Sonntag, 20. Januar 2008
Hillary Clinton gewinnt Caucus in Nevada
Sei es wie es sei, Hillary Clinton gewinnt also auch die Entscheidung der Demokraten in Nevada und hat nun im parteiinternen Wettkampf wieder hauchdünn die Nase vorn. Es wird wohl nun tatsächlich auf den "Super Tuesday" am 5. Februar ankommen, man darf gespannt sein.
Bei den Republikanern deutet alles auf einen Zweikampf zwischen John McCain und Mitt Romney (mit leichten Vorteilen für Letzteren) hin, aber auch hier heißt es: abwarten.
Schlag den Raab - oder mal wieder nicht...
Da oft enorm unsympathische Kandidaten um den Jackpot kämpfen, drücke ich meistens dem Gastgeber die Daumen. Gestern konnte man aber endlich mal wieder mit dem Herausforderer mitfiebern, sehr nett und bereit alles zu riskieren, bis hin zu zwei blutenden Schmissen im Gesicht. Schlußendlich hatte Raab mal wider die Nase vorn und so geht es im April um 2 Millionen Euro. Wie immer - ich bin dabei!
DVD-Rezensionen (005): Ist sie nicht wunderbar? (1987)
In Zeiten, wo Teeniekomödien hauptsächlich auf Gags mit diversen Körperflüssigkeiten basieren, denkt man wehmütig an solche romantischen Filme seiner Jugendzeit zurück. Die Story ist zwar alles andere als neu (unglücklich verliebter Außenseiter bemerkt nicht, dass seine beste Freundin (Mary Stuart Masterson - "Benny & Joon") in ihn verknallt ist, selbst das arrogante Ekelpaket als Freund der Angebeteten (Craig Sheffer - "Cabal"), der strenge Vater (John Ashton - "Beverly Hills Cop") und die nervende Schwester des Protagonisten fehlen nicht, aber alles in allem macht es einfach Spaß, den Liebeswirren von Eric Stoltz ("Pulp Fiction") zuzuschauen.
Einer meiner ganz großen Favoriten der 80er, Lea Thompson ("Zurück in die Zukunft") ist zum Anbeißen süß! Deren Rollenname "Amanda Jones" basiert im Übrigen auf einem Rolling Stones-Song, der auch im Film zu hören ist und die Musik der Eingangssequenz stammt von den deutschen Synthie-Poppern Propaganda. Daumen ganz klar nach oben!
Leider muß ich für das Fehlen sämtlicher Extras und den deutschen Mono-Ton einen Punkt abziehen. Schade, denn der Film hat eigentlich die volle Wertung verdient. Wer die großen Vier unter den Teeniekomödien der Popdekade besitzen will, kommt an "Ferris macht blau", "Pretty In Pink", dem "Breakfast Club" und eben "Ist sie nicht wunderbar?" nicht vorbei.
Bewertung: 4 von 5
Samstag, 19. Januar 2008
CD-Rezensionen (004): Frankie Goes To Hollywood - Bang!... The Greatest Hits (1993)
Frankie Goes To Hollywood verkörperten die Achtziger wie kaum eine andere Band. Laut, schrill, immer für einen Skandal gut und irgendwie sympathisch großmäulig. Die von Produzent Trevor Horn zusammengestellte Truppe, in der außer Sänger Holly Johnson keiner der Mitglieder nennenswerte musikalische Begabungen besaß, landete mit nur zwei Studioalben und sieben Singles fünf Top5-Hits in Großbritannien, davon dreimal eine Nummer Eins. Neben den sieben Album-Auskopplungen sind auf diesem gelungenen "Best Of" noch die Coverversionen "War" (von den Temptations bzw. Edwin Starr), "Ferry 'Cross The Mersey" (von Gerry and the Pacemakers), "Born To Run" (von Bruce Springsteen) sowie "For Heaven's Sake", "The World Is My Oyster" und das abschließende Instrumental "Bang" enthalten. Mein persönlicher Favorit der Band wird auf ewig "The Power Of Love" bleiben, wohl die schönste Popballade aller Zeiten, mittlerweile durch das Video ein echter Weihnachtsklassiker. Wenn in meiner Jugend der DJ die neuneinhalbminütige Maxiversion herauskramte, hatte man das Mädel beim Tanzen für eine gefühlte Ewigkeit im Arm...
