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Montag, 19. April 2010

DVD-Rezensionen (186): Shrek der Dritte (Special Edition) (2007)

(Cover: Amazon.de)

Das Schöne an den vorangegangen Filmen rund um den übellaunigen grünen Sumpfbewohner waren immer die herrlich politisch inkorrekten Seitenhiebe auf "Friede, Freude, Eierkuchen"-Trickfilme á la DISNEY, die zum Miträtseln animierenden Filmzitate und die im Minutentakt ausbrechenden Streitgespräche zwischen Shrek und dem quasselstrippigen Esel Donkey. Nimmt man sich aber nun einmal die dritte (und noch nicht letzte) Ausgaber der Oger-Saga zur Brust, muss man doch deutliche Abnutzungserscheinungen konstatieren.

Dabei haben die Macher aus der DreamWorks-Schmiede versucht, alle Erfolgszutaten der beiden Prequels wiederzuverwenden. Alle relevanten Protagonisten sind wieder an Bord (das Grautier durch den viel zu frühen Tod Randolf Kronenbergs mit neuer und daher ungewohnter Synchronstimme), ein paar neue Charaktere gibt es als Zugabe - aber die Story? Manchmal glaubt man, einem Resultat des Autorenstreiks in Hollywood aufgesessen zu sein, denn die Geschichte um die mit Schwierigkeiten behaftete Findung eines Thronfolgers im Königreich "Weit Weit Weg" sowie dem erwarteten Nachwuchs von Shrek und seiner Göttergattin Fiona stottert doch nachhaltig vor sich hin und entfaltet nur in wenigen Szenen den humorigen Charme des Erst- und Zweitlings aus den Jahren 2001 und 2004.

Somit ist die Handlung schnell erzählt. Nach dem Tod des alten Froschkönigs Harold soll Shrek den Regentenposten im Königreich übernehmen, hat aber herzlich wenig Lust dazu. Daher macht er sich auf die Suche nach Artus, einem entfernten Verwandten Fionas, der ebenfalls den Thron anwärmen könnte. Dumm nur, dass in Shreks Abwesenheit Fiesling Prinz Charming die Macht an sich reißt...

Soweit, so öde. Zwar ist "Shrek der Dritte" technisch wie immer auf der Höhe der Zeit, aber irgendwie will sich das alte Feeling nicht einstellen, da helfen auch Selbstzitate wie der herzzerreißende Blick des Gestiefelten Katers (wie immer von Benno Fürmann mit drolligem pseudo-spanischem Akzent gesprochen) nicht viel. Auch das Bonusmaterial dieser Special Edition ist nicht gerade von begeisterungsfähigem Inhalt. Bild und Ton sind über jeden Zweifel erhaben, ein paar gute Gags gibt es auch, animationstechnisch höchstes Level - das reicht immerhin für das Bewertungs-Mittelfeld.

Ladies und Gentlemen in L.A. hergehört: beim nächsten Mal bitte besser machen!

Bewertung: 3 von 5

Sonntag, 14. März 2010

DVD-Rezensionen (183): Ratatouille (2-Disc Special Edition / 3D-Pop-Up-Box) (2007)

(Cover: Amazon.de)

Ein Glück für den Distributor des Films, dass das Wortspiel mit Ratte und dem französischen Gemüsegericht auch hierzulande halbwegs funktionierte. Somit blieb dem äußerst vergnüglichen Produkt aus der kalifornischen Animationsschmiede eine Umbenennung erspart. Was richten uns die Herren um John Lasseter hier als Galamenü an?

Die gemeine Wanderratte Rémy hat ein über das schnöde Fressen hinaus ein ganz besonderes Faible für Lebensmittel - kochen! Diese ausgefallene Eigenschaft stößt bei ihrer zahlreichen Verwandtschaft auf wenig Verständnis und als er auch noch unfreiwillig von seiner Sippe getrennt wird kann der kulinarisch bewanderte Nager in einem Pariser Gourmettempel zeigen, was in ihm steckt, als er dem schusseligen Neukoch Linguini aus der Patsche hilft und an dessen Stelle an den Töpfen zaubert. Zwar steigt durch die dem Tollpatsch zugeschriebenen Kochkünste das Renomee und der Umsatz des heruntergewirtschaften Restaurants wieder sprunghaft an, aber nun steht ein Besuch des gefürchteten Gastro-Kritikers Ego ins Haus und ausgerechnet jetzt haben sich Linguini und Rémy zerstritten...

Über die technische Qualität eines PIXAR-Films muss man im Regelfall kein Wort verlieren, zu kontinuierlich ist der Verbesserungsprozess mit jedem neuen Werk. Hier jedoch drehten die Macher noch einmal ganz besonders das große Rad, ist doch die gerade als Hohe Schule geltende und fast unmöglich zu meisternde Animation von Fell nahezu perfekt gelungen. Dazu noch der Spaß und die Rasanz der Story, die neben den optischen Schauwerten eines grandios ausgeleuchteten Paris für die erwachsenen Zuschauer auch noch erkennbare Seitenhiebe gegen die sich teilweise doch arg um sich selbst drehende Welt der Haute Cuisine und vor allem der Restaurantkritik bereithält. Das ist das Schöne an den Filmen aus Emeryville - Groß und Klein finden hier immer etwas ganz Spezielles für sich!

Diese Special Edition mit (wenig aufregendem) aufklappbarem 3D-Pappschuber kommt auf ihren zwei Scheiben mit vielfältigem Bonusmaterial daher. Mit "Lifted" ist der übliche Kurzfilm enthalten, in dem diesmal ein "Alien-Azubi" mit den Bedienelementen seines Raumschiff herumexperimentieren darf, was naturgemäß zu allerlei Allotria führt. Interviews, Making Ofs und zusätzliche Szenen fehlen auch nicht, ein breiter Blick hinter die Kulissen ist somit gewährleistet. Etwas befremdlich wirkt der Kurzfilm "Mein Freund, die Ratte", der vor lauter Political Correctness kaum gehen kann. Da merkt man die gerade für den amerikanischen Schadenersatz-Klagewahnsinn gemachten Verrenkungen im Rattenporträt auf Schritt und Tritt. Sehr komisch, das!

Alles in allem eine DVD in feinster Bild- und Tonqualität - kaufen!

