Freitag, 15. Juli 2011

CD-Rezensionen (223): Alphaville - Catching Rays On Giant

(Cover: Amazon.de)

Ich gebe gern zu, dass die Karriere Alphavilles nach den beiden Erfolgsalben "Forever Young" (1984) und "Afternoons in Utopia" (1986) auch etwas aus meinem Gesichtsfeld gerückt war. Ein Konzertbesuch Mitte der 90er stellte sich als schwerverdauliches Rockspektakel heraus, das die in der Jugend liebgewonnen Songs nur noch erahnen ließ. Nach vielen Jahren ohne neue Plattenveröffentlichung trat die neuformierte Band um Sanges-Urgestein Marian Gold 2010 also mit einem neuen Silberling an. Die grandios aus der Zeit gefallen zu scheinende Vorab-Single "I Die For You Today" hatte mich durchaus aufhorchen lassen. Ein wenig Retro-Content für den geneigten Synthie- und 80er-Fan - ja warum denn nicht?

Alles klingt also vertraut. Meister Gold erreicht immer noch problemslos selbst höchste Töne, die Arrangements sind gewohnt bombastisch und nicht selten fängt den Hörer eine geschickt geführte Melodielinie ein. Das mag man als unmodern verdammen und laut "Stillstand!" krähen. Aber mal ganz ehrlich: Muss das Rad immer wieder neu erfunden werden? Gerade solch eine putzige Mini-Perle wie "The Things I Didn't Do" zaubert mir mit seinen an ereignisreiche Jugendjahre gemahnenden Sounds stante pede ein Lächeln auf's Antlitz. Man dankt!

Auch bei den Balladen wie beispielsweise "Heaven On Earth (The Things We've Got To Do)" oder dem stellenweise etwas nach einer Mischung aus Vangelis und Reamonn klingenden "The Deep" wird gewohntermaßen etwas zu tief in der Kitsch- und Bombastdose gekramt. Ob mir so etwas zusagt, ist dann bei mir wahrlich tagesabhängig. Komplettausfälle gibt es ohnehin kaum, auch wenn "Call Me" schon den Blinker in Richtung Schlager-Reservat á la "Der Wendler" gesetzt hat und nur dank des energischen Refrains in der Spur bleibt. Glücklicherweise pustet einem das wilde "Gravitation Breakdown" umgehend den Zweifel aus dem Kittel.

Mit einigen plätschernden Füllern ("Carry Your Flag","Call Me Down") reißt man zwar die Höchstwertungs-Latte, aber dank Retro-Schmankerln wie "Phantoms" oder dem ruhig-beschließenden "Miracle Healing" darf man sich durchaus die Vizemeisterschaft ans Revers tackern. Feine Sache!

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 28. Juni 2011

Soundtrack Of My Life (043): Artists United Against Apartheid - Sun City (1985)

Mehr als einmal hab ich mich in dieser Blogkategorie über den Fakt ausgelassen, dass die Videoflut der MTV-Ära an der DDR aus verschiedensten Gründen vorbeirauschte, solange man nicht das Glück hatte, halbwegs störfrei "Formel Eins" oder ähnliche Formate zu empfangen - freilich nur außerhalb des "Tals der Ahnungslosen". Man gierte natürlich ebenso wie seine Altersgenossen im Westen nach den neuesten Clips, musste sich aber höchstens mit Bildern von TV-Auftritten begnügen, die das DDR-Fernsehen aus Italien (Festival von Sanremo) oder anderswo übernahm, ich erinnere mich beispielsweise an ein längeres Special mit 10CC, das man in Bulgarien eingetütet hatte. Noch seltener waren dann Auftritte eben jener Bands im "Konsum TV", wobei die Devise galt: je harmloser, je besser. Ein Billy Idol oder Sigue Sigue Sputnik hier auf dem Schirm? Undenkbar!

Ganz anders stellte sich die Lage dar, wenn es um politische Dinge ging. Konnte man ein sozialkritisches oder anderweitig gegen den "Klassenfeind" verwendbares Stück erkennen, wurde vieles möglich gemacht und pronto der Videoclip auf dunklen Kanälen besorgt. Das lief dann aber auch auf Heavy Rotation und man nahm das schon alleine mangels anderweitiger Masse gerne an. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Song "Sun City" des All-Star-Projekts "Artists United Against Apartheid" aus dem Jahr 1985. Ein beachtenswertes Projekt, das sich anhand des aus dem südafrikanischen Busch gestampften Luxus-Vergnügungsressorts, welches dem Stück den Namen gab, mit der Apartheidpolitik des Landes auseinander setzt. Sehr gefälliges Stück, die Rockfraktion ist in Gestalt von Bono, Bruce Springsteen, Peter Garrett und anderen ebenso vertreten wie die Hip-Hopper (u.a. Run DMC, Kurtis Blow oder Afrika Bambaataa). Die Message gekoppelt mit einem gerüttelt Maß an afrikanischem Beat - kommt immer noch gut!

Freitag, 24. Juni 2011

Buch-Rezensionen (223): Anonyma - Eine Frau in Berlin (1954/2003)

(Cover: Amazon.de)

Viel und kontrovers ist über dieses Buch diskutiert worden. Da wurde zum einen über die Identität der Autorin als auch über die Echtheit der geschilderten Ereignisse aus dem Berlin des Zusammenbruchs im Frühjahr des Jahres 1945 gestritten. Und auch wenn sich die Nebel gelichtet haben, die 2001 verstorbene Journalistin Marta Hillers als Autorin des 1954 erstmals in englischer Sprache veröffentlichten Buchs identifiziert wurde, bleiben bei mir dennoch Irritationen über die Authentizität der als reale Tagebucheintragungen deklarierten Schilderungen sexueller Gewalt zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Warum ist das so?

Historisch unstrittig ist, dass das Vorrücken der Roten Armee in Deutschland von hunderttausendfachen Vorfällen von Vergewaltigung begleitet wurde, welche nicht selten mit dem Tode der Opfer endeten. Die im Buch dargestellten Gräuel entspringen also nicht purer Phantasie, ebensowenig wie die mehrfach belegte Taktik potentiell gefährdeter Frauen, sich mit Hilfe einer Beziehung zu einem möglichst hochrangigen Offizier eines gewissen Schutzes zu versichern. So weit, so gut. Unglaubwürdig wirkt auf mich allerdings der vermittelte Eindruck, unmittelbar nach überstandenen Gewaltakten literarisch druckreife Tagebucheinträge zu verfassen. Vielmehr halte ich "Eine Frau in Berlin" für ein nachträglich verfasstes Werk, ein Eindruck, der durch das Gutachten Walter Kempowskis nicht restlos entkräftet wurde. Diese Literarisierung trübt den Gesamteindruck ein ums andere Mal.

Nichtsdestotrotz ein erschütternder Zeitzeugenbericht aus einer dunklen Phase deutscher Zeitgeschichte.

Bewertung: 4 von 5

Sonntag, 19. Juni 2011

Soundtrack Of My Life (042): Holly Johnson - Americanos (1989)

Wie bereits mehrfach hier erwähnt, absolvierte ich meine Lehre in den Jahren 1988 bis 1991 etwa 70 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt im beschaulichen Radeberg bei Dresden. Mit 16 fernab der elterlichen Aufsicht im Internat den Hauptteil seiner Zeit zu vollbringen, war natürlich eine aufregende und prägende Erfahrung. Mädels, Partys und Spaß, für viel mehr zeigte man wenig Interesse, gleich gar nicht für den nur störenden Schulkram. Da der Großteil der Klasse ebenfalls abseits der Heimat unter dem gleichen Dach residierte und man somit permanent miteinander zu tun hatte, bildete sich ein verschworener Haufen, aus dem eine Ehe und mehrere lebenslange Freundschaften resultieren.

Man ging also auch gerne und oft gemeinsam feiern, eine der eindruckvollsten Feten im Sommer des Jahres 1989 ist mir ganz besonders in liebevoller Erinnerung geblieben. Unsere ganze wilde Horde rückte damals ins idyllische Karlswaldbad im benachbarten Arnsdorf ein, in dem damals eine Sondersendung der Radioshow "Musikalische Luftfracht" des Senders Radio DDR I aufgezeichnet bzw. live gesendet wurde, dies ist mir nicht mehr genau bekannt. Moderator Peter Niedziella, eine der wirklich aufregendsten Stimmen des Landes, gab höchstselbst den DJ, erfüllte geduldig unsere Musikwünsche und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als einer meiner Mitstreiter etwas angeschicksert sein Pult enterte, ihm auf die Schulter klopfte und ihm attestierte, "der Geilste" zu sein.

Musikalisch gab es an diesem Abend ohnehin nichts zu löten, war doch die musikalische Luftfracht" einer der Anlaufpunkte, wenn es darum ging, fein säuberlich ausgespielte (wen scherte in der DDR Urheberrecht?) Aktualitäten westlicher Bauart auf den heimischen Kassettenrecorder zu bannen. "Voyage, Voyage" von Desireless war beispielsweise durch die "Luftfracht" im Osten schon mehrere Monate ein Hit, ehe der Frenchpop-Song auch in den bundesdeutschen Charts zündete und sich zur meistverkauftesten Single des Jahres 1987 mauserte.

