Freitag, 7. März 2008

Germany - 0 Points?

Man kann mich schlagen, aber: ich schaue den "Eurovison Song Contest" aka "Grand Prix" jedes Jahr. Mittlerweile kommentieren wir die Veranstaltung und natürlich den Punktervergabe-Marathon online im Depeche Mode-Forum mit. Immer wieder ein köstlicher Spaß, auch wenn wir uns jedesmal schwören, diese Punkteschieberei niiiiiieeeeee wieder einzuschalten. Bis zum Belgrader Endausscheid im Mai ist noch ein wenig hin, seit gestern jedoch steht der deutsche Teilnehmer fest - nicht ganz unerwartet die No Angels.

Ich habe mir die 5 zur Vorauswahl stehenden Songs vorher nicht angehört, sondern nur mal eben heute morgen den Siegersong angetan. Ach ja...nett. Tut niemandem weh, ist sicherlich ESC-kompatibel, etwas reißen werden wir aber schon alleine aus politischen Gründen wie immer nicht. Obwohl ich Swing eigentlich mag, fand ich den Beitrag von Roger Cicero im letzten Jahr deutlich schlimmer.

Also dann: See you in Belgrade!

CD-Rezensionen (019): Helge Schneider - Es gibt Reis, Baby (1993)


(Cover: Amazon.de)

"Dat is doch albern! Is doch albern! Der Helge is doch 'n Alberner. Alberner Helge. Ja, ja, is doch albern! Dat is aber auch albern! Ja, albern! Dat is 'n albernes Arsch, doh! Dat is 'ne alberne Stink-Sau, albernes Arschloch, du Sau du! Da kommt er wieder, der Schneider, der alberne Schweine-Sau-Sack, doh! Du Pillemann, doh! Alberner Sau-Pillemann-Arschloch. Du blöde Kuh, du Schneider du! Mistfink! Das weiß ich ganz genau, dass die Nachbarn das sagen. Das sind total Verkehrte, das ist eine falsche Welt und das prangere ich an! Ich finde das nicht gut. Alle sind unecht..."

O-Ton Schneider. Ich hatte bis zum legendären "Katzeklo" noch keinen Ton des Mülheimers gehört, doch nachdem ich damals praktisch "blind" das zugehörige Album kaufte, war ich hellauf begeistert, auch wenn man im Umfeld einige irritierte Blicke erntete. Dabei entgeht so vielen, mit welch begnadetem Jazz-Virtuosen man es hier zu tun hat.

Bietet die erste CD des Doppelalbums noch skurrilen Studio-Nonsens mit den beiden Mitstreitern Buddy Casino und Peter Thoms (Highlight: "Telefonmann"!) birgt die zweite, live aufgezeichnete Scheibe die größten Brüller. Wo soll man da anfangen? Helges sagenumwobene Südpolreise mit Reinhold Messner? Die Operette von der Katze "Orang Utan-Klaus"? Oder doch eher die Songs "Es gibt Reis" und "My Name Is Peter"? Das ist so absurd, dass die Genialität aus allen Ritzen lugt. Ein Album zum immer wieder anhören, lachen und Jazz genießen. Göttlich!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 5. März 2008

Buch-Rezensionen (019): Christian Hentschel - Du hast den Farbfilm vergessen und andere Ostrockgeschichten (2000)


(Cover: Amazon.de)

Der durch fundierte Kenntnis der DDR-Musikszene bekannte Christian Hentschel interviewt in diesem Buch 25 mehr oder weniger bekannte Größen des Ostrocks zuzüglich zweier Protagonisten der produzierenden Medien Rundfunk der DDR und AMIGA.

In den Gesprächen erfährt man viel über Bandgeschichten, persönliche Abstürze und die ganzen Absurditäten des Musikergeschäfts in der DDR bis hin zum gezielten Zerstören ganzer, bei den Kulturfunktionären unliebsam gewordener Bands. Gerade hier erschließen sich dem Leser viele bisher unbekannte Fakten. Auch über gewisse Differenzen - bandintern oder ganz offen zwischen verschiedenen Musikern - wird nicht verschämt der Mantel des Schweigens gebreitet. Von daher Dank allen Beteiligten für die Ehrlichkeit!

Lediglich das nahezu komplette Ausklammern der Musiker außerhalb des Mainstreams und gelegentliche Anflüge von (und das sage ich als Ossi!) osttypischer Larmoyanz bringen einen Punkt Abzug. Ansonsten: Absolut lesenswert!

Die Liste der Interviewten:

*Dieter "Maschine" Birr (Puhdys)
*Veronika Fischer
*André Herzberg (Pankow)
*Dirk Michaelis (Karussell)
*Mike Schafmeier (Silly, MTS)
*Hans die Geige
*Lieselotte Reznicek (Mona Lise)
*Henning Protzmann (Karat)
*IC Falkenberg
*Wolf-Dietrich Fruck (AMIGA)
*Toni Krahl & Fritz Puppel (City)
*Petra Zieger
*Tino Eisbrenner (Jessica)
* Jäcki Reznicek (Pankow, Silly)
*Nina Hagen
*Wolfgang "Paule" Fuchs (Pond)
*Ralf Mattern (Flexibel Blues Band, Aufbruch)
*Kurt Demmler
*Michael Fritzen (Fritzens Dampferband)
*Luise Mirsch (Rundfunk der DDR)
*Ritchie Barton & Uwe Hassbecker (Silly)
*Lutz Winkler (Reggae Play)
*Mike Kilian (Rockhaus)
*Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen)
*Arnold Fritzsch (Kreis)
*Dirk Zöllner (Die Zöllner)
*Holger Biege

Bewertung: 4 von 5

Yesss!