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 25. Dezember 2009

DVD-Rezensionen (177): MATRIX Revolutions (2003)

(Cover: Amazon.de)

Der abschließende dritte Film des MATRIX-Universums weist für mich Parallelen zum letzten "Fluch der Karibik"-Film auf - ein einigermaßen versöhnlicher Abschluss nach einem völlig missratenen zweiten Teil. Setzte der Auftakt neue Maßstäbe im Action-Bereich, wurde in "MATRIX Reloaded" einfach viel zu viel und vor allem zu verquast geschwafelt. Nix gegen ein wenig philosophische Fingerübungen im Kino-Business, aber dann aber auch bitte im passenden Plot plaziert!

Nun also eben das grosse Finale. Zion, als letzte Bastion der freien Menschheit, wird von einer gigantischen Maschinenarmee angegriffen und alle Hoffnungen der Kämpfer ruhen auf dem Auserwählten Neo (Keanu Reeves). Doch dieser muss sich in die Maschinenstadt begeben, um das völlig außer Kontrolle geratenen Ex-Agenten-Programm Smith (Hugo Weaving) aufzuhalten...

Ein mächtiges Technik-Arsenal fuhren Andy und Larry Wachowski für den zeitgleich zu "MATRIX Reloaded" gedrehten Film auf. Bei der Entscheidungsschlacht wird somit jede Menge Krawumm geboten, optisch und akustisch ist das Spektakel daher gar nicht übel. Das sollte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass von der Logik und Faszination des ersten Films mit all seiner Originalität, Innovation und Überraschung herzlich wenig übrig geblieben ist. Dennoch, für ein heftiges Freipusten des gestressten Zuschauerhirns bietet "MATRIX Revolutions" schon einiges an Schauwerten, immer die Akzeptanz des Genres vorausgesetzt.

Bild und Ton der DVD sind ordentlich, die Austattung der Einzel-Ausgabe hingegen, wie nicht anders zu erwarten, dünn. Allerdings ist das MATRIX-Universum eh mit derart vielen Bonusfeatures geflutet worden, dass man ohnehin kaum in den Besitz alles verfügbaren Zusatzmaterials kommen kann, ohne seinen Geldbeutel im erheblichen Maße zu belasten. Das Ende der Trilogie geht schon in Ordnung, trotzdem: gut, dass es endlich vorbei ist...

Bewertung: 3 von 5

Montag, 21. Dezember 2009

Geht doch...

Ich als Technikidiot™ bin ja heute echt stolz wie Bolle, mein seit einiger Zeit vom PC nicht mehr erkanntes DVD-Laufwerk wieder zum Funktionieren gebracht zu haben. Dafür musste ich nur etwas in die Registry abtauchen und die Werte im Bereich "Upper & Lower Filter" löschen. Funktioniert wieder alles, einfache Ursache, große Wirkung...

Montag, 14. Dezember 2009

CD-Rezensionen (175): 16 Bit - INAXYCVGTGB (1987)

(Cover: Amazon.de)

Bevor gegen Ende der 80er Jahre auch in den kommerziellen Charts die grosse Acid House- und Techno-Welle losbrach, war das, was die später noch einmal mit SNAP! zu Weltruhm gelangten Michael Münzing und Luca Anzilotti unter dem Label 16 Bit veröffentlichten ganz vorne dabei im europäischen Dancefloor-Konzert. Stilistisch einer ganzen Reihe ähnlicher deutscher Projekte wie OFF oder Silicon Dream verwandschaftlich verbunden (die sich hinter ersterer Formation verbergende DJ-Legende Sven Väth fungiert auch beim Single-Hit "Where Are You?" als Sänger), zeigt sich hier, dass das Epizentrum des damaligen Sounds in Frankfurt und München zu suchen war. Namen wie die der Clubs "Dorian Gray" oder "Omen" haben heute noch einen geradezu mythischen Ruf.

Auch wenn sich naturgemäß das Hauptaugenmerk bei diesem heute zu absurden Höchstpreisen gehandelten Tonträger auf die Hits "Where Are You?" und "Changing Minds" legt - diese Platte hat wahrlich noch mehr zu bieten! "(Ina) Gadda-Da-Vida" bedient sich kurzerhand eines der berühmtesten Songnamen der Rockgeschichte, um dessen Entstehungsgeschichte sich bis in die Gegenwart wüste Geschichten ranken. Mit dramatischen Rock-Vocals von Eddie Hind versehen, stampft dieser Kracher ordentlich aufs Parkett, besonders eindrucksvoll die an düstere Chöre erinnernden Backgroundsounds.

Auch die folgenden Tracks gehen allesamt schwer elektronisch zu Werke, geprägt von dem, was die Sound- und Sample-Datenbänke damals hergaben. Das erinnert mal an Kraftwerk ("Be Quiet"), mal an Depeche Mode ("Too Fast To Live") oder an anderer Stelle gar an Ultravox ("Desire"). Richtig schnuckelig schräg hingegen "132 Beats 'xycvgtgb'", das einen prägnant-straighten Beat mit allerlei putzigen Samples - wie beispielsweise Verkehrsdurchsagen - verbindet. Gefällt mir sehr, wie auch das experimentellste Stück auf dieser CD, "Death Of A Chip ('Der Mix')". Klingt wie frühe OMD und das ist genau meine Baustelle...

Die CD-Version beinhaltet noch diverse Mixe als Bonus, hierbei ist insbesondere der Laser Edit von "Be Quiet" lobend zu erwähnen. Macht summasummarum satte 74 Minuten heute als absolute Rarität gehandelte Dancefloor-Geschichte. Wer zu einem vernünftigen Preis drankommt - kaufen!

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 17. November 2009

Hmmmpffff, grrrrrrrrrr, grummel...

Fast war sie fertig, meine Buch-Rezension zur Romy-Schneider-Biografie von Alice Schwarzer. Wie üblich bei Amazon geschrieben, um dann eine Kopie hier abzulegen. Da klappt mir doch tatsächlich mein Opera alle Tabs zu! Zwar kann man exakt alle bei Abbruch geöffneten Fenster sofort wieder aufrufen, doch natürlich: die Rezensionsbox war - leer! Und nix zwischengespeichert, alles weg - ich glaub, ich brech ins Essen...

Dann eben morgen...