Und so ist mir neben vielen anderen Krachern ganz besonders Holly Johnsons '89er Single "Americanos"als schöne Erinnerung an einen Abend im Gedächtnis geblieben, bei dem einer meiner Zimmergenossen nicht mehr ganz senkrecht auf den Bahnsteig des Radeberger Bahnhofs purzelte, sich am Vorabend noch wild knutschende Klassenkameraden am nächsten Tag partout an akuter Amnesie litten oder ein Wildpinkler zur Kasse gebeten wurde, dies aber durch clevere Pfandglas-Sammelei mehr als wett machen konnte.

Die an diesem Abend von Peter Niedziella persönlich signierte Autogrammkarte habe ich bis heute.

Samstag, 14. Mai 2011

ESC Liveblog

Ich verfolge den Eurovision Song Contest mit einer mehrjährigen Unterbrechung in der ersten Hälfte der 90er seit mindestens 1987. Als Trashformat aufgefasst, geht das auch fürt einen Hetero-Mann völlig in Ordnung. In den letzten Jahren haben mehrere Gleichgesinnte das immer live mitkommentiert, heute mach ich das mal in meinem eigenen Refugium alleine. Im Gegensatz zu meinen sonstigen Gepflogenheiten hab ich sogar einige der Finalsongs vorab angehört.

+++ Der Auftakt mit dem von Stefan Raab als Bombast-Rockabilly-Nummer aufgetischten Vorjahressiegersong "Satellite" ist schon rein optisch der Brecher! Da blastern meine TV-Gebühren aber ordentlich durchs Gebälk - Hammer!!!

+++ Startnummer 01: Finnland - Paradise Oskar: "Da da dam"

Angeblich einer der Favoriten. Aber trotz des netten Erd-Aufgangs auf der LED-Wand für meinen Geschmack zu brav.

+++ Startnummer 02: Bosnien-Herzegowina - Dino Merlin: "Love in Rewind"

Sakko und Hose scheinbar aus der Rot Kreuz-Spendentonne, aber cooles Lied mit balkaneskem Feta-Faktor - gefällt!

+++ Startnummer 03: Dänemark - A Friend in London: "New Tomorrow"

Geklaut. Geklaut. Geklaut. Das ist alles was mir dazu einfällt. Am meisten wohl bei Paolas (!) "Der Teufel und der junge Mann" und bei Paso Dobles/Blümchens "Herz an Herz". Ganz schlimm.

+++ Startnummer 04: Litauen - Evelina Sašenko: "C'est ma vie"

Zu aufgesetzt dramatisch. Wird wohl nur dank der Nachbarschaftshilfe nicht untergehen.

+++ Startnummer 05: Ungarn - Kati Wolf: "What About My Dreams?"

Och nö. Reißbrett-Eurodance meets unvorteilhaftes Kleid. Muss ich nicht haben.

+++ Startnummer 06: Irland - Jedward: "Lipstick"

Klar sind diese Tollenmonster albern. Aber wirklich ein echter "Catchy Tune". Wird wohl, wenn nicht alles komisch läuft, um den Sieg mitwürfeln. Hab ich nicht mal was dagegen.

+++ Startnummer 07: Schweden - Eric Saade: "Popular"

Neeeeeeeerv. Aber Eye Candy für die schwule ESC-Community und kleine Mädels. Völlig überladen.

+++ Startnummer 08: Estland - Getter Jaani: "Rockefeller Street"

Typischer Fall von zu vielen Showeffekten, die vom mittelprächtigen Song ablenken sollen. Aber der erklärte Liebling von Lukas Heinser, dessen zusammen mit Stefan Niggemeier produziertes ESC-Videoblog duslog.tv ich jeden Tag mit großem Vergnügen verfolgt hab. Nett, mehr nicht.

+++ Startnummer 09: Griechenland - Loucas Yiorkas feat. Stereo Mike: "Watch My Dance"

Furchtbar unangenehme Rap-Stimme und der übliche Zaziki-Faktor. Der Gattin gefällt's, mir nicht. Nun ja, 12 Punkte aus Zypern sind sicher.

+++ Startnummer 10: Russland - Alexej Vorobjov: "Get You"

Uh, oh, Fatzkealarm. Dazu eingekaufter Lady Gaga-Sound. Wird wohl gut abschneiden, aber näää...nix für meiner Mutter Sohn...

+++ Startnummer 11: Frankreich - Amaury Vassili: "Sognu"

Bolero-Rhythmus und trotz leichtem Versinger großartige Stimme. Aber ob das eine Chance hat? Hätte nix dagegen!

+++ Startnummer 12: Italien - Raphael Gualazzi: "Madness Of Love"

Das ist doch mal eine richtig coole Jazznummer, die die lange abwesenden Italiener da geschickt haben. Wird wohl leider untergehen...

+++ Startnummer 13: Schweiz - Anna Rossinelli: "In Love for a While"

Irgendwie kenne ich das von irgendher. Schlechtes Zeichen...

+++ Startnummer 14: Großbritannien - Blue: "I Can"

Joah. Wenn man sich die Gurken ins Gedächtnis ruft, die das Vereinigte Königreich regelmäßig zu den letzten Contests schickte, ist das doch eine deutliche Verbesserung. Nicht der Überhammer, aber ich find's ordentlich. Könnte aufgrund des Bekanntheitsfaktors der Band gut abschneiden.

+++ Startnummer 15: Moldau - Zdob si Zdub: "So Lucky"

Peter Urban am Kommentatorenmikro ist heute äußerst zahm, schade. Und hab mich gern mit "Moldau". Das ist ein Fluß in Tschechien und kein Land. Für mich ist und bleibt das Moldawien und aus! Feinster Gartenzwerg-Trash übrigens. Wird was reißen, jede Wette!

+++ Startnummer 16: Deutschland - Lena: "Taken by a Stranger"

Ich gebe es gerne zu: ich liebe den Song nach wie vor. Und die Performance jetzt war (vielleicht zu?) düster und daran gab es nix zu löten. Egal, wie sie letztendlich abschneidet - das war gut!!!

+++ Startnummer 17: Rumänien - Hotel FM: "Change"

Wat'n Unterschied. Sorry, aber: gähn.

+++ Startnummer 18: Österreich - Nadine Beiler: "The Secret is Love"

Ich glaub die Zeit der Power-Balladen ist vorbei, auch wenn eine tolle Stimme am Werk ist. Scheiß-Frise, BTW.

+++ Startnummer 19: Aserbaidschan - Ell/Nikki: "Running Scared"

12 Punkte aus der Türkei können als gebucht vorausgesetzt werden. Ansonsten perfekte Radionummer, gar nicht so übel, auch wenn ich bei "seinem" Anblick ein gewisses Grinsen nicht unterdrücken kann.

+++ Startnummer 20: Slowenien - Maja Keuc: "No One"

Öde Nummer, stimmlich nahe Anastacia. Aber nettes Kleidchen.

+++ Startnummer 21: Island - Sjonni's Friends: "Coming Home"

Das ist doch mal hübsch altmodisch, ich mag sowas. Ich glaub allerdings nicht, dass die tragische Hintergrundgeschichte etwas mit dem Abschneiden zu tun haben wird. Von mir Daumen hoch.

+++ Startnummer 22: Spanien - Lucía Pérez: "Que me quiten lo bailao"

Tralala, hüpf. Tralala, hüpf. In Abwandlung eines DDR-Film-Titels: Und nächstes Jahr am Ballermann.

+++ Startnummer 23: Ukraine - Mika Newton: "Angel"

So eine Sand-Nummer hab ich vor Jahren mal auf YouTube entdeckt, das begeistert nicht jahrelang. Und die Aushilfs-Aguilera am Mikro reißt mich auch nicht vom Hocker.

+++ Startnummer 24: Serbien - Nina: "Caroban"

Da ich bekennender 60ies-Fan bin, finde ich die Nummer richtig schnieke. Ist zwar sehr ungewohnt, sowas auf serbokroatisch zu hören, aber warum eigentlich nicht? Wird nur wertungstechnisch abschmieren...

+++ Startnummer 25: Georgien - Eldrine: "One More Day"

Pffffft. Crossover-Gekasper, mindestens 10 Jahre zu spät. Aber echt satanesker Rapper-Zinken, sehr schön.

Nun gut, ich wage keine Prognose. Irland und vielleicht auch UK sind favorisiert, Aserbaidschan eventuell auch. Lena hat mich wie Moldawien, Serbien, Italien und Frankreich überzeugt, wir werden sehen...


Ich mag ja Jan Delay und sein Herumgenäsel nicht sonderlich, aber "Oh Johnny" ist wirklich eine coole Nummer. Scheint aber beim internationalen Publikum nicht wirklich zu zünden.


Geht ja mal punktemäßig hübsch durcheinander...