Nicht zuletzt wegen diesen schönen Erinnerungen die volle Punktzahl!
Bewertung: 5 von 5
Bobby Fischer †
(Foto: Wikipedia.de)
Buch-Rezensionen (004): Homer H. Hickam - Rocket Boys (1998)
Auf dieses Buch wurde ich durch einen Artikel im SPIEGEL aufmerksam und den Kauf habe ich keinesfalls bereut. Homer H. Hickams Jugenderinnerungen sind ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte in Romanform.
Coalwood, West Virginia 1957. Das kleine Bergarbeiterstädtchen liegt wie die gesamte USA im Sputnik-Schock. Nur Homer "Sonny" Hickam und seine Schulfreunde sind vom anbrechenden Weltraumzeitalter begeistert und beschließen eigene Raketen zu bauen und so ihrem Idol, dem deutsch-amerikanischen Raketenpionier Wernher von Braun, nachzueifern. Gegen vielerlei Widerstände, nur durch eine junge, engagierte Lehrerin unterstützt, trotzen sie allen Rückschlägen und schaffen es mit ihren immer weiter verbesserten Modellen bis zu einem nationalen Wissenschaftswettbewerb.
Das Faszinierende an Hickams Autobiographie ist die Tatsache, dass der Autor später tatsächlich seinen Jugendtraum verwirklichte und bei der NASA als Ingenieur arbeitete. Die in den USA ebenso wie im damaligen Deutschland spießige Atmosphäre der 50er wird im Buch wieder lebendig, rebellische Jugendliche, die sich nicht dem Alltagstrott unterordnen und nicht wie ihre Väter eine lebenslange und gesundheitsschädliche Arbeit im Kohlebergwerk anstreben werden mit aller Macht Hindernisse in den Weg gelegt. Ein tolles Buch über das Erwachsenwerden, das Verwirklichen von Träumen, wie es der "American Dream" so oft beschreibt und gleichzeitig eine interessante Schilderung der Ära.
"Rocket Boys" wurde 1999 unter dem Titel "October Sky" mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle verfilmt. Der Film hält sich eng an die Vorlage und ist ebenfalls sehr zu empfehlen.
Bewertung: 5 von 5
Freitag, 18. Januar 2008
Wolfsheim trennen sich
Zitat: "Inzwischen hat der „Wolfsheim"-Gründer die Ausschließung von Sänger Peter Heppner aus der Gesellschaft „Wolfsheim" erklärt und Klage vor dem Landgericht Hamburg zur Feststellung der Wirksamkeit der Ausschließung von Peter Heppner erhoben, um den eingetretenen Stillstand bei „Wolfsheim" zu beenden ..."
Kaum zu glauben, dass es hier um eine Band geht. Na dann... Einmal "The Sparrows And The Nightingales" aufgelegt und still trauern.
DVD-Rezensionen (004): Memphis Belle (1990)
"Memphis Belle" ist einer der lobenswerten Ausnahmen im amerikanischen Kriegsfilmgenre, die auf überbordenden Hurra-Patriotismus und plakative Schwarz-Weiß-Malerei verzichten. Die Geschichte des 25. und letzten Einsatzes (mit einigen künstlerischen Freiheiten nach einer wahren Begebenheit erzählt) des B-17-Bombers und seiner Besatzung ist ein spannender Film mit Starbesetzung.
Unter dem Kommando von Captain Dennis Dearborn (Matthew Modine - "Full Metal Jacket") hat die Crew der "Memphis Belle" im Mai 1943 noch einen 25. und letzten Einsatz - die Bombardierung der Focke-Wulf-Werke in Bremen - zu fliegen, bevor sie in die Heimat zurückkehren und auf eine Werbetour für Kriegsanleihen gehen soll. Der Film schildert realistisch und spannend die Konflikte innerhalb der Besatzung (u.a. Eric Stoltz - "Pulp Fiction", Billy Zane - "Titanic", Sean Astin - "Herr der Ringe" und Harry Connick jr. - "Independence Day)" und deren Ängste während Flak- und Jagdfliegerbeschuß. Dabei werden die Deutschen nicht wie in Kriegsfilmen üblich plump und stereotyp als Ansammlung von Nazischergen, sondern einfach als die gegnerische Kriegspartei dargestellt, eine Ansicht, die zum damaligen Kriegszeitpunkt noch überwog.
