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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Soundtrack Of My Life (023): George Michael/Wham! - Careless Whisper (1984)

Durch einen nur acht Tage nach meiner Heirat angetretenen neuen Job war es anno 2000 mit einer großangelegten Hochzeitsreise natürlich Essig. Die Frischangetraute und ich holten das dann im Frühjahr 2001 nach, wobei uns die Tour in karibische Gefilde in die Dominikanische Republik führte, damals leider gerade auf dem besten Wege in das tropische Ballermannparadies von heute.

Um nicht völlig im Hotel zu versumpfen, unternahmen wir diverse Ausflüge nach draußen, wobei uns eine Tour an die Südküste in die Nähe von La Romana führte, um mit einem Boot auf die unbewohnte Isla Catalina überzusetzen, ein paar Schnorchelstops inklusive. Die etwa 70 Kilometer lange Anreise zum Hafen überstand die Gattin nicht ohne körperliche Malaisen, Bus fahren (gerade auf herausforderndem Straßenbelag) ist nun wirklich nicht ihre große Stärke. Dementsprechend grün um die Nase ging sie dann an Bord, doch das Schaukeln des Boots machte die Geschichte freilich auch nicht besser, im Gegenteil. Besserung stellte sich erst nach Landgang, dem Essen und der Rücktour ein, die uns noch einen Zwischenstop an einer geradezu traumhaften Sandbank bescherte. Vom Boot wurden diverse hochprozentige Mischgetränke ins etwa 28 Grad warme und sattgrüne Wasser gereicht, dazu die malerische Aussicht ans Ufer und noch die mir vorher nicht bekannte Extended Version von George Michaels (bzw. Wham!, wenn man mal über die etwas komplizierte Entstehungsgeschichte des Songs nachdenkt) Riesenhit "Careless Whisper" im Hintergrund - so stelle ich mir das Paradies vor.

Und so konnte ein mir damals schon seit über 15 Jahren liebgewonnenes Stück noch einmal völlig neue Stärken entfalten. Immer wenn ich etwas Sonnenschein im Gemüt brauche, pfeife ich auf die eigentliche Intention des Texts, werfe Herrn Panayiotou in den Player und schon ist die Wärme da...

Donnerstag, 4. November 2010

"Haste Scheiße am Fuß..." - Part Three!

Langsam mache ich mir über meine Alltagstauglichkeit Sorgen. Ich fühle mich derzeit arg an die Folge der Kult-Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" erinnert, in der Bud "Dumpfbacke" Kelly für die Teilnahme an einem TV-Sportquiz brieft. Zum Schluss der Vorbereitung ist Kellys Kopf dann zwar randvoll mit allerlei Sportstatistiken und Athletennamen, für die Speicherkapazität mussten dann aber ein paar Basics im Hirn gelöscht werden. Genauso fühle ich mich seit einigen Tagen auch. Schießt sich eine Einser-Klausur und bekommt dann privat kein Bein mehr auf den Boden. Aber wieder einmal hübsch der Reihe nach.

In den Wochen wie dieser, in der ich mich arbeitstechnisch der Spätschicht widme, gehört es zu meinen Aufgaben, den Junior in den Kindergarten zu bringen. Man steht auf, macht Sohnemann Frühstück und begibt sich dann kurz nach Acht auf den Weg - solange das Wetter noch mitspielt, per Rad. Ich greife mir also heute Rucksack und Helm für den Zwerg, der mir schon stolz wie Bolle draußen die Schuhe zum Anziehen hingestellt hat. Ich ziehe also die Tür hinter mir zu und merke in gleichen Moment, dass der Schlüssel noch steckt - innen! Gleich panisches Kopfkino: Handy dabei? Nö, wozu auch, geh ja nicht auf Weltreise. Fahrrad nicht greifbar, da eingeschlossen und Kindergarten knapp 2 Kilometer weg, also zu weit zu Fuß. Letzter Ausweg: meine Eltern, zumindestens um den Kleinen an seinen Bestimmungsort zu bringen. Macht auch 25 Minuten Fußweg, die Sohnemann aber klaglos und mit Interesse durch die Blättermassen stapfend, absolviert.

Also mit Dad automobile Rundtour, da meine letzte Hoffung den Namen meiner Schwiegermutter trägt, da bei ihr ein Ersatzschlüssel geparkt ist. Aber auf der Arbeitsstelle treffe ich sie nicht an und zu Hause geht weder jemand ans Telefon noch wird die Tür trotz Sturmklingelns aufgemacht. Dabei steht das Auto vor der Tür und eine Jalousie ist noch unten - verdammt!

Nächster Anlauf: Schwägerin. Hat die nicht auch einen? Hmmmm...also raus aufs Land. Auto steht da, Glück gehabt! Der Freund empfängt mich mit "Pssst, Nachtschicht..." Geminsames Suchen in den Schlüsselbeständen - kein Ergebnis. Wieder zurück, wieder Anruf bei der Schwiegermutter - keiner da. Letzte Hoffnung: die Großeltern meiner Frau. Vielleicht steckt SchwieMu ja da? Kurzes Telefonat - negativ. Juniors Urgroßeltern versprechen mir allerdings, sich an der Fahndung zu beteiligen und bekommen irgendwann später die Gesuchte doch noch ans Telefon, die mich dann endlich bei meinen Eltern zurückruft. Also wieder Aufbruch - Zweitschlüssel abholen. Dabei plagt mich immer mehr ein Gedanke. Der Schlüssel steckte doch innen - oder doch nicht? Und falls ja, lässt sich dann der Ersatz überhaupt einstecken und schließen?