Die Nachbarschaftshilfe auf dem Balkan und in der Ex-SU funktioniert wieder bestens...


Muhahaha, Deutschland gibt Österreich 12 Punkte! Ob die das von den ollen Piefkes haben wollen?


Bisher die coolste Sau im Scoring-Verkünden: Slowenien!


Mannomann, die chaotischste Punktevergabe ever. Da können noch soviele gewinnen...


Es wird deutlich, Aserbaidschan wird es wohl holen - warum eigentlich nicht? Die haben noch nie gewonnen und den Song fand ich nicht übel. Die eigentliche Sensation ist aber wohl das irre gute Abschneiden von "Rückkehrer" Italien.


Mit Aserbaidschan ein Sieger, mit dem ich leben kann. Lena auf 10, auch gut. Die Überraschung war Italien, hat mir auch sehr gefallen. Aber die Show in Düsseldorf hat effektemäßig gerockt. Die werden sich nächstes Jahr in Baku auch nicht lumpen lassen. Autokratisches Regime plus satte Öleinnahmen, da wird geklotzt...

Dienstag, 10. Mai 2011

Hagen, wir haben KEIN Problem...

Fast exakt neun Wochen hat die Korrektur meiner Klausurarbeit in Anspruch genommen, heute Abend konnte ich nach der Rückkehr vom Job endlich online mein Ergebnis abfragen - ich hab mit der Note 1,3 bestanden. Ich bin sehr zufrieden und kann für das gerade von mir bearbeitete staubtrockene Soziologie-Grundlagen-Modul einen kleinen Motivationsschub echt gebrauchen...

Samstag, 7. Mai 2011

Lebenszeichen

Nur mal so als Kurzinfo: Man lebt trotz zwischenzeitlicher gesundheitlicher Angeschlagenheit noch, hat den Umzug gut überstanden, erstickt in Arbeit, sieht den Vaterfreuden mit zunehmender Spannung entgegen, hat endlich wieder Online-Anschluss und hoffentlich bald wieder Zeit, hier ein wenig mehr zu schreiben.

Mittwoch, 20. April 2011

DVD-Rezensionen (223): EM-Klassikersammlung, Ausgabe 12 - Finale 1992 BR Deutschland - Dänemark (0:2) (2008)

(Cover: Amazon.de)

Analog zu der zwei Jahre zuvor erschienen WM-Klassikersammlung veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 eine 40 Ausgaben umfassende Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei europäischen Turnieren sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Bis zum Sieg von Otto Rehagels Mauer-Griechen bei der Europameisterschaft 2004 stellte der Titelgewinn der durch den bürgerkriegsbedingten Ausschluss Jugoslawiens nachnominierten Dänen die bis dato größte Sensation bei einem kontinentalen Championat dar, wie auch das Begleitheft treffend anmerkt. Vom Urlauber zum Europameister - eine märchenhafte Geschichte. Da zudem der amtierende Weltmeister ein äußerst mäßiges Turnier spielte und der Triumph eines krassen Außenseiters immer zu begeistern vermag, waren mir die überraschend ins Finale gelangten Dänen absolut nicht unsympathisch.

Dennoch habe ich mit dem 2:0 dieses 26. Junis 1992 so meine Schwierigkeiten, schließlich resultierten beide Treffer aus glasklaren Fehlentscheidungen. Unmittelbar vor dem Führungstreffer wurde Andy Brehme von Kim Vilfort äußerst rüde umgegrätscht und dem entscheidenen 2:0 durch eben jenen Vilfort ging ein deutlich sichtbares Handspiel voraus. Das deutsche Team versiebte eine Großchance nach der anderen, die Dänen mauerten. Sagen wir es einmal so: das cleverere und abgezocktere Team gewann dieses Spiel, das bessere nicht unbedingt. Etwas tröstlich die Tatsache, dass beim deuschen EM-Titel vier Jahre später immerhin noch die Hälfte der das Finale bestreitenden Akteure beteiligt waren.

Spielerisch bietet diese Ausgabe - für ein Endspiel leider typisch - nur durchschnittliche Kost und auch die Ausstattung der DVD ist wieder äußerst dürr geraten. Außer den Nationalhymnen vor Beginn werden keinerlei Impressionen zusätzlich zum reinen Spielgeschehen gezeigt. Nicht einmal die Pokalübergabe an den Sieger schaffte es ins Programm - sehr ärgerlich! Bild und Ton gehen in Ordnung, Heribert Faßbender und Karl-Heinz Rummenigge beim Kommentar zuzuhören ist allerdings ein zweifelhaftes Vergnügen. Somit insgesamt kein besonders herausragendes Exemplar der EM-Klassikersammlung.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 15. April 2011

CD-Rezensionen (222): The Bravery - The Bravery (2005)

(Cover: Amazon.de)

Wer sich auf das Wagnis einlässt, als Vorband auf einem Depeche Mode-Konzert zu fungieren hat - zumindestens in Deutschland - einen denkbar undankbaren Job angenommen. Zu borniert große Teile des anwesenden Publikums, denn statt sich die ohnehin unabdingbare Warterei auf den Hauptact des Abends mit Musik zu verkürzen, wird mit Eintrittskarten gewedelt, gebuht, gepfiffen oder lautstark in Sprechchören nach Depeche Mode gebrüllt. Dass sich die Amerikaner von The Bravery, wie von mir 2006 auf dem Dresdener Konzert erlebt, von dieser abweisenden Kulisse nicht beeindrucken ließen und trotzig ihren Stiefel runterspielten, wurde dann auch von mir mit dem Kauf ihres Debütalbums belohnt. Schließlich fand ich die Musik gar nicht mal so übel, was auch ein Teil der Anwesenden der Applauskulisse nach irgendwann ähnlich zu sehen schien.

Was die New Yorker auf ihrem Erstling da fabrizieren, ist eine recht interessante Mischung aus wüstem Gitarrengeklingel und elektronischen Sounds. Live kam das sehr druckvoll rüber, auf dem Tonträger klingt das teilweise deutlich zurückgefahrener. Der Opener "Honest Mistake", immerhin ein Top Ten-Hit auf der Insel, gibt da schon einmal eine ordentliche Schlagzahl vor. Ohnehin wird, wer Musik der Früh-Achtziger mag, sehr gut etwas mit dem Sound der Band anfangen können. Auch "Fearless" rumpelt, getragen von Sam Endicotts klagendem Organ ordentlich aus den Boxen. Was mir besonders gefällt: Immer wieder wechseln die dominierenden Sounds vom annähernd rein Elektronischen ("Tyrant", "Out Of Line") hin zum fast schon punkigen Saitengeknüppel ("Swollen Summer", "Unconditional") oder eine glatte Mischung aus beidem ("Hot Pursuit"). Das erfindet in seiner Retrolastigkeit zwar die Musik nicht neu und hat zudem auch mit ein paar Füllern zu kämpfen, so richtig schlecht ist das aber ganz und gar nicht.

Indiskutabel allerdings die Lauflänge des Albums. Hier hat man sich mit knapp über einer halben Stunde doch dann auch arg nah an den Achtzigern orientiert, für das Jahr 2005 ist das jedoch für eine Vollpreis-Platte absolut unbefriedigend.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 14. April 2011

Soundtrack Of My Life (041): Duran Duran - Save A Prayer (1982)

Es gibt für mich gewisse Orte auf dieser Welt, bei deren Aufsuchen man irgendein diffuses Gefühl von Bedeutung wahrnimmt. Oftmals handelte es sich hierbei um Schauplätze von historischen Ereignissen, seien es jetzt die von mir 2004 besuchten Maya-Stätten in Mexiko, Belize und Guatemala, der Obersalzberg bei Berchtesgaden oder einige mehr.

Etwas anders, weil gar nicht bewusst eingeplant, sah das im Jahr 2004 aus, als wir dem Abhängen auf einer winzigen Malediven-Insel eine Woche Rundreise auf Sri Lanka voranstellten. Man schaute sich teilweise sehr beeindruckende Zeugnisse der nicht immer friedlichen Geschichte des damals immer noch bürgerkriegsgeschüttelten Landes an und tauchte tief in das buddhistische Erbe der Gegend ein. Seltsamerweise kam mir die eine oder Location bekannt vor, ohne dass ich eine nähere Vermutung über die Gründe hatte. Erst einige Monate nach unserer Rückkehr kam mir der Zufall zu Hilfe als mir nach längerer Zeit wieder einmal der Videoclip zu "Save A Prayer" von Duran Duran unter die Augen kam. Da turnten doch die Herren Le Bon, Taylor und Rhodes tatsächlich auf dem Sigiriya-Felsen und vor den Buddha-Statuen von Polonnaruwa herum, die ich erst kurze Zeit zuvor selbst mit eigenen Augen gesehen hatte. Gleich kam wieder alles zusammen: die nicht immer angenehmen Erlebnisse "on the Rock" und im "Buddha-Park" gekoppelt mit tropischer Hitze und traumhaften Ausblicken.

