Mittwoch, 25. November 2009

Konzert-Nachlese

Nach einem dringend benötigten Tag der Erholung ein kleiner Rückblick auf das gestrige Rammstein-Konzert in der Arena Leipzig.

Wir sind relativ spät angereist, standen ab etwa 18.00 Uhr vor dem Osteingang der Halle eine Stunde an (wobei natürlich wieder dank der Vordrängel-Assis kein sonderlich guter Sichtplatz drin war). Der Einlass ging durch das Barcode-Einscannen eines jeden einzelnen Tickets äußerst zäh voran. Ich hab während des Gigs alleine in der Masse gestanden, da die Göttergattin enge Menschenansammlungen nicht sonderlich gut verträgt und sich das Ganze von der Seite angeschaut hat.

Publikum wie schon bei der letzten Tour sehr gemischt, ich habe wieder sehr viele Eltern-Kinder-Kombinationen gesichtet - mit sehr vielen heftig aufgerüschten Damen jenseits der 40/50. Ansonsten wirklich sehr viele "Graukappen", von denen viele wohl nach dem Motto "Heute gehen wir uns mal richtig gruseln, gell Elsbeth?" in die Halle gekommen sind. Auf den Sitzplätzen und auch in meiner Umgebung war daher auch zum Teil sehr unbewegliches Volk, vom wüsten Headbanger im Metallica-Shirt neben mir mal abgesehen. Muß ein Schwede gewesen sein, denn der schrieb während des Konzerts eine SMS in mir nur rudimentär bekannten Worten "Jag aelskar ...". Gerade das Altvolk war wohl bei Combichrist als Vorband mächtig erschrocken. Diese haben die Halle fein vorgeglüht, auch wenn ich deren Sound nach etwa 4 Songs als etwas zu monoton empfand. Für mal abhotten sehr fein, aber bitte nicht länger als 20 Minuten am Stück... Aber (wie auch schon bei Apocalyptica bei der letzten Tour) sehr faire und herzliche Aufnahme der Vorband durchs Publikum, gar kein Vergleich mit Depeche Mode-Konzerten!

Das zum eigentlichen Konzertauftakt gegen 21.10 Uhr sichtbar werdende Rammstein-Bühnendesign war das sensationellste, das ich je gesehen hab. Am Anfang eine Mischung aus Mittelalterkerker und Pathologie-Labor, später in feinster Steampunk-Optik und zum Schluß richtig Großstadt-Hightech. Einfach nur geil!

Die Setlist sah wie folgt aus: 

1. Rammlied
2. B********
3. Waidmanns Heil
4. Keine Lust
5. Weisses Fleisch
6. Feuer frei!
7. Wiener Blut
8. Frühling in Paris
9. Ich tu Dir weh
10. Liebe ist Für alle da
11. Benzin
12. Links 2 3 4
13. Du hast
14. Pussy

Zugabe1 
15. Sonne
16. Haifisch (mit Flake im Gummiboot)
17. Ich will

Zugabe 2
18. Engel

Die Show war toll, viele neue und ein paar altbekannte (Keine Lust, Feuer frei! etc.) Effekte, am besten haben mir hierbei das finale "Engel" (Hammeroptik, obwohl ich den Song gar nicht so mag) und "Ich tu Dir weh" gefallen, Letzteres mit Till-Ansage über die Indizierung und Ärzte-like geändertem Text ("In Leipzig gibt es einen Zoo, da sind alle Löwen froh. / Leipzig ist so schön, da können wir zur Messe gehn", "Wünscht Euch was wir sagen nicht nein und führ'n Euch Kuscheltiere ein" usw.) und vielen von der Masse gesungenen Passagen. Kompliment auch an Flake, der das halbe Konzert mit einer Art Dauer-Moonwalk im Jackson-Glitzeroutfit auf einem Laufband bestritt.

Kritikpunkte: Sound für meine Ohren sehr dumpf und laut, laut sowie einfach nur laut. Eine Chemnitzer Freundin, die zum ersten Mal bei Rammstein war, aber schon AC/DC, Metallica und ähnliche Bands gesehen hat, sagte anschließend "Ich definiere Konzertlautstärke jetzt anders". Dazu die üblichen Aufreger. Saufprolls mit geleerten Becherkollektionen plus diverser 1-Liter-Kannen, permanente Rein- und Rausrenner, die Bataillone von Handy- und Kamerafilmern (nerv!), Dauerrauchern (Luft war eh zum Schneiden) und einem lahmen Publikum auf den Sitzplätzen.

Was mich etwas beunruhigt: obwohl ich gar nicht mal solange gestanden hab, war ich danach ziemlich erledigt - nach sowas wie Aftershow-Party war mir ganz und gar nicht. Wie soll das am 09.01. 2010 in Berlin werden? Doch lieber versuchen, meine Innenraum-Tix gegen Sitzplätze zu tauschen? Ich werd alt... Jedenfalls war man gegen 0.45 Uhr völlig erledigt zu Hause.

Wahrscheinlich weil der "Wow-Effekt" beim ersten besuchten Rammstein-Konzert etwas größer ist, hat mir mein Besuch bei der letzten Tour im heimatlichen Riesa etwas besser gefallen, aber trotzdem - das gestern schlägt jedes Depeche Mode-Konzert um Längen!

Montag, 23. November 2009

Buch-Rezensionen (172): Götterdämmerung im Zentralkomitee-Tonprotokolle aus den letzten Sitzungen des ZK d. SED Oktober-Dezember 1989 (Hörbuch) (1998)

(Cover: Amazon.de)

Im Nachhinein ist es für geschichtsinteressierte Personen ein absoluter Glücksfall, dass in den letzten Wochen und Monaten während den Tagungen des Zentralkomittees der SED ein Tonbandgerät mitlief. So wird man anhand dieser Audio-Dokumente Zeuge, wie dramatisch, chaotisch und letztendlich hilflos die Sitzungen des inneren Führungszirkels der Partei im Herbst 1989 verliefen. Es wird geschrieen, gemutmaßt und gegreint - bis die Agierenden in einen sich immer schneller drehenden Strudel der politischen Veränderungen gezogen werden.

Dank dieser sich heute im Besitz des Bundesarchivs befindlichen Mitschnitte ist man bei der Absetzung Erich Honeckers am 17. Oktober (bei der dieser kurioserweise für seine eigene Ablösung stimmte), der Diskussion um die durch die Verkündung Günter Schabowskis legendär gewordene Formulierung zur Reiseregelung vom 9. November, bis hin zur Selbstauflösung des Gremiums am 03. Dezember 1989 praktisch hautnah dabei. Von sturer Betonköpfigkeit bis zu zaghaften Ansätzen der Einsicht ist alles vertreten, was diese CD zu einem interessanten Zeitdokument macht. Da die Dramatik der Entwicklungen spürbar im Lauf der Wochen zunimmt, kommt es zum Ende des Bestehens des ZK gar zu tumultartigen Szenen, von denen der emotionale Ausbruch des zum damaligen Zeitpunkts 86-jährigen Mitglieds Bernhard Quandt ("Wir haben im Staatsrat die Todesstrafe aufgehoben, ich bin dafür, dass wir sie wieder einführen und wir alle standrechtlich erschießen, die unsere Partei in eine solche Schmach gebracht haben!") wohl die bekannteste ist.

Absoluter Kauftip!

Bewertung: 5 von 5

Sonntag, 22. November 2009

DVD-Rezensionen (172): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 28 - Viertelfinale 1994 Brasilien - Niederlande (3:2) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Leider kann ich die Lobhudeleien im Begleitheft zu diesem Spiel nicht ganz nachvollziehen. Sicherlich, in der zweiten Halbzeit fielen fünf Tore und die Holländer machten zwischenzeitlich einen 0:2-Rückstand wett, aber die gar allzu grauslige erste Hälfte vermiest den Genuss ganz erheblich. Da gab es auch in dieser Kollektion doch deutlich attraktivere torlose Halbzeiten...

Erst einmal ist es arg gewöhnungsbedürftig, beide Mannschaften in selten genutzten Outfits auflaufen zu sehen. Brasilien in Blau-Weiß, die Niederlande in weiß mit orangen Hosen. Dann noch dieses Taktieren in den ersten 45 Minuten...nicht auszuhalten! Kaum zu glauben, dort den kommenden Weltmeister spielen zu sehen, wobei man freilich anmerken muss, 1994 in den USA zwar den höchsten Zuschauerschnitt aller Turniere erreicht, dafür aber wohl auch das schlechteste Finalspiel aller Zeiten gesehen zu haben.

Am brasilianischen Sieg gibt es Einiges zu mäkeln. Sicherlich griff der Abseits stehende Romário beim 2:0 nicht aktiv ins Geschehen ein, aber er irritierte und beeinflusste dadurch die holländische Abwehr derart, dass man den Spielzug durchaus hätte abpfeifen können. Und dem Freistoß durch Branco zum 3:2 ging eine Tätlichkeit eben desselben Spielers (mir schon sehr ungut in Ausgabe 27 der Edition aufgefallen) gegen Overmars voraus.

Halten wir fest: Ein genial herausgespieltes 1:0, ein tolles 2:1 durch Bergkamp und letztendlich ein glücklicher Sieg des späteren Weltmeisters Brasilien. Teilweise nett anzuschauen, aber wohl doch eine DVD, die ich in Zukunft eher selten herauskramen werde.

Bewertung: 2 von 5

Donnerstag, 19. November 2009

CD-Rezensionen (171): Chilli feat. Carrapicho - Tic, Tic, Tac (MCD) (1997)

(Cover: Amazon.de)

Eins muss man Produzenten-Altmeister Frank Farian lassen - der Mann hat ein Händchen, an allen möglichen und unmöglichen Ecken dieses Globus nach eingängigen Melodien zu suchen, um sie durch den eigenen Sound-Wolf zu drehen und unter Zuhilfenahme eines eilig aus dem Boden gestampften und meist nicht mehr als für ein oder zwei Singles bestehenden Präsentations-Projekts unters Volk zu bringen.

1997 also wurde man in Brasilien fündig, rekrutierte fix den lokalen Hit "Tic, Tic, Tac" der Amazonas-Combo Carrapicho, heuerte drei dunkle Schönheiten an, die mit einer Art verfeinertem Ententanz jenen Dancefloor-Sommerhit-Heuler promoten durften und fuhr europaweit einen respektablen Chartserfolg ein. Da es irgendwann im Vorfeld der Veröffentlichung Tantiemen-Knatsch mit den brasilianischen Urhebern des Songs gegeben hatte, musste also der Song fein paritätisch unter beiden Bandnamen aufgeteilt auf dieser Maxi-CD erscheinen. So firmieren - je nach Leadvocals - jeweils zwei Tracks unter dem Label "Chilli feat. Carrapichio" (Radio Edit 1, Club Mix) und eben auch "Carrapichio feat Chilli" (Radio Edit 2, Copacabana Drive Mix), wobei mir das portugiesischsprachige Original deutlich mehr zusagt.

Somit also viermal derselbe Song in wenig unterscheidbaren Mixen, die allenfalls in ihren Lauflängen variieren. Ein gewisses Sommerfeeling muss man attestieren, ansonsten ein One-Hit-Wonder ohne sonderliches Aufregungspotential.

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 18. November 2009

Buch-Rezensionen (171): Alice Schwarzer - Romy Schneider-Mythos und Leben (Hörbuch) (1998)

(Cover: Amazon.de)

Künstlerlegenden, die jung oder mittels tragischer Umstände aus dem Leben geschieden sind, taugen bestens zur Mythenbildung. Kein Wunder also, wenn Biografien über jene tatsächlichen oder vermeintlichen Opfer des Showbusiness ganze Regalreihen füllen. Einige dieser Erscheinungen sind dann von recht zweifelhafter Qualität, fühlt sich doch mancher Zeitgenosse verpflichtet, frei nach dem Motto "Ich habe Promi XYZ im Jahre ... einmal getroffen und schreibe jetzt ein Buch darüber" zur Feder zu greifen. Wie soll man also inmitten der Flut von Romy-Biografien dieses Buch der "Emma"-Herausgeberin einordnen?

Fangen wir einmal mit den positiven Aspekten an. Alice Schwarzer, die Romy Schneider in den 1970er Jahren mehrfach interviewte, schildert - sachlich weitestgehend korrekt - anhand vieler allseits bekannter, aber auch wenig öffentlicher Fakten die Lebensstationen des 1982 im Alter von 43 Jahren verstorbenen Filmstars. Es gibt Hintergründe zu den wichtigsten Filmen der Schauspielerin sowie zu prägenden Ereignissen abseits der Kamera. Dies geschieht überwiegend mit der gebotenen journalistischen Distanz.

Ärgerlich wird es hingegen, wenn Alice Schwarzer in ihre altbekannten Klischeees und Methodiken verfällt und nicht selten das Pferd von hinten aufzäumt. Es reicht eben nicht, Romy Schneider als permanentes Opfer von Männermacht zu stilisieren und dabei andere wichtige Faktoren, wie die frühzeitige Forcierung der Filmkarriere durch Romy Schneiders Mutter Magda eher auszublenden. Wie schädlich solch dominante Einflüsse durch das Elternhaus sein können, haben viele andere tragische Künstlerkarrieren von Michael Jackson bis Britney Spears beklemmend eindrucksvoll bewiesen.

Sicherlich, Romy Schneider geriet zeit ihres Lebens häufig an charakterlich bestenfalls arg zweifelhafte Partner und Einflussnehmer. Aber die augenfälligen Probleme einen geregelten Alltag zu führen, gebetmühlenartig auf Hans Herbert "Daddy" Blatzheim, Alain Delon, Daniel Biasini und andere abzuwälzen, greift meines Erachtens denn dann doch zu kurz. Hier benutzt Alice Schwarzer die Lebensgeschichte Romy Schneiders als Vehikel für ihre eigenen, weiß Gott nicht unumstrittenen, Ansichten. Dies ist höchstgradig unfair, denn: Tote können sich nicht wehren!

Reduziert man "Romy Schneider - Mythos und Leben" auf eine rein subjektive Sicht auf das Wesen einer tragisch gescheiterten großen Schauspielerin, geht dieses Buch - in der  Audiobookversion von der Autorin selbst unter Mitwirkung von Hannelore Elsner, Sabine Falkenberg und Stephan Benson gelesen - sicherlich in Ordnung. Möchte man hingegen von einer objektiv-kritischen Warte aus das Leben Romy Schneiders verfolgen, sollte man um dieses Buch einen weiten Bogen machen und zu einer anderen der zahlreich existierenden Werke zur Thematik greifen.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 17. November 2009

Hmmmpffff, grrrrrrrrrr, grummel...

Fast war sie fertig, meine Buch-Rezension zur Romy-Schneider-Biografie von Alice Schwarzer. Wie üblich bei Amazon geschrieben, um dann eine Kopie hier abzulegen. Da klappt mir doch tatsächlich mein Opera alle Tabs zu! Zwar kann man exakt alle bei Abbruch geöffneten Fenster sofort wieder aufrufen, doch natürlich: die Rezensionsbox war - leer! Und nix zwischengespeichert, alles weg - ich glaub, ich brech ins Essen...

Dann eben morgen...

Montag, 16. November 2009

DVD-Rezensionen (171): JAG - Im Auftrag der Ehre (Season 4.1) (1998/99)

(Cover: Amazon.de)

"Was soll's..." möchte man resignierend meinen, muss man doch endgültig zur Kenntnis nehmen, dass "JAG" mit Ausnahme der zweiten Season in all seinen zehn Staffeln in Form von gesplitteten Vollpreisboxen erscheinen wird. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist durch die gerade einmal 12 Episoden pro Box daher alles andere als günstig, trotzdem ist man als leidgeprüfter Fan der US-Militäranwaltsserie mittlerweile eben demütig geworden...

Die erste Episode "Gypsy Eyes/Tod in der Taiga" löst den Cliffhanger, mit dem die letzte Folge der dritten Staffel endete, auf. Harm und Mac, in einer gestohlenen MiG-29 vor russischen Jagdfliegern flüchtend, klären in dieser Geschichte schlussendlich auch das Schicksal von Harmon Rabbs seit dem Vietnamkrieg vermisstem Vater. Somit wird ein die ersten Staffeln wie ein roter Faden durchziehender Handlungsstrang, der für einige Spannungsakzente sorgte, aufgelöst.

Die hier gezeigten Folgen bieten wieder ein breites Spektrum an Fällen rund um die amerikanische Navy und ihrer Flieger angefangen von Geisterstimmen hörenden Piloten ("Angels 30/Kein guter Tag zum Sterben") über Waffenschieber innerhalb der Truppe ("Going After Francesca/Die Entführung") bis hin zu sexuellen Übergriffen innerhalb gemischter Schiffsbesatzungen ("Dungaree Justice/Alle für eine"). Doch auch im Privatleben der Protagonisten geht es turbulent zu, taucht doch Macs seit Jahren verschwundener Ehemann auf und sorgt für tödlichen Ärger...

Die für mich spannendsten Episoden spielen außerhalb des Gerichtssaals. In "The Black Jet/Der schwarze Jet" muss ein notgelandetes Tarnkappenflugzeug aus dem Iran zurückgeholt werden und in "Embassy/Im Namen des Volkes" geraten Harm und Mac per Zufall mitten in eine Geiselnahme in der sudanesischen Botschaft.

Auch wenn freilich "JAG" wie eh und je ein durchgehend positives Bild des US-Militärs und dessen Rechtssystems zeichnet - die Serie von Donald P. Bellisario scheut sich nicht, auch einmal unbequeme Themen anzuschneiden, wie beispielsweise das tatsächlich gespannte Verhältnis der japanischen Zivilbevölkerung zu den im Lande stationierten amerikanischen Truppen (Folge "Innocence/Nacht der Schande"). Diese Vorgehensweise wird sich in den darauffolgenden Seasons noch verstärken.

Nicht jede Episode ist wirklich gut, aber da Bild und Ton (Surround in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) für eine TV-Serie nicht allerneuesten Datums in Ordnung gehen, kann man ruhigen Gewissens die zweithöchste Wertung zücken.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 15. November 2009

Abschied von Robert Enke

Eine sehr emotionale Veranstaltung, die auch mich in meinem tiefsten Inneren angerührt hat, fand heute Vormittag in der Hannoveraner AWD-Arena statt. Etwa 40.000 Menschen nahmen Abschied von Torwart Robert Enke, der sich am Dienstag im Alter von 32 Jahren aufgrund langanhaltender Depressionen das Leben genommen hatte. Dies war Medienberichten zufolge die größte jemals in Deutschland durchgeführte Trauerfeier für einen Sportler. Die Worte des Tages stammten für mich von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der mir mit seiner ohne Manuskript gehaltenen Rede, die zu Respekt , Anteilnahme und gegenseitiger Hilfe aufrief,  aus dem Herzen sprach. Ich schäme mich meiner heute am Bildschirm vergossenen Tränen nicht. Mach's gut, Robert...

Erwischt!

Ich fühle mich durch diesen Artikel etwas betroffen... ;)

Donnerstag, 12. November 2009

CD-Rezensionen (170): Bad Boys Blue - You're A Woman '98 (MCD) (1998)

(Cover: Amazon.de)

Anno 1998 versuchte gleich eine ganze Reihe altgedienter Discofox-Recken der 80er Jahre mit soundmäßig aufgebohrten Versionen ihrer alten Hits erneut zu punkten. Beispielsweise Fancy, Modern Talking oder Silent Circle gehören in diese Aufzählung. Und auch die Bad Boys Blue klöppelten aus ihrem ersten großen Hit "You're Woman" von 1985 unter Zugabe der Rapkünste Eric Singletons und beim als Track 3 enthaltenen "Megamix Volume 1" diverser anderer Songs ("Pretty Young Girl", "I Wanna Hear Your Heartbeat", "Lady In Black", "L.O.V.E. In My Car") ein für die Liebhaber des Genres akzeptables Ergebnis zusammen.

Besagter Megamix tut mit seinen 8:17 Minuten Lauflänge für jeden Ü30-Tanztee-DJ ordentliche Dienste, kann er sich doch so mal zurücklehnen, etwas trinken gehen oder erleichternden körperlichen Aktivitäten frönen. Bei den restlichen drei Stücken dieser Maxi-CD herrscht dagegen ein wenig Einfallslosigkeit vor. "You're A Woman" in drei sich nur durch Länge und der Zugabe/Auslassung der Raps unterscheidenden Versionen (Original Remix 1998, Rap Remix 1998, Extended Rap Remix 1998) - da sollte wohl mit geringsmöglichstem Aufwand Kasse gemacht werden.

Ich bin nicht unbedingter Fan dieser Art von Musik, dennoch kommen mir doch einige Jugenderinnerungen zum Thema Bad Boys Blue in den Sinn zudem ein sehr schräges persönliches Aufeinandertreffen vor etwa 15 Jahren. Somit ist dieser Tonträger für mich ein wenig Nostalgiecontainer in durch treibende Bass- und Drumlinien durchaus noch aktuell klingendem Sound, scheinen doch die alten 80er-Aufnahmen aus heutiger Hörgewohnheit im Tempo wie an einem Gummiband zu hängen...

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 11. November 2009

Buch-Rezensionen (170): Isaak M. Korotkin - Seeunfälle und Katastrophen von Kriegsschiffen (1977)

(Cover: Amazon.de)

Dieses im russischen Original 1977 in der Sowjetunion erschienene Buch widmet sich der faktenbasierten Untersuchung von Unfällen und Katastrophen auf Überwasserkriegsschiffen, die sich noch einmal in Brände und Eplosionen, Kollisionen sowie Grundberührungen und Sturmschäden untergliedert. Aber: dies ausschließlich auf Schiffen (Zitat) "kapitalistischer Flotten" des Zeitraums ab etwa 1930 . Die Gründe für diese Geheimniskrämerei liegen auf der Hand. Offiziell gab es im eigenen Militärbereich keine Unfälle, erst in den letzten Jahren nach den politischen Veränderungen sind viele Desaster in Schiff-, Luft- und Raumfahrt des ehemaligen Ostblocks publik geworden. In puncto Vertuschung wurde damals - offiziell aus Eigenschutz vor westlicher Spionage - ganze Arbeit geleistet.

Ein Buch, das so politisch kontaminiert daherkommt, muss man also mit Vorsicht genießen. Äußert doch der Autor selbst im Vorwort wie folgt:

"Ursachen für eine Reihe von Seeunfällen war auch der niedrige politsisch-moralische Zustand, die psychologische Labilität der Männer sowie ein nachlässiges, bisweilen verantwortungsloses Verhalten gegenüber den eigenen Pflichten. Das ist für viele Schiffe kapitalistischer Flotten charakteristisch. ... Obgleich die Erfahrungen kapitalistischer Flotten behandelt werden, können sie auch für unsere Flotten nützlich sein. Hierbei ist jedoch der hohe politisch-moralische Zustand unserer Seeleute und das in den brüderlich verbundenen sozialistischen Seekriegsflotten bestehende gegenseitige Vertrauen zwischen Matrose und Offizier zu beachten"

Zitat Ende. Das ist Kalter Krieg pur und blendet den auch in den eigenen Reihen durchaus vorhandenen Schlendrian geradezu grotesk aus. Trotz alledem: sieht man von diesen ärgerlichen Dingen einmal ab, erhält man durchaus ein sehr faktenreiches, in vielen Fällen auf westlichen Quellen (z.B. "Jane's Fighting Ships") beruhendes Kompendium verschiedenster Schiffsunfälle und -katastrophen, das natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Prominente Ereignisse, wie die Explosion auf dem US-Flugzeugträger "Forrestral" (1967) wechseln sich mit wenig bekannten Namen und Daten ab. Dem Buch ist ein umfassender Schlußfolgerungs- und Analyseteil, Tabellen mit einer Unfallübersicht, Anmerkungen des deutschen Bearbeiters, ein Verzeichnis der Abkürzungen und eine ausführliche Literaturliste angefügt.