Gemeinsam mit meinem Geduldigen Senior stehe ich dann schlussendlich vor meiner Wohnungstür. Der große Moment fällt erwartungsgemäß unerfreulich aus. Der Schlüssel geht zwar ins Schloss, drehen läss er sich allem Ruckeln und Drücken zum Trotz aber nicht. Zudem werden wir misstrauisch von ein paar Möbelpackern beäugt, die im Haus einen Umzug stemmen. Sieht ja auch seltsam aus, wie sich gleich zwei an einem Türschloss zu schaffen machen.

Ich will gerade entnervt die vorher rausgesuchte Nummer des Schüsseldienstes anrufen, als meinem alten Herrn noch eine Idee kommt. "Die Tür ist doch nur rangezogen, nicht zugeschlossen oder?" Ich nicke stumm. "Das macht der Schlüsseldienst auch nur mit so einer Art Karte auf, das probieren wir mal. " Ich überlege noch, welches meiner Plastikteile am ehesten Bruch machen darf und finde im Portemonnaie Gott sei Dank noch eine Payback-Punktekarte, um die es nicht weiter schade wäre. Na, wenn jetzt die Möbelfritzen kommen...

Zwei, drei Rüttler und Stochereien später ist die Tür auf. In meiner Familie tummeln sich schon komische Talente...und ich brauch dringend was mit Ginseng!

Dienstag, 2. November 2010

CD-Rezensionen (206): DJ Bobo - Take Control (MCD) (1993)

(Cover: Amazon.de)

Genau drei Tonträger des umtriebigen Schweizers haben es in meine CD-Bestände geschafft, allesamt durch großzügige Überlassungen meines zum Erscheinungszeitpunkt der Maxi-Singles elfjährigen Bruders. Gelegentlich werden also aus Nostalgiegründen im Familienkreis die drei 93er-Erscheinungen "Somebody Dance With Me", "Keep On Dancing!" und "Take Control" herausgekramt. Was erwartet also nun den geneigten Hörer bei diesem dritten Streich?

"Nur kein Risiko" schien hier die vorherrschende Devise zu sein, denn auch wenn sich der Song durchaus eigenständiger anhört als seine sich wie ein Ei dem anderen gleichenden Vorgänger, gibt es dennoch all den üblichen Zutatenmischmasch der damaligen Eurodance-Ära zu hören. Herr Baumann rappt Knallerzeilen á la "You Take, You Shake, You Break, I'm Not Fake" und eine nicht weiter erwähnenswerte Dame darf im Refrain ebenfalls Lyrics sinnbefreiter Art zum Besten geben. Da muss "Trance" natürlich auf "Dance" folgen - reim Dich oder ich fress Dich!

Diese Höhenflüge mitteleuropäischen Tonschaffens gibt es hier in drei Versionen (Radio Mix, Club Dance Mix und Instrumental), wobei der gestreckte Clubremix einen gewissen trashigen Reiz hat. Richtig dreist allerdings der Bonustrack "Move Your Feet", der einerseits billig aus Schnipseln der anderen Singles wie auch als schamlos geklauten Passagen des Haddaway-Heulers "What Is Love?" aus dem selben Jahr zusammengeschustert wurde. Als Krönung dazu noch ein paar Alltime-Tanzboden-Phrasen wie "Move Your Feet To The Rhythm Of The Beat" oder "Pump Up The Volume" und fertig ist ein Produkt mit aufpappendem Recycling-Siegel.

Nach nicht ganz zwanzig Minuten ist der Spaß zu Ende. Fazit: Musik mit deutlichen Verfallserscheinungen, aber einem nicht unsympathischen Nostalgiefaktor.

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 27. Oktober 2010

"Haste Scheiße am Fuß..." Reloaded

Heute Nachmittag gegen 15.45 Uhr wähnte ich mich wirklich im falschen Film. Nach all den Pleiten, Pech und Pannen der letzten Tage ereilte mich das nächste Desaster.

Die Vorgeschichte: Nach Nachtschicht und dem anschließenden Schlaf radelte ich zum Kindergarten, um den Junior abzuholen. Auf dem Rückweg kurzer Zwischenstop im Supermarkt um ein paar Kleinigkeiten mitzunehmen. Mein üblicher Wagenchip hing diesmal nicht am Schlüsselbund, sondern befand sich noch in der von mir gestern getragenen Hose. Daher Portemonnaie aus dem Rucksack fischen, Euro rausholen, einschieben, Sohnemann in die Kiste setzen, Geldbörse in die Jacke, ab die Post!

Nach nicht mal 5 Minuten waren alle Sachen erledigt, also Kasse, Zeug rauf auf's Band, Griff in die Jacke - Portemonnaie weg! Hektische Blicke in alle Richtungen - nix. Kassiererin Bescheid geben, Einkäufe wieder vom Band holen, umdrehen und zurück in den Laden stürzen war praktisch eins. Mit zunehmender Verzeiflung alle Regale abgefahren, an denen ich war, keine Spur. Personal gefragt, Leute angehauen - nur Kopfschütteln. Es frage sich jeder ehrlich: wie reagiert man selbst, wenn man was findet?