Dienstag, 3. November 2009

Buch-Rezensionen (169): Dan Brown - Diabolus (Hörbuch) (1998)

(Cover: Amazon.de)

"Diabolus", im englischen Original "Digital Fortress", ist der Debütroman von Bestseller-Autor Dan Brown. Bereits 1998 veröffentlicht, schaffte es der Thriller aus dem Geheimdienst- und Informatik-Millieu erst im Fahrwasser des Erfolgs von "Sakrileg/DaVinci Code" in einer deutschen Übersetzung auf den hiesigen Markt.

Wer sich auf ein Buch des Amerikaners einlässt, sollte eines ganz gewiss nicht sein - ein Experte auf den in den Romanen verarbeiteten Fachgebieten. Sei es jetzt Kunstgeschichte oder Architektur, Theologie oder andere Wissenschaften. Denn allzu frei rührt der Autor gesicherte Fakten mit freien Interpretationen und groben Rechercheschnitzern zu einem zwar spannenden, aber letztendlich doch unbefriedigenden Eintopf zusammen. Schmeckt erst einmal lecker, verursacht dann aber doch eher Bauchschmerzen. Von daher mit etwas Vorsicht zu genießen.

"Diabolus" beinhaltet alles, was auch in allen späteren Romanen thematisiert wird. Eine Verschwörung - hier inmitten des allmächtigen US-Geheimdienstes NSA - ein Bösewicht, der nicht sofort (oder doch?) als solcher zu entlarven ist, ein attraktives Heldenpärchen, das unvermittelt in den Strudel der Ereignisse hineingezogen wird, ein Killer...wenig Abwechslung im Hause Brown.

Man muss also eine ganze Menge ausblenden, wenn man so etwas wie Spaß mit den Büchern des Autors haben will, sein kommerzieller Erfolg spricht allerdings auch für sich. Trotzdem ist dieser Erstling eines der eher schwächeren Produkte Browns, schon seltsam, dass mir die zum Schluss des Plots benötigte Code-Ziffernfolge schon gleich zu Beginn des Buchs förmlich ins Auge sprang und ich die kopflos-hektische Aufgeregtheit der Protagonisten nicht im Geringsten nachvollziehen konnte.

Diese Hörbuchversion lebt von der angenehmen Stimme Detlef Bierstedts, nicht umsonst einer der bekanntesten Synchronsprecher des Landes. Dessen unaufgeregte Lesung hievt die Wertung noch eine Stufe nach oben, denn im internen Vergleich des Brownschen Schaffens zieht "Diabolus" doch eher den kürzeren, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen fachlichen Fehler im kryptographischen Bereich, Fehler, denen sich schon ganze Webseiten und Fachaufsätze widmen.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 30. September 2009

DVD-Rezensionen (164): Horton hört ein Hu! (2008)

(Cover: Amazon.de)

Die Kinderbücher von Dr. Seuss, in den USA klassischer Kinderliteratur-Stoff, rücken in Europa allenfalls gelegentlich durch diverse Verfilmungen ins Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit. Kennt man den Zeichenstil des 1991 verstorbenen Autors, wird man ihn daher sofort beispielsweise in den Filmen "Der Grinch" (mit Jim Carrey, 2000) oder "Ein Kater macht Theater" (mit Mike Myers, 2003) wiedererkennen. Dies ist auch bei "Horton hört ein Hu!" so, der auf einer literarischen Vorlage aus dem Jahre 1954 beruht.

Die Geschichte: der gutmütige Elefant Horton, der in einem bunten Dschungel voller Tiere lebt, hört eines Tages von einem Staubkorn ein Geräusch. Wie sich herausstellt, ist es von winzigen Bewohnern in der Stadt Huheim besiedelt, die durch das herumschwebende Staubkorn in größter Gefahr sind. Horton beschließt, sie an den sichersten Platz des Waldes, die Spitze des Nümpelsberges, zu bringen, doch eine genervte Känguruhdame (klasse gesprochen von Anke Engelke) versucht, ihm diese Mission zu vermasseln und das Staubkorn in ihre Gewalt zu bringen...

Die Story ist leidlich spannend und kann mit einigen gelungenen Gags aufwarten. Leider wird einem die Moral (Stichwort: das mantraartig wiederholte "Ein Mensch ist ein Mensch, wie klein er auch sei!") fast schon mit dem Holzhammer vermittelt. Hier läßt sich der Entstehungsort und -zeitraum der Vorlage nicht verleugnen. Punkten kann der Film jedoch vor allem in technischer Hinsicht. Tolle Farben, klasse Animationen in Hochglanzoptik, satter 5.1-Sound - es macht jedesmal Spaß, mit Verblüffung bei den jeweils neuesten Werken von PIXAR, Dreamworks oder eben hier Blue Sky Studios die neuesten Fortschritte in der Animationstechnik zu bestaunen.Ein Wermutstropfen hingegen die Synchron-Besetzung der Hauptrolle in der deutschen Fassung. Der von mir sonst überaus geschätzte Christoph Maria Herbst scheint mir für den Elefanten Horton doch die falsche Wahl zu sein. Wahrscheinlich wollte man ein ebenso quirliges Pendant zu dem die Originalstimme leihenden Jim Carrey verpflichten, doch in meinem Empfinden zündet das einfach nicht. Positiv hingegen die bereits erwähnte Anke Engelke und vor allem Klaus-Dieter "Dr. House" Klebsch als herrlich fieser Geier Vlad.

Da die DVD technisch sehr annehmbar ist und darüber hinaus für ein Single-Disc-Produkt in üppigem Umfang Bonusmaterial aufbietet (geschnittene Szenen, Kommentare, Produktionsnotizen und vieles mehr), darf man ruhigen Gewissens für einen eher durchschnittlichen Film die zweitbeste Wertung ziehen.

Mittwoch, 2. September 2009

DVD-Rezensionen (158): MATRIX Reloaded (2003)

(Cover: Amazon.de)

In diesem Film wird vor allem eines: geredet. Viel. Philosophisch. Und manchmal eben auch albern-verquast. Das fällt einem umso mehr störend auf die Füße, als das der bahnbrechende erste Teil doch eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählte, die nicht zwangsweise eines Sequels bedurft hätte. Doch solange sich eine Kuh noch melken lässt...

