Dienstag, 7. Oktober 2008

Horst vor, noch ein Tor!

Oder: Aus vier mach einen.  Nachdem Fraktionschef Schmid schon kurz nach seiner Meldung die Bewerbung um den vakanten Posten des bayrischen Ministerpräsidenten wieder zurückzog, gaben heute auch die Herren Goppel und Herrmann auf. Damit ist der Weg frei für Horst Seehofer. Schaun mer mal.

Montag, 6. Oktober 2008

DVD-Rezensionen (082): Das Leben der Anderen (2006)

(Cover: Amazon.de)

Da "Das Leben der Anderen" am Freitag im Fernsehen lief und ich ihn vorher noch nicht gesehen hatte, gibt es wieder einmal als Einschub eine Besprechung zu einem Film, der sich nicht in meinen Beständen befindet.

Lange hat mich kein Film mehr mit einem derartig ambivalenten Mix aus Gedanken und Empfindungen zurückgelassen wie dieser. Zum Einen Begeisterung über große Schauspielkunst, zum Teil sehr emotional berührende Szenen und einen interessanten geschichtlichen Hintergrund. Dennoch bin ich als jemand, der 18 Jahre in der DDR gelebt hat und glücklicherweise nicht mit dem MfS aneinandergeriet, unzufrieden. Woran liegt das?

Da wäre einmal die völlig unglaubwürdige Wandlung des Stasi-Offiziers Wiesler. Ein hundertprozentig überzeugter - geradezu eiskalter - Täter (entlarvend die Eingangsszene) wird mal eben so vom Saulus zum Paulus? Das konnte nicht einmal ein Ausnahmeschauspieler wie der unvergessene Ulrich Mühe überzeugend vermitteln.

Viel schwerer wiegen allerdings ärgerliche Fehler im Handwerk. Florian Henckel von Donnersmarck überzeichnet beispielweise den Kulturminister Hempf derart, dass es schon peinlich wird. Es genügt natürlich nicht, dass dieser Charakter einfach eine miese Bonzengestalt ist, nein, er muß natürlich auch ein geiler sabbernder Bock sein. Das ist als wenn man Hitler in "Der Untergang" gleichzeitig auch noch als Pädophilen und Tierquäler inszeniert hätte, damit auch der letzte Volldepp mitbekommt, dass da gerade eine ganz üble Gestalt zu sehen ist. Solche Rollenzeichnungen mit dem Holzhammer sind eher zum Fremdschämen.

Zudem verwirrt der Film völlig, was die dargestellte Zeit angeht. Ich habe zunächst versucht, mich an der Musik zu orientieren und bin komplett gescheitert. Tippte ich zunächst auf die frühen 70er Jahre, da Frank Schöbels "Wie ein Stern" (1971) zu hören war, korrigierte ich mich später auf das Ende des gleichen Jahrzehnts anhand Angelika Manns "Champuslied". Dies erwies sich wieder als Irrweg, als Pankows "Rock and Roll im Stadtpark (1983) erklang, um mich vollkommen konfus zurückzulassen, als von einem Theaterstück zum 40. Jahrestag der DDR (bekanntlich 1989) die Rede war. Und wie klärt sich schlußendlich alles auf? Mit Hilfe einer Zeitung, in der über den Amtsantritt Michail Gorbatschows als KPdSU-Chef berichtet wird - 1985!

Das alles wird noch übertroffen von einer Unzahl von historischen Schlampigkeiten, die mit minimalstem Rechercheaufwand vermeidbar gewesen wären. Da werden Autotypen gefahren, die es 1985 noch nicht gab, Stasioffiziere (die einen militärischen Rang besaßen), tragen halblange Haare und Schnauzbärte (beides strikt untersagt) und die als "asoziales Verhalten" strafbare Prostitution steht dem vom Dienst gestressten Stasi-Schergen natürlich frei Haus zur Verfügung. Da werden einfach historische Fakten (das MfS beschäftigte Prostituierte zur Ausspähung und Erpressung westlicher Geschäftsleute und einheimischer Dissidenten) wüst zum eigenen Nutzen umgedreht.

Dabei hat der Film solche Stärken anzubieten. Aufgrund des steten Lobs für die erste Darstellerriege Mühe, Koch und Gedeck wurde Ulrich Tukur als MfS-Oberstleutnant Grubitz ziemlich unterbewertet, dabei ist es seine Rolle, die mich am meisten beeindruckt hat. Auch wenn die Szene in der Stasi-Kantine, in der unter großem Hallo ein Honecker-Witz erzählt wird, wieder zutiefst unrealistisch ist, vermittelt Tukurs grandioses Hin- und Herwechseln von Jovialität in schneidende Eiseskälte die ganze Schizophrenität des Apparats. Ganz groß!

Somit bleibt ein Eindruck von leichtfertig verspielten Chancen zurück. Ein Oscar-Gewinn lässt freilich jede Kritik am ohnehin scheinbar übergroßen Ego des Regisseurs abprallen, wie dessen bizarre Auftritte nach dem Empfang der goldenen Statue bewiesen haben dürften. Da wünscht man sich ein wenig mehr britisches Understatement im heimischen Kulturbetrieb...

Bewertung: 3 von 5

Sonntag, 5. Oktober 2008

Wochenendstress

Nix mit Erholung in den letzten Tagen. Gestern ein wunderschönes Klassentreffen und heute Juniors erster Geburtstag. Bilder von beiden Ereignissen gibt es hier und hier.

Samstag, 4. Oktober 2008

CD-Rezensionen (081): Amor & Die Kids - No More Bockwurst (1988)

(Cover: Amazon.de)

Amor & Die Kids aus Leipzig, die frühere Band des heutigen "Prinzen"-Sängers Tobias Künzel, war ab Mitte der 80er Jahre eine erfrischende Alternative zum doch recht festgefahrenen Rockbetrieb der DDR. Anarchisch, grell geschminkt und gewandet sowie immer für einen Skandal gut, stürzten sie die Kulturoberen mit ihrem größten Hit "Komm doch mit" oder auch "Wir machen es im Wald" in heftigste Diskussionen. Waren solche Aufforderungen zu spontanem Sex überhaupt vereinbar mit der sozialistischen Moral? 