Das enthaltene Geld war weniger das Poblem, ich schleppe eh nie viel Bares mit mir rum, mehr als 20 Euro waren es daher nicht. Aber erst am Samstag das Handy und jetzt das hier - das war einfach zu viel. Besonders bizarr, dass während ich kurz vor dem Hyperventilieren stand, der Kleine alles für einen großartigen Spaß hielt und demzufolge bester Laune war. Ich rechne mir also demzufolge den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die den Ersatz/die Sperrung von Personalausweis, Führerschein, Krankenkassen - und EC-Karte aus, als ich den Laden irgendwann ergebnislos verlasse.  beim Losschließen des Fahrrads spricht mich noch eine ältere Dame an, die das ganze Drama mitbekommen hat. "Es gibt halt keine ehrlichen Menschen mehr" meint sie bedauernd. "Das Geld wird rausgenommen, der Rest fliegt in die nächste Mülltonne - schlimm sowas."

Zu Hause angekommen ziehe ich mir aus dem Netz erst einmal alle Informationen zum Procedere bei Verlust von Dokumenten - herzlichen Glückwunsch aber auch! Ich wappne mich schon für den Bericht an meinen familiären Finanzminister, als es eine Stunde nach geschehen des Ganzen an meiner Tür klingelt. Und das Wunder geschieht. Die nette Dame vom Fahrradständer steht nebst Ehemann vor der Tür und überreicht mir strahlend das Corpus delicti mit vollständigem Inhalt. Es muss mir wohl im Vorraum des Supermarkts im Sichtfeld des dortigen Bäckerstands aus der Jackentasche geflogen sein und gelangte so in die Hände der Lady hinter dem Tresen. Die durchforstete daraufhin die Börse nach einer Telefonnummer (erfolgslos, wir stehen auch nicht mehr im Telefonbuch) und kam wohl mit besagtem Paar ins Gespräch - manchmal ist Smalltalk auch zu etwas Nutze! Die beiden erklärten sich bereit das Fundstück bei mir abzuliefern und weigerten sich dann hartnäckig, auch nur den geringsten Finderlohn von mir anzunehmen. ich bin dann nochmal eine Runde gefahren und hab mich bei allen Beteiligten ausführlich bedankt. Mein Menschenbild ist heute wieder etwas optimistischer geworden, aber dank der andauernden Pechstähne hatte ich selbst bei simplen abendlichen Schnippelarbeiten in der Küche ein ungutes Gefühl. Bei meinem derzeitigen Lauf säge ich mir noch halbe Finger ab...

Sonntag, 24. Oktober 2010

Ein mieses Wochenende

"Es gibt Tage, da bleibt man besser im Bett". Dies ist keine besonders neue Weisheit. Aber wenn ich nun auf dieses ausklingende Wochenende zurückschaue, muss ich dem unbekannten Verfasser dieses Satzes sehr recht geben. Gestern wieder 4.45 Uhr aufstehen, um die sechste Frühschicht abzureißen, nach einer kurzen Pause der eigentlich zur Entspannung geplante Besuch eines hier stattfindenden Box-Events mit dem besten Freund. Die sportliche Qualität - gerade des Hauptkampfs - war allenfalls mäßig, zu allem Überfluss bemerkte ich auf dem Heimweg noch den Verlust meines Handys. Die sofortige Umkehr und Suche vor Ort verlief natürlich ergebnislos, das Ding wird sicherlich in den nächsten Tagen bei Ebay auftauchen. Auch wenn das Teil nicht sehr neu war und die SIM-Karte sofort gesperrt wurde, ärgert mich das doch, gerade weil Fotos von Sohnemann drauf sind.

Natürlich hat man an dem Abend ein, zwei (vielleicht auch drei) Bier getrunken, aber muss man deswegen gleich am Tag danach verkatert sein? Früher hat man ganze Nächte durchgefeiert und war trotzdem morgens einigermaßen fit. Man wird wohl wirklich alt... Dummerweise hatte ich meinem alten Herrn noch die Mithilfe bei ein paar Umräum- und Transportarbeiten zugesagt - mit Kopfschmerzen wirklich eine tolle Erfahrung! Dazu scheiterte am Mittag noch die Ersteigerung zweier Bücher im Netz, langsam sollte ich wohl besser mal ins Bett gehen, bevor noch mehr gegen die Wand läuft. Morgen aufgrund einer Weiterbildungsmaßnahme nochmal früh raus - mir reichts!

Montag, 4. Oktober 2010

Ein gelöstes Rätsel

Vor ein paar Monaten beschrieb ich an dieser Stelle das plötzliche Auftauchen eines geheimnisvollen und meinen Verwandten völlig unbekannten dritten Geschwisterkinds meines 1985 verstorbenen Großvaters. Die letzten Monate nahmen mich zeitmäßig etwas zu arg in Beschlag, um dem ganzen etwas auf die Spur zu gehen und mich im Kirchenarchiv der Gemeinde Zeithain zu vergraben. Heute morgen war es nun endlich soweit. Bewaffnet mit einer Kopien-Wunschliste, die alle mir bekannten Tauf-, Konfirmations-, Heirats- und Sterbedaten meiner Verwandten väterlicherseits umfasste, scheuchte ich die bedauernswerte Mitarbeiterin der Kirchverwaltung zwischen Archivraum und Kopierer hin und her, wobei sich das Scannen der dicken Wälzer als nicht unbedingt leicht von der Hand gehende Tätigkeit erwies, mussten doch zu allem Überfluß die nicht meine Forschung betreffenden Einträge anderer Personen aus Datenschutzgründen abgedeckt werden.