Neben den Hauptakteuren wissen vor allem John Lithgow ("Die Akte") als übermotivierter Presseoffizier und David Strathairn ("Das Bourne Ultimatum") als sachlicher, um seine Besatzungen besorgter Kommandant zu überzeugen.
Einen Punkt Abzug gibt es für die äußerst magere Ausstattung der DVD, hätte sich doch die Thematik für weiterführende Dokumentationen bestens geeignet. Trotzdem für historisch interessierte Personen unbedingt zu empfehlen.
Bewertung: 4 von 5
Donnerstag, 17. Januar 2008
CD-Rezensionen (003): Blind Passengers - The Glamour Of Darkness (1993)
1993 war in vielerlei Hinsicht ein turbulentes Jahr für mich. Und in solch ereignisreichen Zeiten bekommt auch die Musik der Stunde eine besondere Bedeutung. So kommt es, dass sich aus dem Jahr 1993 überraschend zahlreiche Veröffentlichungen in meiner privaten Plattensammlung befinden, was umso bemerkenswerter ist, als das mir die 90er im Ganzen als musikalisch recht belanglose Dekade in Erinnerung geblieben sind.
Die Blind Passengers aus Berlin verfolgen auf ihrem Debütalbum noch ganz klar die klassische Synthiepoplinie, deutlich von den Heroen Depeche Mode beeinflusst. Trotzdem wissen sie eigene Akzente zu setzen. Höhepunkt der CD ist sicherlich das sphärisch-schöne "Walking To Heaven", wegen dem ich mir das Album damals überhaupt erst kaufte. Freunde der gepflegten elektronischen Tanzmusik sollten auch wegen "Small-Town Night", "Too Much" und "Yes, Sir!" zugreifen. Und mit "You Know My Feelings" hat die mit romantischen Balladen nicht unbedingt gesegnete Sparte auch einen würdigen Vertreter erhalten. Auch wenn die Produktion mittlerweile ein wenig angestaubt klingt, kann ich guten Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen.
Bewertung: 4 von 5Einkaufen in der Twilight Zone
Mittwoch, 16. Januar 2008
Kapitulation?
Warum das so ist?
Schuld sind diese immer mehr anzutreffenden Allwisser, Profidiskutierer, Wortverdreher und Einsichtresistenten. Ich habe ehrlich gesagt wenig Lust, meine mittlerweile knapp bemessene Freizeit in Diskussionen, die nach dem Motto "Der große Vorsitzende sagt ..." ablaufen, zu verschwenden. Ich zerbreche mir manchmal den ganzen Tag den Kopf über einen Beitrag, den ich am Abend schreiben will, sammle in Gedanken schon Fakten und Argumente, nur um dann zu Hause resigniert abzuwinken. Es lohnt einfach nicht die Mühe. Schade finde ich die Situation schon ein wenig, habe ich doch eben mit diesen Foren meine Internet"karriere" begonnen. Aber inzwischen ödet mich das nur noch an. In diesem Sinne:
Leckt mich am Arsch!
Dienstag, 15. Januar 2008
Buch-Rezensionen (003): Dieter Noll - Werner Holt - Roman einer Jugend (1960)
Schullektüre in der DDR war oftmals ideologisch verquaster, schwer verdaulicher Stoff. Ganz anders dieses Meisterwerk, das von vielen Schülern begeistert verschlungen wurde und einige (so wie mich seit nunmehr über 20 Jahren) ihr Leben lang begleitet. So oft man es auch liest, immer wieder finden sich neue Details zum Entdecken, deutet man Dinge anders als bei der letzten Lektüre. Ein Buch zum lachen, weinen, verliebt, traurig und wütend sein. Das kann nur Literatur!
Dieter Noll, aus meiner Heimatstadt Riesa stammend, erzählt in einem weiten Bogen die Geschichte des Bürgersohns Werner Holt vom Sommer 1943 bis zum Frühjahr 1945. Beginnt das Buch noch mit dem unbeschwerten Pennälerleben, ziehen schon bald die dunklen Wolken des Kriegs, der noch fern der Heimat tobt, auf. Eine Jugend, die in den Bombenteppichen des Ruhrgebiets und den Durchbruchsschlachten der Ostfront abrupt ihr Ende findet.
