Donnerstag, 20. Mai 2010

CD-Rezensionen (189): Dance Aid - Do They Know It's Christmas? (Rave The World) (MCD) (1994)

(Cover: Amazon.de)

So sicher wie in das Amen in der Kirche ist die jährliche Dauerrotations-Beschallung zur Adventszeit mit den unvermeidlichen Weihnachtsheulern "Last Christmas" von Wham! und "Do They Know It's Christmas?" des von Midge Ure und Bob Geldof 1984 angesichts der Hungerkatastrophe in Äthiopien ins Leben gerufenen Benefiz-Projekts Band Aid. Auch wenn beide Songs in den über 25 Jahren inzwischen deutlich Patina angesetzt haben, kann ich sie persönlich immer noch problemlos und gern zu gegebener Zeit hören. Anders sieht es mit dieser von der heutigen Gattin in die Beziehung gebrachten Maxi-CD aus.

Wozu also ein Bumm-Bumm-Dance-Aufguss? Anno 1994 griffen sich zum 10jährigen Jubiläums des Songs die damals führenden Produzenten- und Technoprojekte Deutschlands die bekannte Melodie, drehten den Geschwindigkeits- und BpM-Regler ordentlich nach oben, fügten ein paar zum Teil arg schwachbrüstige Vocals hinzu und packten alles in den damals vorherrschenden Happysound - fertig. Musikalisch ist das so notwendig wie ein Kropf, ohnehin wirkt das Ganze wie ein fix zusammengeschluderter Schnellschuss. Ausgewiesen sind auf der insgesamt 14 Minuten langen CD nur zwei Tracks (Radio und Rave Mix), als Extra ist aber noch eine A cappella-Version dreingegeben, die allerdings besonders schlampig produziert wirkt, hört man doch auf den Aufnahmen der teilweise erschreckend dünnen und tonunsicheren Stimmen recht deutlich die Sounds aus den Kopfhörern der Gesangsakrobaten.

Einen Extrapunkt gibt es für den guten Zweck, flossen doch alle Einnahmen des in meiner Erinnerung nicht sonderlich von Chartserfolg gekrönten Projekts der Deutschen Welthungerhilfe zu. Na immerhin...

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 19. Mai 2010

Buch-Rezensionen (189): Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie (Hörbuch) (1307-1320)

(Cover: Amazon.de)

Bei einem fast 700 Jahre alten Text der Weltliteratur liegt es in der Natur der Sache, dass er immer wieder neu übersetzt, interpretiert, gekürzt und verändert wird. Dies ist auch bei Dante Alighieris Jahrtausendwerk "Die göttliche Komödie" nicht anders, das hier - gesprochen von den Schauspielern Hannes Messemer, Siemen Rühaak und Thomas Holtzmann - in einer vom WDR produzierten Hörspielversion auf 3 CDs vorliegt. Bedenkt man die Länge des italienischen Originals von insgesamt 14.233 Versen wird schnell klar, dass es sich um eine deutlich gekürzte Fassung handeln muss. Tut dies der Intensität der Geschichte um Dante und seine fantastische Reise in Hölle, Purgatorium und Paradies einen Abbruch? Ich meine: nein!

Die Handlung ist bekanntermaßen derartig komplex, dass Interpretationen und Untersuchungen zur "Divina Commedia" ganze Buchregalreihen füllen. Zu gewaltig ist die Mischung aus theologischen, philosophischen, historischen und politischen Elementen, Anspielungen und Fakten. Doch selbst wenn man den gesamten intellektuellen Überbau einmal ins zweite Glied rücken lässt, bleibt immer noch ein wunderbar poetischer und anrührender Text übrig, der einerseits eine emotional höchst eindrucksvolle Liebeserklärung an die angebetete Beatrice darstellt und darüber hinaus ein umfassendes Bild von der mittelaterlichen Vorstellung von Himmel, Erde und Unterwelt bietet. Dantes Reise durch die Kreise der Hölle mit all ihren Scheußlichkeiten und Qualen der Sünder in Begleitung des antiken Dichters Vergil ist somit nicht nur Abenteuer und spirituelle Erfahrung sondern gleichzeitig für den Zuschauer auch noch höchst bildungsvermittelnd. Zu Recht ein ganz großes Werk der Weltliteratur!

Die drei Sprecher intonieren den Text mit dem Können von theatererfahrenen Schauspielern. Unterstützt von teils dramatischen Soundeffekten und passend gestalteter Musik ergeben sich für den Hörer eindrucksvolle und realistische Bilder vor dem inneren Auge. Und somit darf hier durchaus die Höchstwertung verliehen werden, auch wenn man gern noch eine weitere Beschäftigung mit Dantes Ausnahmedichtung in Form einer gedruckten Gesamtausgabe anraten darf - es lohnt sich.

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 18. Mai 2010

DVD-Rezensionen (189): JAG - Im Auftrag der Ehre (Season 5.1) (1999/2000)

(Cover: Amazon.de)

Auch die fünfte Staffel der Erfolgsserie erschien zum Ärger der Fangemeinde wieder in zwei Vollpreis-Boxen á 3 DVDs. Das Hü und Hott der Veröffentlichungspolitik von Paramount habe ich in meinen bisherigen JAG-Rezensionen mehrfach angesprochen, geradezu absurd wirkt mittlerweile, dass neben der zweiten auch die siebente Staffel in einem Schuber erschienen ist.

Die vierte Season endete mit dem Abschied Lieutenant Commander Harmon Rabbs vom JAG-Corps und seiner Rückkehr zu einer Marinefliegereinheit an Bord des (fiktiven) Flugzeugträgers USS Patrick Henry. Dieser operiert in der Adria, da die US-Einheiten die Flugverbotszone über dem Kosovo kontrollieren sollen. Somit spielen die ersten Folgen überwiegend an Bord, doch Rabbs Abwesenheit bei den Militärjuristen ist nicht von langer Dauer...

Wie gehabt beinhaltet die Box 12 Episoden in ordentlicher Bild- und Tonqualität. Durch den Kosovo-Einsatz stieg der Anteil actionorientierter Folgen, dennoch wurde eine ausgewogene Mischung aus Szenen im Gerichtssaal, zwischenmenschlichen Problemen und Emotionen und historischen Rückblicken gefunden. In der überwiegend 1969 spielenden Episode "Ghosts of Christmas Past /Sein letzter Einsatz", die Rabb erneut mit dem Schicksal seines Vaters konfrontiert, wird nicht zum letzten Mal der originelle Kniff benutzt, alle Hauptdarsteller in andere Rollen schlüpfen zu lassen.