Schlussendlich zog ich dann mit gut zwei Dutzend Blättern und einem gelösten Rätsel wieder von dannen. Denn das Stöbern in den Registern förderte den Fakt zutage, dass meine Urgroßeltern am 20.06. 1913 Eltern eines Minna Margarete genannten Mädchens wurden. Ihr erstgeborenes Kind verstarb nur 10 Monate später, am 28.04. 1914 an einer Bronchitis. Tragisch...

Weitere Forschungsergebnisse der letzten Monate in Kurzform: ich verfüge durch das soziale Netzwerk Facebook zum Einen über einen direkten Kontakt in das heute polnische Dorf meiner Vorfahren, habe von dort von einer die gleiche Gegend beackernde Forscherkollegin aktuelle Fotos des Orts zugespielt bekommen und einen sehr freundlichen Kontakt zu drei Adelsfamilien aufgenommen, die das Gut des Dorfs im Laufe der Jahrzehnte besaßen. Als nächster Anlaufpunkt ist nun das Hauptstaatsarchiv in Dresden dran, wo ich weitere mir helfende Fundstücke vermute. Fortsetzung folgt...

Dienstag, 21. September 2010

Buch-Rezensionen (201): Gerhard und Christiane Vogel - Blase und Bläschen (1963)

(Cover: Amazon.de)

Für mich war es immer ein Festtag, bei meinen Besuchen meiner Großeltern in den Kinderbüchern meines Vaters und seiner jüngeren Geschwister zu stöbern. Somit fielen mir ein ums andere Mal Erscheinungen aus den frühen 60er Jahren in die Hände, die man heute als Erwachsener als interessante Zeitdokumente der DDR jener Jahre lesen kann, so auch dieses 1963 erschienene Kinderbuch des Schriftstellerehepaars Gerhard und Christiane Vogel.

Erzählt wird die Geschichte der beiden befreundeten Zweitklässler Udo und Werner alias Blase und Bläschen. Diese leben in einem für die Jahre kurz nach der Zwangskollektivierung typischen Dorf der DDR und vertreiben sich die Zeit mit frechen Streichen. In den normalen Alltag platzt im April 1961 die Nachricht über Juri Gagarins ersten Weltraumflug. Der großsprecherische Blase ist sofort Feuer und Flamme und will selbstverständlich auch Kosmonaut werden. Doch erst einmal muss er seinen skeptischen Freund von der Notwendigkeit seiner außergewöhnlichen Trainingsmethoden überzeugen...

Die Euphorie, die gerade den Ostblock nach Gagarins Flug erfasste, kann man heute kaum noch nachvollziehen, ansatzweise ist sie aber in diesem Buch zu erahnen. Somit vermengen sich hier Kinderstreiche nach Art der Lausbubengeschichten mit realem geschichtlichen Hintergrund. Ein gewisser moralischer Zeigefinger ist dabei jederzeit zu bemerken, denn das sozialistische Erziehungsideal wirkt selbstverständlich umgehend auf alle Aktivitäten der beiden Neunjährigen ein. Dies wirkt aus heutiger Sicht etwas fremd, ebenso wie Begriffe und Einrichtungen, die schon zu meiner Kinderzeit - etwa 15 Jahre später - überholt waren, wie die Maschinen- bzw. Reparaturtechnischen Stationen (MTS und RTS) auf dem Land. Auch die im Buch noch zahlreich vorkommenden Maikäfer dürfte heutzutage nur noch selten jemand zu Gesicht bekommen.

Dies alles sollte man bei der Lektüre im Hinterkopf behalten, was aber nicht davon abhalten kann, dass "Blase und Bläschen" auch noch nach fast fünf Jahrzehnten zu unterhalten weiß. 1968 erschien mit "Feuer, Wasser und Wolkenbruch" eine weitere Geschichte um die beiden Jungen.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 26. August 2010

Neue Entwicklungen

Wegen der zeitlichen Beanspruchung von Familie, Job und Studium sind meine Bemühungen in der Familienforschung naturgemäß etwas hintenangestellt. Ich schreibe mal eine E-Mail an Ämter und Archive oder tätige gelegentlich einen Anruf - für mich als bekennenden Telefon-Hasser jedesmal eine echte Überwindung. Allerdings habe ich festgestellt, dass sich die öffentlichen Bediensteten mit der Reaktion auf elektronische Post im Regelfall sehr schwer tun, man muss sie scheinbar immer persönlich kitzeln. Umso lobenswerter die schnelle und unbürokratische Hilfe der Friedhofsverwaltung im brandenburgischen Birkenwerder, die mir einige erstaunliche Erkenntnisse brachte.

Rückblick: Ich habe die Wurzeln meiner Familie in ein kleines oberschlesisches Dorf zurückverfolgen können. Dank des Archivs des Evangelischen Kichenkreisverbandes Schlesische Oberlausitz in Görlitz verfüge ich über Kopien diverser Tauf- und Sterbeunterlagen meiner Vorfahren, die älteste aus dem Jahre 1758. Dadurch konnte ich auch einen durch Zufall in einem brandenburgischen Branchenbuch von 1938 entdeckten Verwandten als 1946 verstorbenen Cousin meines Urgroßvaters identifizieren. Durch eine andere Datenbank wusste ich ebenfalls von einem 1958 ebenfalls in Birkenwerder beerdigten Sohn dieses als Sattler tätigen Mannes.