Der Leser wird Zeuge von erster Liebe und lernt gleichzeitig viel über militärhistorische und -technische Dinge, hofft, bangt und leidet mit den Protagonisten mit. Bis auf ganz wenige Ausnahmen verläuft das nahezu ideologiefrei, eine Eigenschaft, die dem Nachfolgeband leider nahezu komplett fehlte. Dieser heute nicht mehr offiziell erhältliche Roman sollte dennoch zum besseren Verständnis der Geschichte gelesen werden.
Der DEFA-Film wird dieser Vorlage leider nicht gerecht, obwohl Klaus-Peter Thiele sicherlich auch mein Bild von Werner Holt maßgeblich geprägt hat.
"Werner Holt - Roman einer Jugend" kann in seiner Bedeutung wohl nur mit "Im Westen nichts Neues" oder im Filmbereich mit "Die Brücke" verglichen werden. Ein Standardwerk, das hoffentlich noch vielen Lesergenerationen zukommen wird. Vielleicht legt eine Kultusministerkonferenz irgendwann einmal ihre ideologischen Scheuklappen ab und nimmt dieses Buch wieder in den Schulstoff auf, es steht ihm unbedingt zu.
Bewertung: 5 von 5
Es sind die kleinen Dinge...
DVD-Rezensionen (003): Lost In Translation (2003)
Es kommt nicht allzu häufig vor, dass es einem Film gelingt praktisch "aus dem Stand" in meine persönliche Favoritenliste zu gelangen. "Lost In Translation" ist eine der seltenen Ausnahmen.
Erzählt wird die Geschichte eines abgehalfterten amerikanischen Schauspielers (gewohnt gut: Bill Murray), dessen vergangener Glanz immerhin noch einen Werbejob in Japan für eine einheimische Whiskymarke abgeworfen hat. Allein im Tokio Hotel (har, har), gelangweilt von Leben und Beruf, genervt von der ständig anrufenden Ehefrau und überfordert mit den japanischen Sitten, trifft er in der Hotelbar die junge Charlotte (Scarlett Johansson), ständig allein gelassen von ihrem schwerbeschäftigten Fotografen-Ehemann. Die zart aufkeimende Freundschaft/Liebe der beiden gehört zu den wundervollsten Filmerzählungen der letzten Jahre, zu Recht mit internationalen Preisen überhäuft.
"Lost in Translation" steckt voller wunderbar poetischer Momente, allein die nächtliche Taxifahrt durch das grellbunt illuminierte Tokio wirkt ohne jedes gesprochene Wort. Amüsante Szenen aus dem wilden Nachtleben der Megacity wechseln sich mit melancholischen ab, beide Protagonisten liefern hier hervorragende Leistungen ab. Und was Bill Murray Scarlett Johansson zum Abschied ins Ohr flüstert, dürfte mittlerweile zu den modernen Filmmythen gehören...
Bewertung: 5 von 5
Sonntag, 13. Januar 2008
Maila Nurmi †
Ruhe in Frieden!
CD-Rezensionen (002): Erasure - Erasure (1995)
Der Außenstehende sollte sich nicht täuschen lassen, Erasure betitelten 1995 ihr damals bereits siebentes Studioalbum einfach wie ein Debüt. Diese Platte spaltet die Fangemeinde der beiden Briten bis heute, Volltreffer oder Flop? Für mich ganz klar Ersteres!
Erasure standen und stehen nicht unbedingt für musikalische Weiterentwicklung oder Innovation. Hier aber beschritt Mastermind und Soundguru Vince Clarke größtenteils neue Wege. Weg von der radiotauglichen 3-Minuten-Uptempo-Nummer hin zu verspielten Ambientklängen und ausufernden Instrumentalpassagen, die den Großteil der Songs auf mindestens sechs Minuten verlängern, ohne jemals langweilig zu wirken. Höhepunkt ist jedoch ganz klar der Zehnminüter "Rock Me Gently", keiner schmachtet schöner als Andy Bell! Den Stern Abzug für die zum Ende hin etwas nachlassende Spannung, daher bleibt "Chorus" meine persönliche Lieblingsscheibe.