Das Folgen-Dutzend hat wenige echte Durchhänger zu bemämgeln, meine persönlichen Favoriten finden sich in den Episoden "Rogue/Bomben auf New York", "The Colonel's Wife/Drogenrazzia in Panama" und "Into The Breech/Ein alter Fall in neuem Licht".

Bewertung: 4 von 5

Montag, 17. Mai 2010

Tragisch...

Es war zu erwarten, dass der seit heute feststehende WM-Ausfall Michael Ballacks nach dem Foul von Kevin-Prince Boateng zu einem mächtigen Rauschen im deutschen Medienwald führen würde, aber das Ausmaß (z.B. hier) hat mich dann doch etwas überrascht. Querbeet werden in den Kommentarspalten teilweise erbitterte Diskussionen über die Absicht des Tritts geführt. Zumindestens aufgrund der Tatsache, dass Boateng möglicherweise im Kader des deutschen Vorrundengegners Ghana stehen wird, hat die Geschichte für mich eine gewisses Geschmäckle. Aber davon abgesehen: für den (mir eigentlich nicht sonderlich sympathischen) Kapitän des DFB-Teams tut es mir schon sehr leid, war dieses Championat wohl die letzte Chance, einen internationalen Titel zu gewinnen. Das Fussball-Magazin 11freunde liess sich sogar schon zu einer Art Karriere-Nachruf hinreißen. Ich hoffe jetzt sehr auf eine geschlossene Trotzreaktion der restlichen Mannschaft - auf geht's, Jungs!

Freitag, 14. Mai 2010

Nachtgedanken (090)

Das den gesamten Tag anhaltende Regenwetter hier drückt wohl mächtig auf's Gemüt, somit musste für die heutigen "Nachtgedanken" etwas Morbides her. Fundstück ist "Ein Geheimnis" von Karl Ernst Knodt (1856-1917).

Ihr wißt so viel vom Tod zu sagen,
Vom Grab, in das man mich wird tragen,
Ihr Pred'ger....Doch ich traue nicht
Dem von euch selbst erborgten Licht.

Nur Einer steckte leise Lichter
Auf Höhen an. Er war kein Dichter,
Kein Prediger. Er war Prophet,
Und all sein Atmen war Gebet.

Der sprach vom großen Vaterhause
Und – daß dort jedem seine Klause
Bereitet sei … Er ging voran
Und hat die Tür uns aufgetan.

Doch die Ihr führet seinen Namen,
Ihr wißt auf alles gleich ein – Amen –,
Wonach ich nur die Sehnsucht hab';
Denn ein Geheimnis bleibt das Grab.

Mittwoch, 12. Mai 2010

CD-Rezensionen (188): Blind Passengers - Walking To Heaven (MCD) (1994)

(Cover: Amazon.de)

In den Jahren 1993/94 fanden so einige Erzeugnisse aus dem Bereich Synthie Pop den Weg in das heimische CD-Regal und auch der durch mehrmaliges Hören in meinem damaligen bevorzugten Club in den persönlichen Aufmerksamkeitsfokus gerückte Singlehit der Berliner Blind Passengers gehörte zu diesen umfangreichen Anschaffungen.

Zu diesem Zeitpunkt wandelte die damals noch als Trio agierende Band schwer auf den Pfaden von Depeche Mode & Co. und somit gibt es im Gegensatz zu den einige Jahre später vorherrschenden Bratgitarren-Klängen rein elektronische und sphärische Sounds zu hören. Das Titelstück liegt in zwei Mixen vor, die sich dankenswerterweise beide von der Albumversion des Debüt-Longplayers "The Glamour Of Darkness" unterscheiden. Kann die reichlich sechsminütige Nepal Version mit einigen meditativen Anleihen punkten, bekam der Radio Edit ein vom Sound eines damaligen Werbespots der mittlerweile längst verblichenen Kosmetikmarke GAMMON inspiriertes Intro spendiert.

Positiv an diesem Tonträger ist anzumerken, dass mit "Stop The Nation" und "Your Smell" nicht einfach anderswo bereits veröffentlichte Füllmasse, sondern zwei echte Non Album-Tracks verwendet wurden, wobei besonders letzterer eine prima B-Seite darstellt. Das macht zwar insgesamt nur etwas mehr als 18 Minuten Musik aus, allerdings ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis inklusive. Die Musikwelt wird mit dieser Maxi nicht eingerissen, sie ist dennoch ein immer wieder gern gehörter Teil meiner Musiksammlung.

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 11. Mai 2010

Nachtgedanken (089)

In letzter Zeit beobachte ich in meinem realen und Online-Umfeld immer häufiger scheiternde Beziehungen, die zum Teil bereits 20 Jahre und länger auf dem Buckel haben. Man ist also auch als langzeit-Gebundener keineswegs vor allerlei Liebes-Unbill gefeit und sollte diesbezügliche Zeichen rechtzeitig bemerken und einzuordnen wissen, wie das schon Emil Claar (1842-1930) in "Entwicklung" tat.

Oft in plaudernden, tanzenden Reihn
War er allein und war sie allein,
In Stille leidend.

Und dann fast immer in einsamer Pein
War sie allein und war er allein
Einander meiden.

Und dann war nicht er und nicht sie allein,
Sie waren plötzlich immer zu zwei'n,
Von allen sich scheidend!

Montag, 10. Mai 2010

Buch-Rezensionen (188): F. Scott Fitzgerald - Der große Gatsby (1925)

(Cover: Amazon.de)

Bei der Anschaffung der gesamten SZ-Bibliothek gerieten einerseits wahre Meisterwerke (wie beispielsweise Umberto Ecos "Der Name der Rose") als auch in meinen Augen Totalausfälle ("Der Untergeher" von Thomas Bernhard) in meinen Besitz. "Der große Gatsby" des Amerikaners F. Scott Fitzgerald (1896-1940) aus dem Jahre 1925 liegt irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Erzählt wird die Geschichte des Jungmillionärs Jay Gatsby, der in den aufregenden 1920er Jahren versucht, ohne Rücksicht auf sich, sein Vermögen und gesellschaftliche Widerstände die Zuneigung seiner großen Liebe Daisy, die in seiner Abwesenheit während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg einen anderen heiratete, zurückzugewinnen. Doch unaufhörlich steuert alles auf die große Katastrophe zu...