Mein Erstaunen war nun freilich nicht schlecht, als mir die dortige Friedhofsverwaltung auf meine Anfrage neben nützlichen Informationen (letzte Adressen, Todesursachen etc.) mitteilte, dass beide Gräber immer noch existieren und ich sie mir nach Terminabsprache gerne einmal anschauen kann. Da die normale Ruhezeit beider Grabstellen schon längst abgelaufen ist, stellt sich mir natürlich die Frage, ob sich noch jemand aus der Nachkommenschaft um diese kümmert. Ich werde da noch einmal nachhaken, vielleicht habe ich ja die Möglichkeit, mit einem bisher unbekannten Teil der Familie in Kontakt zu kommen?

Desweiteren bin ich in der glücklichen Lage, durch das soziale Netwerk Facebook eine junge polnischen Dame kennengelernt zu haben, die in eben jenem erwähnten Dorf meiner Vorfahren lebt und sich dankenswerterweise als sehr hilfsbereit in Übersetzungsdingen und Informationen über die Gemeinde erwiesen hat.

Momentan steht noch ein wenig Kleinkram an, Dokumente sind zu sichten, neue Anfragen zu stellen. Nach meiner Klausur am 09.09. werde ich das Ganze sicherlich wieder etwas intensivieren können. Mehr dazu dann an dieser Stelle.

Montag, 23. August 2010

DVD-Rezensionen (198): Der Maulwurf als Filmstar (1987-1988)

(Cover: Amazon.de)

An und für sich ist gegen diese DVD mit dem liebenswerten Racker aus unserem Nachbarland nichts einzuwenden. Liebevoll gezeichnet wie immer, gewaltfrei und mit so manchem Aha-Effekt für Kinder versehen. Der Knackpunkt liegt eher in der Zusammenstellung dieser Scheibe. Im Gegensatz zu den auf den meisten anderen Ausgaben dieser Edition vertretenen 5 bis 14 Minuten langen Episoden hat man es hier mit zwei etwas weniger bekannten Halbstündern aus den Jahren 1987 (Der Maulwurf und Medizin) und 1988 (Der Maulwurf als Filmstar) zu tun. Da die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne von Kindern bekanntlich begrenzt ist, sollte man daher diese doch recht langen Brocken nicht gerade den Kleinsten vorführen.

Inhaltlich gibt es nix zu meckern. Der hilfsbereite Maulwurf sucht in einer Episode eine Medizin für die erkrankte Maus und muss dafür eine abenteuerliche und sehr lehrreiche Reise um die Welt unternehmen. In anderer Geschichte bekommt es der kleine Wühler mit den Schattenseiten des Ruhms als Filmstar zu tun. Auch das vielleicht für die Jüngsten etwas kompliziert zu begreifen.

Die Bildqualität ist nicht sonderlich gut und keineswegs mit heutigen Hochglanzproduktionen zu vergleichen. Immerhin verfügen die im unrestaurierten Bildformat 4:3 vorliegenden Episoden über das Tonformat Dolby Digital 2.0, Bonusmaterial fehlt hingegen völlig. Für Sammler sicherlich ein Grund zuzuschlagen, wer dem Nachwuchs jedoch erst einmal die Figur nahebringen will, sollte zu anderen DVDs wie beispielsweise "Der kleine Maulwurf und seine Abenteuer mit dem Igel" aus der gleichen Reihe greifen.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 19. August 2010

CD-Rezensionen (197): Gunther Schmäche - Gartenlied (MCD) (1996)

(Cover: Amazon.de)

"Gunther wer?" war meine verständnislose Frage, als mein Bruder begeistert von einem schnell bundeslandweit zur Kultfigur avancierten Radiocomedy-Original sprach. Als weitestgehender Formatradio-Abstinenzler war mir der zuerst auf dem Sender NRJ und später bei Radio PSR in heftigstem Leipziger Dialekt losblödelnde angebliche Kleinpösnaer Kleingartenfreund bis dato völlig unbekannt. Das änderte sich schnell, als umgehend diese CD den Weg in die eigenen Bestände fand.

Gleich zwei der größten Gassenhauer des von Jan Schlegel verkörperten renitenten Sachsen befinden sich auf dieser Maxi-CD. Das "Gartenlied", in dem das favorisierte Freizeitdomizil Schmäches besungen und gleichzeitig über die angeblich das Blumenwachstum fördernden Eigenschaften von menschlichem Erbrochenen philosophiert wird. Das Ganze wird in zwei Versionen, dem "Kleinen Pösna-Mix" und der "Rogg-Version" dargeboten, wobei letztere natürlich um Einiges tempoverschärft und gitarrenlastiger zur Sache geht. Zum bierseligen Mitgröhlen ist freilich die gemütliche Originalversion deutlich besser geeignet.

Apropos Bier. Ich kenne nur wenige Lobeshymnen an den Gerstensaft, die so festzeltgeeignet sind wie das "Bierlied". Banjo und Westernfiedel sorgen für gute Laune und Texthighlights á la "komm ich um drei nach Hause, da trink ich keine Brause" bedürfen keiner weiteren Erklärung. Prost! Abgerundet wird die CD von den wie immer enthaltenen Anrufbeantwortersprüchen. Leider ist der ganze Spaß schon nach knapp 12 Minuten vorüber (dafür etwas Wertungsabzug), es sei daher an dieser Stelle auf den ersten (und besten!) Longplayer Schmäches namens "Genau, genau, genau...!" aus dem gleichen Jahr verwiesen.