Zwar enthält das einzige zu Vorwendezeiten erschienene Album aus heutiger Sicht "zonigen" Sound und Späße auf Schülerzeitungsniveau, dennoch reißt der Nostalgiefaktor einiges raus. Frontmann Frank "Amor" Schüller gibt den wilden Rocker, während der Rest der Combo - damals rund ein Jahrzehnt jünger als ihr Sänger - den wilden Haufen darstellen. Nichts und niemand ist vor der Truppe sicher, sei es die geschraubte Lyrik der DDR-Vorzeigerocker ("Pariser Nächte") oder der trostlose Zustand der ostdeutschen Gastronomie ("Die tote Stadt). Anspieltips sind aber "Blauer Würger" oder "Ich bin blank", welches zudem auch noch den jedem Alt-Ossi bekannten Intro-Dixieland der "Olsenbanden"-Filme beinhaltet. 

Gegenüber der ursprünglichen LP-Version wurden noch vier Bonustracks hinzugefügt, von denen zwei ("Amor & Die Kids", "Wunderkind") bereits als Radioproduktionen veritable Hits in Vorwendezeiten waren, während "Sie sind doch der" und "Und ich tanze auf dem Tisch" eher unbekannt sind. 

Sicherlich kein künstlerisch wertvoller DDR-Nachlass, dennoch ein durchaus amüsanter Nostalgietrip zurück.

Bewertung: 4 von 5

Freitag, 3. Oktober 2008

Viva Hysteria!

Seit gestern ist in Teilen des Internets die Hölle los. Zunächst die Fakten: Depeche Mode gehen 2009 auf Welttour, die Konzertdaten werden am Montag auf einer Pressekonferenz im Berliner Olympiastadion bekanntgegeben. Am selben Tag sollte der Ticket-Vorverkauf starten, exclusiv über die Firma CTS Eventim. Was passiert aber nun gestern? Erste Meldungen über einen am Abend starten sollenden Vor-Vorverkauf machen die Runde und ab 20 Uhr brechen sowohl die Server des Depeche Mode-Forums als auch teilweise die Seite von Eventim zusammen.

24 Stunden später bleibt festzuhalten: Ohne, dass wir das genaue Datum kennen (der Gig wird etwa Juni 2009 stattfinden) haben wir für das im Leipziger Zentralstadion stattfindende Konzert  zwei Karten im vordersten Bereich direkt vor der Bühne ergattert. Kostenpunkt etwa 80 € p.P. und somit etwa 20 Euro teurer als bei der letzten Tour 2006. Immer noch billiger als bei Madonna...

Lustige Forumshysterie gefällig? Dann mal hier nachschauen... 

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Buch-Rezensionen (081): William Sarabande - Land der heiligen Steine (1991)

(Cover: Amazon.de)

"Land der heiligen Steine" ist der fünfte Band aus der Reihe "Die großen Jäger/The First Americans" von William Sarabande. Von allen Büchern der Saga ist dies das Umfangreichste.

Mit dem Vorgängerband "Land der vielen Wasser" wurde die Geschichte um den Jäger Torka, seine Frau Lonit und den Rest der Sippe abgeschlossen. Das vorliegende Buch setzt mehrere Generationen nach den bereits beschriebenen Ereignissen ein. Durch den Streit der Söhne Tonkas, Manaravak und Umak, hat sich der Stamm in zwei weit voneineinander entfernt lebende Sippen aufgespalten. Die Nachfahren Manaravaks im Süden und die kriegerischen Nachkommen Umaks im Norden, die zudem einem barbarischen Kult huldigen, der durchaus an "Das Schweigen der Lämmer" erinnert. Als die Schamanin Ysuna vom nördlichen Stamm einen brutalen Plan schmiedet, um ihre Macht zu vergrößern, führen die Schicksalswege der einstmals vereinten Stämme wieder zusammen...

Mit der Figur des Cha-kwena vom Stamm des Südens wird die die folgenden Bände prägende Figur eingeführt. Der Kampf der verfeindeten Gruppen ist teilweise unbarmherzig brutal dargestellt, vor allem die Opferzeremonien des nördlichen "Stammes des Wachenden Sterns" reichen in ihrer Blutrünstigkeit jedem Horrorroman zur Ehre. Doch dies dürfte ein reales Abbild der frühen menschlichen Zivilisationsgeschichte darstellen. Neben Band 4 hat mir "Land der heiligen Steine" aufgrund seiner Spannung und vielerlei überraschender Wendungen am besten gefallen - Geschichtsstunde und Lesespaß in einem!

Eine gezeichnete Übersichtskarte zum besseren Verständnis der Handlungsorte ist dem Buch vorangestellt.

Bewertung: 5 von 5

DVD-Rezensionen (081): Frau Holle (1963)

(Cover: Amazon.de)

Dieser Film unterscheidet sich grundlegend von anderen DEFA-Märchenproduktionen. Mit einer stark zurückgefahrenen Optik wird das Märchen zum Kammerspiel reduziert, ohne jedoch an Charme einzubüßen. Quietschbunte Kulissen, jederzeit als künstlich zu erkennen, atmen ganz mächtig den Geist der 60er Jahre, da kommt fast ein Hauch von Pop-Art auf...

Natürlich liegt "Frau Holle" ganz auf der DDR-Ideologielinie. Sei fleißig, sei hilfsbereit und freundlich. Nur: das gibt die Vorlage der Gebrüder Grimm nun einmal so vor. Von daher läuft dieser oftmals geäußerte Vorwurf ins Leere.

Der Film ist gut besetzt, Karin Ugowski durfte ihren zahlreichen Prinzessinnenrollen auch noch eine bezaubernde Goldmarie hinzufügen, Mathilde Danegger gibt eine gütige Frau Holle und Elfriede Florin die wahrhaft garstige Stiefmutter. Heimlicher Star des Films ist jedoch Katharina Lind als Pechmarie, vom Lustigkeitsfaktor allenfalls noch mit Inna Tschurikowa als "Marfuschka" in "Abenteuer im Zauberwald" zu vergleichen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Icestorm-Produktionen ist die Bildqualität hier recht gut und der Ton wartet immerhin in Stereo auf. Auch dies hat man alles schon viel schlechter gesehen. Bleibt die Empfehlung für einen kindgerechten Märchenklassiker abzugeben, der auch nach 45 Jahren noch zu unterhalten vermag.

Bewertung: 5 von 5

Mittwoch, 1. Oktober 2008

CD-Rezensionen (080): Bruce Springsteen - Greatest Hits (1995)

(Cover: Amazon.de)

Zumindestens was den kommerziellen Erfolg seiner Singles anbetrifft, gelang dem "Boss" seit "Streets Of Philadelphia" 1994 kein ganz großer Wurf mehr, somit erhält man mit diesem doch schon knapp anderthalb Jahrzehnte alten "Greatest Hits"-Album nach wie vor einen guten Querschnitt über die größten Chartserfolge des Manns aus New Jersey. 