Es bringt einen schon manchmal ins Grübeln, warum man ein von der Literaturhistorie als großen Roman geadeltes Werk nicht so recht in sein privates "Finde ich toll!"-Portfolio aufnehmen mag. Ist man einfach zu unintellektuell, um die Kriterien der Kritikergilde nachzeichnen zu können oder ist alles nun doch nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, über den sich bekanntlich (nicht) streiten lässt? An vorliegendem Buch stört mich vor allem der unglaublich zähe Fluss der Handlung, die bis auf die dramatischen Wendungen gegen Ende nur spröde und spannungsarm vor sich hin tröpfelt. Für die dem Roman immer wieder zugeschriebene Gesellschaftskritik fehlt mir hier einfach ein tieferer und umfassenderer Einblick in eine der ereignis- und abwechslungsreichsten Dekaden des 20. Jahrhunderts.

"Der große Gatsby" ist kein schlechtes Buch, mit Sicherheit nicht. Zieht man aber ähnlich hochgehandelte Romane - wie beispielsweise das zu etwa der gleichen Zeit erschienene "Ulysses" von James Joyce - als Vergleichsmuster heran, dann verliert Fitzgeralds Werk den Wettbewerb sehr deutlich. Immerhin stand mit der Figur des Meyer Wolfsheim ein Handlungscharakter für den Namen einer meiner favorisierten Bands Pate.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 7. Mai 2010

Nachtgedanken (088)

Die heutigen "Nachtgedanken" drehen sich um das Thema Demut. Nicht alles (und vor allem sich selbst) so wichtig nehmen, dies befand schon Johann Timotheus Hermes (1738-1821) in "Verdankt sei es dem Glanz der Großen".

Verdankt sei es dem Glanz der Großen,
Daß er mein Nichts mir deutlich zeigt.
Mich hat er nie zurückgestoßen,
Denn mich hat er niemals erreicht.
Ich sah viel Kleine näher geh'n
Und blieb in meinem Zirkel stehn.

Sie sind mir wert, die engen Grenzen,
Wo ich so unbeträchtlich bin.
Hier seh' ich Stern und Orden glänzen,
Und Band und Stern reißt mich nicht hin.
Und auch das gnädigste Gesicht,
Aus meinem Zirkel bringt's mich nicht.

Soll mir des Größern Unmut zeigen,
Ich sei nur eine Kleinigkeit:
O Unschuld! Dann lehr' du mich schweigen
Und gib mir Unerschrockenheit,
Und präge mir sanfttröstend ein,
Es sei nicht Schande, klein zu sein.

Doch ließe sich zu meinem Kreise
Ein Großer ohne Falsch herab:
Erfahrung! Dann mach' du mich weise
Und zeichne meine Grenzen ab,
Und lehre mich, niemals zu klein,
Doch auch nicht kühn und eitel sein.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Ein Jubiläum

Kaum zu glauben, dies ist der 1000. Eintrag dieses Blogs. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen stillen oder kommentierenden Mitlesern bedanken. Ich hätte am Silvestertag 2007 auch nicht gedacht, dass ich die Schreiberei kontinuierlich beibehalten würde, schließlich fange ich ja gerne neue Projekte an, um sie dann erst einmal versanden zu lassen. Aber es macht Spaß, hält den Geist fit und lässt mich immer wieder neue Dinge entdecken. Nun denn, auf die nächsten 1000!

Mittwoch, 5. Mai 2010

Nachtgedanken (087)

Heute mal etwas Expressionistisches in Form von "Aschermittwoch" von Alfred Lichtenstein (1889-1914).

Gestern noch ging ich gepudert und süchtig
In der vielbunten tönenden Welt.
Heute ist alles schon lange ersoffen.
Hier ist ein Ding.
Dort ist ein Ding.
Etwas sieht so aus.
Etwas sieht anders aus.
Wie leicht pustet einer die ganze
Blühende Erde aus.

Der Himmel ist kalt und blau. 
Oder der Mond ist gelb und platt.
Ein Wald hat viele einzelne Bäume.

Ist nichts mehr zum Weinen. 
Ist nichts mehr zum Schreien.
Wo bin ich –

Dienstag, 4. Mai 2010

Endlich Post!

Ich zitiere aus mir heute zugegangenem Brief:

"Herr XXX

hat die nachstehende Hausarbeit vom 24.02.2010 zu Modul 1.1: Einführung in den Studiengang (8 SWS)

mit Erfolg angefertigt.

In Anlehnung an die Leistungsbewertung für die Studiengänge 'Bildungswissenschaft', 'Kulturwissenschaften' und 'Politik- und Verwaltungswissenschaft' mit dem Abschluß 'Bachelor of Arts (B.A.)' an der FernUniversität in Hagen im Akademiestudium

wurde die Note 1,3 (A - Excellent) sowie 15 Leistungspunkte (ECTS) vergeben."

Heute bin ich mal ein wenig stolz auf mich. 114 von 120 möglichen Punkten und das fast 19 Jahre nach meinem Abi - da darf man mal ein Glas trinken. Auf ein Neues!

Montag, 3. Mai 2010

Zurück...

Die Arbeitswelt hat mich nach einem vollen Monat Krankenhausaufenthalt und Rekonvaleszenz wieder. Ging entspannter als ich dachte, nur das frühe Aufstehen macht wie gewohnt keinen Spaß. 4.45 Uhr - grrrrrrrr....

Samstag, 1. Mai 2010

DVD-Rezensionen (188): Das Rätsel der Sandbank (1985)

(Cover: Amazon.de)

In meiner hart am Rande des sogenanten "Tals der Ahnungslosen" gelegenen DDR-Heimatstadt war die Empfangbarkeit des bundesdeutschen Fernsehens immer eine wetterabhängige Glückssache, musste man doch auf das terrestrische Antennensignal des fast 200 Kilometer entfernten Westberlins zugreifen. Und so kam es auch durchaus vor, dass man Serien eben nicht komplett sehen konnte, weil gerade im entscheidenden Moment wieder nur der verhasste Schnee auf dem Schirm zu sehen war. Das ging mir unter anderem 1985 mit der großartigen Serie "Das Rätsel der Sandbank" so, weswegen ich schon alleine aus nostalgischen Gründen sehr erfreut über die DVD-Veröffentlichung dieses Zehnteilers bin.