Dass Musik gewisse Emotionen und Gedankenverbindungen hervorruft, ist eine Binsenweisheit. In diesem Falle löst ein fast 30 Jahre alter Popsong einer immer noch bemerkenswerten Band ein ganzes Arsenal an Erinnerungen einer interessanten Reise aus.

Mittwoch, 13. April 2011

Nachtgedanken (128)

"Übellaunig" ist wohl der beste Begriff, der meinen heutigen Gemütszustand beschreibt. Grund dafür ist, dass heute abend zum siebenten Male ein potentieller Nachbewohner durch unsere Noch-Behausung latschte. Unser Vermieter hatte wohl solche Panik, Leerstand zu haben (bei modernen Vierraum-Wohnungen hier völliger Quatsch), dass er gleich ein ganzes Rudel Makler beauftragt hatte, die nun natürlich alle ihre Interessenten durchdrücken wollten. Man muss sich das vorstellen: Wir leben zwischen gepackten Koffern und Kisten, sind nächste Woche hier draußen, aber alle wollen unbedingt sofort durchschlurfen, die grandioseste Idee war dabei, mich doch mal mittags kurz zwecks Besichtigung wecken zu wollen - Nachtschicht ist doch nix... Jetzt ist es aber gut, ich lass mich nicht nochmal bequatschen, die sollen warten, bis wir ausgezogen sind!!!

Dazu passend: "Großer Zorn" von Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886).

Mein Zorn ist groß und fürchterlich,
Ja, fürchterlich und groß,
Denn dieser dumme Erdplanet
Blamiert sich grenzenlos.

Ich wollt', ich wär' ein Haifisch
Im tiefen, tiefen Meer!
Dann fräß' ich alles, was da schwimmt,
Vergnüglich ringsumehr.

Oder ein Aasgeier möcht' ich sein
Mit scharfer, scharfer Krall':
ich fräß das ganze Vogelgeschlecht,
Kolibri wie Nachtigall.

Ich wollt', ich wär' eine Klapperschlang'
In der dummen freien Natur:
Vergiftet wär' in kurzer Zeit
Die ganze Kreatur!

Ich wollt, ich lief mit Wutgebrüll
Herum als Mordhyäne,
ich nähm' die ganze Menschheit wild
Als Frühstück zwischen die Zähne.

Am End' fräß ich mit kaltem Blut
Mich selber noch dazu,
Denn eher kommt meine große Wut
Doch nimmermehr zur Ruh.

Dienstag, 12. April 2011

Nachtgedanken (127)

Heute ist wieder so ein Tag, wo man nicht wußte, wo man zuerst anfangen sollte. nach der ersten Nachtschicht der Woche gegen 8 Uhr ins Bett, zuvor noch den Junior in den Kindergarten gebracht, nach dem Aufstehen denselben wieder abgeholt, diverse Abbau- und Zusammenräumarbeiten zwecks des bevorstehenden Umzugs, einmal mit dem Staubsauger durch die Bude, Abendessen vorbereiten und dann den MP3-Player für die wieder anstehende Schicht bestücken. Stress pur. Also "Carpe diem!", wie Ottokar Kernstock (1848-1928) so leichthin sagte...

Carpe diem! Pflücke den Tag!
Rät der Römer Horaz.
Pflück den Tag wie die Rose im Hag,
Nütze den köstlichen Schatz!
Schäumen die Becher beim Festgelag,
Schäumt die Begeisterung –
Carpe diem! Pflücke den Tag!
Sei mit den andern jung!

Klopft das Glück an das Pförtlein,
Sag eilig zum Gaste: – Herein! –
Carpe diem! Pflücke den Tag!
Hüte das Glück, wenn es dein!
Aber pochen mit dröhnendem Schlag
Sorge und Unheil an –
Carpe diem! Pflücke den Tag!
Lerne ihn mannhaft bestahn!

Montag, 11. April 2011

Buch-Rezensionen (222): Ritter Runkels grosse Stunde (1969)

(Cover: Amazon.de)

Dieser Sammelband enthält die sechs Hefte des Zeitraums Januar bis Juni 1969, mit dem die beliebteste Hauptserie des Mosaiks um die Abenteuer mit Ritter Runkel nach insgesamt über fünf Jahren Laufzeit und 62 Heften endet. Die letzten Episoden spielen nach der Heimkehr aus dem Orient in der fränkischen Heimat Runkels auf dessen heruntergekommener Burg Rübenstein und deren Umgebung. Der Rübensteiner will endlich Adelaide von Möhrenfeld heiraten, doch auch sein Erzrivale Graf Kuckucksberg hat sein Werben um Runkels Braut nicht aufgegeben und kommt dem erfolgreichen Abenteuerer und Schatzsucher immer wieder in die Quere. Ein finaler Kampf ist unvermeidlich, denn mit einem dreisten Überfall auf die von Runkel erfundenen "Rübensteiner Festspiele" hat der Raubritter eindeutig den Bogen überspannt...

"Alles wird gut!" kann über diesem Abschluss stehen. Stellt sich der fränkische Ritter auch noch kurz vor Ende seiner im Mosaik erzählten Erlebnisse nach wie vor schwer tollpatschig an und muss ein ums andere Mal von den Digedags gerettet werden, gibt es doch zum Schluss ein feines Happy End. Wem das alles doch zu simpel ist, sollte zur ab 2002 erschienenen Roman-Trilogie über das weitere Leben des Rübensteiners greifen, die deutlich düsterer gehalten ist.

Dig, Dag und Digedag, nunmehr wiedervereint, treten hier etwas ins zweite Glied zurück und haben erst beim großen Sturm auf die Kuckucksburg wieder eine tragende Rolle inne. Das stört allerdings nicht weiter, haben doch Runkels Eskapaden mit Ausflügen ins Raubritter- und Schauspielermetier auch an sich höchsten Unterhaltungswert. Die historische Wissensvermittlung im Comic-Gewand wird zugunsten der Action etwas zurückgefahren, trotzdem breitet sich ein prächtig bebildertes Panorama des späten 13. Jahrhunderts vor dem Auge des Lesers aus. Das Suchen nach vielen liebevoll gezeichneten und teilweise versteckten Details und Gags bereitet auch nach dem wiederholten Aufschlagen des Buches höchstes Vergnügen. Klare Empfehlung!

Da die geplante Fortsetzung der Reihe in China den sowjetisch-chinesischen Auseinandersetzungen der späten 1960er Jahre zum Opfer fiel, wurde das Mosaik ab dem Juli-Heft 1969 mit der ebenfalls äußerst beliebten Amerika-Reihe weitergeführt.

Bewertung: 5 von 5

Samstag, 9. April 2011

Soundtrack Of My Life (040): Miquel Brown - So Many Men, So Little Time (1983)

Mein jahrelanges Tingeln als DJ auf irgendwelchen Privatpartys, in Erlebnisgastronomieketten oder bei Promotionaktionen begann aus einer Notlage heraus. 1996 war mir zu Ohren gekommen, dass einer unserer damals gerne besuchten Clubs von seinen Betreibern aufgegeben werden sollte. Und da ich mich nach meiner Bundeswehrzeit und einem halbjährigen Existenzgründerlehrgang eh selbstständig machen wollte, griff ich mit meinem jüngeren Bruder rasch zu. Völlig blauäugig stürzte man sich in dieses Abenteuer, stellten sich doch einige grundlegende Hindernisse erst im Laufe der Zeit heraus. Während wir schon fleißig renovierten und die Inneneinrichtung änderten, die Wände von einer befreundeten Airbrush-Artistin dekorieren ließen und mit Ach und Krach die Finanzierung sicherten, lief nebenher das benötigte Konzessionsverfahren. Da wir ja die Nutzungsart des Gebäudes überhaupt nicht verändern wollten und die die für die Erteilung der Gewerbegenehmigung zuständige Kommunalverwaltung auch noch gleichzeitig der Verpächter war, hielt ich das für eine Formsache.

Man werkelte also vor sich hin, bis innerhalb weniger Tage ein Riesenproblem nach dem anderen auftauchte. Zum Beispiel hatten uns die Vorbetreiber darüber im Unklaren gelassen, dass nahezu die komplette Gesamteinrichtung noch nicht abbezahlt war, so dass uns der Ausstatter - eine Firma in Bayern - damit drohte, umgehend die gesamte Bude auszuräumen. Dass unsere Vorgänger es auch noch gewagt hatten, für eben jene Einrichtung von uns eine recht erkleckliche Ablösesumme in hoher fünfstelliger DM-Höhe zu fordern, war nun schon mehr als dreist, glücklicherweise stellte sich das alles heraus, bevor irgendwelche Gelder den Besitzer gewechselt hatten.

