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Samstag, 19. Februar 2011

Soundtrack Of My Life (034): Abigail Mead & Nigel Goulding - Full Metal Jacket (1987)

In der 9. Klasse bekamen wir eine neue Musiklehrerin vor die Nase gesetzt. Diese peinigte uns sowohl mit der üblichen Propaganda-Tonkunst, von der mir ganz besonders Paul Dessaus an Arnold Schönberg und Alban Berg angelehntes und somit schwerverdauliches "Lilo Herrmann"-Melodram (lässt sich auf den üblichen Videoportalen nachhören) in peinigender Erinnerung geblieben ist. Allerdings wurde auch versucht, neben dem jetzt dankenswerterweise reduzierten Gesangsanteil (schließlich befand sich so mancher im Stimmbruch), den überwiegend gelangweilten Teenagern Klassik oder Jazz näherzubringen. Das fand man damals natürlich schrecklich öde, der interessierte Blick über den musikalischen Tellerand entwickelte sich bei mir erst deutlich später.

Ein- oder zweimal im Schuljahr wurde uns aber ein ganz besonderes Angebot angetragen. Wir sollten ganz einfach unsere favorisierte Musik anschleppen, diese wurde in einen Kassettenrecorder eingeworfen und danach lehrerseitig diskutiert. Freilich differierte da der männliche und weibliche Geschmack in der Schülerschaft erheblich. Wir halbstarken Jungs verleierten die Augen, wenn uns solche "Perlen" wie "Joe le Taxi" von Vanessa Paradis an den Kopf flogen und die holde Weiblichkeit konnte nix mit den Ärzten oder den Toten Hosen anfangen.

Mein Ehrgeiz bestand bei diesen Gelegenheiten immer darin, etwas mitzubringen, das garantiert keiner auf dem Plan hatte, unsere Lehrerin am Allerwenigsten. Persönliche Antipathie? Rache für "Lilo Herrmann"? Ich weiß es nicht mehr. So malträtierte ich die Klasse einmal mit "Galleons Of Stone" von The Art Of Noise und eines Tages rappelte es mich vollständig, als ich Abigail Meads und Nigel Gouldings "Full Metal Jacket" aus dem gleichnamigen Kubrick-Film (der in der DDR als "zu zynisch" verboten war) anschleppte. Ich hatte den Track, der mit seinen schrägen Tempiwechseln und dem eindringlichen Gebrüll des legendären R. Lee Ermey alles andere als mehrheitsfähig war, zwar seltsamerweise im ostdeutschen Radio ergattert, aber mit wilden Drums angereicherte Marching Chants des United States Marine Corps in einer sozialistischen Schule öffentlich aufzuführen, wirkt in der Rückschau dann doch etwas leichtsinnig-verrückt. Ein Glück, dass die Dame im zweiten Fach kein Englisch gab, sonst hätte das mit großem Ärger enden können...

Dienstag, 25. Januar 2011

CD-Rezensionen (215): Garland Jeffreys - Don't Call Me Buckwheat (1992)

(Cover: Amazon.de)

Es gibt sie noch, die glücklichen Zufälle im Leben, die einem großartige Musik näherbringen. Irgendwann im Jahre 1992 oder 1993 saß ich in einer heute schon längst nicht mehr existierenden Kneipe und lauschte einer im Hintergrund abgespielten CD, die mir ungemein gut gefiel, deren Interpreten ich allerdings nicht so recht einzusortieren wusste. Ja, das war immer die gleiche Stimme, dennoch hatte jedes Stück einen komplett anderen Stil zu bieten. Hier mal etwas Gospel ("Moonshine In The Cornfield") und da groovte ein Boogie-Woogie ("Don't Call Me Buckwheat") durch die Boxen. Erst als der damalige Singlehit "Hail Hail Rock 'N' Roll" erklang, konnte ich dieses Sammelsurium dem 1980 durch den Chartserfolg "Matador" zu Bekanntheit gelangten Garland Jeffreys zuordnen.

Dieses Album hat einen textlich roten Faden: Rassismus in der US-Gesellschaft und die damit verbundenen privaten Erfahrungen des Sängers, eines Mischlings. So fröhlich die Musik (z.B. die im Reggae-Sound gehaltenen "Color Line", "Bottle Of Love" und "Murder Jubilee") stellenweise wirken mag, die bitteren Zeilen gehen oftmals schwer an die Nieren, saß doch Jeffreys aufgrund seiner Herkunft oftmals zwischen allen Stühlen.

Die zweite Single-Auskopplung "The Answer" wurde ebenfalls noch zum mittleren Hit, so dass dieses Album Anspruch und kommerziellen Erfolg sehr gut miteinander zu verbinden weiß. Dazu eine beeindruckende Mischung aus karibischen, lateinamerikanischen und gängigen Popklängen sowie einer äußerst wandlungsfähigen Stimme - volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 5. Januar 2011

Soundtrack Of My Life (024): David Bowie & Pat Metheny Group - This Is Not America (1985)

Die heutige Anekdote beinhaltet ein Missverständnis: Für einige Zeit ordnete ich die "This Is Not America" intonierende Stimme falsch zu und vermeinte Boy George und nicht David Bowie singen zu hören. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich - für ein Kind der DDR logisch - niemals den Originaltonträger in die Finger bekam und den damaligen Welthit anno 1985 nicht im Radio, sondern in aufregenden Sommertagen an der polnischen Ostseeküste kennenlernte. Aber hübsch der Reihe nach.