Zum Teil etwas sehr frei nach Motiven des gleichnamigen Romans von Robert Erskine Childers aus dem Jahre 1903 gestaltet, erzählt die Serie die Geschichte der zwei englischen Segler Arthur Davies (Burghart Klaußner) und Carruthers (Peter Sattmann), die im Herbst 1904 auf der kleinen Segelyacht "Dulcibella" im deutschen Wattenmeer unterwegs sind. Davies will, als Entenjäger getarnt, die Küste der ostfriesische Inseln kartographieren und sich damit für eine Offizierslaufbahn bei der Royal Navy empfehlen. Doch er und der darüber zunächst im Unklaren gelassene ehemalige Schulkamerad Carruthers - ein Dandy, der im britischen Außenministerium beschäftigt ist - geraten in eine brisante und lebensgefährliche politisch-militärische Affäre hinein, in der der angeblich schwedische Kaufmann Dollmann (Gunnar Möller) und seine Tochter Clara (Isabell Varell) eine mysteriöse Rolle spielen...

Für heutige Sehgewohnheiten wirkt der Erzählstil der Serie etwas gemächlich, richtig Fahrt nimmt die Handlung erst ab Folge drei auf. Dann wird es aber spannend, denn das fiktive Szenario einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem britischen Empire, das Childers kurz nach der Jahrhundertwende entwickelte, wirkt angesichts des 11 Jahre später ausgebrochenen Ersten Weltkriegs aus nachträglicher Sicht geradezu seherisch.

Natürlich sieht man auch in technischer Hinsicht der Serie ihr Alter etwas an. Bild und Ton gehen aber noch mit vertretbaren Mängeln durch, vielmehr bemerkt man die heute doch arg gestrig wirkenden Kombinationen aus Studio- und Außenaufnahmen oder die unnatürlich ins Bild hineinkopierten Motive eines eine Schleuse passierenden Kriegsschiffs. Gelegentlich kann man sogar im Hintergrund fahrende Autos erkennen.

Dies wird jedoch wettgemacht von großartigen Bildern der rauen Nordseelandschaft, den eindrucksvollen Veränderungen des Wattenmeers bei Gezeitenwechsel und dem guten Spiel der beiden Hauptdarsteller, die sowohl Seglerkameradschaft als auch den beim Leben auf so engem Raum nicht ausbleibenden "Bootskoller" gut zu vermitteln wissen. Peter Sattmann verändert sich vom anfangs versnobten Londoner Salonlöwen zum zupackenden Naturburschen, während der bedauernswerte Burghart Klaußner sich in nahezu jeder Folge nackt in die sichtlich unwirtlich kalten Fluten stürzen musste. Gunnar Möller und Dietmar Mues geben ihre zwielichtigen Nebenrollen ebenfalls sehr gut, während man Isabell Varell in ihrer ersten richtigen Schauspielertätigkeit doch noch eine gewisse Hölzernheit attestieren muss, wofür sie aber mit dem mit mächtiger Röhre intonierten Titelsong entschädigt.

Die Box mit ihren vier DVDs ist sehr ansprechend gestaltet, einzig und allein am Bonusmaterial wurde arg gespart. Der als "Drehbericht" annoncierte Vierminüter auf DVD 4 stammt dem eingeblendeten Logo nach aus dem Bremer Regionalmagazin "buten un binnen" und ist daher eher ein kurzer Nachrichtenbeitrag als ernsthafte Dokumentation zum Thema. Hier hätte ich mich eher über rückblickende Interviews oder Audiokommentare mit den Protagonisten gefreut. Doch trotz dieses Mangels ein ganz tolles Stück deutscher TV-Geschichte!

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 30. April 2010

Alt und doch neu...

Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man zum ersten Mal Fotos von sich erblickt, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben. So ging es mir heute, als mir meine Cousine ein gemeinsames Bild zukommen ließ, das ich vorher noch nie gesehen hatte und an dessen Entstehung ich mich logischerweise auch nicht erinnern kann. Aufgrund unseres Alters datiere ich die Aufnahme auf den Sommer 1976, der Ort ist eindeutig der Hof meiner Oma im naheliegenden Zeithain. Und auch wenn das antiquierte Kinderwagenmodell und die eigenartige Farbgebung etwas anderes suggerieren - der junge Mann in den Lederhosen ist kein Kind der unmittelbaren Nachkriegszeit sondern das bin ich!

Donnerstag, 29. April 2010

Nachtgedanken (086)

Angesichts der immer beunruhigenderen Meldungen, die aus Griechenland und aus anderen Ländern des Euro-Raumes kommen, habe ich für die heutigen "Nachtgedanken" aus der Feder Karl Julius Webers (1767-1832) etwas zum Thema Geld herausgesucht.

Und der Geldsack ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann ihn brauchen im Leben,
Und ob er auch dumm ist überall,
Dem Reichtum wird alles vergeben,
Und worauf kein Verstand des Verständigen fällt,
Das übet in Einfalt ein Tölpel ums Geld.

Mittwoch, 28. April 2010

CD-Rezensionen (187): Anne Clark - Pressure Points (1985)

(Cover: Amazon.de)

Während sich Anne Clark in ihren späteren Jahren vor allem eher ruhig-besinnlicheren Tönen mit dem verstärkten Einsatz akustischer Instrumente auf die Fahnen schrieb, gibt es auf ihrem 1985er Album noch die für diese Dekade typische Electro-Dröhnung zu hören. Unverändert für damals wie für heute gilt, dass die tiefsinnige Spoken Word-Poetik der Britin einen einzigartigen Platz im schnelllebigen Musikgeschäft einnimmt.

Gleich zu Beginn bekommt man mit "Heaven" wohl einen der Wave-Klassiker um die Ohren gehauen. Vom Sound her so etwas wie Frankie Goes To Hollywoods "Relax" auf Full Speed schreit Miss Clark hier ihre ganze Enttäuschung und Frustration heraus, dazu fährt der Song unheimlich in die Beine - ganz großes Tennis! Auch das folgende "Red Sands" bumpert im gleichen Vollgastempo vorwärts, noch zusätzlich unterstützt von fetten Gitarrenriffs im Hintergrund. Umso bemerkenswerter, dass nicht stur die gleiche Schiene weitergefahren wird, sondern mit einem der melancholischen Höhepunkte, "Alarm Call", dem deprimierenden "Tide" und dem etwas an Songs von OMD erinnernden "The Interruption" in deutlich ruhigere Gewässer gesteuert wird.