Ich gebs ja zu - ich bin Hillary-Fan. Und so waren die letzten Wochen in der ihr demokratischer Konkurrent Barack Obama von Vorwahlsieg zu Vorwahlsieg eilte, auch für den außenstehenden Beobachter nicht gerade wie Urlaub auf dem Ponyhof. Doch jetzt zumindestens gibt es etwas neue Hoffnung, Hillary Clinton gewinnt - wenn auch nicht deutlich wie erhofft - die Vorwahlen in Texas Ohio und Rhode Island, muß aber mit Vermont wieder einen Staat abgeben. Das heißt im Klartext nur eine Verkürzung des Rückstandes an Delegiertenstimmen (Obama - 1451, Clinton - 1365), aber zumindestens ist die Niederlagenserie vorerst gestoppt. Negative Begleiterscheinung: Jetzt wird der Wahlkampf richtig schmutzig und ist auf einer sehr persönlichen Ebene angelangt, auch wenn es ein durchsichtiges Angebot gibt. Next stops: Wyoming (08. März), Mississippi (11. März) und Pennsylvania (22. April).

John McCain ist bei den Republikanern jetzt endgültig rechnerisch durch und wird das Spektakel der Konkurrenz sicherlich amüsiert zur Kenntnis nehmen. Der Zeitvorsprung, den er jetzt für seine eigene Präsidentschaftskampagne hat, könnte am Ende ausschlaggebend sein.

DVD-Rezensionen (019): Die Gustloff (2007)


(Cover: Amazon.de)

Aus aktuellem Anlass eine TV-Kritik:


Erneut schafft es ein mit viel Vorschusslorbeeren gestartetes deutsches Geschichtsdrama nicht, die Erwartungen zu erfüllen. "Dresden" war schon eine sehr bittere Erfahrung, die sich nun mit "Die Gustloff" wiederholt. Einmal mehr ist aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt worden.

Da wären zum einen die freien Erfindungen, statt ganz einfach den historisch gesicherten Fakten zu folgen. Die aus Gründen der politischen Korrektheit eingeführte Figur des von Detlev Buck zwar gut, aber eben auch unnötig dargestellten verräterischen Funkers erschüttert schon von Vornherein die Glaubwürdigkeit des ganzen Films. Gerade weil das Thema "Gustloff" der breiten deutschen Öffentlichkeit unbekannt ist, besteht hier eine gewisse Verantwortung zur Aufklärung, die durch die Suggestion eines völlig falschen Hintergrunds der Katastrophe fahrlässig weggeworfen wird. Wie das mit fiktionalen Mitteln - ohne in falsche revisionistische Hörner zu stoßen - vorbildlich getan werden kann, hat Günter Grass mit seiner Novelle "Im Krebsgang" bewiesen. Stattdessen geben sich hier peinliche Klischeenazis die Ehre, die sowjetische U-Boot-Besatzung bleibt komplett anonym und bis auf die gewohnt guten Karl Markovics, Michael Mendl und Heiner Lauterbach bleibt auch die Mehrheit der Darsteller blass.

Desweiteren ist man nach "Sturmflut", "Dresden", "Die Flucht" & Co. ja schon fast so fatalistisch, um für eine "normale" Liebesgeschichte dankbar zu sein. Endlich mal keine Dreiecksbeziehung! Dennoch berührt die Geschichte um das von Kai Wiesinger und Valerie Niehaus dargestellte Paar nicht sonderlich, auch weil der diesmal fehlende zweite Liebhaber einfach nur durch einen Bruderkonflikt ersetzt wird. Auch hier: Durch das Drehbuch verschenkt. Warum eigentlich? Regisseur Joseph Vilsmaier hat doch mit "Stalingrad" (1993) bewiesen, dass er es versteht, menschliches Leid in Zeiten des Krieges auf ergreifende Art und Weise darzustellen.

Ein Film, der einen solch unfassbar tragischen Schiffsuntergang beschreibt, muss sich wohl oder übel den Vergleich mit "Titanic" gefallen lassen, dies ist einfach unausweichlich, gerade wenn man in der Filmwerbung auf die um ein vielfaches höhere Opferzahl hinweist. Und hier merkt man einmal mehr, dass Deutschland nicht Hollywood ist. Können die CGI-Aufnahmen des Schiffes in der Totalen noch überzeugen, bietet sich in den Szenen auf der "Gustloff" selbst ein ganz anderer Anblick. Sowohl bei der Fahrt als auch beim Untergang hat man in keinem Moment das Gefühl, auf einem völlig überfüllten Schiff mit über 10.000 Personen zu sein. Sowas kann man eben nicht mit nur 400 Komparsen darstellen! Hier ein Grüppchen, da ein Grüppchen - eine Massenpanik, wo Menschen ohne Rücksicht auf andere um das eigene Überleben kämpfen sieht anders aus, auch wenn das beim Hinsehen wehtut! Die gesamte Untergangsszene wirkt einfach nur lieblos dahingeworfen, ein Aneinanderreihen von Schnitten, das den Betrachter seltsam kalt lässt. Auch hier sei zum Vergleich auf James Camerons Film verwiesen, besonders auf die erschreckende Szene, als die von Kate Winslet dargestellte Rose inmitten von um sich tretenden Menschen auftaucht. Alles kann man nicht nur mit den kleineren Budgets erklären, 10 Millionen Euro sind für deutsche Verhältnisse kein Pappenstiel!

Dem Film hätte eine deutliche Kürzung und somit inhaltliche Straffung gutgetan. Vilsmaier verheddert sich in zuvielen Nebensträngen, die irrelevant erscheinen, was zu einem regelrecht gehetzten Schluß führt.