Nach der Ausrufung des Kriegsrechts durch General Jaruzelski Ende 1981 kam man als DDR-Bürger nicht mehr einfach so nach Polen hinein. Die Oberen in Ost-Berlin wollten schon aus Eigenschutz verhindern, dass irgendwelche oppositionellen Gedanken á la Solidarność per Urlaubsverkehr ins Land sickerten. Allerdings war die Abschottung nicht vollständig, per Einladung aus Polen oder organisierter Tour konnte man durchaus noch die Grenze überschreiten. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die damalige Firma, in der mein Vater arbeitete, im Austausch gegen eigene Kontingente in der DDR Ferienlagerplätze in der Nähe von Danzig organisiert hatte. Wow, 2 Wochen elternloses Ausland mit 13 Jahren und ich durfte dabeisein!

Treffpunkt Dresden Hauptbahnhof am frühen Nachmittag, ich sehe einige bekannte Gesichter aus einem Erzgebirgs-Camp des Jahres 1982 wieder, alle sind aufgrund der Reise, die bis zum darauffolgenden Morgen dauern wird, recht hibbelig. Und wie das als pubertierender Jüngling so ist - man schaut sich um und sondiert unter den mitreisenden Damen "die Marktlage". Ja, die wäre ja nett, oder die...wenn man nicht so verdammt schüchtern wäre!

Zwischenstop Berlin mit Besichtigung der Ost-Berliner Highlights Fernsehturm und Palast der Republik, inklusive Abendessen in "Erichs Lampenladen" - für ein sächsisches Provinzkind alles andere als eine normale Erfahrung. Der Trip ist schon in den ersten Stunden so neu, so aufregend, dass ich es kaum fassen kann.

Der Nachtzug nach Gdańsk, wie wir damals natürlich sagen, fährt etwa gegen 22 Uhr vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg ab, wir sortieren uns irgendwie in unser Abteil ein, an Schlaf denkt schon aufgrund der Enge kaum jemand. Über Stettin, Köslin, Stolp und Gdingen kämpft sich der Zug entlang der Ostseeküste bis nach Danzig, welches wir - komplett übermüdet und zerschlagen - in den frühen Morgenstunden erreichen. Da sich das Ferienlager etwa 40 Kilometer außerhalb der Stadt befindet, werden wir in Busse verfrachtet und machen während der Fahrt durch die Straßen die Erfahrung, dass Danzig stellenweise sehr arm und heruntergekommen aussieht, was bei einem DDR-Einwohner, der auch nicht gerade in luxuriosen Verhältnissen residiert, schon einiges heißen will.

Die folgenden Tage vergehen wie im Fluge und mit einer Fülle von Ereignissen. Ob Besuche der Westerplatte, des Hafens oder einfach Abhängen am Strand - es ist traumhaft. Es wird wild durcheinandergeflirtet, die Sprachbarrieren zwischen anwesenden Polen, Tschechen und Deutschen werden irgendwie mit Händen und Füßen sowie dem von allen ungeliebten Schulrussisch überwunden. Ich ertrinke fast, als mich eine Welle umwirft und ich unter Wasser 20 Meter in Richtung Strand gespült werde, wo ich nach Luft japsend wieder auftauche, mir wird das richtige Küssen beigebracht (unter anderem abseits eines Lagerfeuers am nächtlichen Strand, zu dem wir mehrere Kilometer durch den stockfinsteren Wald gelaufen sind) und ich erlebe eine wilde Fummelnacht auf der Rückfahrt, als ein Liegewagenabteil im Zug mit Decken blickdicht gemacht und somit zum Liebesnest umfunktioniert wird.

All das und noch so einiges mehr wird immer wie von selbst in meiner Erinnerung abgerufen wenn die Zeilen "A little piece of you, the little peace in me, will die..." zu hören sind. Zwei Jahre später werde ich an diesen für mich magischen Ort zurückkehren und dort meine erste große Liebe erleben, natürlich begleitet von erinnernswerter Musik. Aber das ist eine andere Geschichte...

Mittwoch, 28. Juli 2010

Buch-Rezensionen (193): Dan Brown - Meteor (2001)

(Cover: Amazon.de)

Es ist für mich immer ein seltsames Gefühl, wenn ich einen Dan Brown-Roman beendet habe. Einerseits ärgert man sich, einmal mehr einen zum Teil vor lauter Klischees triefenden und scheinbar am Autoren-Reißbrett zusammengezimmerten Hightech-Thriller-Hokuspokus vor sich zu haben, andererseits stellt man aber verwundert fest, dass selbst den abstrusesten Plotschlenkern und aberwitzigen Cliffhangern noch eine gewisse Faszination innewohnt, die einen bei der Stange bleiben und nicht eher ruhen lässt, bis man den großen Showdown passiert hat.

"Meteor" (Originaltitel: "Deception Point") aus dem Jahr 2001 macht da keine Ausnahme. In Deutschland erst nach dem großen Erfolg von "Sakrileg/The Da Vinci Code" und "Illuminati" veröffentlicht, hält auch dieser Roman alle klassischen Brown-Zutaten bereit. Die Bösewichter sind halt böse und werden so aufdringlich als undurchsichtig-unverdächtig gezeichnet, dass man - sofern man schon vorher ein Buch des Amerikaners kennengelernt hat - zielgerichtet auf den die Strippen ziehenden Unhold tippen kann. Dazu kommen die zahlreichen Rechercheschnitzer - gerne mit künstlerischer Freiheit beschönigt - und Logiklöcher, die ein ums andere Mal für Verstimmung sorgen. Dass dennoch am Schluss eine unterhaltsame und nicht unspannende Handlung dabei herauskommt, ist Dan Browns eigentliche Kunst.