Auf "Erasure" muß man sich einlassen können, es erschließt sich nicht sofort. Aber mit einem Glas Wein in der Hand und "Sono Luminus" im Ohr steht der Reise ins Traumland nichts mehr im Wege...
Bewertung: 4 von 5
Freitag, 11. Januar 2008
Sir Edmund Hillary †
(Foto: Wikipedia)
Nun ist er im Tod wieder mit seinem damaligen Mitstreiter Tenzing Norgay (†1986) vereint. Aber Neuseeland hat seinen Nationalhelden verloren. Im "Hillary Step" wird er jedoch weiterleben. R.I.P.
Buch-Rezensionen (002): Toni Schumacher - Anpfiff (2007)
Selbsternannte Enthüllungsbücher zu lesen, macht in meinen Augen an für sich nur mit dem Abstand einiger Jahre Sinn, da sich erst im Nachhinein der Wahrheitsgehalt der Behauptungen überprüfen lässt. Schon so mancher journalistische "Schnellschuß" hat sich im Laufe der nächsten Monate als Rohrkrepierer entpuppt. Was gibt es also 21 Jahre "danach" über Toni Schumachers "Anpfiff" zu sagen?
Die Fakten sind bekannt. Die Veröffentlichung mit dem Untertitel "Enthüllungen über den deutschen Fußball" führten zum Rausschmiß aus Nationalmannschaft und dem 1. FC Köln. Galt Schumacher nach dem '82er WM-Foul an Patrick Battiston als Brutalo der Nation, hatte er sich nun mit "Anpfiff" den Ruf des "Nestbeschmutzers" erworben. Zu Recht?
Das Buch ist keine Autobiographie. Kindheit und Jugend Schumachers werden nur gestreift, ebenso der Weg zum Bundesligaprofi und Nationalspieler. Umso mehr Platz wird den Jahren von 1982 bis 1986 eingeräumt, die Weltmeisterschaften beider Jahre bilden gewissermaßen eine Klammer des Inhalts. Die konsequente Setzung des Worts "Foul" in Anführungszeichen bei der Beschreibung der Attacke gegen Battiston hinterlässt einen faden Beigeschmack. So oft sich Schumacher auch verteidigen und seine Unschuld beteuern will, dem Fernsehen mit seinen Zeitlupen die Schuld gibt - diese Aktion wird wohl nur er als unabsichtich ansehen. Die Geschichte der medieninszenierten "Versöhnung" der beiden liest sich auch recht bitter. Umso interessanter der Rest:
Schumacher teilt keine Rundumschläge aus sondern differenziert. Kritisiert Paul Breitner ob seines wenig professionellen Lebenswandels mit Zigarren, Alkohol und Pokerrunden, zollt im aber den höchsten sportlichen Respekt. Wer trotz seiner Laster Höchstleistungen auf dem Platz bringt, erntet durchaus lobende Worte. Ebenso Journalisten. Kritiker werden respektiert, unbewiesene Kampagnen fahrende Schreiberlinge beim Namen genannt. Die von Schumacher aufgestellte Behauptung, dass gewisse Medien bei verweigerter Zusammenarbeit mit Negativberichterstattung drohen, darf man aufgrund diverser Vorfälle in den letzten Jahren als gegeben ansehen.
Ein Hauptgrund des damaligen Skandals war die angesprochene Dopingproblematik, besser ausgedrückt als "fit spritzen". Einst als dreiste Lüge abgetan, weiß man es heute wohl besser.
Geradezu verblüffend sind Schumachers Ausführungen zur Unprofessionalität in DFB und den Bundesligaclubs. Seine Vorstellungen von modernen Fußballarenen mit angeschlossener Infrastruktur wirken aus heutiger Perspektive geradezu seherisch. Besonderes Lob bekommen schon damals die Münchener Bayern und im Speziellen Uli Hoeneß, Schelte dagegen verknöcherte DFB-Funktionäre, größenwahnsinnige Clubpräsidenten und satte Jungprofis. Ebenfalls bestürzend aktuell, auch wenn wohl durch die WM 2006 insgesamt eine spürbare Erneuerung zu verzeichnen ist.