Fazit: Peinlich schlechte Sächsisch-Imitatoren gibt es zuhauf, warum also nicht lieber gleich etwas Originales?

Bewertung: 4 von 5

Montag, 19. Juli 2010

DVD-Rezensionen (192) - Dora-Die Stadt des verlorenen Spielzeugs (2008)

(Cover: Amazon.de)

Die Kombination "Kinder und Fernsehen" ist bekanntlich so eine Sache. Das elterliche Gewissen lässt sich aber meistens sehr gut beruhigen, wenn man der Meinung sein kann, seinem Nachwuchs etwas pädagogisch Wertvolles zukommen zu lassen. Dies ist bei der Nickelodeon-Serie "Dora" (OT: "Dora the Explorer") durchaus der Fall. Ursprünglich entwickelt, um den Kindern der sogenannten "Hispanics" in den USA bei der Erlangung englischer Sprachfertigkeiten behilflich zu sein, ist die Serie durch ihre gelungene Machart auch bestens für deutsche Kinder geeignet.

Der Ablauf der Folgen ist immer gleich und vermittelt somit eine vertraute Sehroutine. Die siebenjährige Dora und ihr Begleiter, der Affe Boots, haben ein Problem zu lösen, für das sie jedesmal 3 Stationen zu durchlaufen haben. An diesen stellen sich Aufgaben, die durch Zuordnung von Gegenständen, Aufmerksamkeit beim Betrachten des Bilds, einfache mathematische Beispiele oder ähnliche Herausforderungen gemeistert werden müssen. Bei dieser Gelegenheit kommen immer wieder englische Vokabeln oder Redewendungen ins Spiel, so dass die kleinen Zuschauer auf verschiedenste Weise herausgefordert werden. Die permanenten Wiederholungen machen das Anschauen für Eltern zwar etwas anstrengend, aber man ist ja schlließlich auch nicht die Zielgruppe...

Enthalten sind insgesamt 4 Episoden ("Das verschwundene Spielzeug", "Der verschwundene Bär", "Kuhflug und Klebeband" und "Auf Beerensuche") von jeweils etwa 23 Minuten Länge. Warum zwei Geschichten normal im Menü aufgeführt und zwei separat als Bonusfolgen angewählt werden müssen, erschließt sich mir zwar nicht wirklich, dies trübt den Gesamteindruck aber kaum. Bild und Ton (Fullframe und Stereo; Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Irisch) sind für diese Art von DVD eher nebensächlich, aber ordentlich. Insgesamt gesehen sehr empfehlenswert für Kinder ab dem dritten oder vierten Lebensjahr. Als Zugabe gibt es eine Folge der computeraninmierten Serie "Backyardigans - Die Hinterhofzwerge".

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 16. Juli 2010

Jeden Tag eine gute Tat

Und wieder ein paar Pluspunkte auf dem persönlichen Karmakonto. Vor ein paar Wochen konnte ich durch Internet-Recherchen die letzte Ruhestätte des Urgroßvaters meiner Göttergattin auf einem Soldatenfriedhof in Frankreich lokalisieren. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bietet auf seiner Webseite einen Grabschmuck- und Fotoservice an, den wir in Anspruch genommen haben, da die Schwieger-Großmutter ihren 1944 verstorbenen Vater praktisch nie kennengelernt und somit wenigstens eine letzte Erinnerung hat. Übergabe der heute eingetroffenen Bilder an die Adressatin ist morgen, könnte eine sehr emotionale Angelegenheit werden.

Dienstag, 13. Juli 2010

DVD-Rezensionen (191): Der Mondbär (3 DVD-Collection) (2008)

(Cover: Amazon.de)

Die Buchvorlage von Rolf Fänger und Ulrike Möltgen war eine der ersten Gute Nacht-Geschichten, die unser Sohn vorgelesen bekam. Und da Junior seinen Mondbär über alles liebte, wurde dann auch diese zauberhafte Verfilmung in Form von 22 Folgen, verteilt auf 3 DVDs, angeschafft.

Zur Handlung: der kleine Mondbär lebt mit seinen Freunden wie dem als Herold fungierenden Trommelspecht, dem immer vorlauten Hasen, dem weisen alten Dachs und vielen anderen im Wald. Immer wieder geraten sie in neue Abenteuer, sei es nun eine Schatzsuche, die anstrengende Beaufsichtigung der vorlauten Entenkinder oder Sportwettbewerbe im Wald. Und da ist ja schließlich auch noch der stets hungrige Fuchs Reineke... 

Auch wenn man Kleinkinder natürlich nicht allzu oft und lange an den Fernseher setzen sollte - diese Serie kann wirklich vorbehaltlos empfohlen werden. Ruhig und ohne hektische Passagen, gewaltfrei (selbst der den Tieren nachstellende Fuchs ist eigentlich kein schlechter Kerl und ist liebenswert-tollpatschig dargestellt) und mit schöner und zum Mitsingen animierender Musik ausgestattet. Die in kräftigen Farben gezeichneten Figuren und Örtlichkeiten wirken überaus plastisch und 3D-artig, ein sehr schönes visuelles Erlebnis für Kinder mit vielen Lerneffekten ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Gerade der Mondbär steht für Freundschaft, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft - auf diese nette Art dürfen sehr gern Werte vermittelt werden.