Dabei ist der Inhalt relativ knapp zusammenzufassen. Im arktischen Eis wird durch die krisengeschüttelte NASA, deren weitere Existenz im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf kontrovers diskutiert wird, ein Meteor mit scheinbar außerirdischen Lebensspuren entdeckt. Die offensichtliche wissenschaftliche Sensation entwickelt sich jedoch zu einem tödlichen Strudel, in dem Geheimdienste, Regierungsbeamte, Spezialeinheiten und die beiden Präsidentschaftskandidaten mit vorwiegend unsauberen Methoden mitmischen. Tödliche Methoden...

Das von Anne Moll ruhig und mit angenehmer Stimme gelesene Hörbuch bietet einen guten Kontrast zum teilweise atemlosen Plot. Die vom Autor zielgerichtet gesetzten Szenenwechsel, die den Leser/Hörer immer an einem gerade entscheidenden Handlungspunkt ungeduldig zurücklassen, verfehlen auch in der Hörversion ihre Wirkung nicht. Dennoch: eines von Browns schwächeren Werken, das auch von der guten Audiobook-Fassung nicht gerettet werden kann.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 21. Juli 2010

Luis Corvalán †

(Foto: Wikipedia)

Die heutige Nachricht vom Tode Luis Corvaláns hat mich dann doch etwas überrascht, wusste ich doch gar nicht mehr, dass der ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chiles noch lebte. Ähnlich wie im Fall von Angela Davis war der südamerikanische Funktionär in der DDR sehr populär und mit der breit angelegten Solidaritätsaktion für seine Freilassung bin ich Mitte der 70er Jahre aufgewachsen. Somit ist heute auch ein Teil meiner Kindheit im Alter von 93 Jahren gestorben. Unabhängig von seinen politischen Positionen: möge er in Frieden ruhen.

Donnerstag, 20. Mai 2010

CD-Rezensionen (189): Dance Aid - Do They Know It's Christmas? (Rave The World) (MCD) (1994)

(Cover: Amazon.de)

So sicher wie in das Amen in der Kirche ist die jährliche Dauerrotations-Beschallung zur Adventszeit mit den unvermeidlichen Weihnachtsheulern "Last Christmas" von Wham! und "Do They Know It's Christmas?" des von Midge Ure und Bob Geldof 1984 angesichts der Hungerkatastrophe in Äthiopien ins Leben gerufenen Benefiz-Projekts Band Aid. Auch wenn beide Songs in den über 25 Jahren inzwischen deutlich Patina angesetzt haben, kann ich sie persönlich immer noch problemlos und gern zu gegebener Zeit hören. Anders sieht es mit dieser von der heutigen Gattin in die Beziehung gebrachten Maxi-CD aus.

Wozu also ein Bumm-Bumm-Dance-Aufguss? Anno 1994 griffen sich zum 10jährigen Jubiläums des Songs die damals führenden Produzenten- und Technoprojekte Deutschlands die bekannte Melodie, drehten den Geschwindigkeits- und BpM-Regler ordentlich nach oben, fügten ein paar zum Teil arg schwachbrüstige Vocals hinzu und packten alles in den damals vorherrschenden Happysound - fertig. Musikalisch ist das so notwendig wie ein Kropf, ohnehin wirkt das Ganze wie ein fix zusammengeschluderter Schnellschuss. Ausgewiesen sind auf der insgesamt 14 Minuten langen CD nur zwei Tracks (Radio und Rave Mix), als Extra ist aber noch eine A cappella-Version dreingegeben, die allerdings besonders schlampig produziert wirkt, hört man doch auf den Aufnahmen der teilweise erschreckend dünnen und tonunsicheren Stimmen recht deutlich die Sounds aus den Kopfhörern der Gesangsakrobaten.

Einen Extrapunkt gibt es für den guten Zweck, flossen doch alle Einnahmen des in meiner Erinnerung nicht sonderlich von Chartserfolg gekrönten Projekts der Deutschen Welthungerhilfe zu. Na immerhin...

Bewertung: 2 von 5

Dienstag, 18. Mai 2010

DVD-Rezensionen (189): JAG - Im Auftrag der Ehre (Season 5.1) (1999/2000)

(Cover: Amazon.de)

Auch die fünfte Staffel der Erfolgsserie erschien zum Ärger der Fangemeinde wieder in zwei Vollpreis-Boxen á 3 DVDs. Das Hü und Hott der Veröffentlichungspolitik von Paramount habe ich in meinen bisherigen JAG-Rezensionen mehrfach angesprochen, geradezu absurd wirkt mittlerweile, dass neben der zweiten auch die siebente Staffel in einem Schuber erschienen ist.

Die vierte Season endete mit dem Abschied Lieutenant Commander Harmon Rabbs vom JAG-Corps und seiner Rückkehr zu einer Marinefliegereinheit an Bord des (fiktiven) Flugzeugträgers USS Patrick Henry. Dieser operiert in der Adria, da die US-Einheiten die Flugverbotszone über dem Kosovo kontrollieren sollen. Somit spielen die ersten Folgen überwiegend an Bord, doch Rabbs Abwesenheit bei den Militärjuristen ist nicht von langer Dauer...

Wie gehabt beinhaltet die Box 12 Episoden in ordentlicher Bild- und Tonqualität. Durch den Kosovo-Einsatz stieg der Anteil actionorientierter Folgen, dennoch wurde eine ausgewogene Mischung aus Szenen im Gerichtssaal, zwischenmenschlichen Problemen und Emotionen und historischen Rückblicken gefunden. In der überwiegend 1969 spielenden Episode "Ghosts of Christmas Past /Sein letzter Einsatz", die Rabb erneut mit dem Schicksal seines Vaters konfrontiert, wird nicht zum letzten Mal der originelle Kniff benutzt, alle Hauptdarsteller in andere Rollen schlüpfen zu lassen.