Eigentlich ein interessantes und mit zahlreichen Fotografien versehenes Werk zu einem eher wenig beachteten Thema, dennoch mit schwerem ideologischen Ballast behaftet, was die Wertung einfach ins Mittelfeld sinken lassen muss.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 10. November 2009

Robert Enke †

(Foto: DFB.de)

Eine schockierende Nachricht erreichte mich heute kurz vor dem Feierabend. Robert Enke, der Torwart von Hannover 96 und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat sich am Abend im Alter von 32 Jahren an einem Bahnübergang nahe der niedersächsischen Landeshauptstadt das Leben genommen. Anstelle der in vielen Medien bereits zirkulierenden Mutmaßungen über die Motive den für mich einfühlsamsten Text zu diesem Thema, geschrieben von Dirk Gieselmann auf 11freunde.de:

http://www.11freunde.de/bundesligen/125577

Mein aufrichtiges Beileid allen Angehörigen.

Montag, 9. November 2009

Ein Blick zurück...

Heute vor 20 Jahren (aufgeschrieben 2004):

An den 09.11.1989 kann ich mich noch sehr genau erinnern (war ein Donnerstag). Ich saß während der berühmten Pressekonferenz allein im Fernsehraum meines Lehrlingswohnheims in Radeberg und als dann die bewusste Schabowski-Passage gelaufen war, riß ich die Tür auf und brüllte mit "Die Grenze ist auf!" das ganze Haus zusammen. Am nächsten Tag gings nach Hause und auf dem Bahnhof meiner Heimatstadt traf ich zwei Freunde, die gerade in Richtung Westberlin aufbrachen. Als ich sie später mal traf, erzählten sie mir, das sie in dieser Nacht selbst in Strip-Schuppen einige "Spezialvorführungen" für lau bekamen. Jaja, Brüder und Schwestern...

Es bleibt noch eins zu sagen: Danke, Gorbi...

Sonntag, 8. November 2009

DVD-Rezensionen (170): Basic Instinct (2-Disc-Edition) (1992)

(Cover: Amazon.de)

In jedem Jahrzehnt gibt es eine gute Handvoll Filme, die man - manchmal sogar unabhängig vom Einspielergebnis an den Kinokassen - automatisch mit der entsprechenden Dekade assoziiert. Der damals als Skandalfilm postulierte Erotik-Thriller "Basic Instinct" gehört sicherlich so zu den 90ern wie auch der erste MATRIX-Film oder Tarantinos "Pulp Fiction". Der kontrovers diskutierte und in Hitchcockscher Manier gedrehte Box Office-Erfolg katapultierte sowohl Michael Douglas und die hinreißend als mordverdächtige Bestsellerautorin Catherine Tramell agierende Sharon Stone endgültig in den Superstar-Status.

Über den Plot und seine berühmteste Szene braucht man an dieser Stelle nicht mehr viele Worte verlieren. Wohl jeder, der nicht gerade die letzten 20 Jahre weitab der westlichen Zivilisation verbracht hat, kennt diesen Film. Von daher kann man eher das Interesse auf die Beigaben dieser Doppel-DVD richten, die es in sich haben. Denn gleich zwei Audiokommentare (von Regisseur Paul Verhoeven mit seinem Kameramann Jan de Bont sowie der Frauenrechtlerin Camille Paglia) haben den Weg in diese Box gefunden, dazu Making Ofs, diverse Galerien, Teaser und Trailer sowie interessante Probeaufnahmen mit Sharon Stone und Jeanne Tripplehorn. Da man ordentliches Bild und auf der deutschen Tonspur zumindestens Dolby 5.1 bekommt (DTS nur in Englisch), kann man über das Preis-Leistungsverhältnis des Doppelpacks wahrlich nicht meckern - das hat man trotz spektakulärer Titel wie "Special", "Collector's" oder gar "Ultimate" Edition schon weitaus anders gesehen!

Auch wenn "Basic Instinct" das Genre sicherlich nicht neu erfunden hat und manche Provokation ein wenig zu arg berechnet erscheinen mag - ein Klassiker des modernen Kommerzkinos in einer prima ausgestatteten DVD-Veröffentlichung ist es allemal.

Bewertung: 5 von 5

Samstag, 7. November 2009

Günter Naumann †

(Foto: mdr.de)

Einer der bekanntesten Schauspieler der DDR ist tot. Günter Naumann, gestern nach längerer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben, dürfte eines der bekanntesten Gesichter des ostdeutschen Fernsehens gewesen sein, ich erinnere mich an zahlreiche Auftritte in Serien wie "Zur See" (1976), "Front ohne Gnade" (1984) oder "Treffpunkt Flughafen" (1985/86) sowie die Mitwirkung in zahlreichen Filmen, auch hier vorwiegend im TV. Ein Stück Kindheit ist gegangen, R.I.P..

Freitag, 6. November 2009

Das wurde auch mal Zeit...

In den letzten Monaten tobte hinter den Kulissen der deutschen Wikipedia ein mit sehr harten Bandagen geführter Streit über die (Nicht)Relevanz von neu eingestellten Artikeln. Wie man hier, hier und hier nachlesen kann, betraf mich diese Problematik auch schon persönlich. Jetzt wurde das Ganze auf einer größeren Ebene öffentlich mit einer Podiumsdiskussion behandelt. Netzpolitik.org berichtet. Bitte auch dem im Artikel erwähnten Link folgen.

Ich werde die weitere Entwicklung mit Interesse beobachten.

Donnerstag, 5. November 2009

Soundtrack Of My Life (014): Stakka Bo - The Great Blondino (1995)

Heutzutage kann man - von einzelnen im Kabelnetz empfangbaren Nischenkanälen einmal abgesehen - die einstmals "Musiksender" genannten Stationen wie MTV oder VIVA komplett vergessen. Billigst importierter US-Doku-Soap-Schund und Klingeltonwerbung rund um die Uhr, Musik spielt nur noch eine absolute Nebenrolle. Das was heute das Internet übernimmt, nämlich die Entdeckung neuer Songs oder Bands per Zufall, konnte man noch vor ein paar Jahren abseits der Hauptsendezeiten im TV erleben. So ging es mir beispielsweise in einer Samstagnacht des Jahres 1995, als ich, wohl nicht mehr ganz nüchtern, von einer meiner Clubtouren zurückkehrte und kurz vor dem Einschlafen noch einmal den Fernseher anschaltete. Auf dem Schirm lief ein schwarz/weiß-Musikvideo mit betörenden Aufnahmen einer alpinen Landschaft mit einem schlaksigen Kerl, der als Speedski-Piloten einen Abhang hinunterbretterte. Das Ganze zu verdammt coolen und dennoch schwer melancholischen Klängen, die in mir sofortiges Interesse weckten. Ungeduldig wartete ich bis zur Einblendung des Namens von Song und Interpret - und siehe da, der zwei Jahre zuvor durch seinen Hit "Here We Go" bereits aufgefallene Schwede Stakka Bo steckte dahinter. "The Great Blondino" war ganz und gar kein Hit, ich höre diesen Song aber nach wie vor sehr gerne.

Mittwoch, 4. November 2009

CD-Rezensionen (169): Hennes Bender - Komm geh weg

(Cover: Amazon.de)

Der Drittling des "kleinen dicken Jungen aus Bochum" (Eigenbezeichnung) bietet wieder herrlich schräge Betrachtungen von allerlei Alltagsabsurditäten. Kaum zu glauben, über welch banale Dinge man sich so aufregen kann. Aber das ist erfrischend, authentisch und auf sympathische Weise lustig. Kein Vergleich zu gewissen Olympiastadionausverkäufern...

Kleiner Wermutstropfen: die sich teilweise über Minuten hinziehenden Tobsuchtsanfälle der zwei vorangegangenen CDs finden hier nur noch in abgeschwächter Form statt. Da wird einmal das Sprachtempo schneller und die Stimme lauter - und dann wird schon wieder ein Gang heruntergeschaltet. Schade, macht doch dieses Springen in die Rolle des cholerischen Giftzwergs die Würze eines jeden Bender-Programms aus, denn nicht zuletzt deswegen hat der Mann aus dem Ruhrpott eine eigene Radiokolumne unter dem Titel "Erregt" mit Inhalt zu füllen.

Trotzdem gibt es jede Menge Kracher, seien es jetzt mein Favorit "STAR WARS" oder als wieder vom Programm "Noppen am Griff" hervorgekramter Running Gag eine perfekte Gollum-Imitation. Alles in allem einer der als höherwertig anzusehenden Tonträger der manchmal nur schwer zu ertragenden deutschen Comedy-Flut.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 3. November 2009

Buch-Rezensionen (169): Dan Brown - Diabolus (Hörbuch) (1998)

(Cover: Amazon.de)

"Diabolus", im englischen Original "Digital Fortress", ist der Debütroman von Bestseller-Autor Dan Brown. Bereits 1998 veröffentlicht, schaffte es der Thriller aus dem Geheimdienst- und Informatik-Millieu erst im Fahrwasser des Erfolgs von "Sakrileg/DaVinci Code" in einer deutschen Übersetzung auf den hiesigen Markt.

Wer sich auf ein Buch des Amerikaners einlässt, sollte eines ganz gewiss nicht sein - ein Experte auf den in den Romanen verarbeiteten Fachgebieten. Sei es jetzt Kunstgeschichte oder Architektur, Theologie oder andere Wissenschaften. Denn allzu frei rührt der Autor gesicherte Fakten mit freien Interpretationen und groben Rechercheschnitzern zu einem zwar spannenden, aber letztendlich doch unbefriedigenden Eintopf zusammen. Schmeckt erst einmal lecker, verursacht dann aber doch eher Bauchschmerzen. Von daher mit etwas Vorsicht zu genießen.

"Diabolus" beinhaltet alles, was auch in allen späteren Romanen thematisiert wird. Eine Verschwörung - hier inmitten des allmächtigen US-Geheimdienstes NSA - ein Bösewicht, der nicht sofort (oder doch?) als solcher zu entlarven ist, ein attraktives Heldenpärchen, das unvermittelt in den Strudel der Ereignisse hineingezogen wird, ein Killer...wenig Abwechslung im Hause Brown.

Man muss also eine ganze Menge ausblenden, wenn man so etwas wie Spaß mit den Büchern des Autors haben will, sein kommerzieller Erfolg spricht allerdings auch für sich. Trotzdem ist dieser Erstling eines der eher schwächeren Produkte Browns, schon seltsam, dass mir die zum Schluss des Plots benötigte Code-Ziffernfolge schon gleich zu Beginn des Buchs förmlich ins Auge sprang und ich die kopflos-hektische Aufgeregtheit der Protagonisten nicht im Geringsten nachvollziehen konnte.

Diese Hörbuchversion lebt von der angenehmen Stimme Detlef Bierstedts, nicht umsonst einer der bekanntesten Synchronsprecher des Landes. Dessen unaufgeregte Lesung hievt die Wertung noch eine Stufe nach oben, denn im internen Vergleich des Brownschen Schaffens zieht "Diabolus" doch eher den kürzeren, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen fachlichen Fehler im kryptographischen Bereich, Fehler, denen sich schon ganze Webseiten und Fachaufsätze widmen.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 2. November 2009

Soundtrack Of My Life (013): Die Ärzte - Für immer (1986)

Nach längerer Pause mal wieder ein Beitrag aus dieser Blogkategorie.

Das Erstaunliche an den Ärzten, ist die Fähigkeit, nunmehr schon seit mehr als 25 Jahren immer wieder neue Fanscharen zu rekrutieren und darüber hinaus irgendwie immer jederzeit mein Lebensgefühl getroffen zu haben. In den Zeiten, als die Kapelle aus Berlin (auuuus Berlin!) noch teeniekompatiblen Fun-Punk spielte, konnte man sich daher extrem sicher sein, als beziehungstechnisch benachteiligtes Mauerblümchen in der DDR den passenden Soundtrack von der anderen Seite der Mauer geliefert zu bekommen. So ging es mir in der Phase meiner ersten aussichtslosen Schwärmereien mit dem Song "Für immer", dessen tiefgründige Möglichkeit zur verschiedenen Interpretation des Textes (einfache Liebeserklärung an die Angebetete oder doch irgendwas Morbides?) sich mir erst viel später erschlossen haben. Aber immer noch ein wunderschönes Stück Musik. Seufz.

Freitag, 30. Oktober 2009

DVD-Rezensionen (169): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 27 - Viertelfinale 1986 Frankreich-Brasilien (5:4 n. E.) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Als ich erfuhr, dass diese Begegnung Bestandteil der Klassiker-Edition sein würde, war ich wahrlich begeistert, konnte ich doch anno 1986 dieses Spiel live im DDR-Fernsehen miterleben. Und auch wenn manchmal Erinnerungen beschönigen und täuschen - hier ist und bleibt alles wie damals. Zwei Mannschaften, die sich in der Mittagshitze um 12 Uhr Ortszeit ein Duell liefern, dass wahrlich als das eigentliche Finale der Mexiko-WM, ja als "Jahrhundertspiel" gefeiert wird. Hochklassige Chancen am laufenden Band und Kombinationen wie aus dem Lehrbuch. Dieses Spiel hatte eigentlich keinen Sieger verdient und es kam mit Sicherheit nicht die bessere, sondern einfach nur die glücklichere Mannschaft ins Halbfinale.

Über zwei Dinge habe ich trotzdem zu meckern. Zum einen über Rolf Kramers dermaßen unterkühlten Kommentar, der gar nicht erahnen lässt, welchem historischen Ereignis man hier beiwohnt. Das klingt bei den im Studio befindlichen Harry Valérien und Dettmar Cramer ganz anders - die sind einfach hin und weg.

Dann ein wirklicher Aufreger, der dem von Zico verschossenen Elfmeter in der 74. Minute vorausgeht. Der gerade eingewechselte "weiße Pelé" schickt mit einem dermaßen genialen 40-Meter-Pass Branco, der von Torwart Joël Bats (für mich im Übrigen der Held des Spiels, unglaublich, was der gehalten hat!) gefoult wird, was sofort den Strafstoß-Pfiff nach sich zieht. So weit, so gut. Aber: Wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann sind das gefoulte Spieler, die nach einem zugesprochenen Elfmeter in lauten Jubel ausbrechen, als hätten sie gerade eine spektakuläre Leistung erbracht. Dass Bats seinen Fehler mit einer Parade wieder gutmacht, sehe ich somit als eine gerechte Strafe für Brancos überzogene Reaktion an.

Fazit: Auf jedem Fall eines der absoluten Highlights dieser Kollektion! Alleine die Aufstellungen klingen einem heute noch in den Ohren. Sócrates, Falcão, Careca, Platini, Giresse, Tigana...

Bewertung: 5 von 5

Donnerstag, 29. Oktober 2009

CD-Rezensionen (168): Anton aus Tirol feat. DJ Ötzi - Anton aus Tirol (MCD) (1999)

(Cover: Amazon.de)

Ich gebe zu, die nunmehr 10 Jahre zurückliegende Anschaffung dieser Maxi-CD darf man mit Fug und Recht als Jugendsünde bezeichnen. Doch ich fühlte mich damals ins Jahr 1988 zurückversetzt, als die ebenfalls aus Österreich stammende Klamauktruppe Edelweiss ebenfalls Volksmusikklänge mit Dancefloor-Rhythmen verband. Das fand ich damals schräg und originell und da sich Geschichte gelegentlich doch wiederholt, schlug ich kurz vor Ende des Jahrtausends beim zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannten DJ Ötzi zu, nicht ahnend, dass der Mann mit der Häkelkappe eine mir bis heute unbegreifliche Erfolgskarriere hinlegen würde.

"Anton aus Tirol", Ende der 90er zeitgleich von gleich mehreren Interpreten veröffentlicht, ist natürlich Trash der übelsten Sorte, höchstens geeignet, um bei einem alkoholgeschwängerten Bierzelt-Absturz als Soundtrack zu dienen. Gleich in vier verschiedenen - wenig unterscheidbaren - Versionen (Party Mix, Extended Fun Mix, Country Radio Mix, Karaoke) liegt der Song hier vor, zusätzlich ist das ähnliche Instrumental "Aha-aha-aha" enthalten, insgesamt knapp 23 Minuten Musik ohne jeglichen Anspruch.

Für einen gewissen Nostalgiefaktor gibt es ein Gnadenpünktchen extra, denn was damals halbwegs neu war, ist mittlerweile durch ständige Wiederholung nicht wirklich besser geworden. Gerry Friedle mag privat ein netter Kerl sein, über den musikalischen Bereich schweigt des Kritikers Höflichkeit...

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (168): Hermann Heinz Wille - Im Banne des weißen Magneten (1958)

(Cover: Amazon.de)

Bücher über die Polarforschung haben mich seit meiner Kindheit in ihren Bann geschlagen. Ausgelöst hat diese Begeisterung dieses 1958 erschienene Buch, das ich vor mehr als 25 Jahren im elterlichen Bücherschrank fand. Der 2002 verstorbene DDR-Schriftsteller Hermann Heinz Wille schildert darin in unterhaltsamem und populärwissenschaftlichen Stil die Geschichte von Entdeckungen, schier unmenschlichem Heldenmut und tragischem Scheitern in den polaren Regionen der Erde.

Bis zurück in die Antike reicht die im Anhang beigefügte Zeittafel und eben dort beginnt mit der ersten Theorie der Kugelgestalt der Erde durch den Philosophen Pythagoras auch das erste Kapitel. Der Zeitbogen reicht über die Jahrhunderte der Suche nach dem geheimnisumwitterten "Terra Australis", die ersten bedeutenden Entdeckungen in den Polargebieten durch Bering, Bouvet, Cook, Bellingshausen, Ross und viele andere bis hin zu den Wettläufen zu den Polen, für die die Namen Peary, Cook, Shackleton, Scott oder Amundsen exemplarisch stehen. Eine umfangreiche Schilderung der Forschungen nach der Eroberung dieser Extrempunkte bis hin zu den zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung aktuellen Ständen der Wissenschaft runden dieses trotz seines Alters immer noch spannend und informativ zu lesende Buch ab.

Gelegentlich bemerkt man einen ideologisierenden Tonfall, aber dieser fällt aufgrund der Fülle an Geschichten und Fakten fast nicht ins Gewicht. Die in Zeiten von GPS, Google Earth und Satellitentelefon umso mehr zu bewundernden Leistungen mutiger Entdeckerpersönlichkeiten, die ständig in einer lebensfeindlichen unbekannten Umwelt ihr Leben riskierten und nicht selten verloren, nötigen mir heute noch tiefsten Respekt ab. Diese Winkel unseres Planeten einmal mit eigenen Augen zu sehen, gehört nun seit vielen Jahren zu meinen bisher unerfüllten Lebensträumen. Was Bücher so alles anrichten können...

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 27. Oktober 2009

Links, 2, 3, 4... (014 & Schluss)

Heute die letzte Ausgabe meiner kleinen Linksammlung. Nicht, dass ich nix mehr an interessanten Querverweisen hätte. Aber wozu gibt es die Social Bookmarks? Ich hab mir also einen eigenen Account bei Mister Wong angelegt und werde dort nach und nach alles, was mir so unter die Finger kommt, einstellen. Heute habe ich aber keine Lust mehr dazu - es wird sich finden...

Montag, 26. Oktober 2009

DVD-Rezensionen (168): Prison Break - Die komplette Season 3 (2007)

(Cover: Amazon.de)

Es scheint was dran zu sein. Das etwas fehlt, bemerkt man oftmals erst wenn es nicht mehr da ist. Im Falle der dritten Season der Knast-Saga "Prison Break" ist es eindeutig der Mangel an einem spannend-unterhaltsamen Plot, sehr offensichtlich dem damals mit aller Härte geführten Autorenstreik des amerikanischen Film- und Fernsehgeschäfts geschuldet. Zwar strotzten in den ersten beiden Staffeln der Serie um die ungleichen Brüder Michael Scofield (Wentworth Miller) und Lincoln Burrows (Dominic Purcell) die Folgen gelegentlich von Absurditäten und Logiklöchern, nervenzerfetzend spannend war das jedoch allemal!

Diesmal ist nun alles anders. Wie bereits der Cliffhanger zum Ende der vorangegangenen Staffel zeigte, wird Michael auf Betreiben der im Hintergrund die Fäden ziehenden mysteriösen COMPANY in den Horrorknast von Sona in Panama eingeliefert. Die dort einsitzenden Schwerverbrecher sind sich selbst überlassen und werden lediglich von außen strengstens bewacht. Es herrscht ein mörderisches Faustrechts-Regime, Morde unter den Gefangenen gehören zum Alltag. Scofield hat den Auftrag, aus dieser Hölle auszubrechen und dabei den zwielichtigen James Whistler (Chris Vance), der über für die COMPANY wichtige Informationen zu verfügen scheint, mitzunehmen. Anderenfalls sterben die von seinen Auftraggebern festgehaltenen Sara Tancredi (Sarah Wayne Callies) und Lincolns Sohn LJ (Marshall Allman). Doch auch die ebenfalls in Sona einsitzenden "alten Bekannten" Agent Mahone (William Fichtner), "T-Bag" (Robert Knepper) und Ex-Knastwärter Bellick (Wade Williams) wollen mit raus...

Ein erneuter Ausbruch wie in Staffel eins ist nicht wirklich originell, die Umsetzung ist es noch viel weniger. Zwar gibt es einige Momente, in denen die alte Klasse aufblitzt, aber schlußendlich ist man fast froh, diesen Schwachpunkt der vier Seasons schon nach 13 Folgen hinter sich zu haben. Was der Handlung an überraschenden Wendungen, intelligenten Einfällen und Rasanz fehlt, wird durch das rabiate Anheben des ohnehin nicht gerade niedrigen Gewaltlevels auszugleichen versucht. Das geht sehenden Auges schief.

Was man anderenorts noch großzügig übersehen konnte, wie beispielsweise die äußerst mäßigen Schauspiel"künste" von Wentworth Miller, springt den Zuschauer hier umso deutlicher ins Auge. Ein Glück, im Nachhinein zu wissen, dass die vierte und letzte Staffel den Serienfan wieder mit jeder Menge Knallbonbons zu versöhnen weiß. Da wie immer technische Eigenschaften der Box und Bonusausstattung bestens sind, erreicht "Prison Break, Season 3" immerhin noch eine Mittelfeldwertung, was aber trotzdem die rote Laterne im serieninternen Vergleich bedeutet.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 23. Oktober 2009

CD-Rezensionen (167): Boney M. - Mega Mix (MCD) (1992)

(Cover: Amazon.de)

Bei einer Truppe, die solch Fantastillionen von Tonträgern verkauft hat wie Frank Farians legendäres Kostüm- und Gesangsdarstellerquartett (die wackere Liz Mitchell selbstverständlich ausgenommen), lag und liegt es nahe, das mittlerweile etwas in den Ruhestand getretene Genre des Megamixes zu bemühen, um mit einer Zusammenstellung der in diesem Falle kaum zu überschauenden Masse an Hits zum Teil Dekaden später noch einmal ordentlich Kasse zu machen.

Alle paar Jahre erscheint ein solches Re-Arrangement, meistens völlig unnötig und zumeist auch weitestgehend unbeachtet. Anders liegt der Fall aber bei diesem 1992 veröffentlichten Tonträger, der es doch tatsächlich schaffte, einen äußerst beachtlichen 7. Platz der britischen Charts zu erklimmen (Deutschland: Platz 26). Etwa 17 Minuten lang werden zwei unterschiedlich langen Versionen des Megamixes (unter Verwendung der Songs "Rivers Of Babylon", "Sunny", "Daddy Cool", "Rasputin" und "Ma Baker"), das ursprünglich aus dem Jahr 1986 stammende "Bang Bang Lulu" (welches das schräge Kunststück fertigbringt, einen sozialkritischen Text mit Guter-Laune-Sommer-Urlaubsmusik zu verbinden) und das bis dato unveröffentlichte "Babysitter" (recht unterhaltsamer Track mit gesampelten Babygebrabbel) geboten. Das ist doch ein ganz ordentlicher Inhalt für eine Maxi-CD, zudem noch sehr gut tanzbar. Von daher ein tatsächlich vertretbarer Megamix einer der erfolgreichsten Bands der Popgeschichte.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (167): Umberto Eco - Der Name der Rose (1980)

(Cover: Amazon.de)

Eines sollte man vorher wissen, wenn man sich mit den Büchern Umberto Ecos auseinandersetzt: es wird nicht leicht! Zu umfangreich der Bildungskanon des Italieners, zu philosophisch und zu intellektuell sein Schreibstil für den schnellen Schmökerspaß zwischendurch. Ist dieser 1980 erschienene Roman deswegen schlecht? Eindeutig: nein!

