Mittwoch, 16. September 2009

CD-Rezensionen (161): Hape Kerkeling - Wieder auf Tour (2005)

(Cover: Amazon.de)

Die Karriere Hape Kerkelings hat jede Menge Höhen erlebt und auch einige Täler durchschritten. Seit nunmehr einigen Jahren befindet sich der Recklinghausener wieder straff in der Erfolgsspur, sei es als pilgernder Buchautor oder umtriebiger Darsteller seiner Kultfigur Horst Schlämmer. Dieser eröffnet und beschließt nebst einem Zwischenkommentar auch diese CD, die Ausschnitte aus Kerkelings bisher letztem Bühnenprogramm beinhaltet.

Wie immer zieht Kerkeling seine Stärken aus der Fähigkeit, in komplett unterschiedliche Charaktere schlüpfen zu können. In die des nuschelnden und in seiner Schnappatmung Horst Schlämmer brüderlich verbundenen Tourmanagers Werner Fritsche beispielsweise oder der holländischen Paartherapeutin Evje van Dampen. Bei Letzterer baut sich vor dem geistigen Auge immer sofort Kerkelings legendäre Königin Beatrix aus der längst zu einem Stück TV-Kult gewordenen Sendung "Total normal" auf, die mit ihrem überfallartigen Besuch beim Bundespräsidenten ("lecker Mittag essen") allerdings deutlich lustiger war, als die ständig das Mantra "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit" vor sich herbetenden Beziehungskitterin.

Zu allem Überfluss müssen als Gesangsdarbietungen Songs herhalten, die in diversen Jahrgängen den letzten Platz beim Eurovision Song Contest - vulgo: Grand Prix - belegten. So darf man dann finnischem, niederländischem oder italienischem Liedgut lauschen, bei dem man recht schnell erkennt, warum die Stücke grandios scheiterten.

Die lustigen Highlights muß man sich dann doch herauspicken. Marcel Reich-Ranicki und Siegfried Schwäbli dürfen wie schon auf "Erwarten Se nix" (1991) miteinander parlieren und bei "Petersplatz" tobt sich das ehemalige "Hannilein" wieder einmal beim Sprechen/Imitieren von Sprachen so richtig aus. Absoluter Höhepunkt ist jedoch "Café Korten", wo der bekennende Homosexuelle Kerkeling als eine seine Mitmenschen terrorisierende Tunte so ziemlich jedes Schwulenklischee köstlich auf die Schippe nimmt. Grandios! Auch "Winterszeit in Wien" ist in seiner Boshaftigkeit zum Schreien komisch.

Mir persönlich herrscht allerdings auf dieser CD ein wenig zu viel Leerlauf, um eine bessere als eine Durchschnittswertung herauszurücken.

Bewertung: 3 von 5