenes 20. Juni 2006 im Spiel Schweden gegen England ermittelt. So versuchte die deutsche Mannschaft mit einem Sieg dem drohenden Duell mit dem Erzrivalen England aus dem Weg zu gehen, der als Favorit für den Sieg in Gruppe B galt, während das den Ecuadorianern herzlich egal zu sein schien. Wie man heute weiß: alles richtig gemacht! Aber darüber hinaus gelang es dem DFB-Team, hier ein Stück nationale WM-Geschichte zu schreiben. Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft die Gruppenphase mit 3 Siegen auf dem Konto beenden können - nicht einmal den Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990 war das gelungen. Dass dies nun vor heimischem Publikum im Berliner Olympiastadion mehr als überzeugend glückte, darf als eines der elementaren Bestandteile des "Sommermärchens" angesehen werden.

Die in ihren beiden anderen Vorrundenspielen bärenstark agierenden Südamerikaner enttäuschten an diesem tropisch heißen Sommertag mit einer von Trainer Luis Fernando Suárez aufgestellten B-Elf weitestgehend und ließen somit eine Aufbaumaßnahme ganz besonderer Art zu. Der im bisherigen WM-Verlauf schwächelnde Lukas Podolski wurde solange permanent mit Vorlagen gefüttert, bis ihm schlußendlich der erlösende Torerfolg glückte. Ein für das nächste Spiel entscheidender Umstand, wie sich noch zeigen sollte...

Auch wenn die Bildqualität der DVD eher mäßig ist, bekommt man ein rundes Gesamtpaket. Vorbetrachtung, Halbzeit- und Nachanalyse mit Gerhard Delling und Günter Netzer, von Monica Lierhaus geführte Interviews Mit Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Miroslav Klose sowie ein Porträt des gegnerischen Teams vor dem Spiel. Dazu die großartige und stimmungsvolle Kulisse in Berlin bei strahlendem Sonnenschein - perfekt! Allerdings wird einmal mehr klar, warum Reinhold Beckmann alles andere als ein talentierter Fußballkommentator ist - soll er mal lieber bei seinen Talkshow-Leisten bleiben!

Insgesamt zweieinhalb Stunden WM-Feeling mit gutem, aber nicht wirklich hochklassigen Spiel und ordentlich Zusatzmaterial, da darf man getrost ein gepflegte Vierer-Wertung zücken.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 21. April 2010

Juan Antonio Samaranch †

(Foto: tagesschau.de)

Wie soll man ihn nun abschließend bewerten, den heute im Alter von 89 Jahren verstorbenen ehemaligen IOC-Chef Juan Antonio Samaranch? Fest steht wohl, dass er die Olympischen Spiele und das Internationale Olympische Komittee wie kaum ein zweiter Funktionär verändert hat, oftmals nicht zum Guten. Beispielhafte Meinungen hierzu vom SPIEGEL, der ZEIT und des kritischen Sportjournalisten Jens Weinreich.

Donnerstag, 18. März 2010

DVD-Rezensionen (184): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 32 - Vorrunde 2006 BR Deutschland - Polen (1:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

In einem Punkt hat das Begleitheft völlig recht: Diese zweite Vorrundenpartie der Fußball-WM 2006 war so etwas wie der Knackpunkt, der die zum "Sommermärchen" ausufernde landesweite Euphorie erst auslöste. Überwog nach dem turbulenten Auftaktspiel gegen Costa Rica noch die Skepsis, weil man sich gegen einen vermeintlich "kleinen" Gegner gleich zwei Gegentore eingefangen hatte, löste der erkämpfte Sieg in buchstäblich allerletzter Sekunde einen kollektiven Rausch aus. Dabei waren die Vorzeichen nicht sonderlich gut, die Polen standen nach ihrer 0:2-Auftaktniederlage gegen Ecuador praktisch schon mit dem Rücken zur Wand, die deutsche Abwehr schien alles andere als sattelfest, zudem fürchtete man um eine mentales Handicap der gebürtigen Polen Lukas Podolski und Miroslav Klose. Dazu kam die Furcht vor polnischen Hooligans, die die einzigen größeren Auseinandersetzungen des gesamten Championats bleibenden Ausschreitungen in der Dortmunder Innenstadt schienen dann diese Befürchtungen auch zu bestätigen.