So bleibt am Ende wieder einmal Enttäuschung und Ärger um eine vergebene Chance, Zeitgeschichte einem heutigen Publikum nahezubringen. Das kann doch nicht so schwer sein! Ein blasphemischer Gedanke zum Schluß: Hat man nach "Titanic" das Gefühl gehabt, dass es nie wieder einen Film über das Thema geben wird, weil es nicht mehr realistischer dargestellt werden kann, wünscht man sich hier fast, dass Hollywood einmal auf dieses Thema aufmerksam wird um es besser zu verfilmen. Vielleicht erwacht ja nach "Valkyrie" das Interesse der dortigen Studios an deutscher Geschichte, es wäre den Kriegsopfern im Allgemeinen und den Toten der "Gustloff" im Speziellen zu wünschen.

Bewertung: 2 von 5

CD-Rezensionen (018): De/Vision - World Without End (1993)


(Cover: Amazon.de)

Das Debütalbum von De/Vision gelangte 1993 durch die weise Entscheidung eines CD-Ladenbesitzers in meine Hände, der die Single "Try To Forget" als Kundenbeschallung laufen ließ. Gehört - gefallen - gekauft!

Die mittlerweile in Berlin beheimateten Bensheimer spielen auf ihrem Erstling noch ganz klassischen Synthie-Pop, der Anleihen bei Camouflage (die Sequenzerlinie von "Dinner Without Grace" ähnelt "Love Is A Shield" doch sehr), Kraftwerk (bei "The Way You Treat Me") und natürlich Depeche Mode nicht verleugnen kann. Dies aber auf recht angenehme Weise und für mich deutlich unterhaltsamer als die späteren Ausflüge in den Rock/Alternative-Bereich. Die Texte waren auf den frühen Werken nie eine große Stärke und bieten überwiegend den üblichen Herzschmerz-Einheitsbrei, desweiteren ist zum damaligen Zeitpunkt Steffen Keths Stimme und englische Aussprache noch sehr ausbaufähig.

Meine persönliche Favoriten sind die auch als Single veröffentlichten "Dinner Without Grace und "Try To Forget" sowie das Instrumental "The Day Before Yesterday".

Insgesamt eine nettes Popalbum, mit der ich schöne Erinnerungen an eine persönlich aufregende Zeit in meinem Leben verbinde.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 4. März 2008

Buch-Rezensionen (018): Gert Ledig - Die Stalinorgel (1955)


(Cover: Amazon.de)

Ich bin dem SPIEGEL heute noch unendlich dankbar, dass er 1999 mit einem Artikel über den damals schon längst vergessenen Schriftsteller Gert Ledig mein Interesse am Autor weckte. Mit dieser neuen Öffentlichkeit wurden seine wichtigsten Werke (neben "Die Stalinorgel" noch das Luftangriffsdrama "Vergeltung" und die Nachkriegserzählung "Faustrecht") wiederentdeckt. Kurz vor seinem Tode im Juni des gleichen Jahres erfuhr er so noch die späte, aber wohlverdiente Anerkennung.

"Die Stalinorgel", ursprünglich 1955 erschienen, spielt an der Ostfront 1942 im Areal des Leningrader Belagerungsrings. Ledig nahm an diesen Kämpfen selbst teil und wurde schwer verwundet. So fließen autobiographische Erfahrungen in die Erzählung ein, die dem Leser das Grauen auf beiden Seiten dermaßen drastisch schildert, dass die zum Verdrängen neigende westdeutsche Gesellschaft der Fünfziger Jahre mit purer Ablehnung reagierte. Namenlose, nur mit dem Dienstgrad bezeichnete Soldaten auf sowjetischer und deutscher Seite sterben einen sinnlosen Tod, nur um geringfügige Geländegewinne in einem Sumpf zu erzielen.

Gert Ledig macht die Brutalität des Weltkriegs deutlich, frei von jeglichem Heldenpathos oder Landserromantik. Ein Standardwerk der deutschen Kriegsliteratur, zu Unrecht jahrzehntelang vergessen. Unbedingt empfehlenswert!

Bewertung: 5 von 5

Montag, 3. März 2008

Ich bin nicht vom Gewerbe!

Heute zog es mich trotz Sturms "Emma" (bis jetzt 5 Tote in Deutschland) hinaus, um mal wieder die Fotoausrüstung spazieren zu führen. Ich habe mich diesmal zwei Riesaer Friedhöfen und einigen in verschiedenen Stadtteilen stehenden Monumenten gewidmet. Wie hier zu sehen ist, hat sogar noch der olle Wladimir Iljitsch seinen Platz, wenn auch nicht mehr so zentral wie zu DDR-Zeiten sondern versteckt auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof am Rande der Stadt.

Auf Friedhöfen zu fotografieren ist immer eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Ich fühle mich immer wie jemand, der etwas Verbotenes tut. Laut aushängender Friedhofsordnung sind jedoch nur gewerbliche Aufnahmen untersagt und nein - dem Gewerbe gehöre ich nicht an! Glücklicherweise waren durch den Sturm keine Leute unterwegs, so ungestört habe ich es eigentlich am liebsten.

Sonntag, 2. März 2008

Emma ist da (II)

Hier ist es mittlerweile ruhig und im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Riesa doch recht gnädig davongekommen ist. Obwohl: Ich hab noch gar nicht nachgeschaut, wie es meinem Auto so geht... Es hat zwar gestürmt, aber Kyrill hatte ich deutlich heftiger in Erinnerung. Insgesamt sind in Deutschland bis jetzt 4 Tote zu beklagen, die Schäden in Nord- und Süddeutschland sind wohl auch nicht ohne.

Alles in allem ein ruhiger Samstag, denn auch der angesagte Besuch hatte kurzfristig abgesagt.

DVD-Rezensionen (018): Der Biss der Schlangenfrau (1988)


(Cover: Amazon.de)

Dieser Film ist wirklich ein Unikum. Eine von Regisseur Ken Russell in die Spät-Achtziger transportierte Verfilmung einer Geschichte von Bram Stoker ("Dracula"), die den jungen Hugh Grant als blasierten Adeligen (mit schrägen Träumen von bisexuellen Stewardessen) und "Denver Clan"-Star Catherine Oxenberg als naive Unschuld vom Lande aufbietet.

