Donnerstag, 24. Januar 2008

CD-Rezensionen (006): Heinz Rudolf Kunze - Der schwere Mut (1983)


(Cover: Amazon.de)

Diese Platte bekam ich durch einen Freund erstmals Mitte der 90er zu hören, also gut 10 Jahre nach Erscheinen.

Laut Heinz Rudolf Kunzes Homepage betrachtet er sein 1983er Album als sein Schwächstes. Das ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, vereinen sich doch brilliante Texte mit handwerklich gut gemachter Musik. Sicherlich wie viele deutsche Interpreten der friedensbewegten frühen 80er sehr kopflastig und deutlich von der politischen Situation geprägt ("Keine Angst"), präsentiert sich Kunze musikalisch hier doch überraschend vielseitig. Trübseliger Jazz ("7. Juli vormittags" - mein Lieblingsstück auf der Platte!) wechselt sich mit dem bitterbösen, vom New Wave geprägten "Die Fütterung" ab, während "Willkommen in meiner Lagune", "Arme Johanna" und "Auf der Durchreise" regelrecht beschwingt daherkommen, ebenso wie das textlich nach wie vor prima zum heutigen Turbokapitalismus passenden "Geht das nicht alles nochnbißchen schneller".

Seine Stärken spielt Kunze jedoch eindeutig in den nachdenklichen Stücken aus, neben der schon erwähnten Spießeridyllenbeschreibung "7. Juli vormittags" im Titelsong und "Man kann doch zu sich stehen wie man will." Für die volle Punktzahl reicht es zwar nicht ganz, dennoch immer wieder gerne aus dem Regal gekramt.

Nee, nee, Herr Kunze, das war eines ihrer Guten!

Bewertung: 4 von 5