Solcherart Compilationen kranken immer an der Zusammenstellung, die dem Fan nie repräsentativ genug sind und ihn nur mit unveröffentlichtem Material (hier: vier damals neue Songs) zum Kauf verlocken können. Für mich als Nicht-Springsteen-Experte dennoch eine gute Wahl; eine CD mit Songs desjenigen Künstlers, der immerhin für das größte jemals stattgefundene Konzert in der DDR verantwortlich war. Aber auch mir als jemandem, dem das totale Insiderwissen über das Schaffen des wohl prägendsten Rockmusikers der 80er Jahre fehlt, erscheint die Tracklist leider nicht umfassend genug. Ich vermisse schmerzlich "I'm On Fire" und "Tougher Than The Rest". Dafür ein winziges Pünktchen Abzug. 

Davon abgesehen beinhaltet "Greatest Hits" insgesamt 18 Songs aus den Jahren 1974 bis 1995. Das spart freilich die ersten zwei LPs Springsteens aus und setzt erst mit seinem kommerziellen Durchbruch mit "Born To Run" ein. Das mag man kritisieren, für die Zielgruppe der Einsteiger darf diese Vorgehensweise jedoch als legitim erscheinen. 

Die musikalische Spannbreite ist weitgefächert. Von sparsam instrumentierten, hörbar vom Blues beeinflußten Stücken wie meinem Favoriten "The River" über fast schon poppige, synthieverstärkte Nummern wie "Dancing In The Dark" bis hin zu stadionkompatiblen bodenständigem Rock ("Born In The U.S.A.") reicht das Angebot. Allen Songs wohnt das Talent Springsteens zum Geschichten erzählen inne, es lohnt sich daher durchaus, sich näher mit den Texten zu befassen. 

Wer also vor der Anschaffung des gesamten Springsteen-Backkatalogs zurückschreckt, welcher mittlerweile auch schon gut zwei Dutzend Studio- und Livealben umfasst, darf nach wie vor gerne bei dieser sehr guten Zusammenstellung zuschlagen.

Bewertung: 4 von 5

Mir san mir - Nachtrag 2

Die politischen Köpfe in Bayern rollen immer schneller, heute hat auch Ministerpräsident Günther Beckstein seinen Rücktritt bekanntgegeben. Für den Posten haben sowohl Horst Seehofer als auch der bisherige bayrische Innenminister Joachim Hermann Interesse angemeldet. Es bleibt spannend jenseitsdes Weißwurstäquators.

Edit 17:00 Uhr: neben den bereits genannten Kandidaten zählen jetzt auch Fraktionschef Georg Schmid und Wissenschaftsminister Thomas Goppel zum Bewerberkreis.

Dienstag, 30. September 2008

Danke, Dennis!

...für den Link zum wohl lustigsten Musikerinterview, das ich seit langem gelesen habe. Lemmy, das gurgelnde Nilpferd von Motörhead hielt Hof für einen Journalisten der Süddeutschen Zeitung und trotz allem Gekasper hat der Kerl durchaus hochintelligente Sachen im Kopf - ein göttliches Gespräch!

Interesse? Hier gehts lang...

Buch-Rezensionen (080): Erich von Däniken - Raumfahrt im Altertum (1993)

(Cover: Amazon.de)

Zur Fernsehserie "Auf den Spuren der Allmächtigen", die 1993 auf SAT.1 lief, erschienen gleich zwei Begleitbücher, eines mit dem Titel des TV-Formats und dieser vorliegende Band.

Kaufte ich diese Bücher damals noch durchaus aufgeschlossen gegenüber den Theorien des Schweizers, hat sich diese Haltung mittlerweile aufgrund der zahlreichen Gegenbeweisführungen gewandelt. Däniken passt einfach zu viele Dinge der Wissenschaft seinen eigenen Theorien an, als das sie ein für sich stehendes, schlüssiges Bild ergeben würden. Hauptmanko: Die von ihm vermutete extraterrestrische Technologie ist stets vergleichbarer ihrer irdischen Pendants. Dabei stellt sich dem Beobachter doch die Frage, warum eine technologisch derartig überlegene Kultur (um die es sich aufgrund von Raumfernreisen ja handeln müsste) auf vergleichsweise rückständige Antriebs- und Kommunikationsmethoden zurückgreifen sollte.

Zumindestens bietet der Band interessante Fotos von Plätzen, die ich teilweise selbst schon besuchen durfte, wie beispielsweise dem im guatemaltekischen Dschungel gelegenen Tikal. Ich empfinde die vor anderthalb Jahrzehnten angeschafften Bücher von Dänikens mittlerweile als Unterhaltungsliteratur, die mir doch den einen oder anderen Schmunzler entlocken. Vielleicht sollte man es doch mit den Worten halten, mit dem der Autor jeden seiner Vorträge beschließt: "Glauben Sie mir kein Wort..."

Bewertung: 3 von 5

Mir san mir - Nachtrag

Wie ich es gestern bereits vermutet habe ist es heute auch gekommen. CSU-Chef Huber stellt sein Amt zur Verfügung, damit ist auch Generalsekretärin Haderthauer ihren Job los. Horst Seehofer wird, wie vorausgesehen, neuer Parteivorsitzender. Die Wettquoten für diese Entwicklungen dürften allerdings nicht besonders hoch gewesen sein, von daher bitte ich um Ehrenbezeichnungen wie "Nostradamus", "Gott" oder ähnlichen mir gegenüber abzusehen. :D

Montag, 29. September 2008

DVD-Rezensionen (080): Fluch der Karibik (3-Disc Special Edition) (2003)

(Cover: Amazon.de)

Das Label "Special Edition" pappt an so manchem zusammengeschusterten Produkt, welches den Käufer oftmals mehr ärgert als wirklich einen Mehrwert bietet. Nicht so bei diesem tollen 3-Disc-Schuber, hier gibts wirklich Bonusmaterial satt!

Über "Fluch der Karibik" selbst noch ellenlange Handlungsbeschreibungen abzufassen ist wirklich vertane Lebenszeit. Die Fakten sprechen einfach für sich. Das Wagnis, den eigentlich seit Jahrzehnten mausetoten Piratenfilm nach allen Regeln des modernen Popcornkinos wieder aufleben zu lassen, ging voll auf. Man muß Hollywoods Krachbummpeng-Produzentenguru Jerry Bruckheimer schon für sein Näschen bewundern, schließlich lagen die ersten Drehbuchpläne für das Spektakel rund um unermessliche Schätze, untote Freibeuter und einen schrägen Vogel als Hauptdarsteller schon seit Beginn der 90er Jahre in den Schubladen.