Auch ich kannte wie so viele Leser zuvor zunächst die 1986 entstandene Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle des William von Baskerville. Dennoch, auch wenn man den Film - der sich doch gerade in seinem Ende erheblich von seiner literarischen Vorlage unterscheidet - bereits kennt und sich nicht vor Hochliteratur fürchtet, sollte man den Griff zu diesem Buch wagen. Es ist Bildungs- und Detektivroman, beschreibt Kultur, Geschichte, Philosophie und Religionsfragen des Spätmittelalters und breitet ein ganzes Panorama von Empfindungen, Gedanken und Bildern vor dem inneren Auge des Lesers aus. Dies ist nicht immer leicht zu verstehen, schlimmer noch, es ist durchaus auch einmal notwendig, Passagen erneut zu lesen, um den Inhalt zu erfassen und einzuordnen. Das kann Ungeduldigen schnell die Lust vermiesen, ich persönlich habe es eher als neuartige und interessante Erfahrung wahrgenommen.

Trotzdem habe auch ich Kritik anzumerken. Dass, gerade in den Dialogen, viel mit Latein hantiert wird, ist durch die damalige Nutzung als internationale Kirchensprache kein Problem und ein völlig vertretbares Stilmittel. Dankenswerterweise werden diese Passagen auch für die Nicht-Inhaber des Latinums übersetzt. Warum aber muss man dies um Himmelswillen im Anhang des Buchs tun? Wären Fußnoten auf den betreffenden Seiten nicht um Klassen lese(r)freundlicher gewesen? Das stetige Hin- und Herblättern schaffte das, was noch so verschwurbelte Endlosdialoge dieses Buchs nicht fertigbrachten - ich war genervt. Dafür muss es etwas Abzug geben, ansonsten wird dieser Klassiker rund um die Morde in der abgelegenen italienischen Benediktinerabtei des Jahres 1327 immer einen Ehrenplatz in meiner privaten Bibliothek einnehmen.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 21. Oktober 2009

DVD-Rezensionen (167): Unsere Erde (2007)

(Cover: Amazon.de)

Vielleicht hätte ich misstrauisch werden müssen. Selten hat ein Dokumentarfilm im Vorfeld solch Lobeshymnen erfahren wie "Unsere Erde", dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Umso ernüchterter war ich nach den 95 Minuten. Das sollte also die quasi Neuerfindung des Naturdokumentarfilms sein?

Sicherlich, das Produkt von Alastair Fothergill und Mark Linfield hat visuell Einiges auf dem Kasten, spektakuläre Kamerafahrten über Wasserfälle hinweg und beeindruckende Zeitrafferaufnahmen des Pflanzen- und Pilzwachstums inklusive. Aber von der guten alten Tante BBC hat man tatsächlich schon weitaus Besseres gesehen, sei es jetzt das im Film in einigen Unterwassersequenzen zitierte "The Blue Planet" oder selbst die größtenteils am Computer entstandenen "Walking with Dinosaurs/Walking with Beasts", die mich allesamt deutlich mehr gefesselt haben.

Insgesamt fehlt dem Film so etwas wie ein roter Faden. Manchmal wird versucht, auf der Umweltschutzschiene zu fahren, dann wieder regieren nur optische Schauwerte, oftmals wird einfach nur auf Emotionen, gerne von pathetischer Orchestermusik der Berliner Philharmoniker begleitet, gesetzt. Ja, was denn nun? Am Ende bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück, dass mir im Vorfeld des DVD-Kaufs zudem die Information entging, es hier nur mit so etwas wie dem zusammengeschnitten "Best Of" der Serie "Planet Erde" zu tun zu haben, gibt noch ein paar Einträge auf's persönliche Ohrfeigen-Konto.

Technisch hat man hier überhaupt nichts zu meckern, sensationelles Bild, auch in normaler DVD-Auflösung und toller Ton, der aber genrebedingt eine eher untergeordnete Rolle spielt. Auf dieser Single-Disc-Ausgabe gibt es neben einigen vernachlässigbaren Trailern und Teasern noch einen Audiokommentar des Regisseurs als Zugabe, wer mehr Bonusmaterial braucht, sollte zur deutlich umfangreicher ausgestatteten Special Edition greifen.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 20. Oktober 2009

CD-Rezensionen (166): Coldplay - A Rush Of Blood To The Head (2002)

(Cover: Amazon.de)

Eins muss man den Mannen um Chris Martin lassen. Sie besitzen ein Händchen für eingängige Melodien, die sich passend an unterschiedliche Stimmungslagen dranzuhängen vermögen. Das schaukelte sich im Laufe der Jahre zu kommerziell immer erfolgreicheren Alben und Touren auf, die Streitfrage, ob denn nun nur die frühen Coldplay die besseren Musiker waren, beschäftigt den geneigten Hörer bis heute.

Das zweite Album der Briten, zwei Jahre nach dem grandiosen Debüt "Parachutes" veröffentlicht, beginnt gleich mit ordentlichem Krach. "Politik", mit scheppernden Gitarren-Akkorden ausgestattet, wechselt prima zwischen den eröffnenden Stakkato-Riffs und geradezu verträumt wirkenden Passagen eines entrückt singenden Chris Martin hin und her. Die gleiche Akkordfolge habe ich zwei Jahre später beim Song "Wunschfrei" der Kölner Band Klee wiedergefunden, die ich persönlich auch sehr schätze. Doch dieses kleine Stück Brillianz zu würdigen bleibt fast keine Zeit, steht doch schon an zweiter Stelle des Tracklistings einer der größten Hits des Quartetts an - "In My Place", leider durch Permanent-Einsatz im Formatradio ein wenig beschädigt. "God Put A Smile Upon Your Face" verdient sich in seiner Unauffälligkeit hingegen voll und ganz den inoffiziellen Titel eines Lückenfüllers, was aber durch das gleich drangehängte wunderbare "The Scientist" abgemildert wird. Einfach abheben und träumen...

Für "Clocks" gilt das Gleiche wie zuvor für "In My Place". Eigentlich schöner Song, leider nahezu totgedudelt, neben dem Radioeinsatz anno 2004 auch noch als offizieller ZDF-Song zur Fußball-EM in Portugal. "Daylight" und "Green Eyes" lassen sich in wenigen Worten mit "hektisch" bzw. "knuffig" beschreiben, trotzdem gehören sie zu den eher schwächeren Tracks des Albums, auch "Warning Sign" schrammt gefährlich nah an der Grenze zur Belanglosigkeit entlang, bleibt aber noch auf dem Terrain gelungener Musik.

Größer als zum nachfolgenden "A Whisper" könnte der Gegensatz gar nicht sein, meinem erklärten Liebling des Albums. Geradezu sperrig und schräg geht es hier zu Werke, Martins Stimme schwingt sich in ungeahnte Höhen hinauf, um kurz darauf wieder passend zum Songtitel beschwörend zu flüstern, während eine hypnotische Gitarre im Hintergrund eine einzigartige Atmosphäre erzeugt. Ganz großes Tennis!

Der Titelsong und das über weite Strecken sehr zurückgenommene "Amsterdam" runden die Platte ab, ohne die ganz großen Aufreger zu sein. Insgesamt sagte mir "Parachutes" deutlich besser zu als sein Nachfolger, dennoch hat man es hier mit einem feinem Album zu tun, das auf wunderbare Art und Weise Rock und Pop miteinander versöhnt.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 19. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (166): Günter Grass - Die Blechtrommel (Hörbuch) (1959)

(Cover: Amazon.de)

Der Debütroman des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass, gleichzeitig sein wohl bekanntestes Werk, ist sicherlich keine Lektüre für die gemütliche Schmökerstunde zwischendurch. Zu sprachmächtig und skurril ist die Geschichte rund um den kleinwüchsigen Weltenbeobachter Oskar Matzerath, der im Alter von drei Jahren aus Protest gegen seine Umgebung aufhört zu wachsen und von diesem Zeitpunkt an seine Mitmenschen einerseits aufmerksam studiert und gelegentlich unter Zuhilfenahme seiner Blechtrommel terrorisiert. Erzählt aus der Perspektive Oskars Mitte der 1950er Jahre, in denen er Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt ist, breitet sich nach und nach ein Panorama voller kleiner Puzzlesteinchen aus, die sich sowohl nahtlos in einen breiten Handlungsstrang, als auch in einen gesamtgeschichtlichen Kontext einfügen.

Als würde das Buch nicht allein schon durch seine Ur- und Bildergewalt einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen, bekommt man es in dieser Audiobook-Ausgabe auch noch mit einer die Wirkung noch verstärkenden Lesung des Autors höchstselbst zu tun. Da die Einbettung der Handlung in die politischen und regionalen Gegebenheiten Danzigs zwischen Ende des 19. bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts auch die spezielle Verhältnissituation zwischen Deutschen, Polen und der Minderheit der Kaschuben zentral behandelt, ist das teilweise Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Dialekten durch Grass für das Verständnis äußerst hilfreich. Alle Erzählperspektiven- und Handlungszeitwechsel fügen sich so viel leichter in ein großes, harmonisches Bild.

Ein wahrer Parforceritt ist dem damals 32jährigen gelungen. Ernste Themen wie Krieg, Tod und Vertreibung mit einer Liebesgeschichte, erotischen Eskapaden skurrilster Art und aus dem Nichts kommenden geradezu bizarren Schockmomenten voller Absurdität zu verbinden - ja das ist Literatur auf höchstem Niveau! Eines der wichtigsten Bücher der deutschen Sprache, gerade in dieser Hörbuch-Version wärmstens zu empfehlen.

Bewertung: 5 von 5

Sonntag, 18. Oktober 2009

Nachtgedanken (072)

Zumindestens am heutigen Vormittag herrschte wieder ein wahrlich deprimierendes Herbstwetter mit Nieselregen und grauem Himmel. Da lag es nahe, für die heutigen "Nachtgedanken" etwas zur kahreszeit Passendes herauszusuchen, genauer "Regentag im Herbst" von Heinrich Seidel (1842-1906).

Still vom grauen Himmelsgrunde
Sprüht der sanfte Regenstaub -
Trüber Tag und trübe Stunde -
Thränen weint das rothe Laub;
Vom Kastanienbaum ohn' Ende
Schweben still die welken Hände.

Trübe Herbstesregentage:
Gerne wandr' ich dann allein,
Was ich tief im Herzen trage,
Leuchtet mir in hellem Schein;
In die grauen Nebelräume
Spinn' ich meine goldnen Träume.

Und so träum' ich still im Wachen,
Bis der Abend niedersinkt,
Und in all den Regenlachen
Sanft und roth sein Abglanz blinkt.
In der Nähe, in den Weiten:
Rosenschimmer bessrer Zeiten!

Samstag, 17. Oktober 2009

DVD-Rezensionen (166): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 26 - Halbfinale 1966 BR Deutschland-Sowjetunion (2:1) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Wie schon bei der vorangegangenen Ausgabe noch einmal 1966. Durch die Turbulenz des Endspiels von Wembley ist ja so ziemlich alles andere dieser Weltmeisterschaft in den Hintergrund gerückt, schön, dass die DVD-Edition dies etwas korrigiert. Leider hat das Halbfinale nicht die Klasse der Vorrundenpartie gegen die Schweiz, schlimmer noch, das Match artet stellenweise in eine üble Treterei aus. Ein Platzverweis gegen die Sowjetunion ist da nur ein kleiner Hinweis. Da dieser bereits kurz vor der Halbzeit passierte, muss man der sowjetischen Mannschaft respektvoll zugute halten, bis zum Ende aufopferungsvoll gekämpft zu haben und das nicht nur mit 10, sondern eigentlich nur mit 9 Spielern. Denn der eigentlich unersetzliche Mittelfeldregisseur József Szabó verletzte sich bereits in der 7. Minute bei einem Tackling gegen Franz Beckenbauer so schwer, dass er die erste Halbzeit praktisch nur noch an der Mittellinie stehend und Bälle weiterleitend, bestreiten konnte, in Hälfte zwei konnte er zumindestens leicht trabend wieder am Spiel teilnehmen. Heute kaum vorstellbar - Auswechslungen gab es damals noch nicht!

Was die DVD um so wertvoller macht ist die Tatsache, dass man hier einem der größten Spieler aller Zeiten zuschauen kann - dem sowjetischen Torwart Lew Jaschin, immer ein wenig leidend dreinblickend und zum Zeitpunkt des Spieles bereits 37 Jahre alt. Der erste und bisher einzige Torhüter, der zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde und von dem in meiner Familie immer mit leuchtenden Augen gesprochen wurde. Ihn hier einmal in Aktion zu sehen ist - trotz der beiden Gegentore - wirklich ein Erlebnis. Toll in seinen Aktionen und immer der Erste, der sich um verletzte Spieler in seinem Strafraum kümmert, egal welcher Mannschaft sie angehören. Ein wahrer Sportsmann!

Kurz vor Ende des Spiels gelingt der Sowjetunion noch der Anschlußtreffer, für mich allerdings nach einer freistoßwürdigen Attacke auf Torwart Tilkowski im 5-Meter-Raum.

Die Spielstätte, der Goodison Park des FC Everton, ist mit seinen bis unmittelbar hinter das Tor postierten Zuschauern wirklich grandios anzuschauen, Stimmung pur!

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 16. Oktober 2009

CD-Rezensionen (165): Bryan Adams - Have You Ever Really Loved A Woman? (MCD) (1995)

(Cover: Amazon.de)

Wenn Bryan Adams einmal gebeten wurde, etwas zum Soundtrack eines Hollywood-Films beizusteuern, wurden meist bombastische Balladen daraus wie beispielsweise "(Everything I Do) I Do It for You" zum Film "Robin Hood - König der Diebe" (mit Kevin Costner, 1991) oder "All For Love" gemeinsam mit den anderen beiden Rauhkehlen Sting und Rod Stewart zum Streifen "Die drei Musketiere" (mit Charlie Sheen, Kiefer Sutherland und Chris O'Donnell, 1993). Auch im Beitrag zum zwei Jahre später entstandenen Film "Don Juan DeMarco" geht es gefühlig zur Sache, dennoch wurde hier die Bratgitarre im Schrank gelassen und passend zum Sujet die spanische Akustik-Klampfe mit dazu korrespondierender Melodie ausgepackt. Aufgrund des musikalischen Einsatzzwecks ist auch nicht Mr. Adams auf dem Cover zu sehen, sondern Film-Hauptdarsteller Johnny Depp darf seinen Schlafzimmerblick vor schummrig-violettem Hintergrund präsentieren.

Diese CD-Single beinhaltet nur 2 Stücke, neben der A-Seite "Have You Ever Really Loved A Woman" aus der Feder von Michael Kamen findet sich noch "Low Life", ein wenig aufregender Midtempo-Rocker mit Südstaaaten-Einschlag. Das macht zusamnen nicht einmal 10 Minuten Musik, aber die Möglichkeit, mit Schmusesound und Johnny Depp bei der holden Weiblichkeit zu punkten, sollte den Herren der Schöpfung dennoch mal einen Blick auf diesen Silberling wert sein...

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (165): Abenteuer am Bosporus (1966)

(Cover: Amazon.de)

Der vorangegangene Sammelband "In den Bergen Dalmatiens" endete mit einem Cliffhanger. Soeben hatten Dig und Dag ein jahrhundertealtes Pergament, das neue Hinweise auf den Verbleib ihres verschollenen Gefährten Digedag gab, aufgestöbert und zu lesen begonnen, als das Buch auch schon wieder endete. In diesem Nachdruck nun, der die MOSAIK-Hefte der Monate Januar bis Juni des Jahres 1966 zusammenfasst, kommen die beiden endlich zum Schmökern und erfahren mehr über eine spektakuläre Ausbruchsaktion ihres draufgängerischen Rotschopfs zur Zeit der Völkerwanderung.

Fast sind in ihrer Freude über ihren Fund die aktuellen Probleme vergessen, doch schneller als ihnen lieb sein kann machen ihnen ihre Erzfeinde, die Teufelsbrüder, wieder Sorgen. Schlußendlich landen die Digedags, Runkel und ihr neuer Freund, der Ritter Janos, als Gefangene in Konstantinopel, der Hauptstadt des im Niedergang befindlichen Byzantinischen Reichs und geraten mitten in die politisch-turbulenten Intrigen rund um die geplante Hochzeit von Kaiser Andronikos II....

Für Historienfans sind hier wieder einige glänzend recherchierte Örtlichkeiten zu entdecken, alleine in der Architektur der byzantinischen Metropole finden sich viele liebevolle Details. Doch im Mittelpunkt steht selbstverständlich die spannende Geschichte um die Befreiungspläne für die geraubte Prinzessin Suleika, die gegen ihren Willen den Kaiser heiraten soll. Das Ganze mit viel Humor und Augenzwinkern erzählt - fertig ist kurzweilige Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion Bildungsanspruch! Da sich im Plot keinerlei Kunstpausen einstellen und es zügig von Schauplatz zu Schauplatz geht, zudem zwei falsche Prinzen, ein Wagenrennen und ein vergoldetes Krokodil wichtige Rollen spielen, hört man nicht auf zu lesen, bis man diesen Band beendet hat - Höchstwertung!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 14. Oktober 2009

DVD-Rezensionen (165): Das Wunder von Leipzig (2009)

Aus gegebenem Anlass mal wieder eine kleine TV-Kritik.


(Cover: Amazon.de)

Zu Recht erinnern die Leipziger daran, dass es vor allem die Ereignisse am 09. Oktober des Jahres 1989 in ihrer Stadt waren, die die Weichen für den letztendlich friedlichen Verlauf der politischen Wende in der DDR stellten, auch wenn man nicht vergessen sollte, dass es an jenem denkwürdigen Tag auch in anderen Städten des Landes politische Demonstrationen gab, die aber aufgrund des fehlenden bewegten Bildmaterials nicht so gut dokumentiert sind.

Dieses Doku-Drama in seinem Mix aus tatsächlichen Ereignissen nachgestellten Spielszenen, Zeitzeugeninterviews und historischen Aufnahmen schildert - seinem Titel zum Trotz - nicht nur die Geschehnisse dieses historischen Montags, als nach dem Abschluß der zeitgleich in vier Kirchen stattfindenden Friedensgebeten etwa 70.000 Menschen auf dem Leipziger Innenstadtring für Demokratie und politische Reformen demonstrieren, sondern zeigt auch die in den vorangegangenen Wochen erfolgte Eskalation, als nach ersten öffentlichen Protestbekundungen Oppositioneller mit aller Härte von den staatlichen Organen eingegriffen wird. Aufgrund dieser Vorkommnisse werden für den 9. Oktober massive Kräfte von Polizei, Staatssicherheit, Betriebskampfgruppen und der DDR-Fallschirmjäger in und um Leipzig zusammengezogen, um nach Aussage vom im Film präsentierten internen Dokumenten die "Konterrevolution ein für allemal zu zerschlagen". Dass es an diesem Abend, auch aufgrund eigenmächtiger Entscheidungen von SED-Funktionären, zu keiner "chinesischen Lösung" gab, war keinesfalls vorauszusehen und gab dem Film seinen Namen.

Eine hochemotionale Reise in die Geschichte wird hier geboten, in der sich die Filmemacher auch nicht scheuten, neben Dissidenten, Ost- und Westjournalisten, Pfarrern oder ganz normalen Bürgern, die sich der Demonstration anschlossen, auch die Gegenspieler aus dem Sicherheits- und Parteiapparat zu Wort kommen zu lassen, eine in meine Augen nur faire Geste. Unverständlich hingegen, warum ein Auftritt des damaligen Pfarrers der Nikolaikirche, Christian Führer, fehlt, bildete doch sein Gotteshaus das Ausgangszentrum des Geschehens. Aber vielleicht bildeten die heutzutage nahezu unbekannten und erst in einer jüngsten Ausgabe des SPIEGEL thematisierten politischen Differenzen zwischen den Kirchenfunktionären und den teilweise im Film auftretenden Bürgerrechtlern ein zu großes Hindernis.

Desweiteren hätte ich mir erinnernde Statements von Kurt Masur und Bernd-Lutz Lange gewünscht, denn neben dem zu Wort kommenden Mitglied der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, zweier dessen Parteigenossen und dem Pfarrer Peter Zimmermann zeichneten diese für einen legendären Aufruf verantwortlich, der die Demonstranten zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit mahnte und der an jenem Abend mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks gesendet wurde.

Zwei weitere Kritikpunkte sind noch anzumerken. Die Filmmusik ist stellenweise sehr aufdringlich und eine Spur zu dramatisch eingesetzt, dabei sprechen die Bilder auch ganz allein für sich. Dies ist aber noch zu verschmerzen, ganz im Gegensatz zu einer Stelle, die mich sehr verärgert hat, da sie durch aus dem Kontext gerissene historische Zitate Geschichtsverfälschung betreibt. Zu hören sind gleich zu Beginn zwei kurze Originaltöne der ZK-Mitglieder Karl Kayser ("Ich habe geglaubt an die Partei, ich bin erschüttert über all das, was ich hier gehört habe! In mir ist alles zerbrochen! Mein Leben ist zerstört!") und Bernhard Quandt ("Wir haben im Staatsrat die Todesstrafe aufgehoben, ich bin dafür, dass wir sie wieder einführen und wir alle standrechtlich erschießen, die unsere Partei in eine solche Schmach gebracht haben!") zu hören, die beweisen sollen, dass die SED-Oberen die Niederschlagung der Demokratie mit allen Mitteln planten. Aber: Ersteres Zitat stammt vom 10. November 1989, zweiteres gar vom 3. Dezember des Jahres (nachzuhören u. a. auf der empfehlenswerten CD des Deutschlandfunks "Götterdämmerung im Zentralkomitee - Tonprotokolle aus den letzten Sitzungen des ZK der SED Oktober bis Dezember 1989") und beide beziehen sich explizit auf die zu diesem Zeitpunkt bereits abgesetzten Honecker & Co. Das hätte absolut nicht sein müssen und schmälert die Glaubwürdigkeit eines ansonsten sehr empfehlenswerten Stücks Zeitgeschichte.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 13. Oktober 2009

CD-Rezensionen (164): Army of Lovers - Crucified (MCD) (1991)

(Cover: Amazon.de)

Die schwedische "Armee der Liebenden" war für mich eine wunderbar selbstironische Trashperle in den an schrägen Vögeln nicht eben armen 90ern. Als mir die Truppe 1991 in der niederländischen Chartshow "Countdown", die damals im in den letzten Zügen befindlichen DDR-Fernsehen DFF (zum Jahresende 1991 abgewickelt) lief, erstmals unter die Finger kam, war ich - um es gelinde auszudrücken - "irritiert".

Doch die Verwirrung gab sich recht schnell, ist doch "Crucified" nach wie vor ein echter Gassenhauer, dargeboten von drei schrillen Gestalten, die sich schon mal barock gewandet auf dem Cover dieser MCD präsentieren. In insgesamt drei Versionen (Radio Edit, The Nuzak Remix, Yherushalaim Dub) gibt es hier den Track auf die Ohren, was eine Lauflänge von knapp neunzehneinhalb Minuten ergibt. Mein persönlicher Favorit ist Mix Numero zwo, der mit ein paar fetzigen Percussions, einer hervorgehobenen Basslinie und weiblichem Soulgesang aus dem Ursprungsstück noch ein ordentliches Maß mehr Pep herausholt. Das Ganze satte 8 Minuten lang - fein, fein!

Etwas ethnomäßiger geht der Yherushalaim Dub zu Werke, dies aber auch alles andere als übel. Zwar wünscht man sich auf solch einem Tonträger auch mal mehr als nur Remixe ein und desselben Songs (daher für das Fehlen einer B-Seite etwas Abzug), dennoch eine immer wieder gern herausgekramte CD meiner Sammlung.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 11. Oktober 2009

Stephen Gately †

(Foto: tagesschau.de)

Unter bisher ungeklärten Umständen ist der erst 33jährige Sänger der irischen Popband Boyzone, Stephen Gately, am Samstag tot in seinem Hotelzimmer auf Mallorca aufgefunden worden. Auch wenn die Truppe sicherlich lange Zeit nur eine der in den 90ern geradezu im Übermaß existierenden Boygroups war und sich zwischenzeitlich für mehrere Jahre trennte, haben mir dennoch einige der Songs durchaus gefallen. Sehr tragisch, R.I.P.