Mit "The Power Game" hält das 80er-typisch mit 31 Minuten nicht eben üppig lange Album noch einen weiteren Knaller bereit. In geradezu entrüstetem Tonfall tut Anne Clark ihren Unmut über politische Bevormundung kund - auch nach 25 Jahren ein nicht eben unaktuelles Thema. "World Without Warning" - vom Klang am ehesten mit "Japan meets Drama" zu beschreiben - weckt noch einmal mächtig auf, bevor eine der wohl klassischsten Platten des Genres mit "Bursting" und dem trotz Gitarrenunterstützung fast schon synthiepoppigen "Lover's Retreat" eindrucksvoll zu Ende geht. Ein Schmuckstück meiner Musiksammlung!

Bewertung: 5 von 5

Dienstag, 27. April 2010

Buch-Rezensionen (187): Manfred Mai - Deutsche Geschichte (Hörbuch) (1999)

(Cover: Amazon.de)

Eingangsfrage: kann man knapp 2000 Jahre Geschichte, die dieses Hörbuch umfasst, erschöpfend auf 4 CDs abhandeln? Die Antwort liegt klar auf der Hand - selbstverständlich nicht! Dies war aber offensichtlich auch gar nicht der Anspruch Manfred Mais, vielmehr wird hier auf eingängige Art und Weise in freilich vereinfachender und straffender Art und Weise Wissensvermittlung für den ambitionierten Laien geboten. Dies ist nicht nur für Schüler, sondern auch für andere an historischen Ereignissen und Entwicklungen Interessierte gut geeignet, regt es doch zur weiterführenden Beschäftigung mit der Materie an.

Dementsprechend weit gefasst sind die einzelnen Zeitabschnitte auf den vier Tonträgern. Disc eins umfasst den Zeitraum der Germanenzeit bis zum Jahr 1500, Disc zwei behandelt die reichlich 300 Jahre zwischen Reformationszeit und dem Revolutionsjahr 1848, die dritte CD schildert die Entwicklung des Deutschen Reichs bis 1933 unter besonderer Betrachtung der Einigung durch Bismarck und der Konstitution des Hohenzollern-Kaisertums 1871 und mit der deutschen Geschichte vom Beginn der NS-Herrschaft bis zum Wendejahr 1989 wird dieses populärwissenschaftliche Hörbuch abgeschlossen.

Leider liest Mark Bremer den Text relativ emotionslos und gleichförmig, was auf die Dauer etwas ermüdend wirkt. Mir hätte da eine gewisse ironische Brechung, wie das Matthias Ponnier bei (in seinem Geschichtsteil gut als Ergänzung geeigneten) "Bildung. Alles was man wissen muss" von Dietrich Schwanitz so wunderbar gestaltete, besser gefallen. So wirkt die hochinteressante Materie leider etwas trocken, was auf ungeduldige Naturen etwas abschreckend wirken könnte. Dennoch sollte man "Deutsche Geschichte" durchaus eine Chance geben, denn das Wissen um die Vergangenheit ist der Schlüssel zur Gestaltung der Zukunft!

Bewertung: 4 von 5

Montag, 26. April 2010

Nachtgedanken (085)

Der Autor der heutigen "Nachtgedanken"-Ausgabe hat wahrhaft Historisches geleistet. Auf die von Ludwig Eichrodt (1827-1892) gemeinsam mit Adolf Kußmaul (1822-1902) erfundene Figur des spießigen Dorfschullehrers Gottlieb Biedermeier geht schließlich die Bezeichnung einer ganzen Epoche zurück. Titel des heutigen Gedichts: "Ein Lebewohl".

Leb wohl, ich will dich nimmer sehn,
Will nichts mehr von dir wissen,
Ob Thränen mir im Auge stehn,
Ich hab den Schmerz verbissen.
Als wie ein Vogel flattert fort,
Als wie ein Blatt im Lenz verdorrt,
Als wie ein Lenz vergeht,
Sei unser Traum verweht!

Es ist vorbei, es thut kein gut,
Wir passen nicht zusammen,
In gleichem Takte springt das Blut
Und prasseln unsre Flammen.
Wir liebten uns, es war ein Wahn,
Wir beteten uns selber an.
Geheimnis, tief und groß,
Zieht an und läßt nicht los!

Wir konnten auf der Herzen Grund
Uns schauen und erlauschen –
Wir könnten schließen neuen Bund
Und Lieb in Freundschaft tauschen,
Geschwisterlich zusammengehn,
Uns friedlich in die Augen sehn,
Doch nein! Leb wohl, leb wohl!
– So flieht sich gleicher Pol.

Sonntag, 25. April 2010

Paul Schäfer †

(Foto: sueddeutsche.de)

Mit dem gestrigen Tod des 88jährigen Begründers der berüchtigten "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer,  ist eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte von nach dem 2. Weltkrieg nach Lateinamerika ausgewanderten Deutschen zu Ende gegangen. Der Verantwortliche für dutzend- und hundertfaches Leid von Kindern starb gestern in einem Gefängniskrankenhaus der Hauptstadt Santiago de Chile, nachdem er nach jahrelangem Schutz durch das Pinochet-Militärregime erst im jahr 2006 juristisch zur Verantwortung gezogen wurde. Für erschütternde Innenansichten aus der Kolonie sei an dieser Stelle das Buch "Geboren im Schatten der Angst: Ich überlebte die Colonia Dignidad" von Klaus Schnellenkamp empfohlen.

Freitag, 23. April 2010

DVD-Rezensionen (187): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 33 - Vorrunde 2006 BR Deutschland - Ecuador (3:0) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Im Grunde genommen waren vor diesem abschließenden Gruppenspiel alle Messen gelesen - beide Teams hatten sich mit je zwei Siegen bereits für das Achtelfinale qualifiziert, einzig und allein die Entscheidung um den Gruppensieg stand noch an. Ein taktisches Spielen auf Ergebnis war nicht möglich, wurde doch der kommende Gegner erst am Abend jenes 20. Juni 2006 im Spiel Schweden gegen England ermittelt. So versuchte die deutsche Mannschaft mit einem Sieg dem drohenden Duell mit dem Erzrivalen England aus dem Weg zu gehen, der als Favorit für den Sieg in Gruppe B galt, während das den Ecuadorianern herzlich egal zu sein schien. Wie man heute weiß: alles richtig gemacht! Aber darüber hinaus gelang es dem DFB-Team, hier ein Stück nationale WM-Geschichte zu schreiben. Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft die Gruppenphase mit 3 Siegen auf dem Konto beenden können - nicht einmal den Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990 war das gelungen. Dass dies nun vor heimischem Publikum im Berliner Olympiastadion mehr als überzeugend glückte, darf als eines der elementaren Bestandteile des "Sommermärchens" angesehen werden.