Das der Film solch ein enormer Blockbuster mit gleich zwei - umstrittenen - Fortsetzungen wurde, ist vor allem einem Mitwirkenden zu verdanken: Johnny Depp. Sein Captain Jack Sparrow, irgendwo zwischen Tunte, Gipsy Woman und Rockstar angelegt, macht schon beim bloßen Anblick unheimlich Laune. Ganz groß, aber vom Meister der Wandlungsfähigkeit nicht unerwartet! Da kann allenfalls Geoffrey Rush als Sparrows Gegenspieler Barbossa mithalten, Orlando Bloom und Keira Knightley geben eher die optischen Leckerlis für beide Fan-Geschlechter.

Bei Fluch der Karibik wird nicht gekleckert sondern geklotzt. Ordentlich Krawumm auf der Leinwand und aus den Boxen. Zum einen ein spektakulärer Mix aus Seeschlachten und Entergefechten, zum anderen der bombastische Soundtrack von Klaus Badelt. Ich bin eigentlich kein Anhänger des Überrumpelungskinos, aber hier hat mir das Ergebnis doch sehr zugesagt.

Bis auf die Tatsache, dass diese Edition den regulären Erstveröffentlichungen nachgereicht und somit viele frühe Käufer verärgert wurden, gibt es an diesem Produkt nichts zu löten. Diverse "Making Ofs", Audio-Kommentare, Produktionsnotizen en masse - ordentlich Inhalt fürs Geld, bei dem auch Ton- und Bildwerte ganz oben mitspielen. Optisch sehr nett, was will man mehr?

Bewertung: 5 von 5

Mir san mir...g'wesen!

Parlamentswahlen auf Landesebene erregen nicht in jedem Fall meine Aufmerksamkeit. Natürlich im eigenen Bundesland oder wenn der Verlauf äußerst spannend zu werden verspricht. Gestern war wieder einmal solch ein außergewöhnliches Ereignis zu bestaunen - ein politisches Erdbeben in Bayern. Nach gefühlten Äonen endet hier die Alleinherrschaft der CSU, die im Vergleich zur letzten Landtagswahl krachende 17,3 Prozentpunkte und somit ihre absolute Mehrheit verliert. Alles deutet nun auf ein schwarz-gelbes Bündnis hin, denn die FDP ist mit für ihre Verhältnisse stolzen 8 Prozent zurück im Münchner Parlament.

Überraschend das starke Resultat der Freien Wähler (10,2%). War das der "Frau Pauli"-Effekt?

Wie immer drollig die allseitigen "Wir haben gewonnen!"-Rufe von allen Seiten. Da redet selbst der SPD-Spitzenkandidat Franz Maget das schlechteste SPD-Ergebnis aller Nachkriegswahlen (18,6%) schön, in dem er schadenfroh auf die Verluste der Schwarzen hinweist. Und die "Berliner Runde" mit den Partei-Generalsekretären war wieder Fremdschämen pur, da konnte sich selbst Ulrich Deppendorf ab und an ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen.

Auf personelle Konsequenzen bei den Christsozialen darf man gespannt sein. Die mir völlig inkompetent erscheinende Generalsekretärin Haderthauer dürfte nicht zu halten sein, auch wenn es heute Dementis hagelt. Bei Parteichef Huber bin ich mir auch nicht sicher, zumal Horst Seehofer bereitstehen dürfte. Und Ministerpräsident Günther Beckstein? Schwer zu sagen, meiner Meinung nach wird er beschädigt vorerst im Amt bleiben.

Eins hätte mich aber schon interessiert - die gestrige Stimmungslage im Hause Stoiber in Wolfratshausen. Ob der Edmund beim Miterleben des Debakels seiner Nachfolger, die ihn so schmählich abgesägt hatten, "ein Glas Sekt geöffnet", "eine Blume hingerichtet" oder sonst etwas Nettes zu "seiner Muschi" gesagt hat? Fragen über Fragen...

Samstag, 27. September 2008

CD-Rezensionen (079): Hape Kerkeling - Erwarten Se nix (1991)

(Cover: Amazon.de)

Ein Jammer, dass Hape Kerkeling schon seit vielen Jahren nicht mehr mit seinem kongenialen Partner Achim Hagemann zusammenarbeitet, besser als zu seligen "Total Normal"-Zeiten war er, aller "Horst Schlämmer"-Euphorie zum Trotz, nie wieder.

Mit dieser Live-CD kann man allerdings noch einmal eine Zeitreise in diese längst vergangenen Tage erleben. Kerkeling und Hagemann brillieren in verschiedenen Parodie-Rollen, in denen sie von Margot und Maria Hellwig über Modern Talking und Erika Berger bis hin zu Marcel Reich-Ranicki so ziemlich alles und jeden durch den Kakao ziehen.

Mit "Das ganze Leben ist ein Quiz" ist gleich noch der Hape-Gassenhauer schlechthin enthalten, doch der Brüller ist eindeutig "Der König ist tot" - Hape und Achim goes Opera!

Alles in allem ein sehr unterhaltender Nostalgietrip, kaum fassbar, dass diese Aufnahme schon fast unglaubliche 20 Jahre auf dem Buckel hat!

Bewertung: 5 von 5

Buch-Rezensionen (079): Nelles Guide Sri Lanka (2004)

(Cover: Amazon.de)

2004 bereiste ich Sri Lanka, das frühere Ceylon, mit diesem Reiseführer im Gepäck auf einer organisierten Rundreise. Für diese Art des Tourismus, sprich mit einem Einheimischen als Guide, ist dieser Reiseführer sehr gut geeignet, bietet er doch genügend Informationen über Geschichte und Kultur des Landes, seine Natur und Sehenswürdigkeiten.

Ist man allerdings als Backpacker auf eigene Faust unterwegs ist der "Nelles Guide Sri Lanka" die falsche Wahl. Nur spärliche Angaben über Unterkünfte sind für den Individualreisenden nicht ausreichend, der diesbezüglich auf ausführliche Informationen angewiesen ist. Bewegt man sich aber auf vorausberechneten Pfaden, bekommt man ein reichhaltig mit Fotos und Hintergrundinformationen zu den Sehenswürdigkeiten (auch im durch den Bürgerkrieg oftmals unzugänglichen Norden und Nordosten der Insel) versehenen Reiseführer geboten.