Neue Urlaubsfotos (IV & Schluss)

So..."mangels Masse" die letzten zwei Tage vor der Rückreise zusammengefasst. Am Dienstagvormittag nur ein kurzer Bummel durch das neblig-nieselige Bad Frankenhausen. Am Mittag dann die eigentlich schon am Tag zuvor geplante Tour nach Bilzingsleben. Am Anfang kam mir der das Gelände bewachende Knabe etwas arrogant vor (vielleicht Frust, in so einer abgelegenen Gegend Dienst schieben zu müssen), das gab sich dann aber schnell, vielleicht auch, weil ich mir durchaus einbilde, etwas von der Materie zu verstehen und man daher schnell ins Fachsimpeln kam. Ich beschäftige mich mit dem Thema seit fast 30 Jahren und hab ordentlich Literatur dazu im Regal, teilweise mehrere Jahrzehnte alt. So bekam ich neben dem obligatorischen Film noch eine nette Privatführung durch das Gelände, gegen eine kleine Spende durfte ich trotz des bestehenden Fotografierverbots ein paar Bilder schießen, in der mittlerweile über der Fundstelle errichteten Halle hab ich es aber gelassen, durch gewölbte Plexiglasscheiben gemachte Fotos werden nie sonderlich gut. Aber gerade durch die Gottverlassenheit und den wieder dunkel bewölkten Himmel hatte das überschaubare Gelände erneut eine tolle Atmosphäre zu bieten, ich fahre da gerne wieder hin.

Am Nachmittag sind wir nochmal in Richtung Wiehe gefahren, weil wir am Tag vorher ein paar Hinweisschilder mit der Aufschrift "Erlebnistierpark" gesehen hatten, ohne freilich genau zu wissen, wo sich dieser befindet. Die Tour führte uns schlußendlich nach Memleben, wo wir dann vor verschlossener Tür standen - Ruhetag! Gleich gegenüber befindet sich das ehemalige Kloster, immerhin der Sterbeort von Heinrich I. und Otto I.. Das wäre zwar für mich echt was gewesen, aber das wollte ich Frau und Kind nicht antun... Aber ganz bestimmt in absehbarer Zeit ein Besuchsziel, zumal sich auch das durch den spektakulären Fund der Himmelsscheibe bekannt gewordene Nebra gleich um die Ecke befindet. Somit also ein vertaner Nachmittag...

Am Mittwoch dann vormittags nochmal kurzes Shopping mit ein paar Fotos entlang des Weges, Mittags bin ich dann auf einam alternativen Pfad nochmal auf den Schlachtberg gewandert, um mir endlich Werner Tübkes Monumantalbild mit dem etwas sperrigen Titel "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" anzusehen. Drinnen ist Fotografieren natürlich nicht erlaubt. Sehr beeindruckend und toll ausgeleuchtet, man kann sich inmitten des Bilds hinsetzen und ringsherum schauen. Ich gönnte mir daher gleich zwei Führungen, bevor ich mich wieder an den Abstieg, nun auf einer dritten Route, gemacht hab.

Nachmittags noch ein wenig Kinderbespaßungsprogramm mit einem Besuch des "Märchenreichs Teichtal" in Hainrode. Kann man mal anschauen, muss man aber nicht...

Am Donnerstag ging es wieder nach Hause. Gerne wieder!

Neue Urlaubsfotos (III)

Und weiter geht es mit den Bildern von Montag, dem 2. Geburtstag meines Juniors.

Vormittags waren eher die schnöden Dinge eines Selbstversorgers angesagt, sprich, ganz normales Einkaufen. Für meine Mittagstour wollte ich gleich in einem Ritt drei Ziele mit dem Auto abfahren, was nicht ganz hinhaute, doch dazu später. 

Erster Stop: das ehemalige Kloster St. Wigbert in Göllingen, zu DDR-Zeiten als Konservenfavrik (!) genutzt. Ich bin ohnehin ein großer Fan romanischer Architektur, auch wenn sie sicherlich nicht so spektakulär wie die Gotik daherkommt. Aber das Schlichte hat etwas, zudem interessiert mich die Zeit etwas mehr. Ich bin also in der Krypta rumgekrochen, hab den Turm (der für mich irgendwie etwas italienisches an sich hat) bestiegen und hab mir noch den angrenzenden Friedhof vorgenommen. Da das Dorf an einer Nebenstraße liegt und außerhalb der Saison zum Montagmittag wahrscheinlich nicht viel Publikum dort aufkreuzt, bin ich für meine gerade mal 1,50 Euro Eintritt richtig exklusiv verwöhnt worden. Filmvorführung über Kloster und Förderer desselben, sehr nettes Gespräch mit der Dame des Hauses, fehlte nur noch, dass ich zum auf dem Gartentisch stehenden Kaffee eingeladen worden wäre... Ich hab da natürlich für diesen Service ein wenig die Spendenbox gefüttert.

Mein zweiter Stop sollte eigentlich die sogenannte "Steinrinne" in Bilzingsleben werden, eine der bekanntesten archäologischen Ausgrabungsstätten zu DDR-Zeiten und darüber hinaus. Leider mußte ich vor dem Tor des gut gesicherten (und wirklich mitten in der Pampa auf freiem Feld befindlichen) Areals feststellen: Montags geschlossen! Immerhin aber sind die etwa 13 Kilometer zwischen Göllingen und Bilzingsleben landschaftlich sehr reizvoll, durchfährt man doch den Durchbruch der Wipper durch die Hainleite. Allerdings schien dort wohl einer das Ergebnis der Thüringer Landtagswahlen nicht so prickelnd zu finden, waren doch sämtliche Ortseingangs- und -ausgangsschilder sowie sämtliche Wegweiser mit dem Namen des Dorfes Seega mit "Rotes Nest" übersprüht. Tststs...

Ich beschließe also, morgen wiederzukommen und gleich weiter zu Station 3 zu fahren, der "Wasserburg" genannten Festung in Heldrungen. Dort wurde kurz vor seiner Enthauptung am 27. Mai 1525 der nach gestern bereits erwähnter Schlacht bei Frankenhausen gefangen genommene Prediger Thomas Müntzer (in der DDR-Geschichtsschreibung so etwas wie der große Sozialrevolutionär des Mittelalters, der theologische Background wurde dabei "großzügig" ausgeblendet) festgehalten und gefoltert. Das Gebäude ist heute eine Jugendherberge.

Danach aber wieder schleunigst zurück nach Bad Frankenhausen und die Familie eingesammelt, denn Sohnemann sollte an seinem Geburtstag auch noch was geboten bekommen, wir haben uns diesbezüglich für die Modellbahnaussellung MOWI-WORLD in Wiehe entschieden. Gerade die Amerika-Halle mit einer Anlage in Nenngröße 2 ist der Hammer, da auch gleich noch Stationen der US-Geschichte in Dioramen mitpräsentiert werden. Aber auch die große Thrüringen-Anlage in H0 kann sich sehen lassen. Der Eintritt ist mit 10 Euro für einen Erwachsenen natürlich kein Megaschnäppchen, aber es gibt Einiges für's Geld. Uns hat's gefallen!

Samstag, 10. Oktober 2009

Südafrika, wir kommen!

Sicherlich keine Gala-Vorstellung, was die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heute im Moskauer Luschniki-Stadion beim entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Russland abgeliefert hat, aber einem zum Schluß in Unterzahl erkämpftem Sieg beim Gastgeber habe auch ich Respekt zu zollen. Ein Extra-Glückwunsch an Miroslav Klose, der mit seinem 48. Treffer im Nationaltrikot die bisher gleichplazierten Rudi Völler und Jürgen Klinsmann hinter sich lässt und nunmehr hinter dem praktisch uneinholbaren Gerd Müller (68 Tore) Platz 2, bzw. berücksichtigt man den für die DDR-Auswahl eingesetzten Joachim Streich (55 Tore), Platz 3 der ewigen deutschen Nationalmannschafts-Torschützen belegt. WM 2010 und wir sind dabei - yee-haw!

What the hell...

Ich mach's mal kurz und knapp. Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an US-Präsident Barack Obama. Eingedenk der Tatsache, dass die Nominierungsfrist für diese Auszeichnung bereits am 01. Februar dieses Jahres, also nicht einmal zwei Wochen nach Amtsantritt des Präsidenten endete, stellt sich mir seit heute morgen permanent die Frage: Für was bekommt er den eigentlich???

Freitag, 9. Oktober 2009

Neue Urlaubsfotos (II)

Heute nun die Bilder vom letzten Sonntag. Am Vormittag mußte man natürlich die grandios schiefe Oberkirche heimsuchen, der Anblick ist schon wirklich der Hammer! Ein weiteres Ziel: der Hausmannsturm.

Ich habe mir in all den Tagen dort während der Mittagszeit, als Sohnemann und Göttergattin Siesta gehalten haben, ein wenig Kultur- und Bildungsprogramm verordnet. Am Sonntag war das Ersteigen des Schlachtbergs dran, ich bin also nochmal durch ein paar nette Gassen an der Oberkirche vorbei gewandert und hab noch einen kurzen Halt auf dem örtlichen Friedhof eingelegt. Es gibt kürzere Wege auf den Berg, ich hab mich allerdings für einen historischen Pfad entschieden, der seinen martialischen namen "Blutrinne" deswegen trägt, weil nach der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 das Blut der getöteten 6000 Bauern diesen Weg den Berg heruntergeflossen sein soll. Wenn man wie ich an diesem Tag bei aufziehenden dunklen Wolken alleine diesen Hohlweg hochsteigt, hat das schon was Beklemmendes, auch wenn die bis etwa zur Hälfte der Strecke flankierenden Kleingärten etwas deplaziert und somit stimmungsverändernd wirken. Man kommt schlußendlich aus einem "Loch" herausgekrochen und befindet sich damit auf dem ehemaligen Schlachtgelände mit direktem Blick zum Panorama Museum, das ich aus Zeitgründen an diesem Tag vorerst nur von außen inspizierte. Zu diesem Zeitpunkt grandiose Lichtverhältnisse! Anschließend Abstieg über einen anderen Weg und erneut am Hausmannsturm vorbei.

Nachdem der Rest der Familie auch wieder an Deck war, haben wir noch die verbleibende Zeit am Kyffhäuserdenkmal verbracht, ein Ort, an dem ich das letzte Mal vor etwa 25 Jahren war. Sehr zugig da oben! Etwas unterhalb des Denkmalgeländes findet man einen hölzernen Generalfeldmarschall von Hindenburg und vor allem sein in einer Grube liegendes steinernes Vorbild. Ich zitiere aus der Wikipedia:

Am 6. Mai 1939 wurde unterhalb des Kyffhäuserdenkmals das Hindenburgdenkmal von Hermann Hosaeus eingeweiht. Die zehn Tonnen schwere und fünf Meter große Figur ist aus bayrischem Porphyr gearbeitet. Die Statue wurde 1945 umgestürzt und an Ort und Stelle eingegraben. Am 7. Juni 2004 fand der neue Hotelpächter Paul Breul das eingegrabene Hindenburgdenkmal auf seinem Gelände. Da bei den Behörden Unklarheit über den Umgang mit dem Denkmal herrscht, liegt es noch immer nur halb ausgegraben und umzäunt in der Erde.

Rolf Rüssmann, Reinhard Mohn, Mercedes Sosa, Günther Rall †

Durch meine urlaubsbedingte Abwesenheit muß ich noch einige Nekrolog-Nachträge im Schnelldurchlauf absolvieren.

(Foto: sportschau.de)

Der ehemalige Bundesliga- und Nationalspieler sowie langjähriger Manager von Borussia Mönchengladbach, Rolf Rüssmann, verstarb am 02. Oktober im Alter von 58 Jahren an Krebs.


(Foto: FAZ.net)

Der langjährige Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn, der für den Aufstieg der Gütersloher Firma zum Weltkonzern verantwortlich zeichnete, starb am 03. Oktober im Alter von 88 Jahren.


(Foto: tagesschau.de)

Am 04. Oktober starb die "Stimme Lateinamerikas" genannte argentinische Sängerin Mercedes Sosa nach langer schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren.


(Foto: Wikipedia)

Günther Rall, mit 275 Abschüssen einer der erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs und später Inspekteur der bundesdeutschen Luftwaffe, starb am 04. Oktober im Alter von 91 Jahren.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Neue Urlaubsfotos (I)

So, wieder zurück im Lande und damit eine neue Runde im Veröffentlichen von entsprechenden Bildern.  Heute also Tag 1, sprich, der letzte Samstag. Wir sind gegen 15 Uhr in Bad Frankenhausen/Kyffhäuserkreis eingetrudelt und haben die Zeit bis zum Abend noch mit ein wenig Bummeln in der Innenstadt verbracht. Fotos gibt es hier

Samstag, 3. Oktober 2009

Vorübergehend geschlossen...

Ich bin bis zum Donnerstag urlaubs- und fotografiermäßig auf den Spuren des Bauernkriegs in Bad Frankenhausen unterwegs. Also bis später!

Nachtgedanken (071)

Manche Dinge ändern sich wohl nie. Denn "Des Kapitalisten Notschrei" von Ludwig Anzengruber (1839-1889) klingt in der heutigen Zeit immer noch verblüffend aktuell...

Die Zeit ist reich, wie man's so nennt,
Wir armen Kapitalisten,
Wir geben Geld zu ein Prozent,
Um nur das Leben zu fristen.
Der Reiche wird zum armen Mann,
Die Revenue ist zum Darben,
Ein Elend, das sich kleiden kann
Nur noch in glänzende Farben,
So daß der Bettler sie durchguckt,
Wenn auch der Firnis noch blanke;
Und wie das Haupt der Hydra zuckt
Empor der grause Gedanke:
Vor dieses Unheils mächt'gem Prall
Da bricht zusammen zu Staube
Der Menschheit letztes Ideal,
Ans Geld der heilige Glaube!

Freitag, 2. Oktober 2009

Buch-Rezensionen (164): Bořivoj Záruba, Zdeněk Burian - Die Welt der ausgestorbenen Tiere (1982)

(Cover: Amazon.de)

Die Bilder des tschechischen Künstlers Zdeněk Burian haben ganzen Generationen von Menschen vor allem im ehemaligen Gebiet des Ostblocks ihr Bild von der Frühzeit der Erde vermittelt. Mit dramatischen Bildkompositionen, kräftigen Farben und geradezu plastischer Detailkraft vermittelte der 1981 verstorbene Maler interessierten Lesern Einblicke in die Welt der Dinosaurier oder die Geschichte der Menschwerdung.

Dieses - 1982 in der ČSSR erschienene - Buch des Wissenschaftlers Borivoj Záruba widmet sich in chronologischer Reihenfolge ausgestorbenen Tieren des Zeitraums zwischen Präkambrium und Pleistozän. Darüber hinaus werden Einblicke in interessante Entwicklungen der Erdgeschichte wie Kontinentalverschiebung, Fossilisation, die Wissenschaft der Paläontologie, ihre Begründer wie Georges-Louis Leclerc de Buffon, Georges Cuvier, Jean-Baptiste de Lamarck, Joachim Barrande, Charles Darwin und vieles mehr gegeben. Allerdings werden alle Themen nur grob angerissen, da die Bilder Burians einen großen Platz einnehmen und sich der Buchumfang auf gerade einmal 60 großformatige Seiten beläuft.

Natürlich ist der wissenschaftliche Inhalt in weiten Teilen vollständig überholt. Dennoch bietet "Die Welt der ausgestorbenen Tiere" einen sowohl in erkenntnisseitiger als auch künstlerischer Hinsicht hochinteressanten Einblick in längst vergangene Epochen.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Nachtgedanken (070)

Ich bin derzeit etwas mit Gedanken an meine persönliche Zukunft beschäftigt. Von daher ist der Titel "Der Wegweiser", den das Gedicht von Wilhelm Müller (1794-1827) trägt, durchaus symbolisch zu nehmen.

Was vermeid' ich denn die Wege,
Wo die ander'n Wand'rer gehn,
Suche mir versteckte Stege
Durch verschneite Felsenhöh'n?

Habe ja doch nichts begangen, 
Daß ich Menschen sollte scheu'n, -
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenei'n?

Weiser stehen auf den Wegen,
Weisen auf die Städte zu,
Und ich wand're sonder Maßen
Ohne Ruh' und suche Ruh'.

Einen Weiser seh' ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.

Mittwoch, 30. September 2009

DVD-Rezensionen (164): Horton hört ein Hu! (2008)

(Cover: Amazon.de)

Die Kinderbücher von Dr. Seuss, in den USA klassischer Kinderliteratur-Stoff, rücken in Europa allenfalls gelegentlich durch diverse Verfilmungen ins Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit. Kennt man den Zeichenstil des 1991 verstorbenen Autors, wird man ihn daher sofort beispielsweise in den Filmen "Der Grinch" (mit Jim Carrey, 2000) oder "Ein Kater macht Theater" (mit Mike Myers, 2003) wiedererkennen. Dies ist auch bei "Horton hört ein Hu!" so, der auf einer literarischen Vorlage aus dem Jahre 1954 beruht.

Die Geschichte: der gutmütige Elefant Horton, der in einem bunten Dschungel voller Tiere lebt, hört eines Tages von einem Staubkorn ein Geräusch. Wie sich herausstellt, ist es von winzigen Bewohnern in der Stadt Huheim besiedelt, die durch das herumschwebende Staubkorn in größter Gefahr sind. Horton beschließt, sie an den sichersten Platz des Waldes, die Spitze des Nümpelsberges, zu bringen, doch eine genervte Känguruhdame (klasse gesprochen von Anke Engelke) versucht, ihm diese Mission zu vermasseln und das Staubkorn in ihre Gewalt zu bringen...

Die Story ist leidlich spannend und kann mit einigen gelungenen Gags aufwarten. Leider wird einem die Moral (Stichwort: das mantraartig wiederholte "Ein Mensch ist ein Mensch, wie klein er auch sei!") fast schon mit dem Holzhammer vermittelt. Hier läßt sich der Entstehungsort und -zeitraum der Vorlage nicht verleugnen. Punkten kann der Film jedoch vor allem in technischer Hinsicht. Tolle Farben, klasse Animationen in Hochglanzoptik, satter 5.1-Sound - es macht jedesmal Spaß, mit Verblüffung bei den jeweils neuesten Werken von PIXAR, Dreamworks oder eben hier Blue Sky Studios die neuesten Fortschritte in der Animationstechnik zu bestaunen.Ein Wermutstropfen hingegen die Synchron-Besetzung der Hauptrolle in der deutschen Fassung. Der von mir sonst überaus geschätzte Christoph Maria Herbst scheint mir für den Elefanten Horton doch die falsche Wahl zu sein. Wahrscheinlich wollte man ein ebenso quirliges Pendant zu dem die Originalstimme leihenden Jim Carrey verpflichten, doch in meinem Empfinden zündet das einfach nicht. Positiv hingegen die bereits erwähnte Anke Engelke und vor allem Klaus-Dieter "Dr. House" Klebsch als herrlich fieser Geier Vlad.

Da die DVD technisch sehr annehmbar ist und darüber hinaus für ein Single-Disc-Produkt in üppigem Umfang Bonusmaterial aufbietet (geschnittene Szenen, Kommentare, Produktionsnotizen und vieles mehr), darf man ruhigen Gewissens für einen eher durchschnittlichen Film die zweitbeste Wertung ziehen.

Dienstag, 29. September 2009

Nachtgedanken (069)

Nach einer fast zweimonatigen Pause heute wieder ein paar "Nachtgedanken", diesmal mit "Vorfrühling" aus der Feder Wilhelm Jensens (1837-1911).

Es fällt die Abenddämmerung
vom Himmel nebelnd und weich,
der laute Tag verstummet,
einem müden Kinde gleich. 

Nur unsichtbar hernieder
vom Wipfel im leeren Hag
durch raschelnde Blätter des Vorjahrs
ruft einer Drossel Schlag.

Die Wolke löst sich rieselnd
in Tropfen feucht und sacht;
auf einsamem Wege befällt mich
die dunkelnd einsame Nacht.

Mir aber ist süß und sonnig
von Träumen die Seele bewegt,
wie selig vor seinem Geburtstag
ein Kind zum Schlafen sich legt.

Montag, 28. September 2009

Statt einer eigenen Analyse...

...eine sehr interessante Nachbetrachtung zur letzten Bundestagswahl von Michael Spreng.

Samstag, 26. September 2009

CD-Rezensionen (163): Bruce & Bongo - Geil (1990 New York Remix) (MCD) (1990)

(Cover: Amazon.de)

Die Hymne zu wohl einem der Modeworte der 80er, 1986 verbrochen von den ehemals in Deutschland stationierten britischen Soldaten Bruce & Bongo, gehört zu den skurrilsten Nummern des an schrägen Songs nicht eben armen Jahrzehnts. Vier Jahre, nachdem der Track sowohl in Deutschland als auch in Österreich die Spitze der Charts erklomm, wurde diese Remix-MCD mit drei Versionen (7" Mix, Acid Forest Mix, Omen Paradise Version) des Songs nachgeschoben. Wäre man gezwungen, den mit etwa 17 Minuten nicht eben üppigen Inhalt in einem Wort auszudrücken, wäre "unnötig" wohl die beste Wahl.

Der 7" Mix wurde mit leichten House Music-Pianos aufgehübscht, plätschert aber ansonsten durch seine viereinhalb Minuten. Gerade was das Original so liebenswert machte, die Anspielungen auf Discjockeys, Affen und Boris Becker (was für eine Mischung!), fehlen hier völlig, einzig und allein der Falcos "Rock Me Amadeus" zitierende Refrain wird immer wieder eingeflochten. Remix zwei blubbert zumindestens mit den damals verbreitenden Acid-Sounds aus den Boxen, dies gefällt schon eher, auch wenn der Wortanteil noch mehr gedrosselt wurde. Gepflegte Langeweile hingen bei der finalen Omen Paradise Version. Ein paar nichtssagende Synthie-Klangflächen, verbunden mit ein paar gesampelten stöhnenden Damen, das war's. Nö, dann doch lieber das Original.

Bewertung: 2 von 5

Freitag, 25. September 2009

Buch-Rezensionen (163): Eoin Colfer - Artemis Fowl-Die Verschwörung (Hörbuch) (2002)

(Cover: Amazon.de)

Diente der erste Band von Eoin Colfers Saga rund um den genialischen Jungkriminellen Artemis Fowl über weite Strecken noch dazu, Figuren einzuführen und grundlegendes Wissen über Organisation, Technik und Magie des unteriridischen Erdvolks zu vermitteln, geht es im zweiten Roman deutlich rustikaler, sprich, actionlastiger zur Sache.

Artemis Fowl erhält von seinem seit zwei Jahren in Russland verschollenen Vater, dem Boss eines irischen Gangstersyndikats, eine Videobotschaft. Die russische Mafia bietet an, ihn gegen ein erhebliches Lösegeld freizulassen. Doch noch während Artemis mit seinem getreuen Leibwächter Butler Vorkehrungen trifft, in die Nähe von Murmansk zu reisen, taucht ihr Entführungsopfer aus Band 1, die Elfe und Captain der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP), Holly Short bei ihnen auf, die einem Kriminalfall in Erdland verfolgt, dessen Spuren auf die Oberfläche führen. Als sich beide ehemalige Gegner zusammenschließen, wissen sie noch nicht, dass die unterirdischen Probleme größer sind. Viel größer... 

In diesem zweiten Band mischen sich sehr bleihaltige Gefechte (nicht unbedingt für kleine Kinder geeignet) mit einem Umweltschützer-kritischen Blick auf die atommüllverseuchte nordwestrussische Küste, zudem wird mit der Wichtelin Opal Koboi eine dem jugendlichen Helden in ihrer Genialität ebenbürtige Widersacherin gegenübergestellt, die sich zu einer der prägendsten Figuren der gesamten Reihe entwickeln wird. "Die Verschwörung" ist sicherlich noch nicht der Höhepunkt der bisher erschienenen Fowl-Bände, geht aber ungleich spannender als sein Vorläufer zu Werke.

Selbstverständlich ist auch mein erklärter Liebling, der kleptomanische Zwerg Mulch Diggums erneut mit von der Partie, im Hörbuch vom wie immer höchste Qualität liefernden Rufus Beck wieder mit derbem bayrischen Idiom ausgestattet. Alleine dafür lohnt es sich auf die gesprochene Variante des Buchs zu setzen, auch wenn es sich laut Aufdruck um eine gekürzte Lesung handelt. Kopfkino as its best!