Das Folgen-Dutzend hat wenige echte Durchhänger zu bemämgeln, meine persönlichen Favoriten finden sich in den Episoden "Rogue/Bomben auf New York", "The Colonel's Wife/Drogenrazzia in Panama" und "Into The Breech/Ein alter Fall in neuem Licht".

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 4. Mai 2010

Endlich Post!

Ich zitiere aus mir heute zugegangenem Brief:

"Herr XXX

hat die nachstehende Hausarbeit vom 24.02.2010 zu Modul 1.1: Einführung in den Studiengang (8 SWS)

mit Erfolg angefertigt.

In Anlehnung an die Leistungsbewertung für die Studiengänge 'Bildungswissenschaft', 'Kulturwissenschaften' und 'Politik- und Verwaltungswissenschaft' mit dem Abschluß 'Bachelor of Arts (B.A.)' an der FernUniversität in Hagen im Akademiestudium

wurde die Note 1,3 (A - Excellent) sowie 15 Leistungspunkte (ECTS) vergeben."

Heute bin ich mal ein wenig stolz auf mich. 114 von 120 möglichen Punkten und das fast 19 Jahre nach meinem Abi - da darf man mal ein Glas trinken. Auf ein Neues!

Samstag, 1. Mai 2010

DVD-Rezensionen (188): Das Rätsel der Sandbank (1985)

(Cover: Amazon.de)

In meiner hart am Rande des sogenanten "Tals der Ahnungslosen" gelegenen DDR-Heimatstadt war die Empfangbarkeit des bundesdeutschen Fernsehens immer eine wetterabhängige Glückssache, musste man doch auf das terrestrische Antennensignal des fast 200 Kilometer entfernten Westberlins zugreifen. Und so kam es auch durchaus vor, dass man Serien eben nicht komplett sehen konnte, weil gerade im entscheidenden Moment wieder nur der verhasste Schnee auf dem Schirm zu sehen war. Das ging mir unter anderem 1985 mit der großartigen Serie "Das Rätsel der Sandbank" so, weswegen ich schon alleine aus nostalgischen Gründen sehr erfreut über die DVD-Veröffentlichung dieses Zehnteilers bin.

Zum Teil etwas sehr frei nach Motiven des gleichnamigen Romans von Robert Erskine Childers aus dem Jahre 1903 gestaltet, erzählt die Serie die Geschichte der zwei englischen Segler Arthur Davies (Burghart Klaußner) und Carruthers (Peter Sattmann), die im Herbst 1904 auf der kleinen Segelyacht "Dulcibella" im deutschen Wattenmeer unterwegs sind. Davies will, als Entenjäger getarnt, die Küste der ostfriesische Inseln kartographieren und sich damit für eine Offizierslaufbahn bei der Royal Navy empfehlen. Doch er und der darüber zunächst im Unklaren gelassene ehemalige Schulkamerad Carruthers - ein Dandy, der im britischen Außenministerium beschäftigt ist - geraten in eine brisante und lebensgefährliche politisch-militärische Affäre hinein, in der der angeblich schwedische Kaufmann Dollmann (Gunnar Möller) und seine Tochter Clara (Isabell Varell) eine mysteriöse Rolle spielen...

Für heutige Sehgewohnheiten wirkt der Erzählstil der Serie etwas gemächlich, richtig Fahrt nimmt die Handlung erst ab Folge drei auf. Dann wird es aber spannend, denn das fiktive Szenario einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem britischen Empire, das Childers kurz nach der Jahrhundertwende entwickelte, wirkt angesichts des 11 Jahre später ausgebrochenen Ersten Weltkriegs aus nachträglicher Sicht geradezu seherisch.

Natürlich sieht man auch in technischer Hinsicht der Serie ihr Alter etwas an. Bild und Ton gehen aber noch mit vertretbaren Mängeln durch, vielmehr bemerkt man die heute doch arg gestrig wirkenden Kombinationen aus Studio- und Außenaufnahmen oder die unnatürlich ins Bild hineinkopierten Motive eines eine Schleuse passierenden Kriegsschiffs. Gelegentlich kann man sogar im Hintergrund fahrende Autos erkennen.

Dies wird jedoch wettgemacht von großartigen Bildern der rauen Nordseelandschaft, den eindrucksvollen Veränderungen des Wattenmeers bei Gezeitenwechsel und dem guten Spiel der beiden Hauptdarsteller, die sowohl Seglerkameradschaft als auch den beim Leben auf so engem Raum nicht ausbleibenden "Bootskoller" gut zu vermitteln wissen. Peter Sattmann verändert sich vom anfangs versnobten Londoner Salonlöwen zum zupackenden Naturburschen, während der bedauernswerte Burghart Klaußner sich in nahezu jeder Folge nackt in die sichtlich unwirtlich kalten Fluten stürzen musste. Gunnar Möller und Dietmar Mues geben ihre zwielichtigen Nebenrollen ebenfalls sehr gut, während man Isabell Varell in ihrer ersten richtigen Schauspielertätigkeit doch noch eine gewisse Hölzernheit attestieren muss, wofür sie aber mit dem mit mächtiger Röhre intonierten Titelsong entschädigt.

Die Box mit ihren vier DVDs ist sehr ansprechend gestaltet, einzig und allein am Bonusmaterial wurde arg gespart. Der als "Drehbericht" annoncierte Vierminüter auf DVD 4 stammt dem eingeblendeten Logo nach aus dem Bremer Regionalmagazin "buten un binnen" und ist daher eher ein kurzer Nachrichtenbeitrag als ernsthafte Dokumentation zum Thema. Hier hätte ich mich eher über rückblickende Interviews oder Audiokommentare mit den Protagonisten gefreut. Doch trotz dieses Mangels ein ganz tolles Stück deutscher TV-Geschichte!