Allerdings finden sich doch im Buch einige wenig glaubhafte Behauptungen, wie z.B. den angeblichen Spitzenrang Sri Lankas beim weltweiten Pro-Kopf-Alkoholkonsum. Weder fand ich in den vergangenen Jahren irgendwo eine Bestätigung dieser These und auch mein damals darauf angesprochener Guide Ajith schüttelte ob dieser Unterstellung nur erstaunt den Kopf.

Fazit: Mir persönlich hat dieses Buch gute Dienste in einem Land mit mehreren Gesichtern geleistet, empfehlenswert besonders für geschichtsinteressierte Touristen.

Bewertung: 4 von 5

Paul Newman †

(Foto: SPIEGEL.de)

Die Hollywood-Legenden sterben langsam aus. Gestern ging mit dem zweifachen Oscar-Gewinner  Paul Newman einer der letzten "Großen Alten" im Alter von 83 Jahren. Im Gedächtnis der Filmfans wird er für vielerlei bleiben: Wegen seiner strahlend blauen Augen, seinem Rennfahrerhobby, seiner eigenen Salatsaucenfirma und vor allem wegen seines beeindruckenden karitativen Engagements.

Danke, Mr. Newman!

DVD-Rezensionen (079): Nosferatu - Phantom der Nacht (1979)

(Cover: Amazon.de)

Ein Remake (und das ist Werner Herzogs Film zum überwiegenden Teil) muß sich immer dem Vergleich mit dem Original stellen und in dieser Hinsicht zieht "Nosferatu - Phantom der Nacht" gegenüber Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker von 1922 trotz vielversprechender Ansätze doch den Kürzeren.

Punkten kann die Neuauflage in zum Teil beeindruckenden Kameraeinstellungen, von denen mich die Schlußszene, in der der mittlerweile zum Vampir gewordene Jonathan Harker (Bruno Ganz) am Strand als immer kleiner werdender Punkt symbolhaft in die Unendlichkeit reitet, am meisten berührt hat. Klaus Kinski spielt den Vampir äußerst zerbrechlich und sensibel, fast überwiegend in heiserem Flüsterton. Der von mir hochverehrte Mime geht zwar wieder einmal voll und ganz in seiner Rolle auf, dennoch bleibt der legendenumwitternde Max Schreck schon allein aufgrund seiner Physiognomie unerreicht.

Der immer wieder durch als Klammer eingeschnittene Flugsequenzen einer Fledermaus in Zeitlupe unterbrochene Film verliert ab der Ankunft Graf Draculas in Wismar dermaßen an Erzähltempo, dass das Zuschauen im Gegensatz zum ersten Teil der Handlung ungleich schwerer fällt. Einige Akteure wirken laienhaft oder einfach übertrieben, die Pestepidemie kann trotz eines Großeinsatzes von Ratten nicht überzeugen.

Sicherlich ist die zweite von fünf Zusammenarbeiten Herzogs und Kinskis kein wirklich schlechter Film, der aber dennoch unausgereift und holprig wirkt. Die dem Original eigene beklemmende Atmosphäre wird nur stellenweise erreicht und einige Längen wirken sehr störend. Kein Vergleich zu "Aguirre" oder "Fitzcarraldo".

Bild und Ton erreichen gute Standardwerte, als Bonus sind ein "Making Of" und ein Audiokommentar Werner Herzogs enthalten. Ein Platz im oberen Mittelfeld.

Bewertung: 3 von 5

Freitag, 26. September 2008

Nachtrag

Vor lauter Hin- und Herflitzerei mit dem Kleinen vergisst man selbst die prägendsten Ereignisse im privaten Umfeld. Dabei gabs am letzten Samstag mal wieder eine Hochzeit im Freundeskreis zu feiern. Herzlichen Glückwunsch Katrin und Daniel, nach 10 Jahren war das mal fällig! ;) Geheiratet wurde auf dem landschaftlich äußerst reizvollen Schloß Weesenstein, gefeiert im Hotel "Backstage" in Dresden. Bilder vom Event gibts hier.

Donnerstag, 25. September 2008

CD-Rezensionen (078): Guns N' Roses - Appetite For Destruction (1987)

(Cover: Amazon.de)

Ach ja, die Gunners. Es gab mal eine Zeit, da galten sie als der heißeste Scheiß unter der Sonne. Lang, lang ist es her als Axl und seine Mannen ganz einfach die Bude rockten. Gut nachzuvollziehen, wenn man sich das Debüt der Combo noch heute so anhört. Mr. Rose kreischt sich mit seiner stellenweise regelrecht sägenden Stimme ordentlich in des Lauschers Gehörgänge und über die Qualitäten der Obergitarrenquäler Slash und Izzy Stradlin braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren, eine Güteklasse, der die anderen Qualitäts-Instrumentenbediener Duff McKagan am Bass und Steven Adler an der Schießbude folgen, sei es bei der Singleauskopplung "Welcome To The Jungle", dem hämmernden "Nightrain", dem zum kollektiven Ausrasten einladenden "My Michelle" oder "Sweet Child O' Mine" mit seinem jedes Fußballstadion in seinen Grundfesten erschütternden Gitarrensolo.

Textlich geht es getreu dem alten Motto "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll" ordentlich zur Sache, dass bei "Rocket Queen" ein paar "Liveaufnahmen" von Roses Ex eingearbeitet sind, ist da eher typisch als außergewöhnlich.

Wo bei der Bewertung anfangen? Das gesamte Album ist erst einmal in seiner Gesamtheit ein mit Anlauf eingesprungener Tritt in den Allerwertesten, ein Generalangriff auf die Lauscher, laut, roh und ungehobelt. Ich bin im Allgemeinen gar nicht einmal ein unbedingter Fan des im Übermaß verstärkten Bratgitarrenriffs, aber diese Platte läßt mich von Beginn an zappeln, springen und mit dem Kopf schütteln. Dabei fängt so mancher Song mit eher vorsichtig gezupften Gitarrenklängen an, ehe es mit umso mehr Wucht zu Werke geht. Da einen Track besonders herauszuheben, verbietet sich fast, einzig und allein "Paradise City" verdient noch eine extra Erwähnung als fester Bestandteil meiner persönlichen "All Time Top 10". Die blanke Hölle, da ist dieses fast siebenminütige Trumm schon fast zu Ende um dann die Kapelle noch einmal im doppelten Tempo ins orgiastische Finale losbrettern zu lassen - genial!

Ein Klassiker der Rockgeschichte und ein Schmuckstück meiner Musiksammlung. Volltreffer, versenkt!