Richtig persönlich angegriffen werden im Buch nur zwei damals aktive Fußballer: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Stein. Bei beiden spielen die Vorkommnisse bei der WM in Mexiko eine Rolle. Das die Zeit viele Wunden heilt, beweist die Tatsache, dass Schumacher, der laut Buchtext keinerlei Chance mehr auf eine Verständigung mit Uli Stein sah und "keine Zeile mehr für diese Type verschwenden" wollte, vor zwei Jahren eben diesem in einer WM-Show der ARD um den Hals fiel und mit Stein launige Geschichten aus dem damaligen deutschen Mannschaftsquartier zum Besten gab, so ganz nach dem Motto "Weißt Du noch?"
Fazit: Sieht man einmal von den Erklärungsversuchen zu Battiston ab, ist "Anpfiff" eine durchaus noch aktuell wirkende Lagebeurteilung des deutschen Fußballs, zu Unrecht fast vergessen. Einige Entwicklungen wie das Bosman-Urteil oder der TV-Gelder-Irrsinn durch das Pay-TV waren noch nicht vorhersehbar, aber viele andere Dinge verblüffen durch ihre fortbestehende Gültigkeit. Wer die Gelegenheit zum Erwerb hat - kaufen!
Bewertung: 4 von 5
Donnerstag, 10. Januar 2008
Krankenbesuch
Sein Zustand ist nach wie vor so lala. Im Allgemeinen macht er keinen richtig kranken Eindruck, wenn nur dieser verdammte wässrige Durchfall nicht wäre! Der Inhalt der letzten Windel war schon etwas "breiig", vielleicht gibt das ja Anlass zur Hoffnung.Wie immer: Warten, warten, warten...
DVD-Rezensionen (002): Ed Wood (1994)
Erstens: Ich mag Filme von Tim Burton. Zweitens: Ich mag Filme, in denen Johnny Depp mitspielt. Ergo: Ich mag ganz besonders Filme von Tim Burton, in denen Johnny Depp mitspielt!
Vor einigen Jahren kam mir diese Perle zu später Stunde im TV unter die Augen. Den Namen Ed Wood hatte ich irgendwo schon einmal gelesen, ebenso Berichte über seine Trash-Machwerke. Dieses meisterhafte Biopic über den sogenannten "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" hat aber erst richtig das Interesse an Epoche und Protagonisten geweckt. Für mich ein Pflichtbestandteil in jeder gutsortierten Filmsammlung!
In grandios ausgeleuchtetem Schwarz/Weiß wird die wahre Geschichte eines hochmotivierten, doch leider völlig talentfreien Jungregisseurs (Johnny Depp), seinen leidenschaftlichen Versuchen, seine filmischen Visionen zu verwirklichen und seine Freundschaft zum aufs Abstellgleis geschobenen ehemaligen "Dracula"-Darsteller Bela Lugosi (absolut zu Recht Oscar-prämiert: Martin Landau!) geschildert. Dabei wird Wood trotz breiter Angriffsflächen (wie seiner Vorliebe für Frauenkleider) nie lächerlich gemacht, ein großes Plus dieses Films. Burton verneigt sich eher vor einem Idol.
Die Optik passt sich perfekt in die klassischer B-Movies der 50er ein, anders als in s/w würde der Streifen gar nicht funktionieren. Auch auf DVD sehr kontrastreich.
Die Nebencharaktere agieren von genial (Landau) über sehr gut (Bill Murray als Bunny Breckinridge und Jeffrey Jones als Wahrsager-Scharlatan Criswell) bis hin zu schlecht (Lisa Marie als Vampira). Bei dieser mag ihre damalige Beziehung zum Regisseur für die Besetzung eine Rolle gespielt haben.
Bitte kaufen, es lohnt sich!
Bewertung: 5 von 5
Hillary is back!
Mittwoch, 9. Januar 2008
3 Tage am Boden
Kaum waren wir zu Hause, bekam ich Schüttelfrost, dann mußte ich mich übergeben, durfte mich dann auch noch mit Durchfall herumärgern, erbrach mich wieder, rannte wieder aufs WC und hatte gegen 3 Uhr morgens alles auf einmal. Ich ließ mich dann den Montag bei meinen Eltern nieder, da Ramona natürlich den ganzen Tag im Krankenhaus verbrachte. Nach einigem Hin und Her bekam sie doch noch einen Platz für sich, gerade nachdem sie mächtig Krach wegen einer sehr groben Schwester geschlagen hatte, die ihr unseren Sohn fast in die Arme warf.