Die in ihren beiden anderen Vorrundenspielen bärenstark agierenden Südamerikaner enttäuschten an diesem tropisch heißen Sommertag mit einer von Trainer Luis Fernando Suárez aufgestellten B-Elf weitestgehend und ließen somit eine Aufbaumaßnahme ganz besonderer Art zu. Der im bisherigen WM-Verlauf schwächelnde Lukas Podolski wurde solange permanent mit Vorlagen gefüttert, bis ihm schlußendlich der erlösende Torerfolg glückte. Ein für das nächste Spiel entscheidender Umstand, wie sich noch zeigen sollte...

Auch wenn die Bildqualität der DVD eher mäßig ist, bekommt man ein rundes Gesamtpaket. Vorbetrachtung, Halbzeit- und Nachanalyse mit Gerhard Delling und Günter Netzer, von Monica Lierhaus geführte Interviews Mit Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Miroslav Klose sowie ein Porträt des gegnerischen Teams vor dem Spiel. Dazu die großartige und stimmungsvolle Kulisse in Berlin bei strahlendem Sonnenschein - perfekt! Allerdings wird einmal mehr klar, warum Reinhold Beckmann alles andere als ein talentierter Fußballkommentator ist - soll er mal lieber bei seinen Talkshow-Leisten bleiben!

Insgesamt zweieinhalb Stunden WM-Feeling mit gutem, aber nicht wirklich hochklassigen Spiel und ordentlich Zusatzmaterial, da darf man getrost ein gepflegte Vierer-Wertung zücken.

Bewertung: 4 von 5

Donnerstag, 22. April 2010

CD-Rezensionen (186): Erasure - Wonderland (1986)

(Cover: Amazon.de)

Als Vince Clarke anno 1985 mit dem Gesangsakrobaten Andy Bell gemeinsam sein neues Bandprojekt Erasure vorstellte, glaubte wohl keiner der Musikfreunde ernsthaft an ein längerfristiges Bestehen der Band. Zu oft hatte der introvertierte Klangbastler aus Essex nach seinem Ausstieg bei Depeche Mode neue Musiker rekrutiert, um (wie mit Yazoo, The Assembly oder der Zusammenarbeit mit Paul Quinn geschehen) nach spätestens zwei veröffentlichten Alben das Handtuch zu werfen. Bekanntlich sollte alles anders kommen - nach 25 Jahren gibt es Erasure immer noch! Gelegenheit, um nach diesem Vierteljahrhundert einmal auf die Anfänge zurückzublicken.

Man kann nicht sagen, dass Vince Clarke auf dem Erasure-Erstling den damals breiten Chartsraum einnehmenden Synthie Pop neu erfunden hat, die Kombination aus seinen zirpenden Analogsounds mit Andy Bells atemberaubenden Stimmlagenwechseln bot jedoch etwas ganz Besonderes im Ozean der elektronischen Popmusik. Und so finden sich auf dem Debüt mit dem einleitenden "Who Needs Love Like That" und "Oh L'Amour" gleich zwei Klassiker der Band, auch wenn der kommerzielle Durchbruch erst mit der vierten Single "Sometimes" vom Nachfolgealbum "The Circus" gelingen sollte.

Trotzdem finden sich neben erwähnten Songs eine ganze Reihe Knaller, die auch nach so langer Zeit noch erstaunlich frisch und unverbraucht klingen. Exemplarisch dafür stehen das treibende "Reunion", das mit leichten Kraftwerk-Anleihen versehene "Cry So Easy" oder das stellenweise den düsteren Dance-Sound der ausklingenden 80er schon vorausnehmende "Push Me Shove Me". Zwar treffen wie beispielsweise "Say What" oder "Pistol" nicht alle Songs meinen persönlichen Geschmack, dennoch gehen auch diese Tracks weit über den Status als pure Füller hinaus und werden durch Highlights wie die herzzerreißende Ballade "My Heart...So Blue" mehr als wettgemacht. Das in der originalen LP-Version 11 Songs umfassende Album wird in der CD-Ausgabe noch durch drei Remixe von "Say What", "March On Down The Line" und "Senseless" ergänzt, die dem damals üblichen Format der Extended Version folgen. Ein interessanter und gehaltvoller Bonus.

Nachdem "Wonderland" in meiner heimischen CD-Sammlung gegenüber den Erasure-Hitalben der späten 80er ein Schattendasein fristete, bin ich über diese persönliche Wiederentdeckung dieser Synthieperle der Pop-Dekade äußerst glücklich.

Bewertung: 4 von 5

Mittwoch, 21. April 2010

Juan Antonio Samaranch †

(Foto: tagesschau.de)

Wie soll man ihn nun abschließend bewerten, den heute im Alter von 89 Jahren verstorbenen ehemaligen IOC-Chef Juan Antonio Samaranch? Fest steht wohl, dass er die Olympischen Spiele und das Internationale Olympische Komittee wie kaum ein zweiter Funktionär verändert hat, oftmals nicht zum Guten. Beispielhafte Meinungen hierzu vom SPIEGEL, der ZEIT und des kritischen Sportjournalisten Jens Weinreich.

Dienstag, 20. April 2010

Buch-Rezensionen (186): Martin Selber - Die Sklavenhändler (1968)

(Cover: Amazon.de)

Der 2006 im Alter von 82 Jahren verstorbene Martin Selber gehörte zu den populärsten Autoren der DDR, der neben einer großen Anzahl von Jugend- und Abenteuerromanen auch mehrere Bücher über Amateurfunk und Elektrotechnik veröffentlichte.