Man muß den Ansatz, einen Science Fiction- bzw. Actionfilm mit weltanschaulichen Ideen zu kreuzen, sicherlich nicht in Bausch und Bogen verdammen. Allerdings haben die Wachowski-Brüder die Latte auf eine Höhe gehoben, die "MATRIX Reloaded" gnadenlos reißt. Zu wirr der Plot, zu lang und verschwurbelt die Dialoge, die sich stellenweise erst beim mehrfachen Ansehen auf DVD erschließen - wenn überhaupt. Dazu kommt, dass sich der Film einfach nicht entscheiden kann, was er eigentlich sein will. Für die Präsentation wie immer beeindruckender Kampfszenen und Spezialeffekte unterbricht er seinen eigenen Fluss zu oft, für Arthaus-Kino bleiben die gezeichneten Charaktere zu flach. Immerhin brilliert wieder Hugo Weaving als Agent Smith, während die anbetungswürdige Monica Bellucci als Persephone einen kurzen, aber optisch sehr intensiven Auftritt hat.

Schade auch, dass die Industrial-Coolness des ersten Films vielen pathetischen (wenn nicht gar kitschigen) Szenen geopfert wurde, von denen die Reanimationssequenz Trinitys durch Neo wohl die allerschlimmste ist. Zwar gab es auch gegen Ende des Vorgängers eine vergleichbare Situation mit umgekehrten Vorzeichen, aber hier wurde der Bogen eindeutig überspannt. Nicht falsch verstehen: ich habe weder ein Problem mit großen Gefühlen noch mit zum Nachdenken zwingenden Handlungen im Film, aber in diesem Fall schießt die Inszenierung doch einfach zu wüst ins Kraut. Nach dem Sensationserfolg des '99er Intros ist dies einfach nur schade.

Bild und Ton der DVD sind zufriedenstellend, die Ausstattung dieser Budget-Scheibe naturgemäß mager. Dummerweise ist man als Besitzer des ersten Films quasi gezwungen, sich auch noch den Rest der Trilogie anzuschaffen, für sich allein gestellt vermag Teil Zwei der Saga freilich nicht zu überzeugen.

Bewertung: 2 von 5

Freitag, 21. August 2009

DVD-Rezensionen (156): Cars (2006)

(Cover: Amazon.de)

Größer hätte der Gegensatz gar nicht sein können. Nach ihrem mit "The Incredibles - Die Unglaublichen" bis dato erwachsensten und vor allem düstersten Film ließen die PIXAR ANIMATION STUDIOS das wohl am ehesten hauptsächlich Kinder ansprechendene Werk ihres Schaffens folgen: "Cars". Technisch wie immer über jeglichen Zweifel erhaben, hakt es doch bei der deutlich bemerkbar vom Michael J. Fox-Film "Doc Hollywood" inspirierten Handlung gewaltig.

Lightning McQueen ist ein schnöseliger Nachwuchs-NASCAR-Racer, der dennoch mit einigem Erfolg in der Serie unterwegs ist. Auf dem Weg zu einem entscheidenden Rennen in Kalifornien rollt er schlafend und unbemerkt aus seinem Transport-Truck und findet sich orientierungslos in der gottverlassenen Kleinstadt Radiator Springs wieder, deren Bewohner (wie alle Charaktere des Films Fahrzeuge) durch eine vor Jahren gebaute Umgehungsstraße praktisch unbemerkt von der Außenwelt leben. McQueen wird dazu verdonnert, die von ihm beschädigte Dorfstraße zu reparieren und muß einiges über sich, das Leben und moralische Werte lernen, ehe er wieder in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann.

Klingt unspektakulär - ist es im Grunde genommen auch. Wäre nicht die originelle Idee, Autos in jeglicher Form als Protagonisten zu verwenden (sehr witzig: trottelige Traktoren als Kühe, die man auch mal im Schlaf umschubsen kann), würde man nur schwerlich etwas nicht schon zigfach Gesehenes bewerten können. So bleibt ein gewisses Maß an Innovation und spielerischer Leichtigkeit erhalten. Damit und natürlich dem satten Bild und Ton kann die DVD eindeutig punkten.

Dürftiger sieht es schon darüber hinaus aus. "Cars" ist mit 116 Minuten eindeutig zu lang (alle übrigen PIXAR-Filme sind kürzer), dies verursacht sich quälend hinziehende Szenen mit geradezu bleiernen Dialogen. Der moralische Zeigefinger ist arg bemüht oben, dies nervt doch beträchtlich, wahrscheinlich macht sich hier der Einfluß des als sehr konservativ verschrieenen Publishers DISNEY bemerkbar.

Desweiteren hat die deutsche Fassung eine bestenfalls als mäßig zu bezeichnende Synchronisation spendiert bekommen, in der in diversen kleineren Rollen der bekannte Name mehr zählt als ein gewisses Talent für den Sprecherjob. Michael Schumacher als Ferrari F430 kann man noch akzeptieren, spricht er die Mini-Rolle doch auch im Original. Was aber seine Schwägerin Cora oder Franziska van Almsick für diese Aufgabe qualifizierte, dürfte das Geheimnis der Besetzungsagentur bleiben. Absoluter Tiefpunkt allerdings Niki Lauda als Plymouth Superbird "The King". Grausam! Ein Glück, dass man mit Rick Kavanian ein wahres Synchronisations-Multitalent verpflichtete. Sein von ihm gesprochener Fiat Nuova 500 Luigi und dessen Gehilfe, der Isetta-Gabelstapler Guido sind für mich die eigentlichen Stars des Films. Knuffig und mit unschlagbarem italienischen Charme.

Selbst die Single-Disc-Ausgabe der DVD bietet dennoch eine recht ansprechende Menge an Bonusmaterial. Neben zusätzlichen Szenen und diversem Kleinkram finden sich mit "Die Einmannband" und "Hook und das Geisterlicht" gleich zwei der für die kalifornische Animationsschmiede typischen Kurzfilme auf dem Silberling. Gerade ersterer ist zum Schießen, nicht umsonst 2006 für den Oscar nominiert!

"Cars" ist sicherlich kein Totalausfall, muß sich aber in der Hierarchie der PIXAR-Filme sehr weit hinten anstellen. Das Bonusmaterial und großartige Bild- und Tonqualität retten die Mittelwertung.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 16. Juni 2009

CD-Rezensionen (148): Dark Voices - Train Of Thoughts (1999)

(Cover: Amazon.de)

Nach dem zweiten Album "G-Punkt" (1998) gab es großes Stühlerücken bei den Berliner Synthiepoppern. Gio van Oli und René Meerkat verließen die Band und durch den Einstieg Dan Uhdens schrumpfte die Truppe zum Duo.