Die (Format 16:9 anamorph codierten) Episoden von insgesamt 266 Minuten Lauflänge sind in Dolby Digital 5.1 sowohl in Deutsch als auch in Englisch verfügbar. Sollte also jemand der frühkindlichen Fremdsprachenerziehung nahestehen - hier findet er ein sehr gutes Instrument dazu. Bild und Ton sind ausgezeichnet, dazu ein günstiger Preis - zuschlagen!

Bewertung: 5 von 5

Samstag, 26. Juni 2010

Rückmeldung

Ich bin jetzt zwar schon seit Mittwoch wieder im Lande, aber nach der 535 Kilometer-Rückfahrt plus dem nervenzerfetzenden Zittersieg der deutschen Elf gegen Ghana hatte ich wenig Lust, hier nochmal reinzuschauen, ebensowenig nach der ganzen Urlaubsnachbereitung inklusive (Schwieger)Elternbesuch und Wäschewahnsinn. Kurz was zur Statistik: 1380 gefahrene Kilometer plus etwa 560 geschossene Fotos die inklusive ausführlichem Bericht in den nächsten Tagen online gehen - falls mir König Fußball die Zeit dafür lässt.

Da man schonmal am Thema ist: "meine" Latinos mischen ja das Turnier mächtig auf, gerade Uruguay und Chile haben mich sehr positiv überrascht - gerne weiter so! Über den Schiedrichterwahnsinn, Vuvuzela-Terror und die strauchelndenen bzw. gefallenen großen Teams lasse ich mich jetzt mal nicht weiter aus, dies ist an kompetenterer Stelle bereits ausführlich diskutiert worden. Morgen nun aber Achtelfinale gegen England, wie man heute hört, gehen die Verletzungssorgen weiter, vielleicht ist aber die eine oder andere informationstechnische Nebelkerze dabei, wer weiß das schon. Da sich die "Three Lions" bei diesem Turnier auch noch nicht mit Ruhm bekleckert haben, bin ich trotz allem für das morgige Spiel optimistisch.

Noch ein paar Nachträge auf der Verstorbenenliste. In meiner Abwesenheit sind die Volkschauspielerin Heidi Kabel (95, † 15.06.), der einflussreiche österreichische Verleger Hans Dichand (89, † 17.06.), der Flugzeugentführer Mohammed Ali Hamadi (46, † 19.06.), der 2,32 Meter große Basketballspieler Manute Bol (47 ,† 19.06.), der italienische Teilnehmer am "Jahrhundertspiel", Roberto Rosato (66, † 20. 06.), der Schauspieler Frank Giering (38, † 23. 06.) und der Fußballtrainer Jörg Berger (65, † 23. 06.).

Samstag, 12. Juni 2010

Uuuurlaub!

Kurze Statusmeldung: bin ab morgen für 10 Tage mit der Sippe an der Ostsee. Bis dann!

Montag, 7. Juni 2010

Buch-Rezensionen (190): Ann-Charlott Settgast - Zirkuskinder (1959)

(Cover: Amazon.de)

Dieses noch vor dem Bau der Berliner Mauer erschienene Kinderbuch der 1988 verstorbenen Mecklenburger Schriftstellerin Ann-Charlott Settgast ist ein gutes Beispiel dafür, wie in einer für sich doch recht spannenden und unterhaltsamen Handlung ganz DDR-typisch der erhobene Zeigefinger dauerpräsent und ideologische Einflussnahme allgegenwärtig ist. Das macht das Buch zu einem trotzdem lesenswerten Zeitdokument.

Erzählt wird die Geschichte des zwölfjährigen Waisenjungen Fritz, genannt Fiete, und seiner jüngeren Schwester Susi. Diese werden von ihrem Onkel, der in einem Zirkus als Dompteur arbeitet, zu sich genommen. Besonders der aufschneiderische Fiete ist in der neuen abenteuerlichen Umgebung ganz in seinem Element, prahlt er doch schon bald gegenüber einem Zeitungsreporter mit seiner unmittelbar bevorstehenden Karriere als großer Dressurstar. Die zehnjährige Susi hingegen fühlt sich im Zirkus ganz und gar nicht wohl und wird aufgrund eines missverstandenen Scherzes ihres Onkels von Zukunftsängsten geplagt. Und auch wenn sich die beiden schnell mit den anderen Zirkuskindern anfreunden, bringt sich Fiete mit seiner großen Klappe mehr als einmal in Teufels Küche, während die heimwehgeplagte Susi still vor sich hin leidet.

Eine zentrale Figur des Buches ist der dreizehnjährige Bruno, genannt Bumm. Auf den ohne Vater aufwachsenden Sohn der Bärendompteuse wird praktisch alles an negativen Eigenschaften projiziert, was das damalige DDR-Gesellschaftsbild so hergab. In den Illustrationen von Hans Wiegandt unsympathisch mit Schiebermütze und Ganovenoutfit gezeichnet, kein Mitglied bei den Pionieren, grob und unkameradschaftlich gegenüber den anderen Kindern und darüber hinaus noch ein Fan von westlichen Groschenromanen, hier mit dem schon seit der Zeit der Weimarer Republik verwendeten Kampfbegriff "Schund- und Schmutzliteratur" versehen. Als dann auch noch drei Rhesusaffen aus dem Zirkus gestohlen werden, fällt daher der Verdacht logischerweise schnell auf Bumm, der zu allem Überfluss auch noch Richtung Westen verschwindet...