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 29. April 2010

Nachtgedanken (086)

Angesichts der immer beunruhigenderen Meldungen, die aus Griechenland und aus anderen Ländern des Euro-Raumes kommen, habe ich für die heutigen "Nachtgedanken" aus der Feder Karl Julius Webers (1767-1832) etwas zum Thema Geld herausgesucht.

Und der Geldsack ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann ihn brauchen im Leben,
Und ob er auch dumm ist überall,
Dem Reichtum wird alles vergeben,
Und worauf kein Verstand des Verständigen fällt,
Das übet in Einfalt ein Tölpel ums Geld.

Sonntag, 25. April 2010

Paul Schäfer †

(Foto: sueddeutsche.de)

Mit dem gestrigen Tod des 88jährigen Begründers der berüchtigten "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer,  ist eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte von nach dem 2. Weltkrieg nach Lateinamerika ausgewanderten Deutschen zu Ende gegangen. Der Verantwortliche für dutzend- und hundertfaches Leid von Kindern starb gestern in einem Gefängniskrankenhaus der Hauptstadt Santiago de Chile, nachdem er nach jahrelangem Schutz durch das Pinochet-Militärregime erst im jahr 2006 juristisch zur Verantwortung gezogen wurde. Für erschütternde Innenansichten aus der Kolonie sei an dieser Stelle das Buch "Geboren im Schatten der Angst: Ich überlebte die Colonia Dignidad" von Klaus Schnellenkamp empfohlen.

Montag, 12. April 2010

Nach tagelanger Funkstille...

...melde ich mich hiermit zurück an Deck. Kurz vor Ostern hat mich eine Lungenentzündung aus den Latschen kippen lassen, die mir schlußendlich einen 10tägigen Krankenhausaufenthalt einbrachte. Ich tippe mal auf die firmeneigene Klimaanlage als Verursacher des ganzen Desasters. So richtig fit fühle ich mich immer noch nicht, meine Hausärztin wird deshalb morgen über den weiteren Gang der Dinge entscheiden.

In meiner Abwesenheit beendeten wieder einige Prominente ihr irdisches Dasein und somit gehen ehrende Gedenken an den ehemaligen "Hauptdarsteller der TV-Kultserie "Der Denver-Clan", John Forsythe (92, † 01.04.), die Schaupielerin Gisela Trowe (87, † 05.04.), den legendären Manager der nicht minder legendären Punk-Heroen Sex Pistols, Malcolm McLaren (64, † 08.04.) und den bei einem tragischen Flugzeugabsturz in Russland getöteten polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczyński (60, † 10.04.).


Dienstag, 23. März 2010

Buch-Rezensionen (184): Hillary Rodham Clinton - Gelebte Geschichte (2003)

(Cover: Amazon.de)

Ich gebe zu: ich bin bekennender Fan der Clintons und war doch ziemlich geknickt, als die ehemalige First Lady das Vorwahlrennen der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur gegen Barack Obama verlor. Das bisher eher glücklose Agieren des im letzten Jahr ins Amt eingeführten ersten schwarzen US-Präsidenten scheint mich eher in meiner Meinung zu bestätigen, dass Frau Rodham Clinton einfach die bessere Alternative gewesen wäre. Jahre vor diesem aufregenden Wahlkampf erschien mit "Gelebte Geschichte" eine Zwischenbilanz der heutigen Außenministerin der USA und nachdem mich die Präsidentenmemoiren "Mein Leben" ihres Mannes aufgrund ihrer Zähigkeit doch arg enttäuschten, war ich gespannt, ob der Einblick in amerikanische Spitzenpolitik und Zeitgeschichte aus erster Hand hier besser gelingt. Mein Fazit: definitiv!

Wie auch in Bill Clintons Erinnerungen ist die Beschreibung von Kindheit, Schule und Studium sehr kurzweilig und interessant geraten. Es fällt auf, wie früh sich Hillary Clinton politisch engagierte, geprägt durch ihren konservativen Vater zunächst bei den Republikanern. Auch interessant die Ausführungen über ihre Jahre als Gouverneursgattin in Arkansas, gerade weil dies die Zeit war, in der sie ohne Absicht begann, rhetorisch in Fettnäpfchen zu treten, da im Politikbetrieb praktisch jedes einzelne Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Auch die ersten Probleme in Form von Kampagnen, Affären und juristischen Auseinandersetzungen resultieren aus dieser Phase ihrer politischen Arbeit.

Im Gegensatz zu "Mein Leben" driftet "Gelebte Geschichte" in der Schilderung der Präsidentschaftszeit nicht in ein scheinbares Abarbeiten des Terminkalenders ab. Zwar werden auch prägende Ereignisse erzählt, erwähnenswerte Treffen mit Präsidenten, Premierministern und Monarchen geschildert, aber es bleibt auch genug Raum für viele kleine Details am Rande, die für ein staatstragendes Buch wie die Lebenserinnerungen des ehemals mächtigsten Menschen der Welt vielleicht zu profan gewesen wären.

Eher zurückhaltend behandelt Hillary Clinton die Ereignisse um die außerehelichen Eskapaden ihres Mannes, ein Verhalten, dass man einer betrogenen Ehefrau wohl zugestehen sollte. Was bringt es auch, Jahre später schriftlich auf jemanden wie Monica Lewinsky einzuprügeln? Umso schärfer geht sie mit den politischen Gegnern Bill Clintons ins Gericht, die diese moralischen Verfehlungen zu politischen Zwecken zu nutzen versuchten. Sehr lesenswert auch die Schilderungen, wie die Familie per Partnertherapie darum kämpfte, die Ehe zu retten - erfolgreich, wie man heute weiß.