Gestern war ich auch noch nicht arbeitsfähig, glücklicherweise erlaubt meine Firma ein paar Karenztage ohne Krankschreibung. Heute werde ich wieder mal mein Glück versuchen, auch wenn ich mich noch mächtig mau fühle.
Inzwischen wurde bei Aaron eine Infektion mit einem Norovirus diagnostiziert, ich gehe also davon aus, dass ich mich mit dem gleichen Übel herumgeplagt habe.
Sonntag, 6. Januar 2008
3 Monate im Sauseschritt - Nachtrag
3 Monate im Sauseschritt
Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten ab und an gefragt, ob ich mein früheres "freies" Leben vermisse oder ich gar bereue, nach all den Mühen und Schwierigkeiten ein Kind in die Welt gesetzt zu haben. Die Antwort ist so kurz wie eindeutig: Nein! Auch nach der x-ten schlafarmen Nacht oder nicht enden wollendem Geschrei habe ich noch nie das Gefühl gehabt, genervt zu sein. Und jetzt nach einem Vierteljahr, wo er erste Brabbelversuche unternimmt und immer öfter auf das übliche Sich-zum-Affen-Machen mit einem breiten Strahlen reagiert, geht einem noch mehr das Herz auf, als es ohnehin schon der Fall war. Ich kann nur allen raten: Gönnt Euch Kinder - es lohnt sich!
CD-Rezensionen (001): ABBA - Ring Ring (1973)

Das Debütalbum der vier Kult-Schweden lässt zwar überwiegend den brillianten ABBA-Sound vermissen und gerät über weite Strecken noch stark schlagerhaft, trotz alledem lassen sich schon die Ansätze der Genialität des Songwriterduos Andersson/Ulvaeus erkennen. So hätte die Ballade "Disillusion" in einem zeitgemäßerem Arrangement perfekt in das 80er-Musical "Chess" der beiden Herren gepasst.
Vieles an diesem Album ist, im Rückblick besehen, kurios. So wird bei "People Need Love" fleißig gejodelt (!!!), Björn und Benny bestreiten noch einen Großteil der Leadvocals und zum drollig-süßlichen "Another Town, Another Train" erschien eine deutschsprachige Version mit dem herzigen Titel "Wer im Wartesaal der Liebe steht".
Dem geneigten ABBA-Anfänger seien "Ring, Ring", "Disillusion", "Nina, Pretty Ballerina", "I Am Just A Girl" und "Rock 'N' Roll Band" ans Herz gelegt, beim Rest eher entspannt zurücklehnen und milde lächeln.
Bewertung: 3 von 5
Samstag, 5. Januar 2008
Marianne Kiefer †
Traurig geht die Woche weiter. Nach Günter Schubert starb heute im Alter von 79 Jahren mit Marianne Kiefer der nächste TV-Liebling der DDR. "Drei reizende Schwestern" war regelrecht Kult, ich hab es jedenfalls sehr gerne gesehen.
Danke für viele vergnügliche TV-Stunden!
Buch-Rezensionen (001): Sascha Lange - DJ Westradio (2007)

Man nehme: Ein Buch. Schlage es auf, lese es in einem Zug durch, schließe es wieder. Und stelle sich danach die Frage: Hat hier jemand über mein Leben geschrieben? So ging es mir bei Sascha Langes amüsantem Rückblick auf eine Jugend der Achtziger Jahre in der DDR. Ein nostalgisches Buch mit Sicherheit, dennoch kein kritikloser Bericht über einen untergegangenen Staat, dem steht schon allein der familiäre, christliche Background des Autors entgegen.
Das ich bei "DJ Westradio" von einem Déjà-vu zum anderen stolperte, ist sicherlich nicht verwunderlich. Fast auf den Tag genau so alt wie der Autor, ebenfalls Sachse und Anhänger der gleichen Musik. Besonders ostdeutsche Depeche Mode-Fans sollten sich dieses Buch gönnen, berichtet Sascha Lange doch als Augenzeuge über das sagenumwobene Ost-Berliner Konzert der Band im Frühjahr 1988.