Erstmals kommen auf diesem Album Gitarrenklänge zum Einsatz, die den ansonsten vorherrschenden And One-Epigonensound etwas aufhübschen und zumindestens für einige interessante Einsprengsel sorgen. Dennoch herrscht über weite Strecken Business as usual, alles nett und eingängig, aber dennoch schon vielfach zuvor gehört. "I'll Never Accept" kann zumindestens als akustische Popballade reüssieren, "Forever With You" hat darüber hinaus einige putzige Uralt-Computerspielesounds zu bieten. Relativ dreist jedoch der Versuch, mit ein paar "Personal Jesus"-kompatiblen Gitarrenriffs bei "The Only One" zu punkten, um dann sofort wieder in den gewohnten And One-Sound zurückzufallen. "Greatest Under The Sun" ist sogar eine alberne Britney Spears(!!!)-Kopie. Yeah, hit me, baby, one more time...

Meine persönlichen Favoriten finden sich in "I Am How I Am", "This Love" und wenn es schon "Danone"-Mucke sein soll, dann eben mit "Just Like You".

Nach dieser CD lösten sich die "Dunklen Stimmen" auf und es ist wohl nur folgerichtig, dass zwei ehemalige Mitglieder im unmittelbaren Umfeld der großen Vorbilder wieder auftauchten. Insgesamt drei akzeptable Alben ohne großen Anspruch, dieses hier jedoch mit einer für das Jahr 1999 indiskutablen Lauflänge von gerade einmal knapp 35 Minuten.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 2. Juni 2009

CD-Rezensionen (146): Chris Hülsbeck - Apidya Soundtrack (1992)

(Cover: Amazon.de)

Im Jahre 1992 erschien neben Chris Hülsbecks zweiter Zusammenstellung seiner Computerspiele-Soundtracks ("To Be On Top") auch dieses Album mit dem im Studio neu eingespielten Score des deutschen AMIGA-Ballerklassikers "Apidya", in dem der Spieler in die Gestalt einer schießwütigen Biene (!) schlüpft.

Die ersten 8 Tracks der CD bestehen somit aus Sounduntermalung der Spiellevels, auch Abspannmusik und die Melodie des "Game Over" sind enthalten. Bis auf das schamlos bei L.A. Style geklaute "Techno Party" wissen auch alle diese Stücke zu überzeugen, von hektisch bis episch sind alle der Hülsbeck-typischen Genres vertreten. Absolutes Highlight dabei das düstere "Boss Panic".

Da in Zeiten, wo die Musik des Games neben dem eigentlichen Spiel auf ein oder zwei kleine Disketten passen mußte, Klasse statt Masse angesagt war, reicht der eigentliche "Apidya"-Sound natürlich nicht aus, um eine ganze CD zu füllen. So frönte Meister Hülsbeck einmal mehr seiner heimlichen Liebe - der Dancefloor und House Music. Und dort herrscht leider mehr Schein als Sein, denn vieles, was der Herr des Bombast-Sounds hier vom Stapel lässt hat man irgendwo schon einmal (und vielfach besser) gehört. Ein wenig Eurodance hier, ein wenig wildes 80er Sampling da. Och nö, Chris... Einzig und allein "Theme From Merland" hat einen schön knackigen Sequenzer-Basslauf zu bieten.

Mit dem toll-epischen und wieder so Hülsbeck-typischen Bonustrack "Blade Of Fate" (zum Spiel "Das Schwarze Auge - Die Schicksalsklinge") endet diese doch etwas durchwachsene CD.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 11. Mai 2009

DVD-Rezensionen (143): MATRIX (1999)

(Cover: Amazon.de)

Das Gesamtkunstwerk MATRIX wäre deutlich unbeschädigter geblieben, hätten die Wachowski-Brüder nicht zum Stilmittel einer inhaltlich und philosophisch völlig überdehnten Trilogie gegriffen. Der erste der drei Filme funktioniert für sich allein bestens, bietet zudem für den Entstehungszeitraum bahnbrechende Spezialeffekte und wartet darüber hinaus mit einem bombastischen Industrial-Soundtrack auf.

Zwar bedient sich der Plot bei zum Teil schon in der Antike entstandenen philosophischen Denkansätzen (Platons Höhlengleichnis etc.), dies wird jedoch meisterhaft in ein düsteres Endzeitszenario eingebettet, von dem man permanent in die unserer heutigen Welt gleichenden MATRIX-Umgebung wechselt. Der Kampf des Hackers Neo als "Auserwählter" der überlebenden Menschheit gegen die Diktatur der Maschinen bietet für einen Actionfilm verblüffend viel Nachdenkenswertes, auch wenn sich die eine oder andere Theorie erst beim mehrmaligen Ansehen des Films erschließt.

Dreh- und Angelpunkt sind natürlich die Martial Arts-Szenen, bei denen alle Beteiligten eine gute Figur machen. Carrie-Anne Moss im schwarzen Latex-Catsuit - ja holla, die Waldfee! Darstellerisch drückt freilich Hugo Weaving alias Agent Smith alle an die Wand, Keanu Reeves überzeugt wirklich nicht in jeder Szene und kann dem kontrolliert-aggressiven Spiel des Australiers nur gelegentlich etwas entgegensetzen. Bekanntlich sollte ursprünglich Will Smith die Rolle des Neo besetzen. Eine bessere Wahl? Schwer vorzustellen...

Diese Single-DVD beschränkt sich beim Bonusmaterial gegenüber den zahlreichen anderen Editionen, bietet aber den informativen "White Rabbit"-Modus, bei dem man bei Anzeige des Kaninchensymbols direkt aus der Szene in ein kleines Hintergrundfeature springen kann. Bild und Ton der DVD sind mittlerweile keine Referenz mehr, jedoch durchaus als gut zu bezeichnen.

Insgesamt hat man es mit einem modernen Popkulturphänomen zu tun, dessen schwache Nachfolger die Bewertung des einzig wahren MATRIX-Films nicht schmälern sollten. Vielleicht ein paar Minuten zu lang - dafür ein junger Klassiker des Genres.