Insgesamt ein spannendes Buch einer von mir sehr bewunderten, starken Frau, der ich noch viel Kraft und Glück für ihr weiteres politisches Tun wünsche. Neben den persönlichen Erlebnissen erlaubt "Gelebte Geschichte" Einblick in die Prozesse amerikanischer Innen- und Außenpolitik sowie den Zustand eines von uns Europäern nicht immer zu verstehenden Landes. So ist der auch bei Frau Clinton festzustellende starke religiöse Einfluss auf ihre politische Arbeit für mich persönlich eher befremdlich, was nichts daran ändert, großen Gefallen an diesem Buch gefunden zu haben. Dieses endet zum Zeitpunkt ihrer Wahl zur Senatorin des Staates New York, sicherlich wird nach ihrer Amtszeit im US-Außenministerium ein weiteres Buch erscheinen - ich freu mich drauf!

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 16. März 2010

CD-Rezensionen (183): The Doors - Waiting For The Sun (1968)

(Cover: Amazon.de)

Gerade bei den Alben der Doors ist es unerlässlich, einmal über den musikalischen Tellerrand hinaus zu schauen und die Platte in den gesamtgesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Was im Falle von "Waiting For The Sun" bedeutet: 1968. Studentenrevolte weltweit. Vietnamkrieg eskaliert durch die Tet-Offensive. Martin Luther King und Robert Kennedy werden ermordet. Und, und, und.

In solch unruhige Zeiten scheint das nach den teilweise schwer sperrigen Meisterwerken "The Doors" und "Strange Days" aus dem Vorjahr in weiten Teilen geradezu weichgespült wirkende dritte Album der Amerikaner nicht recht zu passen, wie von einem anderen Planeten wirken verträumt vor sich hin mäandernde Songs wie "Love Street", "Summer's Almost Gone", "Wintertime Love" oder "Yes, The River Knows".

Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auf diesem Album einige geradezu zur Legende gereifte Stücke des Quartetts Morrison, Manzarek, Krieger und Densmore befinden. "The Unknown Soldier" jagt dem Zuhörer in seiner zupackenden Intensität den einen oder anderen Schauer über den Rücken, "Spanish Caravan" nimmt einen mit auf die Reise (unglaublich wieviel Lebensgefühl man in gerade einmal drei Minuten packen kann!). Doch auch der Rest ist alles andere als Füllmaterial. "Hello, I Love You" ist eine herrlich direkte in Notenform gegossene Liebeserklärung, das meditative "My Wild Love" läd förmlich zu einer Prozession unter Anführung von "Mr. Mojo Risin'" ein und "Five To One" ist in seiner dreckigen Obszönität einfach ein erdiges und rotzig-besoffen gesungenes Stück Blues, dessen Textzeile "No One Here Gets Out Alive" immerhin der bekanntesten Morrison-Biografie ihren Namen gab. Einzig und allein "We Could Be So Good Together" lässt mich in seiner Unentschlossenheit relativ kalt.

Sicherlich kann "Waiting For The Sun" nicht mit seinen beiden Vorläufern mithalten, es beinhaltet trotzdem die eine oder andere Entdeckung, gerade, wenn man sich etwas länger mit den 33 Minuten Musik beschäftigt. Mag man einigen Songs auch die damaligen Alkohol- und Drogen-Eskapaden Morrisons mehr als deutlich anhören, wie schrieb der "American Poet" im vielleicht stärksten Song des Albums, "Not To Touch The Earth"?


I Am The Lizard King.
I Can Do Anything.


Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 24. Februar 2010

Und ab die Post...

Heute habe ich nun also meine Hausarbeit, die das erste Semester beschließt, postalisch auf den Weg nach Hagen gebracht. Ich hab eigentlich ein recht zuversichtliches Gefühl, aber weiß man, wie der Korrektor tickt? Die Bearbeitungszeit für die Bewertung wurde mit bis zu 8 Wochen annonciert, jetzt heißt es also sehr geduldig sein.

Ich hatte aus drei im Angebot befindlichen englischsprachigen Fachtexten einen auszuwählen und wie kurioserweise etwa 90% meiner Kommilitonen habe ich mich für diesen entschieden, der sich mit der Krise der weltweiten Demokratieförderung befasst. Im ersten Teil der Arbeit waren an eben jenem Text einige analytische Aufgaben durchzuführen, die Beleuchtung des Wissenschaftlichkeit, Argumentationsführung und kritische Bewertung und einige andere Dinge mehr einschlossen. Im zweiten Teil hatte ich aus diesem Text eine eigene fiktive Problemstellung abzuleiten, für die ein etwa fünfseitiges Exposé anzufertigen war. Ich habe dann aus einer Passage, die die Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten in jungen Demokratien aufgrund unverändert schlechter Lebensumstände beschrieb, auf ein etwas konkretes Gebiet geschlossen und mein eigenes Thema "Vergleichende Betrachtung von Demokratiemessung und zivilgesellschaftlichem Konsens am Beispiel ausgewählter Staaten Zentralamerikas" benannt. Ich hoffe, der Prüfer findet das nicht zu abseitig...

Nun denn - abwarten und Tee trinken...