Die Geschichte des weißen Lindwurms ist zwar Trash, dieser aber vom Allerfeinsten. Da werden durch Schlangengift infizierte Schergen des Bösen mit Dudelsäcken schachmatt gesetzt oder die betörende Lady Sylvia Marsh (einfach der pure erotische Wahnsinn: Amanda Donohoe) per orientalischer Musikbeschallung der ganzen Gegend angelockt. Der Horror beschränkt sich auf ein paar aufblitzende Schockmomente, die sehr bizarr und effektvoll in Szene gesetzt werden und die zwar spärlichen, aber doch sehr düsteren Sounds. Auch die im Peak-District-Nationalpark gedrehten Szenen bei annähernd durchgehend düstergrauem englischen Wetter machen den Reiz des Films aus.

Star der Geschichte ist eindeutig A. Donohoe, die als geheimnisvolle Lady und als bösartige Priesterin des Dionin-Kults zu überzeugen weiß. Die Solariumsszene im Herrenhaus ist ein absoluter Hingucker und eine der erotischsten Filmpassagen, die ich je gesehen habe.

Am besten alles einfach nicht so ernst nehmen sondern eher über diese drollige Perle des Gruselfilms schmunzeln. Kultverdächtig!

Bewertung: 5 von 5

Samstag, 1. März 2008

Emma ist da (I)

Ist schon toll, wenn man an seinem freien Tag kurz vor 8 von heftigem Hagel und einem der seltenen Wintergewitter geweckt wird. Auch wenn in anderen Gegenden Deutschlands bisher ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde und andernorts ein ICE gegen ein solches Hindernis geprallt ist, blieb es in unserer Gegend bisher vergleichsweise ruhig. Mal abwarten, was noch so alles kommt. Ein zweiter Kyrill scheint dieser Sturm aber nicht zu werden.

CD-Rezensionen (017): City - Unter der Haut (1983)


(Cover: Amazon.de)

"Ohne Bass und ohne Haare mit City durch die 80er Jahre." Unter diesem Motto starteten City nach den grundlegenden Umbesetzungen der Jahre 1981/1982 mit verändertem Sound neu durch. Deutlich synthielastiger als auf den früheren Alben bietet das 1983 veröffentlichte "Unter der Haut" Songs über die zeittypischen Themen wie Atomrüstung ("Contra" und das gelungene Pete Seeger-Cover "Sag mir wo die Blumen sind"), nostalgische Rückblicke ("Unser Schuldirektor", "Zuckersüß"), ironische ("Nur Rock n'Roll") oder kritische Alltagsbetrachtungen ("Was mich trägt").

Wo Licht, da auch Schatten. Da wäre zum einen Toni Krahls wahrlich gewöhnungsbedürftige Stimme, deren Näseln stellenweise richtig nervtötend wirkt. Desweiteren klingen die Arrangements heute einfach nur noch hoffnungslos veraltet, ganz schlimm hier (auch von der Komposition): "Sisyphus" - Schweinerock in seiner schlimmsten Form!

Der mit Abstand stärkste Song beschließt auch die Platte. "Glastraum" kann mich auch nach 25 Jahren voll und ganz überzeugen - eine tolle Gänsehautatmosphäre, wenn auch hier noch mit hörbarem Bass-Einsatz.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 29. Februar 2008

Buch-Rezensionen (017): Joan Wolf - Die Tochter des Hirschclans (1991)


(Cover: Amazon.de)

Anfang der 80er Jahre bekam ich einen Sammelband der in der DDR sehr populären historischen Kinderbücher von Gerda Rottschalk geschenkt. Es ist durchaus möglich, das eben jenes Buch das Interesse an prähistorischen Erzählungen in mir geweckt hat. Mittlerweile, über 25 Jahre später, zählen Bücher von Jean M. Auel, William Sarabande oder eben Joan Wolf zu meinem Besitz. "Die Tochter des Hirschclans" ist der erste Teil einer Trilogie der letztgenannten amerikanischen Autorin.

Angesiedelt ist die Handlung des Buches in den südfranzösischen Pyrenäen vor etwa 14.000 Jahren. Alin, die als Priesterin dem matriarchisch geführten Hirschclan angehört, wird mit anderen Frauen vom Krieger Mar und den Männern des patriarchischen Pferdeclans entführt. Da beide Sippen völlig unterschiedlichen Geschlechterrollen folgen, gestaltet sich das Leben im fremden Stamm als harte Prüfung, die nur langsam Annäherung beider Gegenpole zulässt.

Dieses Buch hält sich zwar im weitesten Sinne an historische Fakten, sollte jedoch ausschließlich als Unterhaltungs- denn als Bildungsroman begriffen werden. Selbst wenn es teilweise recht ruppig zugeht, dürfte die damalige Realität um einiges brutaler, unbarmherziger und potentiell tödlicher gewesen sein, auch (oder gerade) was den Umgang zwischen den Geschlechtern anging. Von daher nicht ganz überzeugend, dennoch unterhaltsam und spannend.

Auch wenn die Bücher nur lose aufeinander aufbauen und zum Teil Jahrzehnte zwischen den Handlungssträngen liegen, seien zur Vervollständigung noch die nachfolgenden Bände "Herrin der Pferde" und "Unter dem Rentiermond" empfohlen.

Bewertung: 4 von 5

Wer des Englischen mächtig ist...