Desweiteren stellten sich auf einmal mehrere Behörden der Stadt quer. Das Liegenschaftsamt behauptete, dass in der Gegend solcherart Einrichtungen nicht zulässig seien, da es sich um ein reines Wohngebiet handele. Mein Einspruch, warum dies vorher jahrelang möglich gewesen sei, wurde mit der albernen Bemerkung gekontert, dass es sich doch laut Gewerbeanmeldung um ein Café gehandelt habe, was zulässig wäre. Hallo? Wo war ich denn jahrelang am Wochenende hingegangen? Zum Kaffeekränzchen??? Anscheinend war also auch bei der Konzession getrickst worden.

Da mittlerweile schon einiges für die Umbauten und der Anschaffung einer Tonanlage investiert worden war, rannte ich also an einem Tag wie ein Irrer im Rathaus zwischen Liegenschafts-, Gewerbe- und Ordnungsamt hin und her. Jeder schickte mich wieder zu jemand anderem und wieder zurück. Falls jemand den Film "Asterix erobert Rom" gesehen hat: Ich kam mir vor, wie die Gallier im "Haus, wo man Verrückte macht" auf der Suche nach dem Passierschein A38. Endergebnis: die Konzession kannst Du vergessen!

In den nächsten Tagen schaffte ich es sogar, zum damals mächtigsten Mann der Stadt und späteren Axel Schulz-Manager Wolfram Köhler vorgelassen zu werden, der sich aber keine Mühe gab, sein völliges Desinteresse am drohenden Scheitern der Existenzgründung eines 24- und eines 18jährigen zu verbergen.

Nun stand man also da, vom Bürokraten-Wahnsinn gestoppt, bevor man überhaupt angefangen hatte. Auf dem Buckel eine nicht bezahlte 20.000 DM-Anlage mit einem DENON 2500f-CD-Player, ein paar riesigen Brüllwürfeln von JBL, ein Mischpult, Mikrofonen und diversem Extrakram. Was nun und vor allem: Woher Geld nehmen?

Der Zufall schaffte Abhilfe. Per Zeitungsinserat suchte die damals in Sachsen sehr umtriebige Erlebnisgastronomiekette "Bier-Academie" DJs und obwohl weder mein Bruder und ich Erfahrung damit hatten, meldeten wir uns notgedrungen. Wir wurden zum "Probearbeiten" nach Bautzen beordert, wo wir zwei Nächte für lau aufzulegen hatten und da es scheinbar recht gut lief, ackerten wir das folgende dreiviertel Jahr in Bautzen, Oschatz und Riesa und stotterten so die Anlage ab.

Ein paar "Ritualsongs" sind im Gedächtnis haften geblieben. Wenn ich in späteren Jahren alleine irgendwo Veranstaltungen bestritt, begann ich meistens mit dem "Rockamerica Remix" von Miquel Browns "So Many Men, So Little Time" und laberte ab den einsetzenden Vocals irgendetwas möglichst Originelles in den Raum. Für den seltsamen Start eine doch sehr interessante Zeit.

Nachtgedanken (126)

Da ich mir ausnahmsweise mal nach einem anstrengenden Tag ein Feierabendbier genehmige, musste ich doch glatt mal recherchieren, was es so an Lobeshymnen auf den Gerstensaft gibt. Ich bin nicht wirklich nach meinem Geschmack fündig geworden, wenn man von Charles Edouard Dubocs (1822 - 1910) Gedicht über eine der elemantare Zutaten absieht - "Ein Lied vom Hopfen".

Der Hopfen sprach: ich rank' am Boden hier,
Komm, stütze mich, ich dank' dir einst als Bier –
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich stützte ihn, da hieß es: bind mich fest,
Damit der Wind mich ruhig reifen läßt;
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich band ihn fest; da rief er: jetzt ist's Zeit,
Pflück mich und bring mich hurtig auf die Spreit:
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Dahin auch trug ich ihn; doch alsobald
Klang's wieder: in den Kessel jetzt! er wallt!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Ich brühte ihn; da heischt' er: nun ins Faß,
Ins dunkle Faß und dann ins helle Glas!
Ich weiß, du läßt dich keine Müh' verdrießen.

Und als das Glas nun schäumend überlief,
Da warf er mich zum Danke um und rief:
Ei, ei, du stehst gar lose auf den Füßen!

Donnerstag, 7. April 2011

Soundtrack Of My Life (039): The Prodigy - Out Of Space (1992)

Wie schon mehrfach an dieser Stelle erwähnt, bezeichne ich die 90er Jahre oftmals als mein "verlorenes Jahrzehnt". Zu der den Nachwendewirren geschuldeten beruflichen Ziel- und Orientierungslosigkeit gesellte sich ein mit "turbulent" recht höflich umschriebenes Privatleben. Gelegentlich warf mich heftiger Herzschmerz komplett aus der Bahn, wie ich beispielsweise in Ausgabe 03 dieser kleinen Erinnerungs-Serie beschrieb. Ein weiteres solches Ereignis unter dem Motto "Vom Regen in die Traufe" spielte sich im Sommer 1994 ab.

Ich hatte mich aufgrund meines Zerwürfnisses mit meinem besten Freund (siehe hier) entschlossen, den eigentlich immer gemeinsam verbrachten Campingurlaub auf eigene Faust zu verbringen und machte mich also im Juli oder August jenen Jahres auf nach Mecklenburg-Vorpommern an das Ufer des Käbelicksees in der Nähe von Neustrelitz. Dort hatte ich mitten im Wald genug Ruhe, über meine allgemeine Lage nachzugrübeln. Irgendwas lief in meinem Leben gerade mächtig aus der Spur, nur wie ich da gegensteuern sollte, war mir nicht wirklich klar. Schon alleine, um auf andere Gedanken zu kommen, setzte ich mich am Wochenende ins Auto und fuhr in das etwa 30 Kilometer entfernte Neubrandenburg. Dort angekommen fragte ich den nächstbesten Taxifahrer nach einem lohnenden Pistenziel, woraufhin der mich in den Großraum-Tanztempel "Colosseum" lotste. Normalerweise kann ich solch riesige Party-Fabriken nicht ausstehen, an diesem Abend war mir das Untertauchen in der anonymen Masse sehr recht.

Ich muss mir dort wohl mehrere Stunden lang die Seele aus dem Leib getanzt haben, besonders wählerisch war ich in musikalischer Hinsicht nicht. An jenem Abend muss mir wohl auch zum ersten Mal der Heuler "Hyper Hyper" von Scooter zu Ohren gekommen sein. Was aus dieser Combo einmal werden würde, konnte man da schwerlich ahnen. Doch nachdem bei Prodigys "Out Of Space" ein wahres Strobo- und Lasergewitter losgebrochen war, konnte ich einfach nicht mehr. Halb ausgetrocknet schleppte ich mich zur Bar und kippte ein paar Beck's in mich hinein. Ich muss wohl einen recht maßlosen Eindruck gemacht haben, anders konnte ich mich das spöttische Grinsen der dunkelhaarigen Dame neben mir nicht erklären. So entwickelte sich ein recht entspannter Smalltalk, der in einer Verabredung für den folgenden Tag mündete.

Ich donnerte etwa 10 Stunden später also wieder Richtung "Stadt der vier Tore" und hatte im Laufe des Gesprächs mit C., einer nach Wuppertal ausgewanderten Neubrandenburgin auf "Heimaturlaub", das Gefühl jemanden gefunden zu haben, bei dem ich mit meinem ganzen Problemberg auf offene Ohren stieß. Mehr noch, ich wähnte mich auf dem besten Weg, mich Hals über Kopf zu verlieben. Man spazierte bei bestem Sommerwetter am Ufer des Tollensesees entlang, quatschte über Gott und die Welt und geriet mehr oder weniger durch Zufall auf ein Open Air-Konzert der aus dem Dunkel der Vergangenheit auftauchenden Goombay Dance Band. Schräge Mischung, aber dennoch ein gelungener Tag!

Irgendwann rückte ich mit den mich plagenden Gedanken heraus und erntete Verständnis, einen innigen Kuss, aber dennoch freundliche Distanz. Die Entfernung, der Altersunterschied von drei Jahren zu meinen Ungunsten - das alles waren für mich keine hinderlichen Gründe. Meine Ausbildung zum Hotelfachmann war gerade abgeschlossen, ich wusste nicht wo und wie weiter - warum nicht einfach nach Nordrhein-Westfalen gehen? Wir beschlossen die Diskussion zu vertagen, da ohnehin ihre und wenige Tage darauf meine Heimreise anstand. Zu Hause angekommen, telefonierten wir etwa zwei Stunden lang, für mich als absoluten Ferngesprächsmuffel eine erstaunliche Leistung. Immer noch schmiedete ich wilde Umzugs-Pläne, sie wiederum versuchte mich zu bremsen, blind wie ich war, bemerkte ich das nicht einmal.

Der Donnerschlag erfolgte genau einen Tag später. Ein unscheinbarer Brief mit amtlichem Stempel machte alles zunichte. Meine Einberufung zur Bundeswehr zum 3. Oktober. Regensburg. Bayern. Alles aus...

Als ich ihr diese Neuigkeit am Telefon erzählte, erntete ich - erleichtertes Lachen und beste Wünsche. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört.