Das 1968 erschienene "Die Sklavenhändler" erzählt die Geschichte des elfjährigen Waisenjungen Hannes Klaasen, der im Schleswig des Jahres 1840 ins Haus seines hartherzigen Onkels aufgenommen wird, um ihm in dessen Großhandel als billige Arbeitskraft zu dienen. Nachdem Hannes den Schlägen, der Lieblosigkeit und der Ausbeutung durch Weglaufen kurzzeitig entkommen kann, wird er nach seiner hungerbedingten Rückkehr von seiner eigenen Verwandtschaft an einen holländischen Kapitän für dessen vakante Schiffsjungenstelle verkauft. Findet Hannes nach anfänglicher Angst vor dem Meer und der raubeinigen Mannschaft auch langsam Gefallen an seinem neuen Leben, erwartet ihn bei seiner Ankunft an der westafrikanischen Küste ein Schock. Dieses Schiff handelt nicht mit Baumwolle oder Gewürzen, sondern einer ganz anderen Ware - Sklaven...

Mit der Schilderung der Ozean-Überfahrt der holländischen Brigg "Nereide" beleuchtet Martin Selber ein sehr dunkles Kapitel der Weltgeschichte - den Atlantischen Dreiecks- und Sklavenhandel. Angesiedelt in einer Zeit, in der Staaten wie das Vereinigte Königreich die Verschleppung von Schwarzafrikanern bereits verboten hatten, ergeben sich durch die Konfrontation mit britischen Kriegsschiffen und der Befreiungsbewegung im Zielort Suriname zahlreiche spannende Abenteuer. Auch wenn nicht alle Dinge historisch und geographisch korrekt dargestellt werden - dies ist ein lehrreiches und spannendes Buch für etwas ältere Kinder. Die DDR-typische Empfehlung nennt ein geeignetes Lesealter ab etwa 10 Jahren. Natürlich ist ein gewisser ideologischer Einfluss spürbar, dieser hält sich aber ob des menschenverachtenden Sujets in nachvollziehbaren Grenzen. Gerade die Passagen in Schleswig tragen Züge des Schaffens von Charles Dickens, dessen deprimierende Zustandsbeschreibungen der englischen Gesellschaft bekanntlich im gleichen Zeitraum angesiedelt waren.

Das durch Hans Wiegandt illustrierte Buch wurde 1970 durch die Erzählung "Das Klippergespenst" fortgesetzt.

Bewertung: 4 von 5

Montag, 19. April 2010

DVD-Rezensionen (186): Shrek der Dritte (Special Edition) (2007)

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Das Schöne an den vorangegangen Filmen rund um den übellaunigen grünen Sumpfbewohner waren immer die herrlich politisch inkorrekten Seitenhiebe auf "Friede, Freude, Eierkuchen"-Trickfilme á la DISNEY, die zum Miträtseln animierenden Filmzitate und die im Minutentakt ausbrechenden Streitgespräche zwischen Shrek und dem quasselstrippigen Esel Donkey. Nimmt man sich aber nun einmal die dritte (und noch nicht letzte) Ausgaber der Oger-Saga zur Brust, muss man doch deutliche Abnutzungserscheinungen konstatieren.

Dabei haben die Macher aus der DreamWorks-Schmiede versucht, alle Erfolgszutaten der beiden Prequels wiederzuverwenden. Alle relevanten Protagonisten sind wieder an Bord (das Grautier durch den viel zu frühen Tod Randolf Kronenbergs mit neuer und daher ungewohnter Synchronstimme), ein paar neue Charaktere gibt es als Zugabe - aber die Story? Manchmal glaubt man, einem Resultat des Autorenstreiks in Hollywood aufgesessen zu sein, denn die Geschichte um die mit Schwierigkeiten behaftete Findung eines Thronfolgers im Königreich "Weit Weit Weg" sowie dem erwarteten Nachwuchs von Shrek und seiner Göttergattin Fiona stottert doch nachhaltig vor sich hin und entfaltet nur in wenigen Szenen den humorigen Charme des Erst- und Zweitlings aus den Jahren 2001 und 2004.

Somit ist die Handlung schnell erzählt. Nach dem Tod des alten Froschkönigs Harold soll Shrek den Regentenposten im Königreich übernehmen, hat aber herzlich wenig Lust dazu. Daher macht er sich auf die Suche nach Artus, einem entfernten Verwandten Fionas, der ebenfalls den Thron anwärmen könnte. Dumm nur, dass in Shreks Abwesenheit Fiesling Prinz Charming die Macht an sich reißt...

Soweit, so öde. Zwar ist "Shrek der Dritte" technisch wie immer auf der Höhe der Zeit, aber irgendwie will sich das alte Feeling nicht einstellen, da helfen auch Selbstzitate wie der herzzerreißende Blick des Gestiefelten Katers (wie immer von Benno Fürmann mit drolligem pseudo-spanischem Akzent gesprochen) nicht viel. Auch das Bonusmaterial dieser Special Edition ist nicht gerade von begeisterungsfähigem Inhalt. Bild und Ton sind über jeden Zweifel erhaben, ein paar gute Gags gibt es auch, animationstechnisch höchstes Level - das reicht immerhin für das Bewertungs-Mittelfeld.

Ladies und Gentlemen in L.A. hergehört: beim nächsten Mal bitte besser machen!

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 16. April 2010

Peter Steele †

(Foto: last.fm)

Ich gebe zu, dass ich im Bereich der Düstermucke doch eher den eher ruhigen Klängen als dem Metal-Bereich zugeneigt bin. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass vorgestern mit Peter Steele, dem Frontmann von Type O Negative, eine der auch für mich prägendsten Figuren des Genres im Alter von nur 48 Jahren an Herzversagen verstorben ist. Der 2,03-Meter-Hüne galt in breiten Kreisen der weiblichen Goth-Szene als Sexsymbol, das lenkte freilich etwas von der guten - wenn auch textlich nicht immer unumstrittenen - Musik ab. Wieder einmal jemand aus dem unbarmherzigen Musik-Business, der zu früh die Bühne verlässt - R.I.P.!

Donnerstag, 15. April 2010

CD-Rezensionen (185): ABBA - Arrival (1976)

(Cover: Amazon.de)

Müsste man so etwas wie die Quintessenz von ABBA während ihrer noch vom überbordenden Pop-Appeal geprägten Hochzeit erstellen, käme dieses Album in seiner Eigenschaft als nahezu perfekte Pop-Platte schon sehr nahe dran. Schon alleine die puren Fakten sprechen für sich: Top-Positionen in den Charts für Singles und Album rund um den Globus, dabei unter anderem den Titel für das meistverkaufteste Album des Jahres 1977 in Großbritannien oder gleich dreimal in Folge Platz eins der deutschen Charts für die drei Singles "Dancing Queen", "Money, Money, Money" und "Knowing Me, Knowing You", den einmalig bleibenden Erfolg mit erstgenanntem Song auch die US-Chartsspitze geknackt zu haben - das muss man erst einmal mit nur 11 Songs von gerade 38 Minuten Spielzeit hinbekommen!

