Donnerstag, 26. Juni 2008

DVD-Rezensionen (049): Mein liebster Feind (1999)

(Cover: Amazon.de)

Fünf Filme drehten der Regisseur Werner Herzog und das manische Schauspielergenie Klaus Kinski zusammen - jedesmal unter schwierigsten zwischenmenschlichen Bedingungen, die dennoch beide Akteure zu Höchstleistungen beflügelten. Über diese künstlerisch wohl fruchtbarste Zeit im Schaffen Herzogs handelt "Mein liebster Feind".

Die Dokumentation fesselt den Zuschauer von der ersten Sekunde an. Zu sehen sind Momente aus der legendären "Jesus Christus, Erlöser"- Veranstaltung in der Berliner Deutschlandhalle vom 20. November 1971. Kinski, bis zur Weißglut gereizt von diskutierwütigen Störern, schreit, brüllt, tobt, pöbelt und verläßt schlußendlich wutschnaubend die Bühne. In den akustischen Tumult wird ganz sacht das Bild eines Münchener Wohnhauses eingeblendet, in dem die gemeinsame Geschichte von Kinski und Werner Herzog beginnt - meisterhaft!

Der Regisseur bereist in chronologischer Reihenfolge einige Drehorte von "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu - Phantom der Nacht", (1979), "Woyzeck" (1979), "Fitzcarraldo" (1982) und "Cobra Verde" (1987), spricht mit Beteiligten der Dreharbeiten wie den Schauspielerinnen Eva Mattes und Claudia Cardinale, dem Schweizer Set-Fotografen Beat Presser oder peruanischen Komparsen. Dies wird immer wieder begleitet von Filmausschnitten, von denen mich die Szenen aus "Woyzeck" am meisten beeindruckt haben. Ganz große Schauspielkunst!

Interessant sind aber vor allem die während der Dreharbeiten entstandenen Aufnahmen der Filmarbeit. So tobt ein völlig entfesselter Kinski am Set von "Fitzcarraldo" vor betreten dreinblickenden Indios herum und beschimpft auf unflätigste Art und Weise den Aufnahmeleiter Walter Saxer. Herzog, der diesen Streit eher halbherzig zu schlichten suchte, bekam von den - Konflikte völlig anders lösenden - Eingeborenen das Angebot, Kinski zu töten.

Unabhängig vom oftmals als Hassliebe kolportierten Verhältnis Kinski-Herzog schienen sich beide auf ideale Weise zu ergänzen und Aufnahmen, die beide in trauter Umarmung zeigen, scheinen dies auch zu belegen. Inwieweit Herzog mit der Aussage, er und Kinski hätten sich die Beleidigungen für ihn in Kinskis Autobiografie gemeinsam ausgedacht, die Wahrheit erzählt, soll einmal dahingestellt bleiben.

Sehr berührend auch der Ausklang dieses Dokumentarfilms. Der sonst so laute und verbal gewalttätige Kinski spielt auf behutsam-zärtliche Weise mit einem anhänglichen Schmetterling, der ihm immer wieder über das Gesicht krabbelt. Für mich wird er immer der Größte bleiben! Sicherlich stellt sich Herzog in "Mein liebster Feind" als der sachlich-rationale Gegenpol zum cholerischen Kinski dar. Dies sei ob der Qualität dieses grandiosen Zeitdokuments jedoch verziehen. Volle Punktzahl! 

Bewertung: 5 von 5