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 14. April 2009

DVD-Rezensionen (138): The Incredibles - Die Unglaublichen (Special Collection) (2004)

(Cover: Amazon.de)

Nach dem doch äußerst familientauglichen "Findet Nemo" (2003) legten die PIXAR ANIMATION STUDIOS mit "The Incredibles - Die Unglaublichen" ein Jahr später ihr bis dato düsterstes und erwachsenstes Produkt vor. Gleich vornweg: dies ist kein Film für kleine Kinder, es wird gefoltert, scharf geschossen und die Protagonisten befinden sich ein ums andere Mal in sehr echt wirkender Lebensgefahr.

Doch ansonsten bekommt man die vertrauten Zutaten der Computercracks aus Kalifornien geboten. Rasanz, technischer Aufwand, der immer zum Entstehungszeitpunkt das Machbare repräsentiert und eine gepflegte Portion Humor, die auch das eine oder andere Hollywood-Produkt auf die Schippe nimmt. Hier sind mit den Überhelden-Filmen á la Superman und der James Bond-Reihe gleich mehrere Vertreter ins Visier genommen.

Zwar nimmt die Geschichte um die Superhelden-Familie, die aufgrund eines Regierungsbeschlusses incognito in den Ruhestand gehen musste und ausgelöst durch einige mysteriöse Vorgänge wieder aktiv wird, erst im zweiten Teil des Films richtig Fahrt auf, dies tut der Unterhaltung jedoch wenig Abbruch. Vielmehr ist man bis dahin beschäftigt, verblüfft über die (gelungene) deutsche Synchronisation zu sinnieren, da einige Sprecher scheinbar nach dem Aussehen ihrer Charaktere besetzt wurden. So sieht "Mr.Incredible" Bob Parr tatsächlich aus wie Markus Maria Profitlich, während man in seinem boshaften Chef Gilbert Huph fast 1:1 Herbert Feuerstein zu erkennen glaubt. Da die beiden ihre Sache sehr ordentlich erledigen, kann man dem Besetzungsbüro wirklich nur ein Kompliment machen. Meine Lieblingsfigur ist jedoch die völlig durchgeknallte Modeschöpferin Edna "E" Mode, für die - deutlich sichtbar - Hollywoods Kostümlegende Edith Head Pate stand. Im Original von Regisseur Brad Bird höchstselbst gesprochen, darf der ausgeflippten Schneidertante in der deutschen Version die wunderbar knarzige Mechthild Großmann ihr unverwechselbares Organ leihen.

Alles in allem ein spannendes Kontrastprogramm zu "Toy Story" & Co. mit jeder Menge Bonusmaterial (inklusive dem von PIXAR gewohnten Kurzfilm) sowie prima Bild und Ton. Eine Kaufempfehlung kann man bei den Filmen der Crew von John Lasseter ohnehin blind geben.

Bewertung: 5 von 5

Montag, 6. April 2009

Buch-Rezensionen (136): Bill Drummond & Jimmy Cauty - Das Handbuch - Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit (Hörbuch) (1988)

(Cover: Amazon.de)

Zwei Dinge sollte man bei dem legendären Buch der beiden britischen Pop-Anarchisten keinesfalls machen: alles zu bierernst nehmen und die Anleitung, einen bombensicheren Nummer 1-Hit zu produzieren, auf die heutigen Gegebenheiten anwenden. In Zeiten des vergleichsweise billigen Homerecordings mittels PC, Softsynths und Sequenzerprogrammen wirken Anweisungen wie "Miete ein Studio" wie Relikte aus längst vergangenen Tagen. Dies ist aber gar nicht der Punkt. Vielmehr entlarven die KLF-Macher auf immer noch brandaktuelle Weise die Mechanismen des Popbiz mit seinem am Reißbrett konstruierten Erfolgssongs. Das ist auch noch nach über 20 Jahren aktuell, informativ und darüber hinaus höchst amüsant verpackt.

Wer also immer mal wissen wollte, wie man unter den Bedingungen der Spät-Achtziger generalstabsmäßig einen Tophit landet (gerüchteweise verfuhr die österreichische Klamaukkapelle "Edelweiss" genau nach Anleitung und bretterte mit "Bring Me Edelweiss" auf die vordersten Plätze der europäischen Charts), ist bei diesem Buch sehr gut aufgehoben - nostalgische Zeitreise inklusive.

Für das Hörbuch konnte Ärzte-Drummer Bela B. als Sprecher gewonnen werden und der in mittlerweile über 40 Filmen gestählte Schießbudenbearbeiter macht seine Sache sehr ordentlich. Kaufen!

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 1. April 2009

CD-Rezensionen (134): Elektric Music - Esperanto (1993)

(Cover: Amazon.de)

Es gibt bekanntlich einige Kraftwerk-Klone, die versuchen, den Pionieren des unterkühlten Elektroklangs im Sound und Songwriting möglichst nahe zu kommen. Dies ist oftmals albern bis peinlich und nicht näher erwähnenswert. Der Einzige, der so etwas straflos tun darf, ist Karl Bartos, von 1975-1991 selbst Mitglied des Düsseldorfer Klangkollektivs.

Zwar ist das Original nach einer endlos erscheinenden Album-Pause von 1986-2003 (das '91er Remix-Album zähle ich mal nicht dazu) wieder aktiv, aber in eben diese Funkstille stieß punktgenau 1993 Bartos mit seinem Mitstreiter Lothar Manteuffel (Ex-Rheingold). Unter Zuhilfenahme eines ganzen Arsenals von wohlvertrauten Klängen und Rhythmen sowie der Mitwirkung von Gastsänger Andy McCluskey (OMD) beim verträumten "Kissing The Machine" entstand so etwas wie das beste Kraftwerk-Album, das nicht von Kraftwerk stammt. Der Auftritt des Briten ist so etwas wie eine logische Konsequenz, beriefen sich OMD doch stets auf die deutschen Vorbilder als ihre originäre Inspirationsquelle.