Mittwoch, 6. April 2011

Nachtgedanken (125)

Manchmal muss man mehr oder weniger freiwillig seine Meinung oder seine Wünsche verändern, wie ich beispielsweise hier beschrieben habe. Daher an dieser Stelle etwas zum Thema "Wechsel" aus der Feder Friedrich von Matthisons (1761-1831):

Kommen und Scheiden,
Suchen und Meiden,
Fürchten und Sehnen,
Zweifeln und Wähnen,
Armut und Fülle,
Verödung und Pracht
Wechseln auf Erden
Wie Dämm'rung und Nacht.

Dienstag, 5. April 2011

DVD-Rezensionen (222): Meister Manny's Werkzeugkiste - Jetzt wird gefeiert! (2006)

(Cover: Amazon.de)

Es ist interessant zu beobachten, wie mittlerweile selbst Trickserien den veränderten demographischen Gegebenheiten in den USA gerecht werden. Wie beispielsweise die Nickelodeon-Produktionen "Dora the Explorer" und "Go, Diego, Go!" richtet sich auch "Meister Mannys Werkzeugkiste" aus dem Hause Disney vorwiegend an die Kinder der sogenannten "Hispanics", die mittlerweile die Afroamerikaner als größte Minorität der Vereinigten Staaten abgelöst haben. Da viele dieser Einwandererkids kein oder mäßig Englisch sprechen, dienen diese Serien auch dazu, auf spielerischer Art und Weise Sprachkenntnisse zu vermitteln, indem die Dialoge zweisprachig gehalten sind. Dies wurde dankenswerterweise auch in der deutschen Synchronisation beibehalten, wo dann oftmals Spanisch gesungen oder gesprochen wird. Frühkindliche Spracherziehung ohne Druck und Erwartungshaltung - warum denn nicht?

In fünf Episoden der computeranimierten Serie begleitet der kleine Zuschauer den Handwerker-Crack Manny samt seinen sprechenden Werkzeugen durch turbulente Erlebnisse in der Kleinstadt Sheetrock Hills. Da diese DVD thematisch zusammengestellt wurde, dreht sich alles um Partys und Feierlichkeiten. Geburtstage werden begangen, eine mexikanische Fiesta muss organisiert werden und vieles anderes mehr. Ohne das gemeinsame Zusammenwirken der Werkzeuge läuft nichts, Kinder bekommen hier also ohne erhobenen Zeigefinger Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Teamwork nahegebracht. Das alles in auch für die Kleinsten geeigneten freundlichen Farben und mit schmissigen Latino-Rhythmen unterlegt.

Das Bild liegt im Format 4:3, der Ton in Stereo vor, HiFi-Wunderwerke wird bei solcherart Serien wohl niemand erwarten und verlangen. Als Bonus gibt es noch eine Doppel-Episode der ebenfalls computeranimierten Serie "Meine Freunde Tigger und Puuh". Insgesamt sehr empfehlenswert!

In eigener Sache

Für meine Erlebnisse rund um den anstehenden Kindersegen habe ich der Übersicht halber ein separates Weblog eröffnet. Viel Spaß beim Lesen!

Montag, 4. April 2011

CD-Rezensionen (221): Cock Robin - The Best Of Cock Robin (1991)

(Cover: Amazon.de)

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Diesen oft zitierten Spruch kann man trefflich für die Karriere der Amerikaner heranziehen, beschränkte sich deren kommerzieller Erfolg doch ausschließlich auf Europa, insbesondere Frankreich und Deutschland. Eigentlich schade, schließlich boten Peter Kingsbery und Anna LaCazio perfekten 80er-Pop, der qualitativ ganz und gar nicht vergleichbaren US-Acts wie beispielsweise Cyndi Lauper nachstand. So reichte es nur zu einigen Singlehits, dessen erfolgreichster, "The Promise You Made" 1986 immerhin Platz 6 der deutschen Charts erreichte.

Auf dieser (in mehreren Versionen mit unterschiedlicher Trackanzahl) erschienenen "Best Of"-Kopplung finden sich somit neben bereits erwähntem Lied alle heute noch vom Formatradio fast totgespielten Songs wie die wunderbar melancholischen "When Your Heart Is Weak", "Just Around The Corner" und "The Biggest Fool Of All".

Dennoch lohnt es sich, einmal einen Blick abseits dieser sattsam bekannten Perlen zu werfen. Da wäre einerseits das ebenfalls stark hitverdächtige "El Norte", das stellenweise auf Latino-Sound gebürstete "Worlds Apart", das berührend fragil von Miss LaCazio gesungene "The Part That I Miss", die lässig dahingroovenden "Hunting Down A Killer" und "Cowards Courage" sowie das noch einmal im typischen Cock Robin-Sound schwelgende "A Little Innocence".

Natürlich ist bei einer nach gerade einmal drei Studio-Alben zusammengestellten "Greatest Hits"-Compilation der eine oder andere Füller dabei. Daher ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Die Live-Version von "Don't Think Twice, It's Alright" ist schon allein klangtechnisch nicht auf der Höhe, "Any More Than I Could Understand" plätschert glatt am Ohr vorbei. Und "Have You Any Sympathy" wirkt schlicht und einfach einfältig und uninspiriert. Insgesamt jedoch eine musikalisch sehr angenehme Zeitreise in das Pop-Jahrzehnt, wenn man über die eine oder andere Schwäche hinwegzusehen vermag.

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 1. April 2011

Soundtrack Of My Life (038): The Rubettes - Sugar Baby Love (1974)

Aufgrund des Schichtdienstes meiner Eltern verbrachte ich Mitte der 70er Jahre viel Zeit bei meinen Großeltern in einem Dorf nahe meiner Heimatstadt. Ich stöberte gerne auf dem Dachboden herum, wo meine Oma - ganz der Sparsamkeit ihrer Generation verpflichtet - ganze Schätze aus der Vergangenheit aufgehoben hatte. Ob die Schulbücher meines Vaters und seiner Geschwister, altes Spielzeug, Zeitungen oder allerlei Krimskrams. Meine Eltern stöhnten jedes Mal aufs Neue, wenn sie ihren Sohn abholten und der wieder kistenweise Krempel mitschleppen wollte. Viele dieser Dinge besitze ich heute noch.

Eine andere geliebte Freizeitbeschäftigung war das Hören von Schallplatten, von denen sich ein ganzer Stapel im Haushalt befand. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir beispielsweise das Hörspiel "Herr Fuchs und der Riesenpilz" angehört habe, ich könnte größere Passagen daraus allerdings immer noch aus dem Stand rezitieren.

Eines Tages des Jahres 1976 oder 1977 fiel mir dort eine bunte LP mit mit babyblauen Anzügen, weißen Schuhen und Schiebermützen angezogenen Herren auf. Das Cover zeigte eine Aufnahme aus einem TV-Studio, mit einem ganzen Stapel Fernsehgeräte an der Seite. Seltsam, diese Platte hatte ich noch nie zuvor gesehen, obwohl mir der Inhalt des Vinylstapels eigentlich bestens vertraut war. Wie sich herausstellte, hatte mein damals noch bei seinen Eltern wohnende Onkel eine der begehrten Lizenzscheiben aus DDR-Produktion ergattert und der Einfachheit halber in den heimischen Beständen eingelagert. Von ihm erfuhr ich auch nun endlich den Namen der Combo: The Rubettes.

Die Band war einige Zeit zuvor in der Jugendsendung "Rund" aufgetreten, aus deren TV-Übertragung auch besagtes Coverfoto stammte. Ich hörte mich von da ab öfter durch die Pop-Nummern der Briten, wobei der Hit "Sugar Baby Love" mein absoluter Favorit war. Meine Großeltern wurden also ein ums andere Mal mit einem lauthals "Bap schu wadi, bap schu wadi-wadi" krähenden Fünfjährigen konfrontiert, Spätfolgen hat allerdings wohl keiner der Beteiligten davongetragen...

Donnerstag, 31. März 2011

Buch-Rezensionen (221): Eoin Colfer - Artemis Fowl-Der Atlantis-Komplex (Hörbuch) (2010)

(Cover: Amazon.de)

Ich hatte mich anscheinend zu früh gefreut. Der wieder äußerst gelungene sechste Band "Das Zeitparadox" versöhnte mich mit dessen völlig aus der Spur geratenem Vorgänger "Die verlorene Kolonie". Dementsprechend gutgelaunt und mit frohem Mut ging ich nun an das siebente Hörbuch-Abenteuer des irischen Superhirns Artemis Fowl - und sah mich wieder enttäuscht. Vielleicht ist das Universum rund um die brisante Beziehung des inzwischen 15jährigen Artemis und seiner unterirdischen Freunde mittlerweile wirklich ausgereizt oder der Band dient nur als vorbereitender und daher seltsam seelenloser Platzhalter für das von Autor Eoin Colfer angekündigte abschließende Finale. "Der Halbblutprinz" der Harry Potter-Reihe lässt da herzlich grüßen. Oder war das Schreiben der von der Kritik sehr wohlwollend aufgenommenen Sequels von Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reihe zuviel, um da noch gleich einen brillianten Fowl-Band nachzulegen?