...darf sich hier mein neuestes Vergehen am Literaturbetrieb anschauen. Freigabe ab 16 Jahren möchte ich meinen. Ich schreibe nomalerweise in umgekehrter Richtung und übersetze es dann für meine internationalen Bekannten ins Englische, aber das war stellenweise ein arges Gepuzzle. Also diesmal auf entgegengesetztem Weg, die deutsche Übersetzung, für die ich mir mal Zeit nehmen muß, wird hoffentlich schnell von der Hand gehen. Die zugehörige Illustration wurde von einer lieben Freundin aus Costa Rica gemalt. Viel Spaß!

Mittwoch, 27. Februar 2008

DVD-Rezensionen (017): Eine schrecklich nette Familie - Erste Staffel (1987)


(Cover: Amazon.de)

Das gab einen Riesenluftsprung, als es endlich hieß: Die Bundys komplett auf DVD! Nachdem nun alle Staffeln einzeln (und zum Ärger der Fans anschließend mit verbesserter Ausstattung komplett) veröffentlicht worden sind, kann der eigentliche Seasonvergleich beginnen. Wo also steht der Beginn von 1987?

Natürlich zeigt sich von Anfang an, dass die Chicagoer Sippe "Not the Cosbys" (so der Arbeitstitel der Sitcom) sind. Dennoch geht es im Vergleich zu den späteren Folgen noch relativ zahm zur Sache und viel mehr noch, es wird im Bundy'schen Haushalt noch erstaunlich oft - gegessen!

Meine persönlicher Favorit der ersten 13 Folgen ist der Pilotfilm, in dem es Al und Peggy schaffen, ihre neuen und noch frisch verliebten Nachbarn Steve und Marcy innerhalb von Minuten in einen Ehekrach zu treiben - zum Schießen! Desweiteren bieten noch die Folgen "But I didn't shoot the deputy/Warum hast Du meinen Hund erschossen?", "Have you driven a Ford lately/Mustang '65" und "The poker game/Der Gewinn" köstlichen Schuhverkäuferspaß, beim Rest ist noch reichlich Luft nach oben. Ein Tip: Unbedingt im Originalton (notfalls mit Untertiteln) anschauen, viele Gags zünden einfach nur im Englischen!

Von einer über 20 Jahre alten TV-Serie erwarte ich keine Bild- und Tonwunder, Puristen mögen vielleicht meckern, ich kann mit vorliegendem Ergebnis jedenfalls sehr gut leben. Als Extra ist das Reunion-Special beigegeben, sehr schön, die mittlerweile doch teilweise deutlich gealterten Akteure in trauter Runde ganz nach dem Motto "Weißt Du noch...?" zu erleben

Fazit: Ein ansprechender Anfang, der mit Hilfe des Kultfaktors und des Specials die zweithöchste Wertung schafft, aber noch viel der puren Anarchie späterer Staffeln vermissen lässt.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 26. Februar 2008

Schwarzgrün ist die Haselnuss...

...oder so ähnlich. Nach dem Wahlsieg der CDU in Hamburg nehmen Ole von Beust & Co. allem Anschein nach erstmals auf Landesebene eine Koalition mit den Grünen ins Visier, da der potentielle Partner FDP die 5-Prozent-Hürde gerissen hat. Wie in den hessischen Landtag ziehen auch in der Hansestadt die LINKEN ins Parlament ein, der zweite Erfolg in einem westdeutschen Bundesland. Sehr interessante Voraussetzungen für eine möglicherweise turbulente Legislaturperiode.

Derweil peilt die hessische SPD scheinbar tatsächlich eine Ministerpräsidentenwahl unter Zuhilfenahme der Linkspartei-Stimmen an. Wenn das nicht mal nach hinten losgeht... 

Sonntag, 24. Februar 2008

CD-Rezensionen (016): Chris Rea - The Best Of (1994)


(Cover: Amazon.de)

Etwas despektierlich ausgedrückt: Diese "Best Of" ist (passend zum Cover) Musik zum Autofahren. Tut niemandem weh, muss aber auch mal sein. Die Songs sind sicherlich nicht schlecht, sauber produziert und sehr eingängig, aber irgendwie plätschert das an einem vorbei, ohne das es einen wirklich packt. Das ist mir ehrlich gesagt für eine Platte, die mich begeistern soll, zu wenig. Von daher leider nicht mehr als eine gute, durchschnittliche Bewertung.

Mein persönlicher Lieblingssong des sympathischen Briten fehlt leider - "Nothing To Fear" vom Album "God's Great Banana Skin (1992).

Bewertung: 3 von 5

Achten Sie auf Ihre 6-Uhr-Position... (II)

Wie ich hier schon schrieb, zocke ich derzeit "IL-2 Sturmovik". Den Kampagnenmodus auf deutscher Seite habe ich als Oberst mit 257 Abschüssen beendet, jetzt versuche ich mich auf sowjetischer Seite und gerate schon bei Mission Numero Uno in arge Nöte. Meine LaGG-3 fliegt sich wie ein Ziegelstein, hat praktisch null Durchschlagskraft und äußerst limitierte Mengen an Munition an Bord. Ich verbrauche praktisch alles, was da ist, um wenigstens eine der anfliegenden He-111 oder Ju-87 vom Himmel zu holen. Ich will meine gute, alte Bf-109 wiederhaben! *grummel*

Buch-Rezensionen (016): Max Merkel - Das Runde ist der Ball (1989)


(Cover: Amazon.de)

Dieses Buch ist in gewisser Weise ein ganz Spezielles für mich, nämlich das erste "West"-Buch, das nach der Wende in meinen Besitz gelangte und zwar handsigniert vom österreichischen Trainerfuchs und scharfzüngigen Zeitungskolumnisten persönlich!