Insgesamt gehen die ersten fünf Tracks deutlich eingängiger ins Ohr (mein Favorit hierbei das stark an "Musique Non Stop" erinnernde "TV") als der doch recht technoide Rest, der immerhin immer wieder durch bekannte Soundzitate aufgelockert wird. Alles in allem eine verkannte Rarität, gab es doch für "Esperanto" weder nennenswerten kommerziellen Erfolg noch ein Nachfolgealbum, da sich die Wege Bartos' und Manteuffels alsbald wieder trennten, auch wenn weitere Tonträger unter dem zum Verwechseln ähnlichen Namen "Electric Music" erschienen.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 10. Februar 2009

Links, 2, 3, 4... (001)

Und wieder eine neue Kategorie. Hier soll es Seiten gehen, auf denen ich mich gerne herumtreibe, um Fundstücke lustiger oder informativer Art - kurz, um Interessantes aus der weiten Welt des Netzes. Da ich gerade ein altes, ungebrauchtes MySpace-Zweitprofil ausmiste und entsorge, zitiere ich doch gleich mal einen im September 2007 dort geposteten Beitrag über eine meiner nach wie vor gern aufgesuchten Lieblings-Webseiten, der sich Retro-Computerspielen widmenden kultboy.com.

Wie es so manchmal ist, man will eigentlich zeitig ins Bett gehen und klickt nur noch eher durch Zufall eine Seite an (gerade bei Wikipedia geht mir das extrem so) und hängt dann für Stunden fest. Ich bin ohnehin ein Informationsjunkie, der sich den ganzen Tag lang mit Daten, Zahlen oder interessanten Fakten vollstopft.

So auch gestern. Eigentlich wollte ich nur noch meinen Rest Rotwein austrinken und mich dann dem Schönheitsschlaf widmen, als ich durch eben einen solchen Zufall auf diese Nostalgieseite für Computerspieler stieß. Als ich vor nunmehr über 15 Jahren endlich "echtes" Geld in der Hand hielt mußte irgendwann auch ein AMIGA 500 ins Haus. Gott, was habe(n) ich /wir damals gezockt! Ganze Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen und uns an heute völlig unbekannten Dingen wie endlosen Ladezeiten oder Diskettenwechseleien "erfreut".

Diese Zeit ist lange vorbei, auch wenn heutzutage alles größer, besser, schneller und lauter ist, reizt mich die heutige Spielewelt mit ihren Endlos- und Online-Games überhaupt nicht mehr. Ich bin da konservativ bis auf die Knochen: Ich will ein Spiel anfangen, dabei Spaß haben und es irgendwann einmal erfolgreich durchgespielt haben. Punkt, Ende, aus. Was soll ich mit Dingen wie "World of Warcraft", die nie aufhören und mir endlose Zeitmengen rauben?

Ich horte zur Zeit noch größere Mengen an alten Spielen, die sich entweder auf dem Originalsystem spielen lassen oder eben auf einem Emulator am PC laufen. Es gibt noch einige, die durchzuspielen ich ich mir ganz fest vorgenommen habe und wenn es noch weitere 20 Jahre dauert! Namen gefällig? Nun, "It Came From The Desert" wäre so ein Kandidat, "Iron Lord" ein anderer, "The Immortal" auch und, um noch einen Vierten zu nennen, das sagenumwobene "Moonstone"!

Als ich mir die ganzen Spieletests durchgelesen hab, überkam mich wirklich ein nostalgisches Gefühl. Ich hab mir ab dem Sommer 1991 jeden Monat sowohl die Power Play als auch den AMIGA Joker gekauft und die Redakteure (bei der Power Play noch mehr als beim Joker) waren wie gute Freunde oder eine Art Familie. Solche Macher/Leser-Bindungen gibt es doch heute gar nicht mehr... Die Power Play verließ ich während meiner Bundeswehrzeit, als sie sich zum reinen PC-Magazin wandelte, beim AMIGA Joker war ich wohl fast bis zum bitteren Ende dabei.

Jedenfalls habe ich mit dieser Seite und der schon bekannten Kultpower-Page endlich wieder nostalgischen Lesestoff für Wochen!

Montag, 2. Februar 2009

CD-Rezensionen (118): Chris Hülsbeck - To Be On Top (1992)

(Cover: huelsbeck.com/Amazon.de)

Im Jahre 1992 erschienen gleich 2 CDs des Kult-Computerspielekomponisten. Zum Einen der Soundtrack zur Insekten-Ballerorgie "Apidya" und vorliegendes Album, das wie auch schon sein Vorgänger "Shades" einen bunten Mix aus neu eingespielten Gamesounds und unveröffentlichten Neukompositionen enthielt.

Eröffnet wird der Reigen durch "Challenge", das als Soundtrack für ein Sportspiel fungierte. Flotte Synthieklänge, die gelegentlich durch das eine oder andere kernige Gitarrenriff aufgelockert werden - Daumen hoch! Der darauffolgende Titeltrack des Albums zierte im Jahre 1988 ein C64-Spiel, aber natürlich finden sich auf der CD nicht die Originaltöne des "Brotkastens" sondern die Stakkato-Klänge des Tracks hämmern im feinsten Studiosound aus den Boxen.

Leider pflegte Meister Hülsbeck ein sehr inniges Verhältnis zur sich damals gerade epidemisch ausbreitenden Dancefloor-Musik, insbesondere House-Klänge der billigeren Art hatten es ihm angetan. War ich immer ein großer Fan seines Breitwand-Bombasts, wurde ich mit seinen Ausflügen in die Club-Mucke nie so recht warm. Und so ist das nett-harmlose "Good Times" ein eher zu vernachlässigender Track, ebenso das darauffolgende "Atlantis", das zumindestens ein paar interessante Breaks aufweist. Regelrecht dreist präsentiert sich "The Music", das man als recht plumpen SNAP!-Klon ansehen muß. "Final Frontier" lässt sich am besten mit "Captain Hollywood meets Depeche Mode" umschreiben. Sehr schräg, fürwahr!

Wie es besser geht, beweist "How Do Ya Feel", das selbst meinen verlängerten Rücken in rhythmische Schwingungen zu versetzen vermag. "On Stage" ist ein ruhiges Stück Klaviermusik, wie der Titel schon suggeriert, für eine Live-Aufführung nicht ungeeignet und beim "Theme From To Be On Top" darf noch einmal eingangs erwähntes 8-Bitter-Spiel Pate stehen. 

Fällt "Love X 2" nochmal in die billigen Tanzflurstampfer-Klischees zurück, werden bei "Romance" die großen Gefühle und gepflegte Dramatik ausgepackt. Die perfekte Überleitung zu einem der Highlights der Platte - "Battle Isle", das Stück zum gleichnamigen Hexagonalfeld-Strategieklassiker. Da trommelt und rumst es ordentlich - ganz großes Tennis! An dieser Stelle hat die CD ihren qualitativen Höhepunkt, leitet doch ein witziges Computerstimmen-Sample "Gem'X" ein. Das zugehörige Steinchen-Knobelspiel ist fast vergessen, die melancholische Musik ist jedoch ein Stück für die Ewigkeit!