Bewertung: 5 von 5

Buch-Rezensionen (078): Florian Illies - Generation Golf - Eine Inspektion (2000)

(Cover: Amazon.de)

Als Ostdeutscher, der vom Alter her eigentlich beschriebener Generation angehören müßte, tut man sich doch stellenweise recht schwer mit diesem Buch, da der Bezug zum eigenen Leben überwiegend fehlt. Nichtsdestotrotz sind gerade die ersten Kapitel durchaus amüsant zu lesen. Uns DDR-Kindern fehlte zwar der Zugang zur westlichen Warenwelt, das Zeitgeistgefühl der 80er Jahre schwappte trotzdem über die Mauer.

Dennoch kann auch unsereins eine gewisse Klassengesellschaft in der Schule nachvollziehen, die sich hauptsächlich über die Verfügbarkeit der "richtigen" Währung und/oder bundesdeutsche Verwandtschaft im Familienkreis definierte. Da saß man nun als Proletarierkind und verglich den PELIKAN-Füllhalter des Arztsohnes mit dem eigenen DDR-Pendant. Damals hat es wohl gejuckt, heute lache ich darüber. Markenfetischismus ist mir seit diesen Jahren zutiefst zuwider, demzufolge lösen Florian Illies' Jubelarien auf die "richtigen" Produkte bei mir eher mitleidiges Kopfschütteln als Zustimmung aus. Wenn ich zudem sehe, wer in meiner Region überwiegend in einem VW Golf unterwegs ist - nein danke, zu Tuningprolls, Solariums-Dauerkarteninhaberinnen und Hutfahrern möchte ich ganz bestimmt nicht gezählt werden!

Leider geht dem Buch schon sehr bald dermaßen die Puste aus, dass es einige Mühe bereitet weiterzulesen. Als locker-flockiges Erinnerungsbuch der zumindestens Pop-Interessierten hätte "Generation Golf" noch durchgehen können, da jegliche alternative Gruppenzugehörigkeit, die gerade in der beschriebenen Dekade äußerst ausgeprägt war, komplett fehlt. So aber ist es ein unausgegorener Mischmasch, der weder eine halbwegs fundierte Gesellschaftanalyse und schon gar nicht eine umfassende Beschreibung einer ganzen Generation der zwischen 1965 und 1975 Geborenen ist. Gnadenwertung für den unterhaltenden Beginn.

Bewertung: 2 von 5

Mittwoch, 24. September 2008

DVD-Rezensionen (078): Eine schrecklich nette Familie - Siebte Staffel (1992/1993)

(Cover: Amazon.de)

Die siebente Staffel der Schuh-Sitcom kann den schleichenden Niedergang der Serie nicht aufhalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch der größte wird einem bereits in der ersten Folge der Season übergebraten: Die unsägliche Figur der kleinen Nervensäge Sieben. Gibt es eigentlich überhaupt einen Fan der Serie, der diesen Charakter mochte? Mit allgemeiner Ablehnung gestraft, wurde das Bundy-Adoptivkind wieder aus der Serie herausgeschrieben - ohne jegliche Erklärung in der Handlung.

Wie schon in der Vorgängerstaffel sind die wirklich lustigen Episoden rar gesät. Ein dankenswertes Highlight sicherlich ein erneuter Gastauftritt von David Garrison als Marcys Ex-Mann Steve Rhoades in "Peggy And The Pirates/Peggy und die Piraten" oder die von Rock-Altstars nur so wimmelnde Folge "Rock Of Ages/Altrocker" mit Robby Krieger von den Doors, Richie Havens, John Sebastian, Spencer Davis, Mark Lindsay und Peter Noone. In weiteren Folgen sind der Ex-Kinderstar Corey Feldman, der Stand-Up-Comedian Bobcat Goldthwait und der aus den Serien "Parker Lewis" und "Emergency Room" bekannte Hüne Abraham Benrubi in Gastrollen zu sehen.

Ansonsten herrscht größtenteils Mittelmaß mit gelegentlichen Ausreißern ("Al On The Rocks/Al oben ohne", "What I Did For Love/Reizwäsche") nach oben. Die Gags haben sich von bitterböse-anarchisch zu Zoten gewandelt, ob einem das zusagt, ist sicherlich Geschmackssache.

Wie üblich beinhaltet die optisch recht ansprechende Box weder Bonusmaterial noch zufriedenstellende Bild- und Tonqualität. Dazu noch der immer noch aus lizenzrechtlichen Gründen veränderte Introsong und eine durchschnittliche Veröffentlichung ist perfekt. Einzig und allein der Kultfaktor verhindert das totale Desaster. Und wie immer gilt: Bitte im Originalton anschauen!

Bewertung: 3 von 5

Dienstag, 23. September 2008

CD-Rezensionen (077): The Art Of Noise - Daft (1985)

(Cover: Amazon.de)

Es gibt Bands, die sind ihrer Zeit einfach meilenweit voraus. The Art Of Noise, mehr ein Projekt von Studiospezialisten als eine Musikgruppe konventionellen Zuschnitts, waren solch ein Beispiel. In den Frühzeiten des heute allgegenwärtigen Samplings schufen die Produzentencracks rund um Trevor Horn teils originelle Kunstwerke aus Klanggebirgen, teils Instrumentalballaden von betörender Schönheit, für die das auf dieser Zusammenstellung früher Veröffentlichungen gleich in mehreren Versionen vertretene "Moments Of Love" wohl exemplarisch steht - einer der bekanntesten und besten Instrumentaltracks der 80er!

Konterkariert werden diese sphärische Klänge von stampfenden, aus allen Richtungen bummernden und stampfenden Stücken wie "A Time For Fear (Who's Afraid)", "Beatbox (Diversion 1)", "Flesh In Armour" oder "Close (To The Edit)". Besonders interessant wird es darüber hinaus bei den teilweise nur sehr kurzen Experimentaltracks ("The Army", "Donna", "Memento", "How To Kill", "Who's Afraid", "Bright Noise", "Comes And Goes"). Da leistet der Sampler mit Sounds von Schritten, Vogelstimmen oder Metallscheppern Schwerstarbeit!

Dennoch sind nicht alle Tracks der Compilation gelungen, "Realisation" wirkt etwas uninspiriert und ohne Plan zusammengeschustert, "Snapshot" ähnelt eher einem KRAFTWERK-Track.