Max Merkel, Ende 2006 im Alter von 87 Jahren verstorben, zieht hier in unterhaltsamen Stil Bilanz über sein Leben als Spieler und Trainer bei seinem früheren Club Rapid Wien, dem 1. FC Nürnberg, dem TSV 1860 München und Atlético Madrid. Desweiteren werden viele Anekdoten zu bekannten Fußballakteueren- und Trainern zum Besten gegeben, seien es jetzt Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Udo Lattek, Hennes Weisweiler oder Merkels alter Spezl Ernst Happel. Das alles und mehr in dem für Merkel typischen sarkastischen Stil, gemixt mit einer reichlichen Portion Wiener Schmäh - ein netter Nostalgietrip in eine längst verflossene Fußball-Welt.

Bewertung: 3 von 5

Politically Pingpong

Ich weiß gar nicht mehr so recht, wie es dazu kam, ich glaube mich zu erinnern, etwas Bestimmtes zum Thema der doch in den letzten Tagen recht verschwiegen behandelten Brandkatastrophe von Ludwigshafen gesucht zu haben. Und irgendwie spuckte mir Freund Google einen Link aus, den ich anklickte und so landete ich erstmals auf dem inzwischen zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten Blog "Politically Incorrect". Ich sag es mal höflich: Man kann dem einen oder anderen Beitrag eine gewisse Berechtigung als Denkanstoß nicht zu einhundert Prozent absprechen, insbesondere denen, die die Ungleichbehandlung von vergleichbaren Vorfällen in den Massenmedien beklagen. Allerdings ist der Kommentarbereich unter aller Sau, jeder deutsche Staatsanwalt hätte hier mit dem Paragraph 130 StGB im Hinterkopf reichlich Arbeit. Kein Wunder, dass die Seite inzwischen in den USA gehostet ist.

Wie es der Zufall so will, stolperte ich gestern über einen entsprechenden Watchblog, sinnigerweise "Politisch korrekt" betitelt. Auch dort gilt: Einiges erschließt sich dem eigenen Verständnis, anderes ist von geradezu schmerzender Naivität, bestes Beispiel dieser Eintrag. Ich frag mich, woher die ganzen Probleme kommen, wenn alles angeblich so supi läuft?

Die Wahrheit liegt wo wie immer irgendwo zwischen beiden Extremen, für mich wieder einmal eine Bestätigung, wie zuwider mir Schwarz-Weiß-Denken ist. Man mag das inkonsequent nennen, für mich ist es einfach gesunder Menschenverstand und die Offenheit in mehrere Richtungen. Bin ich jetzt die "neue" Mitte?

Eigentlich weniger lustig: Ich fühle mich durch das ständige "battlen" beider Blogs trotz der bitterernsten Thematik auf irgendeine abartige Art unterhalten. Ich sollte mir doch wohl besser eine harmlosere Variante der Zerstreuung suchen...

DVD-Rezensionen (016): JAG - Im Auftrag der Ehre (Season 1.1 & 1.2) (1995/96)


"JAG"
ist für ein deutsches Publikum, das nicht von Kleinauf mit einer durchweg positiven Grundeinstellung zum Militär erzogen wurde sicherlich ein zweischneidiges Schwert. Dessen ungeachtet sind die Fälle, die die Anwälte des Judge Advocate General's Corps der US Navy zu lösen haben durchaus interessant und spannend erzählt. Mit dem in der Serie dargestellten typisch amerikanischen Patriotismus mag man umgehen können oder nicht, ich persönlich habe mich nie sonderlich daran gestört, da ich es für eine kulturelle Eigenart der US-Amerikaner halte, über die ich als anders sozialisierter Europäer nicht zu richten habe.

In dieser ersten Staffel ermitteln noch Andrea Parker als Lieutenant Caitlin Pike (Pilotfilm) und Tracey Needham als Lieutenant junior Grade Meg Austin an der Seite von Harmon Rabb (gespielt von David James Elliott, in dieser Season noch im Dienstgrad eines Lieutenants).

Völlig unverständlich ist die Veröffentlichungspolitik Paramounts, bei der die gerade einmal 21 Folgen der Staffel auf zwei Boxen aufgeteilt wurden. Da keinerlei Extras enthalten sind, kann man sich dieses Verfahren nur mit dem Versuch erklären, aus einem Produkt doppelt Gewinn schlagen zu wollen. Der Protest der potentiellen Käufer dürfte mitgeholfen haben, dieses Verfahren bei der zweiten Staffel rückgängig zu machen (auch wenn diese weniger Folgen enthielt). Daher für diese beiden Boxen Punktabzug.

Meine persönlichen Top 3 der 21 Folgen: "Shadow/Der Torpedo", "The Brotherhood/Code Red" und "Smoked/Das Virus".

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 22. Februar 2008

CD-Rezensionen (015): And One - Anguish (1991)


(Cover: Amazon.de)

Das Debüt der Berliner Band (besser: des Projekts rund um Mastermind Steve Naghavi) ist im Vergleich zu seinen Nachfolgern noch deutlich härter und EBM-lastiger. Zwar hört man auch deutlich den Einfluß von Depeche Mode heraus (den Steve im Gegensatz zu vielen anderen Epigonen-Bands nie wirklich verleugnete), dennoch rumpelt und bollert es an allen Enden und den geneigten Schnallenschuh-Träger zieht es zur Tanzfläche.

Mit "Metalhammer" ist bereits ein And One-Klassiker (und mit dem "Vielleicht ist es so, dass..."-Spruch im Booklet ein Running Gag der Bandgeschichte) vertreten. Meine persönlichen Favoriten sind jedoch eher "Second Front", "Menschen" (mit beängstigendem Peter Lorre-Sprachsample),"Only One", "Synthetik" und "Second Voice". Leider werden die Songs gegen Ende des Albums etwas eintöniger und austauschbarer, daher knapp an der Höchstwertung vorbei.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 21. Februar 2008

Buch-Rezensionen (015): Gert Prokop - Der Samenbankraub (1983)


(Cover: Amazon.de)

Dieses erstmals 1983 in der DDR erschienene Buch ist die Fortsetzung von "Wer stiehlt schon Unterschenkel?" (1977).