Zur Story: Artemis, der sich anstatt neue Gaunereien zu planen, mittlerweile für die Rettung des Weltklimas interessiert, wird seit geraumer Zeit von psychischen Problem, die ihn zu zwanghaften Handlungen treiben, geplagt. Dieser sogenannte Atlantis-Komplex kommt zum denkbar schlechten Zeitpunkt, bereitet doch eine unbekannte macht einen Anschlag auf die Unterirdischen und vor allem deren Zentrale Untergrund-Polizei (ZUP) vor...

So weit, so gut. Die Wandlung Fowls zu einem eher sanftmütigen Zeitgenossen könnte man noch durchgehen lassen, würden nicht auch alle anderen liebgewonnenen Charaktere der Reihe in diesem Buch seltsam blutleer bleiben. Technikgenie Foaly kann seine Trümpfe ebensowenig ausspielen wie Artemis langjähriger Leibwächter Butler. Selbst mein erklärter Liebling, der kleptomanische Zwerg Mulch Diggums, darf zwar wieder im breitesten bayrischen Zungenschlag vom Leder ziehen, wirkliche Handlungsimpulse vermag er aber auch nicht zu setzen. Permanent wartet man auf einen für die Reihe typischen Schlenker im Plotverlauf, aber diese Überraschungen sucht man diesmal vergebens. Spannung und Mitfiebern, sonst ein Markenzeichen fast jeden Fowl-Bands: Fehlanzeige.

Auch der souveräne Rufus Beck kann da wenig herausschlagen. Seltsamerweise verzichtete er diesmal beim Intonieren des Dämons "Nummer Eins" auf dessen bisher in zwei Hörbüchern verwendete Kieksstimme. Das ist das erste Mal überhaupt, dass ich bei Becks zahlreichen Einsätzen im Audiobereich einen Stimmenwechsel eines Charakters innerhalb einer Reihe erlebe.

Fazit: kein Totalabsturz, aber in meiner persönlichen Hierarchie der Saga nur Punktlandung auf dem vorletzten Platz. Ich hoffe auf einen großen Showdown, Mr. Colfer!

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 29. März 2011

Nachtgedanken (124)

Heute darf ich auch mal jammerig drauf sein. Ich fühl mich schon seit Tagen körperlich recht schlapp, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung gibt es gratis obendrein und die Arbeit hier bzw. in der Firma wird auch nicht weniger. Also um es mit Johann Nestroy (1801-1862) zu sagen:

Diese graue Wolkenschar
Stieg aus einem Meer von Freuden;
Heute muß ich dafür leiden,
Daß ich gestern glücklich war.

Ach, in Wermut hat verkehrt
Sich der Nektar! Ach, wie quälend,
Katzenjammer, Hundeelend
Herz und Magen mir beschwert!

Montag, 28. März 2011

DVD-Rezensionen (221): EM-Klassikersammlung, Ausgabe 11 - Halbfinale 1984 Frankreich - Portugal (3:2 n. V.) (2008)

(Cover: Amazon.de)

Analog zu der zwei Jahre zuvor erschienen WM-Klassikersammlung veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2008 eine 40 Ausgaben umfassende Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei europäischen Turnieren sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Ich erinnere mich noch sehr gut an jenen 23. Juni des Jahres 1984, an dem ich - meine Eltern waren da recht unflexibel - dieses Halfinale der EM in Frankreich aufgrund der Uhrzeit nicht im TV sehen durfte, diesem Ereignis dann aber doch heimlich im Bett per Radio beiwohnte. Dank dieser DVD-Veröffentlichung ist jetzt auch der visuelle Genuss kein Problem mehr, doch nach all den Jahren: lohnt sich's?

Wie sehr die verflossene Zeit die Erinnerung etwas eintrübt, wird man spätestens nach Ende der ersten Halbzeit bemerken. Diese im Nachhinein geradezu legendäre Partie bot im ersten Durchgang allenfalls durchschnittliche Fußballkost, kein Zaubern des französischen Mittelfelds, dessen Akteursnamen einen heute noch mit der Zunge schnalzen lassen: Platini! Giresse! Tigana! Dafür recht clever verteidigende, aber nach vorn herzlich harmlose Portugiesen. Einzig und allein das wunderschöne Freistoßtor von Geburtstagskind Jean-François Domergue bietet etwas Abwechslung. Alles wartet auf einen Kunstsschuss von Platini und prompt hämmert ein anderer den Ball in die Maschen.

Erst in der zweiten Halbzeit, in der die immer stärker auftrumpfenden Portugiesen noch den Ausgleich schafften und ihr 2007 leider viel zu früh verstorbener grandioser Torwart Bento reihenweise französische Chancen zunichte machte, wird echtes Klassikerpotential sichtbar. Wie das Begleitheft sehr richtig schreibt: wir halbwüchsige Jungs wollten beim privaten Fußballspiel immer Fernando Chalana sein. Der wildmähnige Schnauzbartträger wirbelt selbst noch nach über 100 Minuten im Höllentempo wie ein Irrwisch über den Platz - ganz großer Sport!

So richtig dramatisch wird es in der Verlängerung, bis zur 120. Minute wogt das Spiel hin und her, ehe Frankreich seinen Gegner trotz zwischenzeitlichen Rückstands in allerletzter Sekunde doch noch niederringt. Es gibt diverse Fußballpartien, die mit der Bezeichnung "hatte keinen Sieger verdient" geadelt werden. Dieses ist ein solches Match.

Die beiliegende Dokumentation geht wie immer kurz auf den vorangegangenen Turnierverlauf beider Mannschaften, die Biografien der Trainer sowie die eine oder andere Anekdote ein. In diesem Falle besonders bemerkenswert: Einer der Balljungen im Marseiller Stade Vélodrome ist der an jenem Tag seinen 12. Geburtstag feiernde Zinédine Zidane!

Die Bild und Tonqualität dieser fast 30 Jahre alten Aufzeichnung ist nicht sonderlich gut, zudem ist der ARD-Kommentar von Peter Jensen äußerst mäßig. Er liegt oftmals mit seinen Einschätzungen über Fouls und Verletzungen grandios daneben und wird der Dramatik des Spieleverlaufs in keinster Weise gerecht. Darüber hinaus sei an dieser Stelle noch eine Warnung ausgesprochen: meiner DVD fehlten aufgrund eines Produktionsfehlers volle 20 Minuten der zweiten Halbzeit, ich bekam auf meine Reklamation hin vom Hersteller allerdings umgehend einwandfreien Ersatz zugeschickt. Da diese DVD heute allerdings vor allem im Gebrauchtsektor vertrieben werden dürfte, sei eine sorgfältige Prüfung des Angebots angeraten, um nicht eine unliebsame Überraschung zu erleben.

Die volle Wertung erreicht dieses Spiel aufgrund der mauen ersten Hälfte zwar nicht, dennoch ein lohnenswertes Fußball-Sammlerstück!

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 24. März 2011

Elizabeth Taylor †

(Foto: SPIEGEL.de)

Da ist wohl gestern mit Elizabeth Taylor die letzte große Hollywood-Diva alter Schule gestorben, dementsprechend groß war das Medienecho. Nicht nur, dass noch einmal die filmischen Leistungen der im Alter von 79 Jahren verstorbenen ehemals "schönsten Frau der Welt" gewürdigt wurden, nein, auch ihr turbulentes Privatleben, wie zum Beispiel die geradezu legendäre Skandalehe mit Richard Burton wurde noch einmal herausgekramt. Auch wenn sie schon länger nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses stand - sie wird fehlen.

An dieser Stelle seien noch die Tode des ehemaligen US-Außenministers Warren Christopher (85, † 18.03.), des "Supermax"-Musikers Kurt Hauenstein (62, † 20.03.) und - nun ja - Knut (4, † 19.03.) nachgetragen. Mögen alle in Frieden ruhen...

Mittwoch, 23. März 2011

Alea iacta est!*

*

Seit heute haben wir es also amtlich - unser erwartetes Baby-Trio wird ein rein männliches sein, eine Tatsache, die bei dreieiigen Geschwistern nicht zwangsläufig zu erwarten war. Schon komisch, mit der Generation meines Bruders und mir drohte die 1912 von meinem Urgroßvater begründete sächsische Namenslinie meiner Familie auszusterben und jetzt setzen wir insgesamt fünf Söhne in die Welt...

Dienstag, 22. März 2011

CD-Rezensionen (220): Andy Bell - Electric Blue (2005)

(Cover: Amazon.de)

Wenn die für den Gesang zuständigen Mitglieder einer Band zu Soloausflügen ansetzen, wird oftmals bewusst ein rabiater Bruch mit dem gewohnten Musikstil gewagt, um sich nicht dem Verdacht des einfallslosen Benutzens ausgetrampelter Pfade auszusetzen. Das geht nicht immer gut, fühlen sich doch die Fans entsprechender Künstler als treueste Käuferschar nicht selten vor den Kopf gestoßen. Andererseits wird gerne "Stillstand!" gerufen, klingt alles zu sehr nach dem Sound der Hauskapelle.