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 24. September 2009

Links, 2, 3, 4... (013)

Auf meinen Streifzügen durchs Internet bin ich neulich wieder auf ein interessantes Wiki-Projekt gestoßen. Seit meinem Urlaub 2006 dort liegt mir das zentralamerikanische Costa Rica sehr am Herzen. Ich habe mittlerweile eine enge Freundschaft dorthin aufgebaut und ein weiterer Besuch vor Ort ist fest eingeplant. Da es viele weitere Fans dieses vor Naturwundern nur so strotzenden Tropenparadieses gibt, haben sich ein paar Enthusiasten zusammengefunden, um Informationen über das Land, seine Bewohner sowie Flora und Fauna zusammenzutragen. Resultat ist eine Webseite, die sich an die Selbstbezeichnung der Costaricaner als "Ticos" angelehnt, genialerweise "Ticopedia" nennt. Klasse, ich schau öfter rein!

Mittwoch, 23. September 2009

DVD-Rezensionen (163): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 25 - Vorrunde 1966 BR Deutschland-Schweiz (5:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Auch wenn Fußball in schwarz-weiß für heutige Augen arg gewöhnungsbedürftig ist (man kann beispielsweise kaum den Schweizer Torhüter Karl Elsener von seinen Mitspielern unterscheiden) - es macht einfach Spaß, dieses Spiel zu sehen! Ein 21jähriger Franz Beckenbauer zeigt hier schon in seinem 6. Länderspiel, dass er mal der Größte werden wird, zwei Tore des damals noch im Mittelfeld spielenden "Kaisers" krönen diese tolle Leistung. Mein Held des Matchs ist jedoch ein anderer, leider etwas in Vergessenheit geratener Spieler - Helmut Haller. Das 2:0 ist der Hammer, Haller bekommt in der eigenen Hälfte den Ball, marschiert 70 Meter bis vors Schweizer Tor und schießt ein - sensationell! Und das obwohl er alles andere als austrainiert aussieht, nur die Betontolle scheint unkaputtbar. Sheffield, Vorrundenspiel, 16.37 Uhr - die Frisur sitzt! 

Die Eidgenossen halten 15 Minuten wacker mit, bis sie das erste Tor durch Siggi Held kassieren, das wohl allerdings Abseits war, ganz klar wurde mir das auch per Zeitlupe nicht. Die fünf Tore sind aber bei weitem nicht alles, was diese schwungvolle Partie zu bieten hat, alleine das Gebälk wird auf beiden Seiten insgesamt dreimal getroffen. Und noch etwas anderes wird bei den Totalen ins Publikum sichtbar: 1966 ging der Herr von Welt noch mit Krawatte ins Stadion!

Obwohl Uwe Seeler bei diesem Spiel ohne Torerfolg blieb, ist sein Einsatz wirklich bemerkenswert. Seine damalige Popularität lasst sich aus heutiger Sicht nur erahnen, häufige "Uwe, Uwe!"-Sprechchöre und Rudi Michels Kommentar, der bei Seelers Ballkontakten fast ausschließlich den Vornamen nennt, lassen aber einiges vermuten. Apropos Rudi Michel: Besonders amüsiert habe ich mich über folgenden Satz nach einer Attacke auf Torwart Hans  Tilkowski

"Er genießt ja - ich darf das für die Damen sagen - in diesem 5-Meter-Raum einen besonderen Schutz."

Auch wenn man vielleicht nicht jede Ausgabe der WM-Klassikeredition benötigt - dieses Spiel sollte man haben!

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 22. September 2009

CD-Rezensionen (162): Cappella - U Got 2 Let The Music (MCD) (1993)

(Cover: Amazon.de)

Auf dem Höhepunkt der Eurodance-Welle im Jahre 1993 gelangte auch die eine oder andere Trashperle in meine CD-Bestände. "U Got 2 Let The Music" des italienischen Studio-Projekts Cappella gehörte neben einigen anderen dazu. Insgesamt fünfundzwanzigeinhalb Minuten lang ist dieser Track in insgesamt 5 Versionen (Radio Version, Mars Plastic Mix, Plus Staples Mix, Pagany KM 1972 Mix, D.J. Pierre Mix) auf dieser Maxi-CD vertreten.

Geboten werden die üblichen Versatzstücke des Genres, sprich, männliche Rap-Parts gekoppelt mit weiblichen Vocals. Immerhin wartet der Song mit einer eingängigen Hookline auf, die sich freilich sehr deutlich an Alphavilles 80er-Klassiker "Sounds Like A Melody" anlehnt. Die Unterschiede der einzelnen Remixe sind eher kosmetischer Natur, werden doch vielfach einfach nur die Lauflänge gestreckt (D.J. Pierre Mix) oder wie beim Plus Staples Mix neben ein paar Soundspielereien die Rap-Passagen erweitert.

Somit also ein sehr typischer Vertreter seiner Art, für mich jedoch trotzdem mit einem gewissen Nostalgiefaktor behaftet, diente doch der Mars Plastic Mix mit seinen Ausflügen in Trance-Gefilde damals über mehrere Monate lang als Introstück meiner Trash-DJ-Jobs in diversen erlebnisgastronomischen Einrichtungen meiner Region. Daher eine wohlwollende Durchschnittswertung mit Erinnerungsbonus.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 21. September 2009

Buch-Rezensionen (162): Bastian Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod I-III (2004/2005/2006)

(Cover: Amazon.de)

Man kann dem Autor der "Zwiebelfisch"-Kolumne auf SPIEGEL ONLINE ja Vieles vorwerfen, wie zum Beispiel ein gerüttelt Maß an Korinthenkackerei, aber eins gewiss auf keinen Fall: dass seine Publikationen nicht hochunterhaltsam wären, sei es jetzt in gedruckter Form, als Hörbuch oder als öffentliche Veranstaltung. Immer wieder ertappt man sich bei Sicks Streifzügen durch die Verschandelung der deutschen Sprache, selbst schon Raubbau am Mutteridiom betrieben zu haben oder jemanden im Freundes- oder Familienumfeld zu haben, der ab und an grammatikalische Sprenggranaten á la "Schantall, mach ma die Mäh ei!" zündet.

Und mögen manche nun auch Bastian Sick als den Oberlehrer der Nation empfinden und vom ihm einfach nur genervt sein - ich fühle mich durch seine Bücher immer bestens unterhalten, ein gewisser Bildungseffekt kommt als Bonus noch ganz von allein hinzu. Von daher sollte man die augenzwinkernden Piesackereien - die einen unter Umständen auch einmal selbst betreffen - recht entspannt und locker nehmen, über sich selbst schmunzeln zu können, ist auch eine Tugend.

Wer also auf amüsante Art und Weise ein gelegentlich so dröges Gebiet wie die deutsche Grammatik präsentiert bekommen möchte - hier wird man perfekt fündig, von daher volle Punktzahl!

Bewertung: 5 von 5

Sonntag, 20. September 2009

Eduard Zimmermann †

(Foto: tagesschau.de)

"Der von seinen zahlreichen Fans liebevoll "Ganoven-Ede" genannte Erfinder und langjährige Moderator der ZDF-Sendungen "Aktenzeichen XY … ungelöst" und "Vorsicht Falle!", Eduard Zimmermann, ist gestern im Alter von 80 Jahren in München gestorben. Auch wenn mich Sendungen dieser Art nicht interessieren, muß man doch die Verdienste Zimmermanns bei der Aufklärung von mehreren Hundert Straftaten würdigen. Besonderer Respekt aber gilt seiner Mitarbeit bei der Gründung der immens wichtigen Opferhilfsorganisation Weißer Ring im Jahre 1976. R.I.P., Ede!

Freitag, 18. September 2009

DVD-Rezensionen (162): Der Prinz aus Zamunda (2-Disc Royal Edition) (1988)

(Cover: Amazon.de)

Über den Inhalt des Films "Der Prinz aus Zamunda" bzw. im Original "Coming To America" muß man nicht mehr viele Worte verlieren. Eddie Murphy, damals auf dem Zenit seiner Karriere, liefert neben seinem kongenialen Buddy Arsenio Hall gleich in mehren Rollen gleichzeitig ein Feuerwerk afroamerikanischen Humors ab. Die Story (afrikanischer Königssohn kommt inkognito nach New York, um dort eine Frau zu finden) ist eher weniger originell, wird aber sowohl durch die gelungenen Gags, prima Ausstattungen an Kostümen und Masken (in beiden Kategorien Oscar-nominiert) als auch durch einige sozialkritische Ansätze, die afrikanische Potentaten genauso wie die gutsituierte schwarze Mittelschicht Amerikas auf's Korn nehmen, wieder wettgemacht.

Diese DVD-Edition bietet neben dem Hauptfilm in ordentlicher Bild- und Tonqualität (5.1 leider nur auf der englischen Originalspur, deutsch liegt nur in Surround vor, ist aber bei einer Komödie wohl eher nicht ein K.O.-Kriterium) noch eine Bonus-DVD mit dem auch auf der eigentlichen Scheibe enthaltenen Original-Kinotrailer, einer Fotogalerie und vier kurzen (Dauer jeweils 10-15 Minuten) Interview-Dokus über die Produktion an sich sowie die Entstehung der Kostüme, der Filmmusik und der von Make Up-Guru Rick Baker gestalteten Masken. Zwar herrschen Amerika-typisch ein paar Allgemeinplätze wie "amazing" oder "great" vor, trotzdem durchaus interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Films, da man unter anderem erfährt, dass die Anspielungen auf McDonald's keineswegs als geplantes und bezahltes Product-Placement fungierten. Als Extraschmankerl noch die kurzen Interviewsequenzen mit Eddie Murphy und Arsenio Hall, die laut Ankündigung "20 Jahre nicht mehr zu sehen waren". Nun, da die beiden recht politisch unkorrekt über Dinge wie One-Night Stands während der Dreharbeiten plaudern, ist das nicht weiter verwunderlich...

Ein unverständlicher Mangel jedoch das Fehlen eines Audiokommentars, so etwas gehört heutzutage zu einer DVD-Veröffentlichung, die mehr als nur den Kinofilm präsentiert, einfach dazu. Von daher leichter Punktabzug bei einem ansonsten sehr empfehlenswerten und mittlerweile zum TV-Dauerbrenner mutierten Comedy-Klassiker.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 17. September 2009

Links, 2, 3, 4... (012)

Gerade in den Tagen der vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Leichtathletik-WM in Berlin hat mir das Weblog des Sportjournalisten Jens Weinreich permanent interessante Einblicke in die Grauzone des mit Politik, Macht und Geld verquickten Spitzensports verschafft. Immer wieder werden geradezu skandalöse Zustände und Mauscheleien enthüllt und der Finger unerbittlich auf wunde Punkte gehüllt, mag sich die Funktionärskaste auch mit allen Mitteln dagegen stemmen. Sehr empfehlenswert!

Mittwoch, 16. September 2009

CD-Rezensionen (161): Hape Kerkeling - Wieder auf Tour (2005)

(Cover: Amazon.de)

Die Karriere Hape Kerkelings hat jede Menge Höhen erlebt und auch einige Täler durchschritten. Seit nunmehr einigen Jahren befindet sich der Recklinghausener wieder straff in der Erfolgsspur, sei es als pilgernder Buchautor oder umtriebiger Darsteller seiner Kultfigur Horst Schlämmer. Dieser eröffnet und beschließt nebst einem Zwischenkommentar auch diese CD, die Ausschnitte aus Kerkelings bisher letztem Bühnenprogramm beinhaltet.

Wie immer zieht Kerkeling seine Stärken aus der Fähigkeit, in komplett unterschiedliche Charaktere schlüpfen zu können. In die des nuschelnden und in seiner Schnappatmung Horst Schlämmer brüderlich verbundenen Tourmanagers Werner Fritsche beispielsweise oder der holländischen Paartherapeutin Evje van Dampen. Bei Letzterer baut sich vor dem geistigen Auge immer sofort Kerkelings legendäre Königin Beatrix aus der längst zu einem Stück TV-Kult gewordenen Sendung "Total normal" auf, die mit ihrem überfallartigen Besuch beim Bundespräsidenten ("lecker Mittag essen") allerdings deutlich lustiger war, als die ständig das Mantra "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit" vor sich herbetenden Beziehungskitterin.

Zu allem Überfluss müssen als Gesangsdarbietungen Songs herhalten, die in diversen Jahrgängen den letzten Platz beim Eurovision Song Contest - vulgo: Grand Prix - belegten. So darf man dann finnischem, niederländischem oder italienischem Liedgut lauschen, bei dem man recht schnell erkennt, warum die Stücke grandios scheiterten.

Die lustigen Highlights muß man sich dann doch herauspicken. Marcel Reich-Ranicki und Siegfried Schwäbli dürfen wie schon auf "Erwarten Se nix" (1991) miteinander parlieren und bei "Petersplatz" tobt sich das ehemalige "Hannilein" wieder einmal beim Sprechen/Imitieren von Sprachen so richtig aus. Absoluter Höhepunkt ist jedoch "Café Korten", wo der bekennende Homosexuelle Kerkeling als eine seine Mitmenschen terrorisierende Tunte so ziemlich jedes Schwulenklischee köstlich auf die Schippe nimmt. Grandios! Auch "Winterszeit in Wien" ist in seiner Boshaftigkeit zum Schreien komisch.

Mir persönlich herrscht allerdings auf dieser CD ein wenig zu viel Leerlauf, um eine bessere als eine Durchschnittswertung herauszurücken.

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 15. September 2009

Patrick Swayze †

(Foto: zdf.de)

Die Nachricht kam nicht unerwartet und trotzdem macht sie Filmfans in aller Welt betroffen. Patrick Swayze hat gestern im Alter von 57 Jahren seinen Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs verloren. Schon vor Monaten wurde fälschlicherweise sein Tod vermeldet, gestern ist er nun bittere Wahrheit geworden. Swayze war nie ein Hollywood-Superstar, dennoch finden sich einige bemerkenswerte Klassiker aus Kino und TV in seiner Filmographie, sei es der 80er-Jahre-Kultfilm "Die Outsider" (1983), die dramatische Serie "Fackeln im Sturm" (1985) über den Amerikanischen Bürgerkrieg oder aber der Welterfolg "Ghost - Nachricht von Sam" (1990)  - alles noch DVDs auf meiner persönlichen Anschaffungsliste. Doch auch vor Schund wie "Red Dawn - Die rote Flut" (1984) war Swayze nicht gefeit, in Erinnerung wird er jedoch vor allem mit einer einzigen Rolle bleiben - der des Tanzlehrers Johnny Castle in "Dirty Dancing" (1987), der sich neben dem spektakulären Surferkrimi "Gefährliche Brandung" (1991) bereits in meiner DVD-Sammlung befindet. R.I.P., Mr. Swayze...

Montag, 14. September 2009

Buch-Rezensionen (161): Petyr Bobew - Die Haifischbucht (1963)

(Cover: Amazon.de)

"Die Haifischbucht" des bulgarischen Autors Petyr Bobew (1914-1997) gehörte in meiner Jugend zu meinen Lieblingsbüchern. Spannende Taucherabenteuer im Indischen Ozean gepaart mit einer Gangstergeschichte rund um ein gigantisches Diamantenvorkommen unter Wasser - ja, davon konnte ein Junge in der DDR schon schwärmen! Liest man das Buch heute allerdings aus der Sicht eines Erwachsenen, tun sich doch einige Schwachstellen auf.

Die Handlung: Das bulgarische Forschungsschiff "Ljulin" befindet sich auf einer Expeditionsreise im Indischen Ozean nahe der Ostafrikanischen Küste. Der Zoologe Bogdan Koew will schnell noch ein paar Aufnahmen eines plötzlich aufgetauchten Hammerhais machen. Als er auf dem Meeresgrund verschwindet und nur noch seine Kamera gefunden wird, glaubt die Besatzung an eine tödliche Raubfischattacke. Aber warum schleichen sich dann nachts fremde Taucher an Bord und versuchen, die Kamera zu stehlen? Als auch noch Bogdans Freund, der Hydrologe Wladimir Russew, auf einem Suchtauchgang ebenfalls verschwindet, steht fest - die Haifischbucht birgt ein Rätsel. Ein Geheimnis, für das sich gleich zwei Gangsterbanden interessieren...

Spannend ist das Buch, keine Frage. Allerdings hielt Bobew anscheindend eine Menge vom Motto "Viel hilft viel". Permanent geraten in diesem Roman Taucher in Lebensgefahr, sei es durch eingangs erwähnten Hammer- oder auch einen Tigerhai, einen überdimensionaler Riesenkraken und einen Pottwal, einen ganzen Schwarm hochgiftiger Seeschlangen, eine Portugiesische Galeere, Muränen, ein Krokodil, einen Schwertfisch oder tödliche Riesenmuscheln, selbst ein Weißer Hai darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Zudem wird noch mit giftigen Fischdelikatessen wie Fugu hantiert und permanent tauchen seltene Tierarten wie ein Sägerochen, ein Walhai oder gar ein Quastenflosser just an dem Punkt auf, an dem sich die Protagonisten aufhalten. Dieses ständige Jagen von Höhepunkt zu Höhepunkt lässt die Glaubwürdigkeit des Plots doch arg leiden und mit dem Abstand der Jahre fallen einem auch die immer wieder eingestreuten sozialistischen Ideologieschnipsel auf. Immerhin lernt man eine ganze Menge über Diamanten und die Geschichte ihrer berühmtesten Vertreter wie Cullinan, Schah, Regent oder Hope.

Aufgrund vieler spannender Lesestunden längst vergangener Tage gibt es die zweithöchste Wertung, Nostalgiebonus inbegriffen.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 13. September 2009

Es ist geil, ein Arschloch zu sein...

Sicherlich ein denkwürdiger Fernsehabend gestern auf ProSieben. Zum mittlerweile 18. Mal stellte sich Stefan Raab in seiner verblüffend simpel und doch genial konstruierten Spielshow "Schlag den Raab" einem Herausforderer, der diesmal nach dem Knacken des 3-Millionen-Jackpots in der letzten Sendung immerhin wieder 500.000 Euro gewinnen konnte.

Ich schau die Sendung regelmäßig und bin dabei permanent auf der Seite Raabs, den ich vor allem wegen seiner absoluten Kampf- und Rampensau-Qualitäten schätze. Noch nie allerdings wurde es mir so einfach gemacht, den Herausforderer nicht zu mögen, wie gestern. Nerven mich die üblichen "Ich hab 3 Doktortitel mit summa cum laude, bin irre sportlich, liebe meine Familie über alles und streichele auch Nachbars Hund"-Überflieger ohnehin schon im Übermaß (warum eigentlich nicht mal ein Normalo?), setzte der 24jährige Apotheker-Praktikant Hans-Martin aus Oldenburg dem Ganzen  gestern noch die Krone auf. Eine arroganter Schnösel, der sich über falsche Quizantworten des Gegners kaputtlachte ("Ganz großes Tennis, Stefan"), gönnerhaft gnädig vor dem Bahnverfolgungsrennen des Gegners Bauch tätschelte ("Also wenn ich das jetzt hier nicht gewinne, müsste ich mich aber schämen...") und aufgrund dieser und mehrerer anderer Vorfälle schon nach kurzer Zeit bis auf seinen 3-Personen-Fanclub das gesamte Studiopublikum und einen Großteil der Fernsehzuschauer gegen sich hatte. Ich mußte stellenweise ohne Ton schauen, weil mich dieses Getue zum einen aufregte und andererseits eine Fremdschäm-Attacke nach der anderen auslöste.

Spannend blieb es bis zur letzten Runde, bei der eine 1-Euro-Münze in ein Wasserglas zu schnippen war. Schlußendlich gewann der Kandidat und es dürfte wohl noch nie in der deutschen Spielshow-Historie vorgekommen sein, dass ein Sieger vom Publikum mit Buhrufen verabschiedet worden ist. Dementsprechend gewaltig heute das Rauschen im Internet, eine kleine Auswahl:

quotenmeter.de

FAZ.net

welt.de

fixmbr.de

rp-online.de

Das noch während der Sendung ein Sturm der Entrüstung durch das Twitter-Universum ging, sei zur Vervollständigung noch erwähnt.

Traditionell wird Raabs Gegner am Montag nach der Show zu "TV Total" eingeladen - könnte ein heißer Tanz werden. Ich schau's mir mal an...

Freitag, 11. September 2009

DVD-Rezensionen (161): Die verzauberte Marie (1959)

(Cover: Amazon.de)

"Die verzauberte Marie" von Regie-Altmeister Alexander Rou (1906-1973) gehört trotz einiger vielversprechender Ansätze zu den eher schwächeren Filmen des Genres. Das Handlungsmotiv, bei dem eine Gefangene (hier eine Mutter durch ihren Sohn und einen hilfreichen Soldaten) befreit werden muß, ist nicht neu und ist von Rou selbst z.B. in "Feuer, Wasser und Posaunen" (1968) oder "Der Hirsch mit dem goldenen Geweih" (1971) deutlich besser variiert worden. 

Hinzu kommt, dass man dem Film sein Alter mittlerweile deutlich ansieht. Das Bild ist unrestauriert und von Kratzern, Verschmutzungen, verblassten Farben und starken Helligkeitsschwankungen geprägt. Der Ton (Dolby Digital Mono) ist hingegen klar und verständlich. Bonusmaterial allerdings ist wieder einmal nur in Form einer aus Filmstandbildern zusammengestellten Galerie enthalten.

Highlight einmal mehr Georgi Milljar (1903-1993), der in seiner Vorliebe für skurrile Charaktere diesmal nicht die Hexe Baba Jaga, sondern in großartiger Kostümierung den Hofmarschall Quak, einen intriganten Frosch, gibt. Herrlich schräg und äußerst passend durch Herwart Grosse (1908-1982) synchronisiert.

Zur Vervollständigung der Sammlung sicherlich kein Fehlkauf, dennoch ein Märchenfilm mit deutlichen Verschleißerscheinungen.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 10. September 2009

CD-Rezensionen (160): DJ Pierro - Human Under Pressure (MCD) (1997)

(Cover: Amazon.de)

Mutig, mutig vom Label, auf die Hülle dieser Maxi-CD den Sticker "HITBLITZ - der Hit, der einschlägt" zu pappen. Da war wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens, denn von einem Hit konnte bei dieser "Trance meets Enigma meets World Music"-Scheibe schwerlich die Rede sein. Mir kam der Song 1997 auf einem der in diesen Jahren tatsächlich noch Videoclips spielenden Musiksender unter die Finger und da mir der Song zummindestens zum damaligen Zeitpunkt gar nicht einmal so übel vorkam, wanderte wenig später diese Maxi-CD in meinen Besitz. 

Vier Tracks von insgesamt etwa 21 Minuten Spieldauer wurden auf den Silberling gepackt, die allesamt Mixe des titelgebenden Stücks sind. Die Radio Version verbreitet mit einem der in den 90ern meistverwendeten Drum-Loops, indianischen Ethno-Gesängen samt sanften Synthie-Hintergrundsounds eine entspannte Atmosphäre, reißt aber nicht wirklich vom Hocker. Die Extended Version ist hingegen komplett zum Vergessen, wurde hier doch nur durch sinn- und niveaulose Instrumentalpassagen künstlich auf 05:10 Minuten Lauflänge aufgebläht. Langeweile pur.

Deutlich bessser präsentiert sich der im Drum 'n' Bass-Bereich angesiedelte HiFi Pressure Mix, bei dem der Instrumentalpart deutlich zurückgefahren wurde und nur noch in Ansätzen erkennbar ist. Mein Favorit ist allerdings das letzte Stück, der 6:11 Minuten lange Ghost Of The Age Mix. Ein wenig Minimalelektronik, etwas Depeche Mode, ein wenig New Age, etwas Trance, dezenter Bombast - eine prima Mischung!

Durch die schwankende Qualität der Versionen und das Fehlen eines B-Seiten-Songs eine durchschnittliche MCD.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 9. September 2009

Buch-Rezensionen (160): Friedrich Schlette - Archäologische Geheimnisse unserer Heimat (1985)

(Cover: Amazon.de)

Friedrich Schlette, der 2003 verstorbene Doyen der DDR-Prähistoriker, führt in diesem Buch jüngere Leser in das hochinteressante Feld der Archäologie und Frühgeschichte ein. Die anhand zahlreicher Fotos und Grafiken angeführten Beispiele beschränken sich aufgrund des Erscheinungsdatums und -orts des Buchs freilich überwiegend auf das Gebiet der früheren DDR, dennoch wird auch ein Blick über die Grenzen des Landes geworfen.