Timothy Truckle, der kleinwüchsige Detektiv aus Chicago, ist nach der Hatz auf Leben und Tod, mit der das erste Buch endet, im UNDERGROUND abgetaucht. Von dort aus lässt er seinem als Erzähler fungierenden europäischem Bekannten auf originellem Weg Speicherkristalle mit mehr außergewöhnlichen Kriminalfällen zukommen, die aus der Zeit vor seinem Verschwinden stammen.

Wie auch der Vorgänger beschreibt "Der Samenbankraub" eine beunruhigende Zukunft in den USA des 21. Jahrhunderts. Mag man auch das eine oder andere Detail als eine typische Sicht aus dem sozialistischen Machtbereich ansehen, ist dieses Buch allerdings ganz allgemein eine sehr interessante Gesellschaftskritik und die eine oder andere Utopie, die Prokop vor mehr als zwei Jahrzehnten niederschrieb, scheint heute gar nicht mehr so abwegig.

Von all diesen Dingen einmal abgesehen sind die Detektivgeschichten um "Tiny" Truckle und seinen Computer "Napoleon" einfach spannend und amüsant zu lesen. Unbedingt beide zulegen!

Eine Kuriosität zum Schluss: Beide Bücher las ich erstmals als Jugendlicher in den 80er Jahren. Als ich später als Erwachsener zum Liebhaber guten Whiskys wurde, mußte ich beim Probieren der einen oder anderen in den Büchern erwähnten Marken immer an Timothy Truckle denken...

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 20. Februar 2008

Politiksammelbestell...äh...sammelbeitrag!

Da hat sich ja in den letzten Tagen einiges aufgestaut, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Nun denn:

Sollte Hillary Clinton jetzt nicht noch Texas und Ohio gewinnen ist der Ofen nach den erneuten (und deutlichen) Vorwahlsiegen Barack Obamas in den Bundesstaaten Wisconsin und Hawaii endgültig aus. Die Siegeserie ihres Opponenten ist schon unheimlich und für mich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehbar. Der Hype um ihn scheint sich verselbstständigt zu haben. Stand nach Delegiertenstimmen: Obama 1301, Clinton 1239.

Lange nix mehr aus Hessen gehört, ne? Die Wahlen sind mittlerweile Wochen her und in puncto Regierungsbildung breitet sich das große Schweigen über das Land. Neueste Meldung laut "Neue Presse": Andrea Ypsilanti will sich mit den Stimmen der LINKEN zur Ministerpräsidentin wählen lassen um mit dem Amt im Rücken in einigen Monaten Neuwahlen anzustreben. Sollte sich das bestätigen, haben wir einen prima Wortbruch und das Wahlvieh bekommt einen neuen Schub für das Demokratie-Desinteresse.

Überraschende Nachricht aus karibischen Gefilden gestern: Fidel Castro will sich von allen Regierungs- und Parteiämtern zurückziehen. Nun kann man vom kubanischen Staat im Allgemeinen und der Person des "Máximo Líder" im Speziellen halten was man will, aber ein kommunistischer Führer, der nicht bis zum letzten Atemzug an seiner Machtposition klebt ist nun wirklich eine Sensation und zumindestens das nötigt mir einigen Respekt ab. Wenn wie vermutet sein Bruder Raúl den Posten übernimmt, wird sich im Karibikstaat wohl noch nichts Grundlegendes ändern, gleich gar nicht wenn die graue Eminenz noch am Leben ist, aber danach wird man sehen, wie sich gerade das Verhältnis zu den USA entwickelt.

Und noch desolate Neuigkeiten vom Balkan: das Kosovo hat sich für unabhängig erklärt und der Westen inklusive Deutschland entblödet sich nicht, dieses ohne EU-Finanztropf gar nicht lebensfähige Gebilde sofort anzuerkennen. Ich halte die Ereignisse dort unten für fatal und die Blauäugigkeit der "Sofortanerkenner"-Länder (gerade der europäischen) für beunruhigend. Spanien und Frankreich können sich schon mal freuen, wenn Basken, Katalanen und Korsen mit der "Lex Kosovo" im Anschlag auf ihr Selbstbestimmungsrecht pochen. Darüber hinaus legt man sich einmal mehr völlig unnötig mit Russland an und torpediert die fragile Demokratieentwicklung in Serbien.

Ich befürchte, allen gegenteiligen Beteuerungen der Beteiligten zum Trotz, dass sich das Kosovo in mittelfristiger Zeit an Albanien anschließen will und wird. Und dann können sich auch Mazedonien und Griechenland mit ihren grenznahen albanischen Minderheiten schon mal frischmachen...

Der Nächste ans Mikro, bitte!

Also langsam scheinen wohl alle meiner MySpace-Bekanntschaften auf den Geschmack des öffentlichen Trällerns gekommen zu sein. Nachdem Tina schon zweimal Grandioses abgeliefert hat, kommt nun mein englischer Freund Rik zum Zuge, das Ergebnis gefällt mir auch außerordentlich gut!

Dienstag, 19. Februar 2008

DVD-Rezensionen (015): Eine Hochzeit zum Verlieben (1998)

(Cover: Amazon.de)

Romantische Komödien mag man oder eben auch nicht. Gleiches gilt für Filme mit Adam Sandler, der häufig geradezu unterirdischen Schwachsinn abliefert. Bei "Einer Hochzeit zum Verlieben" oder eben im Original "The Wedding Singer" kann man jedoch als Kind der 80er Jahre eigentlich nur gut unterhalten werden.

