Dienstag, 4. November 2008

DVD-Rezensionen (094): WM-Klassikersammlung, Ausgabe 03 - Finale 1966 BR Deutschland-England (2:4 n. V.) (2006)

(Cover: Amazon.de)

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlichte die "BILD am Sonntag" zusammen mit dem Sammelserien-Spezialisten DeAgostini eine ursprünglich auf 30 Ausgaben angelegte, dann aber mit den hinzugefügten sieben Spielen der DFB-Elf bei der WM auf 37 DVDs erweiterte Reihe, die große Partien der deutschen Elf bei Weltmeisterschaften sowie einige Klassiker ohne deutsche Beteiligung in nicht-chronologischer Reihenfolge enthielt. Allen Scheiben war ein Begleitheft mit weiterführenden Informationen über Vorgeschichte, Hintergründe sowie statistischen Elementen wie Aufstellungen etc. beigefügt.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1966 in England. Auch wenn es natürlich aus deutscher Sicht ein Trauma ist: Ein tolles Spiel! Bis auf wenige Ausnahmen hat man jederzeit das Gefühl, dass da absolute Gentlemen auf dem Platz stehen, so eine Ritterlichkeit ist heute praktisch gar nicht mehr existent, sehr schade. Diese Fairness gilt auch fürs Publikum, da werden sogar gelungene Aktionen des Gegners mit Raunen und Beifall bedacht, wo gibts denn das heute noch?

Was ich in der Rezension über das 1974er Finale (Ausgabe 2 der Kollektion) über Jürgen Grabowski schrieb, möchte ich hier über Sigi Held sagen. Leider heute gar nicht mehr so präsent in den Erinnerungen, aber in diesem Spiel wirklich eine herausragende Leistung geboten.

Aus der TV-Perspektive kann man über das Wembley-Tor eigentlich gar nichts sagen, weil der Ball im Moment des Aufspringens auf den Boden genau vom rechten Oberschenkel von Torwart Hans Tilkowski verdeckt ist. Aber es gibt ja Fotos und inzwischen sogar Computerberechnungen, die eindeutig beweisen - der war nie und nimmer drin! Mal von dieser Situation völlig unabhängig betrachtet: Ich fand Schiedsrichter Gottfried Dienst unterirdisch. So etwas Theatralisches habe ich noch nie auf einem Fußballplatz gesehen.  

Lustiges Detail zum Schluß: Sowohl Jackie Charlton als auch Wolfgang Weber purzeln bei der Siegerehrung an der gleichen Stelle die Treppe hinunter. Desweiteren beinhaltet die DVD wieder mehr Bildmaterial als nur das Spiel an sich. Die "Halbzeitshow" des Musikkorps der Royal Navy ist zumindestens choreographisch sehr nett anzusehen.

Durch die Schwarz-Weiß-Bilder wirkt alles wie aus einer ganz anderen Welt, es existieren allerdings auch Farbaufnahmen dieses Finales. Und wenn England eben durch zwei Tore gewonnen hat, welche keine waren (das 4:2 war ebenso irregulär, denn Zuschauer rannten schon auf den Platz) - gönnen wir ihnen ihren einzigen Triumph...

Bewertung: 5 von 5

2 Kommentare:

Maik hat gesagt…

Ich habe mir auch einige dieser Spiele angeschaut.
Was mit am meißten auffiel, ist das was Du beschrieben hast: die Fairness der Spieler.
Nach Fouls z.B. wurde nicht gejammert, sondern sofort aufgestanden und weiter gespielt.

Wenn ich mir dagegen heutige Spiele anschaue - nun ja.
Da wird das eigene Unvermögen auf Schiedsrichter abgewelzt, Fans werden verhöhnt, wenn diese nach schlechten Spielen Ihrer Mannschaft Ihren Unmut bekunden u.s.w.

Ein Großteil der heutigen Fussballprofis sind Weicheier, die nur noch Ihre Millionen im Kopf haben...

Muggenhorst hat gesagt…

So siehts leider aus, ich brauch da nur an Ballack denken. Der ist mehr am Diskutieren als am Spielen... :/