Von daher ist mit mit den oftmals ein gewisses gemeinsames Grundkonzept beinhaltenden Art Of Noise-Alben besser bedient, für einen Interesse weckenden Einblick in das Werk einer der außergewöhnlichsten Bands der letzten 30 Jahre reicht "Daft" aber allemal!

Bewertung: 4 von 5

Montag, 22. September 2008

Thomas Dörflein †

(Foto: SPIEGEL.de)

Deutschland wohl bekanntester Tierpfleger ist heute im Alter von 44 Jahren tot in einer Berliner Wohnung aufgefunden worden. Die Todesursache ist immer noch unklar, fest steht jedoch, das Thomas Dörflein für seine aufoperungsvolle Arbeit mit dem Medienstar "Knut" landesweit bekannt wurde und sich großer Beliebtheit erfreute. Auch wenn ich dem Rummel um den Eisbären sehr kritisch gegenüberstand - Dörflein konnte am allerwenigsten dafür und hat nur seinen Job gemacht, für den er auch mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet wurde. Sehr traurig.

Update 23.09. : Nach einer angeordneten Obduktion steht ein Herzinfarkt als Todesursache fest.

Buch-Rezensionen (077): Jules Verne - Die Jangada (1881)

(Cover: Amazon.de/j.verne.de)

"Die Jangada" (1881) gehört zu Jules Vernes eher unbekannteren Werken. Aus eigener Erfahrung kann ich dem Buch - neben dem spannenden Lesespaß - noch ganz andere Dinge zugute halten. Der im Roman verwendete Geheimcode tat in Schulzeiten auf zwischen den Bankreihen hin- und hergeschmuggelten Zetteln sehr gute Dienste...

Das Amazonasgebiet an der peruanisch-brasilianischen Grenze Mitte des 19. Jahrhunderts. Der seit 20 Jahren zurückgezogen in Peru lebende Farmer Joam Garral bricht gegen seinen anfänglichen Widerstand auf Bitten seiner Frau mit Familie und Hausrat zu einer abenteuerlichen Floßfahrt auf einer Jangada ins 800 Kilometer stromabwärts gelegene Belém auf, um dort an der Hochzeit seiner Tochter teilzunehmen. Unterwegs wird der zwielichtige Torres mitgenommen, der sich kurz nach der Überquerung der Grenze als skrupelloser Erpresser entpuppt. Er kennt die wahre Identität Garrals, der 1826 unschuldig zum Tode verurteilt aus dem Land floh und seinen Namen ablegte. Torres ist im Besitz eines Dokuments, das Garral, der in Wirklichkeit Dacosta heißt, entlasten kann. Doch das Geständnis des wahren Täters ist verschlüsselt und nur Torres kennt den Code. Im Tausch gegen dieses Papier verlangt Torres Dacostas Tochter zur Fau. Entrüstet lehnt dieser Torres' Ansinnen ab, worauf dieser Dacosta von der brasilianischen Justiz verhaften lässt. Die Zeit läuft ab, denn das Todesurteil ist immer noch gültig und soll vollstreckt werden. Alles scheint verloren, als Torres von Dacostas Sohn im Duell getötet wird, denn nun kennt niemand mehr den Schlüssel zum Code...

Neben schon erwähntem spannenden Dechiffrierversuchen ist es vor allem die Beschreibung Amazoniens und seiner Bewohner, die dieses Buch so interessant machen. Es müssen nicht immer Reisen zum Mond, um die Welt oder 20 000 Meilen unter dem Meer sein, um vom Meister der Abenteuerliteratur ein großartiges Buch präsentiert zu bekommen. Lesetip!

Bewertung: 5 von 5

DVD-Rezensionen (077): 11. September - Die letzten Stunden im World Trade Center

(Cover: Amazon.de)

Diesen Dokumentarfilm möchte man allen Verschwörungstheoretikern vor die Füße schleudern, die seit Jahren die Welt mit unzählige Male widerlegten Thesen belästigen. Ich habe selten ein so eindringliches und mitnehmendes Bild- und Tondokument gesehen.

Dieser Film, ursprünglich als Reportage über einen in Ausbildung befindlichen Feuerwehrmann des New York City Fire Departments geplant, entwickelte sich zu einem Bericht inmitten von Chaos, Zerstörung und Tod, als die den Film drehenden französischen Kameramänner Jules und Gédéon Naudet mitsamt der von ihnen begleiteten Feuerwehreinheit in den Strudel der Ereignisse gerissen werden.

Der Film beginnt regelrecht idyllisch und humorvoll, als Szenen der Ausbildung, ersterer kleiner Einsätze (von der Bedeutsamkeit eines brennenden Papierkorbs) und der sich gegenseitig aufziehenden und bekochenden Männer der Feuerwache gezeigt werden. Auch der Morgen des 11. Septembers beginnt mit einem Routineeinsatz, bei dem in Manhattan einem vermuteten Gasleck nachgegangen wird. Als über den Köpfen der Männer laute Flugzeuggeräusche ertönen, reißt Jules Naudet die Kamera hoch und fängt so die einzigen bekannten (mit Ausnahme der nur eine Rauchwolke zeigenden Videos zweier weit entfernten Augenzeugen) Aufnahmen vom Einschlag des ersten Flugzeugs ein.

Was nun folgt ist eine Reportage aus dem Zentrum des Geschehens. Während sich Jules Naudet mit den Rettungskräften im Nordturm aufhält, dem Zuschauer besonnenerweise die grauenvollen Bilder ihm entgegentorkelnder verbrennender Menschen und den Anblick der zerschmetterten Körper der deutlich hörbar unmittelbar neben seinem Standpunkt aufgeschlagenen gesprungenen Personen erspart, dreht der später zum World Trade Center geeilte Bruder den Einschlag des zweiten Flugzeugs.

Da der benachbarte Südturm zuerst kollabierte, sind die Aufnahmen Jules Naudets die am dichtesten entstandenen Aufnahmen, die durch die enorme Staub- und Geröllwolke pures Grauen erzeugen. Bereits auf der Flucht durch die Dunkelheit wird der Kameramann durch die Trümmer des soeben verlassenen Nordturms erneut in einen Sturm aus Staub eingehüllt, wer diese Aufnahmen einmal gesehen hat, wird sie nie vergessen.

Der Film endet wieder auf der Feuerwache, deren Angehörige die Katastrophe wie durch ein Wunder vollzählig überlebt haben. Mit einer Bildergalerie der Opfer unter den New Yorker Feuerwehrleuten, begleitet von getragener Musik, beschließt der Film.