Ziemlich dünnes Eis also, auf das sich der Erasure-Vorturner anno 2005 bei seinem ersten Solo-Silberling begab. Zu dominant scheint seine Rolle bei der Band, in der sich Vince Clarke als musikalischer Kopf immer ganz bewusst zurücknimmt und scheinbar unsichtbar im Hintergrund agiert. Hört man sich durch die knapp 50 Minuten, kann man konstatieren: recht geglückte Operation, Mr. Bell! Zwar klingt vieles für den Liebhaber Clarkeschem Synthie-Geblubbers sehr heimelig und wenig verstörend, dennoch eigenständig genug, um als autonome Schöpfung durchzurutschen.

Nach einem Kurz-Intro geht es mit "Caught In A Spin " schon recht flott und etwa Flamenco-gitarrenunterstützt los, aber erst die folgenden zwei Songs zeigen richtig, wo die Hammer hängt. "Crazy" ist ein ordentliches Tanzbrett und das von der ehemaligen Propaganda-Sirene Claudia Brücken gesanglich unterstützte "Love Oneself" zitiert genüsslich den Disco-Sound des Dekadenwechsels der 70er und 80er. Großartig!

Kurze Schwächephase mit "I Thought I Was You", ehe das Titelstück des Albums wieder voll hinlangt. Hier klingt es wohl - wie auch bei "Jealous" - am ehesten nach Erasure.

Leider kann dieses Level nicht durchgängig gehalten werden. "Shaking My Soul" orientiert sich ein wenig am Motown-Sound, "I'll Never Fall In Love Again" verquickt die 80er mit ein wenig Simpel-Dancefloor und und so etwas vor sich Hinplätscherndes wie "Fantasy" hört man alle Tage im Dudelfunk. Da ist das wiederum von Claudia Brücken unterstützte "Delicious" doch von ganz anderem Kaliber.

Mit einer ordentlichen Portion Pop in Form des Mitwipp-Tracks "See The Lights Go Out" geht "Electric Blue" langsam zu Ende, ganz am Schluss darf Meister Bell zu Piano und Gitarrenklängen mit "The Rest Of Our Lives" noch einen stilvollen Schmachtfetzen zum Besten geben. Insgesamt ist sein erster Alleinversuch nicht durchgehend geglückt, die zweithöchste Wertung darf man aber guten Gewissens über den Tresen schieben.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 21. März 2011

Buch-Rezensionen (220): Die Abenteuer des jungen Indiana Jones - Die Nadeln des Dr. Wen Chiu, Indien/China, 1910 (1993)

(Cover: Amazon.de)

Dieses 1993 erschienene Begleitbuch zur TV-Serie "Die Abenteuer des jungen Indiana Jones" spielt in zwei abgeschlossenen Episoden im Asien des Jahres 1910. Der 11jährige Indy begleitet mit seiner Hauslehrerin Miss Seymour seine Eltern auf einer Weltreise und begegnet im indischen Benares zunächst den prägenden Gestalten der dortigen Theosophischen Gesellschaft, Annie Besant und Charles Leadbeater. Durch diese lernt er auch den etwa 15jährigen Einheimischen Jiddu Krishnamurti kennen, der von Besant und Leadbeater als künftiger "Weltlehrer" verehrt wird. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt kommen sich beide Jungen näher und der Inder vermittelt Indy grundlegendes Wissen über die in Benares auf engstem Raum versammelten großen Weltreligionen.

Im zweiten Teil des Buchs erkrankt Young Indy auf einem von ihm, seiner Mutter und Miss Seymour unternommenen Ausflug in China ernstlich an Typhus und ist in seinem lebensbedrohlichen Zustand sowohl auf die Gastfreundschaft einer bettelarmen chinesischen Bauernfamilie als auch die traditionellen Heilkünste eines einheimischen Arztes angewiesen.

Eingerahmt und von einem kurzen Zwischenspiel unterbrochen wird diese Handlung von der 1993 in einer amerikanischen Highway-Raststätte spielenden Begegnung des 93jährigen Indiana Jones mit einem unfreundlichen Trucker, der oben erwähnte Geschichten zur Verdeutlichung philosophischer Lebensfragen erzählt bekommt. Die Rahmenhandlung könnte manchen Leser etwas verwirren, fehlt sie doch in der umgeschnittenen DVD-Fassung der Serie, die nach wie vor nur auf Englisch erhältlich ist.

Wie immer sind geschickt historische Personen mit dem fiktionalen Geschehen verwoben. Im China-Abenteuer hat zwar nur der Übersetzer Yan Fu (mit dem sich Indys Vater trifft und somit für den so tragisch verlaufenden Ausflug nicht zur Verfügung steht) einen realen Hintergrund, dafür erfährt der Leser aber vielerlei interessante Dinge über die Geschichte Chinas, die Großen Mauer oder die zahlreichen Kaiser-Dynastien. Dies ist immer das große Plus der so oft verkannten und leider wenig erfolgreichen Serie gewesen - Geschichtsunterricht, lebendig und packend vermittelt!

Mir persönlich sagt der Indien-Teil deutlich mehr zu als der stellenweise sehr handlungsarme China-Part, daher verfehlt "Die Nadeln des Dr. Wen Chiu" die Höchstwertung. Ein interessantes und lohnenswertes Sammlerstück stellt das Buch aber zweifellos dar.

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 18. März 2011

Soundtrack Of My Life (037): ABBA - Eagle (1977)

Normalerweise verändert sich der persönliche Musikgeschmack im Laufe eines Lebens erheblich. Man entdeckt Neues, lässt ehemalige Vorlieben irgendwann peinlich berührt in der Schublade der persönlichen Erinnerungen verschwinden oder lässt ehemals innig geliebte Stücke höchstens nur noch in akuten Nostalgieaufwallungen an sich heran. Diese Entwicklungen sind auch mir nicht fremd.

Meine seit frühesten Kindertagen gepflegte Verehrung von ABBA hat bisher all diesen Dingen ohne Schäden überstanden. Als Kind in den 70ern wuchs man auch im Osten mit der Band auf, denn da die DDR ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Schweden hatte, durften die Songs problemlos im Radio laufen und es gab 1974 sogar - weniger bekannt - zwei TV-Auftritte. Hatte ich als Steppke bis dato schon gerne die Songs mitgeträllert, geriet ein "missglückter" Kinobesuch 1980 zum Schlüsselerlebnis.

Meine damals im zweiten Schuljahr befindliche Klasse sollte eigentlich eine Märchenfilmvorführung besuchen, aber ob die Lehrerin das Programm des damals noch mit brettharten Holzklappstühlen versehenen örtlichen Filmtempels falsch studiert hatte oder das Programm kurzfristig geändert wurde - jedenfalls fanden wir uns in "ABBA - Der Film" wieder. Natürlich war und ist die Rahmenhandlung (Lokalradioreporter reist der Band auf ihrer 1977er Australien-Tour für ein Exklusiv-Interview hinterher) des Konzertfilms vernachlässigenswert, aber die nicht unbedingt als Live-Götter bekannten Skandinavier endlich mal im bewegten Bild zu sehen, war für mich unglaublich faszinierend. Es mag allerdings auch nicht von der Hand zu weisen sein, dass der mehrfach gut ausgeleuchtet in Szene gesetzte Hintern von Frau Fältskog bleibenden Eindruck bei mir hinterliess.

Viele Szenen und Details aus dem Film, den ich endlich einmal in meine DVD-Bestände aufnehmen muss, sind mir noch gut im Gedächtnis. So auch das in den Film integrierte Musikvideo zu "Eagle", des längsten aller ABBA-Songs. Kommerziell eher mäßig erfolgreich , bedeutet mir der Song mit der flirrenden Gitarre und den beiden Göttinen am Mikrofon immer noch wahnsinnig viel. Einlegen, abheben und schweben...

Donnerstag, 17. März 2011

Nachtgedanken (123)

An für sich hatte ich gedacht, dass ich etwas länger "Ferien" hätte. Doch weit gefehlt, bereits heute trudelte der Lesestoff für das Sommersemester bei mir ein. Ich werde mich also schon ab morgen mit dem neuen Material befassen, gerade, weil ich aufgrund des bald anstehenden Stresses mit Umzug und Nachwuchs jetzt jede freie Minute nutzen sollte. Also frisch ans Werk und als erstes den Kurs "Soziologische Netzwerkanalyse und Spieltheorie: Analytische Instrumente der Formalisierung von Akteurskonstellationen" angegangen und nicht so miesmutig wie Martin Opitz (1597-1639):

Wozu dienet das Studieren
als zu lauter Ungemach?
Unterdessen läuft der Bach
unseres Lebens, das wir führen,
ehe wir es inne werden,
auf sein letztes Ende hin,
dann kommt ohne Geist und Sinn
dieses alles in die Erden.