Neben Beschreibungen von Grabungs- und Restaurierungstechniken, verwandten Wissenschaften wie Botanik und Zoologie und mehreren anderen Kapiteln, werden Pioniere der archäologischen Wissenschaft, wie Johann Gustav Gottlieb Büsching, Friedrich Karl Hermann Kruse, Johann Friedrich Danneil, Georg Christian Friedrich Lisch und viele andere, in Kurzporträts vorgestellt. Besonders spannend liest sich das Kapitel "Von Fälschern und Räubern", in dem kriminalfallartig spektakuläre Fälschungen und Diebstähle vorgeschichtlicher Funde, wie beispielsweise der berühmten dänischen "Goldhörner von Gallehus", erzählt werden. Wer sagt da noch, Geschichte wäre dröge und staubtrocken?

Mögen auch einige Fakten des Buchs nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und einige Wortpassagen DDR-typisch ideologisch eingefärbt sein - dies ändert nichts an der Tatsache, ein lehrreiches populärwissenschaftliches Buch in den Händen zu halten.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 8. September 2009

DVD-Rezensionen (160): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 24 - Zwischenrunde 1978 BR Deutschland-Niederlande (2:2) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Irgendwie fühlt man sich beim Anschauen der '78er DVDs nicht wohl. Das Stadion in Córdoba wirkt wahnsinnig ungemütlich, das Wetter mies (kein Wunder, es war ja auch Herbst in Argentinien) und die Atmosphäre scheint den Geist der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Militärdiktatur förmlich auszuatmen - sehr seltsam. Da kann auch das wahrscheinlich beste Spiel der DFB-Elf bei diesem Turnier nix mehr retten, einzig und allein die Trikots finde ich stark, aus heutiger Warte betrachtet so richtig schön retro. Müßte man sich mal zulegen... Die silbrig-spacigen Adidas-Anoraks der deutschen Trainer sind allerdings auch 70er pur!

Tja, was bleibt zum Match zu sagen? 6 Minuten fehlten zum Sieg und somit möglicherweise zum Finale, denn man hätte im Spiel gegen Österreich nicht unbedingt gewinnen müssen und wenn doch, dann mit einem gleichgültigen Ergebnis statt mit notwendigen 5 Toren Vorsprung. Wie sagte Bernd Hölzenbein doch so schön?

"Leichter war die WM nie zu gewinnen als hier in Argentinien. Es ist zum Kotzen."

Nun ja, Argentinien wäre wohl so oder so Weltmeister geworden...

Deutschland hätte den Titel auch gar nicht verdient gehabt, auch nach diesem Spiel nicht. Ein Sepp Maier, der beim 1:1 durch Haan keinen Finger rührt, ein mit der Rolle des Mannschaftskapitäns völlig überforderter Berti Vogts (das hat er mit einer späteren Tätigkeit gemein...) und ein völlig außer Form befindlicher Rainer Bonhof. Mal ganz davon abgesehen, dass Bundestrainer Helmut Schön wohl schon eher seinen Platz hätte räumen müssen.

Der holländische Ersatztorwart Schrijvers spielte im Übrigen genau wie die nominelle Nummer Eins Jongbloed ohne Handschuhe. Das wirkt irgendwie improvisiert, als hätte sich mal fix ein Feldspieler ein Torwarttrikot übergezogen und in den Kasten gestellt. Wo gibt es so etwas heute noch?

Das späte Ausgleichstor war verdient und das Unentschieden gerecht, mehr gibt es an für sich nicht über dieses Spiel zu sagen.

Bewertung: 3 von 5

CD-Rezensionen (159): Guns N' Roses - Use Your Illusion I (1991)

(Cover: Amazon.de)

Wohl kaum einer konnte anno 1991 ahnen, dass es (das '93er Coverversionen Album "The Spahetti Incident?" einmal außen vor gelassen) satte 17 Jahre dauern würde, bis nach den zwei zeitgleich herausgebrachtenen Doppel-LPs "Use Your Illusion I & II" wieder ein Studio-Album der Gunners erscheinen würde. Aber vielleicht war damals einfach alles zu überdimensional geworden geworden, galt die Kapelle aus Kalifornien zu diesem Zeitpunkt doch als der größte Rockact des Planeten. Immer riesiger die Stadien, immer aufwändiger die Shows, immer massenkompatibler und teurer die Videoclips, dazu die, nun ja, "schwierige" Persönlichkeit eines Axl Rose - fertig war die eine der vieldiskutiertesten Bandkrisen der Musikgeschichte.

Man erlebt hier nun also Guns N' Roses auf dem Höhepunkt ihres kommerziellen Erfolgs. Überwiegend herrscht in der Musikkritik die Überzeugung vor, dass aus der Quintessenz der besten Songs des "gelben" und des "blauen" Albums eine der besten Platten der Rockmusik hätte zusammengestellt werden können, eine Meinung, der ich mich vorbehaltlos anschließen kann. So aber bleiben aber auf beiden CDs eine gewisse Menge Fülltracks, die den Einzug in den absoluten Olymp verhindern.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, es hier mit überwiegend grandiosen Songs zu tun haben. Der Opener "Right Next Door To Hell" langt wie auch "Perfect Crime" schon einmal ordentlich ins Kontor, aus Paul McCartney's James Bond-Filmsoundtrack "Live And Let Die" holen die Gitarrenquäler Slash und Izzy Stradlin ganz neue Qualitäten heraus und "Don't Cry" ist im Vergleich zum fast schon totgedudelten "November Rain" wohl die bessere Ballade. Häufig wird dem Blues gefrönt ("Dust N' Bones", "You Ain't The First", "Bad Obsession") und bei "The Garden" darf Alt-Schockrocker Alice Cooper in einer Gastrolle aufwarten. "Bad Apples" hingegen lässt sich in etwa mit "Boogie-Woogie meets Bratgitarren" verorten, schräg, aber nicht übel!

Das bombastische, über zehnminütige "Coma" ist krönender Höhepunkt und Abschluß des ersten "Use Your Illusion"-Teils. Zur Topwertung reicht es aufgrund erwähnter Füller nicht ganz, eine hervorragende Hardrockplatte ist es aber allemal!

Bewertung: 4 von 5

Montag, 7. September 2009

Buch-Rezensionen (159): Paul d'Ivoi - Die fünf Sou des Herrn Lavarède (1894)

(Cover: Amazon.de)

Wer die Bücher Jules Vernes mag, wird auch mit diesem 1894 erschienenen Roman seine Freude haben. Inhaltlich "In 80 Tagen um die Welt" sehr ähnlich, muß auch hier der Protagonist, der Pariser Journalist Armand Lavarède, eine Reise um den Globus antreten, in diesem Fall mit ganzen fünf Sou in der Tasche. Kommt er mit diesem winzigen Geldbetrag aus und schafft er es innerhalb eines Jahres wieder zurück nach Paris, winken ihm die Millionenerbschaft eines Cousins und die Hand einer bezaubernden Dame.

Der Trip über die Kontinente bezieht seinen Reiz nicht nur aus den zu bestehenden Abenteuern und den beschriebenen reizvollen Schauplätzen, sondern eben auch aus dem permanenten Geldmangel, der die Spannung zusätzlich erhöht. Lavarède gerät in mittelamerikanische Revolutionen, flieht per Heißluftballon vor einem chinesischen Henker und aus einem brennenden tibetischen Palast; Zentralasien hält tödliche Gefahren bereit und wie auch in "20 000 Meilen unter dem Meer" von Jules Verne spielt auch ein U-Boot eine wichtige Rolle...

Nun könnte man lauthals "Plagiat!" schreien, denn sicherlich hat Paul d'Ivoi seinem 28 Jahre älteren Landsmann sehr genau über die schriftstellerische Schulter geschaut, wofür es auch geringfügigen Wertungsabzug gibt. Dennoch, dieses Buch unterhält und konzentriert sich weniger auf technische Phantastereien wie bei Verne, sondern auf die fesselnde Abenteuergeschichte. Wer kein Problem mit dem für heutige Lesegewohnheiten gewöhnungsbedürftigen Erzählstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat, darf bedenkenlos zugreifen.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 6. September 2009

DVD-Rezensionen (159) JAG - Im Auftrag der Ehre (Season 3.2) (1998)

(Cover: Amazon.de)

Serienfan, Du gebeuteltes Wesen. Allzuoft erliegen Publisher der Versuchung, dem Fanvolk gesplittete Seasonboxen vorzusetzen, die selbstverständlich zum Vollpreis verkauft werden. Die Unsitte, der Paramount bei "JAG" mit Ausnahme der zweiten Staffel frönt, verärgert den braven Käufer, ist komplett unverständlich und vor allem unnötig, wie viele andere Serien-DVD-Veröffentlichungen mit vergleichbarer Episodenanzahl pro Staffel beweisen.

Entschließt man sich aber nun dennoch zum Erwerb, bekommt man zwölf Folgen auf insgesamt drei DVDs geboten, die gute Bild- und (Surround) Ton-Qualität aufweisen. Lieutenant Commander Harmon Rabb jr. (David James Elliott) und Major Sarah MacKenzie (Catherine Bell) agieren wieder inner- und außerhalb des Gerichtssals, was interessante Einblicke in das Justizsystem der amerikanischen Marinestreitkräfte und der USA ganz allgemein ermöglicht. Wie immer wird hier landestypisch militärverehrend agiert, so kann man die Folge "Clipped Wings/Die Hölle von Montecassino" durchaus als beschönigende Retourkutsche auf die italienisch-amerikanischen Spannungen nach dem im Februar 1998 geschehenen Seilbahnunglück von Cavalese, bei dem ein US-Kampfflugzeug im Tiefflug das Tragseil einer Seilbahn durchtrennte und 20 Menschen zu Tode kamen, ansehen. Aber im Mittelpunkt stehen einmal mehr Harmon Rabbs Suche nach seinem verschollenen Vater, die Auflösung der rätselhaften (in den USA nie gesendeten) Episode "Skeleton Crew/Das Geisterschiff", mit der die erste Staffel endete oder das bis zu Todesfällen führende Beziehungschaos Sarah MacKenzies. Auch der Humor kommt diesmal nicht zu kurz, die Folge "Yesterday's Heroes/Alte Helden sterben nie" mit Gaststar Ernest Borgnine ist eher Slapstick denn spannender Ermittlungsfall.

Meine Favoriten finden sich allerdings in den Folgen "Tiger, Tiger/Terror an Bord", "The Return Of Jimmy Blackhorse/Die Rückkehr des Jimmy Blackhorse" und "To Russia With Love/Liebesgrüße nach Moskau", die als Cliffhanger zur nächsten Staffel fungiert. Eine gute Serie, deren Bewertung durch die Aufteilung und den Mangel an jeglichem Bonusmaterial allerdings wieder einmal leidet.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 4. September 2009

CD-Rezensionen (158): Cordalis - Viva la Noche '97 (MCD) (1997)

(Cover: Amazon.de)

Schon peinlich, wenn ein Grieche (das Dschungelcamp damals noch in ferner Zukunft) vor lauter Steuerschulden auf Ballermann-Barde macht, um mit Disco-Latinomusik (!!!) zu punkten. Man nehme dazu eine vom glücklicherweise vergessenen Italo-Gesangsdarsteller MO-DO geklaute Hintergrundmelodie, ein wenig harmloses Gitarrengeklimper und einen Simpel-Text zum Fremdschämen. Das Ganze in 5 nahezu identische Versionen (Radio Mix, Maxi Mix, Karaoke Version, Mallorca Version und Oberbayern Version) auf eine CD gepackt und tara - fertig ist das Billig-Produkt. Ganz ganz schlimm, wie dieser Silberling in meine Bestände geraten ist, frag ich mich heute noch. Überbleibsel der Ex-Freundin, Fehlkauf des jüngeren Bruders oder Geburtstagsgeschenk eines "wohlwollenden" Freundes? Keine Ahnung, breiten wir den Mantel des Vergessens darüber...

Ein Gnadenpünktchen für das Sommerfeeling.

Bewertung: 1 von 5

Donnerstag, 3. September 2009

Buch-Rezensionen (158): Manfred Krug - Abgehauen (Hörbuch) (1996)

(Cover: Amazon.de)

Manfred Krugs erfolgreich verfilmter Bestseller von 1996 ist als Hörbuch etwas anders aufgebaut als die gedruckte Ausgabe. So fehlt der im Buch als einleitender Teil enthaltene heimlich von Krug angefertigte Tonbandmitschnitt eines Treffens von elf bekannten DDR-Schauspielern und -Schriftstellern mit drei hochrangigen SED-Politikern und wird nur gelegentlich erwähnt. Eigentlich unverständlich, würde doch dieses Tondokument geradezu ideal zum Medium Audioliteratur passen. Ich kann mir dies also nur mit juristischen Maßnahmen der Beteiligten erklären, denn dass im Nachzug der historischen Ereignisse der Jahre 1976/77 viele ehemals enge Freundschaften zwischen Kulturschaffenden der DDR mit und ohne Einwirken der Staatsmacht zerbrochen sind, ist ein offenes Geheimnis.

Doch auch so sind Krugs Tagebucherinnerungen ein interessantes und spannendes Stück ostdeutscher Zeitgeschichte, denn die Vorkommnisse, die letztendlich zur Ausreise Manfred Krugs und anderer Prominenter aus Musik, Literatur, Theater und Film führten, bilden den verfrühten Auftakt zum Ende der DDR.

Die 4 CDs schildern in Krugs Worten die Ereignisse des Zeitraums vom 19. April 1977, dem Tag der Abgabe des Ausreiseantrags bei der zuständigen Ost-Berliner Behörde, bis zum 18. Juni 1977, dem Tag der Übersiedlung Krugs nach West-Berlin. In diesen Wochen führte der erfolgreiche und beliebte Schauspieler und Sänger ein Tagebuch, das zum einen einen der beklemmendsten und eindrucksvollsten Dokumente jener Tage zählt. Dem vorausgegangen war die Ausbürgerung des mit Auftrittsverbot belegten Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976 und der daraufhin folgenden Protestpetition namhafter Künstler, der sich auch Manfred Krug anschloss. Wie andere bekam er umgehend berufliche Nachteile und Repressalien zu spüren, die detailliert im Wortlaut des Ausreiseantrags aufgelistet sind.

Am interessantesten ist "Abgehauen" (DDR-Umgangssprache für jegliches Verlassen des Landes in Richtung Westen, unabhängig ob offiziell oder unter Lebensgefahr), wenn die direkte Konfrontation mit dem SED-Staat beschrieben wird, hier vor allem in der Person des von westlichen Medien oftmals als "Hoffnungsträger" und "Kronprinzen" beschriebenen Werner Lamberz, der 1978 unter nie vollständig geklärten Umständen bei einem Hubschrauberabsturz in Libyen ums Leben kam. Mit Schmeicheleien, Versprechungen und Drohungen zugleich versuchte man Krug zur Zurücknahme seines Antrags zu bewegen. Diese Wortduelle und die anschließenden Gedankengänge des Autors hierzu sind die spannendsten Momente des Buchs.

Doch auch die Auseinandersetzungen mit Bekannten und Freunden machen das ganze Dilemma und Mißtrauen untereinander deutlich. Stasi-Spitzel oder nicht? Diese Frage wird hier mehr als einmal gestellt. Wie schwierig und verworren die Lage war, wird besonders am beschriebenen Umgang mit dem Freund Armin Mueller-Stahl deutlich, der 1980 ebenfalls die DDR verließ. Unter der permanenten Unsicherheit hat diese Beziehung miterlebbar sichtlich gelitten.

Manfred Krug liest seinen eigenen Text mit sonorer und angenehmer Stimme, auch dies macht dieses Hörbuch zu einem absoluten Kauftip.

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 2. September 2009

DVD-Rezensionen (158): MATRIX Reloaded (2003)

(Cover: Amazon.de)

In diesem Film wird vor allem eines: geredet. Viel. Philosophisch. Und manchmal eben auch albern-verquast. Das fällt einem umso mehr störend auf die Füße, als das der bahnbrechende erste Teil doch eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählte, die nicht zwangsweise eines Sequels bedurft hätte. Doch solange sich eine Kuh noch melken lässt...

Man muß den Ansatz, einen Science Fiction- bzw. Actionfilm mit weltanschaulichen Ideen zu kreuzen, sicherlich nicht in Bausch und Bogen verdammen. Allerdings haben die Wachowski-Brüder die Latte auf eine Höhe gehoben, die "MATRIX Reloaded" gnadenlos reißt. Zu wirr der Plot, zu lang und verschwurbelt die Dialoge, die sich stellenweise erst beim mehrfachen Ansehen auf DVD erschließen - wenn überhaupt. Dazu kommt, dass sich der Film einfach nicht entscheiden kann, was er eigentlich sein will. Für die Präsentation wie immer beeindruckender Kampfszenen und Spezialeffekte unterbricht er seinen eigenen Fluss zu oft, für Arthaus-Kino bleiben die gezeichneten Charaktere zu flach. Immerhin brilliert wieder Hugo Weaving als Agent Smith, während die anbetungswürdige Monica Bellucci als Persephone einen kurzen, aber optisch sehr intensiven Auftritt hat.

Schade auch, dass die Industrial-Coolness des ersten Films vielen pathetischen (wenn nicht gar kitschigen) Szenen geopfert wurde, von denen die Reanimationssequenz Trinitys durch Neo wohl die allerschlimmste ist. Zwar gab es auch gegen Ende des Vorgängers eine vergleichbare Situation mit umgekehrten Vorzeichen, aber hier wurde der Bogen eindeutig überspannt. Nicht falsch verstehen: ich habe weder ein Problem mit großen Gefühlen noch mit zum Nachdenken zwingenden Handlungen im Film, aber in diesem Fall schießt die Inszenierung doch einfach zu wüst ins Kraut. Nach dem Sensationserfolg des '99er Intros ist dies einfach nur schade.

Bild und Ton der DVD sind zufriedenstellend, die Ausstattung dieser Budget-Scheibe naturgemäß mager. Dummerweise ist man als Besitzer des ersten Films quasi gezwungen, sich auch noch den Rest der Trilogie anzuschaffen, für sich allein gestellt vermag Teil Zwei der Saga freilich nicht zu überzeugen.

Bewertung: 2 von 5

Dienstag, 1. September 2009

CD-Rezensionen (157): 2Unlimited - Faces (MCD) (1993)

(Cover: Amazon.de)

Da sich in meinem Haushalt auch so manche Maxi-CD tummelt, bekommen von nun an in loser Folge auch diese ihre eigene Rezension spendiert.

"Faces", die dritte Single vom zweiten Album der Holländer erzielte im Spätsommer 1993 respektable Ergebnisse in den europäischen Charts. Erreichte man in Spanien die Top-Position und in der Heimat den zweiten Rang, klappte es auch in Deutschland und dem UK (jeweils 8) sowie in Österreich (10) mit den Top10, in Schweden (11), Frankreich (16) und der Schweiz (19) wurden zumindestens noch die Top20 gestürmt.

Der Song, ein typischer 2Unlimited-Stampfer ohne großartige Überraschungen, liegt auf dieser MCD in fünf verschiedenen Mixen (Radio Edit, Extended, X-Out Remix, Trance-Automatic Remix und Automatic Breakbeat Remix) vor, die Lauflängen von dreieinhalb bis knapp 6 Minuten haben und sich somit ein Gesamtinhalt von etwa 26 Minuten ergibt. Dem klassischen Eurodance-Stil von damals gibt es männliche Raps zu weiblichen Vocals, gepaart mit hämmernden Technosounds, die bei Ray Slijngaard und Anita Doth immer einen Tacken härter waren als bei der Konkurrenz.

Radio Edit und Extended Mix unterscheiden sich naturgegeben außer in der Länge nicht sonderlich, der X-Out Remix liegt im nahen Umfeld. Am meisten heben sich zum bekannten Song die letzten beiden Tracks mit ihrer stark veränderten Melodie und den interessanten alternativ eingesetzten Sounds ab, für mich auch durchaus noch heute hörenswerte Remixe. Das Fehlen einer B-Seite und einer Instrumentalversion geben etwas Abzug. Nettes Ton- und Zeitdokument einer von Trash geprägten Musikära.

Bewertung: 3 von 5

Montag, 31. August 2009

Landtagswahlen-Nachklapp

Gestern also vier Wochen vor der anstehenden Bundestagswahl die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und im Saarland. Als Gewinner muß man wohl zweifelsfrei die LINKEN und die FDP betrachten, mit einigen Abstrichen auch die Grünen. Auf mein Bundesland bezogen heißt es in Kurzform: CDU bleibt stark, wenn auch mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1990, SPD lächerlich schwach und damit raus aus der Regierung, da die FDP stark zulegt und es für schwarz-gelb reicht. Die NPD verliert zwar, kommt aber dennoch wieder ins Parlament. Ganz schlimm: Wahlbeteiligung gerade einmal 52 Prozent. Insgesamt hätte ich mir also sehr vieles ganz anders gewünscht...

Urlaubsfotos (V und Schluß)

Mit etwas Verspätung nun noch der Rest vom Schützenfest. Hier gibt es die Bilder der letzten drei Tage kompakt zusammengefasst. Also nochmal Bilder der Seebrücke in Prerow, Fotos einer Solo-Radtour nach Ahrenshoop, wobei ich mitten im Darßwald am Grab des Freiherrn Ferdinand von Raesfeld vorbeikam und zum Abschluß noch einige Bilder von "Karl's Erlebnisdorf" in Rövershagen bei Rostock, das wir auf unserer Heimfahrt besuchten.

Freitag, 28. August 2009

Günter Kießling †

(Foto: Wikipedia)

Die sogenannte "Kießling-Affäre" in den 80er Jahren war einer der größten politischen Skandale der alten Bundesrepublik. Dervöllig haltlos der Homosexualität und damit der Erpressbarkeit beschuldigte Viersternegeneral Günter Kießling wurde vom damaligen Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet, dieser Vorgang mußte aber nach der Entkräftung der Vorwürfe wieder rückgängig gemacht werden, bevor Kießling kurz darauf mit einem Großen Zapfenstreich auf eigenen Wunsch ehrenhaft entlassen wurde. Heute starb der Militär im Alter von 83 Jahren in Rendsburg.

Buch-Rezensionen (157): Kirsten Schielke, Birgit Vitense, Harald Larisch - Was machen wir morgen, Mama? (2009)

(Cover: Amazon.de)

Auf reichlich 90 Seiten im nicht ganz optimalen (da etwas zu großen) Format geben die 3 Autoren etwa 80 Tips für Ausflüge und Sehenswürdigkeiten, die sich speziell an Familien mit Kindern richten. Letztere sollten mindestens 3 bis 5 Jahre alt sein, da sich der Hauptteil der Empfehlungen erst für Nachwuchs ab dieser Altersklasse eignet. Ausnahmen, die auch die Kleineren ansprechen, finden sich beispielweise mit diversen Tierparks, dem Erlebnisdorf "Karl's" in Rövershagen bei Rostock oder dem "Möwentreff" in Prerow. Je nach Urlaubsort können sich die beschriebenen Ideen als ganze Tagestouren gestalten, reichen die im Reiseführer enthaltenen Ziele doch von Warnemünde bis hinter Barth bzw. bis ins Ostseevorland um Bad Sülze. Rechnet man da den dichten Reiseverkehr in diesem Tourismuszentrum mit ein, ist gute Zeitplanung ein Muß.

Auch wenn die eigentlichen Atttraktionen in eher wenigen Sätzen kurz vorgestellt werden, erfährt man doch in den kleingedruckten Informationsleisten am Rand jede Menge nützlicher Fakten, die von Öffnungszeiten, Eintritts- und Parkgebühren, Internetadressen bis hin zur Tauglichkeit für Kinderwagen und anderen Dingen mehr reichen. Ein Anhang mit einem kurzen Rostocker Veranstaltungskalender sowie Adressen von Surf- und Segelschulen bzw. Reiterhöfen rundet das Angebot ab.