Die Story in Kurzform: Robbie (Sandler) schlägt sich als Mietsänger auf Hochzeiten durchs Leben, träumt aber immer noch von der großen Musikkarriere. Auf einer dieser Veranstaltungen trifft er die Kellnerin Julia (herzig wie immer: Drew Barrymore). Zwar fühlen sich die beiden zueinander hingezogen, allerdings stehen sie beide selbst kurz vor der Hochzeit mit ihren eigenen - zum Teil arg unsympathischen - Partnern. Das sie sich nach vielerlei Irrungen und Wirrungen letztendlich doch kriegen, weiß man natürlich schon vorher, aber der Weg dorthin ist trotz allem recht amüsant.

Der Film bietet neben dem netten Hauptdarstellerpärchen vor allem in den Nebenrollen witzige Charaktere. Sei es Alexis Arquette als Boy George-Widergänger, Sandler-Buddy Allen Covert als bester Freund in gar schrecklichen 80er-Macho-Roben, Independent-Star Steve Buscemi als die Party schmeißender sturztrunkener Trauzeuge oder Mr. Schmolllippe himself, Billy Idol als - Billy Idol!

Das ist natürlich kein Arthaus-Kino, aber mal ganz ehrlich: Braucht man das jederzeit? Einfach zurücklehnen, den 80er-Soundtrack genießen, entspannt lächeln und die Frage der Fragen beantworten: "Ja, ich will!"

Bewertung: 4 von 5

Wenn Kassandra ruft...

Manchmal hasse ich es, Recht zu behalten. Aber wenn man schon vor Jahren vor den Risiken einer Beziehung gewarnt hat, die wegen eines reinen Wochendkontakts ihre Alltagstauglichkeit noch gar nicht unter Beweis gestellt hat und trotzdem innerhalb kürzester Zeit Eheschließung, Kindzeugung und Hausbau durchgepeitscht werden, man sich noch der Schwarzseher- und Klugscheißerei zeihen lassen muß...tja, was hat man dann? Eine Bestätigung sicherlich, ein triumphierendes "ich hab's ja gleich gewußt"-Gefühl definitiv nicht. Allen Beteiligten viel Kraft für die Zukunft. Schöne Scheiße. 

Montag, 18. Februar 2008

CD-Rezensionen (014): Camouflage - Voices & Images (1988)


(Cover: Amazon.de)

Das Debütalbum der Bietigheimer war meiner Erinnerung nach die allererste CD, die ich mir als DDR-Jugendlicher nach Einführung der D-Mark in meiner Gegend bei einem längst nicht mehr existierenden Versandhändler kaufte. Und knapp 20 Jahre nach der Anschaffung lässt sich konstatieren: Ich höre Camouflages Erstling immer noch gern!

Um den Jahreswechsel 1987/88 herum ging es auch dem ostdeutschen Diskobesucher wie seinem Altersgenossen im Westen. Der DJ legte mit "The Great Commandment" einen schmissigen Synthiesong auf und alles fragte sich verwundert: "Ist das was von Depeche Mode? Kannte ich ja noch gar nicht..." Das Erstaunen war tatsächlich groß, als sich endlich die für die Urheberschaft verantwortlich zeichnende Band als Produkt des Landes Baden-Württemberg entpuppte. Mit "Strangers Thoughts" wurde noch ein astreiner Nachfolger hinterhergeschoben und die Popsensation aus deutschen Landen war perfekt.

Warum also für dieses Album die volle Punktzahl? Da wären zum einen der nette Introgag mit Kichereinlage, die bekannten Hits, mit "Neighbours" eine verzeihliche Depeche Mode-Kopie ("New Dress") über das damals noch aktuelle Thema Apartheid in Südafrika, melancholische Tracks (ganz groß: "They Catch Secrets"!) und interessante Instrumentaltracks, von denen "Pompeji" ohnehin eines meiner Lieblingsstücke der Band ist. Eine mehrere Dekaden alte Platte ohne spürbare Abnutzungserscheinngen hat in meinen Augen das Prädikat "zeitlos" absolut verdient!

Bewertung: 5 von 5

Sonntag, 17. Februar 2008

Buch-Rezensionen (014): Michael Crichton - Dino Park (1990)


(Cover: Amazon.de)

Ich kann mit einigem Stolz behaupten, dieses Buch weit vor der Verfilmung gelesen zu haben, damals (etwa Mitte 1991) aufgrund einer Buchempfehlung in der längst verblichenen Computerspiele-Zeitschrift Power Play.

Der Plot klang so simpel wie genial. Was, wenn man mit Hilfe der Klontechnik heute noch Dinosaurier zu Gesicht bekäme? Und: Könnte man diese dann in einer Art Ur-Zoo sicher der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen?

Ohne an dieser Stelle zuviel zu verraten: Auch Kenner der Verfilmung sollten sich die Romanvorlage einmal zu Gemüte führen. Sie ist wissenschaftlicher, spannender und hätte aufgrund des Todes einiger der Protagonisten eigentlich die Filmfortsetzungen unmöglich machen müssen. Doch wo der schnöde Mammon regiert...

Man sollte sich also von der vermeintlichen Kenntnis des Stoffes nicht kirre machen lassen. Einfach lesen und ein (fast) ganz neues Gefühl vom Dino/Jurassic Park erleben!

Bewertung: 4 von 5

Endlich!

Der SPIEGEL öffnet für die Allgemeinheit sein Archiv und lässt unter dem Namen "SPIEGELWissen" kostenfrei (!!!) den Zugriff auf alle Artikel seit 1947 zu. Das könnte nach dem Portal "einestages" die nächste interessante Applikation werden. ich werde mich dort von jetzt ab wohl etwas häufiger umsehen.

Allerdings glaube ich nicht, dass die Hamburger das aus reiner Nächstenliebe tun. Anscheinend hat der kostenpflichtige Einzelabruf älterer Heftartikel in keinster Weise die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt. Eine jetzt erhöhte Anzahl von Seitenaufrufen des freien Archivs dürfte jetzt einen deutlich erhöhten Werbeerlös generieren.