Wer wissenschaftlich fundierte Analysen zur jugendlichen DDR-Gesellschaft erwartet, liegt hier verkehrt, dies ist aber auch gar nicht der Anspruch des Buches. Ich sehe es eher als eine äußerst lesenswerte ostdeutsche Variante von "Generation Golf" für diejenigen an, die bei Wende, Mauerfall und Wiedervereinigung den Kinderschuhen schon entwachsen, aber noch nicht im DDR-Erwachsenenalltag angekommen waren.Ich sah mich nach der Lektüre geradezu gezwungen, Sascha Lange anzuschreiben, um mich für mein Lesevergnügen zu bedanken. Überraschenderweise bekam ich umgehend eine sehr nette E-mail zurück. Das nenne ich leserfreundlich!
Bewertung: 5 von 5Freitag, 4. Januar 2008
Günter Schubert †

(Foto: SPIEGEL Online)
Machs gut...
Donnerstag, 3. Januar 2008
DVD-Rezensionen (001): Zwei Jahre Ferien (1974)

Als ich vor einigen Monaten eine Werbeanzeige von "2 Jahre Ferien" sah, konnte ich mich zwar nicht mehr unbedingt an den Titel der Jules Verne-Verfilmung, jedoch sehr gut an die Gesichter der auf dem Cover abgebildeten Darsteller erinnern. Nach Kauf und Betrachten der recht nett gestalteten Box stellte sich bei mir allerdings leichte Enttäuschung ein.
Ich als Kind der DDR kannte nur eine gekürzte, völlig anders geschnittene und z. T. daher auch inhaltlich andere Variante. Nach etwas Recherche im Internet weiß ich nun, dass es sich um die unter dem Titel "Piraten des Pazifik" firmierende Kinoversion des Vierteilers handelte, die sich eher an der französischen Fassung dieser Co-Produktion zwischen Bundesrepublik, Frankreich und Rumänien orientiert. Da im Spielfilm viele der für die Handlung völlig unerheblichen Szenen fehlen, die das Anschauen gerade der ersten beiden Teile doch stellenweise quälend langatmig machen, habe ich die atemlose Spannung meiner Kindertage vermisst, dies mag aber auch veränderten Sehgewohnheiten oder dem Lebensalter geschuldet sein. Gleiches gilt für die Sympathiewerte der Protagonisten. War Doniphan Weldon (Marc di Napoli) für uns Jungs der Held (und der Schwarm für die Mädchen), wirkt er aus heutiger Sicht nur wie ein blasierter, streitsüchtiger Schnösel.
Richtiggehend zerstört wird die Atmosphäre durch die Landschaftsaufnahmen.
Diese spielen laut Plot in Neuseeland und auf einer Pazifikinsel, sind jedoch jederzeit als rumänische Schwarzmeerküste, das Donaudelta und südosteuropäische Mischwälder zu erkennen. Dazu noch eine äußerst krude Zusammenstellung der Tierwelt, die auf engstem Raum Pinguine, Luchse und Komodo-Warane vereint. Das wirkt stellenweise unfreiwillig komisch.
Die Bild- und Tonqualität der DVDs ist dank digitaler Überarbeitung gut, der Unterschied zum Ausgangsmaterial wird besonders beim Betrachten des Bonusmaterials deutlich, welches die unrestaurierten Aufnahmen für die Beschreibung der Drehhistorie verwendet.
Fazit: TV-Nostalgiker können durchaus zugreifen, das Risiko des Zerstörens einer liebgewonnen Kindheitserinnerung besteht allerdings.
Bewertung: 3 von 5
Mittwoch, 2. Januar 2008
Neujahr auf dem Friedhof
Sei es drum, ich nutzte heute vor der Abholung unseres fahrenden Untersatzes die Gelegenheit, etwas auf dem größten Friedhof der Stadt herumzustromern und ein paar Fotos zu schießen.
Leider war das Wetter so trübe, dass ich ein paar Schwierigkeiten mit der passenden Beleuchtung hatte. Man kann zwar vieles nachträglich retten, aber ich muß mich dringend mal mit den technischen Details meiner Kamera und Photoshop auseinandersetzen!