Von den beworbenen Gutscheinen (ausgewiesener Gesamtwert: 29,40 €, nicht wie bei Amazon genannt, 40 €) sollte man freilich keine Wunderdinge erwarten. Etwas Kleinkram, wie eine Kinder-Sonnenblende im Rostocker Zoo, oder kleinere Rabattbeträge bei Eintrittskarten, das war's. Aber nur deswegen sollte man dieses durchaus nützliche und informative Buch ohnehin nicht kaufen.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 27. August 2009

DVD-Rezensionen (157): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 23 - Viertelfinale 1986 BR Deutschland-Mexiko (4:1 n. E.) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Gleiche Paarung wie in der vorausgegangenen Ausgabe der Klassikeredition, ganz andere Voraussetzungen. Mexiko im eigenen Land mit starken Spielen und völlig zu Recht im Viertelfinale, während sich Deutschland (wieder einmal) mit Ach und Krach hineinkämpfte und sich erst ab diesem Spiel steigerte. Das Ergebnis ist bekannt - Vizeweltmeister hinter Argentinien.

Manchmal erstaunt es mich, welche kühnen Schlüsse in der beiliegenden Dokumentation gezogen werden, die bei genauerer Betrachtung wohl einen sehr wahren Kern haben. Beim Belgien-Spiel war das schon einmal so, hier lautet die Theorie, dass Deutschland ohne diesen Sieg über Mexiko höchstwahrscheinlich vier Jahre später nicht Weltmeister gewesen wäre, da Franz Beckenbauer nach einem Viertelfinal-Aus das Handtuch geworfen hätte. So hatte er Zeit und Ruhe, an der Mannschaft zu arbeiten. Da ist was dran...

Das Spiel an sich ist sicherlich nicht hochklassig, aber spannend und dramatisch. Speziell ab der zweiten Halbzeit und dem (in meinen Augen berechtigten) Platzverweis für Berthold, der hier in jungen Jahren eine Visitenkarte seines ihm auch später anhaftenden Images gab. Also am Einsatz gab's da ganz und gar nichts auszusetzen. Und ich habe das mexikanische Klima selbst schon mal erlebt, kaum vorstellbar, da auch noch mehr als 120 Minuten Fußball zu spielen!

Bei zwei Aktionen habe ich einmal zur "Privatzeitlupe" per Standbild gegriffen, zum einen in Halbzeit eins, als Kommentator Eberhard Figgemeier einen Durchbruch von Hugo Sánchez als "bis hier oben nach Abseits riechend" einsortierte, womit er ganz schön daneben lag. Und zum zweiten beim Strafraumfall des gleichen Akteurs in der zweiten Halbzeit. Schwer zu sagen, ob er von Jakobs gestoßen wurde oder nicht. Sagen wir es einmal so: Ein Rudi Völler hat für so eine Aktion im Finale 1990 einen Strafstoß zugesprochen bekommen...

Apropos Sánchez: Ich habe selten so einen hinterhältigen Treter gesehen, der mit Fouls arbeitete, die man maximal noch einem Verteidiger, niemals aber einem Stürmer zutrauen würde. Mag sein, dass er der beste mexikanische Spieler aller Zeiten und ein Nationalheld ist, aber mit dieser Art und Weise gewinnt man bei mir keinen Sympathiepreis.

Die DVD ist mit knapp 215 Minuten proppenvoll gestopft, da gibt es einen ausführlichen Vorbericht inklusive einer kurzen Zusammenfassung des "Jahrhundertspiels" Brasilien gegen Frankreich (Ausgabe Nummer 27 der WM-Klassikersammlung), Interviews beim Stadtbummel mit Briegel und Förster und bei der Vorstellung des Gegners das Sensationstor von Negrete gegen Bulgarien. Schön, das mal auf DVD zu haben!

Im Studio ein Harry Valérien mit damals wohl topmodischen Bundfaltenhosen in Karooptik (auch an Franz Beckenbauer und Mexikos Coach Bora Milutinović zu bewundern) verstärkt von Otto Rehhagel, Rinus Michels, Dettmar Cramer und ab der Pause auch Rainer Bonhof. Auch nach dem Spiel kurze Interviews mit dem ganz starken Schumacher, Jakobs, Littbarski und Franz Beckenbauer - ja so umfangreich hätte ich mir jede DVD gewünscht!

Der "übliche" Fehler im Heft beschränkt sich hier darauf, dass man das Fernsehstudio der ARD zuordnet, dabei sind Harry Valérien und Rolf Töpperwien doch ZDF-Urgesteine...

Bewertung: 3 von 5

CD-Rezensionen (156): The Art Of Noise - In No Sense? - Nonsense! (1988)

(Cover: Amazon.de)

Dieses Album aus dem Jahr 1988 wird wahrscheinlich immer mein Favorit der Briten bleiben, habe ich doch einen ganz persönlichen Bezug zu diesem Meisterwerk des Samplings und der Soundcollagen. Ich besuchte zu dieser Zeit gerade die 10. Klasse und im Vorfeld unserer Prüfungen ging es in einigen Unterrichtsstunden für DDR-Verhältnisse geradezu entspannt und liberal zu. So auch, als uns unsere Musiklehrerin (wie in jedem Jahr einmal) dazu aufforderte, unsere aktuelle Lieblingsmusik mitzubringen und den Mitschülern vorzuspielen. Mein Tape nahm sie schon mit einem etwas skeptischen Gesichtsausdruck entgegen, hatte ich doch im Vorjahr "Full Metal Jacket" von Abigail Mead und Nigel Goulding aus dem Soundtrack des gleichnamigen Films angeschleppt. Diesmal hatte ich nun eben Art of Noises aktuelles Album im Gepäck, das ich gerade frisch aus dem Radio aufgenommen hatte, denn um so etwas wie Urheberrecht scherte man sich beim Jugendsender DT64 bekanntlich nicht wirklich. Um es kurz zu machen: Die Gesichtszüge von Madame entgleisten wieder bereits bei den ersten Geräuschen von "Galleons Of Stone"...

Kein Wunder, hantierten die englischen Studiocracks doch wieder mit spektakulären Sounds, so wird das bereits erwähnte erste Stück des Albums von einer Art verfremdeter Lokomotiven-Sirene eröffnet, Motorengeräusche und Dampfmaschinenzischen folgen. Die Single "Dragnet" covert das (oder besser: spielt mit dem) Thema der gleichnamigen bekannten Krimiserie.

Um die ganze Vielfalt dieser Platte zu erfassen, reicht es fast schon aus, die Tracks drei bis fünf am Stück zu hören. "Fin du Temps", ein hektischer, vorwärtsstürmender Stampfer mit gesampelten Hörnern geht abrupt in der nur etwa 50 Sekunden langen Klangcollage "How Rapid" auf, die in das wunderbar atmosphärische Ambient-Stück "Opus For Four" einbiegt. Wer schon "Moments In Love" aus dem Jahre 1984 mochte, wird auch dieses Stück lieben!

"Debut" ist fast schon ein Stück Klassik, aber Zeit zum Ausruhen bleibt nicht, denn das verrückt-schräge "E.F.L." (Grobbeschreibung: "Peter Gunn" meets Flugzeug- und Telefongeräusche featuring TRIO) nagelt einen mit seinen Sample-Absurditäten und trotzdem wunderbar relaxtem Groove vor die Boxen. Und auf diesem hohen Niveau geht es nahtlos weiter, wie beispielsweise das den Introtrack zitierende "A Day At The Races", das traumhafte "Ode To Don José" oder die mit Kirchenchorklängen arbeitenden "Counterpoint" und "Nothing Was Going To Stop Them Then, Anyway".

Definitives Highlight des letzten CD-Drittels ist aber eindeutig "Crusoe". Sollte jemand musikalische Untermalung einer Diashow von Urlaubsfotos benötigen - hier wird er fündig. Reichlich dreieinhalb Minuten pure Schwerelosigkeit, wenn man mal vom völlig unerwarteten Ende absieht.

Mit dem von World Music beeinflussten "One Earth" klingt ein bärenstarkes Album der musikalisch doch eher mäßigen Spät-Achtziger aus. Unbedingter Kauftip!

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 26. August 2009

Edward Kennedy †

(Foto: tagesschau.de)

Eine amerikanische Politiklegende ist tot. Senator Edward "Ted" Kennedy, der jüngere Bruder des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy und des 1968 ebenfalls erschossenen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy, verstarb gestern im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie in Hyannis Port an einem Hirntumor. Damit ist auch das letzte männliche Mitglied der zweiten Kennedy-Generation nicht mehr am Leben. Erst am 11. August war seine ältere Schwester Eunice Shriver (die Schwiegermutter Arnold Schwarzeneggers) im Alter von 88 Jahren verstorben.

Neben seinen unbestreitbaren Verdiensten um die USA und seine Demokratische Partei bleibt auch der sogennante "Chappaquiddick Incident" im Gedächtnis, der wahrscheinlich seine Präsidentschaftskandidatur vereitelte.

Kennedy tat sich zuletzt als engagierter Wahlkämpfer für Barack Obama hervor, war jedoch ab Mai 2008 in medizinischer Behandlung. Eine prägende politische Persönlichkeit der letzten Jahrzehnte ist nicht mehr - R.I.P..

Toni Sailer †

(Foto: tagesschau.de)

Mit Anton "Toni" Sailer ist vorgestern eine von Österreichs größten Ski alpin-Legenden (1999 zu Österreichs "Sportler des Jahrhunderts" gewählt) im Alter von 73 Jahren einem Kehlkopfkrebsleiden erlegen. Der dreimalige Olympiasieger von 1956 und siebenfache Weltmeister startete nach seinem schon im Alter von 22 Jahren erfolgten Rücktritt vom Leistungssport eine erfolgreiche Film- und Fernsehkarriere als Schauspieler. Ein ganz Großer des Wintersports ist gegangen, R.I.P..

Fred Gertz, Les Paul, Kim Dae-jung †

Bevor es zwei aktuelle Todesfälle zu vermelden gibt, ein paar Nekrolog-Nachträge, die in meine Urlaubszeit fielen.

Am 09. August starb der Schlagertexter Fred Gertz, der in der DDR für Texte der Hits "Sagte mal ein Dichter" von Holger Biege, "Sag ihr auch" von Gerd Christian, "Die Sprache der Liebe ist leis" von Frank Schöbel oder "Heute bin ich allein" von Reinhard Lakomy verantwortlich zeichnete, im Alter von 75 Jahren bei einem Badeunfall im Lehnitzsee bei Oranienburg.

(Foto: die-mark-online.de)

Am 13. August verstarb die amerikanische Gitarrenlegende Les Paul im Alter von 94 Jahren. Ein Bastler und Tüftler, mehr oder weniger der "Erfinder" der E-Gitarre, nicht umsonst von der Herstellerfirma Gibson mit einem legendären, von ihm selbst entworfenen, Modell geadelt.

(Foto: SPIEGEL.de)

Am 18. August erlag der frühere südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung im Alter von 83 Jahren in Seoul einer Lungenentzündung. Besondere Verdienste erwarb sich Kim beim Kampf um die Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse nach dem Militärputsch von 1980 sowie bei der Annäherung an Nordkorea  ("Sonnenscheinpolitk"), wofür ihm 2000 der Friedensnobelpreis verliehen wurde.

(Foto: Focus.de)

Dienstag, 25. August 2009

Buch-Rezensionen (156): Volker Kluge - Das große Lexikon der DDR-Sportler (2000)

(Cover: Amazon.de)

Es kommt wahnsinnig selten vor, dass ich mich über ein Buch ärgere, noch viel weniger, dass mich ein gedrucktes Werk richtig wütend macht. "Das große Lexikon der DDR-Sportler" von Volker Kluge ist ein derartig rarer Fall. Per Zufall auf dem Bücherbord meines diesjährigen Feriendomizils entdeckt, griff ich neugierig danach, begeisterte mich doch der Sport und seine Heroen schon seit Kindertagen. Die ersten großen internationale Wettkämpfe, an die ich mich als TV-Zuschauer bewußt erinnern kann, sind die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1978 im finnischen Lahti - damals war ich gerade 6 Jahre alt.

Ob nun Friedensfahrt, Vierschanzentournee oder die internationalen Meisterschaften in diversen Sportarten, als DDR-Kind kam man gar nicht daran vorbei, sich dafür zu interessieren, wenn nicht gar zu begeistern. Einige der Aktiven wurden zu Idolen, wie man heute weiß, zum Teil mit unlauteren Methoden. Dieses Buch widmet sich in 1000 Kurzporträts ausgewählten Sportlern, in dieser erweiterten Auflage auch mit bei Drucklegung aktuellen Informationen zu deren späteren Lebensweg nach den politischen Umwälzungen der frühen 90er Jahre. Klingt erst einmal vielversprechend - wo liegt also das Problem?

Normalerweise gehören in ein Buch, das laut Titel für sich einen enzyklopädischen Anspruch reklamiert, Fakten, Daten, Informationen und sonst gar nichts. Hier aber hat man es neben recht albernen Floskeln wie z.B. "im Jahre 19XX platzte aber bei ihm der Knoten" mit zum Teil bissigen oder gar gehässigen Kommentaren zu tun, wenn dem Autor danach zumute ist und dies passiert oft und gern. Besonders auffallend: Häufig handelt es sich um Sportler, die entweder im Zuge der Dopingaufarbeitung in den 90er Jahren als Zeuge oder gar Nebenkläger aufgetreten oder aber um Personen, die in ihrer Karriere nach der Wende den Weg in die wirtschaftliche Selbstständigkeit gegangen sind. Eins ins Stammbuch des Herrn Kluge: wenn sich ein Jens Weißflog 1998 an einer Unterstützerkampagne für die (bekanntlich gescheiterte) Wiederwahl des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl beteiligt, dann ist das zuallererst einmal seine Privatsache. Ihm im süffisanten Ton mit dem Hinweis auf seine frühere Volkskammer-Abgeordnetentätigkeit für die FDJ zu kommen (wie auch in den Fällen Heike Drechsler und Katarina Witt zelebriert) ist ganz schlechter Stil. Bei den bereits erwähnten Dopingzeugen/-nebenklägern (die en passant als mehr oder weniger als von der BILD-Zeitung gesteuerte Objekte gezeichnet sind) werden wie im Fall der Schwimmerin Rica Reinisch ganz genüsslich abgebrochene Ausbildungen, Ehescheidungen und ähnlich diskreditierende Dinge aufbereitet. Das hat mehr als nur ein Geschmäckle. So heißt es ferner über die als Spätfolge des Anabolika-Dopings mittlerweile als Mann lebende Kugelstoßerin Heidi (Andreas) Krieger, dass "sie/er nach der Operation häufiger Gast in Unterhaltungs(!)shows" war.

Das Faß zum Überlaufen brachte aber ein Satz, der mich fast versuchte, dass Buch in die Ecke zu donnern. Der Zehnkampf-Olympiasieger von 1988, Christian Schenk, der nach der Wende eine mehrjährige Tätigkeit beim ZDF ausübte, bevor er, um eine eigene Firma zu gründen, in seine alte Heimat zurückkehrte, wird mit dem Satz "Doch sein Versuch, möglichst schnell ein Wessi zu werden, schlug fehl" bedacht. Unglaublich! Hier und in einigen anderen Fällen ist der ehemalige Pressechef des NOK der DDR deutlich zu weit gegangen; dass der von mir sonst sehr geschätzte Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag so ein Machwerk veröffentlichte, kann ich nach wie vor nicht fassen.

Jammerschade, dass diese Ausfälle viele im Buch aufgeführte und nach wie vor von mir sehr respektierte und bewunderte DDR-Sportler mit in den Sumpf ziehen. Tragische Schicksale, wie die des Radsportlers Detlef Macha oder des Fußballers Reinhard Lauck, bleiben somit nur Fußnoten in diesem sowohl sprachlich als auch moralisch unterirdischem Buch.

Bewertung: 1 von 5

Montag, 24. August 2009

Urlaubsfotos (IV)

Mit etwas Verspätung hier die Bilder des fünften Urlaubstages, hauptsächlich aufgenommen auf meiner Solowanderung vom Prerower Nordstrand bis zum inzwischen geschlossenen Nothafen, über den Rundwanderweg am Darßer Ort zum Leuchtturm, diesen den urigen Weststrand entlang etwa 2 Kilometer hinter sich lassend und durch den Darßwald wieder zurück nach Prerow. Laufstrecke gesamt etwa 16-18 Kilometer.

Samstag, 22. August 2009

Urlaubsfotos (III)

Hier nun die Bilder vom letzten Donnerstag. Ich hab mir, während Göttergattin und Sohnemann ein Mittagsschläfchen hielten, das Fahrrad geschnappt und bin um den Bodstedter Bodden herum über Wieck nach Born geradelt. Dort hab ich mir die Fischerkirche und den dazugehörenden Friedhof angeschaut und bin dann auf dem Rückweg einem aufziehenden Unwetter entkommen. 

Nachmittags sind wir über den Prerower Friedhof und um die Seemannskirche geschlendert, ich konnte also mal wieder meinem Hang zu morbiden Fotos frönen.

Freitag, 21. August 2009

DVD-Rezensionen (156): Cars (2006)

(Cover: Amazon.de)

Größer hätte der Gegensatz gar nicht sein können. Nach ihrem mit "The Incredibles - Die Unglaublichen" bis dato erwachsensten und vor allem düstersten Film ließen die PIXAR ANIMATION STUDIOS das wohl am ehesten hauptsächlich Kinder ansprechendene Werk ihres Schaffens folgen: "Cars". Technisch wie immer über jeglichen Zweifel erhaben, hakt es doch bei der deutlich bemerkbar vom Michael J. Fox-Film "Doc Hollywood" inspirierten Handlung gewaltig.

Lightning McQueen ist ein schnöseliger Nachwuchs-NASCAR-Racer, der dennoch mit einigem Erfolg in der Serie unterwegs ist. Auf dem Weg zu einem entscheidenden Rennen in Kalifornien rollt er schlafend und unbemerkt aus seinem Transport-Truck und findet sich orientierungslos in der gottverlassenen Kleinstadt Radiator Springs wieder, deren Bewohner (wie alle Charaktere des Films Fahrzeuge) durch eine vor Jahren gebaute Umgehungsstraße praktisch unbemerkt von der Außenwelt leben. McQueen wird dazu verdonnert, die von ihm beschädigte Dorfstraße zu reparieren und muß einiges über sich, das Leben und moralische Werte lernen, ehe er wieder in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann.

Klingt unspektakulär - ist es im Grunde genommen auch. Wäre nicht die originelle Idee, Autos in jeglicher Form als Protagonisten zu verwenden (sehr witzig: trottelige Traktoren als Kühe, die man auch mal im Schlaf umschubsen kann), würde man nur schwerlich etwas nicht schon zigfach Gesehenes bewerten können. So bleibt ein gewisses Maß an Innovation und spielerischer Leichtigkeit erhalten. Damit und natürlich dem satten Bild und Ton kann die DVD eindeutig punkten.

Dürftiger sieht es schon darüber hinaus aus. "Cars" ist mit 116 Minuten eindeutig zu lang (alle übrigen PIXAR-Filme sind kürzer), dies verursacht sich quälend hinziehende Szenen mit geradezu bleiernen Dialogen. Der moralische Zeigefinger ist arg bemüht oben, dies nervt doch beträchtlich, wahrscheinlich macht sich hier der Einfluß des als sehr konservativ verschrieenen Publishers DISNEY bemerkbar.

Desweiteren hat die deutsche Fassung eine bestenfalls als mäßig zu bezeichnende Synchronisation spendiert bekommen, in der in diversen kleineren Rollen der bekannte Name mehr zählt als ein gewisses Talent für den Sprecherjob. Michael Schumacher als Ferrari F430 kann man noch akzeptieren, spricht er die Mini-Rolle doch auch im Original. Was aber seine Schwägerin Cora oder Franziska van Almsick für diese Aufgabe qualifizierte, dürfte das Geheimnis der Besetzungsagentur bleiben. Absoluter Tiefpunkt allerdings Niki Lauda als Plymouth Superbird "The King". Grausam! Ein Glück, dass man mit Rick Kavanian ein wahres Synchronisations-Multitalent verpflichtete. Sein von ihm gesprochener Fiat Nuova 500 Luigi und dessen Gehilfe, der Isetta-Gabelstapler Guido sind für mich die eigentlichen Stars des Films. Knuffig und mit unschlagbarem italienischen Charme.

Selbst die Single-Disc-Ausgabe der DVD bietet dennoch eine recht ansprechende Menge an Bonusmaterial. Neben zusätzlichen Szenen und diversem Kleinkram finden sich mit "Die Einmannband" und "Hook und das Geisterlicht" gleich zwei der für die kalifornische Animationsschmiede typischen Kurzfilme auf dem Silberling. Gerade ersterer ist zum Schießen, nicht umsonst 2006 für den Oscar nominiert!

"Cars" ist sicherlich kein Totalausfall, muß sich aber in der Hierarchie der PIXAR-Filme sehr weit hinten anstellen. Das Bonusmaterial und großartige Bild- und Tonqualität retten die Mittelwertung.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 20. August 2009

Urlaubsfotos (II)

Hier gibt es die Bilder des insgesamt dritten Tages. Diesmal nicht so viele, weil wir uns entschlossen, ob des schlechten Wetters am Vormittag am Nachmittag nach Stralsund zu fahren (wo das Wetter dann wieder bestens war) - insgesamt keine gute Entscheidung. Erstens wurde ich hinter Barth geblitzt, zweitens fand ich 14 Euro Eintritt pro Nase (zuzüglich einem Euro für die ziemliche sinnlose Fotoerlaubnis) anbetracht des Gebotenen im Ozeaneum ziemlich dreist. Wäre man doch bloß ins good old Meeresmuseum gegangen...

Die mit großem Tamtam beworbene begehbare Aquariumröhre ist lächerlich, weil gerade mal ein paar Schritte lang. Wir mir eine Bekannte kürzlich schrieb - das ist ein Aquarium!

Darüber hinaus hat es mir noch meine Sonnenbrille zerlegt, alles in allem also ein teurer und ziemlich miserabler Tag.

Mittwoch, 19. August 2009

Urlaubsfotos (I)

So...die Bilder des ersten Urlaubstages sind bearbeitet und hochgeladen.

Zur Erläuterung: vormittags Besuch der Prerower Seebrücke, nachmittags Fahrt mit Schaufelraddampfer-Nachbau auf den Prerowstrom über den Bodstedter Bodden bis zur Meiningenbrücke und zurück. Abends bin ich mit dem Rad nochmal zur Hohen Düne gefahren und hab ein wenig beim Sonnenuntergang geknipst.

Dienstag, 18. August 2009

CD-Rezensionen (155): Die Ärzte - Ab 18 (1987)

(Cover: Amazon.de)

Hört man sich die mit einer Indizierung der damals noch "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" betitelten Behörde (heute: Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) mit den Ohren aktueller Zeiten einmal an und vergleicht das mit dem Output der derzeitigen Hip Hop- oder z.T. auch Rockszene, dann bemerkt man schon ein wenig, dass vieles, was damals stante pede im BPjS-Giftschrank landete, heute keinen Indizierungs-Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Um heute noch in ähnlicher Weise wie Die Ärzte aus Berlin (auuuus Berlin!) zu provozieren, muss man schon ungleich härteres Geschütz auffahren.

Daher ist diese 1987 erschienene Mini-LP der Herren Doktoren eher als kurioses Sammelsurium ihrer Skandalsongs denn als ernsthaftes musikalisches Werk zu betrachten, auch wenn mit "Sie kratzt, sie stinkt, sie klebt", "Helmut K." und "Claudia II" gleich drei neue Songs für diesen in weiser Voraussicht in einer Art Selbstindizierung mit "Ab 18" betitelten Tonträger aufgenommen wurden.

Musikalisch gibt es den für die frühen Jahre typischen Wave- und Funpunk-Sound der Band zu hören, textlich reicht die Bandbreite von mangelnder Körperhygiene, Zoophilie, Inzest, BDSM bis Horror, also die gesamten Zutaten, für die in der Skandalphase der Band nahezu komplett Farin Urlaub verantwortlich zeichnete. Mein persönlicher Favorit unter den sieben Tracks von etwas mehr als 21 Minuten Spieldauer: "Sweet Sweet Gwendoline".

Bewertung: 3 von 5

Montag, 10. August 2009

Uuuuuuuurlaub!

