Donnerstag, 15. April 2010

CD-Rezensionen (185): ABBA - Arrival (1976)

(Cover: Amazon.de)

Müsste man so etwas wie die Quintessenz von ABBA während ihrer noch vom überbordenden Pop-Appeal geprägten Hochzeit erstellen, käme dieses Album in seiner Eigenschaft als nahezu perfekte Pop-Platte schon sehr nahe dran. Schon alleine die puren Fakten sprechen für sich: Top-Positionen in den Charts für Singles und Album rund um den Globus, dabei unter anderem den Titel für das meistverkaufteste Album des Jahres 1977 in Großbritannien oder gleich dreimal in Folge Platz eins der deutschen Charts für die drei Singles "Dancing Queen", "Money, Money, Money" und "Knowing Me, Knowing You", den einmalig bleibenden Erfolg mit erstgenanntem Song auch die US-Chartsspitze geknackt zu haben - das muss man erst einmal mit nur 11 Songs von gerade 38 Minuten Spielzeit hinbekommen!

Viel ist über die durch die aufwändige Produktion scheinbare Zeitlosigkeit der Musik ABBAs schon geschrieben worden. Hier kommen aber einmal mehr die atemberaubenden Gesangsleistungen der beiden Damen Fältskog und Lyngstad besonders zum Tragen. Wie in "Dancing Queen" geradezu wahnwitzige Wanderungen auf der Tonhöhenleiter scheinbar mühelos bewältigt werden ist schon ein schwer beeindruckendes Stück Sangeskunst!

Auch wenn die Grundstimmung des Albums eher optimistisch-fröhlich angelegt ist und die Songs daher teilweise schon tief im damals weltweit gerade zur Hochform auflaufenden Disco-Sound wildern, ist trotzdem in Songs wie "Knowing Me, Knowing You" schon die Melancholie zu verspüren, die so typisch für die späte Bandphase werden sollte (das in der Originalausgabe nicht vertretene, aber der CD-Version als Bonus hinzugefügte "Fernando" darf man ebenfalls dazu zählen). Ich ertappe mich immer wieder dabei, neue und aufregende Feinheiten aus diesem nun schon fast 35 Jahre alten Stück Musikgeschichte herauszuhören. Man kann nur vor den Leistungen des neben der Paarung Lennon/McCartney genialsten Autorenteams der Popgeschichte samt ihrer Produzenten-, Techniker- und Musikercrew nur den Hut ziehen. Ein Tophit mit extra verstimmten Klavier wie "Money, Money, Money"? Für Ulvaeus/Andersson kein Problem...

Sollte es trotzdem so etwas wie einen Schwachpunkt auf diesem Schwedenhappen der besonderen Art geben, ist er wahrscheinlich beim doch recht belanglosen Tralala-Stück "Dum Dum Diddle" zu verorten. Das wird aber durch solche Knaller wie "Why Did It Have To Be Me" locker wieder aufgewogen, wo der zu dieser Zeit schon in den letzten Zügen befindliche Glam Rock (dem ABBA auch schon auf ihrem zweiten Album frönten) noch einmal fröhliche Auferstehung feiert. Da wird ganz erdig in die Saiten gegriffen und das Saxophon röhrt, als ginge es ums Leben - irre! Trotz der geringfügigen Mängel verbietet sich hier alles andere als die Höchstwertung.

Bewertung: 5 von 5

2 Kommentare:

http://bergtouren-perpedes-rad-ski-klettern.blogspot.com/ hat gesagt…

ABBA ist noch immer ein Markenzeichen und seine "Macher" verdienen zurecht noch einen Haufen Kohle damit. Das ist noch unverfälschte, durchkomponierte Popmusik. Und das die beiden Herren wirklich komponieren können, habensie in späteren Jahren bei ihren Musicals auch bewiesen. Mann, was haben wir früher als Teenies geschwärmt und uns war Nichts zu dumm um irgendwie an Fotos und Musik zu kommen.

Muggenhorst hat gesagt…

Wir sind damals als Zweitklässler in den ABBA-Film gegangen...*gg*