Samstag, 20. Februar 2010

Nekrolog-Nachtrag

Durch meine mehrwöchige Abwesenheit konnte ich nicht auf die in dieser Zeit Verstorbenen reagieren, von daher ein stilles Gedenken an den Darsteller des Adam Cartwright in der Westernserie "Bonanza", Pernell Roberts (81, † 24.01.), den Autor des Kultbuchs "Der Fänger im Roggen", J.D. Salinger (91, † 27.01.), den Sänger des One-Hit-Wonders OMC ("How Bizarre", 1996) Pauly Fuemana (40, † 31.01.), den ZDF-Sportreporter Michael Palme (66, † 10.02.), den so tragisch verunglückten georgischen Rennrodler Nodar Kumartaschwili (21, † 12.02.), den The Knack-Sänger und Autor des Welthits "My Sharona", Doug Fieger (57, † 14.02.), der durch Suizid aus dem Leben geschiedenen DDR-Popsängerin Ines Paulke (51, † 17.02.), der DDR-Radsport-Trainerlegende Wolfram Lindner (68, † 17.02.) und den ehemaligen US-Außenminister Alexander Haig (85, † 20.02.).

Dienstag, 5. Januar 2010

Buch-Rezensionen (179): Dietrich Schwanitz - Bildung. Alles was man wissen muß (Hörbuch) (1999)

(Cover: Amazon.de)

Ein in den letzten 15 Jahren immer mehr zu beobachtendes Phänomen der Medienlandschaft ist die zunehmende Anthologisierung von Literatur oder Musik. Immer neue Editionen, die mehr oder weniger marktschreierisch eine repräsentative Auswahl versprechen oder gar nur das Beste präsentieren wollen, drängen mit zum Teil recht großen Namen im Hintergrund auf den Markt. Ob nun Marcel Reich-Ranicki einen Lesekanon der deutschen Literatur zusammenstellt oder die "Süddeutsche Zeitung" eine eigene Bibliothek und Cinemathek mit den angeblich größten Literaturwerken und Filmen des 20. Jahrhunderts ediert - es wird wohl nie so etwas wie eine endgültige Auswahl geben. Von daher ist der Titel dieses umfassenden Kompendiums des 2004 verstorbenen Literaturwissenschaftlers Dietrich Schwanitz schon reichlich kühn gewählt. Oftmals wird Bildung mit schnödem Faktenwissen gleichgesetzt und gelegentlich schrammt auch vorliegendes Hörbuch lautstark knirschend an diesem Riff vorbei.

Warum habe ich mich aber denoch beim Hören des von Matthias Ponnier mit wunderbar sonor-ironischen Stimme gelesenen Audiobooks keineswegs gelangweilt? Nun, zunächst ist "Bildung. Alles was man wissen muß" erst einmal Unterhaltung. Der Lern- und "Aha!"-Effekt stellt sich ganz von allein und geradezu en passant ein. Der Autor spannt einen weiten Bogen von Menschheits-, Demokratie-, Literatur-, Musik- und Kunstgeschichte über grundlegende Fragen der Philosophie bis hin zu grandios kurzweiligen Interpretationen der gesellschaftlichen Eigenschaften und Phänomene ausgewählter Länder und deren Blick auf Deutschland und seine Bewohner. Gerade wenn man Bekannte in einigen dieser Staaten wie den USA, Frankreich oder Österreich hat, kann man sich das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen, glaubt man doch, den Freund geradezu persönlich porträtiert zu sehen. Großartig!

Natürlich kann und will dieses Buch gar keinen allumfassenden Überblick über die angeführten Bereiche bieten. Anreize, sich tiefer mit allen Dingen zu befassen, gibt es jedoch auf spannende und äußerst eingängige Weise. Leider werden die Naturwissenschaften komplett ausgeklammert, ein riesiger Bereich, der ohne Zweifel definitiv zur Bildung gehört. Eigentlich schade, eine nicht immer bierernst gestaltete Reise durch die Welt von Biologie, Physik, Chemie und anderen Sparten hätte ich mir hier auch sehr gut vorstellen können.

Die Hörbuchausgabe kann gerade im Bereich der Musikwissenschaft punkten, können doch so Tonarten, Dreiklänge und ähnliche Grundbausteine der Musik mit Klangbeispielen untermalt und somit verdeutlicht werden. Freilich verpufft dieser Effekt sofort wieder im benachbarten Bereich der Bildenden Kunst. Dennoch darf man aufgrund der sehr guten Sprecherleistungen bedenkenlos zum Kauf dieser Version des mit einem Augenzwinkern versehenen Kanons raten.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 6. Dezember 2009

DVD-Rezensionen (174): Apocalypse Now Redux (1979/2001)

(Cover: Amazon.de)

Praktisch auf Schritt und Tritt begegnet man in Francis Fords Coppolas in das Szenario des Vietnamkriegs eingebetteter Adaption von Joseph Conrads eigentlich in Afrika spielenden Erzählung "Herz der Finsternis" (1899) auf zu modernen Klassikern gewordenen Szenen oder Filmzitaten. Sei es der Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf zu den Klängen von Richard Wagners "Walkürenritt", der berühmte "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen..."- Monolog von Lieutenant Colonel Bill Kilgore (Robert Duvall) oder bereits schon die Eingangssequenz, die von einem der Monolithen aus dem Schaffen der Doors, "The End", begleitet wird, und, und, und - hier schreit förmlich alles: Kult! Genial! Groß!

Dazu passt perfekt, es bei dem 1979 veröffentlichten Film mit einem Produkt reinsten menschlichen Wahnsinns zu tun zu haben. Zerstörung des Sets durch Sturm, massive Budgetüberschreitungen, Herzinfarkt bei Hauptdarsteller Martin Sheen sowie die legendären Allüren Marlon Brandos inklusive. Immer wieder stößt man im Film auf deutlich sichtbare Zeichen dieser Begleitumstände, was der Authentizität und Wirkungsmacht auf den Zuschauer ungeahnte Vorschübe leistet.