Bis zum 17. herrscht hier jetzt Abwesenheit...Ostsee, wir kommen!

Sonntag, 9. August 2009

Buch-Rezensionen (155): In den Bergen Dalmatiens (1965)

(Cover: Amazon.de)

Im dritten Sammelband der Runkel-Reihe treffen Dig, Dag und Ritter Runkel auf die hartnäckigsten Gegner dieser Hauptserie - die Teufelsbrüder. An Bord des venezianischen Handelschiffs "Mirabella" werden sie an der Küste Dalmatiens in eine ausgeklügelte Falle dieser Seeräuberbande gelockt, die sich der Burg des serbischen Ritters Janos Koloda in dessen Abwesenheit bemächtigt haben. Nicht nur, dass die Protagonisten ihrer bequemen Reisegelegenheit in Richtung Orient beraubt werden - nun haben sich die Digedags auch noch um die Rettung einer von den Teufelsbrüdern gefangen gehaltenen morgenländischen Prinzessin zu kümmern. Die gemeinsame Flucht führt sie in Richtung der byzantinischen Grenze, wo eine Riesenüberraschung auf Dig und Dag wartet: eine Spur ihres verschollenen Gefährten Digedag! Doch die Teufelsbrüder sind ihnen nach wie vor dicht auf den Fersen...

Bunt und turbulent geht es in diesen original zwischen Juli und Dezember 1965 erschienenen MOSAIK-Heften zu. Mit den Teufelsbrüdern werden herrlich fiese Gegenspieler eingeführt, die in ihrer Trotteligkeit dennoch aber immer wieder für einen Lacher gut sind. Immerhin bis zum Septemberheft 1967 blieben Bogumil und seine Kumpane wichtige Bestandteile der Runkel-Serie.

Die Abenteuer an der Adriaküste sind spannend und kurzweilig erzählt, wie immer weitestgehend gewalt- und ideologiefrei und bieten mit der im letzten Heft dieses Buches auftauchenden "Strafakte Digedag" eine die Handlung auflockernde Unterbrechung und einen prima Cliffhanger zum nächsten Nachdruck-Band. Hier gibt es nix zu meckern oder zu diskutieren - Höchstwertung!

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 7. August 2009

DVD-Rezensionen (155): Fitzcarraldo (1982)

(Cover: Amazon.de)

Edel kommt sie daher, die vierte, vorletzte und wohl beste Zusammenarbeit des explosivsten Duos des deutschen Films. Die zwei DVDs stecken in einer grafisch sehr ansprechenden aufklappbaren Papphülle, die sich mitsamt einem Nachdruck von Werner Herzogs Produktionsnotizen in einem ebenfalls sehr schicken Schuber befinden. Wahrlich eine angemessene Aufmachung für ein Meisterwerk!

"Fitzcarraldo", unter riesigen Strapazen im peruanischen Dschungel gedreht, erzählt die Geschichte des von den Einheimischen "Fitzcarraldo" genannten Iren Brian Sweeney Fitzgerald (Klaus Kinski), der - besessen von der Idee, im Urwaldkaff Iquitos ein Opernhaus zu errichten - einen ganzen Flußdampfer von Indios über einen Berg ziehen lässt, um in den boomenden Kautschukhandel einzusteigen, da dieser seinen Lebenstraum finanzieren soll.

Dieser Film ist vor allem eins: unfassbar. Werner Herzog trotzte allen Widrigkeiten wie Geldmangel, Chaos und Entbehrungen bei der Produktion, dem Ausfall seines eigentlichen Hauptdarstellers Jason Robards, wodurch nach einem fast zur Hälfte fertiggedrehten Film wieder von vorn begonnen werden mußte, nun aber mit Herzogs "Hassliebe" Klaus Kinski in der Titelrolle. Alleine für die Tatsache, dies alles durchgestanden und darüber hinaus noch eine Sternstunde des deutschen und internationalen Autorenfilms abgeliefert zu haben, gebührt dem Regisseur höchster Respekt.

Neben dem Hauptfilm lohnt es sich ungemein, aufgrund der beigefügten 90minütigen Dokumentation Les Blanks "The Burden Of Dreams/Die Last der Träume" zu dieser 2DVD-Edition zu greifen. Man bekommt einen fantastischen Einblick hinter die Kulissen der Dreharbeiten, erahnt die Schwierigkeiten bei Klima, Technik und Logistik und darf Herzogs intelligenten philosophischen Überlegungen lauschen. Die gezeigten Szenen aus der ersten Drehfassung des Films lassen zudem erahnen, welche Bereicherung Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger in der Rolle des geistig minderbemittelten Wilbur für das Endprodukt gewesen wäre. Dass Jagger beim "2. Anlauf" terminlich verhindert war und seine Rolle daher komplett gestrichen wurde, darf als ganz eigene Tragik dieses Projekts gewertet werden.

Was die Doku allerdings elegant ausblendet: wie üblich krachte es während der irrsinnig anstrengenden Zeit im Amazonas-Dschungel gewaltig zwischen den beiden Antipoden Herzog und Kinski. Das Getobe des Mimen ging bekanntlich soweit, dass sich die als Komparsen angeheuerten Ureinwohner erboten, Kinski für Herzog zu töten. Um dies auch anhand von Bild und Ton nachvollziehen zu können, sei an dieser Stelle Herzogs fantastsischer Dokumentarfilm "Mein liebster Feind" empfohlen.

Bild und Ton der DVD sind zwar keine Referenzklasse, dies ist hier aber auch gar nicht der Anspruch. Dafür entschädigen großartige Landschaftsaufnahmen, ein entfesselter Kinski, eine monumentale Materialschlacht von geradezu katharsischer Wucht, kurz gesagt: einer der wohl besten deutschen Filme aller Zeiten!

Bewertung: 5 von 5

Donnerstag, 6. August 2009

Links, 2, 3, 4... (011)

Comics waren in der DDR ein eher verpöntes, weil westliches, Kulturgut. Daher firmierten sie auch unter dem etwas sperrigen Titel "Bildergeschichten" und fristeten ein eher geduldetes Dasein, wenn sie nicht gleich politisch-propagandistischen Charakters waren. Dennoch brachten es einige Erscheinungen, wie das legendäre MOSAIK, zu beträchtlicher Popularität. Eine Seite, die sich der Geschichte, Vielfalt und Entwicklung der Materie widmet, ist ddr-comics.de. Dort werden Hefte und Zeichner vorgestellt, sowie zahlreiche Bildbeispiele präsentiert. Auch in DDR-Zeitschriften veröffentlichte Werke ausländischer Autoren finden Erwähnung. Ideal zum Stöbern, Lernen und Erinnern!

Mittwoch, 5. August 2009

Nachtgedanken (068)

Heute wieder einmal etwas für den Erotomanen in uns. Bruno Ertler (1889-1927) zeichnet als Autor für "Liebesnacht" verantwortlich. Viel Vergnügen...

Es gibt keine Welt –
es gibt keinen Tod –
kein drängendes Irren mehr
und kein Morgen-Erwarten.

Reiner Bereitschaft zuckendes, großes „Ja!“
hüllt uns in jauchzende Brände
wollender Kraft –
und der Rausch, der aus uns aufloht,
reißt mit heilig frevelnder Gebärde
den glühenden Schöpferstab
aus der Hand Gottes
und zieht einen funkelnden Bannkreis
um unser Lager.

Aufschäumende, du!
Acker von Frühlingserde
unter dem ersten Pflug!

Sieh: Meines Denkens formender Wille
ist ein schöpfendes Dich-Gestalten
aus dem Anfang der Welt –
der reißende Schlag meiner heißen Adern
tönt das Urlied vom Garten Eden in meine Schläfen:

„Zwei Menschen waren allein auf aller Erde
und waren Form.
Doch da Liebe sie überfiel,
bäumte sich ihnen Lust und Schmerz
in einem begehrend feindlich umschlingenden,
in wilder Einheit endlos verklingenden
einzigen Schrei –
und sie lebten!“

Es gibt keine Welt –
kein Morgen mehr –
keinen Tod –
keine Frage –
nur tiefer Einheit volle Ewigkeit.

Dienstag, 4. August 2009

Nachtgedanken (067)

Heute wieder aufgrund meiner Frühschicht zu zeitiger Stunde. Christian Morgenstern (1871-1914) ist hauptsächlich für seine bizarr-absurden Gedichte bekannt geworden. Doch der gebürtige Münchener hatte weitaus mehr zu bieten. Aus einem völlig anderen Bereich als den berühmten "Galgenliedern" habe ich für heute "Wir fanden einen Pfad" herausgesucht.

So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergisst, -
sie aber strahlt und leuchtet unaufhörlich, -
so mag man Dein an trübem Tag vergessen,
um wiederum und immer wiederum
erschüttert, ja geblendet zu empfinden,
wie unerschöpflich fort und fort und fort
Dein Sonnengeist uns dunklen Wandrern strahlt.

Montag, 3. August 2009

CD-Rezensionen (154): Diesel Christ - Gas Food Lodging (1993)

(Cover: Amazon.de)

Die längst verblichenen Depeche Mode-Epigonen von Diesel Christ taten sich in der Erinnerung von Fans des Synthiepop-Genres hauptsächlich mit zwei "Diesel Mode"-Alben (1993 und 1997) hervor, auf denen sie unoriginellerweise Songs ihrer britischen Vorbilder coverten. Im selben Jahr wie das erste Tribute-Album erschien mit "Gas Food Lodging" ein aufgrund der Anzahl der Tracks eher als EP anzusehender Tonträger mit eigenen Stücken.

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Depeche Mode-Sounds allgegenwärtig. Eröffnet "America" die CD noch durchaus eigenständig mit sattem Groove und ordentlichem Gitarrenbrettern, ist spätestens bei "Dinosaur" der Einfluß des (damals noch als Quartett existierenden) Basildoner Klangkollektives deutlich erkennbar. Dazu passt, dass Sänger Tom Berger - wie zahlreiche Spartenkollegen auch - partout versucht, wie Dave Gahan zu klingen, was im Vergleich mit dem Original natürlich in die Hose gehen muss.

"Gimme Your Gasoline" darf als erster Schwachpunkt der Platte angesehen werden, zu uninspiriert dudelt der wüste Sound-Mix aus den Boxen. Das sich den Titel des berühmten Roman-Klassikers von Philip K. Dick ausborgende "Do Androids Dream Of Electric Sheep?" ist schon deutlich besser, feiner Synth-Rock! Richtig übel wird es daraufhin allerdings mit "Nirvana". Der Song beginnt mit einer Art Stammesgesang und verwandelt sich dann in eine völlig austauschbare Gitarrenballade mit leichten Anleihen bei Chris Isaak und Angelo Badalementis "Twin Peaks"-Soundtrack.

Wenig gehaltvoll auch das bemühte "Nowhereland" und als absoluter Tiefpunkt der CD das völlig hektische "Dangerous". "Dust" hat aber immerhin das Potential zur Hymne, lehnte man es doch stark an die experimentellen Depeche Mode der Mitt-Achtziger an.

Was soll man nun abschließend von diesem Diesel Christ-Werk halten? Zu wechselhaft das Ganze, mehr Schatten als Licht, zu offensichtlich die Absicht, wie jemand ganz anderes klingen zu wollen. Doch nicht alles ist übel. Berücksichtigt man die einzelnen Highlights, erhält man ein eher durchschnittliches, aber durchaus nicht unhörbares Synthiepop-Album.

Bewertung: 3 von 5

Sonntag, 2. August 2009

Ilona Christen †

(Foto: FAZ.net)

Wie erst heute bekannt wurde, ist die frühere TV-Moderatorin Ilona Christen in der letzten Woche überraschend im Alter von 58 Jahren gestorben. Die sowohl mit dem "ZDF-Fernsehgarten" als auch mit der nach ihr benannten nachmittäglichen RTL-Talkshow bekannt gewordene Christen hatte sich nach einem schweren Sturz ein Hämatom zugezogen, dass sich zu einer akuten Blutvergiftung entwickelte, an deren Folgen die seit 1982 in der Schweiz Lebende verstarb.

Buch-Rezensionen (154): Horst Wenzel - Westwärts zu den Molukken (1972)

(Cover: Amazon.de)

In diesem 1972 in der DDR erschienenen Kinder- und Jugendbuch (damalige Altersempfehlung des Verlags: ab 12 Jahren) wird die erste Weltumsegelung durch Fernão de Magalhães (Ferdinand de Magellan) von 1519 bis 1522 geschildert. Grundlage des Buches waren (wie bei vergleichbaren Werken über diese Fahrt auch) die Aufzeichnungen des italienischen Expeditionsteilnehmers Antonio Pigafetta, der im Roman auch als eine der Hauptfiguren agiert und aus dessen Perspektive anhand von Tagebucheintragungen oftmals erzählt wird.

Horst Wenzel - später in der kirchlichen Bürgerrechtsbewegung der DDR aktiv - versteht es, die Abenteuer dieser Sternstunde der Seefahrt spannend zu schildern, neben vielfältigen Beschreibungen ferner Regionen und Völkerschaften werden auch die tatsächlichen historischen Ereignisse, wie unter anderem der gewaltsame Tod Magellans auf der heute zu den Philippinen gehörenden Insel Mactan am 27. April 1521 in literarischer Bearbeitung erzählt. Neben den in überschaubarer Anzahl vorhandenen Illustrationen von Uwe Häntsch im Romantext enthalten die Coverinnenseiten des Taschenbuchs noch Übersichtszeichnungen des Karavelle-Schiffstyps in Außen- und Schnittansicht.

Die Frage, ob der Sprachstil eines über 35 Jahre alten Buches die heute an Tempo gewöhnten jüngeren Leser noch anzusprechen vermag, dürfte schwierig zu beantworten sein. Auf jeden Fall bietet "Westwärts zu den Molukken" allerdings interessanten Geschichtsunterricht, nicht nur für die jüngere Lesegeneration. Fans des populären historischen Romans dürfen sich gleichfalls angesprochen fühlen.

Bewertung: 4 von 5

Samstag, 1. August 2009

Corazon Aquino †

(Foto: SPIEGEL.de)

So wie der kürzlich verstorbene Raúl Alfonsín für Argentinien war die heute im Alter von 76 Jahren einem Darmkrebsleiden erlegene Corazon Aquino für die Philippinen eine Art Neustart in die Demokratie nach einer Diktatur. Frau Aquino verlor ihren Mann beim Kampf für demokratische Verhältnisse, ihr Regierungsstil war aber niemals von Rache geprägt. Asien hat eine tapfere und vorbildliche Frau verloren. R.I.P.

Freitag, 31. Juli 2009

Sir Bobby Robson †

(Foto: fuldaerzeitung.de)

Eine der Fußballtrainerlegenden Englands ist heute im Alter von 76 Jahren einem Lungenkrebsleiden erlegen. Sir Robert „Bobby“ William Robson führte das englische Team bei der Fußball-WM 1986 in Mexiko ins Viertelfinale, wo man gegen den späteren Champion Argentinien durch die zwei berühmtesten Tore Diego Maradonas (die "Hand Gottes" und das "WM-Tor des Jahrhunderts").  ausschied. Beim Turnier vier Jahre darauf in Italien war im Halbfinale gegen den kommenden Weltmeister Deutschland durch ein verlorenes Elfmeterschießen Endstation, die fairen Gesten des Sportsmanns Bobby Robsons gegenüber den Siegern werden mir unvergessen bleiben. Ein Großer der Zunft hat den finalen Abpfiff gehört - R.I.P.!

DVD-Rezensionen (154): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 22 - Vorrunde 1978 BR Deutschland-Mexiko (6:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Stellt das 8:0 von DVD 21 den bis heute gültigen deutschen WM-Rekord dar, hat man es hier mit der bis dahin gültigen Bestmarke zu tun, dem 6:0 beim Debakel-Turnier in Argentinien, dem einzigen Sieg bei dieser WM.

So schwach, wie es das Ergebnis ausdrückt, waren die Mexikaner gar nicht, allerdings ging spätestens nach dem 3:0 kurz vor der Pause und dem danach durch einen Zusammenprall des Torhüters José Pilar Reyes mit Rummenigge notwendigen Wechsel auf dieser Position sämtliche Ordnung der Hintermannschaft flöten. Und so konnten sie glänzen, der "schöne" Hansi Müller, sein Namensvetter Dieter, Heinz Flohe mit zwei Toren plus einem Billardschuß an beide Pfosten und natürlich auch Karl-Heinz Rummenigge beim einzigen verletzungsfreien seiner drei WM-Turniere. Speziell das Tor zum 3:0 - sensationell!

Wurden die beim Österreich-Spiel gesichteten Frisurentgleisungen auf deutscher Seite bereits erwähnt, kann man hier bei den Mexikanern mit dem späteren Trainer der dortigen Frauen-Nationalmannschaft Leonardo Cuéllar ein wahres Afro-Ungetüm bewundern, das in der Liga von Kolumbiens Carlos Valderrama spielt...

Leider gibt's wieder die üblichen kleinen Fehler im Heft zu bekritteln, völlig unverständlich, warum einem Fallrückzieher-Foto korrekt der der Name Hugo Sánchez zugeordnet wird, während im gleich daneben stehenden Text diese Aktion in der ersten Halbzeit fälschlicherweise Cuéllar zugeschrieben wird.

Bewertung: 4 von 5

CD-Rezensionen (153): Beborn Beton - Fake (1999)

(Cover: Amazon.de)

Insgesamt 18 Titel bekommt man auf den beiden CDs der deutschen Elektropopper zu hören. Zehn auf der regulärem Album, sowie acht Remixe der Songs "Poison", "Vorbei", "Peach", "Rain", "Too Emotional", "See You In Heaven" und "Phoenix" auf der beigefügten EP.

Synthiepop der klassischen Machart wird geboten, dies aber gar nicht mal übel, wenn mir auch gelegentlich Stefan Netschios verschnupft-näselnde Stimme (die dennoch stellenweise an Marcus Meyn von Camouflage erinnert) etwas gewöhnungsbedürftig erscheint. Aber gerade die ersten drei Songs haben es mir angetan, danach flacht die Qualität bei "Peach" und "Forever" etwas ab, erst "See You In Heaven" und "Too Emotional" können mich wieder überzeugen. "Rain" und "The Only Fool" sind auch noch vertretbar, richtig übel geht es aber bei "Vorbei" zu Werke.

Die Remixe sind auch von wechselhafter Qualität. "Vorbei" wird im "Groovyhead Mix" nicht wirklich besser, allerdings kitzelt der "El Presidente Shuffle Mix" nochmal einiges aus "Poison" heraus, ebenso wie der "Minimilistic Love Mix" aus "Rain". Ansonsten herrscht auf diesem Bonusteil gepflegte Langeweile.

Insgesamt also etwas zu viel Licht und Schatten auf einmal, daher die Durchschnittswertung.

Bewertung: 3 von 5

Mittwoch, 29. Juli 2009

Buch-Rezensionen (153): Eoin Colfer - Artemis Fowl (Hörbuch) (2001)

(Cover: Amazon.de)

Was mußten sich gerade die ersten Bände der vom irischen Lehrer Eoin Colfer geschrieben Reihe rund um den hochbegabten und dennoch schwerkriminellen Jugendlichen Artemis Fowl nicht alles an Vorwürfen gefallen lassen! Harry Potter-Abklatsch, wüster Mischmasch aus Fantasy und Science Fiction, Verherrlichung von Gesetzesbruch und, und, und... Glücklicherweise waren mir diese völlig haltlosen Anschuldigungen weitestgehend unbekannt, als mir vor nunmehr einigen Jahren das Hörbuch zu diesem ersten Band in die Hände fiel. Und aus heutiger Sicht muß ich - um einen unsterblichen Filmklassiker zu zitieren - einfach feststellen: "Frankly, my dear, I don't give a damn..."

Im erstem, einfach unter dem Namen des Titelhelden erschienenen, Buch entführt der 11jährige Artemis, Sohn eines in Russland verschollenen irischen Gangsterbosses, mit der Elfe Holly Short eine Angehörige des geheimnisvollen Erdvolkes, von dem er durch seine Forschungen Kenntnis erhalten hat. Fowl, der von den sagenhaften Reichtümern der Unterirdischen weiß, will ein stattliches Lösegeld erpressen und ist durch den Besitz eines alle Gesetze und Regeln der magischen Gestalten enthaltenden Buchs dem folgenden High Tech-Befreiungsversuch der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP) immer einen Schritt voraus...

Den Reiz zieht das Buch vor allem aus dem nicht nur mit Magie sondern auch mit technisch ausgefeiltesten Mitteln geführten Einbruch der unterirdischen Truppen in das herrschaftliche Anwesen der Familie Fowl. Zudem bekommt man grundlegende Einblicke in für den weiteren Verlauf der Reihe wichtige Entwicklungen im unterirdischen Staat, lernt vielerlei skurrile und geradezu liebenswerte Charaktere kennen und kommt nicht umhin, den trotz seiner kriminellen Energie höchstens zum Anti-Helden taugenden Halbwüchsigen für seine Genialität zu bewundern.

Besondere Klasse erhält das Hörbuch natürlich durch den wieder zu Höchstform auflaufenden Rufus Beck. Vielleicht rührt ein Vergleich mit der Pottersaga auch von daher, dass er ebenfalls für deren Audioproduktionen verantwortlich zeichnete. Und so kommt es schon vor, dass sich die eine oder andere Stimmfärbung ähnelt. Beispielsweise geht Fowls Diener Domovoi Butler durchaus als Hagrid durch, allerdings kreiert der Schauspieler auch wieder absolut neue Stimm- und Sprachfärbungen. Dem kleptomanischen Zwerg Mulch Diggums, meinem erklärten Liebling aller Fowl-Bände, verpasst Beck ein dermaßen deftiges Bayrisch, dass es den Hund mitsamt der Hütte schüttelt - ganz großes Tennis!

Die absolute Höchstwertung erreicht der Auftakt allerdings noch nicht, folgen doch noch durchaus bessere Bände...

Bewertung: 4 von 5

Nachtgedanken (066)

Für die heutigen "Nachtgedanken" habe ich eine wahre Geistesgröße des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts herausgesucht - Stefan George (1868-1933).  In seinem Umfeld, dem sogenannten "George-Kreis", der unter anderem die mysteriöse "Geheimes Deutschland"-Idee entwickeln sollte, versammelten sich neben bekannten Dichtern auch der spätere Hitler-Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seine Brüder. Das (in originaler Kleinschreibung belassene) Gedicht trägt den Titel "Ihr wisst nicht wer ich bin".

Ihr wisst nicht wer ich bin.. nur dies vernehmt:
Noch nicht begann ich wort und tat der erde
Was mich zum menschen macht.. nun naht das jahr
In dem ich meine neue form bestimme.
Ich wandle mich doch wahre gleiches wesen
Ich werde nie wie ihr: schon fiel die wahl.
So bringt die frommen zweige und die kränze
Von veilchenfarbenen von todesblumen
Und tragt die reine flamme vor: lebt wohl!
Schon ist der schritt getan auf andre bahn
Schon ward ich was ich will. Euch bleibt beim scheiden
Die gabe die nur gibt wer ist wie ich:
Mein anhauch der euch mut und kraft belebe
Mein kuss der tief in eure seelen brenne.

Montag, 27. Juli 2009

DVD-Rezensionen (153): Pirates Of The Caribbean - Am Ende der Welt (Special Edition) (2007)

(Cover: Amazon.de)

Das derzeitige Hollywood-Blockbusterkino leidet an mehreren Unsitten. Da wäre zum einen die totale Überfrachtung der Filme mit CGI-Effekten, die per purer optischer Überrumpelung Schwächen in Plot und Charakterzeichnung überdecken sollen. "Logiklöcher? Ach wurscht, Hauptsache es rumst ordentlich und TV MOVIE & Co hauen bestimmt wieder eine Spitzenbewertung raus... *proll*"

Doch dies ist nur der Anfang der Problemkette. Genau so ärgerlich ist der Umstand, dass heutzutage ein einmal erfolgreicher Film gemolken wird, bis es quietscht. Auf die Parallelen zwischen der "Pirates Of The Caribbean" und der MATRIX-Trilogie wurde schon oft hingewiesen. Ein prima - das jeweilige Genre neu belebender - Erfolgsfilm, in der Handlung völlig abgeschlossen und somit nicht fortse