Natürlich wird am Ende alles zur allseitigen Zufriedenheit gelöst und auch Bumm, frisch bekehrt und geläutert, wird als neuer Pionier in die sozialistische Gemeinschaft der Zirkuskinder aufgenommen. Das wirkt aus heutiger Sicht sehr klischeehaft, da hier wirklich alle Stereotype der Zeit Verwendung finden. Ein typisches Buch der 50er Jahre und deren Moralvorstellungen, die sich vor allem an der Wandlung der Figuren Bumm und Fiete manifestieren, sowie ein Kinderroman mit vielen heute sehr fremdartigen Dingen wie Kinowochenschau oder ein Zirkusgastspiel als tagelanges gesellschaftliches Hauptereignis der Stadt. Diese Zeiten sind wahrlich lange vorbei. Dennoch: durchaus immer noch als lesenswert zu betrachten, interessierte Kinder (die landestypische Altersempfehlung nennt eine geeignetes Lesealter ab 11 Jahren) sollten aber die eine oder andere erklärende Anmerkung von Erwachsenen mit auf den Weg bekommen.

Bewertung: 4 von 5

Samstag, 5. Juni 2010

Nachtgedanken (092)

Morgen in einer Woche geht es mit der Familie an die Ostsee. Wer weiß, vielleicht sitze ich dann auch einmal am Meer wie in "Abendlied" von Edmund Hoefer (1819-1882) beschrieben?

Ich sitz' am einsamen Strande,
Grau kommt der Abend daher,
Grau ruht und unabsehbar,
Oede vor mir das Meer.

Es streicht eine Möve droben
Dahin mit klagendem Schrei,
Und einsam kommt sie geflogen,
Und einsam fliegt sie vorbei.

Es dunkelt still auf den Wellen,
Es dunkelt still in der Höh'!
Der Vogel fliegt weiter und weiter,
Hinaus in die Nacht und die See.

Dienstag, 25. Mai 2010

Nachtgedanken (091)

Da ich heute durch Arbeit mit zugehörigem Frühaufstehen, gleich zwei Geburtstage im engsten Familienkreis und solistische Juniorbeaufsichtigung platt wie lange nicht mehr bin, an dieserStelle nur ein paar "Nachtgedanken" zum passenden Thema Schlaf, heute "Komm, o Nacht!" von Julius Sturm (1816-1896).

Komm, o Nacht! – und nimm mich hin,
Daß ich schlafend mich vergesse,
Länger nicht mit wachem Sinn
Meines Kummers Tiefen messe.

Schlafe, müdes, wundes Herz
Deine Klagen sind vergebens.
Schlaf ist Balsam deinem Schmerz,
Traum die Blüte meines Lebens.

Freitag, 30. April 2010

Alt und doch neu...

Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man zum ersten Mal Fotos von sich erblickt, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben. So ging es mir heute, als mir meine Cousine ein gemeinsames Bild zukommen ließ, das ich vorher noch nie gesehen hatte und an dessen Entstehung ich mich logischerweise auch nicht erinnern kann. Aufgrund unseres Alters datiere ich die Aufnahme auf den Sommer 1976, der Ort ist eindeutig der Hof meiner Oma im naheliegenden Zeithain. Und auch wenn das antiquierte Kinderwagenmodell und die eigenartige Farbgebung etwas anderes suggerieren - der junge Mann in den Lederhosen ist kein Kind der unmittelbaren Nachkriegszeit sondern das bin ich!

Dienstag, 30. März 2010

DVD-Rezensionen (185): Der kleine Maulwurf und seine Abenteuer mit dem Igel (1969-1975)

(Cover: Amazon.de)

Mit der DVD "Der kleine Maulwurf und seine Freunde" hatte ich ganz gewaltig danebengegriffen, ließen doch die neu produzierten Folgen voll und ganz den Charme der alten Episoden vermissen. Auf dieser Ausgabe sieht das doch freilich ganz anders aus, da hier insgesamt sieben Folgen aus dem Zeitraum 1969 (nicht 1968, wie auf dem Cover angegeben!) und 1975 enthalten sind, darunter einige der zauberhaftesten, die jemals hergestellt wurden, wie beispielsweise "Der Maulwurf und der grüne Stern" (1969) oder "Der Maulwurf und der Fernseher" (1970), in der der kleine Frechdachs - ganz und gar politisch inkorrekt - einen alten Freizeitgärtner derart neckt, dass der gleich zur chemischen Keule greifen will. Alleine der eine Art tschechisch-französischen Fantasie-Mischmasch sprechende TV-Experte ist zum Schießen!

Zwar sind die Folgen unrestauriert, was deren Alter teilweise recht deutlich zum Vorschein treten lässt, dies machen jedoch die kindgerechten Geschichten, die genau die richtige Länge von etwa fünfeinhalb bis achteinhalb Minuten besitzen, allemal wett. Mein Sohn ist jedenfalls immer schwer begeistert und steht damit seinem alten Herrn, der auch schon mit dem kleinen schwarzen Racker aufwuchs, in nichts nach.

Kritikpunkte gibt es allenfalls an der etwas lieblosen Aufmachung, dem mit gerade einmal 44 Minuten recht mageren Inhalt (Bonusmaterial ist ebenfalls Fehlanzeige) und der bereits erwähnten mauen Bildqualität. Immerhin liegt der Ton in Dolby 2.0 vor. Eltern mit kleinen Kindern - zugreifen!

Bewertung: 4 von 5