Freitag, 9. Mai 2008

CD-Rezensionen (039): ABBA - Waterloo (1974)


(Cover: Amazon.de)

Die Geschichte ist mittlerweile unzählige Male erzählt worden, wie in einem modernen musikalischen Märchen vier Schweden 1974 im englischen Brighton den Grand Prix de la Eurovision gewinnen und anschließend eine einzigartige Weltkarriere hinlegen. Das das nicht ohne Stolpersteine ablief kann man sowohl in Carl Magnus Palms grandioser ABBA-Biografie nachlesen, aber auch an den frühen Alben der Band verfolgen.

War die erste Platte "Ring Ring" (1972) noch ein von männlichen Vocals dominiertes Schlagersammelsurium, wurden ABBA auf dem Nachfolger experimentierfreudiger, ohne durchgehend ihren später so berühmt und erfolgreich gewordenen Sound gefunden zu haben. Natürlich überstrahlt das Siegerlied von Brighton "Waterloo" den Rest und mit "Honey Honey" ist noch ein zweiter Hit (immerhin Platz 2 in Deutschland) enthalten.

Interessanter wird es allerdings, wenn man sich dem Rest des Albums zuwendet. Da finden sich Raritäten ("Suzy-Hang-Around", der einzige jemals von Benny gesungene Titel), skurrile Totalausfälle ("Sitting In The Palmtree", "King Kong Song", "What About Livingstone"), aber auch ganz Nettes wie "Hasta Mañana". Für "Dance (While The Music Still Goes On)" haben die Herren Andersson und Ulvaeus wohl recht genau beim "Pet Sounds"-Album der Beach Boys zugehört und bei "Watch Out" scheint der alte Retro-Knecht Lenny Kravitz höchstselbst den Gitarrero zu geben. Zumindestens schien er das Intro dieses ABBA-Songs zu kennen, als er "Are You Gonna Go My Way" (1993) schrieb. Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich, die doch sonst als so brav angesehenen Skandinavier mal als wilde Glam-Rocker zu erleben.

Meine persönlichen Favoriten sind jedoch andere. Das von Frida gesungene "Gonna Sing You My Lovesong" ist ein erster Höhepunkt der Balladenkunst des Songwriterduos Andersson/Ulvaeus und das unglaublich funkige "My Mama Said" geht mit seiner rhythmischen Basslinie und den Gitarrenlicks unglaublich in die Hüften, auch weil schon die aufkommende Discowelle erste Einflüsse zeigt. Ein Hammersong!

Bewertung: 3 von 5