Warum der Guru des geplegten Spielesounds dann noch einmal klauen mußte und sich für "Dream Dimension" schamlos bei "Living On Video" von Trans-X bediente, wird wohl das Geheimnis des Wahlkaliforniers bleiben. Mit einem Ausflug in technoide Gefilde ("Zero Gravity") wird eine sicherlich nicht perfekte, aber wunderbar nostalgische Platte beschlossen.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 15. Dezember 2008

DVD-Rezensionen (106): Findet Nemo (Special Collection) (2003)

(Cover: Amazon.de)

"Findet Nemo", den fünften Langfilm aus den PIXAR ANIMATION STUDIOS, einfach in die Kinderfilmecke abzuschieben, greift meiner Meinung nach zu kurz. Natürlich ist das prima Familienunterhaltung, aber die vielen kleinen Anspielungen und Filmzitate, wie z.B. aus dem Horror-Klassiker "Shining" oder die Benennung des Charakters "Bruce" (so der Name des Haiattrappe bei den Dreharbeiten zum Spielberg-Erfolg "Der Weiße Hai") bleiben Kindern doch verborgen.

Wie immer bei Produkten der "Monster AG"-Macher gehen technische Perfektion und Humor einträchtig Hand in Hand. Dies ist vor allem den brillianten Sprecherleistungen geschuldet, die fast ausnahmslos sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung für Stimmung sorgen. Die grandios überdrehte Anke Engelke gibt als Dorie dem Affen genauso eine LKW-Ladung Zucker, wie es Ellen DeGeneres auf der englischen Originaltonspur tut. Selbst die sonst so überaus nervtötenden Erkan & Stefan machen als Haie überraschenderweise gar keine schlechte Figur, trotzdem sollte man sich den Film auch einmal im O-Ton anschauen, schon allein um nicht Barry "Dame Edna" Humphries als Bruce zu verpassen.

Natürlich ist die Vater-Sohn-Rettungsgeschichte alles andere als originell. Aber seit ich selbst Vater eines kleinen Sohnes bin weiß ich, was Elternliebe und Kampf für das eigene Kind um jeden Preis bedeutet. Von daher sind die dargestellten ethischen Werte nicht die schlechtesten, zumal alles nicht im moralinsauren Disney-Stil gezeigt wird, obwohl PIXAR damals noch für den Mickey Maus-Konzern produzierte.

Auch beim Bonusmaterial wird ordentlich zugelangt. Besonders witzig hierbei die Dokumentation mit Jean-Michel Cousteau, in deren Realfilm-Unterwasseraufnahmen immer wieder Dorie einkopiert wurde.

Was bleibt, ist eine bestens familientaugliche DVD mit feiner Bild- und Tonqualität, einem technisch brilliant computeranimierten Hauptfilm und sehr kindgerechtem Bonusmaterial. Um es mit den schräg-tumben Möwen zu sagen: "Meins! Meins! Meins!"

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 5. Dezember 2008

CD-Rezensionen (102): Chris Hülsbeck - Shades (1991)

(Cover: Amazon.de)

In Zeiten, wo Computer- und Videospiele mit Millionenaufwand unter Hollywood-Bedingungen hergestellt werden, hat man meistens schon längst vergessen, dass in früheren Jahren Komponisten von Spiele-Soundtracks noch echte Tüftler waren, die mit nur in Kilobyte zu bemessendem zugewiesenen Speicherplatz auskommen mußten und dennoch Klassiker des Genres ablieferten. Chris Hülsbeck, der besonders für C64 und den AMIGA heute noch Kultstatus besitzende Stücke schrieb und mittlerweile in den USA lebt und arbeitet, gehört definitiv zu den ganz Großen dieser Ära. 1991 bekam er die damals noch nicht alltägliche Möglichkeit, seine Stücke als Studioneuaufnahmen auf CD zu veröffentlichen. Dieser Silberling befindet sich handsigniert in meinem Besitz und wird immer noch gerne eingelegt.

Eröffnet wird "Shades" durch ein fast 16minütiges Medley aus Melodien eines der wohl größten Spielehits am AMIGA - Turrican! Für die Ballerorgie aus deutschen Landen müßte das Wort "Kult" geradezu erfunden werden, geistern doch bis heute Fanseiten, Neuprogrammierungen und allerlei Hintergrundgeschichten durchs Netz.

Chris Hülsbeck hatte auch immer ein Faible für Dance- und House Music, was nicht immer mein persönliches Gefallen fand, lieferten da die "Profis" der Szene doch deutlich interessantere Tracks ab. Nichtsdestotrotz ist mit "Nightmoves (4PM Internal)" auch ein solches Stück vertreten.

Das Album enthält mit dem Titeltrack "Shades" den Song, der gewissermaßen den Grundstein zu seiner Karriere legte als er damit 1986 den ersten Platz eines Wettbewerbes der Computerzeitschrift "64'er" gewann. Mit "R-Type" ist auch das Titelstück eines anderen großen Spieleklassikers vertreten. Richtig schräg wird es aber bei so mancher Nicht-Spielemusik, repräsentativ dafür vielleicht "Addicted To These Games", eine wüste Mischung aus Raps, Dance-Beats und Spielgeräusch-Samples. Da plingt und plongt es an allen Ecken und Enden - witzig!

Gegen Ende wird es episch. Sowohl "Warzone" als auch "Heaven's Gate", "Tower Of Babel" und das vom Gast Rudolf Stember (ebenfalls heute in Amerika als Spielekomponist tätig) als Bonustrack beigesteuerte "Tale Of Glory" kommen mit Breitwand-Bombast daher - fast schon filmreif. Ein würdiger Abschluß einer guten CD, zu deren Veröffentlichung wohl keiner wissen konnte, dass die Beteiligten auch fast 20 Jahre danach noch gut im Geschäft sein würden, Live-Aufführung mit Sinfonieorchester (wie u.a. geschehen in Stockholm 2006, Leipzig 2007 und Köln 2008) inklusive.

Bewertung: 4 von 5