Wie immer sehr schön: diese DVD beschränkt sich nicht nur auf das Spiel, sondern bietet noch einen dreißigminütigen Prolog, bei dem man einerseits den gewohnten Frotzeleien zwischen den auch die Halbzeit- und Schlussanalyse bestreitenden Gerhard Delling und Günter Netzer zusehen, als auch Impressionen aus Stadion und der Berliner Fanmeile genießen kann. Darüber hinaus bietet der Vorlauf noch einen Kurzbericht über den im Auftaktspiel fehlenden Michael Ballack, die beiden deutsch-polnischen Stürmer sowie ein Beckenbauer-Interview.

Das Spiel an sich ist zwar dramatisch, aber auch äußerst zerfahren, einzig und allein die Schlußphase, wo man Polens Torhüter Boruc praktisch berühmt schoss, ist wirklich hochklassig und nervenzerfetzend spannend. Dadurch regiert die Partie qualitätsmäßig zwischen den Extremen "tolles Spiel" (Delling und Netzer) und "Grottenkick" (Radiolegende Manni Breuckmann wenige Tage später in einer Talkshow). Der emotionale Kommentar Steffen Simons mag nicht jedermanns Sache sein - mir hat er sehr gut gefallen. Auch nach dem Spiel blendet man nicht einfach aus, denn neben der Analyse gibt es noch Stadionimpressionen aus dem einzigartigen Dortmunder Westfalenstadion sowie Interviews mit dem Torschützen Oliver Neuville und dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Fast 3 Stunden Material auf dieser DVD - Spitze!

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 21. Februar 2010

DVD-Rezensionen (181): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 31 - Vorrunde 2006 BR Deutschland - Costa Rica (4:2) (2006)

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Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Wer hätte vor der Weltmeisterschaft 2006 gedacht, dass die Euphorie im Lande so weit gehen würde, dass diese DVD-Kollektion um die deutschen Spiele des Turniers erweitert werden würde? Ich selbst war auch ein wenig skeptisch, hatte in meiner persönlichen Tipperei im Vorfeld ein Ausscheiden im Viertelfinale gegen Argentinien eingeplant. Bekanntlich kam das dann etwas anders... Was man heute fast schon vergessen hat: Die Diskussion um Michael Ballack und die "Wade der Nation" im Vorfeld des Eröffnungsspiels. Alles richtig gemacht, Klinsi!

Diese Partie sah ich damals per "Mini-Public Viewing" auf einer Leinwand vor unserem Haus, weil einer der Nachbarn doch glatt seinen Beamer inklusive Pavillon auf die Wiese baute. So also Grill und Pils, Tröte und Rassel in Bereitschaft und ab die Post!

Sagen wir es mal so: Dieses Match war teilweise nichts für schwache Nerven, zwei Gegentore gegen einen vermeintlichen "kleinen" Gegner ließen stellenweise dunkle Vorahnungen aufkommen. Doch das soll nicht den Umstand schmälern, dass beide Teams das wohl munterste Eröffnungsspiel aller Zeiten ablieferten. Sechs Tore, davon zwei aus der Kategorie "Tor des Monats", was will man mehr? In Costa Rica selbst bekam ich vier Wochen später von den Einheimischen und von Holländern (!) nur Gutes über das Turnier im Allgemeinen und die deutsche Mannschaft im Speziellen zu hören.

Spieler des Tages selbstverständlich Phillip Lahm und das weiß Gott nicht nur wegen des eminent wichtigen frühen Tores. Abgeräumt, was abzuräumen ging und dann noch gut in der Offensive - besser gehts nicht! Fazit: ein toller Auftakt zur größten Party des Sommers...

Bewertung: 5 von 5