Man mag dem Film Pathos und Überlänge vorwerfen, für mich ist es eine angemessene Vorgehensweise. Was die USA unter Berufung auf diesen Tag später getan haben ist eine andere Sache, hier geht es um Opfer, insbesondere jene, die ihr eigenes Leben riskierten um anderen zu helfen, selbst als die Gefahr für die eigene Person schon mehr als sichtbar war. Ehre ihrem Andenken.

Zusätzlich zum Film enthält die DVD knapp eine Stunde Interviews mit beteiligten Personen.

Bewertung: 5 von 5

Freitag, 19. September 2008

CD-Rezensionen (076): Die Ärzte - Debil (1984)

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Was waren wir doch für arme Zonenkinder jenseits der Mauer. Sofern nicht mit West-Oma oder Zugang zu harter D-Mark gesegnet, gab es keine Chance eine Originalplatte der Heroen unserer Teenie-Tage zu ergattern - den Ärzten aus Berlin (auuuus Berlin!).

Glücklicherweise nahm sich der rührige landesweite DDR-Sender "Jugendradio DT64" der darbenden Jugend an und spielte mit lautem Pfeifen auf jedes Copyright fleißig von jedem Reinquatschen befreite Ärzte-Songs en masse im Programm. Mit zittrigen Fingern saß man da am Recorder, um wieder ein neues Beutestück von Farin Urlaub, Bela B., Sahnie und dessen späterem Nachfolger Hagen zu ergattern. Da man wohl bei den Radiooberen die Bedeutung einzelner Songs nicht erfassen konnte oder wollte, fanden so auch diejenigen Tracks den Weg auf die private Kassette, die in der Bundesrepublik schließlich zu einem satte 17 Jahre dauernden Bann der BPjS führen sollte - "Claudia hat 'nen Schäferhund" und "Schlaflied".

Das Schöne an den Herren Doktoren ist nach wie vor die Tatsache, dass sie sich auch nach über 25 Jahren im Gegensatz zu vielen anderen Bands nicht zu fein dazu sind, ihre frühen, doch sehr infantilen Werke mit größtem Spaß live zum Besten zu geben. Was wäre ein Ärzte-Gig ohne "Zu spät"?

Auf ihrem Erstling beherrschen noch der wavige Fun-Punk der Nach-NDW-Zeit die Szenerie, im Vergleich zu heutigen Ärzte-Werken geradezu Softie-Musik, aber immer noch der perfekte Soundtrack einer Jugend. Neben bereits erwähntem Klassiker "Zu spät" gehören "El Cattivo", "Mädchen" oder "Micha" immer noch zu gern gehörten Erinnerungen an längst vergangene Tage - Nostalgie pur!

Bewertung: 4 von 5

Buch-Rezensionen (076): Heinz Kiehl - Kampfgeschwader "Legion Condor" 53 (1983)

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Alles wie gehabt beim Motorbuch Verlag. Durchaus interessante Einsatzschilderungen, begleitet von umfangreichem Bild-, Dokumenten- und Kartenmaterial sowie ausführlichem Statistikteil sind eingebettet in eigenartig unreflektierte Texte, die eine dringend notwendige Gesamtbetrachtung der Politiklage des zweiten Weltkriegs doch sehr vermissen lassen. Dies gilt umso mehr für das in diesem Buch behandelte Luftwaffengeschwader, handelte es sich doch um einen Kampf-, sprich Bomberverband.

Die Geschichte dieser Einheit wird ausführlich von den Anfängen in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts dargestellt und um weiter zurückreichende Ereignisse, wie das totale Verbot der Militärfliegerei durch den Versailler Vertrag und die verdeckte Wiederaufrüstung in den Zwanziger Jahren, ergänzt.

Den breitesten Raum nehmen die Einsatzbeschreibungen des Krieges ein, die gegen Ende auch Abwurfmissionen mit dem frühen Marschflugkörper Fi 103 ("V1") beinhalteten.

Besonders sauer stößt dem kritischen Leser der Anhang auf, der auf wenigen Seiten die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs 1936-1939 nachzeichnet, nach dessen der dort auf Seiten Francos eingesetzten deutschen "Legion Condor" das KG 53 benannt wurde. Da wird schon mal unkommentiert der kürzlich verstorbene Goebbels-Mitarbeiter Winfred von Oven zitiert, der den Angriff auf Guernica als "Lappalie" abtut.

So bleibt - wie so oft - ein Beigeschmack bei einer an für sich interessanten Thematik.

Bewertung: 3 von 5

Donnerstag, 18. September 2008

DVD-Rezensionen (076) - Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus (1977)

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"Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus?", der lose auf Motiven des Grimmschen Märchens "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" beruht, ist einer der lustigsten DEFA-Märchenfilme, was vor allem an dem grandiosen, doch leider viel zu früh verstorbenen Dieter Franke als Teufel höchstselbst liegt. Die Szene in der Hölle, in der der arme Bursche Jakob (Hans Joachim Frank) im Auftrag des habgierigen und versoffenen Königs (leider sehr real: Rolf Ludwig) die goldene Haupteszier des Gehörnten stehlen soll, sowie dessen Auftritt bei Jakobs Hochzeit sind wahrhaft brüllend komisch - zum Schießen!

Im Gegensatz zu einigen anderen Babelsberger Produkten gibt es hier keine Szenen, die kleine Kinder ängstigen können - Eltern dürfen hier also bedenkenlos zuschlagen. Das Gegrusel ist eher auf der Seite der erwachsenen Zuschauer, bekommt man hier es doch mit Mono-Ton und unrestauriertem Bild zu tun. Trotzdem darf man der Firma Icestorm dankbar sein, dass sie so manche Perle der eigenen Kinderzeit auf das Medium DVD gerettet hat. Da immerhin noch ein Kurzfilm ("Konsequenz") enthalten und der Film über jeden Zweifel erhaben ist, fällt der Abzug aber moderat aus.

Bewertung: 4 von 5

Norman Whitfield †

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Motown. Ein Name, eine Legende. Mit Norman Whitfield ist am Dienstag einer der bekanntesten Songschreiber und Produzenten des Plattenlabels im Alter von 65 Jahren an den Folgen seiner Diabetes-Erkrankung in Los Angeles gestorben. Auch wenn ich im Bereich der 60er-Musik eher die rockigeren Klänge bevorzuge, haben es einige der von ihm geschriebenen Hits auch in meine Plattensammlung geschafft. Zum Andenken hier zwei der berühmtesten: "I Heard It Through The Grapevine" in der Version von Marvin Gaye und "Papa Was A Rollin' Stone" in der Version der Temptations. R.I.P.