Viel ist über die durch die aufwändige Produktion scheinbare Zeitlosigkeit der Musik ABBAs schon geschrieben worden. Hier kommen aber einmal mehr die atemberaubenden Gesangsleistungen der beiden Damen Fältskog und Lyngstad besonders zum Tragen. Wie in "Dancing Queen" geradezu wahnwitzige Wanderungen auf der Tonhöhenleiter scheinbar mühelos bewältigt werden ist schon ein schwer beeindruckendes Stück Sangeskunst!

Auch wenn die Grundstimmung des Albums eher optimistisch-fröhlich angelegt ist und die Songs daher teilweise schon tief im damals weltweit gerade zur Hochform auflaufenden Disco-Sound wildern, ist trotzdem in Songs wie "Knowing Me, Knowing You" schon die Melancholie zu verspüren, die so typisch für die späte Bandphase werden sollte (das in der Originalausgabe nicht vertretene, aber der CD-Version als Bonus hinzugefügte "Fernando" darf man ebenfalls dazu zählen). Ich ertappe mich immer wieder dabei, neue und aufregende Feinheiten aus diesem nun schon fast 35 Jahre alten Stück Musikgeschichte herauszuhören. Man kann nur vor den Leistungen des neben der Paarung Lennon/McCartney genialsten Autorenteams der Popgeschichte samt ihrer Produzenten-, Techniker- und Musikercrew nur den Hut ziehen. Ein Tophit mit extra verstimmten Klavier wie "Money, Money, Money"? Für Ulvaeus/Andersson kein Problem...

Sollte es trotzdem so etwas wie einen Schwachpunkt auf diesem Schwedenhappen der besonderen Art geben, ist er wahrscheinlich beim doch recht belanglosen Tralala-Stück "Dum Dum Diddle" zu verorten. Das wird aber durch solche Knaller wie "Why Did It Have To Be Me" locker wieder aufgewogen, wo der zu dieser Zeit schon in den letzten Zügen befindliche Glam Rock (dem ABBA auch schon auf ihrem zweiten Album frönten) noch einmal fröhliche Auferstehung feiert. Da wird ganz erdig in die Saiten gegriffen und das Saxophon röhrt, als ginge es ums Leben - irre! Trotz der geringfügigen Mängel verbietet sich hier alles andere als die Höchstwertung.

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 14. April 2010

Buch-Rezensionen (185): Auf der Insel Pordoselene (1967)

(Cover: Amazon.de)

Sechs Hefte - original erschienen zwischen Januar und Juni 1967 - umfasst der sechste Nachdruckband der Ritter Runkel-Serie des Mosaiks. Dig, Dag und Runkel sind in letzter Minute dank eines kaiserlichen Gnadenerlasses dem Scharfrichter entronnen und befinden sich auf einer militärischen Strafexpedition gegen die aufmüpfige Insel Pordoselene, die dem Kaiser die fälligen Tributzahlungen verweigert. Natürlich verspüren die Protagonisten wenig Verlangen, für die Byzantiner in die Schlacht zu ziehen und so sinnen sie darauf, das ganze Unternehmen zu sabotieren...

Nach dem doch sehr düsteren Vorgängerband "Die Hochzeit in Byzanz" herrscht hier wieder deutlich mehr Humor vor, zudem können Dig und Dag erneut eine Spur ihres verschollenen Gefährten Digedag entdecken. Dies wird gleich gekoppelt mit der historisch lehrreichen (wenn auch aus dramaturgischen Gründen vereinfachten) Geschichte der Eroberung Konstantinopels durch die Venezianer im Jahre 1204. Somit ist auch dieser Band nicht nur etwas zur Unterhaltung, sondern birgt noch den einen oder anderen Erkenntnisgewinn - auch so dürfen Comics aussehen!

Da allerdings die Geschichte um die Belagerung der Stadt Pordoselene etwas künstlich in die Länge gezogen wirkt, reicht es diesmal nicht ganz zur Höchstwertung, da andere Bände der Runkel-Serie dramaturgisch deutlich mehr gestrafft erscheinen. Ein Ansichts- und Lesevergnügen sind die Hefte aber auch nach über 40 Jahren nach wie vor!

Bewertung: 4 von 5

Dienstag, 13. April 2010

Nachtgedanken (084)

Etwas Romantisches zum heutigen Abend. Fundstück für die heutigen "Nachtgedanken" ist "Weg" von Theodor Däubler (1876-1934).

Mit dem Monde will ich wandeln:
Schlangenwege über Berge
Führen Träume, bringen Schritte
Durch den Wald dem Monde zu.

Durch Zypressen staunt er plötzlich,
Daß ich ihm entgegengeh.
Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd,
Wenn michs friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die Wälder
Bringen mich zum Silbersee:
Nur ein Nachen auf dem Wasser,
Heilig oben unser Mond.

Schlangenwege durch die Wälder
Führen mich zu einem Berg.
Oben steht der Mond und wartet,
Und ich steige leicht empor.

Montag, 12. April 2010

Nach tagelanger Funkstille...

...melde ich mich hiermit zurück an Deck. Kurz vor Ostern hat mich eine Lungenentzündung aus den Latschen kippen lassen, die mir schlußendlich einen 10tägigen Krankenhausaufenthalt einbrachte. Ich tippe mal auf die firmeneigene Klimaanlage als Verursacher des ganzen Desasters. So richtig fit fühle ich mich immer noch nicht, meine Hausärztin wird deshalb morgen über den weiteren Gang der Dinge entscheiden.

In meiner Abwesenheit beendeten wieder einige Prominente ihr irdisches Dasein und somit gehen ehrende Gedenken an den ehemaligen "Hauptdarsteller der TV-Kultserie "Der Denver-Clan", John Forsythe (92, † 01.04.), die Schaupielerin Gisela Trowe (87, † 05.04.), den legendären Manager der nicht minder legendären Punk-Heroen Sex Pistols, Malcolm McLaren (64, † 08.04.) und den bei einem tragischen Flugzeugabsturz in Russland getöteten polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczyński (60, † 10.04.).