War das Original mit 153 Minuten Lauflänge allein schon nicht eben ein Kurzfilm, sattelte man mit der 2001 veröffentlichten - ironischerweise mit dem Zusatz "Redux" versehenen - Director's Cut-Version nochmal satte 50 Minuten obendrauf. Diese Fassung enthält nicht einfach nur neue Szenen sondern erhielt auch noch einen Umschnitt und in der deutschen Ausgabe eine Neusynchronisation, bei der nur Sprecherstar Christian Brückner als Martin Sheens Stimme seinen Part behielt. Für mein Empfinden bringt nicht alles aus diesem Zusatzmaterial den Film wirklich voran, die Passagen auf der Farm der französischen Kolonialisten scheinen ihn geradezu zu lähmen - ein Mittelweg zwischen Original und der "Redux"-Veröffentlichung wäre wohl die bessere Lösung gewesen.

Dies ändert freilich nichts am Status des Films, der zum einen grandios besetztes Starkino (neben Sheen, Brando und Duvall wirken unter anderem noch Hollywood-Größen wie Dennis Hopper, Harrison Ford und der damals erst 17jährige Laurence Fishburne in einer seiner ersten Rollen mit) liefert, zum anderen aber auch für einen Antikriegsfilm erstaunliche Arthouse-Einflüsse aufweist. Denn andere Klassiker zur Vietnamkriegsproblematik wie "Die durch die Hölle gehen" (1978), "Platoon" (1986) oder "Full Metal Jacket" (1987, dessen wohl eindrucksvollste mitwirkende Gestalt Ronald Lee Ermey hier eine kleine Nebenrolle als Hubschrauberpilot spielt) heben dann stellenweise doch eher das Action-Element bzw. das Sozialdrama hervor.

Bild und Ton der DVD erreichen gute Werte, an Bonusmaterial ist lediglich ein von Regisseur Coppola kommentiertes alternatives Filmende sowie einige Trailer enthalten. Ungeachtet der leichten Schwächen, der mangelnden DVD-Ausstattung und des Nichterreichens von technischen Spitzenwerten bei Bild und Sound - hier gibt es nur eine Wertung und die heißt volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 11. November 2009

Buch-Rezensionen (170): Isaak M. Korotkin - Seeunfälle und Katastrophen von Kriegsschiffen (1977)

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Dieses im russischen Original 1977 in der Sowjetunion erschienene Buch widmet sich der faktenbasierten Untersuchung von Unfällen und Katastrophen auf Überwasserkriegsschiffen, die sich noch einmal in Brände und Eplosionen, Kollisionen sowie Grundberührungen und Sturmschäden untergliedert. Aber: dies ausschließlich auf Schiffen (Zitat) "kapitalistischer Flotten" des Zeitraums ab etwa 1930 . Die Gründe für diese Geheimniskrämerei liegen auf der Hand. Offiziell gab es im eigenen Militärbereich keine Unfälle, erst in den letzten Jahren nach den politischen Veränderungen sind viele Desaster in Schiff-, Luft- und Raumfahrt des ehemaligen Ostblocks publik geworden. In puncto Vertuschung wurde damals - offiziell aus Eigenschutz vor westlicher Spionage - ganze Arbeit geleistet.

Ein Buch, das so politisch kontaminiert daherkommt, muss man also mit Vorsicht genießen. Äußert doch der Autor selbst im Vorwort wie folgt:

"Ursachen für eine Reihe von Seeunfällen war auch der niedrige politsisch-moralische Zustand, die psychologische Labilität der Männer sowie ein nachlässiges, bisweilen verantwortungsloses Verhalten gegenüber den eigenen Pflichten. Das ist für viele Schiffe kapitalistischer Flotten charakteristisch. ... Obgleich die Erfahrungen kapitalistischer Flotten behandelt werden, können sie auch für unsere Flotten nützlich sein. Hierbei ist jedoch der hohe politisch-moralische Zustand unserer Seeleute und das in den brüderlich verbundenen sozialistischen Seekriegsflotten bestehende gegenseitige Vertrauen zwischen Matrose und Offizier zu beachten"

Zitat Ende. Das ist Kalter Krieg pur und blendet den auch in den eigenen Reihen durchaus vorhandenen Schlendrian geradezu grotesk aus. Trotz alledem: sieht man von diesen ärgerlichen Dingen einmal ab, erhält man durchaus ein sehr faktenreiches, in vielen Fällen auf westlichen Quellen (z.B. "Jane's Fighting Ships") beruhendes Kompendium verschiedenster Schiffsunfälle und -katastrophen, das natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Prominente Ereignisse, wie die Explosion auf dem US-Flugzeugträger "Forrestral" (1967) wechseln sich mit wenig bekannten Namen und Daten ab. Dem Buch ist ein umfassender Schlußfolgerungs- und Analyseteil, Tabellen mit einer Unfallübersicht, Anmerkungen des deutschen Bearbeiters, ein Verzeichnis der Abkürzungen und eine ausführliche Literaturliste angefügt.

Eigentlich ein interessantes und mit zahlreichen Fotografien versehenes Werk zu einem eher wenig beachteten Thema, dennoch mit schwerem ideologischen Ballast behaftet, was die Wertung einfach ins Mittelfeld sinken lassen muss.

Bewertung: 3 von 5

Samstag, 10. Oktober 2009

What the hell...

Ich mach's mal kurz und knapp. Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an US-Präsident Barack Obama. Eingedenk der Tatsache, dass die Nominierungsfrist für diese Auszeichnung bereits am 01. Februar dieses Jahres, also nicht einmal zwei Wochen nach Amtsantritt des Präsidenten endete, stellt sich mir seit heute morgen permanent die Frage: Für was bekommt er den eigentlich???